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Samstag, 7. Oktober 2023

Never Say McClory Again

10 Punkte, in denen Sag niemals nie der EON-Reihe (weit) voraus war

Deutsches Presseheft zu 'Sag niemals nie'
Deutsches Presseheft zu 'Sag niemals nie'
Vor 40 Jahren startete NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie) in den Kinos. Machte der Film damals noch den Eindruck, ein in vielerlei Hinsicht andersartiger Bondfilm zu sein - für viele Fans zu anders -, sticht er heute gar nicht mehr allzu sehr aus dem Gesamt-Canon heraus. 

Vieles von der Art und Weise, wie die Produktion von Sag niemals nie die ihr gestellten Probleme löste, war dabei der Zeit zum Teil weit voraus. 

Hier möchte ich einmal auf die für mich zehn wichtigsten Aspekte eingehen. 



Donnerstag, 13. Oktober 2022

Jenseits des Eises

Vor zwanzig Jahren fieberten Fans in aller Welt dem neuen James-Bond-Film entgegen, diesmal der zwanzigste in vierzig Jahren. Ein großes Jubiläum, das viel versprach und auf das man gern auch ein Jahr länger gewartet hatte. Für viele Fans erwies sich der Film dann jedoch als Enttäuschung. 

Pistole in Eis
Nichtsdestotrotz machte die Vorfreude und auch das Marketing des Films enormen Spaß. Denn Stirb an einem anderen Tag war nicht nur der erste Bondfilm, bei dem ich Neuigkeiten zum Film fast ausschließlich über das Internet erfuhr, sondern diese auch mit anderen Fans dort in Foren diskutierte. In vielen dieser Foren - wie dem deutschen Bondforum oder dem von CommanerBond.net - ist diese früher so lebhafte Diskussion aber mittlerweile etwas eingefroren, zugunsten von Gruppen in 'sozialen Medien'.

Ein kleiner nostalgischer Rückblick auf diese erkalteten Lagerfeuer des Fandoms. 

Dienstag, 18. Januar 2022

Bestenliste 2.0

Nach dem Erscheinen des letzten Streifens Keine Zeit zu sterben auf DVD und Bluray ist es Zeit, alle Bondfilme in einer Bestenliste zu ordnen. Die letzte Liste dieser Art gab es hier im Juni 2020 nach Abschluss meines Bondmarathons




Samstag, 27. Juni 2020

Agentenrente

Ein Gedankenspiel: Mal angenommen, die Filme eines bestimmten Bonddarstellers bilden ein eigenes, abgeschlossenes Filmuniversum, in dem es keinen Bond davor und danach gab - wie hätte die Karriere des jeweiligen Darstellers nach dem Ende seiner Ära ausgesehen? Mit diesem Gedanken möchte ich mich hier mal beschäftigen.

Bei Sean Connery sah man erstmals, wie der Ruhestand eines Darstellers konkret aussieht. (Wenn man David Niven im Klaumaukfilm CASINO ROYALE von 1967 mal ausklammert.) In NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie,1983) hat er sich mit Domino (Kim Basinger) auf den Bahamas zur Ruhe gesetzt und genießt jeden Tag um 17 Uhr einen Martini im Pool.


Freitag, 22. Mai 2020

You Know My (Code-)Name

Ausweise in einer Ausstellung bei 'Bond in Motion' in London 
Von bestimmten Filmseiten wird immer wieder mal die Theorie ins Spiel gebracht, dass der Name 'James Bond' ähnlich wie die Dienstnummer 007 nur ein Code sei, der verschiedenen Agenten verliehen wurde. Damit könnte man vermeintlich eine Kontinuität in die über 50 Jahre alte Filmreihe bringen. Gegenargumente werden kunstvoll in erweiterte Theorien eingearbeitet, nach denen die Bond-Agenten selbst gar nicht wissen, dass sie nur ein Bond von vielen sind.

Obwohl auch die Produktionsfirma EON dieses Konzept nicht zu verfolgen scheint, geben die neueren Filme aber kurioserweise immer wieder Signale in diese Richtung - ob gewollt oder ungewollt. Vor allem die Ära Craig ist in gewisser Weise ein Zeitalter der großen Austauschbarkeit.


Samstag, 11. März 2017

Bond vs. King Kong

Mit KONG: SKULL ISLAND startet eine neue Verfilmung um die Figur King Kong in den Kinos, die schon im Jahr 1933 ihren ersten und bis heute beeindruckenden Auftritt hatte. Die diversen Verfilmungen des Stoffes spiegeln ihre Entstehungszeit jeweils sehr gut wider - vom Beginn der Tonfilm-Ära über die Katastrophenfilme der Siebziger als Vorläufer moderner Blockbuster, die Möglichkeiten moderner, digitaler Tricktechnik im neuen Jahrtausend bis hin zur Umarbeitung aller möglichen Stoffe zu Franchise-Vehikeln in der Gegenwart.

Und so gibt es natürlich auch einige bemerkenswerte Überschneidungen mit dem Bond-Universum, auf die hier aus Anlass des neuen Kong-Films näher eingegangen werden soll.





Von Skull Island nach Las Vegas

Was heute 'Cinematic Universes' sind, waren in den 1930er Jahren Monster. Sie garantierten Kasse, und jeder wollte ein paar davon sein Eigen nennen. Dracula, Frankensteins Monster, Wolfsmenschen, Mumien und Unsichtbare sowie deren Bräute und Söhne hielten die Welt in Atem, und machten Bela Lugosi und Boris Karloff zu Stars.

Anders als die anderen Monster - mit Ausnahme der Mumie - hatte KING KONG keine literarische Vorlage, sondern wurde direkt für die große Leinwand konzipiert. Die Geschichte hat trotzdem - oder gerade deshalb - etwas archetypisches und bis heute faszinierendes, und reflektiert in mehrfacher Hinsicht das Medium Kino an sich. Die manische Suche des Filmemachers nach immer größeren und beeindruckenderen Sensationen, deren hemmungslose Ausbeutung oder das Ritual der Eingeborenen, das das Monster besänftigen soll - Kino ist ja letztlich ebenfalls eine Art Ritual, das stellvertretend Ur-Ängste durchleben lässt und durch eine Katharsis besänftigen soll.

Der klassische Held in KING KONG war der US-Amerikaner Bruce Cabot. Die Rolle brachte ihm den Durchbruch und steht am Beginn seiner Karriere, mit Filmen wie Fritz Langs FURY, HATARI!, CAT BALLOU sowie zahlreiche Western an der Seite von John Wayne. Cabots Rollen wandelten sich langsam von Helden zu Schurken, und am Ende seiner Karriere stand schließlich sein finaler Auftritt als zwielichtiger Burt Saxby in DIAMONDS ARE FOREVER.

Saxby ist Blofelds rechte Hand im Film. Man sieht ihn zuerst in einem Casino in Las Vegas, als er mit Wint und Kidd spricht, und kurz darauf James Bond - verkörpert von Sean Connery - unbegrenzten Kredit beim Roulette einräumt. Später im Film wird er mit dem Oneliner "Tell him he's fired!" erschossen.

Kurz nach seiner Einführung sagt Plenty O'Toole: "You handle those cubes like a monkey handles coconuts". Später im Film sieht man einen Schausteller in einem Gorilla-Kostüm aus einem Käfig ausbrechen und Kinder erschrecken. Wenn man bedenkt, dass Regisseur Guy Hamilton und Autor Tom Mankiewicz einen feinen Sinn für groben Unfug hatten, könnte man diese Szenen durchaus als Anspielung auf Cabots berühmteste Rolle sehen.


iZeitlgeich zu KING KONG drehte Regisseur Ernest B. Schoedsack den Dschungel-Kulissen den Thriller THE MOST DANGEROUS GAME, in dem Fay Wray und andere auf der Insel eines Menschenjägers landen. Diese Geschichte lieferte die Inspiration für die Jagd auf Bond in OCTOPUSSY.


Mit THE SON OF KONG kam sensationelle sechs Monate später eine Fortsetzung in die Kinos, die zwar sowohl O'Brien als Trick-Techniker als auch Robert Armstrong als Carl Denham, Frank Reicher als Kapitän Englehorn und Noble Johnson als Eingeborenen-Häuptling gewinnen konnte, aber in Deutschland nie in die Kinos kam. Deutsche Uraufführung war erst 1993.

Armstrong und O'Brien sowie ein junger Ray Harryhausen wirkten 1949 auch an MIGHTY JOE YOUNG mit, der offiziell nichts mit King Kong zu tun hat, obwohl er in Deutschland unter dem Titel Panik um King Kong erschien.


Big in Japan

KING KONG war eine der Inspirationen für GODZILLA (ゴジラ, Gojira, 1954), und so dauerte es auch nicht lange, bis dieses ikonische Monster auf den Riesen-Gorilla traf. In KING KONG VS. GODZILLA (キングコング対ゴジラ Kingu Kongu Tai Gojira) begegnen sich diese beiden Urzeit-Monster, ebenso wie die beiden späteren Bondgirls Mie Hama und Akihiko Wakabayashi aus YOU ONLY LIVE TWICE (Man lebt nur zweimal, 1967). Mie Hama wandelt hier auf den Spuren von Fay Wray und ist Kongs 'love interest'.

Nach ihrem internationalen Erfolg mit James Bond spielte Mie Hama noch einmal in einer japanischen King-Kong-Verfilmung mit, KING KONG ESCAPES! (deutscher Titel: King Kong, Frankensteins Sohn, 1967), in der der Riesengorilla auf einen ziemlich lächerlich aussehenden Roboter trifft. Hama spielt hier eine schurkische Agentin namens Madame Pyranha.

Trotz zahlreicher Rollenangebote aus Hollywood zog sich Mie Hama aus dem Filmgeschäft zurück und lebt heute auf einer Farm im ländlichen Japan.


Kong '76

Mitte der 1970er Jahre produzierte Dino De Laurentiis ein Remake des 1933er Originals. Ursprünglich wollte man den Film ebenfalls in den Dreißigern ansiedeln, was sich allerdings als zu teuer erwies. Deshalb entwickelte man lieber eine Neu-Interpretation, die aus heutiger Sicht ein interessantes Zeit-Dokument ist. Vor allem das Finale auf und im World Trade Center hat einen nostalgischen und melancholichen Touch. 

Obwohl der Film teils zu Recht eher negative Besprechungen erhielt, gibt es aber auch viele positive Aspekte an dem Remake. 

Für Bondfans am interessantesten ist sicher die Filmmusik von John Barry. KING KONG ist einer von Barrys ersten Scores, die die eher majetätische, von Streichern getragene Musik in der späteren Phase seines Schaffens repräsentieren. Diese eher ruhigere Musik brachte ihm zwei seiner Oscars ein - für OUT OF AFRICA und DANCES WITH WOLVES - wurde aber auch oft kritisiert. So erhielt er für THE LEGEND OF THE LONE RANGER 1981 sogar eine goldene Himbeere, und einige seiner Arbeiten wurden abgelehnt und ersetzt. Für mich ehrlich gesagt unverständlich. Es gibt keinen schlechten Barry-Soundtrack, und auch KING KONG gewinnt durch seine Musik ungemein an Atmosphäre.


Ausstellung im Empire State Building
Durch das nautische und das leicht mythologische Element des Soundtracks kann man auch eine ungefähre Vorstellung davon entwickeln, wie ein Barry-Score für THE SPY WHO LOVED ME ein Jahr später geklungen hätte. 1982 lieferte John Barry einen weiteren, wunderbaren Soundtrack für einen Film mit Jessica Lange ab - FRANCES - der ihr schauspielerisches Potential mehr ausschöpfte.

Ein weiterer Bondbezug ergibt sich durch Drehbuch-Autor Lorenzo Semple junior, der sieben Jahre später das Buch für NEVER SAY NEVER AGAIN schrieb. Ein Meisterwerk, das ihn unbedingt für Bond empfiehlt, ist seine Kong-Version nicht gerade. Dwan ist als Rolle ziemlich eindimensional, und in ihrer Unbedarftheit und Freizügigkeit auch leicht sexistisch. Dass dafür Britt Ekland aus THE MAN WITH THE GOLDEN GUN im Gespräch war, verwundert daher nicht wirklich. Immerhin haben KING KONG und NEVER SAY NEVER AGAIN gemeinsam, dass sie einer sehr attraktiven Blondine zu Weltruhm verhalfen - Jessica Lange und Kim Basinger.

Überhaupt ist in Semples KING KONG vieles eine Nummer profaner und dreckiger. Aus dem schüchternen, arbeitssuchenden Mädchen wird hier eine naive Pornodarstellerin (was zumindest angedeutet wird), aus dem heroischen Matrosen ein dem Alkohol zugetaner Hippie und aus dem visionären Filmemacher ein schäbiger Öl-Magnat. Und Kong wird nicht mehr am Time Square ausgestellt, sondern auf irgendeinem Freigelände in einer riesigen Tanksäule.

Aber das Script hat auch einige sehr schöne Ideen. Etwa, dass Skull Island ständig von einer Wolkenformation verhüllt ist, die durch den Atem riesiger Tiere entsteht. (Was mich als Kind ziemlich fasziniert hat, und auch in SKULL ISLAND verwendet wird.) Trotz ihrer Naivität bekommt Dwan durch ihre angedeutete Wehrhaftigkeit ("Du blöder Affe!"), ihre Sympathie und ihren Einsatz für Kong am Ende auch eine aktive Seite, wo Fay Wray nur Objekt und 'Scream-Queen' war. Das erinnert zum Teil schon an Peter Jacksons Version von 2005.

Und schließlich gibt es im 1976er KING KONG auch einen Auftritt von 'Mr. Tee Hee' Julius W. Harris aus LIVE AND LET DIE

1986 entstand eine Fortsetzung dieses Films mit dem Titel KING KONG LIVES und Linda Hamilton in der weiblichen Hauptrolle, der Kritiker und Fans jedoch noch weniger überzeugen konnte.


Beauty killed the Beast

2005 entstand schließlich mit Peter Jacksons KING KONG eine Neuverfilmung, die dem Original am ehesten das Wasser reichen kann und eine enorme Liebe zum Detail aufweist - wenn sie auch keine nennenswerten Bondbezüge hat.

Interessant sind die Veränderungen in den verschiedenen Geschlechterrollen und der Handlung im Verlauf von über 80 Jahren: Die weibliche Hauptrolle vom anfänglich buchstäblichen Opfer hin zur aktiv handelnden und selbstbewussten Frau; und der Held, der sich vom zwar auch eher simpel gestrickten, aber trotzdem zupackenden und mutigen Seemann zum langhaarigen Umweltschützer und schließlich zum intellektuellen Schriftsteller wandelt. 


Der visionäre Filmemacher Denham ist im Original ebenfalls ein heroischer Charakter, der auch am Schluß noch bewundert wird und den klassischen Schluss-Satz liefert. In ihm spiegeln sich die beiden Macher Merian C. Cooper und Ernest Schoedsack, die wie Denham Afrika bereisten und Dokumentarfilme mit Spielfilm-Elementen drehten. Sie haben im Original einen Kurzauftritt als Piloten, die auf Kong schießen. Dieser Charakter wandelte sich zum gierigen Kapitalisten ohne besondere Visionen im 1976er Film, der zur Strafe von Kong getötet wird. Was sicher der Nixon-Ära geschuldet ist. In der 2005er Version hat er schließlich komödiantische und schlitzohrige Elemente, die seine Skrupellosigkeit zwar abmildern, ihn aber auch nicht mehr als Macher und Erfolgsmenschen kennzeichnen.

King Kong wurde dagegen nicht nur rein optisch älter und abgekämpfter, sondern auch emotionaler und realistischer. Es wird interessant werden, wie sich KONG: SKULL ISLAND in diese Entwicklung einfügt.

Montag, 14. September 2015

Brücke mit Aussicht

A Vertigo View To A Voyage Home
Den 13. Bondfilm A VIEW TO A KILL, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, trifft oft der Vorwurf, die Bondformel nur unbefriedigend variiert und Versatzstücke aus früheren Bondfilmen und anderen Werken der Filmgeschichte benutzt zu haben. Die Idee eines Action-Finales auf der Golden-Gate-Bridge war dagegen - ähnlich wie das Rücken-an-Rücken-Plakatmotiv - eine Idee, die seither oft kopiert wurde. Mittlerweile ist die vielleicht berühmteste Brücke in jedem zweiten Sommer-Blockbuster zu sehen, wie in diesem Jahr TERMINATOR: GENISYS, SAN ANDREAS, PIXELS oder ANT-MAN.


Sonntag, 22. März 2015

'They Can Stimulate and Tease Me' - Die Bond-Teaser-Poster

US Advance Poster von THE LIVING DAYLIGHTS
Nach der Veröffentlichung des Teaser-Posters für SPECTRE am Dienstag - das wie immer gewisse Wiedererkennungswerte und große Vorfreude unter Fans auslöste - möchte ich an dieser Stelle mal auf die spannendsten Vorankündigungsplakate aus über 50 Jahren Bondgeschichte zurückblicken.





Montag, 29. Dezember 2014

Das finale Feuerwerk

SKYFALL - Explodierende Skyfall Lodge
Nachhaltige Vergangenheitsbewältigung in SKYFALL
Eines der ungeschriebenen Gesetze im Bonduniversum sieht vor, dass gegen Ende des Films massiv Pyrotechnik zum Einsatz kommt. Irgendwie setzt immer irgendwer irdendetwas in Brand. Fast immer. In 24 Filmen ist diese Genre-Regel wie alle anderen zu einem Klischee geworden, und das Spielen mit diesem Klischee zeigt die Kreativität der Drehbuchautoren. Und manchmal leider auch deren Mangel.




Eine gewisse Ironie birgt dabei der Umstand, dass durch das große Feuerwerk am Ende oft ein noch viel größeres, meist atomares Feuerwerk verhindert wird. Im ersten Bondfilm DR. NO schaffte man diese klare Trennung noch nicht ganz, denn bei bei genauerer Betrachtung verursacht Bond durch den GAU von Dr. Nos Atomreaktor die Verseuchung eines Großteils der Karibik.

Meist schließt der Plan des Schurken die Verwendung von leicht brennbaren und explosiven Stoffen mit ein. So hat Max Zorin in A VIEW TO A KILL ein paar Stangen des für seinen Plan erforderlichen Dynamits auch an Bord seines Luftschiffs, so dass es auch ohne dem seit dem Hindenburg-Unglück verbotenen Wasserstoff als Traggas explodieren kann. Blofeld hat praktischerweise ein Faible für grundsätzlich explosible Orte, wie Vulkane und Ölbohrstationen. Und Franz Sanchez benutzt ausgerechnet Benzin zum Drogenschmuggel.

In einer Vielzahl der Filme ergibt sich die finale Destruktionsorgie einfach aus einer militärischen Großinitiative zur Vereitlung des antagonistischen Plans oder zur Zerstörung des Schurken-Verstecks. Dazu zählen GOLDFINGER, THUNDERBALL, ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, DIAMONDS ARE FOREVER, THE SPY WHO LOVED ME, MOONRAKER, NEVER SAY NEVER AGAIN, THE LIVING DAYLIGHTS und TOMORROW NEVER DIES.

Eine Variation des Feuerwerks ist die Verwendung von Wasser als zerstörendem Element, vorzugsweise in leckgeschlagenen und untergehenden Räumlichkeiten, wie etwa THE SPY WHO LOVED ME, THE WORLD IS NOT ENOUGH oder CASINO ROYALE.

Blofeld bringt seinen Vulkan in YOU ONLY LIVE TWICE durch gezielte Sprengungen gleich selbst zum ausbrechen. Kanangas Versteck wird in LIVE AND LET DIE überhaupt nicht zerstört, was als Ausnahme von der Regel auch sehr gut funktioniert.

Ice Bucket Challenge für Fortgeschrittene:
THE MAN WITH THE GOLDEN GUN
In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN gibt es weder angreifende noch verteidigende Armeen, nur einen einzigen Techniker. Dass das Ausschalten dieses Gegners auch gleich das obligatorische Feuerwerk auslöst ist eine geniale Idee in diesem recht unterschätzten Bondfilm. Das für die Solex-Anlage irgendwie notwendige flüssige Helium dehnt sich explosionsartig aus, sobald es mit warmen Körpern konfrontiert wird. (Scaramanga macht dafür Fehler Nr. 87 auf der Evil-Overlord-Liste, indem er die entsprechenden Bottiche nicht idiotensicher abdeckt: My vats of hazardous chemicals will be covered when not in use. Also, I will not construct walkways above them.)

Im bereits erwähnten LICENCE TO KILL ist der entscheidende Zündfunke ebenfalls sehr schön umgesetzt. Ein Techniker demonstriert die Brennbarkeit des Benzins und damit die mögliche Beseitigung der Beweise für den Drogenschmuggel, was Bond wiederum nutzt, um sich der Aufmerksamkeit des Handlangers Dario zu entziehen.

In GOLDENEYE stellt sich die grundsätzliche Frage, wie die Steueranlage einer Radarschüssel, die zudem durch dutzende Hektoliter Wasser versteckt wird, explodieren kann. Für den Betrieb sind scheinbar Tonnen von Treibstoff notwendig, die Bond mit Zündern versieht. Die Zündung an sich spielt dann sehr schön mit den Erwartungen. Trevelyan deaktiviert den Zünder, indem er Bond alle Gadgets abnimmt. Der fahrlässige Umgang mit einem dieser Gadgets löst sie dann unbeabsichtigt doch wieder aus.

In DIE ANOTHER DAY nutzt man für die Zerstörung des Eispalastes sowie der Antonov die Weltraumwaffe des Schurken. Innerhalb der Reihe durchaus innovativ und ökonomisch.

Der Untergang eines Hauses in Venedig in CASINO ROYALE ist eine sehr kreative und wirkungsvolle Variation der finalen Zerstörung. Das genaue Gegenteil findet sich im Nachfolger QUANTUM OF SOLACE. Wie könnte hier ein Hotel mitten in einer Wüste zerstört werden? Ein Untergehen in einem Sandsturm wäre vielleicht eine neue Idee gewesen. Stattdessen wird dem Zuschauer auf wenig elegante Art vermittelt, dass das Hotel über Brennstoffzellen mit Energie versorgt wird. Man hört die Anlage anspringen, der Polizeichef erklärt die Tatsache, und Medrano fügt noch hinzu: "Klingt sehr instabil." Unauffälliges 'information dropping' sieht anders aus. (Im Theater gab es früher ähnliche Dialoge zwischen Butler und Dienstmädchen, deren alleiniger Zweck war, dem Zuschauer handlungswichtige Details mitzuteilen.)

Die Brennstoffzellen erweisen sich dann auch als dermaßen instabil, dass es bereits genügt, mit einem Auto aus Versehen dran zu fahren - und schon ist das gesamte Hotel in Flammen. Für mich der bisher am unbefriedigendsten umgesetzte Auslöser für das finale Feuerwerk. Die Kreativität eines Films zeigt sich eben auch (oder vor allem?) in solch kleinen Details. (Dafür berücksichtigt Greene allerdings clevererweise Nr. 10 der Liste: "I will not interrogate my enemies in the inner sanctum -- a small hotel well outside my borders will work just as well.")

Der dritte Craig-Bond SKYFALL erweist sich in dem Punkt als solide. Wenn man in einem Bondfilm einen Hubschrauber sieht, kann man relativ sicher sein, dass er kurz darauf in einem Feuerball enden wird. So setzt auch hier ein Helikopter die Skyfall Lodge wirkungsvoll in Brand. Und selten sah das Feuerwerk auch so schön aus wie hier.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Bonds Alp-Traum

45 Jahre OHMSS: Die Faszination des Einmaligen in der Welt des Seriellen

Der sechste Bondfilm ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE hat sich seit seiner Entstehung vom skurrilen und vermeintlich enttäuschenden Ausrutscher zum Liebling vieler Fans gemausert. Selbst Top-Regisseure wie Steven Soderbergh oder Christopher Nolan erklärten öffentlich ihre Leidenschaft für diesen Film. Soderbergh sagte: "For me there's no question that cinematically is the best Bond film and the only one worth watching for reasons other than pure entertainment. Shot to shot, this movie is beautiful in a way none of the other Bond films are." (Siehe Soderberghs Blog Extension 765) Für Nolan war der Film eine der Inspirationen für INCEPTION: "Especially 'On Her Majesty’s Secret Service', which is a wonderful balance of action and romanticism. I guess this is my 007 film." (Siehe hier) Wenn ich sonst auch wohl nicht viel mit diesen beiden Männern gemein habe, so doch wenigstens den Lieblings-Bond. Aber was ist eigentlich so toll an diesem Film?

Über Bonds Liebe, Fan-Liebe und gewisse Parallelen zu Hitchcocks VERTIGO:


Donnerstag, 13. November 2014

JAMES BOND FÜR BESSERWISSER zu gewinnen!

Danny Morgenstern: James Bond für Besserwisser (Cover)Das neue Buch von Danny Morgenstern James Bond für Besserwisser ist geballtes Bondwissen. Es bietet eine Fülle an Fakten und Hintergründen zu dem dauerhaft erfolgreichen Agenten-Franchise, die selbst langjährige Bond-Enthusiasten zu Noch-Besserwissern macht. Für Fans ist es ein absolutes Must-have, für Freunde und Verwandte von Fans das ideale Geschenk.

Bond & Beyond verlost ein Exemplar des 732 Seiten starken Kompendiums! Beantworten Sie bis zum 17. November folgende Frage: "Wie heißt der neue, von Ralph Fiennes dargestellte M.?" Antworten bitte an gewinnspiel@bondandbeyond.de. Viel Glück!

Sonntag, 20. Juli 2014

Die wundersame Welt des Howard Hughes

Howard Hughes, Diamonds Are Forever, The Gemstone Files
Howard Hughes, 1940
(Library of Congress)
Albert R. Broccoli kam die Grundidee für den Plot des siebten Bondfilms DIAMONDS ARE FOREVER (1971) nach eigenen Angaben buchstäblich im Traum. Dort begegnete er einem Hochstapler im Penthouse von Howard Hughes. Doch so skurril war der Gedanke offenbar nicht, denn wenige Jahre später wurde ein Buch veröffentlicht, das als The Gemstone File bekannt wurde. Darin wird behauptet, dass Hughes tatsächlich entführt wurde, um sein Imperium zu übernehmen. Interessanterweise geht es in dem Papier auch um Edelsteine. Aber auch im 2002er DIE ANOTHER DAY spiegeln sich einige Facetten des legendären Piloten und Filmemachers.




Donnerstag, 12. Juni 2014

Diesmal ist es persönlich - und ab jetzt für immer!

Der erste post-klassische Bondfilm LICENCE TO KILL wird ein Viertel-Jahrhundert

Ausschnitt aus dem US One
Sheet Studio (MGM/Danjaq 1989)
Wenige Bondfilme sind bei Fans und Kritikern so umstritten wie Timothy Daltons Zweiter. War Daltons Debüt THE LIVING DAYLIGHTS noch ein in jeder Beziehung klassisches 007-Abenteuer - inklusive Verfolgungsjagd im aufgerüsteten Aston Martin - betrat Daltons zweiter Bondfilm in vielen Aspekten Neuland. LICENCE TO KILL sollte der Reihe frisches Blut injizieren, doch für viele war es etwas zuviel Blut.





Dienstag, 25. Februar 2014

Unser Mann in Pullach

Von James Bond gibt es eine interessante Querverbindung zu Karl May: Im Roman Man lebt nur zweimal benutzt Blofeld den Namen Shatterhand zur Tarnung. Ian Fleming wurde dazu durch ein deutsches Lokal names Old Shatterhand inspiriert, benannt nach dem Helden aus der Feder Karl Mays. Aber die Verbindung funktioniert auch in die andere Richtung: Der Darsteller des Old Shatterhand in den entsprechenden Verfilmungen, Lex Barker, verkörperte in einer der zahlreichen Eurospy-Produktionen 1967 eine Art deutschen James Bond. Der Film mit dem Titel MISTER DYNAMIT - MORGEN KÜSST EUCH DER TOD sollte in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesnachrichtendienst entstehen und das Image dieses nicht gerade schillernden Geheimdienstes aufbessern, wie jetzt eine Studie zur Geschichte des BND schildert.



Die Figur des Mister Dynamit genannten BND-Agenten Bob Urban wurde von Karl-Heinz Günther erdacht. Ein Agent des eher bieder wirkenden Bundesnachrichtendienstes ist selbst unter der Schwemme der Bondkopien ein Unikat. Der Autor sah es so: "Der Hauptmarkt für solche Bücher ist Europa. Nimm einen BND-Agenten, sagte ich mir. (. . .) Über die armen Kerle in Pullach schreibt kein Schwein." (Quelle: Sueddeutsche) Günther war bereits erfolgreich mit einer Romanreihe um "Kommissar X" im Geschäft, der als Konkurrenz zu Jerry Cotton gedacht war und ebenfalls im Zuge der Eurospy-Welle mehrmals für die Leinwand adaptiert wurde.

Das Drehbuch für MISTER DYNAMIT folgt dem Schema des Bondfilms THUNDERBALL. Eine Nuklearwaffe wird entwendet und der Westen erpresst. Robert 'Bob' Urban, der beste Mann des BND, wird mit der Ermittlung beauftragt. Gedreht wurde in München und Spanien. Eddi Arent verkörperte als Pendant zu Q den Waffenmeister des BND.

Die Studie von Bodo Hechelhammer zeigt, dass BND-Chef Reinhard Gehlen sich von dem Filmprojekt ähnliche Synergie-Effekte erhoffte wie die, die dem britischen MI6 noch heute trotz TEMPORA und Co nicht viel anhaben können. So einfach war es in Deutschland nicht. Obwohl viele der Eurospy-Filme zu internationalen Erfolgen wurden, klappte es im Fall von MISTER DYNAMIT leider nicht. 

Laut der Studie gab Produzent Theo Maria Werner an, dass die CIA seinem Film bereits Hilfe zugewiesen habe. Die Geheimdienste gegeneinander auszuspielen war dann doch eher das Spezialgebiet der Bondschurken. Der BND fragte beim CIA nach und erfuhr, dass es gar keine Hilfe gab. Damit platzte auch die Zusammenarbeit. Die zugesagten Drehgenehmigungen unter anderem für den Eingangsbereich des Nachrichtendienstes wurden zurückgezogen.

Ob der Flop des Filmes an der gescheiterten Zusammenarbeit mit dem BND lag, ist spekulativ. Zumindest blieb der Image-Gewinn für die Pullacher aus. Nichtsdestotrotz ein interessantes Kapitel aus der Zeit der Bonditis und der heißen Phase des Kalten Krieges.

Eine DVD des Films ist in Vorbereitung.

Montag, 27. Januar 2014

Hommage an eine vergangene Kunst

Der Blog Matte Shot widmet sich einem durch computergenerierte Effekte verdrängten Filmtrick - Matte Paintings. Speziell angestellte Künstler fertigten Gemälde von Hintergründen und anderen Ebenen an, die sich perfekt mit der live gedrehten Szenerie zusammengefügten. James Cameron gehörte beispielsweise zu ihnen. In Bondfilmen waren Matte Paintings meist unscheinbar, aber wirkungsvoll, wie etwa in FROM RUSSIA WITH LOVE, DIAMONDS ARE FOREVER (auch hier) oder THE SPY WHO LOVED ME. Hier mehrere Matte shots aus ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE.

Samstag, 25. Januar 2014

Hugo Drax und die London Bridge

london bridge
Im James-Bond-Film MOONRAKER von 1979 kaufte der Milliardär Hugo Drax ein französisches Schloss, ließ es Stein für Stein abtragen und mitten in der kalifornischen Mojave-Wüste wieder aufbauen - Im Film tricktechnisch durch ein Matte Painting gelöst. Es wird erwähnt, dass Drax auch den Eiffelturm kaufte, aber die französische Regierung die Ausfuhrgenehmigung verweigerte. 1968 kaufte tatsächlich ein amerikanischer Millionär ein Londoner Wahrzeichen, ließ es Stein für Stein abtragen und mitten in der Mojave-Wüste wieder aufbauen - die London Bridge!



Dabei handelt es sich jedoch nicht um die berühmte Tower Bridge im Londoner Zentrum, auch wenn es Gerüchte gab, dass US-Millionär Robert McCulloch glaubte, eben jene zu erwerben. McCullochs Großvater hatte ein Vermögen mit dem Bau von Edisons Elektrizitätswerken gemacht. Robert machte sich seinerzeit einen Namen mit Kettensägen, erwarb 1963 ein Stück Wüste und gründete darauf die Stadt Lake Havasu City. Um diese Stadt attraktiver zu machen, kaufte er die London Bridge.

Die im 13. Jahrhundert errichtete alte London Bridge war ein imposantes Bauwerk mit bis zu siebenstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern darauf. Ende des 18. Jahrhunderts musste sie jedoch dem Verkehr des Industriezeitalters angepasst werden. 30 Meter weiter entstand die neue London Bridge aus Dartmoor-Granit. Das erste Schiff, das sie passierte, war die HMS Beagle, Darwins berühmtes Expeditionsschiff. Doch sie war zu schwer und drohte zu versinken. Anstatt sie einfach abzureißen, entschlossen sich die Stadträte, sie zu versteigern.

Der Kettensägen-Tycoon kaufte sie für rund 2,5 Millionen US-Dollar. Ihre Steine wurden nummeriert und nach Arizona verschifft, wo sie eine Brücke am Stausee Lake Havasu verzierten. Die Einweihung war 1971. Noch heute wehen dort britische Flaggen.

Nummerierter Stein an der London
Bridge in Arizona
Der Gag mit dem Eiffelturm in MOONRAKER ist auch eine augenzwinkernde Anspielung auf einen der berühmtesten Trickbetrugsfälle der Geschichte. Der Hochstapler Victor Lustig, der als Graf Lustig sogar Al Capone reinlegte, gab sich 1925 als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums aus und organisierte eine Versteigerung des Eiffelturms. Lustig gelang es tatsächlich, 50.000 Dollar von einem Schrotthändler zu bekommen und tauchte daraufhin unter. Als der Händler den Betrug bemerkte, war es ihm zu peinlich, um Lustig anzuzeigen.

Montag, 11. November 2013

Steven Soderbergh über seinen Lieblingsbondfilm

Über slashfilm bin ich auf Steven Soderberghs Seite Extension 765 aufmerksam geworden, auf der der Regisseur (OUT OF SIGHT, OCEAN'S ELEVEN und zuletzt BEHIND THE CANDELABRA mit Michael Douglas) zu seinem Lieblings-Bondfilm Stellung nimmt. Welcher das ist, ist keine große Überraschung, da auch zahlreiche andere Regisseure wie beispielsweise Christopher Nolan dieses Werk schätzen. Es ist auch mein Lieblingsbond, und wurde von CASINO ROYALE nicht vom Spitzenplatz verdrängt. Soderbergh geht in dem lesenswerten Artikel auf die Stärken aber auch einige Schwächen ein:



For me there’s no question that cinematically ON HER MAJESTY’S SECRET SERVICE is the best Bond film and the only one worth watching repeatedly for reasons other than pure entertainment (certainly it’s the only Bond film I look at and think: I’m stealing that shit). Shot to shot, this movie is beautiful in a way none of the other Bond films are—the anamorphic compositions are relentlessly arresting—and the editing patterns of the action sequences are totally bananas; it’s like Peter Hunt (who cut the first five Bond films) took all the ideas of the French new wave and blended them with Eisenstein in a Cuisinart to create a grammar that still tops today’s how fast can you cut aesthetic, because the difference here is that each of the shots—no matter how short—are real shots, not just additional coverage from the hosing-it-down school of action, so there is a unification of the aesthetic of the first unit and the second unit that doesn’t exist in any other Bond film. And, speaking of action, there are as many big set pieces in OHMSS as any Bond film ever made, and if that weren’t enough, there’s a great score by John Barry, some really striking sound work, and what can you say about Diana Rigg that doesn’t start with the word WOW?

Ich kann eigentlich in allen genannten Aspekten uneingeschränkt zustimmen.

Freitag, 1. November 2013

Ein Teleskop wird 50

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Das Radioteleskop in Arecibo, Puerto Rico, ist eines der absoluten Highlights unter den Drehorten im 1995er Bond-Revival GOLDENEYE. Als wissenschaftlich interessierter Jugendlicher und eifriger P.M.-Magazin-Leser kannte ich diesen Hort astronomischer Forschung bereits, und war dann um so begeisterter, als er zum Schauplatz des siebzehnten Bondabenteuers auserkoren wurde. Auch heute noch ist das für mich eine der interessantesten Bondlocations überhaupt, und ein Musterbeispiel für die Einbindung realer Örtlichkeiten in ein phantastisches Szenario, samt entsprechender Trickaufnahmen. In diesen Tagen feiert das Observatorium, das immer noch eine zentrale Rolle in der Erforschung des Universums einnimmt, sein halb-hundertjähriges Bestehen. Die Geschichte eines Ortes, an dem sich nüchtern-akribische Faktensuche und visionär-vorauseilende Phantasie stets gegenseitig beflügelten:



courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Die Anlage basiert auf einer Idee von Professor William E. Gordon und war ursprünglich für die Erforschung der Ionosphäre konzipiert. Im Sommer 1960 begannen die Bauarbeiten, drei Jahre später ging das Arecibo Ionospheric Observatory (AIC) unter Gordons Leitung in Betrieb. Offizielle Einweihungsfeier war am 1. November 1963. Die Gegend auf Puerto Rico bot sich für die Anlage an, da sie zum einen nahe des Äquators liegt und die großflächigen Vertiefungen im Kalkstein sich für den 305-Meter-Radarreflektor anboten.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Im Oktober 1969 übernahm die National Science Foundation die Einrichtung vom Verteidigungsministerium und machte daraus das National Astronomy and Ionosphere Center NAIC. 1974 installierte man eine verbesserte Reflektorschicht zusammen mit einem Hochfrequenz-Radartransmitter. 1997 erfolgte dann der bisher letzte Anbau: Ein Schirm schützt das Perimeter nun vor Erdstrahlung, und in einem sogenannten Gregorianischen Dom befinden sich ein sekundärer und tertiärer Reflektor. Dieser Dom hat das aus GOLDENEYE allgemein bekannte Aussehen der Antenne noch einmal stark verändert.

Heute arbeiten dort rund 140 Personen, davon 16 Wissenschaftler. Seit 2006 steht die Weiterexistenz des Radioteleskops wegen Budgetkürzungen auf der Kippe (siehe hier). Da die Einrichtung auch eine große Rolle bei der Entdeckung von Asteroiden spielt, die der Erde zu nahe kommen könnten, kann man auf einen Weiterbetrieb nur hoffen.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Die futuristisch wirkende Konstruktion hat seit ihrer Erbauung immer wieder die Phantasie von Filmemachern beflügelt, nicht zuletzt durch ihre Beteiligung an der Suche nach außerirdischer Intelligenz, SETI. Da der Reflektor auch als Sender benutzt werden kann, wurde hier am 16. November 1974 die sogenannte Arecibo-Botschaft in die Weltenräume gesendet. Sie enthält Informationen über Mathematik, die Struktur der menschlichen DNS, der Erde und die Sendeanlage selbst.

Einen seiner ersten Filmauftritte hatte das Arecibo-Teleskop interessanterweise in einer deutschen Produktion. Der visionäre Autor und Regisseur Rainer Erler, der in diesem Jahr weitgehend unbemerkt 70 wurde, drehte 1970 den Film DIE DELEGATION. Jahrzehnte vor BLAIR WITCH PROJECT und Co. nutzte er die Form von vorgeblich echten Filmaufnahmen verschollener Personen. Der Film dreht sich um einen Fernsehjournalisten, der der Suche nach außerirdischer Existenz nachgeht, echte Beweise findet und nach Distanzierung des Senders auf eigene Faust weiterrecherchiert. Die im Stil eines Dokumentarfilms gehaltene Produktion löste bei ihrer Fernsehausstrahlung dann tatsächlich eine Welle erschrockener Zuschaueranrufe beim Sender aus.

courtesy of the NAIC - Arecibo Observatory, a facility of the NSF
Seinen ganz großen Auftritt hatte das Teleskop dann natürlich 1995 in GOLDENEYE. Die filmische Nutzung der Anlage zur geheimen Satellitensteuerung erscheint angesichts seiner Geschichte - ursprünglich betrieben vom Verteidigungsministerium in den Sechzigern - und seiner technischen Möglichkeiten durchaus glaubwürdig. Abgesehen natürlich von dem unnatürlich schnellen Wasserabpumpen. Zudem befinden sich die Steueranlagen nicht unter dem Reflektor, sondern in Gebäuden daneben, die im Film geschickt ausgeblendet wurden.

1997 war es auch ein Schauplatz in Robert Zemeckis' CONTACT. Der Film basiert auf dem Roman von Carl Sagan, der die Arecibo-Botschaft seinerzeit testete. Die Botschaft spielt auch eine zentrale Rolle im Science-Fiction-Horrorfilm SPECIES von 1995. Dort haben ebenfalls Aliens die Signale empfangen, zeigen jedoch im Gegensatz zu CONTACT nicht ganz so wohlwollende Absichten.

Freitag, 16. August 2013

Der weltbekannte Geheimagent

Oft wird festgestellt, dass James Bond insofern ein Paradoxon sei, dass er auf der einen Seite ein Geheimagent ist, für den eine gewisse Anonymität lebenswichtig ist, er aber auf der anderen Seite offenbar von jedermann und überall erkannt wird. So sagt Roger Moore des öfteren in Interviews: "Well, I mean, this is a man who is supposed to be a spy. And yet he turns up in bars and hotels around the world, and everyone says, 'Ah, Mr Bond, we've been expecting you.'" [...] "Everybody knows who he is and what he wants to drink."* Auch im "Honest Trailer" von SKYFALL wird der Punkt angesprochen. Aber ist dem wirklich so? Ist Bond als Geheimagent tatsächlich bekannt wie ein bunter Hund?



Im ersten James-Bond-Film DOCTOR NO ist Bond bei der Gegenseite noch unbekannt, insofern ist der Film in diesem Punkt realistisch. Er wird auch von niemandem erkannt, mit Ausnahme vielleicht von Felix Leiter, seinem CIA-Kollegen. Im Nachfolger FROM RUSSIA WITH LOVE ist Bond dagegen aufgrund seiner Aktivitäten gegen Dr. No bei S.P.E.C.T.R.E. schon bestens bekannt, und man setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu beseitigen, was innerhalb der Filmwelt realistisch ist.

Im Kampf gegen GOLDFINGER startet Bond dann wieder bei null, und muss Goldfinger mit Namen vorgestellt werden. Hier erkennt ihn außer seinem Freund Felix niemand auf Anhieb. In THUNDERBALL hat Bond dann wieder mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun, denen er natürlich mittlerweile ein Begriff ist. So ist es auch nicht unrealistisch, dass Badgirl Fiona Volpe sich über Bonds umwerfende Wirkung auf Frauen auslässt. Nachdem er drei von S.P.E.C.T.R.E.s groß angelegten Verbrechen vereitelte, wird am Anfang von YOU ONLY LIVE TWICE Bonds Tod vorgetäuscht, um wieder unerkannt operieren zu können. Trotzdem hätten ihn Helga Brandt un Mr Osato erkennen können. Hier haben wir sogar den umgekehrten Fall, dass der Gegner Bond eigentlich kennen sollte, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Dasselbe in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Nachdem sich Bond und Blofeld im vorigen Film Auge in Auge gegenüberstanden, müsste Blofeld ihn hier eigentlich erkennen, tut es jedoch nicht. Auch hier haben wir eher den entgegengesetzten Fall des eingangs genannten Klischees.

In DIAMONDS ARE FOREVER gibt es dann eine von sehr wenigen Szenen, die das Klischee vermutlich begründet haben. Ein wieder wie Sean Connery aussehender Bond tauscht mit dem Diamantenschmuggler Peter Franks die Identität. Nachdem Franks jedoch aus dem Gewahrsam entkommen konnte, kommt es zum Kampf zwischen beiden vor der Wohnung des Schmugglergirls Tiffany Case. Bond steckt unauffällig seine Playboy-Mitgliedskarte in die Tasche des toten Franks. Tiffany findet sie und ruft: "Sie haben James Bond umgebracht!" Mal ganz abgesehen davon, dass das ein ironischer Gag in einem sehr ironischen Film ist, ist auch Tiffany Teil einer S.P.E.C.T.R.E.-Operation, und es könnte gut sein, dass Bond bereits in diversen Unterweltkreisen bekannt ist.

Von LIVE AND LET DIE an hat James Bond nun wieder mit Gangstern zu tun, mit denen er zuvor noch nie aneinandergeraten war, und die seinen Namen meistens zum ersten Mal hören. Mit Ausnahme von Beißer, der Bond allerdings eh nie formal begrüßt, Alec Trevelyan und General Ourumov in GOLDENEYE sowie Colonel Moon aka Gustav Graves in DIE ANOTHER DAY. In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN kennen ebenfalls die meisten handelnden Personen Bond bereits, wobei Scaramanga und der Waffenhersteller Lazar sich berufsbedingt sehr gut im Bereich der Profi-Scharfschützen und Killer auskennen. Christopher Lee hat die Rolle zudem als ehemaligen Abwehr-Offizier angelegt.

Dass Bond beim KGB bestens bekannt ist, inklusive Details wie Trinkgewohnheiten, dürfte auch nicht verwundern. So kennt Major Anya Amasova Bonds Lieblingsdrink in THE SPY WHO LOVED ME (er allerdings auch ihren). Auch Georgi Koskov kennt Bond als besten Scharfschützen des MI6 in THE LIVING DAYLIGHTS, ebenso Valentin Zukovski in GOLDENEYE. Der letzte Gegenspieler, der bereits das meiste über Bond zu wissen scheint, ist Raoul Silva in SKYFALL, was aber durch dessen Identität als ehemaliger Agent und Hacker plausibel ist.

Und dann gibt es natürlich noch diverse Rezeptionisten oder Kellner in Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt. Beispielsweise in Wien in THE LIVING DAYLIGHTS oder in Hongkong in DIE ANOTHER DAY. In letzterem wird Bond sogar mit Vollbart und im Pyjama erkannt. Aber die wenigsten von ihnen wissen wohl, dass Bond ein Geheimagent ist. James Bond ist auch nicht gerade ein seltener Name. Wer es wirklich auf Bond abgesehen hat, wird wohl eher nicht auf die Hilfe eines Concierge angewiesen sein.

Unter dem Strich bleibt nur die Szene mit Tiffany Case in DIAMONDS ARE FOREVER, in der Bond bekannter zu sein scheint, als es sein Beruf eigentlich zulassen sollte. Zum größten Teil stimmt das Klischee also nicht.

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* Siehe beispielsweise hier

Dienstag, 30. Juli 2013

Skyfall & The Living Daylights

Zur Zeit lese ich The Making of The Living Daylights von Charles Helfenstein, ein phantastisches Buch über einen phantastischen Bondfilm. Hochinteressant ist vor allem die frühe Planungsphase des Jubiläumsfilms, die im Herbst 1985 begann. Der langjährige Bonddrehbuchautor Richard Maibaum schrieb zusammen mit Michael G. Wilson eine Origin-Story, die schildert wie Bond zum Doppelnull-Agenten wurde. (Und das mehr als ein Jahrzehnt vor der Prequelmanie in Hollywood, und sogar noch vor einem jugendlichen Indiana Jones!) Doch Cubby Broccoli war dagegen und meinte, das Publikum wollte Bond als Profi sehen, nicht als Amateur. Maibaum und Wilson waren ihrer Zeit über 20 Jahre voraus. Erst lange nach Cubbys Tod wagten die Produzenten, Bonds Anfänge als Agenten zu zeigen. Aber auch SKYFALL hat einige erstaunliche Parallelen zu dem ersten Treatment von THE LIVING DAYLIGHTS.