Sonntag, 28. Juni 2015

Patrick Macnee verstorben

Da ich die letzten beiden Wochen im Urlaub war ist die Meldung nicht mehr wirklich aktuell, aber ich möchte ihm hier trotzdem meinen Respekt erweisen: Daniel Patrick Macnee verstarb am Donnerstag im Alter von 93 Jahren. In A VIEW TO A KILL spielte er den Pferdesportexperten Sir Godfrey Tibbett. Wesentlich bekannter wurde er durch die britische Kultserie The Avengers (in Deutschland Mit Schirm, Charme und Melone), in der er neben den späteren Bondgirls Honor Blackman und Diana Rigg auftrat. Mit Roger Moore verband ihn eine langjährige Freundschaft. In SHERLOCK HOLMES IN NEW YORK von 1976 verkörperten sie Holmes und Dr. Watson.

Sonntag, 14. Juni 2015

Commander Jamaica


Wie aus 007 beinahe eine Fernsehserie wurde

Der neue James-Bond-Roman Trigger Mortis - Der Finger Gottes, der in Deutschland am 8. September erscheint (siehe hier), basiert zum Teil auf unveröffentlichtem Material von Ian Fleming. Es handelt sich um die Folge Murder on Wheels (Mord auf Rädern), die Fleming in den 1950ern für eine geplante Fernsehserie schrieb. Was war das für eine Serie, was genau schrieb Ian Fleming dafür und was wurde aus diesen Entwürfen?




Seine Frau Anne brachte Ian Fleming 1957 mit dem Millionär und Filmproduzenten Henry Morgenthau, III zusammen, mit dem sie befreundet war. Morgenthau hatte Kontakte zur jamaikanischen Regierung und wollte eine lokale Filmindustrie dort aufbauen. Den Anfang sollte eine für das US-Fernsehen produzierte Serie bilden. Somit beauftragte Morgenthau Fleming mit einem Konzept für eine erste, halbstündige Folge mit dem Arbeitstitel Commander Jamaica.

Hauptfigur sollte ein US-amerikanischer Agent sein, der zuerst tatsächlich Jamaica heißen sollte, später dann aber in James Gunn umbenannt wurde.

James Gunn - Secret Agent

Die Bahamas-Insel Inagua
Kurz zuvor hatte Ian Fleming zusammen mit seinem Freund Ivar Bryce sowie Vertretern des amerikanische Naturgeschichte-Museums und eines Flamingo-Schutzvereins die Insel Great Inagua im Süden der Bahamas besichtigt. Im Inneren der Insel befindet sich ein See, den Fleming furchtbar fand, mit "der Farbe einer Leiche". An diesem See und den umgebenden Mangrovensümpfen waren zahlreiche rosa Flamingos beheimatet. Fleming, Bryce und die beiden Wissenschaftler erkundeten dieses Gebiet mit einem Sumpffahrzeug, einem Land Rover mit übergroßen Reifen.

All diese Eindrücke verarbeitete Fleming zu einer Geschichte mit dem Titel James Gunn - Secret Agent. Er erfand die Basis eines chinesisch-deutschen Agenten namens Dr. No, der von einer Station auf Turks Island im jamaikanischem Gebiet aus die Starts von US-Weltraumraketen stört. James Gunn kommt ihm auf die Schliche, zusammen mit der schönen Halbchinesin Pearl.

Die 28-seitige Pilotfolge lieferte er Ende August 1957 ab. Er sollte dafür 1000 Dollar erhalten, und 2000 zusätzlich, falls sie realisiert werden sollte. Fleming schlug Drehorte rund um seinen Wohnsitz Goldeneye vor, sowie bestimmte Nachbarn für kleinere Rollen. Als Titelmelodie empfahl er den Calypso Mary Ann. (Hier eine ältere Aufnahme davon.)

Nach der enttäuschenden TV-Version von Casino Royale und geplatzten Plänen für eine Verfilmung von Moonraker hatte Fleming wenig Illusionen für diese Serie. "Interessant, aber nicht gerade eine Goldmine", war seine Meinung dazu.

Rosa Löffler, oder Löffelreiher
Und wie befürchtet konnte Morgenthau keine Geldgeber für James Gunn auftreiben. Ian Fleming hatte sich jedoch vertraglich zusichern lassen, dass er die Rechte an der Geschichte im Falle einer nicht zustande kommenden Realisierung behielt. Und so verarbeitete er den Piloten zu seinem sechsten Bondroman. Arbeitstitel war The Wound Man, später benannte er ihn nach dem markanten Schurken Doctor No, für den er sich von Dr. Fu Manchu hatte inspirieren lassen. Seine Erlebnisse auf Inagua flossen in den Aufhänger der Romanhandlung ein, die sich um rosa Flamingos und den Naturschutz dreht, sowie in Dr. Nos "Drachen".

Interessanterweise wurde über diesen Umweg aus der Pilotfolge für eine TV-Serie vier Jahre später der erste Film der Kinoreihe.

Damit ist die Geschichte um eine bond-ähnliche Fernsehserie allerdings noch nicht zu Ende, und die Geschichte um Murder on Wheels noch nicht erzählt!

Bond trifft 'Nicky the Greek'

1958 kamen Hubell Robinson, Programmchef bei CBS, und William Paley, CBS-Chef, auf Ian Fleming zu und beauftragten ihn mit einer dreizehnteiligen Fernsehserie. Diesmal nicht um einen US-Agenten namens Gunn, sondern direkt um seine Kreation James Bond. Fleming hatte genaue Vorstellungen, wie Bond als Charakter umgesetzt werden sollte: "Not too much stage Englishness. [...] No monocles, moustaches, bowler hats, bobbies or other 'Limey' gimmicks. [...] The secret service should be presented as a tough, modern organisation".

Um auf 13 Episoden zu kommen, verarbeitete Fleming Teile seiner bereits geschriebenen Romane sowie Ideen der James-Gunn-Serie. Aber er schuf auch sieben neue Episoden. Eine davon war die auf dem deutschen Nürburgring spielende Murder on Wheels.

Eine andere Episode spielte in Monte Carlo. Kurz zuvor hatte Fleming dort Aristoteles Onassis getroffen und einen Film über das Spielerparadies geplant, der jedoch wieder einmal scheiterte. Die Eindrücke von Monte Carlo flossen in diese Episode ein. Kurz vor seinem Lebensende begann Fleming eine unvollendeten Kurzgeschichte, in der Bond die Spielerlegende Nicolas Zographos trifft, auch 'Nicky the Greek' genannt. Da Fleming drei der TV-Episoden später in Kurzgeschichten für seine Sammlung For Your Eyes Only umwandelte, ist es sehr wahrscheinlich, dass er für diese Kurzgeschichte die Monte-Carlo-Episode verarbeitete. (Da Zagrophas schon 1953 verstarb, musste Fleming Bond damit noch mal in die Zeit vor Casino Royale zurückkehren lassen. Er schrieb sozusagen an einem Prequel...)

Zographos war ein Ingenieur, der erstmals eine mathematische Strategie für Baccarat entwickelte. Zusammen mit anderen Spielern bildete er das sogenannte Griechische Syndikat, das in den 1920ern und 30ern die Casinos der französischen Riviera dominierte. Zu ihren Klienten gehörten die Politik-, Wirtschafts- und Showgrößen der damaligen Zeit, darunter Charles Chaplin, Josephine Baker, Autotycoon André Citroën sowie verschiedene Rothschilds. Fleming hatte sie in Deauville und Le Touquet erlebt und bewunderte den eiskalt und beherrscht spielenden Griechen, der als einer der besten Spieler aller Zeiten gilt.

Bei sieben neuverfassten Episoden abzüglich der drei zu Kurzgeschichten umgeschriebenen sowie Murder on Wheels müsste es also noch drei Episoden geben, die zukünftig noch literarisch oder filmisch verarbeitet werden können. Zukünftige Bondromane könnten diese Folgen noch nutzen und Bond beispielsweise auf Nicky the Greek treffen lassen.

Auch diese zweite geplante Serie scheiterte letztlich in der 'development hell' und flimmerte nie über die Bildschirme. Trotzdem sollte Fleming aber noch seine verdienten Spuren in der Fernsehserienwelt hinterlassen: Er schuf einen US-Agenten namens Napoleon Solo für die Serie The Man From U.N.C.L.E., deren Verfilmung noch dieses Jahr in die Kinos kommen wird.


Quellen:

Andrew Lycett: Ian Fleming
Robert Sellers: The Battle For Bond
Henry Chancellor: James Bond. The Man and his World
LIFE Oktober 1966
The National Herald, July 2009

Donnerstag, 11. Juni 2015

Sir Christopher Lee verstorben

Sir Christopher Frank Carandini Lee ist im Alter von 93 Jahren in London an Herzversagen verstorben. Lee verkörperte 1974 in THE MAN WITH THE GOLDEN GUN einen der ikonischsten Bondwidersacher, den berühmten Auftragskiller Francisco Scaramanga. Berühmt wurde der Brite vor allem durch seine zehnmalige Dracula-Darstellung. Zudem veredelte er zahlreiche andere Franchises, wie STAR WARS, LORD OF THE RINGS und THE HOBBIT. Der fast zwei Meter große, charismatische Brite spielte seit Mitte der 1940er Jahre in mehr als 280 Filmen und TV-Episoden mit. Er verkörperte neben Dracula auch Frankensteins Kreatur und die Mumie, Sherlock Holmes, dessen Bruder Mycraft sowie insgesamt fünfmal Dr. Fu Manchu (Fu Manchu war das Vorbild für Dr. No, und Lees Cousin Ian Fleming schlug ihn auch für die Rolle des No vor).

Der ausgebildete Opernsänger lieh seine markante Stimme auch zahlreichen Filmen und Computerspielen, darunter GoldenEye: Rogue Agent. In Around the World in 80 Days spielte er neben Pierce Brosnan, in THE GOLDEN COMPASS neben Daniel Craig.

Sonntag, 7. Juni 2015

Keine Sternstunde für das Empire

"Verrat an den Kosaken bei Lienz" (Sergej Korolkoff)
Vor sechzig Jahren ereignete sich die Lienzer Kosakentragödie, bei der die Briten über 20.000 Kosaken samt Familien nahe des österreichischen Lienz durch Verrat an die stalinistische Sowjetunion auslieferten und damit den grausamen Tod von Männern, Frauen und Kindern ermöglichten. Ein wenig bekanntes Kapitel des zweiten Weltkriegs, das ausgerechnet durch einen James-Bond-Blockbuster erstmalig filmisch thematisiert wurde und damit Eingang in die Populärkultur fand: Im 17. von Eon produzierten Bond-Abenteuer GOLDENEYE entpuppt sich der Gegenspieler als Sohn eines Lienzer Kosaken, der nach dem Verrat kollektiven Selbstmord beging. Ein Schicksal, das es so tatsächlich mehrfach gab.




In der Konferenz von Jalta im Februar 1945 wurde vereinbart, dass alle sich in westalliiertem Gewahrsam befindlichen Sowjetbürger an die Sowjetunion "repatriiert" werden sollten. Die Kosaken hatten auf Seiten der Deutschen gegen Stalin gekämpft, aber sie waren gemäß dem britischen Historiker Nicholas Bethell eigentlich gar als zu Repatriierende gemäß Jalta-Abkommen zu zählen, da sie Russland bereits um 1920 herum verlassen hatten. Bethell schreibt in seinem Buch "The Last Secret", dass sie den Briten lästig waren, weil sie ihrem Verbündeten so gefällig wie möglich sein wollten.

Die Briten entwaffneten die Kosaken mit der Lüge, dass sie für ihre Waffen keine Munition hätten. Anschließend wurden sie gewaltsam auf Lkw's und Eisenbahnwaggons getrieben und der Roten Armee ausgeliefert. Auf diesen Verrat hin spielten sich erschütternde Szenen ab. Flüchtlinge wurden von den Briten erschossen. Angesichts der zu erwartenden Vergeltung des Stalin-Regimes nahmen sich zahlreiche Offiziere samt ihrem Familien das Leben. Die Überlebenden wurden dann größtenteils tatsächlich von Exekutionskommandos hingerichtet.

Auch wenn man von einer Schuld der Kosaken-Offiziere ausgeht, da sie auf Seiten der Deutschen kämpften, nahmen die Briten unter Churchill hier aus reinem politischen Kalkül den grausamen Tod von tausenden Frauen und Kindern in Kauf. Ihr Verbündeter und Partner Stalin hatte sich zu diesem Zeitpunkt ebenso wie Hitler längst als massenmordender Psychopath entpuppt. Der in GOLDENEYE vom ehemaligen KGB-Agenten Zukovsky angefügte beschwichtigende Satz "Skrupellose Menschen, die verdient haben, was sie bekamen" trifft nicht auf Kinder zu. Es sei denn, man stimmt der stalinistischen Sippenhaftung zu.

Obwohl GOLDENEYE oft der Vorwurf eines zu glatten und steifen Blockbusters trifft, muss man sagen, dass man hier zum ersten Mal den Mut hatte, Bond mit den zahlreichen, wenig glorreichen Episoden des Empires zu konfrontieren. Bonds Reaktion "Nicht gerade eine unserer Sternstunden" zeigt eine Selbstreflexion, die man sich offenbar erst nach Ende des Kalten Krieges leisten konnte.

Leider ist der Hintergrund von Trevelyan nicht ganz schlüssig. Ursprünglich sollte er wesentlich älter und ein früherer Mentor von Bond sein. Es wäre glaubwürdiger und wirksamer gewesen, wenn Trevelyan das Massaker an der Drau als Kind selbst miterlebt hätte, und damit auch die Beteiligung der britischen Soldaten. Sean Bean ist allerdings erst 1959 geboren, 14 Jahre später. Deshalb deichselte man es so, dass Trevelyans Eltern Stalins Exekutionskommando überlebten, der Vater sich dann aber später aus Scham zusammen mit seiner Frau umbrachte. Wobei fragt man sich schon fragt, wieso Trevelyan dann nicht wenigstens einen der Satelliten über Moskau zündet.

Dienstag, 2. Juni 2015

Bond bald nicht mehr bei Sony?

Einer Meldung von Variety zufolge endet mit Erscheinen des neuen Bondfilm SPECTRE am 5. November der Vertrag zwischen Verleiher Sony Pictures und Produktionsfirma MGM. Die Rechte am Bond-Franchise wären damit auf dem Markt, und MGM könnte einen neuen Verleih den Zuschlag geben. Laut Variety könnten vor allem Warner Bros. (Heimat von Batman, Bugs Bunny und Harry Potter) durch die guten Beziehungen beider Chefs gute Chancen haben. Sony-Pictures-Chef Tim Rothman, der die kürzlich wegen des Sony-Hacks zurückgetretene Amy Pascal beerbte, bestätigte gegenüber Variety, dass man auf jeden Fall mitbieten und versuchen werden, die Rechte wiederzuerwerben. Bond ist Sonys stärktes Zugpferd zusammen mit Spiderman. SKYFALL war der bisher umsatzstärkste Film für Sony Pictures. (Siehe auch darkhorizons und Filmstarts.)