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Dienstag, 20. Juni 2023

Sommer, Sonne, 007

Sommer 1993... Ace of Base, Whitney Houston und das noch relativ neuartige Phänomen des Eurodance beherrschen die Musikszene, während mit JURASSIC PARK der Blockbuster des Sommers anläuft. Für mich bedeutete der Sommer 1993 vor allem aber das Entdecken einer neuen Leidenschaft: Der Welt von Geheimagent 007, der mich bisher zwar wie ein zuverlässiger, aber eher flüchtiger Bekannter begleitet hatte, nun jedoch zu einem treuen und wertvollen Freund wurde. Seitdem verband ich die Zeit des beginnenden Sommers mit dieser Entdeckung einer ganzen Film- und Romanwelt. Paradoxerweise war der Filmbond wohl gerade an seinem totesten Punkt angekommen, als er für mich am lebendigsten wurde. (Mehr dazu auch hier)

Aber auch unabhängig von dieser eher zufälligen Zeit des Fan-Werdens waren Bondfilme früher die Art Film, die man sich gern im Sommer im Kino angesehen hat, um sich für zwei Stunden abzukühlen und etwas unbeschwerten Spaß zu haben. Mittlerweile hat sich das fast ins Gegenteil verkehrt - Auch eine Frage der Starttermine der einzelnen Filme?

Donnerstag, 13. Oktober 2022

Jenseits des Eises

Vor zwanzig Jahren fieberten Fans in aller Welt dem neuen James-Bond-Film entgegen, diesmal der zwanzigste in vierzig Jahren. Ein großes Jubiläum, das viel versprach und auf das man gern auch ein Jahr länger gewartet hatte. Für viele Fans erwies sich der Film dann jedoch als Enttäuschung. 

Pistole in Eis
Nichtsdestotrotz machte die Vorfreude und auch das Marketing des Films enormen Spaß. Denn Stirb an einem anderen Tag war nicht nur der erste Bondfilm, bei dem ich Neuigkeiten zum Film fast ausschließlich über das Internet erfuhr, sondern diese auch mit anderen Fans dort in Foren diskutierte. In vielen dieser Foren - wie dem deutschen Bondforum oder dem von CommanerBond.net - ist diese früher so lebhafte Diskussion aber mittlerweile etwas eingefroren, zugunsten von Gruppen in 'sozialen Medien'.

Ein kleiner nostalgischer Rückblick auf diese erkalteten Lagerfeuer des Fandoms. 

Freitag, 2. September 2022

Das Buch zum Film

Romane zu Bondfilmen
Vor 45 Jahren begann eine Tradition, die vor 20 Jahren wieder endete: Roman-Adaptionen von James-Bond-Filmen. Hintergrund war, dass für den 10. Bondfilm THE SPY WHO LOVED ME (Der Spion, der mich liebte, 1977) nur der Titel des entsprechenden Romans von Ian Fleming aus dem Jahre 1962 zur Verfügung stand. Handlung und Charaktere mussten vollständig neu erdacht werden, da der Roman eher experimentell und minimalitisch ist und von Fleming nicht als verfilmbar angesehen wurde. Also beauftragte man Christopher Wood mit einer Adaption des von ihm gemeinsam mit Richard Maibaum erstellten Drehbuches. 

Roman-Adaptionen von Filmen waren bis in die 80er Jahre eine sehr erfolgreiche Vermarktungsmöglichkeit, da sie vor Entwicklung der Heim-Video-Systeme eine willkommene Möglichkeit boten, zwischen Kino- und Fernsehaufführung noch einmal in die Welt des Films einzutauchen. Ihre Tradition reicht bis weit in die Stummfilm-Ära zurück. Oft arbeiteten Autoren zeitgleich an Drehbuch und Roman, wie Edgar Wallace für KING KONG (1932) oder Alister MacLean für WHERE EAGLES DARE (Agenten sterben einsam, 1968), und Franchise-Schöpfer wie Gene Roddenberry oder George Lucas nahmen dafür die Feder sogar persönlich in die Hand.

Christopher Wood begnügte sich allerdings nicht mit der meistens üblichen sprachlichen Ausschmückung der Filmhandlung, sondern er brachte eine eigene Tonalität ein, setzte einige seiner äußerst phantasievollen Ideen um, die es nicht in den Film geschafft hatten - manche davon recycelte man für spätere Filme - und wandte einen Kniff an, der einen Trend in Gang setzte.

Sonntag, 4. April 2021

Hymnen für Helden

Bis auf GoldenEye haben die Titelsongs zu den jeweiligen Debüts der Bonddarsteller einige Gemeinsamkeiten: Sie sind jeweils von männlichen Interpreten gesungen, nehmen die Perspektive von James Bond ein und erzählen von seinem Innenleben. Selbst From Russia With Love passt da als erster Titelsong der Connery-Filme rein.

Aber auch inklusive GoldenEye bieten alle Darsteller-Debüt-Songs einen Einblick in die Eigenheiten der jeweiligen James-Bond-Interpreten.

Samstag, 27. Juni 2020

Agentenrente

Ein Gedankenspiel: Mal angenommen, die Filme eines bestimmten Bonddarstellers bilden ein eigenes, abgeschlossenes Filmuniversum, in dem es keinen Bond davor und danach gab - wie hätte die Karriere des jeweiligen Darstellers nach dem Ende seiner Ära ausgesehen? Mit diesem Gedanken möchte ich mich hier mal beschäftigen.

Bei Sean Connery sah man erstmals, wie der Ruhestand eines Darstellers konkret aussieht. (Wenn man David Niven im Klaumaukfilm CASINO ROYALE von 1967 mal ausklammert.) In NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie,1983) hat er sich mit Domino (Kim Basinger) auf den Bahamas zur Ruhe gesetzt und genießt jeden Tag um 17 Uhr einen Martini im Pool.


Sonntag, 23. Februar 2020

A Déjà View to an Overkill


                                                   "London calling, and I don't want to shout,
                                              But when we were talking I saw you nodding out."
                                                                                                                    (London Calling, The Clash)
 


Bond-Marathon #21: DIE ANOTHER DAY (2002)



Die Another Day, Mojito2002 traf der 20. Bondfilm der Produktionsfirma Eon Productions auf das 50jährige Jubiläum der Filmreihe. Das nahm man zum Anlass, Hommagen an frühere Filme und auch den literarischen Ursprung der Figur einzubauen. An sich keine schlechte Idee, schon THE LIVING DAYLIGHTS (Der Hauch des Todes, 1987) hatte als 15. Film zum 25jährigen Jubiläum ein paar dezente Hinweise auf frühere Filme und auch die Romane. Unter der Regie des Neuseeländers Lee Tamahori uferte diese Herangehensweise dann allerdings ebenso aus wie der Ansatz, mal wieder einen etwas phantastischer und überlebensgroß angehauchten Bondfilm zu schaffen.

Der ganze Film wirkt letztlich eher wie eine große Jubiläums-Party, die mit zunehmender Stunde aus dem Ruder läuft und den Sinn für das Angemessene verliert. Erhielt Stirb an einem anderen Tag kurz nach seinem Start noch viele wohlwollende Besprechungen, setzte dann aber schnell eine Katerstimmung ein.

Was genau ging schief mit DIE ANOTHER DAY, und wie wirkt der Film mit einem Abstand von fast zwei Jahrzehnten?


Donnerstag, 13. Februar 2020

Königsmord in Öl


           "There's no point in living
                                                           If you can't feel alive!"
                                                                                                                       (The World is not Enough, Garbage)
 


Bond-Marathon #20: THE WORLD IS NOT ENOUGH (1999)


Mit dem dritten Bondfilm mit Pierce Brosnan, Die Welt ist nicht genug, kehrte man nach dem kühl und actionlastig gestalteten Vorgänger wieder zurück zu einer klassischen Bond-Atmosphäre, variierte aber gekonnt Klischees der Formel. Zudem setzte man auch Motive aus Brosnans erfolgreichen Debüt GoldenEye fort, etwa mit Schauplätzen in der ehemaligen Sowjetunion, Gegenspielern aus dem Ex-KGB-Umfeld, der Freund/Feind-Thematik oder der Rückkehr von Valentin Zukovski.

Die Welt ist nicht genug markiert das Debüt für das Autorenduo Neal Purvis und Robert Wade (PLUNKETT & MACLEANE), die Bond statt Maschinengewehr wieder die altbewährte Walther gaben und ihn sowohl beruflich als auch menschlich mehr herausforderten. Dementsprechend war das Echo der meisten Kritiker und Fans zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weitgehend positiv, und Purvis & Wade schrieben seitdem an jedem Bondfilm mit. Wie wirkt THE WORLD IS NOT ENOUGH, der zahlreiche Elemente der späteren Daniel-Craig-Ära vorwegnahm, heute?


Donnerstag, 6. Februar 2020

Quotenkrieger


                                                       "The truth is now what I say!
                                                 I've taken care of yesterday!"
                                                                                                                                  (Surrender, k.d. lang)
 


Bond-Marathon #19: TOMORROW NEVER DIES (1997)


Carver ChampaignFake News, die nicht nur den Kurs von Schiffen, sondern auch den von ganzen Ländern beeinflussen; Regierungen, die durch veröffentlichte Videos zu Fall gebracht werden; China als Supermacht in einem neuen kalten Krieg, der eigentlich von Handelsinteressen gesteuert wird; Handy-Apps, die Autos steuern,  ... TOMORROW NEVER DIES (Der Morgen stirbt nie, 1997) unter der Regie von Roger Spottiswoode (UNDER FIRE, AIR AMERICA) hatte den Stoff, aus dem die Zukunft ist. Von falschen oder unterschlagenen Meldungen ausgelöste Krisen und versuchte Manipulationen über Massenmedien gehören mittlerweile zum Alltag.

Dabei spiegelt die Grundidee im zweiten Brosnan-Bondfilm, bei der eine Weltkrise wegen Quoten und Lizenzen ausgelöst wird, auch die Krise in Bonds Welt Anfang der 1990er wider. Der Medienmogul Kirk Kerkorian, der das Studio MGM wie einen Poker-Einsatz benutzte, brachte durch einen erneuten Verkauf die Rechte am Bond-Franchise in Gefahr, das wie Wai Lin im Finale an das Studio gekettet war. Bond rettete nicht nur auf der Leinwand wieder einmal die Welt, sondern durch seinen Erfolg auch das Studio. Doch die Produktionsumstände forderten einige Tribute.


Donnerstag, 30. Januar 2020

Eine neue Welt


                                                   "You'll never know how I watched you
                                                 From the shadows as a child!"
                                                                                                               (GoldenEye, Tina Turner)
 


Bond-Marathon #18: GOLDENEYE (1995)


Anfang der 1990er Jahre trafen drei Faktoren zusammen, die voneinander unabhängig waren, aber alle dazu beitrugen, dass James Bond als Franchise in Frage gestellt wurde: Die stetig sinkenden Zuschauerzahlen der 80er Jahre und die finanzielle Enttäuschung von Lizenz zum Töten - vor allem in Verbindung mit dem Aufstieg anderer Actionfranchises. Dazu kamen ein Gerichtsstreit um die Rechte an den Bondfilmen und schließlich der Fall der Mauer und das Ende des Kalten Krieges. Zum ersten Mal seit Ende der 1960er Jahre schien es nicht mehr selbstverständlich, dass es einen neuen Bondfilm geben wird, oder überhaupt geben sollte.


Aber wie so oft sind Krisen auch Chancen. Manchmal lernt man etwas erst zu schätzen, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist. In dieser bondlosen Zeit wurde ich erst zum Fan. Auch viele andere Zuschauer besannen sich ihrer Kindheitserinnerungen, und zahlreiche Fanclubs wurden gegründet. Nicht zuletzt bedeutete die Krise auch für Pierce Brosnan einen Glücksfall, nachdem er als 1986 bereits der Presse vorgestellter Bond nun eine zweite Chance erhielt. Dementsprechend lasteten enorme Erwartungen und Hoffnungen auf GOLDENEYE, dem ersten Bondfilm der 1990er Jahre. Konnte der Film einer veränderten Welt - filmisch wie politisch - gerecht werden?

Freitag, 22. Februar 2019

Soundtrack-Kritik: THE WORLD IS NOT ENOUGH

2019 begann mit einem dezenten 1999-Feeling. La-La Land Records schickte die Limited Edition der Filmmusik zu THE WORLD IS NOT ENOUGH. Ein 2-CD-Set mit einem sehr schön und informativ gestalteten Booklet, das Hintergründe zu Musik und Komponist liefert.

David Arnolds Musik für den 19. James-Bond-Film der Produktionsfirma EON war seine zweite Arbeit für Bond. Die auf 5000 Stück limitierte Sonderausgabe enthält einige sehr interessante Titel und auch Demoversionen, die vorher nicht veröffentlicht wurden.


Samstag, 22. Juli 2017

Operation Kino

Dass Geheimdienste Filmprojekte großzügig mit Geld und Equipment unterstützen, die sie in einem guten Licht darstellen, ist mittlerweile allgemein bekannt. Überraschend ist immer wieder das Ausmaß der Einflussnahme, wie jetzt die beiden Autoren Tom Secker und Matthew Alford in ihrem Buch National Security Cinema aufdecken. Sie sichteten dafür rund 4000 Pentagon- und CIA-Dokumente, die durch den Freedom of Information Act zugänglich wurden. Die Autoren gingen anfangs von etwa 200 relevanten Filmproduktionen aus. Eine Zahl, die sie großzügig nach oben korrigieren mussten: Bei über 800 Kino- und über 1000 TV-Produktionen kontrollierten US-Regierungsorganisationen Handlung und Dialoge, bis hin zu TV-Geschichts-Dokus.

Dass Bondfilme potentielle Kandidaten für solche Deals sind, ist grundsätzlich ebenfalls nichts neues. Interessant sind aber auch hier die Zensur-Maßnahmen im Detail. So wurde im Film TOMORROW NEVER DIES beispielsweise ein recht harmlos wirkender Oneliner zensiert und letztlich aus dem Drehbuch gestrichen.




Eine unterschwellige Militarisierung wurde den Bondfilmen seit ihren Anfängen in den 60er Jahren unterstellt. Wobei die Filmreihe das dargestellte Geheimdienst-Milieu eigentlich von Anfang an mit ironisch-übertriebener Distanz und später leiser Selbstkritik dargestellt hat. Anders als in den Filmen von Michael Bay oder den Marvel-Verfilmungen beispielsweise. Aber selbst am Set von IRON MAN kam es zu einem Disput zwischen Regisseur Jon Favreau und dem Hollywood-Beauftragten des Verteidigungsministeriums Phil Strub.

Im Buch erwähnt wird THUNDERBALL, für dessen Produktion ein Flugzeug mit 'Skyhook' vom CIA-Unternehmen Intermountain Aviation zur Verfügung gestellt wurde.

Eine Dialogzeile, die direkt aufgrund des Vetos von Strub aus dem Department of Defense (DOD) gestrichen worden sein soll, stammt aus TOMORROW NEVER DIES (Der Morgen stirbt nie, 1997).

Im Drehbuch sagt Bonds CIA-Kollege Jack Wade, kurz bevor Bond via HALO-Jump aus einem Flugzeug springt und in vietnamesischen Hoheitsgewässern landen soll:

You know what will happen. It will be war, and maybe this time, we'll win. 
(Ihr wisst, was passieren wird. Es wird Krieg geben, und diesmal gewinnen wir ihn vielleicht sogar.)

Sich über die Niederlage des Vietnamkrieges lustig zu machen war offenbar ebenso ungern gesehen wie dessen Erwähnung überhaupt. Strud selbst bestreitet diese Einflussnahme, während die Autoren des Buches darauf verweisen, dass das Verteidigungsministerium im Abspann explizit genannt wird, und ihnen zudem eine Kopie des Kooperations-Vertrages vorliegt, der von der Produktion unterzeichnet werden muss.

Im Lichte dieser Veröffentlichungen wird vielleicht auch die merkwürdige Transformation des Drehbuches zu DIE ANOTHER DAY von einer dunklen, kritischen Reflexion von CIA-Einflußnahmen hin zu einem seltsam überzeichneten Szenario von isolierten Schurken und gleichrangigen NSA-Agenten verständlicher, über die ich in diesem Artikel geschrieben hatte.


Quellen:

Documents Expose How Hollywood Promotes War on Behalf of the Pentagon, CIA and NSA

deutsch: 

Die Propaganda-Fabrik: Wie Pentagon und CIA Hollywood unterwandern

Donnerstag, 27. April 2017

Beautiful Beast

Die 1990er Jahre waren das vielleicht erfolgreichste Jahrzehnt für das Star-Trek-Franchise. Die Neu-Interpretation der Originalserie, Star Trek: The Next Generation, konnte ihre Einschaltquoten bis zum furiosen Finale mit jeder Staffel steigern und hatte international Erfolg. Aus ihr sprossen mit Deep Space Nine und Voyager zwei Spin-offs hervor, und mit Enterprise folgte noch eine dritte Serie ihrem Fahrwasser. Auch Bond kam in den 90ern nicht an Star Trek vorbei.

Vor 25 Jahren, am 27. Mai 1992, wurde im US-amerikanischen Fernsehen die Folge The Perfect Mate (im deutschen Fernsehen: Eine hoffnungslose Romanze) ausgestrahlt. Damit wurde die niederländische Schauspielerin Famke Janssen, die zuvor als Model unter anderem für Chanel gearbeitet hatte, einem großen Publikum bekannt. Der Serienauftritt führte zu einer Hauptrolle im Bondfilm GOLDENEYE und zu einer internationalen Karriere.




Wie zahlreiche andere Next-Generation-Folgen greift diese Folge aus der fünften Staffel das Thema einer Folge des originalen Star Trek auf, in diesem Fall Elaan of Troyius (im deutschen Fernsehen Brautschiff Enterprise) aus der dritten Staffel der Classic-Serie, und entwickelt es weiter. Hier geht es um eine Science-Fiction-Variation des Trojanischen Krieges und der klassischen Femme Fatale Helena von Troja. Janssen verkörpert in der Folge eine buchstäbliche Traumfrau, die dazu in der Lage, die Bedürfnisse ihres Partners zu erkennen. (Ironischerweise lautet eine ihrer Dialogzeilen in GOLDENEYE "Once again, Mr. Bond, the pleasure was all yours".) 

Durch das intensive und glaubwürdige Schauspiel von Patrick Stewart und Famke Janssen entsteht eine sehr sehenswerte tragische Liebesgeschichte, die das hohe Niveau wiederspiegelt, das The Next Generation gegen Ende erreichte.*

Interessanterweise beginnt die Folge mit zwei Ferengi, die mit einem geheimen Auftrag auf die Enterprise kommen. Einer von ihnen sagt. "This is too easy!" Genau das sagt auch Bond in GOLDENEYE, als er und 006 eine sowjetische Gasfabrik entern. Mit der nach dem Gott Janus benannten Organisation hat Janssens Rolle auch im Bondfilm einen indirekten Bezug zur klassischen Mythologie.

Famke Janssen, die Wirtschaft und Literatur studiert hat, sollte ein Jahr darauf in der Spin-off-Serie Deep Space Nine als Jadzia Dax eine der Hauptrollen übernehmen. Sie lehnte jedoch ab, um sich weitere Filmrollenangebote offen zu halten. Letztlich eine gute Entscheidung, denn dadurch erhielt sie ihre berühmteste Rolle als ebenso tödliche wie schöne Ex-KGB-Agentin Xenia Onatopp in GOLDENEYE.

Da Regisseur Bryan Singer ein großer Next-Generation-Fan ist, besetzte er sowohl Patrick Stewart als auch Famke Janssen in seiner Verfilmung der X-MEN, wo sie an der Seite des letzten Brosnan-Bondgirls Halle Berry spielt. (Singer legte später auch ein sehr interessantes Konzept für eine Star-Trek-Neuinterpretation vor, das leider zugunsten von J.J. Abrams simpler Star-Wars-ierung abgelehnt wurde.) Die Rolle der Jean Grey wiederholte sie noch für drei weitere Filme. In drei TAKEN-Filmen spielte sie die Frau von Liam Neeson, der wiederum einer der Anwärter für die Bondrolle in GOLDENEYE war.

In diesem Jahr ist Famke Janssen gleich dreimal im Kino zu bewundern: In der Komödie A LITTLE SOMETHING FOR YOUR BIRTHDAY mit Sharon Stone, dem Mystery-Thriller AMERICAN UNDERCOVER sowie an der Seite von Bruce Willis in der Actionkomödie ONCE UPON A TIME IN VENICE.


* Die Folge hat sogar eine höhere imdb-Bewertung als der Film GOLDENEYE.

Sonntag, 23. April 2017

Die ungleichen Brüder

Die Darstellung der Figur James Bond durch Pierce Brosnan und Daniel Craig könnte unterschiedlicher kaum sein. Eine leicht versnobte Eleganz, Kultiviertheit sowie Hommage, fast schon Beschwörung früherer Glorie auf der einen Seite – physische Präsenz und ein cooles Überbordwerfen verkrusteter Klischees auf der anderen. Und doch ähneln sich ihre Amtszeiten in vielen Details so sehr, dass man sie wie Folien aufeinanderlegen könnte. Zumindest bisher.




Sonntag, 27. Dezember 2015

Der Sprung in die Neunziger

20 Jahre GOLDENEYE

20 years of James Bond 007 GOLDENEYE, Bungee JumpDezember 1995. James Bond ist zurück! Endlich! Zum ersten Mal in seiner Geschichte erschien ein Bond nicht mit der gemütlichen Regelmäßigkeit gewisser Feiertage, sondern drohte eine zeit lang überhaupt nicht mehr zu erscheinen. Und es gab auch nicht wenige Stimmen, die seine Tage tatsächlich für gezählt hielten. Nicht nur wegen des Endes des Kalten Krieges. In den Achtzigern war die Reihe mit einen stetigen Abwärtstrend der Einspielergebnisse konfrontiert, der mit LICENSE TO KILL in einem Negativ-Rekord mündete. Andere Kinohelden waren mühelos an der einstigen Ikone vorbeigezogen und schienen den Zeitgeist besser zu treffen. 007 spürte den Hauch des Todes, und auf GOLDENEYE lag nicht nur die enorme Vorfreude der Fans, sondern auch die große Skepsis der Kritiker.


Samstag, 31. Januar 2015

Der verlorene politische Hintergrund von DIE ANOTHER DAY

                               "I think it was a very bold move for them to have
                            Bond captured, tortured, and stripped of any identity."
                                                                                                             Pierce Brosnan


Verrat der Operation Gold, 1955
(Bundesarchiv)
In einem Interview anlässlich der Einweihung des SKYFALL-Zuges im Februar 2013 sagte Drehbuchautor Robert Wade, dass DIE ANOTHER DAY als Drehbuch noch einen wesentlich düsteren und härteren Grundton hatte: "'Die Another Day', on the page, was fairly gritty" (Siehe beispielsweise Yahoo). Der Abdruck des Protokolls einer Drehbuchsitzung im Buch The James Bond 007 Archives bestätigt diese Aussage, die seinerzeit in den Medien eher mit Unverständnis und Ironie kommentiert wurde. Demnach hatte der zwanzigste EON-Bondstreifen auf dem Papier tatsächlich einen ambitionierteren und realistischeren Anstrich als der fertige Film. Doch warum wurde dieser aufgegeben?





Freitag, 26. Dezember 2014

In 80 Tagen um die Welt

Vor 25 Jahren wurde der Dreiteiler In 80 Tagen um die Welt im ZDF ausgestrahlt. Genau genommen am 25. Dezember 1989 der erste, am 28. der zweite und am 30. Dezember der dritte und letzte Teil. Die Miniserie war eine Paraderolle für den attraktiven Iren Pierce Brosnan und ein weltweiter Erfolg. Auch die übrige Besetzung war genial: Eric Idle als Passepartout, Sir Peter Ustinov als Detektiv Fix sowie zahlreiche Stars aus Bondfilmen, wie Sir Christopher Lee, Patrick Macnee, Gabriele Ferzetti oder Jill St. John.

Im November gab es eine neue DVD-Veröffentlichung des sehenswerten Dreiteilers. Lohnt sich der Kauf?




Optisch ist die DVD ansprechender als die frühere Version. Die Doppel-DVD steckt in einer edel wirkenden Papphülle, der hässliche Altersfreigabenstempel ist zum Glück abziehbar. Sie enthält zudem ein sehr schön gestaltetes, 12seitiges Booklet. Der Ton ist jetzt sowohl in englisch als auch in deutsch Dolby Digital 2.0. Das Bild ist leider nicht erheblich besser. Eine umfassende Restaurierung des Originalmaterials und eine Bluray-Veröffentlichung wären wünschenswert.

Die Extras beschränken sich leider auf eine Bildergalerie und den Trailer. Zusätzliche Infos, Audiokommentare oder ein Making-of wären für zukünftige Veröffentlichungen hier ebenfalls sehr schön.

Im Gegensatz zur 2003er Veröffentlichung sind jetzt einige Szenen wieder enthalten, die seinerzeit sowohl in der BRD- als auch in der DDR-Ausstrahlung herausgeschnitten wurden. Im Fernsehen der DDR lief die Miniserie bereits im November 1989 mit eigener Synchronisation. Diese DDR-Synchronisation wurde meines Wissens bisher noch nicht veröffentlicht. Da Sprecher Lutz Mackensy auf Pierce Brosnan sehr gewöhnungsbedürftig ist, würde mich diese Fassung interessieren. (Mackensy an sich mag ich sehr, beispielsweise als Elliott Carver oder Doc Brown in BACK TO THE FUTURE II und III.) Deshalb bevorzuge ich auch das englische Original.

Der Dreiteiler ist für mich die bisher beste Umsetzung des Jules-Verne-Klassikers. Die Verfilmung von 1958 mit Sir David Niven wurde zwar an wesentlich mehr Originalschauplätzen gedreht - wie Spanien, Japan, Thailand, China oder die USA - wirkt aber streckenweise etwas langatmig und betulich, wie eine National-Geographic-Dokumentation ohne Sprecher. Als 12jähriger Jules-Verne-Fan mochte ich diese Verfilmung außerordentlich, und ich verbinde viele Erinnerungen damit.

Da eine Bluray-Ausgabe mit neuem Bonusmaterial nicht in Sicht zu sein scheint, ist diese Doppel-DVD für alle Brosnan- und Jules-Verne-Freunde eine gute, wenn auch leider keine ideale Alternative.

(Zu weiteren Verbindungen zwischen Bond und Jules Verne hier.)

Mittwoch, 15. Mai 2013

Happy Birthday, Pierce!

Getty Images
Vor 60 Jahren erblickte Pierce Brendan Brosnan das Licht der Welt - womit er genauso alt ist wie der Geheimagent, den er als fünfter Schauspieler verkörperte. Brosnan verbrachte seine Kindheit in einer Kleinstadt in Irland. Nach der Scheidung seiner Eltern in seinem vierten Lebensjahr lebte er bei Verwandten. Im Alter von elf Jahren sah er mit seinem Stiefvater in einem Londoner Kino schließlich GOLDFINGER, der einen enormen Eindruck hinterließ. Gut dreißig Jahre später sollte Brosnan selbst die Rolle der Kino-Ikone James Bond übernehmen und erfolgreich in ein neues Jahrtausend führen. Doch der Charakter brachte ihm nicht nur Glück.



Nach der Schule besuchte Brosnan eine Schule für Kunst und Design und arbeitete als Straßen- und Zirkuskünstler. Nach einem Studium der Theaterwissenschaften wurde Tennessee Williams auf ihn aufmerksam und besetzte ihn in einem Stück. Der Durchbruch als Schauspieler kam schließlich 1982 mit der Fernsehserie Remington Steele. Doch die Erfolgsserie sollte sich vier Jahre später als Karrierehindernis erweisen. Pierce Brosnan sollte Roger Moore als Bond ersetzen und wurde bereits offiziell der Presse vorgestellt, aber eine Vertragsverlängerung in letzter Sekunde band ihn weiterhin an die Fernsehserie. Timothy Dalton übernahm die Rolle. Kurz darauf ereilte Brosnan ein weit schwererer Schicksalschlag - seine Frau Cassandra Harris, die im Bondfilm FOR YOUR EYES ONLY mitgespielt hatte, verstarb an Krebs.

Doch es gab eine zweite Chance für Pierce Brosnan, nachdem ein Rechtstreit den dritten Dalton-Bond verzögerte und dieser ausstieg. Nach erfolgreichen Rollen in AROUND THE WORLD IN 80 DAYS (1989) und MRS. DOUBTFIRE (1993) neben Weltstars wie Christopher Lee, Peter Ustinov oder Robin Williams übernimmt er 1994 die Rolle des James Bond. GOLDENEYE wird zum Mega-Erfolg und zerstreut alle Kritikerstimmen über die Filmfigur. Bond eröffnet Brosnan endgültig die Tür nach Hollywood. Er dreht mit Tim Burton (MARS ATTACKS!, 1996), Barbra Streisand (THE MIRROR HAS TWO FACES, 1996), Richard Attenborough (GREY OWL, 1999), John Boorman (THE TAILOR OF PANAMA, 2001) und Roman Polanski (THE GHOST WRITER, 2010). 2001 wird er vom People Magazine zum Sexiest Man Alive gekürt, was ihn mit Ur-Bond Sean Connery verbindet.

Nach vier Bondfilmen, die sehr erfolgreich an der Kinokasse waren und eine neue Generation von Fans begeisterten, ereilt Brosnan ein ähnliches Schicksal wie zuvor Tim Dalton - ein Rechtsstreit zwingt das Franchise zu einer mehrjährigen Pause und die Produzenten zum Umdenken. Ein Anruf enthebt ihn vom Amt des Weltretters. Zu der Figur hat er heute ein zwiespältiges Verhältnis - zum einen ist er dankbar, zum anderen bedauert er aber auch, dass sich sein Bond nie von vorgegeben Zwängen befreien durfte: "It never felt real to me. I never felt I had complete ownership over Bond." - "For me, the Bond that I played was caught in a time warp between what had gone before and what Daniel does now. I always felt the restraints of the storytelling and it just didn’t have enough bite to it. It was in the writing."

Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit malt Brosnan und engagiert sich im Umweltschutz, wo er hauptsächlich für den Schutz der Meeresfauna kämpft. In LOVE IS ALL YOU NEED von der dänischen Regisseurin Susanne Bier spielte er 2012 einen Witwer. In seinem neuesten Filmprojekt HOW TO MAKE LOVE LIKE AN ENGLISHMAN übernimmt er neben Kristin Scott Thamos und Jessica Alba die Rolle eines sexsüchtigen Literaturprofessors, der seinen Lebenswandel überdenken muss.

BOND & BEYOND wünscht alles Gute und noch viele gute und erfolgreiche Rollen!