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Donnerstag, 13. Oktober 2022

Jenseits des Eises

Vor zwanzig Jahren fieberten Fans in aller Welt dem neuen James-Bond-Film entgegen, diesmal der zwanzigste in vierzig Jahren. Ein großes Jubiläum, das viel versprach und auf das man gern auch ein Jahr länger gewartet hatte. Für viele Fans erwies sich der Film dann jedoch als Enttäuschung. 

Pistole in Eis
Nichtsdestotrotz machte die Vorfreude und auch das Marketing des Films enormen Spaß. Denn Stirb an einem anderen Tag war nicht nur der erste Bondfilm, bei dem ich Neuigkeiten zum Film fast ausschließlich über das Internet erfuhr, sondern diese auch mit anderen Fans dort in Foren diskutierte. In vielen dieser Foren - wie dem deutschen Bondforum oder dem von CommanerBond.net - ist diese früher so lebhafte Diskussion aber mittlerweile etwas eingefroren, zugunsten von Gruppen in 'sozialen Medien'.

Ein kleiner nostalgischer Rückblick auf diese erkalteten Lagerfeuer des Fandoms. 

Mittwoch, 6. März 2019

Die unheimliche Macht der Fans

Hier möchte ich einen Film eines Freundes vorstellen, bei dem ich am Drehbuch mitgewirkt habe. Es geht ausnahmsweise mal nicht um Bond, sondern um die faszinierende Folge USS Callister der britischen Anthologieserie Black Mirror. Eine Serie, die sich zu meinem Favoriten in der jüngeren TV-Landschaft gemausert hat. Da auf diesem Kanal noch mehr erscheinen wird, würden wir uns über ein Like oder auch ein Abonnement freuen! Viel Spaß!







Der Film enthält ein paar Spoiler.

Mittwoch, 29. November 2017

Quo Vadis, 007?

Bis auf den Umstand, dass Daniel Craig für den 25. EON-Bondfilm als James Bond zurückkehren wird, und dieser 2019 in die Kinos kommen soll, gibt es bisher nicht viele offiziell bestätigten Neuigkeiten. Produzentin Barbara Broccoli klärte das letztens: “So, to me, that’s the crucial thing… We’ve got our Daniel; we’ve got to find the director. We’re working on the script and we’ll see…" (Express), und fügte hinzu: "Hopefully by the beginning of the year we’ll have more news on all those fronts.”

Einige Meldungen deuten diese Aussage dahingehend, dass es Anfang des neuen Jahres einige große Ankündigungen bezüglich Bond 25 geben wird. Im günstigsten Falle wohl Regisseur, Hinweise zur Handlung oder vielleicht sogar schon ein Titel. Barbara Broccoli machte die Aussage anlässlich der Premiere des von ihr produzierten Thrillers THE RYTHM SECTION. Auf die Frage hin, ob auch 007 mal in Irland im Einsatz sein könnte, sagt sie: “Let’s see, maybe we’ll try and get Bond here at some point. I must say, having experienced it, I would love to come back.”

Welche Neuigkeiten wären hier eigentlich zu erwarten, angesichts der jüngsten Entwicklungen und Gerüchte?


Donnerstag, 27. April 2017

Beautiful Beast

Die 1990er Jahre waren das vielleicht erfolgreichste Jahrzehnt für das Star-Trek-Franchise. Die Neu-Interpretation der Originalserie, Star Trek: The Next Generation, konnte ihre Einschaltquoten bis zum furiosen Finale mit jeder Staffel steigern und hatte international Erfolg. Aus ihr sprossen mit Deep Space Nine und Voyager zwei Spin-offs hervor, und mit Enterprise folgte noch eine dritte Serie ihrem Fahrwasser. Auch Bond kam in den 90ern nicht an Star Trek vorbei.

Vor 25 Jahren, am 27. Mai 1992, wurde im US-amerikanischen Fernsehen die Folge The Perfect Mate (im deutschen Fernsehen: Eine hoffnungslose Romanze) ausgestrahlt. Damit wurde die niederländische Schauspielerin Famke Janssen, die zuvor als Model unter anderem für Chanel gearbeitet hatte, einem großen Publikum bekannt. Der Serienauftritt führte zu einer Hauptrolle im Bondfilm GOLDENEYE und zu einer internationalen Karriere.




Wie zahlreiche andere Next-Generation-Folgen greift diese Folge aus der fünften Staffel das Thema einer Folge des originalen Star Trek auf, in diesem Fall Elaan of Troyius (im deutschen Fernsehen Brautschiff Enterprise) aus der dritten Staffel der Classic-Serie, und entwickelt es weiter. Hier geht es um eine Science-Fiction-Variation des Trojanischen Krieges und der klassischen Femme Fatale Helena von Troja. Janssen verkörpert in der Folge eine buchstäbliche Traumfrau, die dazu in der Lage, die Bedürfnisse ihres Partners zu erkennen. (Ironischerweise lautet eine ihrer Dialogzeilen in GOLDENEYE "Once again, Mr. Bond, the pleasure was all yours".) 

Durch das intensive und glaubwürdige Schauspiel von Patrick Stewart und Famke Janssen entsteht eine sehr sehenswerte tragische Liebesgeschichte, die das hohe Niveau wiederspiegelt, das The Next Generation gegen Ende erreichte.*

Interessanterweise beginnt die Folge mit zwei Ferengi, die mit einem geheimen Auftrag auf die Enterprise kommen. Einer von ihnen sagt. "This is too easy!" Genau das sagt auch Bond in GOLDENEYE, als er und 006 eine sowjetische Gasfabrik entern. Mit der nach dem Gott Janus benannten Organisation hat Janssens Rolle auch im Bondfilm einen indirekten Bezug zur klassischen Mythologie.

Famke Janssen, die Wirtschaft und Literatur studiert hat, sollte ein Jahr darauf in der Spin-off-Serie Deep Space Nine als Jadzia Dax eine der Hauptrollen übernehmen. Sie lehnte jedoch ab, um sich weitere Filmrollenangebote offen zu halten. Letztlich eine gute Entscheidung, denn dadurch erhielt sie ihre berühmteste Rolle als ebenso tödliche wie schöne Ex-KGB-Agentin Xenia Onatopp in GOLDENEYE.

Da Regisseur Bryan Singer ein großer Next-Generation-Fan ist, besetzte er sowohl Patrick Stewart als auch Famke Janssen in seiner Verfilmung der X-MEN, wo sie an der Seite des letzten Brosnan-Bondgirls Halle Berry spielt. (Singer legte später auch ein sehr interessantes Konzept für eine Star-Trek-Neuinterpretation vor, das leider zugunsten von J.J. Abrams simpler Star-Wars-ierung abgelehnt wurde.) Die Rolle der Jean Grey wiederholte sie noch für drei weitere Filme. In drei TAKEN-Filmen spielte sie die Frau von Liam Neeson, der wiederum einer der Anwärter für die Bondrolle in GOLDENEYE war.

In diesem Jahr ist Famke Janssen gleich dreimal im Kino zu bewundern: In der Komödie A LITTLE SOMETHING FOR YOUR BIRTHDAY mit Sharon Stone, dem Mystery-Thriller AMERICAN UNDERCOVER sowie an der Seite von Bruce Willis in der Actionkomödie ONCE UPON A TIME IN VENICE.


* Die Folge hat sogar eine höhere imdb-Bewertung als der Film GOLDENEYE.

Sonntag, 24. Juli 2016

Ken Adam reloaded?

Auf der San Diego Comic Con wurden der Titel und der Teaser der neuen Star-Trek-Serie bekannt gegeben: Star Trek Discovery.





Das Design der Discovery mit einem großen, dreieckigen Hinterteil sowie der Asteroiden-Raumbasis erinnert dabei stark an Konzepte, die in den 1970er Jahren von Sir Ken Adam und Star-Wars-Designer Ralph McQuarrie für den unrealisierten Star Trek: Planet of the Titans, beziehungsweise der ebenfalls unrealisierten Classic-Nachfolgeserie Phase 2 entwickelt wurde, siehe beispielsweise hier oder hier.

Montag, 14. September 2015

Brücke mit Aussicht

A Vertigo View To A Voyage Home
Den 13. Bondfilm A VIEW TO A KILL, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, trifft oft der Vorwurf, die Bondformel nur unbefriedigend variiert und Versatzstücke aus früheren Bondfilmen und anderen Werken der Filmgeschichte benutzt zu haben. Die Idee eines Action-Finales auf der Golden-Gate-Bridge war dagegen - ähnlich wie das Rücken-an-Rücken-Plakatmotiv - eine Idee, die seither oft kopiert wurde. Mittlerweile ist die vielleicht berühmteste Brücke in jedem zweiten Sommer-Blockbuster zu sehen, wie in diesem Jahr TERMINATOR: GENISYS, SAN ANDREAS, PIXELS oder ANT-MAN.


Dienstag, 1. April 2014

John Logan - Eine Retrospektive (Teil 1)

„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern", lautet eine Weisheit. Da Drehbuchautor John Logan gerade den schönsten Job auf diesem Planeten hat und das neuste James-Bond-Abenteuer schreibt - und auch das nachfolgende verfassen wird - sollte sich in diesem Sinne ein Blick zurück auf seine bisherigen Arbeiten lohnen, um Trends und Themen in der weiteren Entwicklung des Franchise auszumachen. Dabei eröffnen sich einige interessante Details!


Donnerstag, 9. Mai 2013

Starfall

Star Trek Into Darkness
USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch

STAR TREK ist eigentlich ein Franchise, das buchstäblich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Man kann sich im Gegensatz zu Bond beispielsweise effektetechnisch völlig austoben; man hat zahllose phantastische Welten, Wesen und Technologien zur Verfügung und schließlich auch die Möglichkeit, aktuelle und klassische Menschheitsthemen spielerisch in utopisch-übersteigerten Metaphern zu behandeln. Da wirkt es fast schon wie eine besondere Kunst, solch ein Universum uninteressant werden zu lassen, wie das unter Rick Bermans Ägide zunehmend der Fall war. Vor vier Jahren gelang es J.J. Abrams, wieder breite Zuschauerschichten für diese unendlichen Weiten zu begeistern. Nach dem zweiten Film hatte ich nun trotz guter Unterhaltung wieder das Gefühl vieler ungenutzter Möglichkeiten.



Dabei beginnt der Film ungemein vielversprechend und unterhaltsam. Man sieht die Crew bei der Rettung einer sehr exotischen Welt, bei der sie in Konflikt mit der obersten Direktive der Sternenflotte gerät. Der Vulkanier Spock befindet sich in einem buchstäblichen Vulkan, während Kirk und Pille von erzürnten Aliens verfolgt werden. Die oberste Direktive, die das Nicht-Einmischen in die Angelegenheiten sogenannter Pre-Warp-Zivilisationen vorschreibt, ist eine dieser Möglichkeiten, die Stoff für tiefergehende Stories bieten würde. Wenn man sich vor Augen führt, dass solch ein Einmischen in der Menschheitsgeschichte fast immer verbunden war mit einem Auslöschen, macht so eine Direktive durchaus Sinn. Andererseits könnte man es auch moralisch verwerflich finden, Schwächere einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Aber der Film nutzt dieses eingeführte moralische Dilemma im weiteren Verlauf nicht.

Die Einführung des von Benedict Cumberbatch verkörperten Gegenspielers John Harrison ist ebenfalls sehr gelungen. Allerdings wird auch hier ein Konflikt etabliert, der sich später in galaktischen Nebeln verflüchtigt. Der charismatische Cumberbatch, dessen Stern auch nach INTO DARKNESS steigen dürfte, ist schauspielerisch ein echtes Highlight. Harrison greift das Sternenflottenhauptquartier an und flüchtet daraufhin zur klingonischen Heimatwelt Qo'noS. Die Enterprise bekommt den Auftrag, ihn aufzuspüren.

Die Auflösung der wahren Identität des Antagonisten, um die abrams-typisch ein großes Geheimnis gemacht wurde, war dann für mich der erste Tiefpunkt des Films, denn die Macher gehen hier den einfallslosesten und mutlosesten aller Wege. Dazu kommt, dass der Background von Harrison in der veränderten Zeitlinie des Abrams-Universums keinen echten Sinn ergibt und auch kein starkes Motiv liefert. Von da an ist INTO DARKNESS zunehmend nur noch eine mäßig kreative Kopie gewisser älterer Filme - das allerdings, ohne den Impact der Originalszenen zu erreichen.

Dafür, dass Abrams nach eigenen Angaben von den meisten bisherigen Star-Trek-Filmen nicht allzu viel hält, bedient er sich doch reichlich an deren Erfolgsmustern. In diesem Aspekt wirkt INTO DARKNESS ein bisschen wie die STAR-WARS-Prequel, bei denen Lucas ebenfalls versuchte, einen narrativen "Reim" auf die alten Filme herzustellen. Vermutlich spekuliert Abrams darauf, dass die "Nicht-Trekker" sich an diese Filme eh nicht so gut erinnern werden, während er für die Fans ein paar Brocken hinwirft, wie eine Anspielung auf Tribbles oder einen dramaturgisch völlig unnötigen Kurzauftritt von Leonard Nimoy. Vom Sternenflotten-Geheimdienst Sektion 31 hätte man gern noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren. Und auch logisch bleibt vieles offen.

Wie Sophie Albers in ihrer Kritik auf stern.de bemerkt, erinnert die Handlung oft etwas an SKYFALL (Der ja selbst wiederum an diverse Nolan-Filme erinnert). Vor allem die Gefangenschaft des Gegners und das Ende. Wahrscheinlich zählen Schurken in langen Mänteln, die sich gern gefangennehmen lassen, um ein bisschen zu posen, ebenso zum Zeitgeist wie fliegende Funken auf den Filmplakaten. Und natürlich müssen männliche Helden am Ende so richtig weinen, weil das ja so anziehend auf weibliche Zuschauer wirkt und die Kassen vielleicht noch ein bisschen mehr klingeln lässt.

In der zweiten Hälfte tritt STAR TREK INTO DARKNESS kreativ auf der Stelle. Und das trotz sehr guter Tricktechnik und durchweg sehenswerter Darsteller. Neben Cumberbatch glänzen auch Peter ROBOCOP Weller und Karl Urban. Auch die restliche Crew macht ihre Sache sehr gut und ist den Originalen wirklich würdig. Vielleicht ist es für Star Trek das Beste, wenn J.J. Abrams jetzt nach der gelungenen Einführung der Charaktere zur "Konkurrenz" wechselt. Für den nächsten Film wäre ein Regisseur zu wünschen, der mehr aus den Charakteren herausholt und aus dem Kosmos Neues hervorbringt, statt Altes aufzutauen.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Eine Reise in die Dunkelheit

Gastbeitrag von Kai Schulze

Seit Beginn verfolge ich regelmäßig die Beiträge hier auf BOND & BEYOND und freue mich zu sehen wie auch andere Franchises wie Star Trek einen Platz auf diesem Blog gefunden haben. Um so mehr freue ich mich heute in diesem Gastbeitrag von einer bevorstehenden Reise berichten zu können - einer bevorstehenden Reise in die dunkelsten Abgründe des Star-Trek-Universums. 

Vor kurzem präsentierte Regisseur J.J. Abrams eine 10 Minuten Preview des kommenden STAR TREK INTO DARKNESS im großartigen IMAX Format. In den vergangenen Monaten wurde unter den Fans viel spekuliert, welche Richtung Abrams mit seiner Fortsetzung zum Hit von 2009 einschlagen würde. Wer würde der Bösewicht sein? Wie werden sich die Charaktere weiterentwickeln? Und vor allem: wird Abrams an seinem Kinoerfolg anschließen können bzw. den Erfolg um das damit verbundene "neue Star Trek Universum" ausbauen können?


Actionszenen und Planetenaufnahmen im IMAX Format

Wie in vielen anderen Franchises steht und fällt der Erfolg einer Filmreihe meistens mit dem zweiten Teil. Abrams, der als großer Geheimniskrämer bekannt ist, hat nun für knapp 10 Minuten vorab den Vorhang fallen lassen um zu zeigen, was den Fans - und auch dem Sci-Fi-interessierten Publikum - im kommenden Mai bevorsteht.

Es folgt eine kurze Inhaltsangabe der 10 minütigen IMAX-Preview. Der nachfolgende Text kann also Spoiler enthalten:

Alles beginnt mit dem Star-Trek-typischen Ping Geräusch, wie auch schon beim letzten Star-Trek-Film (2009): Nach und nach verändert sich dieser Ton jedoch zu einem Alarmgeräusch eines Schlafzimmerweckers. Wir sehen einen Mann und eine Frau, die verschlafen und hastig ihre Sachen anziehen. Der Mann (Noel Clarke) schaut aus dem Fenster auf das futuristische London. Gemeinsam mit seiner Frau (Nanzeen Contractor) fährt dieser in einem futuristischen Gefährt in ein Hospital am Stadtrand Londons. Eine ergreifende Eröffnungsszene spielt sich ab, als Mutter und Vater ihre kranke und im Sterben liegende Tochter besuchen. 

London ist in Into Darkness ein wichtiger Schauplatz
Kurze Zeit später steht der Vater auf dem Krankenhausbalkon um frische Luft zu atmen als er von einer tiefen Stimme hinter ihm angesprochen wird: "Ich kann sie retten!" Der Vater dreht sich rum und fragt: "Was haben sie gesagt?" - "Sie haben richtig verstanden - ich kann sie retten!" 
Die Kamera schwenkt auf diese Stimme und wir sehen John Harrison (Benedict Cumberbatch). Der Vater schaut wie erstarrt und die Szenerie blendet aus.

Szenenwechsel zum Klasse M Planeten Nibiru:

Wir sehen eine exotische fremde Welt mit kalkweissen Aliens und roter Vegetation. Die Aliens verfolgen zwei vermummte Männer die sich während der Jagd als Kirk und McCoy heraustellen. Die Szenerie ist eine Hommage an Indiana Jones. Kirk (Chris Pine) hat eine Art Schriftrolle aus einem tempelartigen Gebäude gestohlen und versucht damit die Tempelanwohner, die ihn verfolgen, aus der Gefahrenzone zu locken - denn ein verheerender Vulkanausbruch steht unmittelbar bevor. Wir sehen eine gigantische Totale der Planetenoberfläche, und der Vulkan ist gerade dabei auszubrechen. Nach einem erneuten Szenenwechsel sehen wir Sulu, Uhura und Spock in einem Shuttle, wie sie hinter den weggelockten Bewohnern von Nibiru mit dem Shuttle direkt in den Schlund des Vulkans steuern. Spock trägt einen feuerfesten Raumanzug, der vom Design sehr an den fliegenden Anzug aus STAR TREK - THE MOTION PICTURE erinnert. Allmählich begreift man worum es hier geht. Kirk und seine Crew haben sich über die "Oberste Direktive" hinweg gesetzt und versuchen die Bewohner Nibirus zu retten.

Into Darkness bietet diesmal exotische Welten en masse.
Während Spock mit sich hadert, ob er wirklich dabei helfen soll den geplanten Eingriff am Vulkan vorzunehmen und somit die Oberste Direktive zu brechen, sehen wir wieder Kirk, wie er zu Spock ins Kommunikationsgerät brüllt "Ich kann sie retten" - ein Satz bei dem man kurz innehält, weil wir ihn bereits von Filmbösewicht John Harrison (Benedict Cumberbatch) zuvor gehört haben. Spock wird zusammen mit einem technischen Gerät vom Shuttle aus in den Vulkan hinabgelassen, doch die Haltevorrichtung reißt und Spock fällt auf einen Felsbrocken inmitten der brodelnden Lava!

Zurück bei Kirk und McCoy, die immer noch auf der Flucht sind: Aus dem roten Dschungel werden sie von einem monsterartigen Tier angegriffen. Kirk fackelt nicht lange und knallt "das Ding" mit seinem Phaser über den Haufen. McCoy (der grandiose Karl Urban) entrüstet: "Mein Gott Jim, ich bin Arzt und kein Killer!" Die Verfolgungsjagd endet plötzlich an einem Steilhang am Meer, und Kirk und McCoy springen, um sich zu retten, direkt ins Wasser. Unter Wasser schwimmen sie über ein Riff und schließlich wird der Blick auf die U.S.S. Enterprise freigegeben die majestisch in Blau getaucht auf dem Meeresgrund liegt. Kirk und McCoy schwimmen durch eine Schleuse in das Schiff, und ein aufgeregter Scotty nimmt sie in Empfang. Währendessen meldet sich Spock aus dem Inneren des Vulkans und berichtet, daß beim Absturz das Gerät zum "einfrieren" des Vulkans, was er mit sich führte, kaputtgegangen sei, und es nun keinen Ausweg mehr gibt.

"Ich kann ihn retten!"
Kirk fragt McCoy was für Optionen es jetzt noch gibt - entweder auftauchen und mit den Waffen der Enterprise den Vulkanschlund verschließen (und Spock somit opfern und die Bewohner Nibirus retten) oder Spock retten und den Vulkan explodieren lassen. Man sieht deutlich wie Kirk am Ende seiner Entscheidungskräfte angekommen ist (ähnlich wie Noel Clarke am Anfang bei seiner sterbenden Tochter). Kirk zögert - gibt keinen Befehl - wartet ab ... und wir sehen wie sich schließlich die Lavaflut über Spock ergießt. In diesem Moment wird ins Schwarz geblendet und wir hören aus dem Off eine Stimme: "Ich kann ihn retten".

Beim Anschauen dieser Szenen gab es zwei Dinge, die sehr deutlich im Kopf haften geblieben sind: Zuerst das fantastische neue Musikthema, das Michael Giacchino extra für STAR TREK INTO DARKNESS geschrieben hat, welches besonders in der Einleitungsszene mit dem sterbenden Kind eine enorm emotionale Wirkung entfaltet. Die Musik schafft es, daß man binnen Sekunden voll drin ist in den gezeigten Szenen, und daß Gesehene bereits in den 10 Minuten irgendwie deutlich mehr Impact hat als der gesamte letzte Film von 2009. Das Zweite, was stark im Kopf haften geblieben ist, ist Abrams Inszenierungsstil, der sich seit 2009 deutlich weiterentwickelt hat. Seine letzten Produktionen wie Mission: Impossible und vor allem der brilliante SUPER 8 haben seine Spuren hinterlassen. Die Kamera ist deutlich ruhiger und ungezwungener als im letzten Star Trek Film. Die bei den Fans verhassten Lensflares haben drastisch abgenommen.

Into Darkness kommt in 3D und im neuartigen Dolby Atmos Soundformat
Auch scheint das Drehbuch diesmal deutlich tiefgründiger und philosophischer angelegt zu sein, und es wird scheinbar viel mehr Zeit für die Charakterentwicklung aufgewendet als im vorangegangenen Film. Anscheinend gibt es diesmal weitere Kindheitsrückblenden von anderen Crewmitgliedern der Enterprise. Gerüchte zufolge soll wohl das kleine schwarze Mädchen, was zu Beginn des Prologs im Sterben liegt, Uhura sein. Interessanterweise sah man auch in der Imax-Preview, daß die Beziehung zwischen Uhura und Spock weiter ausgebaut wurde. Man bemerkt auch deutlich den düsteren Ton der neuen Erzählung, wogegen der letzte Film von 2009 etwas wie ein bunter Comicfilm wirkt. Unausweichlich wird deutlich, wie sich im unsichtbaren Hintergrund der gezeigten Szenen eine brutal düstere Bedrohung aufbaut, die sich diesmal die Grundphilosophie von Star Trek selbst vorknöpfen wird. Ein gewagter Schritt - dennoch ein sehr begrüßenswerter.

Erstmalig: Star Trek endlich als High End produziertes PS3 Game!
Die Produzenten haben sich fest vorgenommen, mit dem kommenden Film und dem dazugehörigen Marketing einen deutlichen Schritt weiter zu gehen als 2009, und Star Trek nun endgültig zum qualitativen Blockbusterevent aufzubauen.

Nach den gezeigten Szenen zu urteilen scheint ihnen das mehr als gelungen zu sein. Das Publikum lachte und erschreckte sich deutlich an den entsprechenden Stellen - was ein sehr gutes Vorzeichen ist. Alles ist größer, weiter, detaillierter - man fühlt sich eher wie in einem James Cameron Film als in einem J.J. Abrams-Film. Auch die Charaktere wirken deutlich reifer und glaubwürdiger. Erstmalig wird INTO DARKNESS auch im neuen Dolby Atmos Soundformat zu sehen sein, welches mit Peter Jacksons THE HOBBIT Premiere feierte. Diesmal scheinbar alles nur vom Feinsten.

Zusätzlich zum Kinofilm erscheint zeitgleich ein Computerspiel für PS3 und XBox 360, das storytechnisch zwischen den beiden Kinofilmen spielt und auf hohem Niveau produziert wurde. Auch dies ist einmalig im bisherigen Star-Trek-Kosmos. Vielleicht ist dies ja dann ebenfalls wegweisend für andere Franchises wie Bond, auch mal den Schritt zum qualitativen Blockbustergame zu machen - gerade Bond und Star Trek bieten beide enormes Potential für aufwendige und gute Spiele auf den modernen Konsolen.

Also steht der Sternenreise in die Dunkelheit am 17. Mai nichts mehr im Wege. Wir freuen uns darauf!

Sonntag, 4. November 2012

Übermenschen wie du und ich

Heute vor dreißig Jahren kam ein Film in die deutschen Kinos, der als der Goldfinger der Star-Trek-Filme bezeichnet werden kann: "Star Trek: Der Zorn des Khan". Nachdem die erste Kinomission von Kirk, Spock und Co. eher verhaltene Kritiken erntete, gilt der Nachfolger bis heute als unerreichter Klassiker.* Der von Ricardo Montalban verkörperte Bösewicht Khan Noonien Singh ist einer der besten im gesamten Science-Fiction-Genre. Dabei hatte Montalban, der während der Dreharbeiten noch an der Serie "Fantasy Island" arbeitete - zusammen mit Hervé Villechaize (Nick-Nack in THE MAN WITH THE GOLDEN GUN), zuvor Zweifel, die Rolle noch einmal zu übernehmen.



Khan kam bereits in der originalen Fernsehserie vor, in der Folge "Der schlafende Tiger" ("Space Seed", 1966). Er ist das Produkt einer genetischen Manipulation an menschlichen Embryonen Ende des 20. Jahrhunderts. In Nietzsches Sinne sollten diese "Übermenschen" oder Augments zum Wohle der Menschheit die Macht übernehmen. Allerdings führte das 1992 zu den sogenannten Eugenischen Kriegen, in deren Verlauf ganze Völker ausgelöscht wurden und Khan und seine Nachfolger (im Film übrigens von Chippendale-Tänzern dargestellt) in den Weltraum entkamen. Zum Glück verliefen die Neunziger Jahre letztendlich etwas weniger aufregend...

Interessanterweise kreierte man für A VIEW TO A KILL ("Im Angesicht des Todes") drei Jahre später einen Antagonisten mit sehr ähnlichem Hintergrund. Auch Max Zorin - dargestellt von Oscargewinner Christopher Walken - ist das Ergebnis eines Experimenten an Embryonen, aus denen Supermenschen hervorgehen sollten. Dieses Experimente wurden während des 2. Weltkriegs von Dr. Hans Glaub (später Carl Mortner, dargestellt von Willoughby Gray) geleitet, der schwangeren Frauen Steroide injizierte.

Ähnlich wie Khan ist auch Zorin überdurchschnittlich stark und intelligent und hat ebenso größenwahnsinnige wie skrupellose Machtgelüste. Mit Hilfe eines doppelten Erdbebens will er das gesamte Silicon Valley fluten, um sich dadurch das Mikrochip-Monopol zu sichern (Ein Plan, der wiederum an den ersten Superman-Film erinnert, wo ebenfalls ein künstliches Erdbeben in der St-Andreas-Spalte verursacht werden soll). Ursprünglich war Zorins Plan auch sehr spacig: In einem frühen Drehbuch-Entwurf sollte er die Bahn des Halleyschen Kometen zu verändern versuchen. Dieser kam 1986 tatsächlich der Erde wieder nahe, und wurde von mehreren Sonden angeflogen und untersucht. Die Idee wurde jedoch schnell wieder verworfen, vielleicht weil ein Einschlag nicht nur Silicon Valley vernichten würde, oder weil es noch mehr an Star Trek erinnerte. Aber immerhin könnte man die Idee bei der nächsten Annäherung 2062 wieder verwerten - zum 100. Jubiläum mit dem ultimativen Skyfall...

* Mein persönlicher Lieblingsfilm der Franchise ist zwar "Star Trek: Der Film", aber ich liebe "Zorn..." trotzdem sehr, vor allem Spocks Sterbeszene ist grandios - "Seien Sie nicht traurig, seien Sie logisch!" ... Mit seinen Themen Alter, Tod und Wiedergeburt könnte man den Film auch den Skyfall der Kinofilme nennen...