Mittwoch, 30. Oktober 2013

Veranstaltungen im November

Am 10. November eröffnet das Museum Pankow eine Ausstellung über die Familiengeschichte von Nikki van der Zyl, die an mehreren Bondfilmen der 1969er und 70er als Sprachtrainerin und Synchronstimme mitwirke, unter anderem für Gert Fröbe und Ursula Andress. Titel der Ausstellung ist Night Flight to Berlin. Eine deutsch-englische Familiengeschichte, van der Zyl wird mit ihrem Gatten anwesend sein.

Einen Tag darauf, am 11. November hat der literarische Ur-Bond Geburtstag, mittlerweile schon den 93. Zu diesem Anlass lädt Bondexperte Danny Morgenstern zu einem Abend in die Cafébar HERMAN's in Braunschweig ein. Mehr dazu auf Facebook.

Samstag, 26. Oktober 2013

"Ah... Venedig!"

„Einige deuteten den Namen Venedigs als VENI ETIAM, das heißt komm wieder und wieder, denn bei jedem deiner Besuche wirst du stets neue Dinge und neue Schönheiten entdecken", schrieb im 17. Jahrhundert der Dichter Francesco Sansovino. Bond hat diese recht freie Herleitung des Städtenamens auf jeden Fall verinnerlicht. Er besuchte Venedig bisher dreimal und drang dabei jedesmal tiefer in seine Geheimnisse ein. Zum ersten mal vor 50 Jahren, im Film FROM RUSSIA WITH LOVE (Liebesgrüße aus Moskau). Aber auch andere Filmhelden verschlug es gern hierher. Unter anderem auch Harrison Ford in INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE (1989), wo der Held ironisch die als Überschrift dienende Bemerkung macht.



Fast immer wird Venedig mit einer Einstellung als Handlungsort etabliert, die die Skyline des Markusplatzes mit Dogenpalast und Markusturm zeigt. So auch bei Bond und Indiana Jones. Und natürlich dient die fragile Schönheit der Stadt meist nur als Kulisse für Chaos, Tod und Zerstörung. Allerdings ist das nur auf den ersten Blick Kulturbanausentum, denn auch die legendäre und einmalige Schönheit von Venedig ist letztlich das Produkt von Tod und Krieg. Die Entstehung der Stadt wurde überhaupt erst begünstigt durch die verheerenden Eroberungszüge der Hunnen, die die Veneter dazu zwangen, immer wieder auf die vielen kleinen Inseln in der Lagune zu flüchten. Später wuchs Venedig selbst zur mächtigen und erobernden Seemacht heran, und die Pracht der venezianischen Paläste ist nicht zuletzt das Produkt von Geltungssucht und Konkurrenzkampf der steinreichen Händlerfamilien.

Da Venedig ständig im Wettstreit mit dem als Handelsschwerpunkt ebenfalls bedeutenden Byzanz oder Konstantinopel lag, und es schließlich auch überfiel und plünderte, könnte man sogar soetwas wie einen kulturhistorischen Subtext in FROM RUSSIA WITH LOVE sehen, mit dem von Venedig aus operierenden SPECTRE. 



Venedig, Station Salute, Location in "From Russia With Love" & "Indiana Jones and the Last Crusade"
Station Salute am Canal Grande
Nachdem Bond und Tanya dem Orientexpress und den Häschern von SPECTRE entkommen sind, gelangen sie nach Venedig und beziehen ein Hotel nahe dem Markusplatz, wo es zur finalen Konfrontation mit Rosa Klebb kommt. Da man durch das Fenster die gegenüber dem Markusplatz liegende Basilica di San Giorgio Maggiore sehen kann, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier bereits um das renommierte Hotel Danieli handelt, in dem Bond 16 Jahre später Holly Goodhead auf ihrem Zimmer besucht. Interessanterweise steigt auch Indiana Jones im Hotel Danieli ab.

Kirche in Venedig, Drehort von "James Bond - Liebesgrüße aus Moskau"Nach dem Kampf mit Klebb sieht man in FROM RUSSIA WITH LOVE einen kurzen Kameraschwenk, der wegfliegenden Tauben vom Ufer des Canal Grande folgt. Diese kurze Einstellung wurde vor der Basilica di Santa Maria della Salute aufgenommen, an der Vaporetto-Station Salute. Genau das ist auch die Stelle, an der Indiana Jones - als folgsamer Sohn von Bond sozusagen - in INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE mit Marcus Brody in Venedig zuerst an Land geht und von Dr. Elsa Schneider (Alison Doody, die auch in A VIEW TO A KILL mitwirkte) begrüßt wird. 

Von dort begeben sich Indy, Marcus Brody und Elsa zu einer Bibliothek, die in Wirklichkeit die Kirche San Barnaba im südlichen Stadtteil Dorsoduro ist. (In dem Stadtteil entstanden auch Teile von MOONRAKER und CASINO ROYALE). Die Innenaufnahmen in der Bibliothek sowie die unterirdischen Kanäle wurden dagegen in den Londoner Elstree Studios inszeniert. Nach der Begegnung mit Ratten, die auch an FROM RUSSIA WITH LOVE erinnert, tauchen Indy und Elsa auf dem Campo San Barnaba auf. Auch heute noch befindet sich an dieser Stelle ein Straßencafé. Dieser Ort ist ausnahmsweise keine Referenz an Bond, sondern an den von Spielberg sehr verehrten David Lean. Der britische Regisseur drehte hier 1955 SUMMERTIME (Traum meines Lebens) mit Katharine Hepburn. Hepburn stürzte für den Film in den Kanal und zog sich dabei eine Bindehautentzündung zu, die sie für den Rest ihres Lebens begleitete. (Mehr zu dem Film und seinen Drehorten hier und hier)


Filmende Touristen am Dogenpalast einst und heute
(die Frau in Rot ist die Gattin von Regisseur Terence Young)
Die anschließende Bootsjagd entstand zum Teil am Canal Grande und am Dogenpalast, hauptsächlich aber an den Tilbury Docks im englischen Essex. Auch James ist am Ende von FROM RUSSIA WITH LOVE noch einmal am Dogenpalast unterwegs, passiert im Boot mit Tanya die berühmte Seufzerbrücke und die Molo Riva degli Schiavoni, von wo aus er auf Super 8 gebannt wird. Leider ist die gesamte Venedigsequenz für das heutige Auge ziemlich erkennbar getrickst. Weder Sean Connery noch Daniela Bianchi reisten nach Venedig, sondern agierten vor einer Rückprojektion. Beide unterhalten sich darüber, dass sie gerade gefilmt werden, während Bond sich den Schmalfilm mit ihrem Liebesspiel ansieht, und beide vor einer Leinwand so tun, als wären sie in Venedig - sozusagen ein Verweis auf die Künstlichkeit des Films auf mehreren Ebenen.


In seinem letzten Film THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENLTEMEN (2003) kehrte Sean Connery noch einmal nach Venedig zurück - leider aber auch hier nur mit Hilfe mäßig überzeugender Tricktechnik. Auch andere Bonddarsteller drehten in der Lagunenstadt - George Lazenby 1972 in WHO SAW HER DIE, Roger Moore 1977 in MOONRAKER, Timothy Dalton 2010 in THE TOURIST und Daniel Craig schließlich 2006 in CASINO ROYALE.



Weitere Locations in Venedig:

Besuch bei Venini
Wenn die Gondeln Killer tragen
Play it again, Sam

Samstag, 19. Oktober 2013

007 XXS - 50 Jahre James Bond "Liebesgrüße aus Moskau"

Buch-Cover von Danny Morgenstern: 007 XXS - 50 Jahre James Bond "Liebesgrüße aus Moskau"Vor fast genau einem Jahr erschien das Taschenbuch 007 XXS - 50 Jahre "James Bond 007 jagt Dr. No". Nun ist der Nachfolgeband da, zum zweiten Film Liebesgrüße aus Moskau (FROM RUSSIA WITH LOVE), der in diesem Jahr sein goldenes Jubiläum feiert. Wieder hat Autor Danny Morgenstern viele amüsante und faszinierende Fakten rund um den Agententhriler von 1963 zusammengetragen, der nicht nur innerhalb des Franchise, sondern auch in der Welt des Thrillers allgemein als Klassiker gilt.



Insofern verwundert es auch nicht, dass der Film immer wieder als Referenz in der langen Geschichte der Filmreihe diente - wie man im Buch nachlesen kann - und sich zig Bewerber für die Bondrolle in bestimmten Szenen aus diesem Film probierten. Geschichte und Hintergründe dieses, dem realen Kalten-Kriegs-Geschehen wohl am nächsten kommenden Spionage-Abenteuers lesen sich sehr kurzweilig. Wie bereits beim Vorgängerband werden auch hier wieder selbst eingefleischte Bondprofis auf interessante Neuigkeiten stoßen. Da Autor Danny Morgenstern auch als Business-Knigge-Coach tätig ist, wird die Stil-Ikone Bond natürlich auch aus dieser Richtung beleuchtet. So wird der Agent im Buch beispielsweise nicht durch die Weinwahl des Schurken Grant misstrauisch, sondern durch seine Krawattenbindung. Aber selbst ein 007 ist in Stilfragen nicht perfekt.

Auf die Romanvorlage von Ian Fleming wird in einem gesonderten Kapitel eingegangen, so auch die erstmalig originalgetreuen Übersetzungen ins Deutsche. Ebenso der Bereich Synchronisation. Vielen Fans ist beispielsweise gar nicht bewusst, dass selbst im englischsprachigen Original zahlreiche Schauspieler nachsynchronisiert wurden. Hier kam sehr oft Schauspielerin und Sprachtrainierin Nikki van der Zyl zum Einsatz, die auch bei der Wiederaufführung von Liebesgrüße aus Moskau am vergangenen Wochenende in Braunschweig anwesend war. Im kommenden Monat wird zudem eine Ausstellung über van der Zyl und ihre Familie in Berlin eröffnet.

Ein Buch zu jedem Bondfilm ist eine sehr schöne Idee. Im nächsten Jahr wird Goldfinger dazustoßen, ab Feuerball muss man dann leider zwei Jahre auf einen neuen Band warten. Dafür arbeitet Morgenstern aber auch an einem umfangreicheren Werk, James Bond für Besserwisser (siehe Interview).


007 XXS 50 Jahre James Bond 
„Liebesgrüße aus Moskau“

Von Danny Morgenstern
144 Seiten, etwa 32 Abbildungen
Taschenbuch
LIMITIERTE 1. AUFLAGE: 1007 Exemplare
8,50 EUR (D), ISBN 978-3-00-042681-0
Erscheinungstermin: 10. Oktober 2013
DAMOKLES, Braunschweig



Über den Autor: Kein deutscher Autor hat mehr zum Thema James Bond veröffentlicht. Danny Morgenstern war Mitarbeiter für das Stadtmagazin „Cockta!l“, zuletzt als Kolumnist, schrieb für die Boulevard- Zeitung „Extra“ und für die Braunschweiger Zeitung.


2001 war er Co-Autor beim „Lexikon der Idole“ (Schwarzkopf und Schwarzkopf) von Michael Völkel und Karsten Weyershausen. Im selben Verlag erschien Morgensterns Buch „James Bond XXL“ (2006), das als Standardwerk auf dem Gebiet „James Bond“ gilt.

Zuletzt erschienen die experimentellen Bücher „Stöhnen – aber richtig! Der etwas andere Oralverkehr“ (2010) und „Der LiebesLebenRetter“ (2011). Danny Morgenstern ist Business-Knigge-Trainer, schult Dienstleister in psychologisch fundierten Seminaren mit den Themen-schwerpunken „Moderne Umgangsformen“, Körpersprache, Kommunikation, Motivation und Umgang mit Kunden. Als Moderator führte Morgenstern durch mehrere große Veranstaltungen, die auch live im Fernsehen übertragen wurden (u.a. 2008 die „German Masters“, zusammen mit Isabel Edvardsson). Als Initiator des „World Freeze Day“ hat der Braunschweiger in den letzten Jahren deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Samstag, 12. Oktober 2013

Das 007-ABC

In einem sehr lesenswerten, für die Welt übersetzten Artikel schreibt der neue James-Bond-Autor William Boyd etwas zu seinen persönlichen Notizen zum Buchbond, anhand eines ABCs. Teils sehr interessant und gut auf den Punkt gebracht. Viele Ansichten Boyds teile ich, wie etwa: "Unter dem Aspekt der Präsenz im öffentlichen Bewusstsein schlägt der Kino-Bond den literarischen um Längen. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die Romanfigur bei Weitem faszinierender, vielschichtiger und nuancierter ist als irgendein James Bond, der je auf die Leinwand projiziert wurde."

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Das Feuer des gegnerischen Stammes

Zum Goldenen Jubiläum von FROM RUSSIA WITH LOVE

Venice in James Bond 007 - From Russia With Love
Handlungsort Venedig
Die meisten guten Geschichten sind im Prinzip eine Reise. Der Mythenforscher Joseph Campbell hat dieses reiseähnliche Grundgerüst anhand zahlreicher klassischer Geschichten untersucht und in seinem berühmten Buch Der Heros in tausend Gestalten von 1949 beschrieben. Viele antike Erzählungen beginnen mit einem Notstand in einer Gemeinschaft, sei es ein Stamm, ein Dorf oder ein ganzes Land. Eine Gruppe von jungen und starken Personen, oder auch ein Einzelner, wird auf eine Reise geschickt, um etwas zu holen, das die Gemeinschaft retten kann.



Oft muss auch eine Bedrohung abgewendet werden, wie etwa der Asteroid in ARMAGEDDON, oder auch etwas Unheilbringendes fortgeschafft werden, wie der Ring in LORD OF THE RINGS. Der 'Stamm' von James Bond ist natürlich Großbritannien, und er wird losgeschickt, wann immer sein Land bedroht wird. In FROM RUSSIA WITH LOVE soll er quasi das Feuer des gegnerischen Stammes, der Sowjetunion, stehlen, in Form der Dechriffiermaschine Lector. Sie ist sozusagen das Elixier, dass dem Vereinigten Königreich einen entscheidenden Vorteil im Kalten Krieg verschaffen soll. Die meisten Helden reagieren auf den Ruf des Abenteuers erst einmal mit einer Weigerung, doch da Bond berufsmäßig losgeschickt wird, fehlt diese in den meisten Bondfilmen. In FROM RUSSIA WITH LOVE ist es vielleicht am ehesten noch der Moment, als Bond M darauf anspricht, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine Falle handelt.

Dass es sich tatsächlich um eine Falle handelt weiß der Zuschauer bereits aus der Vortitelsequenz, in der ein Mann, der durch eine Gesichtsmaske wie Bond aussieht, getötet wird. Rein logisch ergibt diese Szene nicht allzu viel Sinn, denn die Maske macht in der Trainingssituation keinen Unterschied. Aus dramaturgischer Sicht ist sie allerdings brillant, da sie zum einen den Zuschauer überrascht, und zum anderen die Absicht des Gegners, deren Schilderung im Roman fast ein Drittel in Anspruch nimmt, sehr prägnant und rein visuell auf den Punkt bringt. Ursprünglich war hier ein Actionfeuerwerk auf dem Übungsparkour von SPECTRE geplant, aber inspiriert von dem surreal-hypnotischen französischen Film L'ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD wurde es eher eine schlichte Sequenz, in der Bonds Schicksal, beobachtet von den Statuen griechischer Götter, offenbar geschmiedet wird.*

Dechriffiermaschine Enigma Nema
im Spionagemuseum Oberhauen
Am Anfang seiner Reise trifft der Held meistens auf einen Mentor, einen gealterten Kämpfer, der ihm hilft, sich in dem fremden Land zurechtzufinden. Hier ist es Ali Kerim Bey, der diesen Archetypen auf geradzu klassische Weise mit Leben füllt. Sehr oft stirbt der Mentor im weiteren Verlauf der Handlung, wie beispielsweise Obi-Wan Kenobi in STAR WARS oder Peters Onkel in SPIDERMAN. Eine weitere sehr klassische Mentorenfigur tritt in dieser Funktion hier auch erstmalig in Erscheinung: Der Waffenmeister Q, der Bond in fast hellseherischer Weisheit mit Wundergaben versorgt, die er im weiteren Handlungsverlauf brauchen wird. Wie hier den berühmten Multifunktonskoffer. Mit den Goldmünzen ist es sogar ein sehr klassisches, beinahe märchenhaftes Hilfsmittel, das Bond schließlich rettet.

Ein weiterer Archetyp neben dem Helden und dem Mentor ist der Gestaltwandler, der seine Identität verhüllt und in verschiedenen Masken auftritt. Sowohl Tanya als auch Red Grant sind solche Gestaltwandler. Tanya erscheint erst als feindliche Agentin mit unbekannten Absichten, entpuppt sich am Ende jedoch als Verbündete und Geliebte. Grant dagegen tritt erst in der Maske des Helfers auf, als er offenbar Bonds Leben rettet, und dann als Captain Nash in der Maske des Mentors. Sein wahres Gesicht am Ende ist dann umso erschreckender.

Da die meisten Reisen aus einer ebenso langen Hin- wie Rückreise bestehen, befinden sich die Helden oft genau in der Mitte der Geschichte im tiefsten Feindesland, wo es das Elixier zu rauben gilt. Sie dringen dafür in die tiefste Höhle des Bösen vor, oder in den Bauch des Walfisches, wie Campbell es nennt. Die Rückreise ist dann oft eine einzige lange Verfolgungsjagd, da die gegnerischen Mächte ihrem Elixier natürlich hinterherjagen.

Bond und Tanya sind in der Mitte des Films in der russisches Botschaft, also direkt auf dem Territorium des Feindes. Dort raubt Bond das Elixier, die Lector, nach einer Explosion und begibt sich damit in die tiefsten Höhlen Istanbuls. Dann beginnt die gefahrvolle Rückreise im Orient-Express, bei dem russische Agenten das Elixier abjagen wollen. Schließlich opfert sich der Mentor, und der Schatten lässt seine Masken fallen. Nachdem Bond die entscheidenste Prüfung mit Hilfe der Gaben von Zauberer Q bestanden hat, muss er das Elixier nun noch an grimmigen Schwellenhütern vorbeischleusen, in Form eines Helikopters, bewaffneter Boote und schließlich mit Rosa Klebb der bösen Hexe persönlich.

Es folgt das Happy End mit der aus den Fängen des Reichs des Bösen geretteten Lady. Und da er nicht gestorben ist, erfreut sich Bond auch 50 Jahre später noch bester Gesundheit.

Venedig in "Liebesgrüße aus Moskau"
Die Belohnung: Romantische Nächte in Venedig

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* Dieser visuelle Verweis auf die antike Götter- und Sagenwelt ist in Anbetracht von Flemings Roman gar nicht so abwegig, wo es zu Beginn heißt: "Wen die Götter vernichten wollen, den liefern sie zuerst der Langeweile aus."

Samstag, 5. Oktober 2013

Sag niemals nie, oder: Der Kalte Krieg hinter den Kulissen

Das "inoffizielle" schwarze Schaf der Familie wird 30

Das phantastische deutsche Poster
Als Albert Broccoli und Harry Saltzman sich mit Kevin McClory zusammentaten, der die Rechte für den Fleming-Roman Feuerball inne hatte, entstand daraus der bis heute größte finanzielle Erfolg des gesamten Franchise. Doch der Erfolg hatte einen unschönen Preis: McClory sollte nach zehn Jahren das Recht haben, den Roman erneut zu verfilmen. Wahrscheinlich hatte Cubby Broccoli nie damit gerechnet, dass zehn Jahre später noch irgendjemand ein ernsthaftes Interesse an James Bond haben würde, doch als es dann soweit war, tauchte McClory mit der Unnachgiebigkeit einer Märchenfigur auf und verlangte seinen Tribut.



Die Geschichte um Feuerball ist ein eigener Thriller für sich - nachzulesen in dem brillant recherchierten Buch The Battle for Bond von Robert Sellers. Ian Fleming hatte für seine Schöpfung James Bond von Anfang an eine Kino-Umsetzung im Auge. Schon das dritte Buch Moonraker war eine Verarbeitung eines geplanten Filmplots. Nach der sehr bescheiden ausgefallenen TV-Adaption von Casino Royale 1954 war Fleming allerdings mehr als ernüchtert und hatte wohl vorerst alle Hoffnungen auf eine cineastische Fortführung der Abenteuer seines Helden aufgegeben. Das Interesse des Produzenten Kevin McClory muss ihm Ende der 1950er dann wie ein echter Silberstreif am Horizont erschienen sein. Immerhin hatte McClory mit THE BOY AND THE BRIDGE einen passablen Film abgeliefert, der sogar auf den Filmfestspielen von Venedig lief.

Doch McClory wollte nicht auf einen der bestehendes Romane zurückgreifen, sondern eine eigene Story entwerfen. Die Zutaten waren schnell klar: Bond, die Bahamas, die Ende der 1950er unheimlich exotisch erschienen, Unterwasser-Action und Atombomben. Nach dem Film AL CAPONE mit Rod Steiger erwägte man als Drahtzieher die Mafia einzubauen. Das ist auch der Grund, weshalb fast alle Namen in Buch und Film italienisch sind. Letztlich entschied man sich jedoch für eine fiktive Verbrecherorganisation mit dem Namen S.P.E.C.T.R.E. - Der Beginn einer wunderbaren Feindschaft.

Doch die Filmpläne scheiterten vorerst, und Fleming verwendete die Ideen einfach für seinen neusten Roman Feuerball ohne McClory zu erwähnen. McClory verklagte daraufhin Fleming, der sich bis dahin keiner Schuld bewusst war. In den folgenden Prozessen schenkten sich beide Parteien keinen Meter. Einige Ideen Flemings wurden öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben. Auch wenn sich Fleming in einigen Dingen nicht korrekt verhalten hatte, kostete ihn das Gerichtsverfahren einen Herzinfarkt, und letztendlich wohl vorzeitig das Leben. Auch um die Urheberschaft von S.P.E.C.T.R.E. wurde gestritten, die McClory auch für sich in Anspruch nahm. Aber wenn man sich das weitere kreative Output von Fleming ansieht und auch sein Faible für Akronyme (auch die Organisation in der Fernsehserie Solo für U.N.C.L.E. geht auf sein Konto), dann ist Fleming als Urheber doch wesentlich wahrscheinlicher.

Ab 1975 wurde McClory dann aktiv und strebte eine erneute Verfilmung von Feuerball an. Seine Pläne waren hochfliegend - oder besser gesagt tieftauchend. Sein Faible für Unterwasserszenen (McClory besaß sogar ein eigenes Auto, das schwimmen konnte) mündete in eine wilde Story, die als "Star Wars unter Wasser" in Filmkreisen bekannt wurde. Wenn man sich den genauen Plot um Roboter-Haie und die Freieheitsstatue in The Battle for Bond durchliest, bekommt man schon Lust, soetwas auf der großen Leinwand zu sehen.

The Legacy

Letztendlich dauerte es einige Jahre und Drehbuchversionen, bis die Pläne schließlich konkreter wurden. 1983, als das Wunderkind THUNDERBALL quasi volljährig wurde, erblickte sein ungeliebter Bruder das Licht der Leinwände. Die Story war dann doch um einiges schlichter als ursprünglich geplant und hielt sich mehr an die literarische Vorlage. Unter anderem auch, weil THE SPY WHO LOVED ME dem geplanten 'großen Unterwasserabenteuer' die Butter vom Brot genommen hatte. Obwohl Cubby seit 18 Jahren wusste, was da auf ihn zukam, war er 'not amused'. Bis heute ist die Broccoli-Familie nicht gut auf das Konkurenzprodukt zu sprechen. In der Dokumentation EVERYTHING OR NOTHING sagt Barbara Broccoli beispielsweise, dass McClory erkennen musste, dass Connery allein nicht ausreicht für einen Bondfilm. Dabei muss man fairerweise sagen, das NEVER SAY NEVER AGAIN außer Connery noch einige andere bemerkenswerte Zutaten enthält, die ihrer Zeit teilweise voraus waren. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass viele davon das "offizielle" Franchise beeinflussten.

Um ein paar zu nennen:

- Die Gegenspieler
Bis inklusive OCTOPUSSY setzte man in den EON-Bondfilmen auf den gesetzten älteren 'Villain', der im Hintergrund die Fäden zieht. NEVER SAY NEVER AGAIN etablierte dagegen einen vergleichsweise jungen und vitalen Gegenspieler, der die Öffentlichkeit nicht scheut. Klaus Maria Brandauer spielte Largo auf eine Weise, die nicht viel mit der sinsistren Art eines Blofeld oder Stromberg zu tun hat, aber trotzdem interessant und teilweise bedrohlich wirkt. Brandauer hatte seine Karriere außerdem noch vor sich, während Schauspieler wie Jürgens oder Jourdan sie eher hinter sich hatten.

Interessanterweise tauchte bereits in A VIEW TO A KILL ein Schurke auf, der ebenfalls eher jung und dynamisch wirkt, und dessen Darsteller noch am Beginn einer vielversprechenden Karriere stand. Mit Sanchez, Trevelyan, Graves und Co. wurden die Gegenspieler dann stetig jünger und physisch präsenter.

Mit Fatima Blush hatte man ebenfalls einen Charakter geschaffen, der im Vergleich zu Fiona Volpe wohl überspitzt wirkt, der aber sehr gut funktionierte und ankam. Ebenfalls in A VIEW TO A KILL tauchte mit May Day nun auch eine sexuell agressive Schurkin in extravaganten Kostümen auf. Und auch Xenia Onatop in GOLDENEYE wirkt deutlich von Fatima Blush inspiriert.

- Das Verhältnis zu Q, M und Leiter
In den EON-Filmen war das Verhältnis zwischen Bond und M sowie Q bis THE LIVING DAYLIGHTS so ziemlich gleichbleibend. M war einfach der grummelige Stichwortgeber, und Q der stetig Kopfschüttelnde, der von Bonds kindischer Art genervt war. In NEVER SAY NEVER AGAIN ist dagegen erstmals ein M zu sehen, der eher wie ein Gegenspieler von Bond auftritt und ihm das Leben schwermacht. Ab LICENCE TO KILL wurde M auch in den EON-Filmen zu einem differenzierten Charakter, der Bonds Eigenarten nicht nur grummelnd hinnimmt.

Q dagegen geht in NEVER SAY NEVER AGAIN überhaupt nicht auf Konfrontationskurs mit 007, sondern wirkt eher wie ein heimlicher Verbündeter. Das wurde Q dann auch in LICENCE TO KILL und THE WORLD IS NOT ENOUGH.

Felix Leiter war in den meisten EON-Produktion eher ein Anhängsel, vom Alter her oft fast schon eine Art Onkelfigur. In NEVER SAY NEVER AGAIN ist er ein glaubhafter Freund Bonds, ein gleichaltriger Buddy auch in Actionszenen. Das war Leiter auch in späteren EON-Filmen eher selten, am ehesten jedoch noch in CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE, wo er interessanterweise auch schwarz ist.

- Gadgets und Technik
Während OCTOPUSSY teilweise wie ein Rudyard-Kipling-Abenteuer wirkt, erscheint NEVER SAY NEVER AGAIN fast schon futuristisch. Bond fährt hier das bis heute einzige Gadget-Motorrad überhaupt! Erst mit GOLDENEYE und TOMORROW NEVER DIES setzte man auch den EON-Bond auf ein Motorrad. In GOLDENEYE tauchten erstaunlicherweise auch fast dieselben Gadgets auf: Eine Laseruhr und ein explosiver Stift. Und es gibt einen Q-Gag um ein vermeintliches Gadget: dort einen Inhalator, hier ein Baguette. Auch die offenbar holografische 3D-Projektion im Dominationspiel findet eine Entsprechung in THE WORLD IS NOT ENOUGH.

Interessant ist auch, dass James Camerons Bondhommage TRUE LIES neben Anspielungen an die frühen Klassiker wie GOLDFINGER oder THUNDERBALL auch eine Tangoszene enthält, die stark an NEVER SAY NEVER AGAIN erinnert.

Offiziell oder inoffiziell?

Als Skurrilität kann man nur die sich bis heute auch in Büchern und Zeitschriften zu findende Titulierung "inoffizieller Bondfilm" für NEVER SAY NEVER AGAIN bezeichnen. Kann ein Film, der legal in die Kinos kam und heute legal und überall als DVD und Bluray erhältlich ist, überhaupt in irgendeiner Form "inoffiziell" sein?

Als Grund werden häufig die fehlenden Stammzutaten angeführt, wie Gunbarrelsequenz, Bondtheme oder Titelsequenz. Aber gerade mit diesen Ingredienzen wird auch in den EON-Filmen zunehmend experimentell umgegangen. NEVER SAY NEVER AGAIN enthält beispielsweise Moneypenny und Q, die in CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE fehlen. Letzterer Film beginnt zudem ebenfalls ohne klassische Gunbarrel mit einem Helikopterflug über eine Landschaft.

Zudem kann man NEVER SAY NEVER AGAIN auch ähnlich wie CASINO ROYALE eher als eine Neuverfilmung sehen, und weniger als Remake. Der Film hält sich in vielen Details sogar mehr an den Roman als THUNDERBALL. So ist Domino beispielsweise blond, bestellt eine Bloody Mary mit viel Worcestersauce, Largo ist wie im Buch jünger und attraktiver, Bond ist wegen seiner desolaten Gesundheit im Sanatorium und Largo wird unter Wasser besiegt. Der Name Fatima Blush geht ebenfalls auf eine frühe Idee von Fleming zurück.

Aber mal ganz abgesehen von diesen Feinheiten ist es auch einfach unfair, einem Film Dinge vorzuwerfen, die er rein rechtlich gar nicht benutzen durfte.

Ein weiteres Argument für das Prädikat "inoffiziell" wird oft die teilweise mangelnde Qualität des Films genannt. Da muss man sich jedoch dann fragen, ob der Film offizieller wäre, wenn er die Klasse von THE SPY WHO LOVED ME oder CASINO ROYALE erreicht hätte.

In vielen Aspekten lässt NEVER SAY NEVER AGAIN etwas zu wünschen übrig. So etwa beim Produktionsdesign, der Musik (die stellenweise wirkt wie aus einem japanischen Monster-B-Movie) oder auch der Action. In anderen finde ich ihn dagegen äußerst unterhaltsam, vor allem in den Dialogen und dem Schauspiel zwischen Connery, Brandauer und Carrera. Es ist auf jeden Fall ein Franchise-Beitrag, den ich nicht missen möchte.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Gladiatoren der Rennbahn

Rush
Deutschland/UK 2013
Regie: Ron Howard
Darsteller: Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Alexandra Maria Lara

Obwohl Autorennen ein beliebtes Filmthema sind, gibt es bisher sehr wenige gute Filme über die Formel 1. Abgesehen von GRAND PRIX aus dem Jahr 1966 und der Dokumentation SENNA von 2010 beschränkt sich die Darstellung des Rennsports in Filmen wie DRIVEN eher auf Hollywoodklischees. Mit RUSH kommt nun eine britisch-deutsche Co-Produktion in die Kinos, die die legendäre Rivalität zwischen dem Briten James Hunt und dem Österreicher Niki Lauda in der Rennsaison 1976 zum Thema hat.



Das Drehbuch schrieb Oscargewinner Peter Morgan, der sich mit Filmen wie THE QUEEN oder THE LAST KING OF SCOTLAND zu einem Experten für biographische Stoffe und Duelle entwickelt hat. Bondfans dürfte der Name Morgan bekannt vorkommen, da er im Frühjahr 2010 als Co-Autor von SKYFALL verpflichtet wurde, mit der Regieübernahme von Sam Mendes jedoch absprang. Morgan, der zur Zeit an einem Film über Freddie Mercury schreibt, gestaltete die Dramaturgie der Geschichte dabei selbst wie ein Rennen. (siehe hier und hier)

Im Schatten der mittelalterlichen Nürburg: Die Rennstrecke,
auf der sich Laudas tragischer Unfall ereignete
Und so ist RUSH nicht nur ein Film über zwei Rennfahrer, sondern auch über zwei völlig verschiedene Einstellungen und Lebensentwürfe, die sich fast naturgemäß bekämpfen. Auf der einen Seite der Playboy James Hunt, der nicht nur vom Namen her an Bond erinnert. Morgan über ihn: “Every single person wanted to be James Hunt. He was funny, handsome, like James Bond but not uptight.” Bei Chris Hemsworth muss man tatsächlich öfter an den jungen und draufgängerischen Bond der frühen Flemingromane denken, der auch in CASINO ROYALE zu sehen ist. Am anderen Ende des menschlichen Spektrums ist Niki Lauda, der kühl, überlegt und sachlich-nüchtern handelt. Umso tragischer wirkt dann die Ironie, dass ausgerechnet Lauda einen beinahe tödlichen Unfall erleidet. (Der allerdings durch ein gebrochenes Teil am Fahrzeug verursacht wurde, wie im Film richtig dargestellt)

In Morgans geschickter Dramaturgie sind es die Charaktere, die sich nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch in ihren Privatleben ständig gegenseitig überholen und übertrumfen. Bei aller Gegensätzlichkeit verbindet die beiden jedoch die kompromisslose Leidenschaft für ihren Sport. Hunt setzt dafür seine Ehe auf's Spiel, Lauda bricht mit der konservativen Familie. Im wahren Leben waren beide schon viel eher Freunde, die Gegnerschaft ist im Film überspitzt. Das Leben schreibt zwar immer noch die besten Geschichten, doch es bedarf hin und wieder der Würze der Übertreibung an den richtigen Stellen. Im Gesamten bleibt der Film für eine Kinoproduktion jedoch der Realität erstaunlich nahe. Während der Pressekonferenz nach Laudas Unfall fragte ihn beispielsweise ein Reporter tatsächlich, ob sich seine Frau jetzt wohl scheiden lassen werde, so wie er aussehe. Die Reaktionen von Lauda und Hunt im Film hätte man sich auch im wahren Leben gewünscht. Auch der Wunsch eines Fans nach dem Datum unter einem Autogramm, weil es ja das letzte sein könne, entspricht der Realität.

In diesen Szenen setzt sich der Film auch kritisch mit der von allen Seiten billigend in Kauf genommenen Morbidität dieses Sports auseinander, von der er dramaturgisch natürlich auch profititiert. Wenn sich Hunt und Lauda vor einem Rennen kurz zunicken, bevor sie das Visier herunterklappen, wirken sie wie moderne Gladiatoren. Das zwanzig-prozentige Risiko zu sterben, dem die Fahrer damals vor jedem Rennen ins Auge blickten, wurde heute durch stetig verbesserte Technik und Rennstrecken erfreulicherweise fast gegen null reduziert. Die medial hochgepushten Siege eines Schwiegermutterlieblings wie Vettel wird sich allerdings in 30 Jahren wohl auch niemand im Kino ansehen.

Am Ende sind die beiden Kontrahenten aneinander gereift. Sowohl Chris Hemsworth als auch Daniel Brühl brillieren in ihren Rollen, und meistern gekonnt die Balance zwischen realer Figur und wirksamer Überspitzung. Vor allem Brühl, dessen Rolle wegen des noch lebenden und sehr kritischen Vorbilds wohl die schwierigere war, hat Aussprache und Gestus von Lauda teilweise genial verinnerlicht. Auch die Nebenrollen wie Alexandra Maria Lara und Olivia Wilde überzeugen. Ron Howards Regie ist dynamisch und mitreißend. (Obwohl man sich gerade auf der großen Leinwand manchmal etwas mehr Fahrerperspektiven gewünscht hätte) Die Musik von Hans Zimmer betrachte ich ebenfalls als sehr gelungen, da er seinen vielgescholtenen Pathos hier sehr dosiert einsetzt. Gerade wenn man die Musik mit frühen Arbeiten wie DAYS OF THUNDER vergleicht. (Wobei ich die massive Zimmerkritik mancher Leute ja eh nicht nachvollziehen kann)

Zusammenfassend ist RUSH für mich eine der überzeugendsten Filmproduktionen in diesem Jahr und damit eine klare Kinoempfehlung!

Dienstag, 1. Oktober 2013

SOLO-Auftritt

Ab heute ist der neue James-Bond-Roman SOLO in deutschen Buchhandlungen erhältlich. Im Gegensatz zu anderen Ländern leider eher unspektakulär und unglamourös, wie hier am Potsdamer Platz in Berlin.

James Bond 007 SOLO von William Boyd