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Sonntag, 12. Februar 2023

Der große Bruch

Celluloid broken, metaphor for Craig Bond era
Die Filme mit Daniel Craig als Bond brachen mit mehr franchise-eigenen Traditionen als jede andere Darsteller-Ära davor. Darunter zahlreiche eherne Prinzipien, nach denen Albert R. Broccoli das Franchise ursprünglich einmal 40 Jahre lang erfolgreich am Laufen gehalten hatten. Ich habe versucht, hier mal alle diese Traditionsbrüche aufzulisten. Insgesamt bin ich auf sage und schreibe 27 Punkte gekommen, wobei ich natürlich nicht automatisch alle davon negativ sehe. Geordnet habe ich sie absteigend nach Gewichtung, also eher subjektiv. Bei manchen Punkten kann man sicher streiten, andere Dinge habe ich vielleicht übersehen.

Interessant ist dabei, dass sich viele Brüche bereits mit dem letzten Brosnanfilm DIE ANOTHER DAY (Stirb an einem anderen Tag, 2002), der von vielen Fans als misslungener Irrweg empfunden wird, abzeichneten. 



Donnerstag, 9. Juni 2022

Agenten und Agenden

In seiner 1959 veröffentlichten Kurzgeschichte Quantum of Solace, die zum Titelgeber des 22. Eon-Bondfilms wurde, verließ Ian Fleming die typische Bondwelt und entwarf anhand der Liebesgeschichte zwischen einem Beamten und einer Stewardess eine Theorie über das Funktionieren von Beziehungen. Gemäß Fleming funktionieren sie so lange, wie sie beiden ein gewisses Minimum an Trost geben kann. Ist dieser Mindest-Schwellwert unterschritten, können sich Liebe und Zuneigung in Eiseskälte und sogar Hass verwandeln. 

Nun ist die Beziehung zwischen den Machern eines Franchises und dessen Fans der zwischen Mann und Frau gar nicht so unähnlich. Immerhin setzt schon der Begriff Fan eine über das Normale hinausgehende Leidenschaft voraus. Wie der schüchterne Beamte Philip Masters in Flemings Kurzgeschichte ist auch der durchschnittliche Fan durchaus bereit, viele Kapriolen des Objektes seiner Leidenschaft hinzunehmen und ihm trotzdem die Treue zu halten. Erst wenn gewisse ungeschriebene Verträge von einer Seite aufgekündigt werden und das 'Quantum an Trost' unterschritten wird, findet die Fantreue ihr Ende. Keine Zeit zu sterben hat das bei zahlreichen Fans nach fast 60 Jahren und 24 Filmen geschafft. Aber auch andere langjährige Franchises wie Star Trek oder Star Wars scheinen in jüngerer Zeit das finale Quantum Trost verletzt zu haben. 

Doch worin liegt das genau? Macher und Fans - Versuch einer Paartherapie in drei Teilen.


Samstag, 7. Mai 2022

Willkommen im Limbus, Mr. Bond

Im Interview mit Variety anlässlich einer Theaterpremiere sagte Bondproduzentin Barbara Broccoli vor einigen Tagen auf die Frage, ob es schon einen Nachfolger für Daniel Craig gebe, dass der Prozess der Darstellersuche sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werde. Es ginge nicht nur darum, einen geeigneten Schauspieler zu finden, sondern im Zusammenhang damit auch um die gesamte Neu-Ausrichtung des Franchise. Man sollte daher wohl im großen Jubiläumsjahr 2022 keine bedeutenden Neuigkeiten erwarten.

Eigentlich sollte der Casting-Prozess kein derartig weltbewegender Prozess sein. Die Vorgaben für die Rolle werden in den Romanen gemacht und sind relativ klar umrissen. Damit wäre dann ein Zurück zum Ursprung gegeben - etwas, was die Bondreihe bisher fast immer bei einer Neubesinnung gemacht hat, und das sehr erfolgreich. Zuletzt mit Casino Royale
. Aber auch andere Aussagen von Broccoli lassen erahnen, dass man mindestens eine Franchise-Pause wie die zwischen Lizenz zum Töten und GoldenEye oder den letzten beiden Craigstreifen erwarten sollte.

Sonntag, 1. Mai 2022

Vorwärts in die Vergangenheit?

Aston Martin DB5 vor Big Ben
Nach dem Ende der Craig-Ära und der kreativen Sackgasse, in die sie das Franchise befördert hat, liest man immer wieder den Wunsch von Zuschauern und Fans, zukünftige Bondfilme doch in der Vergangenheit - vorzugsweise den 1960er Jahren - anzusiedeln. Zum einen sollte dadurch das Problem gelöst werden, Bonds Tod im nächsten Film dramaturgisch zu verarbeiten - in der Vergangenheit war er ja eben noch lebendig. Zum anderen sollen sich die Bondfilme dadurch wieder 'bondiger' anfühlen, mit dem Hintergrund des Kalten Krieges und seiner binären Weltsicht, und natürlich weniger komplizierten sexuellen Interaktionen zwischen Mann und Frau. 

Aber kann man den Umständen unserer Zeit, die letztendlich buchstäblich toxisch für Bond wurden, wirklich so einfach entkommen?

Sonntag, 20. März 2022

Das Auseinander-Gen

Die MISSION:IMPOSSIBLE-Filme mit Tom Cruise werden oft dafür kritisiert, Ideen von Bondfilmen zu kopieren, vor allem für Actionszenen. Grundsätzlich eigentlich keine so unübliche Praxis, immerhin hatten beispielsweise auch Christopher Nolans Batman-Filme einige sehr schöne Bondanleihen. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall. Die Idee einer Liebesgeschichte, bei der als trennende Schicksalsmacht ein Designer-Virus fungiert, mit dem der Schurke die Welt bedroht, hatte MISSION: IMPOSSIBLE schon gute zwanzig Jahre vor Keine Zeit zu sterben - sogar mit Musik von Hans Zimmer.

In beiden Filmen gibt es eine sehr ähnliche Sequenz, bei der die Biowaffe aus einem Hochhaus entwendet wird. Auch andere Szenen ähneln sich.

Freitag, 14. Januar 2022

A Spider's Touch

Auf den letzten Metern des vergangenen Jahres 2021 hat Spider-Man Bond in puncto Einspielergebnis noch locker überflügelt, mit Zahlen, als ob es keine Corona-Beschränkungen gäbe. Ich glaube, das liegt nicht nur an der allgemeinen Marvel-Manie. Dem Film wurde ein teilweise schon überzogener Fan-Service vorgeworfen, aber vermutlich liegt genau darin auch seine Stärke. Und damit beweist er, dass man einen Franchise-Beitrag vorrangig für Fans machen kann und trotzdem - oder gerade deshalb - ein großes allgemeines Publikum erreichen kann. Das Argument, dass man Bondfilme nicht für die Fans machen kann, entlarven solche Filme als opportunistischen Selbstbetrug. Das Gegenteil ist wahr: Wenn man einen Film macht, den die Fans lieben, trifft man automatisch die Seele eines Franchise und macht es auch für Normal-Zuschauer attraktiv.

Sonntag, 7. November 2021

Boyle, Bond und die Beatles

Danny Boyle mit Himesh Patel (wikimedia)
 Ein Nebeneffekt von Keine Zeit zu sterben war für mich, dass ich die Rolle von Regisseur Danny Boyle im Entstehungsprozess des Films anders bewerte. Im Zuge dessen habe ich mir seinen bisher letzten Film YESTERDAY von 2018 angesehen. Boyle drehte ihn von April bis Juni 2018; also genau in der Zeit, in der er nebenbei mit EON Productions an der Umsetzung seiner Idee für deren 25. Bondfilm arbeitete. Bestätigt wurde seine Bond-Regie im März 2018, im August wurde sein Ausstieg aus dem Projekt bekanntgegeben.

Die Grundidee - die Musik der Beatles verschwindet aus der Welt, und nur ein Musiker kann sich an die genialen Songs erinnern - hat mich damals nicht so richtig interessiert, aber mit dem Wissen von heute kann man darin auch Boyles Dilemma mit der Vorproduktion von Bond 25 wiederfinden: Stell dir vor, du darfst an einer der Ikonen deines Lebens teilhaben, aber nur zu dem Preis, dass diese nie wieder dieselbe sein wird, die sie war.

Mittwoch, 29. September 2021

It's better to travel hopefully...

Premiere des Films in London
Zwei Jahre, nachdem Keine Zeit zu sterben abgedreht war, und sechs Jahre nach dem letzten Bond Spectre, kommt der finale Daniel-Craig-Bond heute endlich in die Kinos. Damit endet eine Ära - die zweite eines Bonddarstellers, die ich im Kino begleitet habe - nach 15 Jahren. Die längste Ära eines Bonddarstellers überhaupt. Als ich 1993 Bondfan wurde, war das Franchise gerade dreißig Jahre alt  geworden, also zweimal so lang wie Daniel Craigs Zeit als James Bond. Die ersten 15 Jahre brachten genau zehn Filme hervor, mit Der Spion, der mich liebte als grandiosen Höhepunkt, die zweiten immerhin sechs Filme.

Keine Zeit zu sterben ist ein Film, dessen Bewertung sehr schwierig ist, wenn man nicht spoilern möchte. Trotzdem will ich das nachfolgend versuchen. 

Montag, 27. September 2021

Gedanken von und zu Cary Fukunaga

Mit dem Start des jüngsten James-Bond-Films Keine Zeit zu sterben läuft auch wieder die Medienmaschinerie auf Hochtouren, und es gibt eine Vielzahl von Videos, Werbespots und Interviews. Darunter neben einer sehenswerten Doku über Daniel Craig - Being Bond - ein längerer Beitrag im Hollywood Reporter, in dem sich Regisseur Cary Fukunaga über seinen Bezug zum Bondfranchise und den Entstehungsprozess von NO TIME TO DIE äußert, welcher nach vielen Verzögerungen nun am Donnerstag endlich in die Kinos kommt. 

Interessant sind neben Fukunagas etwas kontroverser Meinung zum Bond der 1960er Jahre Informationen über die Beteiligung von Regisseur Danny Boyle (YESTERDAY) am Film.

Freitag, 9. Oktober 2020

Kino in der Krise

Mit der Entscheidung, Keine Zeit zu sterben auf April 2021 zu verschieben, hat sich der Hoffnungsträger der Kinos für dieses Jahr verabschiedet und entsprechende Schockwellen in der Branche ausgelöst. In der Folge beschloss die zweitgrößte US-Kinokette Cineworld, 536 Kinos in den USA und 127 in Großbritannien vorerst wieder zu schließen (siehe hier). Die britische Kette Odeon, zu der auch UCI gehört, plant, ihre Standorte nur noch am Wochenende zu öffnen. Weitere Blockbuster wie DUNE oder TOP GUN MAVERICK wurden nun ebenfalls auf nächstes Jahr verschoben, THE BATMAN sogar auf 2022!

Während James Bond im Kino regelmäßig die Welt rettet, hätte er in der Realität nun - vielleicht nicht 'das Kino' - aber wenigstens ein paar tausend Existenzen retten können. Und ein Zeichen für das Medium setzen, das ihn groß gemacht hat. Stattdessen wartet der Super-Agent ohnmächtig auf seinen in die unbestimmte Zukunft verschobenen Einsatz. Angesichts dieser Spirale aus Vorsicht und Angst fragt man sich: Wie hat die Filmindustrie eigentlich frühere und schwerere Pandemien überstanden? Ein Blick zurück.

Freitag, 2. Oktober 2020

April, April

EON Productions geben bekannt, dass der Start von Keine Zeit zu sterben von November 2020 auf 2. April 2021 verschoben ist:

MGM, Universal and Bond producers, Michael G. Wilson and Barbara Broccoli, today announced the release of No Time To Die, the 25th film in the James Bond series, will be delayed until 2 April 2021 in order to be seen by a worldwide theatrical audience. We understand the delay will be disappointing to our fans but we now look forward to sharing No Time To Die next year.

Don't know where,
Don't know when.
But I know we'll meet again some sunny day.

Donnerstag, 12. März 2020

Ergebnisse des Design-Wettbewerbs

Anlässlich des ursprünglich anvisierten Starts von Keine Zeit zu sterben Anfang April hatte Daniel Craig Fans dazu aufgerufen, selbst kreierte Poster inspiriert von seiner Bond-Ära einzureichen. Hier sind nun die Ergebnisse. Zum Teil sind sehr schöne Arbeiten dabei.

Mittwoch, 4. März 2020

KEINE ZEIT ZU STERBEN verschoben

Angesichts der aktuellen Einschränkungen in vielen Ländern durch die Ausbreitung des Corona-Virus wurde NO TIME TO DIE vom 02. April auf den 12. November 2020 verschoben:

MGM, Universal and Bond producers, Michael G. Wilson and Barbara Broccoli, announced today that after careful consideration and thorough evaluation of the global theatrical marketplace, the release of No Time To Die will be postponed until November 2020. The film will be released in the U.K. on November 12, 2020 with worldwide release dates to follow, including the US launch on November 25, 2020.

Freitag, 21. Februar 2020

Neues Poster für KEINE ZEIT ZU STERBEN

Auf der offiziellen Seiten 007.com wurde ein neues Poster zu NO TIME TO DIE (Keine Zeit zu sterben) veröffentlicht, der am 2. April 2020 in die Kinos kommt. Ob es sich um das finale Filmplakat handelt, und/oder den Gewinner des Poster-Wettbewerbs, für den Daniel Craig geworben hatte, ist noch unklar.
Mir gefällt das Motiv diesmal sehr gut. Es ist grafisch sehr interessant. Daniel Craig erinnert hier ein bisschen an Steve McQueen.

James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben offizielles Poster

Donnerstag, 13. Februar 2020

NO TIME TO DIE von Billie Eilish veröffentlicht

Und da ist er nun endlich, der Titelsong von Billie Eilish, No Time To Die:


Eine klassische Ballade im Stil von Skyfall.

Montag, 13. Januar 2020

Offiziell: Hans Zimmer komponiert die Musik zu KEINE ZEIT ZU STERBEN

Es wurde bereits vermeldet, nun hat es die offizielle Seite 007.com bestätigt: Hans Zimmer to score No Time To Die:

Hans Zimmer, Komponist des Soundtracks zu 'Keine Zeit zu sterben'
(wikipedia)
“It’s a dream come true to be working with the legendary composer Hans Zimmer on our twenty- fifth James Bond film, No Time To Die,” said producers Michael G. Wilson and Barbara Broccoli. While director Cary Joji Fukunaga echoed their statement, “I’m beyond excited that Hans is scoring No Time To Die. The music of Bond has always been iconic and I’ve already witnessed Hans adding his touch of genius to the Bond legacy.”

Bisher wurde spekuliert, dass Dan Romer die Musik zum Film beisteuert, da er mehrmals mit Regisseur Cary Fukunaga zusammengearbeitet hatte. Die Wahl des gebürtigen Frankfurters Hans Zimmer, der zu den etabliertesten und meist beschäftigten Komponisten in Hollywood gehört, überrascht viele Fans. Zimmer erhielt erstmal eine Oscar-Nominierung für RAIN MAN (1989) und gewann den Preis dann für THE LION KING (1995). Seit BACKDRAFT (1991) gilt er als Spezialist für Actionfilme.

EDIT: Bestätigt wurde nun US-Singer-Songwriter Billie Eilish für den Titelsong. 


Sonntag, 25. August 2019

Zukunft, schwarz

Für den Titel des neuen Bondfilms, NO TIME TO DIE, wählte Eon Productions eine ungewöhnliche Schriftart, die Futura Black. Sie erinnert vor allem an Platten- und Serientitel aus den 1970er Jahren, obwohl sie tatsächlich genau 90 Jahre alt ist und von einem Deutschen entwickelt wurde. Paul Renner wurde 1878 in Wernigerode geboren und war in Berlin und Frankfurt tätig. Futura Black designte er 1929 als Variante der Futura. Obwohl Renner nicht direkt mit der Bauhaus-Bewegung verbunden war, wird seine Schriftart oft mit diesem Design und der Zeit des Modernismus assoziiert. (Tatsächlich gibt es mit Dessau Stenzil sogar eine sehr ähnliche Schriftart, die auf den Sitz des Bauhauses verweist.) Insofern ist der Titel auch eine schöne Anspielung auf die Bauhaus-Bewegung, die in diesem Jahr hundertjähriges Jubiläum hat.

In Verbindung mit dem Wort 'Time' ist Futura Black im Wortsinn recht passend. Es ist zudem eine Schablonenschrift, die schnell aufgesprüht werden kann und daher sehr häufig vom Militär benutzt wird. Auch das passt zu Bonds Rückkehr in den aktiven Staatsdienst. Auffällig ist zudem, dass die Worte 'NO' und 'TO' eigentlich förmlich danach schreien, ähnlich wie bei CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE zum klassischen 007-Logo verbunden zu werden, die Schriftart diese Assoziation aber unterbindet. Wenn man bedenkt, dass die Codenummer 007 im Film eine andere Agentin erhält, könnte auch das Absicht sein.

Dienstag, 20. August 2019