Montag, 25. November 2013

Wo Agenten einsam sterben

In diesem Beitrag geht es ausnahmsweise mal nicht um die Drehorte eines Bondfilms, dafür aber eines der Klassiker des Agententhrillers schlechthin, WHERE EAGLES DARE (Agenten sterben einsam) von 1968. In dem Film dringen Richard Burton und Clint Eastwood in das Hauptquartier des deutschen Geheimdienstes ein, das sich in einer unzugänglichen Alpenfestung befindet. Ihr Auftrag ist, einen gefangenen US-General zu befreien, bevor dieser Details über die geplante Invasion der Alliierten preisgeben kann. Doch in diesem Film ist nichts so, wie es scheint.

Action auf einem schneebedeckten Alpengipfel, der nur per Seilbahn oder Helikopter zugänglich ist - damit nahm der Film viel von dem ein Jahr später erscheinenden Bondfilm ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE vorweg. Zu viel?



Where Eagles Dare - Location Festung HohenwerfenTreibende Kraft hinter der Entstehung des Films war der Stiefsohn von Richard Burton, der den Schauspieler gern mal in einem klassischen Abenteuerfilm sehen wollte. Burton wandte sich daraufhin an Produzent Elliott Kastner, der wiederum Bestsellerautor Alistair MacLean mit dem Verfassen eines Drehbuches beauftragte. MacLean, von dem auch die Vorlagen zu THE GUNS OF NAVARONE und ICE STATION ZEBRA stammen, schrieb das Drehbuch und eine entsprechende Romanfassung dazu innerhalb von nur sechs Wochen. (Womit er mein persönlicher Held ist)

Agenten sterben einsam - Festung HohenwerfenDer ungewöhnliche Filmtitel ist ein Zitat aus Shakespeares Drama Richard III"The world is grown so bad, that wrens make prey where eagles dare not perch." (Auf deutsch: "Ich weiß es nicht - die Welt ist so verderbt, Zaunkön'ge hausen, wo's kein Adler wagt.")

Für die Rolle des amerikanischen Lieutenant Schaffer konnte man Clint Eastwood gewinnen, der gerade durch die Dollar-Trilogie von Sergio Leone zum Star geworden war. Eastwood zögerte erst, die zweite Hauptrolle nach Burton zu übernehmen, konnte aber durch eine entsprechende Gage überzeugt werden. Später nannte Eastwood den Film oft scherzhaft "Where Doubles Dared", da für Richard Burton aufgrund seines Alkoholkonsums in vielen Szenen Stuntmen einspringen mussten. So auch in der Szene, als Smith und Schaffer an der Außenwand des Schlosses hoch klettern. Hier wirkt Eastwood weniger fit, allerdings nur, weil er im Gegensatz zu Burton selbst kletterte.

Where Eagles Dare - Agenten sterben einsam - Clint EastwoodFür das fiktive Schloss Adler diente die reale Festung Hohenwerfen als Drehort, nahe dem Dorf Werfen im österreichischen Salzachtal. Gedreht wurde auch in Werfen selbst, unter anderem am Bahnhof. In der geschichtlichen Wirklichkeit gab es dagegen keinen SS-Stützpunkt in einem Schloss, nur ein Gefangenenlager für alliierte Offiziere - auf Schloss Colditz in Sachsen. Die Flucht eines Offiziers von diesem Schloss während eines Orchesterspiels inspirierte Fleming zu seiner Kurzgeschichte The Living Daylights (siehe Berlin Escape).

Wenn man die Festung Hohenwerfen besucht, wird man allerdings etwas enttäuscht nach der entsprechenden Seilbahn suchen. Anders als im Film ist die Festung alles andere als unzugänglich und nur für Adler erreichbar. Ein breiter und gemütlicher Weg führt hinauf, sowie eine Zahnradbahn. Dem Originaltitel des Films macht die Festung aber trotzdem alle Ehre, denn es gibt dort eine sehr sehenswerte Flugshow mit Geiern, Weißkopfadlern und anderen Greifvögeln.
Where Eagles Dare - Schloss Adler

Die Festung war nach dem Film auch Drehort für die Kinderserie Frankensteins Tante, dem Mehrteiler THE 10TH KINGDOM sowie der Komödie JUST MARRIED.

Die Seilbahnstation sowie Szenen auf der Seilbahn wurden mehr als 50 km weiter östlich am Feuerkogel nahe des Traunsee gedreht. Der Fluss, in den Burton, Eastwood an die anderen gegen Ende des Films springen, ist demnach nicht die Salzach, sondern die Traun.

Szenen, in denen die Seilbahn auf das Schloss zu fährt, sowie die in den Felsen eingearbeitete Seilbahnstation unterhalb der Festungsmauern wurden mit Hilfe eines großen Modells des Schlosses gelöst, das sich auf dem Studiogelände von MGM befand. Das Zusammenspiel von Modellaufnahmen, Kulissenbau in Originalgröße sowie Hintergrundgemälden schafft eine perfekte Illusion - vor allem in der berühmten Szene, als Burton und Eastwood von der Seilbahn aus mit Spitzhacken das Dach der Bahnstation erklimmen.


Modell von Schloss Adler bei MGM
Modell von Schloss Adler auf dem
MGM-Studiogelände*
WHERE EAGLES DARE zählt heute zu Recht zu den großen Klassikern des Kriegs- und Agentengenres. Auf die Frage nach seinen liebsten Kriegsfilmen nannte Steven Spielberg ihn an erster Stelle. Wie viele große Filme erinnert er im Kern an klassische Geschichten der Antike. Wenn die alliierten Agenten Smith und Schaffer an einem Seil die Außenmauer der Burg erklimmen und durch ein Fenster im Zimmer der in die feindliche Festung eingeschleusten Mary hereingelassen werden, wirkt das wie moderne Entsprechung der biblischen Geschichte von Rahab, die zwei israelitische Kundschafter an einem Seil aus ihrem Fenster aus Jericho entkommen ließ, bevor dieses eingenommen wurde.


Seilbahn aus "Agenten sterben einsam" - Cable car from "Where Eagles Dare"
Die Original-Seilbahnkabine aus dem
Film auf dem Feuerkogel
Viele Elemente in WHERE EAGLES DARE ähneln sehr dem ein Jahr später erschienenen Bondfilm ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Allen voran natürlich das unzugängliche, in den verschneiten Hochalpen gelegene Hauptquartier der deutschen Schurken. Die Szenen der ankommenden beleuchteten Seilbahn auf dem nächtlichen Berg erinnern von der Stimmung her stark an den Bondfilm. (Der im Film zu sehende Sprung eines Stuntman von einer zur anderen Seilbahn in luftiger Höhe wurde später auch in MOONRAKER ausgeführt.)

Feuerkogelbahn aus "Agenten sterben einsam"Das Schloss Adler an sich weckt auch Assoziationen an den von Ian Fleming beschriebenen Gloria-Klub im Roman, der von Schloss Mittersill inspiriert war. (Mehr dazu hier) Mit der Besetzung von WHERE EAGLES DARE hätte man auch gut einen Bondfilm bestreiten können. Richard Burton als britischer Geheimagent, Eastwood als sein blonder amerikanischer Kollege. Anton Diffring hätte einen guten Blofeld geben können, und Olga Lowe eine passable Irma Bunt. Mit Terence Mountain wirkte sogar ein Schauspieler aus ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE mit.

Agenten sterben einsam - Feuerkogelbahn-TalstationUngewöhnlich für Filme dieser Zeit ist der von der Britin Mary Ure verkörperte Charakter der Mary Ellison. Ure (die übrigens mit Robert 'Red Grant' Shaw verheiratet war) ist zu keinem Zeitpunkt ein reines Love-Interest, das beschützt werden muss, sondern nimmt aktiv an der Action teil und rettet eher die männlichen Protagonisten aus so mancher Situation.

Agenten sterben einsam - Blick auf den Feuerkogel
Blick zum Feuerkogel und Modellaufnahme
mit Blick auf das Schloss aus dem Film

Inwieweit der Film von 1968 Entscheidungen in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE beeinflusst hat, ist mir nicht bekannt. Das Innere von Blofelds Klinik wirkt zumindest weit weniger urig und traditionell alpin als im Roman beschrieben, und grenzt sich damit deutlich von einer Schloss-Atmosphäre wie in WHERE EAGLES DARE ab. Auch auf eine Blondine à la Mary Ure hat man verzichtet, obwohl Tracy im Roman blond ist und auch fast ausschließlich Blondinen gecastet wurden.












* Bild mit freundlicher Genehmigung von TheStudioTour.com

Mittwoch, 20. November 2013

Neue Welt, alte Feinde?

Gedanken zu einer möglichen Rückkehr von Ernst Stavro Blofeld

In den letzten Tagen meldeten verschiedene Medien, dass der langjährige Rechtsstreit zwischen MGM, der Bondproduktionsfirma Danjaq und Kevin McClory und seinen Erben um die Rechte an THUNDERBALL und dessen Figuren endgültig beigelegt wurde. (Siehe beispielsweise BBC News oder Filmstarts. Näheres zum Rechtsstreit auch hier) Damit wäre nun endgültig der Weg frei für eine erneute filmische Nutzung der Figur. Doch wäre eine Neuinterpretation wirklich eine gute Idee?

Nachfolgend möchte ich die Für und Wider eines Benutzens von Blofeld in der heutigen Zeit aus meiner Sicht erörtern.




Als Hauptgegner tauchte Blofeld zuletzt vor 42 Jahren in DIAMONDS ARE FOREVER auf. Zehn Jahre später trat noch einmal ein Mann mit Glatze und Katze auf und starb in einem Schornstein, in FOR YOUR EYES ONLY, abgesehen von dem Blofeld im Konkurrenzprodukt NEVER SAY NEVER AGAIN, 1983. Angedacht war ursprünglich auch ein Auftritt von Blofeld in THE SPY WHO LOVED ME und OCTOPUSSY, in denen er jeweils von einem Team jüngerer Schurken erledigt werden sollte. Das wurde von dem Rechtsstreit ebenso verhindert wie eine freiere Verwendung Blofelds durch McClory in einem geplanten Warhead-Film. Insgesamt trat Blofeld inklusive der Konkurrenzfilme sieben Mal auf. Aber vielleicht hat er ja wie sein Haustier neun Leben?

Dafür:

SKYFALL hat einen neuen Rekord aufgestellt und ist der 'Billion-Dollar-Bond'. Einen nicht unmaßgeblichen Anteil hatte daran sicher das mediale Echo des fünfzigjährigen Bondjubiläums. Es wird schwer sein, das zu toppen, und Mendes und die Produzenten überlegen sicher auch, wie man daran anschließen könnte. Blofeld ist immer noch einer der ikonischsten Bondschurken, und in Umfragen nach den besten Gegenspielern belegt er regelmäßig den ersten Platz, noch vor Goldfinger. (Siehe beispielsweise hier oder hier)

Dementsprechend groß wäre auch das Medienecho, falls er wieder auftreten sollte. Zumal die Yellow Press eh bei jedem neuen Bondfilm über seine Rückkehr spekuliert. Zuletzt wurde ja beispielsweise Michael Sheen gerüchteweise mit der Rolle in Verbindung gebracht. Die Fragen, wer ihn spielt, wie er angelegt sein wird, etc. wären ein gefundenes Fressen und würden Bond 24 eine enorme zusätzliche Publicity bringen.

Der Reiz der Craig-Ära lag bisher auch zu einem großen Teil in der kreativen Neu-Erfindung des hinreichend Bekannten. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, wie Hermann Hesse schon so treffend formulierte. Mit dem Ende von SKYFALL ist die Neudefinition des Agenten jetzt allerdings feierlich abgeschlossen. Man kann Bond nun nicht noch einmal künstlich zurückwerfen. Man könnte allerdings den Zauber des Anfangs vom Helden auf den Gegenspieler übertragen, und zeigen wie aus einem Herrn Blofeld ein ebenso brillanter wie gefährlicher Menschheitsfeind wird.

Es ist grundsätzlich nicht unmöglich, Blofeld gelungen in die heutige Zeit zu übertragen, es ist eher eine große kreative Herausforderung. Mit der man allerdings auch im großen Stil scheitern könnte.

Dagegen:

Sein großer Vorteil ist gleichzeitig auch sein großer Nachteil: Das ikonische, plakative. Mao-Anzug, Perserkatze, Glatze, autoritäres Gehabe, etc. Mike Myers und andere haben das bereits brillant komödiantisch ausgebeutet. Und eigentlich waren bereits Blofelds Auftritte in YOU ONLY LIVE TWICE und vor allem in DIAMONDS ARE FOREVER nahe an der Parodie.

Will man in dieser Richtung unfreiwillige Komik vermeiden, gibt es nur zwei Wege: Zurück zum Blofeld der Romane, oder eine komplette Neuerfindung, die sich sowohl von den Filmen als auch von den Romanen unterscheidet.

Der Roman-Blofeld gehört allerdings nicht zu Flemings brillantesten Schöpfungen. Die reine Vermehrung von Reichtum ist von allen Schurken-Motiven eigentlich immer das langweiligste. Bei Goldfinger war sie mit einer fast sexuellen Liebe für Gold verbunden, und wurde dadurch interessant. Blofeld dagegen will tatsächlich nur abstauben, ohne besondere Leidenschaften für Technik, Luxus, Chaos oder sonstiges. Ihm fehlt eine glaubhafte private Seite, was einen dankbaren Aufhänger für Parodien lieferte - indem man eben das banale Privatleben dieses Superschurken zeigte.

In Im Geheimdienst Ihrer Majestät gibt Fleming ihm immerhin eine gewisse Eitelkeit, und in Man lebt nur zweimal schließlich rein destruktiven Wahnsinn, was eigentlich am interessantesten ist. Der makabre Erfindungsreichtum erinnert hier ein bisschen an den literarischen Fantómas. Sehr gut auch die finale Diskussion zwischen Bond und Blofeld, in der Blofeld erklärt, dass seine Taten immer auch etwas Gutes bewirkten. Seine nukleare Erpressung beispielsweise Abrüstungsgespräche, etc. Das wäre ein interessanter Ansatz für eine filmische Neu-Interpretation.

Aber prinzipiell fehlt dem Charakter Blofeld etwas das Einmalige und Besondere. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm so markante äußerliche Markenzeichen verpassen musste. Für das Phantomhafte, Ungreifbare ist er durch seine Organisation zu gebunden. Andererseits ist er auch nicht überdurchschnittlich wahnsinnig oder genial. Und damit stellt sich die Frage: Für was steht er, wofür ist er eine gute Metapher? Der Joker im Batman-Universum ist beispielsweise eine geniale Verkörperung der irrationalen und wahnsinnigen Seite des Bösen, Khan bei Star Trek die der überlegenen Stärke.

Bei Blofeld wäre es vielleicht am ehesten die Rolle des lachenden Dritten, von unabhängiger Macht ohne nationale oder ideologische Bindung. Das hat allerdings auch schon die Organisation Quantum in CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE mit Mr. White als Vertreter hervorragend verkörpert. Letztendlich fehlt also ein bisschen die Reibungsfläche, die ein Blofeld in der heutigen Zeit erzeugen müsste.

Und wie es scheint, haben die Produzenten keine großen Ambitionen und Ideen, Quantum als Gegner weiterzuführen. Würden sie sich da wirklich ein noch größeres Ei legen und SPECTRE wiederbeleben? Das bezweifle ich eher. Im Endeffekt sehe ich die Chancen für eine Rückkehr dieses Charakters daher eher als gering.

Sonntag, 17. November 2013

50 Years of Bond Cars

A Top Gear Special

50 Years of Bond Cars - A Top Gear SpecialIm letzten Jahr erschien eine Sonderausgabe der BBC-Reihe Top Gear über die 50jährige Geschichte der Bondautos, moderiert von Richard Hammond. Bondfans ist Top Gear nicht unbekannt. Die Kultfigur The Stig, ein komplett schwarz oder weiß gekleideter Rennfahrer mit Helm, dessen Identität ein gut gehütetes Geheimnis war, ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Reihe. 2010 bekannte jedoch der Renn- und Stuntfahrer Ben Collins, der Stig in weiß gewesen zu sein. Collins war auch Stuntfahrer in QUANTUM OF SOLACE und SKYFALL.

Das Special zu den Bondautos bietet einige sehr interessante Einblicke und Stunts.



Neben den wichtigsten Autos der Reihe kommen auch zahlreiche Mitwirkende zu Wort, wie Daniel Craig, Sir Roger Moore, Michael G. Wilson oder Guy Hamilton, aber auch Stuntmen wie Vic Armstrong, Robbie Madison (Motorradstunts in SKYFALL) oder Collins. Daniel Craig und Roger Moore verraten, welches ihre Lieblingsautos in den Bondfilmen sind. Moderator Richard Hammond fährt alle vorgestellten Fahrzeuge selbst, zum Teil an originalen Drehorten, wie den Pinewood-Studios oder der Bergstrecke aus GOLDENEYE. Dazu gibt es Insider-Information über die Dreharbeiten. Unter den Wagen ist auch das erste Auto, Bonds "Lokomotive" aus den Romanen, den aus heutiger Sicht sehr bullig wirkenden Bentley Blower.

Getestet werden auch zwei bekannte Gadgets - die Unsichtbarkeit des Aston Martin Vanquish aus DIE ANOTHER DAY sowie die Tauchfunktion des Lotus Esprit aus THE SPY WHO LOVED ME. Ersteres mit Flatscreens, ähnlich dem Werbespot für Mercedes vor einiger Zeit. Für den Tauchgang wurde ein Lotus Excel entsprechend umgerüstet, was sehr gut funktioniert und aussieht.

Für Bond- und Autofans eine lohnenswerte DVD.

Montag, 11. November 2013

Steven Soderbergh über seinen Lieblingsbondfilm

Über slashfilm bin ich auf Steven Soderberghs Seite Extension 765 aufmerksam geworden, auf der der Regisseur (OUT OF SIGHT, OCEAN'S ELEVEN und zuletzt BEHIND THE CANDELABRA mit Michael Douglas) zu seinem Lieblings-Bondfilm Stellung nimmt. Welcher das ist, ist keine große Überraschung, da auch zahlreiche andere Regisseure wie beispielsweise Christopher Nolan dieses Werk schätzen. Es ist auch mein Lieblingsbond, und wurde von CASINO ROYALE nicht vom Spitzenplatz verdrängt. Soderbergh geht in dem lesenswerten Artikel auf die Stärken aber auch einige Schwächen ein:



For me there’s no question that cinematically ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE is the best Bond film and the only one worth watching repeatedly for reasons other than pure entertainment (certainly it’s the only Bond film I look at and think: I’m stealing that shit). Shot to shot, this movie is beautiful in a way none of the other Bond films are—the anamorphic compositions are relentlessly arresting—and the editing patterns of the action sequences are totally bananas; it’s like Peter Hunt (who cut the first five Bond films) took all the ideas of the French new wave and blended them with Eisenstein in a Cuisinart to create a grammar that still tops today’s how fast can you cut aesthetic, because the difference here is that each of the shots—no matter how short—are real shots, not just additional coverage from the hosing-it-down school of action, so there is a unification of the aesthetic of the first unit and the second unit that doesn’t exist in any other Bond film. And, speaking of action, there are as many big set pieces in OHMSS as any Bond film ever made, and if that weren’t enough, there’s a great score by John Barry, some really striking sound work, and what can you say about Diana Rigg that doesn’t start with the word WOW?

Ich kann eigentlich in allen genannten Aspekten uneingeschränkt zustimmen.

Sonntag, 10. November 2013

Kalter Krieger mit Schattenseiten

Eine Rezension zu William Boyds SOLO

James Bond 007 - SOLO, William Boyd, CoverZur Zeit fährt Ian Fleming Publications dreigleisig. Zum einen hat man mit dem letzten Buchprojekt Carte Blanche die Figur Bond quasi rebootet und in die Gegenwart geholt. Zum anderen hat man den Autoren Steve Cole beauftragt, die von Charlie Higson etablierte Young-Bond-Reihe weiterzuführen. (Mehr dazu auf The Book Bond) Und schließlich wurde Flemings Ur-Bond mit Devil May Care und jetzt mit SOLO in seiner Zeit fortgesetzt. Man lebt also nur dreimal - in den Sechzigern, als Teenager in den Vierzigern und in der Gegenwart. Die dankbarste Aufgabe mit den meisten Freiheiten hatte sicherlich Jeffery Deaver, sozusagen die künstlerische Carte Blanche. Beim Fleming-Bond dagegen gilt es, den in den Fünfzigern erschaffenen Agenten mit den Erwartungen heutiger Leser zu verbinden, die Bond nur aus Filmen kennen - was teilweise weit auseinander klafft. Ist William Boyd dieser Spagat gelungen?



SOLO gliedert sich in zwei Teile: Im ersten erhält Bond den Auftrag, den sich hinziehenden Bürgerkrieg zwischen den afrikanischen Staaten Dahum und Zanzarim für die dem Empire angenehmere Seite zu beenden. Bond wäre nicht Bond, wenn er nicht auch diese ungewöhnliche Aufgabe erfolgreich meistern würde. Doch zu einem Preis, der beinahe sein Leben bedeutet. Schwer verwundet sinnt er dann im zweiten Teil auf Rache, und die Agententätigkeit auf Solo-Pfaden führt ihn nach Washington, D.C., und schließlich noch einmal nach Afrika.

SOLO spielt 1969, dem Jahr, in dem der Filmbond gerade in den Alpen weilte und dort seinem Erzfeind Blofeld auf die Schliche kam. Das Jahr von Woodstock, Vietnam-Protesten und der Mondlandung. Boyd hätte genügend Aufhänger gehabt, um die Nostalgie-Karte voll auszuspielen, was der Vermarktung des Buches sicher zugute gekommen wäre. Doch er schickt den Spion Ihrer Majestät ausgerechnet in afrikanische Fantasiestaaten, die bei den wenigsten Lesern Wiedererkennungswerte, geschweige denn nostalgische Gefühle aufkommen lassen dürften.

Aber damit agiert Bond auch weit außerhalb seiner Komfort-Zone, was der Handlung eine gewisse Einzigartigkeit und Spannung verleiht. Ich fand die Frage schon immer interessant, welche Rolle Bond im zweiten Weltkrieg gespielt haben möge, und wie er als Agent in einem realen Krieg handeln würde. Beide Aspekte werden im Buch beleuchtet. Obwohl Bond teilweise ziemlich fragwürdig handelt - Stichwort Einbruch, Diebstahl, etc. - wirkt seine Vorgehensweise insgesamt durchaus nachvollziehbar und einfallsreich.

Fiktive Staaten sind natürlich immer so eine Sache, und man fragt sich, wem reale Staaten und politische Situationen von 1969 heute noch weh tun würden. Doch der Bürgerkrieg im Roman basiert auf dem Biafra-Krieg zwischen Nigeria und dem autonomen Biafra mit Zehntausenden von Toten, und da Bond nachhaltig in den Verlauf des Krieges eingreift, finde ich die Entscheidung für einen fiktiven Hintergrund absolut nachvollziehbar. Afrika lag als Handlungsschauplatz für Boyd sicher nahe, da er seine Kindheit zum Teil dort verbrachte und den Biafra-Krieg hautnah miterlebte. In vielen seiner Romane hatte er diese Erfahrungen auch schon verarbeitet. (Darunter A Good Man in Africa, der mit Sean Connery verfilmt wurde.)

Positiv ist mir auch aufgefallen, dass Boyd nicht wie Faulks der Versuchung erliegt, das gesamte Flemingsche Helfer-Arsenal aufzufahren, mit Felix Leiter, René Mathis und einigen anderen. Leiter taucht in den Staaten natürlich auf, aber seine Rolle ist ähnlich ambivalent wie in den neueren Filmen. Ein Satz wie "Den Verbündeten ausspionieren - das tun wir doch alle" wirkt erstaunlich tagesaktuell.

Insgesamt betrachtet empfand ich den Roman als spannend und gelungen. Boyd vertraut dem sorgfältigen Aufbau seiner Geschichte und verwendet nicht zwanghaft spannungserzeugende Pageturner am Ende jedes Kapitels. Punkte-Abzug gibt es allerdings am Ende. Hier habe ich ehrlich gesagt mehr erwartet - Mehr Mut und Konsequenz bei der Auflösung der politischen Verwicklungen. Fleming hat den politischen Hintergrund des Kalten Krieges und den beruflichen Hintergrund seines Helden meistens nur oberflächlich reflektiert, und man merkt Boyd an, dass er sich mit diesem Aspekt des Roman-Bonds nicht wirklich anfreunden kann. Man merkt es daran, dass sein Bond oft übertrieben brutal reagiert, oder auch am Subtext, wenn Bond für seine Rache durch einen gestohlenen Ausweis quasi die Identität eines Vampirs annimmt.

In Interviews betonte Boyd auch oft, dass er Flemings Bücher für sexistisch, rassistisch, etc. pp. hält. Ich glaube, dass es Boyd schwerfiel, für Bond als Spion des Empires mit unreflektierter Loyalität echte Empathie aufzubringen, und er deshalb auch verstärkt nach menschlichen Aspekten in den Fleming-Romanen suchte, wie etwa Bonds Flugangst, seine Internatszeit oder seinen Alkoholkonsum. (Siehe hier) Das will ich Boyd auch nicht vorwerfen, aber es verhindert eben auch, das sein Bondroman unter dem Strich wirklich herausragend ist. Als Autor muss man seinen Protagonisten lieben, und ich glaube, diese Liebe fiel Boyd teilweise schwer. Daher schwimmt sein Roman am Ende ein bisschen und wirkt etwas unentschlossen.

Was bleibt als Fazit... Boyd hat die schwierige Aufgabe, das Flemingsche Vermächtnis weiterzuführen, auf jeden Fall befriedigender bewältigt als Sebastian Faulks. SOLO ist spannend und bringt Bond in Situationen, die seine Fähigkeiten vollends fordern, gerade weil Boyd nicht Flemings ausgetretenen Pfaden folgt, sondern eine eigene Interpretation entwickelt. Die ganz große Begeisterung blieb allerdings leider aus - zumindest für mich persönlich. Weiter empfehlen würde ich das Buch insgesamt trotzdem.

Freitag, 8. November 2013

Bondfilme im Bechdel-Test

Gerade im Netz gefunden: Schweden: Bechdel-Test zeigt Sexismus im Kino auf. Dieser Test wurde 1985 von einer Cartoonistin erfunden, um zu zeigen, ob Frauen in den entsprechenden Filmen ernst genommen werden. Einige schwedische Kinos wollen nun keine Filme mehr zeigen, die den Test nicht bestehen, und nehmen ihn damit vermutlich ernster, als er ursprünglich gemeint war. Dem dürfte ein Großteil der Filmgeschichte zum Opfer fallen, inklusive der gesamten LORD-OF-THE-RINGS- und STAR-WARS-Franchises. Wie sieht es bei den Bondfilmen aus? Der Test besteht aus drei relativ einfachen Fragen:



1. Kommt in dem Film mehr als eine Frau vor, und haben sie einen Namen?

Hier können praktisch alle Bondfilme punkten. Es gibt meistens zwei größere Rollen für Frauen. Und sie haben nicht nur Namen, sondern auch noch sehr ausgefallene, wie Pussy Galore oder Xenia Onatopp. Damit sind Bondfilme in diesem Punkt schon einmal wesentlich weniger sexistisch als beispielsweise Filme wie DAS BOOT oder TWELVE ANGRY MEN (Die 12 Geschworenen).

2. Sprechen die Frauen miteinander?

Da wird es schon schwieriger. Bei den meisten Bondfilmen, vor allem den älteren, fallen mir tatsächlich wenige Szenen ein, in denen Frauen miteinander sprechen. In GOLDFINGER unterhalten sich die Frauen von Pussys Flying Circus, in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE redet Irma Bunt mit den Patientinnen. Auch in OCTOPUSSY gibt es Frauengespräche.

Seit den Neunzigern gibt es dann in den meisten Filmen auch grundsätzliche Gespräche zwischen M und Moneypenny. In THE WORLD IS NOT ENOUGH auch zwischen Elektra King und M. Wobei man sich bei M streiten könnte, ob das als echter Name zählt.

Ein echter Filter ist dann

3. Reden die Frauen miteinander über etwas anderes als Männer?

Wenn die Bondgirls miteinander reden, dann tatsächlich meistens über James, und es fallen Sätze wie "Ich liebe James von ganzem Herzen". Auch Rosa Klebb und Tatiana unterhalten sich in FROM RUSSIA WITH LOVE eigentlich über Bond. Ausnahmen sind die bereits erwähnten Filme. Pussy Galore redet mit ihren Pilotinnen über die bevorstehende Narkotisierung von Fort Knox, Irma Bunt und die Piz-Girls reden über ihre Allergien, und Octopussy und Magda haben Schmuggel als Thema (beide werden sogar von Schwedinnen verkörpert, was die schwedischen Kinobesitzerinnen besonders freuen dürfte). In FOR YOUR EYES ONLY gibt es mehrere Gespräche zwischen Bibi und ihrer Trainerin über Sport und Sponsoring. Schlechter schneidet ausgerechnet ein Film wie THE LIVING DAYLIGHTS ab, in dem Bond sich auf eine einzige Frau konzentriert.

M und Moneypenny sprechen ab GOLDENEYE dann eigentlich auch nur über Bond. "Don't ask!" - Don't tell!" Mit Elektra redet M immerhin über die Vergangenheit. Erwähnen könnte man hier auch die Besprechung in SKYFALL, zwischen M und Clair Dowar.

Freitag, 1. November 2013

Ein Teleskop wird 50

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Das Radioteleskop in Arecibo, Puerto Rico, ist eines der absoluten Highlights unter den Drehorten im 1995er Bond-Revival GOLDENEYE. Als wissenschaftlich interessierter Jugendlicher und eifriger P.M.-Magazin-Leser kannte ich diesen Hort astronomischer Forschung bereits, und war dann um so begeisterter, als er zum Schauplatz des siebzehnten Bondabenteuers auserkoren wurde. Auch heute noch ist das für mich eine der interessantesten Bondlocations überhaupt, und ein Musterbeispiel für die Einbindung realer Örtlichkeiten in ein phantastisches Szenario, samt entsprechender Trickaufnahmen. In diesen Tagen feiert das Observatorium, das immer noch eine zentrale Rolle in der Erforschung des Universums einnimmt, sein halb-hundertjähriges Bestehen. Die Geschichte eines Ortes, an dem sich nüchtern-akribische Faktensuche und visionär-vorauseilende Phantasie stets gegenseitig beflügelten:



courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Die Anlage basiert auf einer Idee von Professor William E. Gordon und war ursprünglich für die Erforschung der Ionosphäre konzipiert. Im Sommer 1960 begannen die Bauarbeiten, drei Jahre später ging das Arecibo Ionospheric Observatory (AIC) unter Gordons Leitung in Betrieb. Offizielle Einweihungsfeier war am 1. November 1963. Die Gegend auf Puerto Rico bot sich für die Anlage an, da sie zum einen nahe des Äquators liegt und die großflächigen Vertiefungen im Kalkstein sich für den 305-Meter-Radarreflektor anboten.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Im Oktober 1969 übernahm die National Science Foundation die Einrichtung vom Verteidigungsministerium und machte daraus das National Astronomy and Ionosphere Center NAIC. 1974 installierte man eine verbesserte Reflektorschicht zusammen mit einem Hochfrequenz-Radartransmitter. 1997 erfolgte dann der bisher letzte Anbau: Ein Schirm schützt das Perimeter nun vor Erdstrahlung, und in einem sogenannten Gregorianischen Dom befinden sich ein sekundärer und tertiärer Reflektor. Dieser Dom hat das aus GOLDENEYE allgemein bekannte Aussehen der Antenne noch einmal stark verändert.

Heute arbeiten dort rund 140 Personen, davon 16 Wissenschaftler. Seit 2006 steht die Weiterexistenz des Radioteleskops wegen Budgetkürzungen auf der Kippe (siehe hier). Da die Einrichtung auch eine große Rolle bei der Entdeckung von Asteroiden spielt, die der Erde zu nahe kommen könnten, kann man auf einen Weiterbetrieb nur hoffen.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Die futuristisch wirkende Konstruktion hat seit ihrer Erbauung immer wieder die Phantasie von Filmemachern beflügelt, nicht zuletzt durch ihre Beteiligung an der Suche nach außerirdischer Intelligenz, SETI. Da der Reflektor auch als Sender benutzt werden kann, wurde hier am 16. November 1974 die sogenannte Arecibo-Botschaft in die Weltenräume gesendet. Sie enthält Informationen über Mathematik, die Struktur der menschlichen DNS, der Erde und die Sendeanlage selbst.

Einen seiner ersten Filmauftritte hatte das Arecibo-Teleskop interessanterweise in einer deutschen Produktion. Der visionäre Autor und Regisseur Rainer Erler, der in diesem Jahr weitgehend unbemerkt 70 wurde, drehte 1970 den Film DIE DELEGATION. Jahrzehnte vor BLAIR WITCH PROJECT und Co. nutzte er die Form von vorgeblich echten Filmaufnahmen verschollener Personen. Der Film dreht sich um einen Fernsehjournalisten, der der Suche nach außerirdischer Existenz nachgeht, echte Beweise findet und nach Distanzierung des Senders auf eigene Faust weiterrecherchiert. Die im Stil eines Dokumentarfilms gehaltene Produktion löste bei ihrer Fernsehausstrahlung dann tatsächlich eine Welle erschrockener Zuschaueranrufe beim Sender aus.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Seinen ganz großen Auftritt hatte das Teleskop dann natürlich 1995 in GOLDENEYE. Die filmische Nutzung der Anlage zur geheimen Satellitensteuerung erscheint angesichts seiner Geschichte - ursprünglich betrieben vom Verteidigungsministerium in den Sechzigern - und seiner technischen Möglichkeiten durchaus glaubwürdig. Abgesehen natürlich von dem unnatürlich schnellen Wasserabpumpen. Zudem befinden sich die Steueranlagen nicht unter dem Reflektor, sondern in Gebäuden daneben, die im Film geschickt ausgeblendet wurden.

1997 war es auch ein Schauplatz in Robert Zemeckis' CONTACT. Der Film basiert auf dem Roman von Carl Sagan, der die Arecibo-Botschaft seinerzeit testete. Die Botschaft spielt auch eine zentrale Rolle im Science-Fiction-Horrorfilm SPECIES von 1995. Dort haben ebenfalls Aliens die Signale empfangen, zeigen jedoch im Gegensatz zu CONTACT nicht ganz so wohlwollende Absichten.