Donnerstag, 31. Januar 2013

James Bond und Jules Verne

Heute vor 150 Jahren erschien Fünf Wochen im Ballon (Cinq semaines en ballon), das erste Buch in der Romanreihe der Voyages extraordinaires, die Jules Verne als Vater der Science Fiction und der phantastischen Literatur weltberühmt werden ließ. Grund genug, auf die Verne´schen Einflüsse im Bondfranchise einzugehen.


Sowohl Verne als auch Fleming besaßen eine umfangreiche Sammlung von Notizen zu allen möglichen geographischen und wissenschaftlichen Themen, und beide arbeiteten vor ihrer literarischen Berufung mit sehr mäßigem Erfolg als Börsenmakler. Beiden Autoren ist zudem gemein, dass sie die ersten Verfilmungen ihrer Werke noch miterlebten - bei Verne die berühmte Filmfassung LE VOYAGE DANS LA LUNE von Georges Méliès 1902 - und trotz großen Erfolgs nie wirklich literarische Anerkennung fanden.

Eins der bekanntesten Bücher von Jules Verne - 20.000 Meilen unter dem Meer - enthält auch die vielleicht berühmteste Figur überhaupt in Vernes Werk, Kapitän Nemo. Nemo ist von der Konzeption her ein genialer Charakter - einerseits ein zutiefst verbitterter Menschenfeind, der skrupellos Schiffe versenkt; andererseits ein hochintelligenter und kultivierter Mensch, dessen Motive letztendlich nachvollziehbar sind. Erst im Fortsetzungsroman Die geheimnisvolle Insel findet man genauere biographische Daten: Geboren als indischer Prinz kämpfte er gegen die britische Besatzung. Nach einer Rebellion verlor er seine gesamte Familie sowie sein Königreich, und widmete sich fortan der wissenschaftlichen Forschung. Mit seinem Unterseeboot Nautilus als geheimen Hauptquartier kämpft er schließlich gegen den Imperialismus. Diese attraktive Mischung aus bedrohlichem Intellekt und kultiviertem Gastgeber-Gestus beeinflusste natürlich viele nachfolgende überlebensgroße Antagonisten sehr stark, und damit auch das Bonduniversum.

Buchillustration zu "20.000 Meilen unter dem Meer",
Cover der Erstausgabe von "Dr. No"
In den Romanen von Ian Fleming erinnert am ehesten Dr. No an Nemo, mit seinem Hintergrund als Wissenschaftler und seinem Inselversteck samt Unterwasserfenster und Riesenkrake. Während die Nautilus für ein Seeungeheuer gehalten wird, benutzt No ein als Drachen getarntes Fahrzeug. Auch die Namen ähneln sich: Nemo ist lateinisch für Niemand, englisch No one.

Aber es gibt auch eine Verbindung zu Mr. Big: Nemo nutzt den von ihm gefundenen Goldschatz der spanischen Armada für seine Zwecke; im Roman Leben und sterben lassen verwendet Mr. Big den Goldschatz des Piraten Sir Henry Morgan, um seine Operationen zu finanzieren.



Von den Schurken der Fleming-Romane hat jedoch niemand eine so idealistische Motivation wie Nemo. Daran nähert man sich erst später in den Filmen an, und zwar 1977 mit THE SPY WHO LOVED ME. Karl Stromberg ist tatsächlich soetwas wie ein Nemo des 20. Jahrhunderts. Statt Schiffe zu versenken entführt er Atom-U-Boote und will den dritten Weltkrieg auslösen, um eine neue Welt im Schoß der Ozeane zu erschaffen. Womit er letztlich auch etwas unsympathischer erscheint als Nemo.

Kongenial dargestellt wurde Nemo von James Mason im Disney-Klassiker von 1958. Mason, der hier für mich einer der besten Antagonisten der Filmgeschichte überhaupt ist, hätte beinahe auch Hugo Drax in MOONRAKER verkörpert, doch die französische Gewerkschaft verlangte nach einem heimischen Schauspieler. (Wenn man den Trivia der Seite imdb.com glauben darf, war ein Vorbild für den literarischen Hugo Drax tatsächlich eine weitere überlebensgroße Jules-Verne-Figur: Robur der Eroberer, eine Art Nemo der Lüfte mit seinem Rotor-Luftschiff Albatros.)

"Facing the Flag" von Hippolyte Léon Benett
(wikipedia)
Aber noch ein anderer, etwas unbekannterer Roman von Jules Verne wirkt wie eine Vorform von James Bond: Die Erfindung des Verderbens (Face au drapeau, engl. Facing the Flag). Darin entführt der Seeräuber Ker Karraje den ebenso genialen wie verrückten Wissenschaftler Thomas Roch aus einem Sanatorium. Roch hat einen neuartigen Super-Sprengstoff entwickelt, mit dem man Massenvernichtungswaffen bauen könnte. Der Ingenieur Simon Hart, der unter einer falschen Identität Roch betreute, wird ebenfalls entführt und kommt Karraje auf die Spur. Der Pirat hat ein geheimes Hauptquartier in einer erloschenen Vulkaninsel (!), die wegen ihrer Form Back Cup (umgedrehte Tasse) genannt wird. Karraje erzeugt durch Pyrotechnik nach außen hin die Illusion, dass der Vulkan noch aktiv ist, und bringt Roch dazu, Raketen mit dem Super-Sprengstoff herzustellen.

Hart kann die Weltöffentlichkeit durch eine Flaschenpost davon in Kenntnis setzen, und Kriegsschiffe belagern daraufhin die Vulkaninsel. Karraje sprengt sich mitsamt der ganzen Insel schließlich selbst in die Luft, während Simon Hart entkommen kann. Würde man hier den Protagonisten mit dem Hintergrund eines Agenten anstelle des Ingenieurs ausstatten, würde man eine Dampfzeitalter-Variante von James Bond erhalten. Jules Verne nahm hier nicht nur die politischen Auswirkungen von Massenvernichtungswaffen wie der Atombombe im Kalten Krieg vorweg, sondern auch die Gefahr dieser Waffen in den Händen von Terroristen.

Der Filmwissenschaftler Thomas Renzi sieht in der Figur des Erfinders Roch, der von dem realen Chemiker Eugéne Turpin inspiriert wurde, auch die Urform des mad scientist, der mit Charakteren wie Dr. No oder Blofeld integraler Bestandteil der Bondfranchise ist.

Verfilmt wurde Die Erfindung des Verderbens vom tschechischen Regisseur Karel Zeman, der die Kupferstich-Optik der frühen Buchillustrationen trickreich in den Film übernahm. Hier der DVD-Trailer für den Film, der auf der Weltausstellung in Brüssel 1958 den Grand Prix erhielt:

Montag, 28. Januar 2013

Die Scaramanga-Silva-Connection

Letztens fand THE MAN WITH THE GOLDEN GUN wieder einmal den Weg in meinen Player - einer der weniger beliebten Bondfilme, der in puncto Locations und Gegenspieler allerdings so manchen der "Bondbuster" überflügelt. Dabei sind mir einige interessante Parallelen zu SKYFALL aufgefallen. (Der nachfolgende Text enthält Spoiler in Bezug auf die Handlung von SKYFALL)



In beiden Filmen ist James Bond in einem Casino in Macao, dem Monte Carlo des Ostens, wo die Geliebte des Bösewichts an einem geheimen Deal beteiligt ist. Sowohl Andrea als auch Sévérine hoffen darauf, dass Bond sie vom Bösen erlöst, und beide bezahlen dafür mit dem Tod durch Erschießen. Bond hat mit Andrea Sex, nachdem sie aus der Dusche kommt, mit Sévérine unter der Dusche.

In der Komodo-Waran-Grube im Casino in SKYFALL steht eine Shishi-Figur - ein löwenähnlicher Hund mit einem Globus unter einer Pfote. Eine sehr ähnliche Figur sieht man am Eingang des Hongkonger Peninsula-Hotels in GOLDEN GUN. Shishi findet man in Japan und China an Tempel- oder Hauseingängen. Der geöffnete Mund soll Dämonen abwehren. Unter ihrer Pfote halten sie Tama, das buddhistische Juwel.

Silva schließlich hat wie Scaramanga einen hispanischen Hintergrund. Und beide erzählen bei ihrem ersten Zusammentreffen mit Bond eine Geschichte aus ihrer Vergangenheit, die mit Tieren zusammenhängt - ein Elefant bei Scaramanga, Ratten bei Silva. Beide besitzen zudem eine eigene Insel im Pazifik, die sie jeweils mit ihrem eigenen luxuriös ausgestatteten Segelschiff erreichen.

Aber auch beim "Hauptbondgirl" gibt es Gemeinsamkeiten. Im Film THE MAN WITH THE GOLDEN GUN ist Mary Goodnight - dargestellt von der reizenden Britt Ekland - MI6-Agentin im Außeneinsatz. Im gleichnamigen Roman von Ian Fleming ist Goodnight allerdings die ehemalige Sekretärin der Doppelnull-Abteilung. (Diesen Job hatte zuvor für mehrere Romane Loelia Ponsonby, die in GOLDENEYE beinahe ihren ersten filmischen Auftritt gehabt hätte.) Nach Bonds vermeintlichen Tod am Ende des Romans You Only Live Twice, an dem Goodnight zweifelte, ließ sie sich nach Jamaika versetzen und wurde die Sekretärin des dortigen Leiters der Außenstelle, Commander Ross (dessen Vorgänger Strangways war, und dessen Vorgänger hieß - Surprise! - Silva).

Eve (Naomi Harris) wird in SKYFALL nach Bonds vermeintlichem Tod zu Mallorys Sekretärin, und damit schließlich zur Chefsekretärin. Damit macht sie im Prinzip die spiegelbildliche Karriere der literarischen Mary Goodnight.

Und schließlich agiert Bond selbst ähnlich mitleidslos und grausam in beiden Filmen. In GOLDEN GUN schlägt und misshandelt er Andrea, bevor er mit dem Spruch "Bottoms up!" Sex mit ihr hat, und ihr Tod scheint ihn nicht weiter zu kümmern. In SKYFALL stört Bond das Töten eines Wachmannes und Kunsthändlers durch Henchman Patrice eher weniger, und er unternimmt auch keine Anstalten, die ehemalige Sexsklavin Séverine irgendwie vom Tod zu bewahren.

Freitag, 25. Januar 2013

Space Age Hero

                "Als der Mensch ins Atomzeitalter trat, eroberte er eine neue Welt. Welchen Gefahren 
                 wir ins Gesicht sehen müssen, kann kein Mensch voraussehen!"
                                 (THEM!, 1954)


Vor einem halben Jahrhundert kam der erste Bondfilm in die deutschen Kinos, unter dem Titel: James Bond 007 jagt Dr. No. Der Film spiegelt perfekt den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre wider, als die Menschheit hin und hergerissen war zwischen apokalyptischen Ängsten und unbegrenzten Möglichkeiten - ausgehend sowohl vom Mikro- wie vom Makrokosmos. Die kleinsten Teilchen erwiesen sich doch nicht als unteilbar und stellten gigantische Energien zur Verfügung, während sich der Kosmos durch die Raumfahrt als potentieller Lebensraum anzubieten schien. Angesichts der gerade mühsam überwundenen Schrecken des zweiten Weltkrieges stellte sich zum ersten Mal im globalen und existentiellen Maßstab die Frage des moralischen Fortschritts. Zeit für übermenschliche Helden, die das Gleichgewicht des Schreckens auf ihren Schultern balancieren konnten.


Der Plot von DR. NO verbindet die Möglichkeiten und Gefahren beider Welten sehr clever. Der Nuklearphysiker Dr. Julius No benutzt die Kernkraft, um Nasa-Raketen von ihrem Weg in den Weltraum abzulenken - die Kräfte des Mikrokosmos versperren sozusagen den Weg in den Makrokosmos, und bedrohen durch einen Krieg zwischen den Weltmächten die Menschheit. Fast eine Metapher für den Kalten Krieg an sich - andererseits trieb gerade der Wettstreit der Ideologien die Raumfahrt stärker voran, als es eine rein friedliche und wissenschaftliche Neugier vermocht hätte. Am Ende sinkt der mad scientist langsam in das kochende Wasser des Kernreaktors, während die Rakete ungestört Richtung Weltall aufsteigt.

Doch DR. NO visualisiert nicht nur die Angst des jungen nuklearen Zeitalters, sondern auch die mindestens genauso große Faszination, und damit den aus heutiger Sicht naiv wirkenden Umgang mit den Gefahren. Legendär beispielsweise die Szene, als James Bond und Honey Rider durch eine Art Waschanlage befördert und von Radioaktivität befreit werden. Auch das Manipulieren des Reaktors, das zur Zerstörung der ganzen Insel führt, ist aus heutiger Sicht grob fahrlässig, denn wie die Seite cracked.com vor einiger Zeit feststellte, wäre damit ein Großteil der Karibik verstrahlt. Radioaktivität hatte neben der Gefahr noch etwas magisches. Wie genau das "Toppling" der Raketen durch die Strahlen gelingt, bleibt unklar. Funktionieren würde es in der Realität wohl eh nicht, da die Raketen seinerzeit durch einen Kreiselkompass gesteuert wurden, der mechanisch funktioniert und sich durch elektromagnetische Strahlung nicht beeinflussen lässt.

Motorola-Werbung von Charles Schriddle, 1961,
Salon von Dr. No
DR. NO ist am ehesten von allen Bondfilmen Atompunk, ein Science-Fiction-Genre, das 2009 defininiert wurde und eben dieses naiv-utopische umfasst. Dazu gehört natürlich auch die typische Space-Age-Architektur à la Googi, Populux und Mid-Century-Modernism - für die bei den ersten Bondfilmen der geniale Produktionsdesigner Ken Adam verantwortlich war.

In Deutschland waren die Kritiken gemischt. Die katholische Filmkritik formulierte vorsichtig: "Die rasche Liebespraxis des Helden und zahlreiche kaltschnäuzige Brutalitäten bedingen Einwände". In der Bravo hieß es: "Das wird geboten: Geheimagenten, Attentate, Todesstrahlen".

In den USA startete der Film erst im Mai 1963, und das auch in einem Doppelprogramm, da man sich über den amerikanischen Markt sehr unsicher war. Befürchtungen, die sich als unbegründet erwiesen. Mit DR. NO startete ein ganzes Franchise erfolgreich in seinen eigenen Kosmos.

Dienstag, 22. Januar 2013

Mauersprünge

Einer der spektakulärsten Stunts der Bondfilme ist der Bungeesprung von der Contra-Talsperre im Schweizer Kanton Tessin, für GOLDENEYE (1995). Bei einer Umfrage der Seite Skymovies wurde er sogar zum besten Filmstunt aller Zeiten gewählt. Doch James Bond, beziehungsweise Stuntman Wayne Michaels war nicht der erste, der mit einem Bungeeseil von dieser Staumauer sprang. Tatsächlich war dieser Stunt bereits fünf Jahre zuvor in einem Kinofilm zu sehen.





Ende der 1980er drehte Skirennfahrer, Kameramann und Designer Willy Bogner nach FIRE & ICE einen weiteren Spielfilm mit dem Titel FIRE, ICE & DYNAMITE. Roger Moore spielt darin einen Millionär, der seinen Tod vortäuscht (mit einem Freefall-Stunt à la MOONRAKER) und ein wahnwitziges Wettrennen initiiert, das an RAT RACE oder JACKASS erinnert, um seine Kinder untereinander und mit sich zu versöhnen. Neben Roger Moore wirkten auch die Bond-Stuntmen B.J. Worth und Rémy Jullienne mit.

Bogner kreierte für den Film zahlreiche halsbrecherische Sportarten, wie etwa das Skifahren durch einen Looping oder auf einer Geröllpiste. Ein Teil des Wettbewerbs ist eine Kletterei am Verzasca-Staudamm. Uwe Ochsenknecht (DAS BOOT), der in dieser leider etwas klamaukig geratenen Komödie den Bösewicht verkörpert, will die Konkurrenten sabotieren und wirft, mit einem Seil gesichert, einen Sprengsatz hinunter. Doch er stürzt selbst hinterher. Natürlich wirkt der Bungeesprung in GOLDENEYE ungleich spektakulärer, und deckte im Gegensatz zum Erstsprung fast die gesamte Höhe des Damms von 220 Metern ab. (Clevererweise hat man den Sprung im Film auf 1986 zurückdatiert, so dass Bond wenigstens im Film der Erste ist.)

Realisiert wurde der Sprung in FIRE, ICE & DYNAMITE von Stuntman Jochen Schweizer, der für den Film auch einen weiteren spektakulären Bungeesprung durchführte, von einer nahegelegenen Brücke über die Verzasca. Hierbei tauchte er kurz mit dem Oberkörper ins Wasser ein, um einen Staffelstab weiterzugeben.

Im weiteren Filmverlauf sieht man die atemberaubenden Stromschnellen der Verzasca (von Verde aqua - grünes Wasser), die auch heute noch bei Paddlern und Tauchern beliebt sind.

Wie Bogner im Audiokommentar der DVD erwähnt, erhielt er für die Nutzung seiner Stunt-Idee in GOLDENEYE kein Geld oder namentliche Erwähnungen. Allerdings hat Stuntman Jochen Schweizer mittlerweile ein Erlebnis-Unternehmen, dass auch Bungeesprünge vom Verzasca-Damm anbietet. So schließt sich der Kreis dann wohl wieder.

Bungeesprungmöglichkeit am Damm 2011 (und nein, ich war nicht so verrückt ;)

Donnerstag, 17. Januar 2013

Blutige Baumwolle

Django Unchained
USA 2012
Regie und Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio

Kino eignet sich nicht nur dafür, vergangene Epochen wieder lebendig werden zu lassen, sondern auch, die Geschichte nach eigenen Vorstellungen umzuschreiben. Während bei vielen historischen Filmen letzteres eher auf schlampige Recherche zurückzuführen ist, nutzt Quentin Tarantino die Freiheiten der Zeitmaschine Kino bewusst und konsequent. In INGLORIOUS BASTERDS (2009) glückt ein Attentat auf Hitler, wo sie in der Realität allesamt scheiterten; in seiner achten Spielfilm-Regie lässt er nun einen schwarzen Sklaven seine Ketten sprengen und mit den weißen Besitzern abrechnen. Dabei wird auch die Filmgeschichte berichtigt. "Once you loved her, now you've lost her forever", singt Rocky Roberts in Luis Bacalovs Hymne zum originalen DJANGO (1966).


Tarantinos Django (Jamie Foxx) hat seine Liebe noch nicht für immer verloren, und so dreht sich die Geschichte um Djangos Versuch, mit Hilfe des Kopfgekljägers Dr. King Schultz (Christoph Waltz) seine Frau (Kerry Washington) zu befreien und sich an ihren und seinen Peinigern zu rächen. Doch auch auf eine weniger positive Weise unterscheidet sich der "Southern" von Sergio Corbuccis Italowestern. Während Franco Neros eisblaue Augen Damen wie Bösewichte verstummen ließen, ist DJANGO UNCHAINED eindeutig die Show von Christoph Waltz. Die Leinwandpräsenz des Wieners ist schon erstaunlich, wenn man an frühere Rollen in "Die Roy Black Story" oder "Kommissar Rex" denkt. In Deutschland wäre jemand wie er vermutlich heute noch dazu verdammt, zwischen Tatort und Traumschiff zu tingeln. Seine Figur des auf Kopfgeldjäger umgeschulten Zahnarztes erinnert an die historische Figur des Doc Holliday, und Waltz spielt sie mit einer genialen Mischung aus Eloquenz und Tödlichkeit. Der zweite Oscar wäre auf jeden Fall verdient.

Jamie Foxx hat erst gegen Ende des mit 165 Minuten etwas zu lang geratenen Films die Gelegenheit, aus dem Schatten seines Mentors zu treten. Dafür aber dann umso bleischwerer und blutiger. Die Gewalt in DJANGO UNCHAINED wirkt verglichen mit Tarantinos bisherigen Filmen realistischer und weniger cartoonhaft. Der Regisseur schafft es, das absurde Selbstverständnis der weißen Sklavenhalter in vielen Szenen auf den Punkt zu bringen. "Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so tragisch wäre" - dieser Spruch trifft wohl auf einen Großteil der Menschheitsgeschichte zu. Hier darf man tatsächlich auch mal darüber lachen, beispielsweise wenn sich Ku-Klux-Klan-Mitglieder über ihre Kapuzen streiten. Manchmal wird es allerdings auch etwas zu plakativ, etwa wenn ein fetter Weißer eine Sklavin mit der Bibel in der Hand auspeitscht.

Auch Leonardo DiCaprio, der mit THE QUICK AND THE DEAD schon einmal in einer Italowestern-Hommage spielte und hier den Planatagenbesitzer Calvin Candie verkörpert, ist sehenswert, reicht als Bösewicht aber nicht ganz an Waltz´ Hans Landa heran. Wie gewohnt bei Tarantino ist der Film bis in die kleinste Nebenrolle genial besetzt. Bondfans können sich beispielsweise auf ein Wiedersehen mit Colonell Heller aus LICENCE TO KILL freuen, hier als Sheriff. Auch der Meister himself beweist in einer kleinen Rolle wieder Sinn für Selbstironie. Obligatorisch ebenfalls die zahlreichen Zitate nicht nur der Italowesterngeschichte, sowie die kongeniale Musikauswahl.

Im Gesamteindruck hält der Film eine sehr gekonnte Balance zwischen Popcorn-Unterhaltung, Hommage an ein Genre bzw. den Film an sich sowie ernsteren Zwischentönen. In dieser Kategorie erreicht er meiner Meinung nach allerdings nicht ganz die Klasse von INGLORIOUS BASTERDS. Zumindest auf den ersten Blick. Auf jeden Fall mag ich den "erwachsenen" Tarantino mit Jackie Brown, Basterds und Django wesentlich lieber.

Montag, 14. Januar 2013

Standing Ovations für Götz Otto

"The King's Speech - Die Rede des Königs" 
Gesehen im Theater Wolfsburg am 11. Januar 2013

Manchmal schreibt das Leben tatsächlich die besten Geschichten. Albert (Götz Otto, TOMORROW NEVER DIES, DER UNTERGANG), Herzog von York und Zweitgeborener des britischen Königs, leidet unter seinem Stottern. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der das Radio einerseits Reden zu Millionen von Hörern übertragen kann, andererseits aber noch nicht so ausgereift ist, dass diese Reden vorher aufgezeichnet oder geschnitten werden können. Nachdem sein Bruder, der Thronanwärter David verhindert ist, muss Albert eine Rede im Wembley Stadion halten, wobei er kläglich versagt. Und das Schicksal kennt auch weiterhin keine Gnade mit ihm.

Nach dem Tod des Vaters besteigt sein Bruder zwar den Thron, dankt aber kurz darauf ab, um eine Amerikanerin zu heiraten (was als eine der großen Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts bezeichnet wurde). Und so muss Albert König werden, während das britische Volk in Kriegszeiten nach einem starken Mann verlangt, und der deutsche Feind einen teuflisch guten Redner aufbietet. Ein König, der hinter dem Mikrofon zum einsamsten und hilflosesten Menschen wird.

Hier kommt Lionel Logue (Steffen Wink, BARFUSS) ins Spiel, ein unkonventioneller australischer Sprachtherapeut.

Man könnte meinen, dass hier ein Theaterstück nach einem erfolgreichen Film geschrieben wurde. Doch tatsächlich war es umgekehrt. Der Autor David Seidler, der selbst unter Stottern litt, machte aus diesem Stoff ein Stück, unter Verwendung der Originalnotizen von Logue. Queen Mum bat ihn jedoch, mit der Veröffentlichung bis zu ihrem Ableben zu warten, und so lag das Stück jahrzehntelang in der Schublade. Schließlich wurde Tom Hooper (LE MISÉRABLES) darauf aufmerksam und machte aus dem Stück ohne den Umweg über die Bühne einen oscarprämierten Film.

Wenn man den Film gesehen hat, kennt man natürlich die Story, und hat auch Colin Firth und Geoffrey Rush in den entsprechenden Rollen vor Augen. Der 1,98-Meter große Götz Otto hat es noch zusätzlich schwer, hilflos und verzweifelt zu wirken. Doch Otto und Wink schaffen es, die Rollen völlig für sich zu vereinnahmen und das Publikum für zwei Stunden in den Bann zu ziehen. Sowohl den Sprachfehler als auch die blaublütige Steifheit verkörpert Otto mitreißend glaubhaft. Interessanterweise spielt Götz Otto, der mit der Rolle des Stamper in TOMORROW NEVER DIES international bekannt wurde, damit bereits zum fünften Mal einen König. Aber auch das restliche Ensemble überzeugt.

Für mich als Technikfan, den auch Bühnentechnik begeistert, stellt lediglich die schlichte und nur in Details variable Kulisse einen leichten Kritikpunkt dar. Andererseits wurde durch die fehlenden Bühnenumbauzeiten die Geschichte effektvoll auf das Wesentliche komprimiert, und man kann sich völlig auf das Spiel der Figuren konzentrieren.

Am Ende gab es verdientermaßen minutenlangen Jubel und Standing Ovations. Noch bis 15. März tourt das Theaterstück durch verschiedene durch verschiedene deutsche Städte

Adele gewinnt Golden Globe

Der Golden Globe für den besten Song ging an Adele und Paul Epworth für SKYFALL. Es ist der erste Golden Globe für einen Bondsong überhaupt, nach mehreren Nominierungen, zuletzt für Madonnas DIE ANOTHER DAY. Damit stehen die Chancen für einen entsprechenden Oscar wohl sehr gut.

Der Golden Globe für die beste Drama-Regie ging an Ben Affleck, was insofern überraschend ist, dass sein Spionagethriller ARGO keine Oscarnominierung in der Kategorie Regie erhielt. Judi Dench, die für THE BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL nominiert war, ging diesmal leer aus. Den zweiten Globe gab es dagegen für Christoph Waltz.

Sonntag, 13. Januar 2013

Golden Globes heute nacht!

Für Nachtgeister: Pro7 überträgt ab 2:00 Uhr live die 70. Verleihung der Golden Globes aus Beverly Hills. Adele ist zusammen mit Produzent Paul Epworth für den Titelsong zu SKYFALL nominiert. Konkurrenten sind Keith Urban, Jon Bon Jovi, Taylor Swift und ein Song aus dem Mucical LES MISÉRABLES. Zudem wird Adele, die erst kürzlich Mutter eines Sohnes wurde, "Skyfall" performen.

Donnerstag, 10. Januar 2013

5 Oscar-Nominierungen für SKYFALL!

Wie heute bekannt gegegeben wurde ist SKYFALL in fünf Kategorien für einen Academy Award nomininiert worden! Es ist das erste Mal seit 1981, und die Höchstzahl an Nomninierungen, die ein Bondfilm überhaupt bekommen hat. Den bisherigen Rekord hielt THE SPY WHO LOVED ME mit drei Nominierungen.

Die Kategorien sind:


  • Best Cinematography - Roger Deakins
  • Best Original Score - Thomas Newman
  • Best Original Song - Paul Epworth and Adele's Skyfall
  • Best Sound Editing - Per Hallberg and Karen Baker Landers 
  • Best Song Mixing - Scott Millan, Greg P. Russell and Stuart Wilson

In den Kategorien Bester Film, Beste Regie oder Beste Nebenrolle (Judi Dench) konnte sich der Film leider nicht durchsetzen. Überraschend ist dagegen die Nominierung für Thomas Newman, der damit zum insgesamt neunten Mal nominiert ist (u.a. WALL-E, ROAD TO PERDITION), aber bisher nie gewann.

Auch deutschsprachige Filmschaffende dürfen auf einen Award hoffen, darunter Christoph Waltz (DJANGO UNCHAINED) und Michael Haneke für LIEBE. Die Verleihung ist am 24. Februar im Dolby Theatre in Los Angeles und wird in Deutschland von Pro7 live übertragen.

Bereits Anfang der Woche wurde SKYFALL auch für die BAFTAs (British Academy Film Awards) nominiert, in folgenden Kategorien:
  • Best British Film - Skyfall
  • Best Actor in a Supporting Role - Javier Bardem
  • Best Actress in a Supporting Role - Judi Dench
  • Best Editing - Stuart Baird
  • Best Cinematography - Roger Deakins
  • Best Production Design - Dennis Gassner
  • Best Original Music - Thomas Newman
  • Best Sound - Skyfall
Die Verleihung ist am 10. Februar im Londoner Royal Opera House.

Mittwoch, 9. Januar 2013

"Octopussy" Cover Fanart

Ende letzen Jahres hatte ich endlich mal Zeit, den Pinsel mit der Maus zu tauschen und mich in Aquarellmalerei zu versuchen. Das Ergebnis ist unter anderem ein Entwurf für die Kurzgeschichtensammlung Octopussy & The Living Daylights.





Montag, 7. Januar 2013

Das bringt 2013

Nach dem Bondjahr ist vor dem Bondjahr, könnte man in Anlehnung an eine Sportweisheit sagen. 2012 wurde das 50jährige Jubiläum der Premiere des ersten James-Bond-Films gefeiert. Doch Bond ist eigentlich schon 60, denn der erste Bondroman erschien 1953. Und das Jahr hat noch weitere Highlights:




Januar
Noch bis zum Sonntag, dem 13. Januar ist die Ausstellung Bond, James Bond... Filmplakate und Fotografien aus fünfzig Jahren im Plakatmuseum Folkwang in Essen zu sehen. Ebenfalls am 13. Januar werden die Golden Globes verliehen. Adeles Skyfall ist als bester Song nominiert.

Am 25. Januar feiert auch der Deutschlandstart von JAMES BOND 007 JAGT DR. NO goldenes Jubiläum.

Februar
Bis 28. Februar dauert noch eine Studioausstellung über Gert Fröbe im Filmmuseum Düsseldorf. Am 25. Februar wäre der Goldfinger-Star 100 Jahre alt geworden.

Am 24. Februar werden im Dolby Theatre in Los Angeles zum 85. Mal die Oscars vergeben. Mit etwas Glück auch den einen oder anderen für SKYFALL, mit Sicherheit wird es aber einen kurzen filmischen Tribut an die Bondfilme geben. Auf der offiziellen Filmseite finden sich die Kategorien, für die eine Nominierung von SKYFALL vorgeschlagen wurde, darunter Bester Film, Regie, Drehbuch, Haupt- und Nebenrollen, Schnitt und Kamera.

März
Ab 1. März erscheint SKYFALL voraussichtlich als DVD und Bluray. Auch in Deutschland wird es eine Limited Steelbook Edition geben.

Am 31. März erscheinen der 5.und der 6. Band aus der neu übersetzten James-Bond-Reihe von Cross Cult - Liebesgrüße aus Moskau und Dr. No.

April
Am 13. April ist das oben erwähnte 60. Jubiläum von Casino Royale, der an diesem Tag 1953 bei Verleger Jonathan Cape in Großbritannien erschien, mit einem von Fleming selbst entworfenen Cover.

Mai
Der fünfte Bonddarsteller Pierce Brosnan wird am 16. Mai 60 Jahre alt (und wird dafür phantastisch aussehen).

Juni
Am 3. Juni erscheint Band 7 bei Cross Cult: Goldfinger, am 13. Nr. 8: In tödlicher Mission


Juli
Mit einer Centenery Week begeht Bonds Hausmarke Aston Martin ihr hundertjähriges Bestehen, vom 15. bis 21. Juli.

September
Feuerball und Der Spion, der mich liebte erscheinen am 13. des Monats.

Oktober
Laut The Book Bond und amazon erscheint der neue, bislang noch titellose James-Bond-Roman von William Boyd am 3. Oktober. Hier ein Interview mit Boyd zum Romanprojekt. Die Handlung ist im Jahre 1969 angesiedelt, und führt damit wie Sebastion Faulks Devil May Care Ian Flemings originalen Bondcharakter weiter.

Dezember
Voraussichtlich am 18. startet der neue Film von Daniel Craig, The Monuments Men, unter der Regie von George Clooney. Zusammen mit Matt Damon und Clooney versucht Craig darin, Kunstschätze vor den Nazis zu retten. Gedreht wird der Film auch in Babelsberg und im Harz.

Passend zur Vorweihnachtszeit erlebt 007 eine schöne Bescherung in Im Geheimdienst Ihrer Majestät am 13. Dezember, sowie am 9. Man lebt nur zweimal.


Noch bis 5. Januar 2014 verlängert wurde die Ausstellung Bond in Motion - 50 Vehicles, 50 Years.

Sonntag, 6. Januar 2013

Bonds schottische Wurzeln

Ein interessanter Artikel auf dem Blog James Bond memes über die schottischen Wurzeln von James Bond und die Parallelen zu Ian Fleming.


(Bildquelle: http://www.scotlandsplaces.gov.uk)

Mittwoch, 2. Januar 2013

SKYFALL Set Design

Über Google bin ich auf die Seite des Designers Gregory Fangeaux gestoßen, der unter anderem für das 3D Set Design des Golden Dragon Casinos in SKYFALL verantwortlich war. Fangeaux arbeitete auch an CAPTAIN AMERICA und dem kommenden WORLD WAR Z mit. Auf seiner Webseite finden sich einige zum Teil animierte Layouts und Raumansichten, die auch ein Set zeigen, das im Film nicht zu sehen war.


Dabei handelt es sich um das Innere eines Frachtflugzeuges. An welcher Stelle des Films es vorkommen sollte, bleibt spekulativ. Sicher ist nur, dass das Set nicht zu einer Sequenz am Shanghai International Airport mit Sévérine und Patrice gehörte, die ebenfalls geschnitten wurde.