Donnerstag, 19. Juni 2014

John Logan - Eine Retrospektive (Teil 2 und Fazit)

Bond 24 Screenplay by John LoganVor einiger Zeit war in den Medien zu lesen, dass John Logan das Drehbuch zu Bond 24 fertiggestellt hat und in Zusammenarbeit mit Sam Mendes Logiklöcher stopft. Im ersten Teil meiner John-Logan-Retrospektive ging es um Logans Drehbücher von BATS bis THE LAST SAMURAI. Hier möchte ich nun eine Betrachtung seiner Arbeiten von AVIATOR bis in die Gegenwart nachreichen, und die Themen und roten Fäden analysieren, die auch in den zukünftigen Bondfilm(en) aus seiner Feder zu erwarten sein dürften.




Donnerstag, 12. Juni 2014

Diesmal ist es persönlich - und ab jetzt für immer!

Der erste post-klassische Bondfilm LICENCE TO KILL wird ein Viertel-Jahrhundert

Ausschnitt aus dem US One
Sheet Studio (MGM/Danjaq 1989)
Wenige Bondfilme sind bei Fans und Kritikern so umstritten wie Timothy Daltons Zweiter. War Daltons Debüt THE LIVING DAYLIGHTS noch ein in jeder Beziehung klassisches 007-Abenteuer - inklusive Verfolgungsjagd im aufgerüsteten Aston Martin - betrat Daltons zweiter Bondfilm in vielen Aspekten Neuland. LICENCE TO KILL sollte der Reihe frisches Blut injizieren, doch für viele war es etwas zuviel Blut.




The long Good-Bye and late Hello - Die Bondfilme der 80er

Bereits für den 1981er FOR YOUR EYES ONLY war ein neuer und jüngerer Bonddarsteller eingeplant. Dafür schrieb man auch die Vortitelsequenz mit den Blumen an Tracys Grab, die die Tonalität gleich zu Beginn an ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE anknüpfen sollte, den John Glen geschnitten und der sich im Lauf der Jahre zum Geheimtipp unter Fans gemausert hatte.

Eigentlich sollte also bereits Anfang der Achtziger die Frischzellenkur erfolgen, die der Reihe angesichts konkurrierender Franchises sicher nicht schlecht bekommen wäre. Doch dann tauchte ein gewisser Kevin McClory mit der Regelmäßigkeit einer ungeliebten Jahreszeit auf und erhielt endlich grünes Licht für sein Konkurrenzprojekt NEVER SAY NEVER AGAIN. Ein neuer Darsteller erschien Broccoli zu riskant und so blieb Roger Moore auch für den 12. und 13. Beitrag erhalten. Vielleicht war es auch der Grund, warum Moore mit sieben "offiziellen" Filmen an Connery vorbeiziehen sollte.

Man hatte den unliebsamen Konkurrenten zwar kommerziell in die Schranken gewiesen, bezahlte dafür aber mit einer künstlerischen Stagnation, während andere Helden den Nerv der Zeit besser trafen. In dem sehr lesenswerten Buch Mythos 007 (2007 Bender Verlag) wird die Zeit von 1983 bis 1987 treffend als "Der lange Abschied" bezeichnet.

The Next Generation

Nachdem in seinem Einstieg noch einige Gags vorhanden waren, die sich nicht zu weit vom Moore-Universum entfernten, wollte Dalton seinen Bond nun wesentlich menschlicher und realistischer darstellen. "Timothy wants to create a character that's much more human, more realistic. The films then play a bit tougher", sagt Michael G. Wilson in The Making of Licence To Kill. "I hope Timothy is the next generation. First time out people are curious, second time they have to come back, deliberately."

Die Arbeiten am Drehbuch drehten sich anfangs um den Charakter Milton Krest aus der noch verbliebenen Fleming-Kurzgeschichte The Hildebrand Rarity. Hinzu kamen Elemente aus dem Roman Live And Let Die sowie ein am damals aktuellen "War on drugs" orientierten Plot. Man fasste China als Hauptschauplatz ins Auge. Aber zum einen erwies es sich durch die Entfernungen als zu teuer, zum anderen hatte bereits THE LAST EMPEROR ein Jahr zuvor das Reich der Mitte sehr oppulent in Szene gesetzt. Stattdessen besann man sich auf Key West und Mexiko.

Aus heutiger Sicht wirkt es klug und vorausschauend, dass sich der Film bereits völlig aus dem Kalten-Kriegs-Rahmen verabschiedet und stattdessen auf andere globale Probleme konzentriert. Die große Versöhnungsparty zwischen West, Ost und Nah-Ost am Ende von THE LIVING DAYLIGHTS wirkt in dem Zusammenhang bereits wie der Abschied vom Kalten Krieg und die Vorwegname des Mauerfalls.

Lizenz abgelaufen?

Wie im Buch Mythos 007 zitiert, erklärten die meisten Feuilletons Bond nach LICENCE TO KILL für am Zeitgeist gescheitert und tot. (Wahrscheinlich dieselben Feuilletons, die dann CASINO ROYALE begrüßten.) Die Süddeutsche schrieb: "Der Mann, den sie da sehen, ist nicht Bond. Auch wenn er es behauptet." Die Zeit: "Noch nie war Bond so schlecht wie jetzt, wo er so gut gespielt wird." Die FAZ: "Man ahnte, das alles verloren wäre, wenn sie eines Tages nicht mehr mittelmäßig sein würden, aber gut gemacht, sondern mittelmäßig und ernst gemeint." Und die CINEMA schrieb von "Miami Vice mit Knopflochnelke".

Finanziell blieb der Film hinter den Erwartungen zurück, vor allem in den Vereinigten Staaten, deren Zuschauer man mit US-Darstellern und -Schauplätzen gewinnen wollte. Beim zweiten Mal kamen die Zuschauer nicht "deliberately" zurück, wie Wilson gehofft hatte. Interessanterweise folgte auf LICENCE TO KILL mit den Brosnan-Abenteuern der Neunziger dann wieder eine Stagnation, die letztlich erst mit einem Bond gebrochen wurde, der wieder "more realictic, more human" war.

Aber ähnlich wie ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE erlebte auch dieser Bondfilm bei vielen Fans und Kritikern eine Rehabilitation. So schrieb der Kritiker Kim Newman beispielsweise 2002: "Dalton war zu düster, seine Filme waren zu intensiv, die Gegenspieler zu glaubwürdig und die Mädchen zu tough. Vielleicht bestand das Problem einfach darin, dass Dalton einfach zu gut war, um einen erfolgreichen 007 abzugeben... Er ist der einzige Star in der gesamten Reihe, Sean Connery nicht einmal ausgenommen, der James Bond als eine für einen Schauspieler ernstzunehmende Rolle behandelt hat."

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Literatur:

Mythos 007. Die James-Bond-Filme im Fokus der Popkultur; 2007; Andreas Rauscher, Bernd Zywietz, Georg Mannsperger, Cord Krüger (Hg.); Bender Verlag

The Making of Licence To Kill; 1989; The Hamlyn Publishing Group Limited; Sally Hibbin