Montag, 31. Dezember 2012

2013

Mit der Meldung, dass SKYFALL die Eine-Milliarde-Dollar-Marke beim weltweiten Einspielergebnis passiert hat, und damit der erfolgreichste Bondfilm und gleichzeitig der erfolgreichste britische Film aller Zeiten ist, endet das Jahr des goldenen Bondjubiläums perfekt.

Bond & Beyond bedankt sich bei allen Lesern, wünscht einen guten Start ins neue Jahr sowie alles Gute für 2013!


Donnerstag, 27. Dezember 2012

Eine Reise in die Dunkelheit

Gastbeitrag von Kai Schulze

Seit Beginn verfolge ich regelmäßig die Beiträge hier auf BOND & BEYOND und freue mich zu sehen wie auch andere Franchises wie Star Trek einen Platz auf diesem Blog gefunden haben. Um so mehr freue ich mich heute in diesem Gastbeitrag von einer bevorstehenden Reise berichten zu können - einer bevorstehenden Reise in die dunkelsten Abgründe des Star-Trek-Universums. 

Vor kurzem präsentierte Regisseur J.J. Abrams eine 10 Minuten Preview des kommenden STAR TREK INTO DARKNESS im großartigen IMAX Format. In den vergangenen Monaten wurde unter den Fans viel spekuliert, welche Richtung Abrams mit seiner Fortsetzung zum Hit von 2009 einschlagen würde. Wer würde der Bösewicht sein? Wie werden sich die Charaktere weiterentwickeln? Und vor allem: wird Abrams an seinem Kinoerfolg anschließen können bzw. den Erfolg um das damit verbundene "neue Star Trek Universum" ausbauen können?


Actionszenen und Planetenaufnahmen im IMAX Format

Wie in vielen anderen Franchises steht und fällt der Erfolg einer Filmreihe meistens mit dem zweiten Teil. Abrams, der als großer Geheimniskrämer bekannt ist, hat nun für knapp 10 Minuten vorab den Vorhang fallen lassen um zu zeigen, was den Fans - und auch dem Sci-Fi-interessierten Publikum - im kommenden Mai bevorsteht.

Es folgt eine kurze Inhaltsangabe der 10 minütigen IMAX-Preview. Der nachfolgende Text kann also Spoiler enthalten:

Alles beginnt mit dem Star-Trek-typischen Ping Geräusch, wie auch schon beim letzten Star-Trek-Film (2009): Nach und nach verändert sich dieser Ton jedoch zu einem Alarmgeräusch eines Schlafzimmerweckers. Wir sehen einen Mann und eine Frau, die verschlafen und hastig ihre Sachen anziehen. Der Mann (Noel Clarke) schaut aus dem Fenster auf das futuristische London. Gemeinsam mit seiner Frau (Nanzeen Contractor) fährt dieser in einem futuristischen Gefährt in ein Hospital am Stadtrand Londons. Eine ergreifende Eröffnungsszene spielt sich ab, als Mutter und Vater ihre kranke und im Sterben liegende Tochter besuchen. 

London ist in Into Darkness ein wichtiger Schauplatz
Kurze Zeit später steht der Vater auf dem Krankenhausbalkon um frische Luft zu atmen als er von einer tiefen Stimme hinter ihm angesprochen wird: "Ich kann sie retten!" Der Vater dreht sich rum und fragt: "Was haben sie gesagt?" - "Sie haben richtig verstanden - ich kann sie retten!" 
Die Kamera schwenkt auf diese Stimme und wir sehen John Harrison (Benedict Cumberbatch). Der Vater schaut wie erstarrt und die Szenerie blendet aus.

Szenenwechsel zum Klasse M Planeten Nibiru:

Wir sehen eine exotische fremde Welt mit kalkweissen Aliens und roter Vegetation. Die Aliens verfolgen zwei vermummte Männer die sich während der Jagd als Kirk und McCoy heraustellen. Die Szenerie ist eine Hommage an Indiana Jones. Kirk (Chris Pine) hat eine Art Schriftrolle aus einem tempelartigen Gebäude gestohlen und versucht damit die Tempelanwohner, die ihn verfolgen, aus der Gefahrenzone zu locken - denn ein verheerender Vulkanausbruch steht unmittelbar bevor. Wir sehen eine gigantische Totale der Planetenoberfläche, und der Vulkan ist gerade dabei auszubrechen. Nach einem erneuten Szenenwechsel sehen wir Sulu, Uhura und Spock in einem Shuttle, wie sie hinter den weggelockten Bewohnern von Nibiru mit dem Shuttle direkt in den Schlund des Vulkans steuern. Spock trägt einen feuerfesten Raumanzug, der vom Design sehr an den fliegenden Anzug aus STAR TREK - THE MOTION PICTURE erinnert. Allmählich begreift man worum es hier geht. Kirk und seine Crew haben sich über die "Oberste Direktive" hinweg gesetzt und versuchen die Bewohner Nibirus zu retten.

Into Darkness bietet diesmal exotische Welten en masse.
Während Spock mit sich hadert, ob er wirklich dabei helfen soll den geplanten Eingriff am Vulkan vorzunehmen und somit die Oberste Direktive zu brechen, sehen wir wieder Kirk, wie er zu Spock ins Kommunikationsgerät brüllt "Ich kann sie retten" - ein Satz bei dem man kurz innehält, weil wir ihn bereits von Filmbösewicht John Harrison (Benedict Cumberbatch) zuvor gehört haben. Spock wird zusammen mit einem technischen Gerät vom Shuttle aus in den Vulkan hinabgelassen, doch die Haltevorrichtung reißt und Spock fällt auf einen Felsbrocken inmitten der brodelnden Lava!

Zurück bei Kirk und McCoy, die immer noch auf der Flucht sind: Aus dem roten Dschungel werden sie von einem monsterartigen Tier angegriffen. Kirk fackelt nicht lange und knallt "das Ding" mit seinem Phaser über den Haufen. McCoy (der grandiose Karl Urban) entrüstet: "Mein Gott Jim, ich bin Arzt und kein Killer!" Die Verfolgungsjagd endet plötzlich an einem Steilhang am Meer, und Kirk und McCoy springen, um sich zu retten, direkt ins Wasser. Unter Wasser schwimmen sie über ein Riff und schließlich wird der Blick auf die U.S.S. Enterprise freigegeben die majestisch in Blau getaucht auf dem Meeresgrund liegt. Kirk und McCoy schwimmen durch eine Schleuse in das Schiff, und ein aufgeregter Scotty nimmt sie in Empfang. Währendessen meldet sich Spock aus dem Inneren des Vulkans und berichtet, daß beim Absturz das Gerät zum "einfrieren" des Vulkans, was er mit sich führte, kaputtgegangen sei, und es nun keinen Ausweg mehr gibt.

"Ich kann ihn retten!"
Kirk fragt McCoy was für Optionen es jetzt noch gibt - entweder auftauchen und mit den Waffen der Enterprise den Vulkanschlund verschließen (und Spock somit opfern und die Bewohner Nibirus retten) oder Spock retten und den Vulkan explodieren lassen. Man sieht deutlich wie Kirk am Ende seiner Entscheidungskräfte angekommen ist (ähnlich wie Noel Clarke am Anfang bei seiner sterbenden Tochter). Kirk zögert - gibt keinen Befehl - wartet ab ... und wir sehen wie sich schließlich die Lavaflut über Spock ergießt. In diesem Moment wird ins Schwarz geblendet und wir hören aus dem Off eine Stimme: "Ich kann ihn retten".

Beim Anschauen dieser Szenen gab es zwei Dinge, die sehr deutlich im Kopf haften geblieben sind: Zuerst das fantastische neue Musikthema, das Michael Giacchino extra für STAR TREK INTO DARKNESS geschrieben hat, welches besonders in der Einleitungsszene mit dem sterbenden Kind eine enorm emotionale Wirkung entfaltet. Die Musik schafft es, daß man binnen Sekunden voll drin ist in den gezeigten Szenen, und daß Gesehene bereits in den 10 Minuten irgendwie deutlich mehr Impact hat als der gesamte letzte Film von 2009. Das Zweite, was stark im Kopf haften geblieben ist, ist Abrams Inszenierungsstil, der sich seit 2009 deutlich weiterentwickelt hat. Seine letzten Produktionen wie Mission: Impossible und vor allem der brilliante SUPER 8 haben seine Spuren hinterlassen. Die Kamera ist deutlich ruhiger und ungezwungener als im letzten Star Trek Film. Die bei den Fans verhassten Lensflares haben drastisch abgenommen.

Into Darkness kommt in 3D und im neuartigen Dolby Atmos Soundformat
Auch scheint das Drehbuch diesmal deutlich tiefgründiger und philosophischer angelegt zu sein, und es wird scheinbar viel mehr Zeit für die Charakterentwicklung aufgewendet als im vorangegangenen Film. Anscheinend gibt es diesmal weitere Kindheitsrückblenden von anderen Crewmitgliedern der Enterprise. Gerüchte zufolge soll wohl das kleine schwarze Mädchen, was zu Beginn des Prologs im Sterben liegt, Uhura sein. Interessanterweise sah man auch in der Imax-Preview, daß die Beziehung zwischen Uhura und Spock weiter ausgebaut wurde. Man bemerkt auch deutlich den düsteren Ton der neuen Erzählung, wogegen der letzte Film von 2009 etwas wie ein bunter Comicfilm wirkt. Unausweichlich wird deutlich, wie sich im unsichtbaren Hintergrund der gezeigten Szenen eine brutal düstere Bedrohung aufbaut, die sich diesmal die Grundphilosophie von Star Trek selbst vorknöpfen wird. Ein gewagter Schritt - dennoch ein sehr begrüßenswerter.

Erstmalig: Star Trek endlich als High End produziertes PS3 Game!
Die Produzenten haben sich fest vorgenommen, mit dem kommenden Film und dem dazugehörigen Marketing einen deutlichen Schritt weiter zu gehen als 2009, und Star Trek nun endgültig zum qualitativen Blockbusterevent aufzubauen.

Nach den gezeigten Szenen zu urteilen scheint ihnen das mehr als gelungen zu sein. Das Publikum lachte und erschreckte sich deutlich an den entsprechenden Stellen - was ein sehr gutes Vorzeichen ist. Alles ist größer, weiter, detaillierter - man fühlt sich eher wie in einem James Cameron Film als in einem J.J. Abrams-Film. Auch die Charaktere wirken deutlich reifer und glaubwürdiger. Erstmalig wird INTO DARKNESS auch im neuen Dolby Atmos Soundformat zu sehen sein, welches mit Peter Jacksons THE HOBBIT Premiere feierte. Diesmal scheinbar alles nur vom Feinsten.

Zusätzlich zum Kinofilm erscheint zeitgleich ein Computerspiel für PS3 und XBox 360, das storytechnisch zwischen den beiden Kinofilmen spielt und auf hohem Niveau produziert wurde. Auch dies ist einmalig im bisherigen Star-Trek-Kosmos. Vielleicht ist dies ja dann ebenfalls wegweisend für andere Franchises wie Bond, auch mal den Schritt zum qualitativen Blockbustergame zu machen - gerade Bond und Star Trek bieten beide enormes Potential für aufwendige und gute Spiele auf den modernen Konsolen.

Also steht der Sternenreise in die Dunkelheit am 17. Mai nichts mehr im Wege. Wir freuen uns darauf!

Montag, 24. Dezember 2012

50 Jahre Titeldesign

Die Seite ArtoftheTitle.com hat einen hochinteressanten und detailreichen Artikel über die Geschichte der Bondtitelsequenzen von DOCTOR NO bis SKYFALL veröffentlicht.


Sonntag, 23. Dezember 2012

Sonntag, 16. Dezember 2012

"James Bond - Anatomie eines Mythos"

Der aktuelle Bondfilm SKYFALL bricht zur Zeit alle Rekorde und hat mittlerweile sogar GOLDFINGER auf der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten überholt - auch inflationsbereinigt. Mehr denn je ist die Frage nach den Ursachen für den anhaltenden Erfolg des popkulturellen Phänomens Bond aktuell. Der Band "James Bond - Anatomie eines Mythos" beschäftigt sich mit eben diesen Ursachen und Hintergründen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven. Von Literatur- und Sprachwissenschaft über Musikwissenschaft und Physik bis hin zu Theologie reicht dabei das Spektrum. Die einzelnen Beiträge liefern selbst für Kenner der Materie sehr interessante und neue Einblicke und Erkenntnisse.

Der erste Teil widmet sich dem literarischen James Bond, dessen Entstehung sowie Ian Flemings erzählerischen Techniken und Strategien. Bemerkenswert fand ich hier den Beitrag von Marc Föcking über den Wandel der literarischen Einordnung der Fleming-Romane, am Beispiel eines Essays von Umberto Eco aus den 1960ern.

Im zweiten Teil geht es um kulturelle, geopolitische, physikalische und musikalische Aspekte der Bondfilme und Parodien. In einem Beitrag über die Bondgirls wird auf die Entwicklungen der Franchise in Bezug auf weibliche Charaktere, aber auch das weibliche Publikum eingegangen. Sehr aufschlußreich ist auch der Beitrag "Soundtrack des Mythos" des Musikwissenschaftlers Tobias Janz. Hier werden exemplarisch ein Titelsong sowie das musikalische Design zweier Filmszenen untersucht, was meine Wertschätzung für den Bondkomponisten John Barry noch vergrößert hat. Metin Tolan - der als Professor für Experimentelle Physik bereits ein sehr lesenswertes Buch über die Physik der Bondfilme verfasst hat - geht auf verschiedene ikonische Szenen aus GOLDFINGER ein.

Die beiden letzten Beiträge beleuchten schließlich mythologische und philosophische Bezüge von James Bond. Zum einen Parallelen zur Figur des Odysseus, zum anderen das Thema Opfer und Erlösung im modernen Blockbuster-Kino, am Beispiel von James Camerons AVATAR und den Bondfilmen. (Letzteres fand ich insofern höchst interessant, dass das dem Thema einer Arbeit in meinem Filmwissenschaftsstudium sehr ähnlich war - Bezüge zur jüdisch-christlichen Religion in den Filmen James Camerons.)

"James Bond - Anatomie eines Mythos" ist ein sehr aufschlussreiches und lesenswertes Buch für alle, die sich für James Bond als zeiten-überdauernden modernen Mythos interessieren.

James Bond - Anatomie eines Mythos
Marc Föcking, Astrid Böger (Herausgeber)
Universitätsverlag WINTER Heidelberg
1. Auflage 2012, 304 Seiten
Reihe: Beiträge zur neueren Literaturgeschichte
ISBN: 978-3-8253-5878-5
Preis: 35,- €

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Rückkehr nach Mittelerde

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise
NZ/USA/GB 2012
Regie: Peter Jackson
Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Richard Armitage, Christopher Lee

Während der Rest der Menschheit 2001 so ziemlich begeistert war vom ersten Teil der "Herr der Ringe"-Verfilmung von Peter Jackson war, fand ich den Film damals eher seltsam. Handwerklich zwar überzeugend, aber die Handlung und die Charaktere mit den seltsamen Namen rissen mich nicht wirklich mit. Vor allem der Hauptdarsteller mit den blauen Riesenaugen, der die ganze Zeit gerettet werden musste. Überzeugt und gepackt hat mich das Ganze dann erst ab dem zweiten Teil. Die Dramatik, die monumentalen Landschafts- und Schlachtengemälde und die Musik von Howard Shore.

Mittlerweile mag ich auch den ersten Teil sehr gern, und so war es rundherum einfach ein Genuss, nach knapp zehn Jahren wieder aus der verschneiten kalten Wirklichkeit für drei Stunden in die warme erdige Welt eines gewissen J.R.R. Tolkien abzutauchen. Man vermisst sogar manchmal die Herr-Frodo-Dialoge und gewisse Gesichter und Melodien. Wenn die neuen alten Gefährten auf die Reise gehen oder gegen Feinde kämpfen erwartet man die gewohnten Fanfaren und Themes. Aber letztlich geht auch das neue Hauptthema, das sich in Neil Finns "Song Of The Lonely Mountain" wiederfindet, ins Ohr und erzeugt die gewohnte Gänsehaut.

Martin Freeman, der Watson aus der BBC-Serie "Sherlock", überzeugt als junger Bilbo und funktioniert als Hauptdarsteller tatsächlich besser als Wood. Ian McKellen, Kate Blanchett und Christopher Lee wurden digital und maskenbildnerisch glaubwürdig verjüngt. Mit dem HFR 3D hatte ich kein Problem. (An dieser Stelle muss ich mich als 3D-Fan outen - wahrscheinlich wieder im Gegensatz zum Rest der Menschheit) Zumindest hatte ich weder Geisterbilder, scherenschnitthaft wirkende Objekte im Vordergrund noch Kopfschmerzen oder andere unangenehme Nebenwirkungen nach drei Stunden zu beklagen.

Auch bedrohliche Kreaturen bietet der Film wieder in Perfektion. Angefangen mit Smaug, von dem man noch nicht viel sieht, über lispelnde Trolle und riesige Felswesen. Man merkt, dass Peter Jackson sich alle Mühe gegeben hat, aus der Kindergeschichte um Zwerge und Drachen dieselbe Dramatik und unterschwellige Gefahr herauszuholen wie aus der Roman-Trilogie. Ob der zweite Teil die poetische Weltuntergangsstimmung von THE TWO TOWERS erreichen kann, bleibt abzuwarten.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Gestern und Morgen

                                           "You'll relish the world that I create."
                                                               (k.d.lang - Surrender)

Vor 15 Jahren hatte TOMORROW NEVER DIES Weltpremiere im Londoner Odeon. Die Dreharbeiten des Films litten unter einem strengen Zeitplan, was sich im fertigen Film bemerkbar macht. Das sowie die überbordende Action und Product Placement führten dazu, dass der Film von Fans und Kritikern wenig Liebe erfuhr. So schrieb die Cinema beispielsweise, Bond wäre nun endgültig zum Dressman der Lifestyle-Industrie verkommen. Dabei bietet der Film auf den zweiten Blick durchaus viele innovative Ideen.

Aufgrund des Erfolgs von GOLDENEYE bestimmten MGM und United Artists, dass der nächste Bond innerhalb einer Zwei-Jahres-Spanne erscheinen sollte. Die Dreharbeiten begannen ohne fertiges Drehbuch und ohne die Besetzung von Gegenspieler Elliot Carver und dessen Frau Paris. Anthony Hopkins und Monika Bellucci waren im Gespräch, schafften es jedoch nicht in den fertigen Film. Teri Hatcher, die schließlich die Rolle der Paris übernahm, musste ihre Szenen aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft so schnell wie möglich abdrehen. Schließlich zog Vietnam bereits zugesicherte Drehgenehmigungen wieder zurück. Dazu bewies MGM bei vielen Entscheidungen ein unglückliches Händchen. Der Arbeitstitel TOMORROW NEVER LIES, der im Zusammenhang mit der Handlung wesentlich mehr Sinn ergeben hätte, wurde aufgrund eines Übermittlungsfehlers in DIES geändert. Und von mehreren eingereichten Titelsongs, darunter von Pulp, Marc Almond und k.d. lang, wählte man mit Sheryl Crow den langweiligsten.

Das letztendliche Szenario um einen durch Provokation und gestohlene Militärtechnik ausgelösten dritten Weltkrieg erinnert sehr an YOU ONLY LIVE TWICE und THE SPY WHO LOVED ME. Neu ist das Motiv dahinter, die Quoten der entsprechenden Berichterstattung. Eine Idee, die enormes Potential besitzt (zu den Pupert-Murdoch-Parallenen siehe beispielsweise hier) Obwohl der Film der erste der Franchise ist, der überhaupt keine Bezüge zu Ian Fleming hat (bei GOLDENEYE war es zumindest der Titel, der von Flemings jamaikanischen Anwesen geborgt war), hat die Handlung einige Parallelen zu Flemings Leben. Fleming arbeitete selbst lange Jahre als Journalist und hatte es beinahe geschafft, Stalin zu interviewen. Nach dem zweiten Weltkrieg war er der Chef der Auslandskorrespondenten der Kemsley Newspaper Group, zu der unter anderen die Sunday Times gehörte. Fleming saß an einem Schreibtisch, eine Weltkarte mit blinkenden Lichtern vor sich, wie eine 50er-Jahre-Version von Carver. Neben dieser Tätigkeit schrieb er während jeweils zweimonatiger Urlaube auf Goldeneye die Bondromane. Zudem hatte Fleming wie Bond im Film eine Affäre mit der Frau eines Zeitungsmagnaten - Esmond Harmsworth - die er später allerdings heiratete (Interessanterweise hieß der Bösewicht im ersten Drehbuchentwurf Elliott Harmsway. Im Roman zum Film ist er zudem Sohn von Lord Roverman, Harmsworth war Viscount Rothermere.)

15 Jahre vor SKYFALL wurde schon einmal
Bonds Nachruf geschrieben (themoviescene.co.uk)
Die Figur des Elliott Carver kann man zudem als einen bis dahin neuen Typus von Gegenspieler ansehen, dem vermeintlichen Wohltäter. Anders als Blofeld, Goldfinger oder Stromberg scheuen sie nicht die Öffentlichkeit, sondern manipulieren sie für ihre Zwecke. In den Romanen verkörperte Sir Hugo Drax diesen Typus, in den Filmen hatte man ihn bis dahin nur ansatzweise genutzt. Ähnlich wie Carver verkauften sich später auch Gustav Graves und Dominic Greene öffentlich als Philanthropen.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Mission erfolgreich!

All Time High!
Wie EON Productions, Sony und MGM heute in einer Pressemitteilung bekanntgaben, hat SKYFALL die Rekordmarke geknackt und ist nun der finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten in Großbritannien. Der Film überholte in nur 40 Tagen seit der Premiere den bisherigen Spitzenreiter AVATAR von James Cameron. Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson dankten vor allem Daniel Craig und Regisseur Sam Mendes.

In der internationalen Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten hat der Film Platz 30 erreicht und STAR WARS - EPISODE 3 und INCEPTION überholt. Inflationsbereinigt ist jedoch immer noch THUNDERBALL der erfolgreichste James-Bond-Film aller Zeiten, gefolgt von GOLDFINGER.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Bildsysteme in Bondfilmen: "Ein Quantum Trost"

In dieser Artikelserie geht es um wiederkehrende visuelle Motive in Bondfilmen, die eine Metapher für bestimmte Aspekte des Hauptthemas des jeweiligen Films darstellen. Solche Bildsysteme (image systems, nach Robert McKee) finden sich sehr häufig in Filmen. Beispiele sind etwa Variationen von Getreide, Korn, Brot, etc. in Peter Weirs Der einzige Zeuge (Witness, 1985) mit Harrison Ford, oder die sich von hochmodern zu archaisch entwickelnde Architektur in Tom Tykwers The International (2009). Verständlicherweise findet man Bildsysteme häufiger in den ambitionierteren Bondfilmen.


Was bei QUANTUM OF SOLACE (Ein Quantum Trost, 2008) von Mark Forster ebenso wie beim Vorgänger CASINO ROYALE (2006) auffällt, ist eine häufige Verwendung von Baustellen als Action-Schauplatz. Die erste große Actionsequenz in Daniel Craigs Debüt benutzt eine Großraum-Baustelle inklusive Bagger, Kräne, Hebebühnen, etc. Das große Finale des Films findet ebenfalls auf einer Baustelle statt, einem venezianischen Haus, das aufwendig restauriert wird. Auch hier benutzt der Protagonist typische Gerätschaften, wie etwa ein Nagelschussgerät. In QUANTUM OF SOLACE führt die eröffnende Autojagd durch einen Marmor-Steinbruch nahe Carrara, wo Arbeiter beschäftigt sind, und eine Verfolgungsjagd endet kurz darauf in einer Kirche, die restauriert wird. Wieder sind Bagger, Baugerüste und ähnliches in die Actionszenen integriert.

Bond als Baustelle
Wie in verschiedenen Berichten zum Film zu lesen war, verband Forster die Actionszenen von QUANTUM OF SOLACE gemäß der antiken Vier-Elemente-Lehre mit Feuer, Wasser, Luft und Erde, und veränderte dementsprechend auch die Schauplätze der Quantum-Konferenz und des Finales. (Siehe beispielsweise hier)  In der antiken Lehre stehen diese "Elemente" auch für psychologische Aspekte, und sie durchziehen auch die gesamte Handlung.

Wasser ist nicht nur ein zentrales Handlungselement des Films, sondern steht oft auch als Symbol für die Macht der titelgebenden Organisation Quantum bzw. deren Missbrauch. Bereits in der eröffnenden Einstellung fliegt man über Wasser, ähnlich wie man in Der einzige Zeuge als erstes Kornfelder sieht. Nachdem M und Bond durch das Entkommen von Mr. White und die Entlarvung von Ms Bodyguard als Quantum-Agent eine erste Ahnung der gespenstischen Macht der Organisation bekommen haben, prasselt Regen in Strömen auf London nieder. Vespers Freund wurde angeblich von Fischen getötet. Kurz darauf gibt Dominic Greene Camille eine kurze Machtdemonstration, indem er eine im Wasser treibende Leiche zeigt. Und das Meeting der Quantum-Tycoone findet schließlich auf einer Seebühne statt. Auch die letzte Einstellung des Films wird von Wasser dominiert: Vespers Anhänger im Schnee.

Das Trinken ist ebenfalls ständig Thema: Bond entwendet Vespers Foto in einer trinkenden Geste, beim Treffen mit Mathis wird der Wein zum Thema, Beam spricht Leiter auf sein Trinkwasser an und Greene trinkt in seiner Verzweiflung schließlich Öl. Es geht immer auch um die Qualität des Getränkes. Dieses Thema verbindet den Film mit dem Vorgänger, wo Bond sein erstes Opfer zu ertränken versucht, ein Getränk nach Vesper benennt, durch ein Getränk beinahe stirbt und Vesper schließlich in einem versinkenden Haus ertrinkt.

Dabei dient Wasser auch als Stilmittel, um den eigentlichen Plan von Greene vorzuschatten. Als Bond während der Opernaufführung den MI6 kontaktiert, sieht man eine kurze Großaufnahme von Ms Hand, die einen Wasserhahn zudreht. Und als CIA-Mann Beam im Flugzeug herauszufinden versucht, um welchen Rohstoff es Greene geht, steht direkt hinter Greene eine große Schale mit Wasser. Diese Zurschaustellung der Verfügbarkeit von Wasser - luxuriöse Bäder, Blumenschalen in Flugzeugen, Opernbühnen im Wasser - steht in starken Kontrast zu den heißen und staubigen Locations in Bolivien.

Das Element der Erde in Form von Sand, Staub oder brüchigem Gestein dominiert Plakate und Titel und auch den Film: Der Steinbruch, das brüchige Geländer, durch das Greene Camille töten will, die aufgeworfene Erde während des Pferderennens, die Wüste. Feuer tritt hauptsächlich am Ende auf. Das gasförmige Element macht sich in der Flugzeug-Verfolgungsjagd bemerkbar, aber auch das Flugzeug mit Greene, Beam und Leiter an Bord wird heftig durchgeschüttelt. Die Elemente wirken in jedem Fall bedrohlich.

Interessant ist im Film auch, dass die Konflikte - oder Disharmonien - der Charaktere in irgendeiner Form mit Musik zusammenhängen. Die Mama von Elvis ist offenbar ein Fan des King, während die von Agent Fields den Beatles zugetan war und ihr einen Namen gab, der ihr peinlich ist. Greene erläutert seine aggressive Störung anhand eines Erlebnisses mit seiner Klavierlehrerin, während Camilles Mutter Tänzerin war. Und auch Tosca ist nicht für jedermann.