Posts mit dem Label Zeitgeschehen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Zeitgeschehen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 7. Oktober 2023

Never Say McClory Again

10 Punkte, in denen Sag niemals nie der EON-Reihe (weit) voraus war

Deutsches Presseheft zu 'Sag niemals nie'
Deutsches Presseheft zu 'Sag niemals nie'
Vor 40 Jahren startete NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie) in den Kinos. Machte der Film damals noch den Eindruck, ein in vielerlei Hinsicht andersartiger Bondfilm zu sein - für viele Fans zu anders -, sticht er heute gar nicht mehr allzu sehr aus dem Gesamt-Canon heraus. 

Vieles von der Art und Weise, wie die Produktion von Sag niemals nie die ihr gestellten Probleme löste, war dabei der Zeit zum Teil weit voraus. 

Hier möchte ich einmal auf die für mich zehn wichtigsten Aspekte eingehen. 



Dienstag, 20. Juni 2023

Sommer, Sonne, 007

Sommer 1993... Ace of Base, Whitney Houston und das noch relativ neuartige Phänomen des Eurodance beherrschen die Musikszene, während mit JURASSIC PARK der Blockbuster des Sommers anläuft. Für mich bedeutete der Sommer 1993 vor allem aber das Entdecken einer neuen Leidenschaft: Der Welt von Geheimagent 007, der mich bisher zwar wie ein zuverlässiger, aber eher flüchtiger Bekannter begleitet hatte, nun jedoch zu einem treuen und wertvollen Freund wurde. Seitdem verband ich die Zeit des beginnenden Sommers mit dieser Entdeckung einer ganzen Film- und Romanwelt. Paradoxerweise war der Filmbond wohl gerade an seinem totesten Punkt angekommen, als er für mich am lebendigsten wurde. (Mehr dazu auch hier)

Aber auch unabhängig von dieser eher zufälligen Zeit des Fan-Werdens waren Bondfilme früher die Art Film, die man sich gern im Sommer im Kino angesehen hat, um sich für zwei Stunden abzukühlen und etwas unbeschwerten Spaß zu haben. Mittlerweile hat sich das fast ins Gegenteil verkehrt - Auch eine Frage der Starttermine der einzelnen Filme?

Sonntag, 2. April 2023

Die aus der Zeit Gefallenen

Artwork by Paul Mann & Richard Amsel

Die 1970er waren eine seltsame Zeit für hartgesottene Nachkriegshelden. Egal ob zynische Privatermittler wie Philip Marlowe oder kalte Krieger wie James Bond. Zwei recht ähnliche Helden, geschaffen von ehemaligen Journalisten und Weltkriegsveteranen. Der eine erblickte 1939 das Licht der literarischen Welt und wurde zu dem hardboiled detective schlechthin, der andere debütierte 1953 und wurde der berühmteste aller Geheimagenten. Die beginnenden Siebziger mit ihren politischen Umbrüchen und über den Haufen geworfenen Idealen ließen beide wie anachronistisch wirkende Klischees aussehen.  

Und so kamen vor einem halben Jahrhundert zwei Filme in die Kinos, die beide Helden mit einem ähnlichen Ansatz in dieses turbulente Jahrzehnt transportierten. Robert Altmans THE LONG GOODBYE (Der Tod kennt keine Wiederkehr) und LIVE AND LET DIE (Leben und sterben lassen). Beide beruhten auf Romanen aus den frühen 1950er Jahren, die sie mit einem kontrastierenden Hauptdarsteller und dem ironischen Spiel mit den eigenen Klischees in das Jahr 1973 übersetzten. Zum Teil ähneln sich sogar die Handlungen in gewissen Details.

Sonntag, 19. März 2023

"Er ist an einem toten Punkt angelangt"

Starlog Artikel über Lizenz zum Töten
Kürzlich habe ich einige alte Filmmagazine aus dem Jahr 1989 erstanden, hauptsächlich wegen Artikeln zu BATMAN, mit dessen fulminanter Werbekampagne ich sehr nostalgische Gefühle verbinde (siehe dazu auch hier oder hier). Interessant sind aber auch die Artikel zu anderen Werken dieses denkwürdigen Filmjahres, darunter vor allem einer in der Zeitschrift Starlog zu Lizenz zum Töten, vom renommierten Autoren Lee Goldberg. Erstaunlich vor allem, weil Goldberg hier bereits im September 1989, als sich der vergleichsweise geringe Erfolg des Films noch nicht vollständig abzeichnete, die Mauer noch nicht gefallen war und noch niemand etwas vom folgenden Rechtsstreit ahnte, das Franchise in einer existentiellen Krise sieht.

Timothy Dalton äußerte sich ebenfalls dahingehend, dass Lizenz zum Töten seinem Bauchgefühl nach der letzte Bondfilm sein könnte. Woher kam dieses Gespür für einen gewissen 'Hauch des Todes', das Franchise betreffend, noch bevor es dann tatsächlich in seine bisher schwerste Krise stürzte?

Sonntag, 12. Februar 2023

Der große Bruch

Celluloid broken, metaphor for Craig Bond era
Die Filme mit Daniel Craig als Bond brachen mit mehr franchise-eigenen Traditionen als jede andere Darsteller-Ära davor. Darunter zahlreiche eherne Prinzipien, nach denen Albert R. Broccoli das Franchise ursprünglich einmal 40 Jahre lang erfolgreich am Laufen gehalten hatten. Ich habe versucht, hier mal alle diese Traditionsbrüche aufzulisten. Insgesamt bin ich auf sage und schreibe 27 Punkte gekommen, wobei ich natürlich nicht automatisch alle davon negativ sehe. Geordnet habe ich sie absteigend nach Gewichtung, also eher subjektiv. Bei manchen Punkten kann man sicher streiten, andere Dinge habe ich vielleicht übersehen.

Interessant ist dabei, dass sich viele Brüche bereits mit dem letzten Brosnanfilm DIE ANOTHER DAY (Stirb an einem anderen Tag, 2002), der von vielen Fans als misslungener Irrweg empfunden wird, abzeichneten. 



Donnerstag, 13. Oktober 2022

Jenseits des Eises

Vor zwanzig Jahren fieberten Fans in aller Welt dem neuen James-Bond-Film entgegen, diesmal der zwanzigste in vierzig Jahren. Ein großes Jubiläum, das viel versprach und auf das man gern auch ein Jahr länger gewartet hatte. Für viele Fans erwies sich der Film dann jedoch als Enttäuschung. 

Pistole in Eis
Nichtsdestotrotz machte die Vorfreude und auch das Marketing des Films enormen Spaß. Denn Stirb an einem anderen Tag war nicht nur der erste Bondfilm, bei dem ich Neuigkeiten zum Film fast ausschließlich über das Internet erfuhr, sondern diese auch mit anderen Fans dort in Foren diskutierte. In vielen dieser Foren - wie dem deutschen Bondforum oder dem von CommanerBond.net - ist diese früher so lebhafte Diskussion aber mittlerweile etwas eingefroren, zugunsten von Gruppen in 'sozialen Medien'.

Ein kleiner nostalgischer Rückblick auf diese erkalteten Lagerfeuer des Fandoms. 

Dienstag, 4. Oktober 2022

Heute vor 60 Jahren...

 ... war die Weltpremiere des ersten James-Bond-Kinofilms DR. NO! Die beiden Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman hatten den von Ian Fleming geschaffenen Super-Agenten in einer wunderbaren Oppulenz auf die große Leinwand gezaubert. Die letzten Jahre haben mir klar gemacht, dass ich mehr als alles andere ein Fan von 'Albert R. Broccolis James Bond' bin, also des Leinwandhelden, den 'Cubby' Broccoli erst zusammen mit seinem Partner Saltzman und dann ab 1974 allein in einer bewundernswerten Lebensleistung schuf. Von allen an einem Film Beteiligten wird dem Produzenten gemeinhin am wenigsten zugestanden, Künstler zu sein. Und doch sind vor allem die Filme von 1962 bis 1989 ein grandioses Gesamtkunstwerk, das in dieser Form davor und danach kein anderer Produzent zustande brachte. 

Für diese wunderbaren Jahre und Filme gilt Albert R. Broccoli mein ganz besonderer Dank, zusammen mit Ian Fleming, Harry Saltzman, Richard Maibaum, Ken Adam, John Barry, Terence Young, Guy Hamilton, Lewis Gilbert, Peter Hunt, John Glen, und den vielen anderen Mitwirkenden, und von den Darstellern besonders Sean Connery, Roger Moore, Timothy Dalton, Desmond Llewellyn, Bernard Lee und Lois Maxwell!


 

Freitag, 22. Juli 2022

Die Welt hat nicht genug

Verschmutzte, überfüllte Städte, Menschen mit Atemschutzmasken, brutale Räumkommandos der Polizei, ... Die Bilder des Films SOYLENT GREEN (Jahr 2022... die überleben wollen...) von 1973, die das Jahr 2022 zeigen sollen, erinnern tatsächlich auf eine fast schon gespenstische Weise an unsere Gegenwart. Und auch einige andere herausragende Science-Fiction-Filme vor allem aus der ersten Hälfte der 1970er Jahre verweisen mit ihren dystopischen Vorausschauen mehr oder weniger direkt in unsere Zeit. 

Einer der Gründe für diesen Trend war die Studie Die Grenzen des Wachstums, die der Club of Rome, finanziert von der Volkswagenstiftung, Anfang 1972 veröffentlichte. Die Simulation eines Computers unter Leitung des MIT-Ökononem Dennis Meadows regte ernsthafte Diskussionen darüber an, ob die Straße des stetigen Wachstums - statt zu immer größerem Wohlstand und Fortschritt, wie noch in den goldenen Sechzigern angenommen - auch in den Untergang führen könnte. So sagte etwa der Nobelpreisträger Linus Pauling 1976 auf einer Tagung, dass in etwa 50 Jahren "die größte Katastrophe in der Menschheitsgeschichte eintreten werde". 

Selbst in den ungebremst eskapistischen Abenteuern der James-Bond-Reihe der 1970er findet sich etwas von dieser Besorgnis wieder, und sie inspirierte in Der Spion, der mich liebte einen neuen Typus von Bondgegenspieler.

Sonntag, 1. Mai 2022

Vorwärts in die Vergangenheit?

Aston Martin DB5 vor Big Ben
Nach dem Ende der Craig-Ära und der kreativen Sackgasse, in die sie das Franchise befördert hat, liest man immer wieder den Wunsch von Zuschauern und Fans, zukünftige Bondfilme doch in der Vergangenheit - vorzugsweise den 1960er Jahren - anzusiedeln. Zum einen sollte dadurch das Problem gelöst werden, Bonds Tod im nächsten Film dramaturgisch zu verarbeiten - in der Vergangenheit war er ja eben noch lebendig. Zum anderen sollen sich die Bondfilme dadurch wieder 'bondiger' anfühlen, mit dem Hintergrund des Kalten Krieges und seiner binären Weltsicht, und natürlich weniger komplizierten sexuellen Interaktionen zwischen Mann und Frau. 

Aber kann man den Umständen unserer Zeit, die letztendlich buchstäblich toxisch für Bond wurden, wirklich so einfach entkommen?

Sonntag, 4. Juli 2021

'Der Hauch des Todes' - Eine Fan-Theorie

Cellokasten from The Living Daylights
Cellokasten im Motormuesum
in Beaulieu
Das Ende des Bondfilms THE LIVING DAYLIGHTS (Der Hauch des Todes, 1987) zeigt ein Konzert der tschechischen Cellistin Kara Milovy (Maryam d'Abo) in Wien, dass neben Bonds Chef M auch der ehemalige KGB-Chef General Anatol Gogol (Walter Gotell) und eine Gruppe Mujaheddin mit ihrem Anführer Kamran Shah (Art Malik) besuchen. Es handelt sich um eine Welt-Tournee von Kara als Solo-Künstlerin, worauf ein Plakat an ihrer Garderobentür hinweist.

Das war eigentlich ein beachtliches Novum in einem Bondfilm, dass eine 'Gespielin' von Bond nach ihrer Begegnung eine große Karriere macht. Die berühmte Cellistin Jaqueline du Pré hatte sich in den 1960er Jahren in dieser Männerdomäne behauptet und starb interessanterweise in genau dem Jahr, in dem der Film herauskam, fast vergessen. Seitdem gab es nicht viele Cellistinnen, die so berühmt waren, dass sie auf Welttourneen gingen. Maria Kliegel kommt noch in den Sinn, oder Hildur Guðnadóttir, die für ihre Filmmusik für JOKER mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Eins der vielen Details, die die Dalton-Bondfilme über den Durchschnitt hinausheben. Es ist allerdings auch in einer weiteren Hinsicht interessant.

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Zuerst war es ein Traum...

Space Shuttle Challenger
Space Shuttle Challenger (Nasa)
Auf Netflix ist im September eine Dokumentarserie gestartet, die sich mit Ursachen und Folgen des Challenger-Unglücks 1986 beschäftigt: Challenger - The Final Flight. Die von J.J. Abrams produzierte Serie gibt einen faszinierenden Einblick in die Zeit von der ersten Vorstellung des Space Shuttles bis hin zu der Katastrophe, die durch ihre Vorhersehbarkeit noch tragischer wirkt. Das Space Shuttle war ein Symbol der Hoffnung und des Fortschritts und ein Prestige-Objekt im Kalten Krieg. Das sowjetische Gegenstück Buran brachte es nur zu einem einzigen unbemannten Flug, bevor es aus Kostengründen eingestellt wurde. Umso interessanter, dass es im 1979er Bondfilm MOONRAKER ein Instrument des Bösen ist.

Nicht nur für Bondfans gibt Challenger - The Final Flight Einblicke in diese aufregende Zeit um Auftstieg und Fall des Space Shuttle, die einige Details in MOONRAKER verständlicher machen:

 

Freitag, 9. Oktober 2020

Kino in der Krise

Mit der Entscheidung, Keine Zeit zu sterben auf April 2021 zu verschieben, hat sich der Hoffnungsträger der Kinos für dieses Jahr verabschiedet und entsprechende Schockwellen in der Branche ausgelöst. In der Folge beschloss die zweitgrößte US-Kinokette Cineworld, 536 Kinos in den USA und 127 in Großbritannien vorerst wieder zu schließen (siehe hier). Die britische Kette Odeon, zu der auch UCI gehört, plant, ihre Standorte nur noch am Wochenende zu öffnen. Weitere Blockbuster wie DUNE oder TOP GUN MAVERICK wurden nun ebenfalls auf nächstes Jahr verschoben, THE BATMAN sogar auf 2022!

Während James Bond im Kino regelmäßig die Welt rettet, hätte er in der Realität nun - vielleicht nicht 'das Kino' - aber wenigstens ein paar tausend Existenzen retten können. Und ein Zeichen für das Medium setzen, das ihn groß gemacht hat. Stattdessen wartet der Super-Agent ohnmächtig auf seinen in die unbestimmte Zukunft verschobenen Einsatz. Angesichts dieser Spirale aus Vorsicht und Angst fragt man sich: Wie hat die Filmindustrie eigentlich frühere und schwerere Pandemien überstanden? Ein Blick zurück.

Donnerstag, 13. August 2020

Hitchcocks Anti-Bond

Alfred Hitchcock's The Short Night, Sean Connery, Liv Ullmann
Eigener Plakatentwurf
In den späten 1960er und den 1970er Jahren hatte Meisterregisseur Alfred Hitchcock ein ähnliches Problem, wie es James Bond später oft hatte. Er hatte sein eigenes Genre kreiert und es darin zur absoluten Meisterschaft gebracht. Doch diese Meisterschaft wollte das Publikum in späteren Werken trotz aller Bemühungen nicht mehr erkennen.

Mit PSYCHO (1960) hatte Hitchcock - fast als Independentfilmer - seinen wahrscheinlich einflussreichsten und legendärsten Film geschaffen. Das große Publikum erreichte er danach dann nur noch einmal - mit THE BIRDS (Die Vögel, 1963). MARNIE mit Bondstar Sean Connery kam sowohl bei Kritikern als auch Zuschauer nicht so gut an, ebenso wie seine beiden Cold-War-Agententhriller TORN CURTAIN (Der zerrissene Vorhang, 1966) und TOPAZ (1969). Gerade aus der Perspektive der Bondfilme lohnt sich jedoch ein Blick auf letztere, da er er sie zum Teil als Gegenentwürfe zu 007 konzipierte. Sein letztes Filmprojekt sollte dieses 'Anti-Bond'-Element noch einmal verstärken: THE SHORT NIGHT, für das er noch einmal mit Sean Connery zusammenarbeiten wollte.


Freitag, 3. Juli 2020

Das Besetzungs-Paradoxon

Mitte der 1980er Jahre: Die Hauptrolle in einem hochkarätigen A-Film soll besetzt werden. Der Favorit der Macher ist jedoch vertraglich an eine Fernsehserie gebunden. Ironischerweise eben jene Serie, die ihn zum Star und Publikumsliebling gemacht hat. Man findet einen Ersatzmann, der die Rolle allerdings ungewöhnlich ernsthaft angeht, und damit nicht jeden überzeugt.

Back to the Future Eric Stoltz / Pierce Brosnan as Bond 1987Bondfans werden hier sofort an THE LIVING DAYLIGHTS (Der Hauch des Todes, 1987) denken, für den erst Pierce Brosnan gecastet wurde. Nachdem er bereits offiziell der Presse vorgestellt worden war, musste er dann wieder seinen Vertrag für die Serie Remington Steele (1982-87) erfüllen und die Rolle abgeben, die dann Timothy Dalton übernahm. Aber auch bei der Vorproduktion des Blockbusters BACK TO THE FUTURE (Zurück in die Zukunft, 1985), der heute vor 35 Jahren in die US-Kinos kam, gab es eine sehr ähnliche Situation: Michael J. Fox war durch die Serie Family Ties (Familienbande, 1982-89) vertraglich gebunden, und man engagierte stattdessen Eric Stoltz. Trotz dieser vergleichbaren Umstände verlief die Produktion beider Filme dann aber völlig anders.


Samstag, 21. Dezember 2019

Das erste Jahr der Zukunft


Zurück in die Zukunft 2 und Filme von 19891989... George Bush leitet das Ende der Ära Reagan ein, sowjetische Truppen rücken endgültig aus Afghanistan ab, Nintendo bringt den Game Boy auf den Markt, in Berlin startet die erste Love Parade unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ und in vielen Staaten der sogenannten zweiten Welt gehen Menschen in Massen für mehr Freiheit auf die Straßen. Veränderungen und die Lust auf etwas Neues liegen in der Luft.

Das ist auch in der Film- und Fernsehlandschaft von 1989 zu spüren. Nicht nur BACK TO THE FUTURE II (Zurück in die Zukunft II) - der vor 30 Jahren in die deutschen Kinos kam - wagte einen erstaunlichen Blick in die Zukunft, auch andere Trends und Ideen wirken vorausschauend und visionär – in guter wie weniger guter Hinsicht. Vom ersten postmodernen Bondfilm über einen der größten Meilensteine des Superheldengenres bis hin zum Urknall der Indie-Bewegung, dem Beginn der Disney-Renaissance und wegweisenden TV-Erfindungen.

Lust auf einen kleinen Rückblick auf die Zukunft? "How far we go? - About thirty years..."

Samstag, 12. Oktober 2019

Der ewige Joker


Batman wird in diesem Jahr 80 Jahre alt. Zelebriert wird das Jubiläum mit einem Film, der einen ähnlich phänomenalen Erfolg hat wie Christopher Nolans THE DARK KNIGHT 2008: JOKER, unter der Regie von Todd Phillips. Der Film erhielt den Goldenen Löwen der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig, was für einen im Superhelden-Comic-Universum angesiedelten Film ebenso ungewöhnlich ist wie der Oscar für Heath Ledger. Auch Joaquin Phoenix wird für seine Darstellung als Oscar-Kandidat gehandelt.

Mittlerweile hat man ein bisschen den Eindruck, dass die Schurken das Batman-Universum übernommen haben. Batman selbst, beziehungsweise sein Alter Ego Bruce Wayne, ist dabei oft nur noch Gast und Nebendarsteller in seiner eigenen Welt. Wie in SUICIDE SQUAD, der Serie Gotham und jetzt in JOKER. Auch in den DC-Ensemblefilmen, die Marvel nacheifern, ist Batman als einziger Normalo unter echten Superhelden eher geduldeter Außenseiter. Was paradox ist, denn eigentlich ist er der größte Trumpf von DC.

Ein Schicksal, das auch dem über fünfzigjährigen Bond-Franchise in Zukunft widerfahren kann? Oder wären Origin-Filme für Gegenspieler wie Blofeld, Goldfinger oder Silva auch hier eine Chance?


Mittwoch, 17. Juli 2019

Girls und Göttinnen

Beim chronologischen Anschauen der James-Bond-Filme fällt auf, wie wenig die weiblichen Hauptrollen der Bondfilme der Sechziger Jahre dem gängigen Klischee von schutzbedürftigen Bikini-Miezen entsprechen, die viel an Körbchengröße bei einem Minimum an Köpfchen zu bieten haben. Auffallend sind dabei die jeweiligen Einführungsszenen der Darstellerinnen, die bei meinem Bond-Marathon eine eigene Bewertungskategorie bilden.

Die Auftritte der Leading Ladies sind in den Sechzigern Ereignisse, nach denen der Film nicht mehr derselbe ist. Und das selbst in einer völlig durchgeknallten Parodie wie CASINO ROYALE (1967), die Jahrzehnte vor SKYFALL eine an Attraktivität allen anderen Bondgirls mindestens ebenbürtige Moneypenny in Action zeigt. Ernüchternd sind im Vergleich vor allem die frühen Siebziger, aber auch später in der Serie wurde diese filmische Qualität selten wieder erreicht.



Mittwoch, 13. Dezember 2017

Das Imperium hat gewonnen

Als STAR WARS vor 40 Jahren in die Kinos kam, war es ein ebenso mutiges wie innovatives Projekt. Ein Film, an den niemand in der Filmindustrie wirklich glaubte. Eine Liebeserklärung an trashige Space Operas, gesehen mit den Augen eines Kindes, das den Trash als epische Größe wahrnimmt. Es war somit eine Ode an das kindliche Staunen, inmitten des Pessimismus und der Paranoia des New Hollywood.

Doch unschuldig und weltfremd war STAR WARS deshalb noch lange nicht. George Lucas wurde für seine Geschichte durch den Vietnamkrieg inspiriert, und das Vorbild für Imperator Palpatine war Richard Nixon. Damit behandelte der Film ähnliche Themen wie die Thriller und Dramen des New Hollywood, nur auf eine völlig andere Weise.

Obwohl der mittlerweile achte Film um die Skywalker-Familie optisch und dramaturgisch an die alten Filme anknüpft, wirkt er aus filmgeschichtlicher Sicht mittlerweile wie eine Pervertierung des ursprünglichen Gedankens.




Ende der 1960er Jahre befand sich das alte Studiosystem Hollywoods in kreativer Erstarrung. Es produzierte dieselben Western, Musicals und Monumentalfilme, mit denen es seit Jahren Geld gemacht hatte, und war unfähig, sich verändernden Zuschauer-Interessen anzupassen. Wie ein Fluß, der sich kurz vor der Mündung in ein Delta verzweigt und sich scheinbar mit überbordender Weite gegen die endende Länge zu wehren versucht, pumpten die Studios immer mehr Geld in immer längere und pompösere, aber letztlich belanglose Filme. (Ironischerweise ereilte das New Hollywood ein gutes Jahrzehnt später mit Filmen wie HEAVEN'S GATE dasselbe Schicksal.)

Was wäre passiert, wenn es einen gleichbleibend riesigen Markt für all die Western, Musicals und Monumentalfilme selbst in ihrer lächerlichsten Form gegeben hätte; wenn die Zuschauer der 1970er Jahre dieser Art Film nie müde geworden wäre, sondern sich im Gegenteil in einem vernetzten Fankult scheinbar endlos daran ergötzt hätte? Die nach Meinung vieler Kritiker fruchtbarste Phase der Filmgeschichte mit Werken wie THE GODFATHER, TAXI DRIVER oder CHINATOWN hätte vermutlich nie stattgefunden. Und damit auch nicht erneute Gegenströmungen wie eben... STAR WARS.

Diese Situation existiert heute jedoch. Bereits vor Jahren kritisierten Filmemacher wie Steven Spielberg und Steven Soderbergh die aktuelle Filmindustrie, die nicht mehr nur in Trilogien denkt, sondern in Franchises mit Phasen von zehn bis zwanzig Filmen. Spielberg prophezeite eine Implosion der Industrie ähnlich dem des Studiosystems, die aber auszubleiben scheint. Eine starr kapitalistische Industrie hat mit Marvel und Star Wars die perfekten, ewig zu funktionieren scheinenden Goldesel gefunden. Eigentlich ein Albtraum: Der perfekte Todesstern, der jede Konkurrenz plattmacht. Eigentlich...

Natürlich war Star Wars schon seit dem unerwarteten Mega-Erfolg des ersten Films dieser Widerspruch in sich. Das Hippie-Märchen, das wie Karl Marx auf LSD vom letzten Gefecht der Unterdrückten gegen das faschistische System träumte, entwickelte sich durch sehr cleveres Merchandising schnell selbst zum Imperium. Schien Lucas damals noch kühn, als er andeutete, dass sein Film eigentlich nur der Auftakt eines Neunteilers sein sollte, wirkt er heute schon fast rührend bescheiden, wenn Disney bereits die nächsten 15 Jahre mit einen Star-Wars-Film jedes Jahr verplant hat, oder die nächste Marvel-Phase mit 20 Filmen. Star Wars ist das neue Weihnachten, Marvel das neue Ostern, Pfingsten und Allerheiligen.

Dieser imperiale Gestus erschöpft sich leider nicht nur in diesem industriell-maschinell wirkenden Film-Output und dem allgegenwärtigen Extrem-Marketing, sondern auch in der kompletten Ausbeutung von Kinobetreibern. Disney verlangt für die neue Episode statt der bisherigen 55 bis 60 % der Ticket-Erlöse unverschämte 70 %, und fordert dazu noch eine vierwöchige Laufzeit im größten Saal. Eine Firmenpolitik, die mit einer erschreckenden Arroganz den wirtschaftlichen Ruin kleiner Kinos in Kauf nimmt. Eben jene Kinos, die vor langer Zeit einmal die billigen Weltraumopern zeigten, die Star Wars überhaupt erst inspirierten. Die wahren Rebellen sitzen mittlerweile nicht mehr in X-Wings, sondern in den Kinos, die sich gegen diese Politik zur Wehr setzen.

Die Filmgeschichte wurde immer vorangetrieben von Zuschauern, die nach etwas Neuem verlangten, und von Visionären, die sich von den Fesseln des Zeitgeistes lösen konnten. George Lucas war einmal einer von ihnen. Doch wo sind die heute? Ist es Hollywood tatsächlich gelungen, sich die perfekten Popcorn-Konsumenten heranzuzüchten? Kritiker dieser Entwicklung werden schnell ausgebuht und als Spielverderber hingestellt. Wenn ein James Cameron, der weit mehr für den modernen Blockbuster getan hat als Abrams und Co., die vermeintlich fortschrittliche Frauenfigur von WONDER WOMAN kritisiert, erntet er einen Shitstorm, als wäre er irgendein Provinzkritiker.

Mittlerweile fühle ich mich seltsam fremd in dieser Kinolandschaft, und das nicht als Arthouse-Cineast, sondern als Liebhaber gut gemachter Blockbuster-Unterhaltung. Natürlich könnte man einwenden, dass auch die Bondserie zu diesen scheinbar perfekten Goldeseln gehört, und vielleicht fühlten sich manche Kritiker angesichts des unfassbaren Erfolges der Bondfilme Mitte der Sechziger und des unermüdlichen Zwei-Jahres-Rhythmus über Jahrzehnte hinweg ebenso befremdet. Allerdings beherrschte die Bondmania selbst in ihrer Hochzeit von gerade mal 5 bis 6 Jahren nicht die komplette Filmindustrie und verwandelte sie nicht in eine Monokultur.

Montag, 18. September 2017

Schurken mit Superwaffen

Nordkoreanisches Propaganda-PlakatDieses Jahr feiern einige Bondfilme Jubiläen. Auch der wohl umstrittenste Bondfilm aller Zeiten, DIE ANOTHER DAY (Stirb an einem anderen Tag), wird 15. Neben den bizarren Übertreibungen und Fehlern, die man dem Film zu Recht anlasten kann, gibt es aber auch einige gute Ideen, Schauwerte und phänomenale Stunts, die man nicht übersehen sollte.

Und obwohl das Drehbuch letztendlich nur noch ein Schatten des ursprünglichen Konzeptes ist, wie hier erörtert, zeigt auch der fertige Film eine weltpolitische Situation, die zwar metaphorisch überhöht, aber trotzdem erstaunlich vorausschauend ist. Vor allem angesichts der Meldungen Anfang September dieses Jahres, dass Nordkorea im Besitz einer Wasserstoffbombe ist.



Samstag, 22. Juli 2017

Operation Kino

Dass Geheimdienste Filmprojekte großzügig mit Geld und Equipment unterstützen, die sie in einem guten Licht darstellen, ist mittlerweile allgemein bekannt. Überraschend ist immer wieder das Ausmaß der Einflussnahme, wie jetzt die beiden Autoren Tom Secker und Matthew Alford in ihrem Buch National Security Cinema aufdecken. Sie sichteten dafür rund 4000 Pentagon- und CIA-Dokumente, die durch den Freedom of Information Act zugänglich wurden. Die Autoren gingen anfangs von etwa 200 relevanten Filmproduktionen aus. Eine Zahl, die sie großzügig nach oben korrigieren mussten: Bei über 800 Kino- und über 1000 TV-Produktionen kontrollierten US-Regierungsorganisationen Handlung und Dialoge, bis hin zu TV-Geschichts-Dokus.

Dass Bondfilme potentielle Kandidaten für solche Deals sind, ist grundsätzlich ebenfalls nichts neues. Interessant sind aber auch hier die Zensur-Maßnahmen im Detail. So wurde im Film TOMORROW NEVER DIES beispielsweise ein recht harmlos wirkender Oneliner zensiert und letztlich aus dem Drehbuch gestrichen.




Eine unterschwellige Militarisierung wurde den Bondfilmen seit ihren Anfängen in den 60er Jahren unterstellt. Wobei die Filmreihe das dargestellte Geheimdienst-Milieu eigentlich von Anfang an mit ironisch-übertriebener Distanz und später leiser Selbstkritik dargestellt hat. Anders als in den Filmen von Michael Bay oder den Marvel-Verfilmungen beispielsweise. Aber selbst am Set von IRON MAN kam es zu einem Disput zwischen Regisseur Jon Favreau und dem Hollywood-Beauftragten des Verteidigungsministeriums Phil Strub.

Im Buch erwähnt wird THUNDERBALL, für dessen Produktion ein Flugzeug mit 'Skyhook' vom CIA-Unternehmen Intermountain Aviation zur Verfügung gestellt wurde.

Eine Dialogzeile, die direkt aufgrund des Vetos von Strub aus dem Department of Defense (DOD) gestrichen worden sein soll, stammt aus TOMORROW NEVER DIES (Der Morgen stirbt nie, 1997).

Im Drehbuch sagt Bonds CIA-Kollege Jack Wade, kurz bevor Bond via HALO-Jump aus einem Flugzeug springt und in vietnamesischen Hoheitsgewässern landen soll:

You know what will happen. It will be war, and maybe this time, we'll win. 
(Ihr wisst, was passieren wird. Es wird Krieg geben, und diesmal gewinnen wir ihn vielleicht sogar.)

Sich über die Niederlage des Vietnamkrieges lustig zu machen war offenbar ebenso ungern gesehen wie dessen Erwähnung überhaupt. Strud selbst bestreitet diese Einflussnahme, während die Autoren des Buches darauf verweisen, dass das Verteidigungsministerium im Abspann explizit genannt wird, und ihnen zudem eine Kopie des Kooperations-Vertrages vorliegt, der von der Produktion unterzeichnet werden muss.

Im Lichte dieser Veröffentlichungen wird vielleicht auch die merkwürdige Transformation des Drehbuches zu DIE ANOTHER DAY von einer dunklen, kritischen Reflexion von CIA-Einflußnahmen hin zu einem seltsam überzeichneten Szenario von isolierten Schurken und gleichrangigen NSA-Agenten verständlicher, über die ich in diesem Artikel geschrieben hatte.


Quellen:

Documents Expose How Hollywood Promotes War on Behalf of the Pentagon, CIA and NSA

deutsch: 

Die Propaganda-Fabrik: Wie Pentagon und CIA Hollywood unterwandern