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Montag, 18. Dezember 2017

Was von Fleming übrigbleibt

Der jüngste Bondfilm SPECTRE war in gewisser Weise ein Novum. Ähnlich wie FOR YOUR EYES ONLY, der erste Filmtitel nach einer Kurzgeschichte, oder NEVER SAY NEVER AGAIN, der erste selbst-ausgedachte Titel ohne Fleming-Bezug, ist SPECTRE eine Kapitel-Überschrift im Roman Thunderball.* Ursprünglich war es auch ein Arbeitstitel dieses Romans. Nach den Kurzgeschichten von Ian Fleming wären die Kapitel und Arbeitstitel eine weitere Quelle für mögliche Filmtitel.

Welche Möglichkeiten gibt das Werk von Fleming noch her?




Mittwoch, 29. November 2017

Quo Vadis, 007?

Bis auf den Umstand, dass Daniel Craig für den 25. EON-Bondfilm als James Bond zurückkehren wird, und dieser 2019 in die Kinos kommen soll, gibt es bisher nicht viele offiziell bestätigten Neuigkeiten. Produzentin Barbara Broccoli klärte das letztens: “So, to me, that’s the crucial thing… We’ve got our Daniel; we’ve got to find the director. We’re working on the script and we’ll see…" (Express), und fügte hinzu: "Hopefully by the beginning of the year we’ll have more news on all those fronts.”

Einige Meldungen deuten diese Aussage dahingehend, dass es Anfang des neuen Jahres einige große Ankündigungen bezüglich Bond 25 geben wird. Im günstigsten Falle wohl Regisseur, Hinweise zur Handlung oder vielleicht sogar schon ein Titel. Barbara Broccoli machte die Aussage anlässlich der Premiere des von ihr produzierten Thrillers THE RYTHM SECTION. Auf die Frage hin, ob auch 007 mal in Irland im Einsatz sein könnte, sagt sie: “Let’s see, maybe we’ll try and get Bond here at some point. I must say, having experienced it, I would love to come back.”

Welche Neuigkeiten wären hier eigentlich zu erwarten, angesichts der jüngsten Entwicklungen und Gerüchte?


Montag, 28. August 2017

Mr. Whites Hütte

James Bond - Spectre: Hütte von Mr. White am Altausseer SeeWer die Dreharbeiten zum letzten Bondfilm SPECTRE mit verfolgt hat, erinnert sich bestimmt noch an die Bilder mit den Filmklappen. Die zweite davon zeigte den winterlichen Altausseer See, wo vom 5. und 8. Januar 2015 gedreht wurde. Vor allem am Jagdhaus Seewiese am nordöstlichen Ende des Sees.

Im Film trifft Bond hier auf den 'Blassen König', wie Mr. White innerhalb der Organisation genannt wird. Er ist in Ungnade gefallen und versteckt sich an diesem Ort, der in der Realität gar nicht so abgeschieden ist, sondern ein beliebtes Ziel von Wanderern.



Spectre Filmklappe am Altausseer See
Im Gegensatz zu den Drehorten Obertilliach und Sölden sicherte sich Altaussee vertraglich zu, im Film namentlich genannt zu werden. Im Film wird der Ort dann während der Spectre-Konferenz in Rom erwähnt. Und so zählt der Altausseer See zu den glücklichen Bond-Locations, die nicht nur ihre optischen Reize ausspielen dürfen, sondern auch mit ihrem guten Namen punkten können.

In der Realität würde es weniger Sinn machen, sich an einem touristisch erschlossenen, österreichischen See zu verstecken. Zumal White sich damit auch im Heimatland des Erzfeindes Oberhauser befindet.

James Bond - Spectre: Hütte von Mr. White am Altausseer SeeDas ehemalige Jagdhaus der Familie Hohenlohe Schillingsfürst auf der Seewiese befindet sich heute im Besitz des Red-Bull-Milliardärs Dietrich Mateschitz und wurde zu einer Jause umgebaut. Zur Zeit renoviert Mateschitz am See eine weitere Jausenstation.

Der Bonddrehort ist ideal für einen Halbtages-Ausflug. Von Altaussee aus kann man es Bond gleich tun, und von der Anlegestelle Madlmaier aus mit dem Schiff quer über den See zum Jagdhaus fahren. Jeden Montag, vom 3. Juli bis 28. August, gibt es um 18 Uhr auch eine Sonderfahrt "Auf den Spuren von James Bond", bei der ein Experte von den SPECTRE-Dreharbeiten erzählt. (Dafür anmelden kann man sich hier.)

Walking arround Lake Altaussee from SpectreRund um den See herum führt auch ein breiter und idyllischer Weg von 7,5 km Länge, mit Ausblicken auf die Trisselwand, den Altausseer Hausberg Loser sowie bei gutem Wetter auf das Dachsteinmassiv. Das kürzere Wegstück führt am oberen, nördlichen Ufer entlang von der Altausseer Kirche bis zum Jagdhaus.




James Bond - Spectre am Altausseer See

Am unteren, südlichen Uferwerg dagegen passiert man das Hotel, in dem im Januar 2015 Daniel Craig, Sam Mendes, Kameramann Hoyte van Hoytema und Mitglieder der Crew wohnten: Das Hotel Seevilla. Hier residiert man mit einem wunderschönen Blick auf den See.

Hotel Seevilla in Altaussee, Daniel Craig

Hotel Seevilla in Altaussee, Daniel Craig

Hotel Seevilla in Altaussee, Daniel Craig

Vom Hotel aus wandert man rund eine Stunde lang bis zum Jagdhaus und kann sich dann dort stärken. Auf der Speisekarte stehen zünftige lokale Gerichte, die für Jausenstationen typisch sind. Das heißt, als Veganer oder Vegetarier hat man hier eher schlechte Karten und muss auf Kaiserschmarren und ähnliches zurückgreifen. Auch bondtypisches wie einen Wodka Martini gibt es leider nicht. Aber davon abgesehen speist man hier ausreichend und lecker.









Den Bondbezug gibt es dafür in Form einiger Fotos von den Dreharbeiten im Innenraum, denen man auf dem Weg zur Toilette begegnet.




Die Ablegestelle in Richtung Altaussee zurück ist nur ein paar Schritte entfernt.



In der Nähe von Altaussee befinden sich auch die Salzwelten, ein Erlebnis-Bergwerk. Hier erfährt man etwas über die dort gelagerte Nazi-Raubkunst, die Gegenstand des Films THE MONUMENTS MEN ist. In den Salzwelten inszenierte Klaus Maria Brandauer (NEVER SAY NEVER AGAIN), der im nahegelegenen Bad Aussee wohnt, vor einigen Jahren ein Theaterstück.


Ebenfalls in der Nähe ist der Toplitzsee, Bondfans bekannt aus dem Film GOLDFINGER. Bond bietet im Film dem Gegenspieler Auric Goldfinger einen Goldbarren an, der angeblich aus dem versenkten Nazi-Goldschatz am Grund des Toplitzsees stammt. Dieser Goldschatz war Gegenstand mehrerer Tauchgänge und Schatzsuchen vor Ort, bisher allerdings erfolglos. Man fand nur Kriegsgegenstände und Kisten mit gefälschten Banknoten. Über den Mythos des Schatzes und die erfolglose Suche kann man sich an Schautafeln an der Fischerhütte am See informieren.

Gerd Fröbe spielte bereits 1959 in einem Film mit, der sich mit dem Mythos des Nazi-Goldschatzes beschäftigt: DER SCHATZ VOM TOPLITZSEE. GOLDFINGER spielt so gesehen auch auf Fröbes Filmographie an.

Lake Toplitz, known from Goldfinger

Den Toplitzsee, der zwischen Kammer- und Grundlsee liegt, überqueren kann man übrigens mit den als Plätten bezeichneten lokalen Booten, mit der im Film SPECTRE auch James Bond zu Mr. White unterwegs ist.

Plätte wie im Film Spectre zu sehen
Als "Plätte" bekanntes typisches Boot auf dem Altausseer See
Autor Martin Funke am Jagdhaus Seewiese
Der Wanderer am Ziel
Jagdhaus Seewiese aus Spectre, Dietrich Mateschitz


Siehe auch: SPECTRE-Drehort Obertilliach

Sonntag, 23. April 2017

Die ungleichen Brüder

Die Darstellung der Figur James Bond durch Pierce Brosnan und Daniel Craig könnte unterschiedlicher kaum sein. Eine leicht versnobte Eleganz, Kultiviertheit sowie Hommage, fast schon Beschwörung früherer Glorie auf der einen Seite – physische Präsenz und ein cooles Überbordwerfen verkrusteter Klischees auf der anderen. Und doch ähneln sich ihre Amtszeiten in vielen Details so sehr, dass man sie wie Folien aufeinanderlegen könnte. Zumindest bisher.




Samstag, 6. Februar 2016

Der Titelsong als Teil der Erzählung

Sam Smith: Writing's On The Wall, Titel von Daniel KleinmanIn den Fünfziger und Sechziger Jahren waren speziell animierte Einleitungssequenzen mit entsprechenden Liedern noch ein selbstverständlicher Bestandteil von Filmen. Sie informierten nicht nur über Filmtitel und Darsteller, sondern bereiteten die Zuschauer auch auf Thema und Stimmung des Filmes vor. Sofern die Zuschauer schon im Lichtspieltheater ihrer Wahl Platz genommen hatten. Falls nicht lieferte die Titelsequenz immerhin das gute Gefühl, noch nicht viel vom eigentlich Film verpasst zu haben, und die genervt zum Platz machen gezwungenen Mit-Zuschauer ebenfalls nicht. Eine Aufgabe, die heute die 45-minütige Werbung inne hat.


Mittwoch, 3. Februar 2016

gunbarrel, die Zweite

Gunbarrel, Magazin des James Bond Club DeutschlandMit leichter Verspätung möchte ich auf die zweite Ausgabe der gunbarrel hinweisen, das offizielle Magazin des James Bond Club Deutschland. Im Umfang noch einmal deutlich zugenommen, bietet es eine enorme Fülle an Material zu Bond-Drehorten, Hintergrund-Informationen zu den Filmen oder Interviews mit prominenten Mitgliedern der Bondfamilie. Themenschwerpunkte sind das 50jährige Jubiläum von THUNDERBALL - zu dem ich einen Artikel beigesteuert habe - und natürlich die Produktion des neusten Bondfilms SPECTRE.

Insgesamt eine Pflichtlektüre für jeden Bondfan und eins von vielen Argumenten, Teil des James Bond Club Deutschland zu werden.

Donnerstag, 12. November 2015

Der Große Bruder ist überall

SPECTRE: Der erste Eindruck

Christoph Waltz als Oberhauser/Ernst Stavro Blofeld in SPECTREMit leichter Verspätung möchte ich hier mal meine Meinung zu SPECTRE kundtun. Da die Premieren und das Startwochenende bereits hinter uns liegen, enthält der Artikel einige Spoiler.

Der jeweils vierte Film eines Bonddarstellers ist ein besonderes Vergnügen, in dem sich die jeweiligen Stärken, aber auch Schwächen seiner Ära deutlich abzeichnen. Der Darsteller kann in seiner vierten Inkarnation den Charakter so mühelos überstreifen wie ein Dinner Jacket. Wie ein erfahrener Pianist schafft er es mit zwei, drei Noten das Bondtheme anklingen zu lassen. Hier eine Geste, dort ein Blick. 


Das "verflixte" vierte Mal

Ich denke da beispielsweise an Sean Connerys Geste am Spieltisch in THUNDERBALL, Roger Moores süffisanten "Etwas verfrüht, finden Sie nicht" in MOONRAKER oder das kurze Lächeln, mit dem Pierce Brosnan einem Diamantenhändler in DIE ANOTHER DAY die Sonnenbrille abnimmt. Schon die Bilder von Daniel Craig auf den Premieren von SPECTRE lassen ihn so bondig und lässig wie nie zuvor erscheinen. Daniel Craig IST James Bond. Weiterentwickeln kann er die Figur vor allem in den humorvollen Szenen. Wirkte er da bisher auf mich immer etwas bemüht, präsentiert er hier Oneliner und Situationskomik, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Das macht großen Spaß.

Aber gerade in dieser Vertrautheit liegt auch bereits der Schatten des Endes. Schauspieler suchen Herausforderungen. Eine Rolle, die schon zu einem guten Teil mit der eigenen Persönlichkeit verwachsen ist, wird schnell langweilig und sogar gefährlich.

Im ersten Film ist die Herausforderung noch riesig. Im zweiten gab man dem Darsteller dann mehr zu tun. TOMORROW NEVER DIES und QUANTUM OF SOLACE sind deshalb Actionfeuerwerke. Im dritten Film taucht der große ernsthafte Gegner auf; und im vierten dann kennt der Zuschauer seinen Reisebegleiter so gut, dass man mit ihm in wildere und gewagtere Gewässer navigieren kann. Zudem es gibt eine erste Rückschau und Reflektion des bisher gezeigten. Und hier zeigt sich dann oft bereits die Schattenseite der Ära. Connerys müheloses Machismo und der mechanische "Even Bigger"-Drang, die Tendenz zur Albernheit bei Moore, das richtungslose Mäandern zwischen den Welten bei Brosnan, es wirkte sich jeweils negativ auf die Dramaturgie des Films aus.

Bei Daniel Craig ist es die Beschäftigung mit dem Innenleben und der Vergangenheit des Helden sowie ein Bestreben, die bekannten Klischees zu kontrastieren, die hier erstmals aufgesetzt und unbefriedigend gelöst wirken. Timothy Dalton sagte einmal, dass Bond der klassische Fremde aus dem Western ist, der in die Stadt kommt, die Gangster erledigt und wieder in den Sonnenuntergang reitet.

Mit Craig ist Bond nicht mehr dieser Fremde. Man weiß, wann und wo er geboren wurde. Man weiß, wo, wie und mit wem er aufwuchs; welche Ereignisse seine Kindheit prägten, wer seine Eltern waren, wie sie hießen. Man weiß, wer ihn aufzog, mit wem er als Kind spielte. Wie er als Kind aussah. Man kennt seine große Liebe und wie er seinen Doppelnull-Status bekam. Die wichtigsten Ziele dieser Reisen in die Vergangenheit sind abgehakt. Natürlich könnte man jetzt noch seine Tante Charmain oder sadistische Lehrer in Eaton thematisieren, aber der Reiz ist mittlerweile überschaubar. Wird der nächste Darsteller nach Craig überhaupt noch dieser faszinierende Fremde sein können?

Am Ende von SPECTRE spürt man den Drang der Macher, kein beliebiges Ende mit Belohnungsbeischlaf und flottem Spruch abzuliefern. Es muss immer die große Geste sein. Aber es wirkt mittlerweile nicht mehr so faszinierend wie das "Bond. James Bond" in CASINO ROYALE, oder auch die Schlusszenen von QUANTUM OF SOLACE oder SKYFALL.

George Orwell lebt nur zweimal in Dr. Mabuses Kabinett in Casablanca

Bei der Berlinale 2014 saßen Barbara Broccoli und Christoph Waltz zusammen in der Jury. Ich könnte mir gut vorstellen, dass während dieser Zusammenarbeit die obligatorische Frage auftauchte, ob Waltz nicht mal einen Bondschurken spielen möchte. Waltz, der in Interviews oft betont, dass er jedes Rollenangebot erst einmal skeptisch betrachtet, sagte vielleicht nicht ganz im Ernst: "Aber nur, wenn ich Blofeld spielen darf, einen Mao-Anzug, eine weiße Katze und ein Versteck in einem Krater habe, und die Weltherrschaft anstrebe". Broccoli nahm vielleicht überraschend an, und beide merkten dann, dass sie sich mit diesem Deal nicht unbedingt einen Gefallen getan haben.

Tatsächlich hakt SPECTRE fast alle Blofeld-Klischees bis auf die Glatze ab, und die Modernisierung wirkt nicht immer geglückt. Nachdem EON 2013 die Rechte an der Figur erworben hatte, hatte ich hier mal einen Artikel zu einer möglicher Blofeld-Rückehr geschrieben. Mein Fazit damals:


Aber prinzipiell fehlt dem Charakter Blofeld etwas das Einmalige und Besondere. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm so markante äußerliche Markenzeichen verpassen musste. Für das Phantomhafte, Ungreifbare ist er durch seine Organisation zu gebunden. Andererseits ist er auch nicht überdurchschnittlich wahnsinnig oder genial. Und damit stellt sich die Frage: Für was steht er, wofür ist er eine gute Metapher?

"Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", Parallelen zu Blofeld und SpectreBei aller Kritik am Film muss ich zugeben, dass man in diesem Punkt einen interessanten Dreh gefunden hat. Blofeld ist die Fleischwerdung von George Orwells berühmt-berüchtigtem "Watching Big Brother". Er ist der buchstäbliche Große Bruder, der alles sieht und überall ist. Und der alte Spectre-Octopus lebt ein zweites mal als Datenkrake. Das ist eine zeitgemäße und relativ glaubhafte Modernisierung. Vor allem wird es den literarischen und filmischen Vorbildern von Blofeld wie Fantômas oder Dr. Mabuse gerecht. Der wie immer wunderschöne Titel von Daniel Kleinman zeigt sogar ein direktes Zitat eines Motivs aus Fritz Langs DIE TAUSEND AUGEN DES DR. MABUSE von 1960.

George Orwell wird im Film sogar direkt erwähnt, und die Ironie der Geschichte ist, dass Orwell selbst jahrelang vom britischen Geheimdienst beobachtet wurde. Das hätte man in den Dialog einbauen können. "George Orwells schlimmster Albtraum." - "Und es war übrigens der britische Geheimdienst, der ihn ihm bescherte."

Sehen und verschwinden lassen

Dieses Motiv der Überwachung im digitalen Zeitalter verbindet den Film thematisch mit dem Vorgänger und gibt vielen Szenen eine interessante Hintergründigkeit. Während es in QUANTUM OF SOLACE um das Motiv des Trinkens ging (siehe hier), ist hier das Sehen, Nichtsehen und Augen an sich in verschiedenen Formen präsent. Handlanger Hinx zerquetscht seinen Opfern die Augen. Krähen hacken dem toten Mr. White die Augen aus. Madeleine sitzt sozusagen im Glashaus und benutzt Jalousien, um nicht gesehen zu werden. Später sagt sie im Rausch, dass sie Bond zweimal sehe. (and twice is the only way to see... ;) "Sieh nicht hin", sagt Bond zu ihr später. Und Blofeld büßt am Ende ein Auge ein.

Die Szene mit der Maus spielt auf das umgangssprachliche "Bei denen möchte ich mal Mäuschen spielen" an, was dank sozialer Netzwerke und Hackern ja mittlerweile ohne weiteres möglich ist. (Interessanterweise bezeichnet sich Bond auch selbst als Micky Maus.) Big Brother möchte die natürlichen Sichtweise der Menschen sozusagen zerquetschen und sie durch seine manipulierten Informationen ersetzen. Was vor allem im Zusammenhang mit Terroranschlägen und den Nachrichten darüber sehr interessant, fast schon subversiv ist. (Wenn Blofeld im nächsten Film ein künstliches Auge hätte, wäre die Metapher wohl perfekt.) Letztlich möchte er sich buchstäblich direkt in die Hirne der Menschen hinein bohren und ihr Denken und ihre Identität für immer verändern.

Die Anfangsszene mit dem Tag der Toten könnte man in diesem Zusammenhang als eine makabre Metapher auf die Gegenwart oder das Internet sehen, in der wir alle schon als digitale Zombies mit Blick auf das Smartphone durch die Welt stolpern, und in dem alle trotz der sozialen Inszenierung doch Masken tragen. 

Allerdings muss ich sagen, dass sich Blofelds Sinn in dieser buchstäblichen Big-Brother-Verkörperung auch schnell erschöpfen könnte. Das Thema der digitalen Kontrolle gab es jetzt zweimal hintereinander. Das Problem ist auch, dass es als Bedrohungsszenario nur beschränkt funktioniert. Wen stört eine Weltherrschaft, bei der alle freiwillig mitmachen?

Und wenn die Symbolik erschöpft ist, bleiben wieder nur die Klischees und das alte Katz-und-(Micky)-Maus-Spiel. Dieses Spiel könnte Christoph Waltz genau so schnell ermüden wie Daniel Craig. Im schlimmsten Fall könnte sich die Erschaffung eines bösen Stiefbruders auch als der ultimative Haisprung der Reihe erweisen, denn im Gegensatz zu Tsunami-Ritts oder unsichtbaren Autos ist es nicht so leicht wieder rückgängig zu machen.

Die Überwachungs-Thematik hat auch gewisse ungewollte Ironien. Angefangen damit, dass Produktionsfirmen selbst alle sozialen Kanäle für die Promotion nutzen. Desweiteren spiegelt sich das Interesse für die Privatsphäre der Anderen, die die sozialen Netzwerken beherrscht, ja auch gerade in der Craig-Ära wider, wie schon erwähnt. Craigs Bond ist der, dessen private Seite am meisten erforscht wurde. Vom Zuschauer gleichermaßen wie von Blofeld. Insofern schließt sich hier ein Kreis. Und das Ende hat aus dieser Perspektive ebenfalls eine gewisse Ironie. Bond zieht sich ins Privatleben zurück, dessen Eroberung ja gerade das Ziel von Big Brother ist.

Einer flog übers Kuckucksnest

SPECTRE versucht neben der Neu-Interpretation von Blofeld auch etwas, was ich an sich sehr schätze: Die Verbindung der zum Teil noch losen, roten Fäden von CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE. Da man das aber nicht lückenlos leisten kann, rettet man sich auf eine etwas augenzwinkerndere Ebene. Leider bezieht man auch deutlich SKYFALL ein, der für sich sehr rund wirkte und gar keine losen Enden hatte, die es zu beantworten gilt. Was aber wohl vor allem der thematischen Verbindung geschuldet ist. 

Und es fügt sich letztendlich auch alles ganz gut ein. Sowohl in CASINO ROYALE, QUANTUM OF SOLACE als auch SKYFALL ging es um Macht durch Terror. Le Chiffre streut Terror, um daran zu verdienen, Greene (Der grüne König?) erzeugt Unruhen durch Rohstoffverknappung und Silva nutzt Terroranschläge, um den MI6 zu schwächen. Das alles würde einem Plan von umfassender Überwachung und Datenspeicherung in die Hände spielen. 

Trotzdem wirkt es am Ende von SPECTRE etwas gewollt und unrund. Das Problem ist meines Erachtens, dass man sich nicht sicher war, ob dieser Film die Craig-Ära abschließen oder Potential für weitere Filme liefern soll. Beides würde funktionieren, aber leider auch nicht so richtig. Im ersten Fall hätte Bond den großen Drahtzieher nicht ausgeschaltet, im zweiten müsste man in irgendeiner Form das Happy End zerstören.

Quo Vadis, 007?

Ich selbst bin da etwas zwiegespalten. Ich würde Craigs Bond nach all seinen körperlichen und psychischen Strapazen ein Ankommen wirklich von Herzen gönnen. Dann müsste der Nachfolger aber auch wirklich wieder bei Null starten. Andererseits würde ich weitere Filme mit Craig sehr gern sehen, jetzt wo er wirklich Bond ist.

Falls man mit Craig weitermacht, bieten sich mehrere Varianten an, die ich abschließend noch ansprechen möchte. Die naheliegendste wäre wohl die OHMSS-Lösung. Madeleine wird am Anfang von Bond 25 von Blofeld ermordet, wie Tracy in OHMSS oder vergleichsweise Marie in THE BOURNE SUPREMACY. Das würde mir nicht gefallen, aus den oben angesprochenen Gründen und weil CASINO ROYALE dieses Drama bereits perfekt geliefert hat. Denkbar wäre auch eine sanfte Variante davon, eine freiwillige oder unfreiwillige Trennung. Das könnte etwas von CASABLANCA haben, der in SPECTRE mit dem Hotel L'Americain ja eindeutig zitiert wird. Der heroische Verzicht auf die große Liebe zugunsten des Kampfes gegen das Böse. All das würde aber SPECTRE und seinen "Mut zum Happy End" nachträglich schwächen. Dann hätte man das lieber gleich in diesem Film zeigen sollen und Craig dann wirklich erst im letzten Film ein Happy End gönnen. Toll wäre hier ein Zweiteiler mit Cliffhanger gewesen, wie es ursprünglich wohl mal geplant war.

Letztendlich schwächeln sowohl die nachträglich übergestülpte Kontinuität als auch das Ende des Films ein wenig unter einer längerfristigen Perspektivlosigkeit der Produzenten. Auch in diesem Punkt steht das Franchise nach SPECTRE wohl an einem Scheideweg. Will man auf der einen Seite die große, mehrteilige 'epic journey', die mit ihren sorgfältig aufgebauten Fandoms und Showdowns Franchises wie HUNGER GAMES oder dem 'Marvel Cinematic Universe' regelmäßig Box-Office-Hits beschert, oder sollen Bondfilme für sich stehende, in sich abgeschlossene Events bleiben. Folgt man der aktuellen Hollywood-Strategie oder der Tradition. Beides zusammen harmoniert nicht so ganz, wie SPECTRE zeigt.

Dieser etwas zwiegespaltene und skeptische Eindruck ist aber wie eingangs erwähnt nur der erste. Daniel Craig sagte kürzlich in einem Interview: "Ich habe das Recht, meine Meinung zu ändern", und das beanspruche ich auch. Vielleicht wirkt SPECTRE beim dritten, vierten oder zwanzigsten Mal wesentlich runder und überzeugender. Denn letztlich ist alles eine Frage der PerSPECTive.

Montag, 2. November 2015

Bond schreibt Geschichte

SPECTRE pulverisiert Box Office Rekorde in fast jedem Land, in dem der Film schon gestartet ist - Erfolgreichster UK-Kinostart aller Zeiten


Albert R. Broccolis EON Productions, Metro-Goldwyn-Mayer Studios und Sony Pictures Entertainment gaben gestern bekannt, dass SPECTRE in fast jedem Land, in dem der Film bisher schon angelaufen ist, Box Office Rekorde gebrochen hat, angeführt von einem historischen Einspielergebnis in Großbritannien. 


In den sechs Märkten, in denen der Film bisher an den Start gegangen ist, hat er insgesamt 80,4 Mio. Dollar umgesetzt, darunter 67,7 Mio. Dollar in Ländern, in denen Sony Pictures Releasing International (SPRI) für den Vertrieb verantwortlich war, und 12,7 Mio. Dollar von Ländern, in denen MGM der Verleih war. 

In Großbritannien brachte es SPECTRE in seinen ersten sieben Tagen auf geschätzte 41,7 Mio. Pfund (63,8 Mio. Dollar) und stellte damit einen neuen Rekord auf für den erfolgreichsten britischen Kinostart aller Zeiten. 

SPECTRE brach den Startrekord von „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der ebenfalls an einem Montag mit 23,882 Mio. Pfund in die Kinos kam. SPECTRE stellte außerdem einen Rekord auf für das höchste Sieben-Tage-Einspielergebnis in der Geschichte der britischen Kinos und überholte damit den letzten James Bond Film SKYFALL

Das 24. James Bond Abenteuer SPECTRE setzt die am längsten laufende und erfolgreichste Filmreihe der Kinogeschichte fort. Der Film lief in Großbritannien und Irland in 647 Kinos auf 2.500 Leinwänden an, was dem größten Release aller Zeiten entspricht. 

Doch Großbritannien brach nicht allein Rekorde, denn in nahezu jedem Land, in dem SPECTRE schon an den Start ging, handelte es sich um den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten. 

In den Niederlanden spielte SPECTRE 3,3 Mio. Euro (3,7 Mio. Dollar) ein, brach damit den Rekord von SKYFALL und setzte inklusive Previews 3,9 Mio. Dollar um. 

In den skandinavischen Ländern, in denen MGM für den Vertrieb verantwortlich war, spielte SPECTRE insgesamt 12,7 Mio. Dollar ein und stellte damit in Finland und Norwegen neue Startrekorde auf. Beide Länder überholten damit das Ergebnis von SKYFALL. Finland spielte 2,35 Mio. Euro (2,63 Mio. Dollar) und Norwegen 24,4 Mio. Kronen (2,88 Mio. Dollar) ein. Der Film stellte auch einen neuen Rekord in Dänemark auf für das beste Drei-Tage-Startergebnis aller Zeiten, spielte 28,1 Mio. Kronen (4,21 Mio. Dollar) ein und überholte damit ebenfalls SKYFALL. In Schweden kam SPECTRE auf 24,95 Mio. Kronen (2,97 Mio. Dollar) – ein spektakuläres Ergebnis, das über 30% über dem Startergebnis von SKYFALL liegt. 

Außerdem stellte SPECTRE einen neuen IMAX-Rekord auf, indem der Film im Durchschnitt pro Leinwand das höchste Einspielergebnis der IMAX-Geschichte erzielte und es als erster Film auf ein Ergebnis von über 100.000 Dollar brachte, mit 105.000 Dollar in 47 IMAX-Locations. 

Die Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli kommentierten den Nummer-eins-Start in Großbritannien wie folgt: “Wir sind all unseren James Bond Fans und den britischen Kinogängern ungeheuer dankbar, dass mit dem Start von SPECTRE in Großbritannien Box-Office-Geschichte geschrieben wurde.“ 

“Wir alle bei MGM sind unglaublich begeistert zu sehen, wie James Bond seinen Fans auch weiterhin so viel Vergnügen bereitet. Die rekordbrechende Unterstützung der britischen Kinogänger für unseren 24. Bond-Film ist nichts weniger als fantastisch. Wir können es kaum abwarten, bis auch der Rest der Welt SPECTRE sehen kann“, sagte Gary Barber, MGM Chairman und CEO. 

Peter Taylor, Managing Director Sony Pictures UK, fügte hinzu: “Wir freuen uns sehr, dass sich das Publikum in Großbritannien und Irland auch weiterhin so für die Geschichten einer unserer größten und besten kulturellen Ikonen begeistert. Dieses Startergebnis beweist einmal mehr, dass die Filmwelt von James Bond die Kinogänger anspricht wie keine andere.“

(Quelle: Sony Pictures Deutschland)

Donnerstag, 29. Oktober 2015

SPECTRE Deutschlandpremiere in Berlin

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer PlatzAuf dem Potsdamer Platz fand gestern abend die feierliche Premiere des neuen James-Bond-Films SPECTRE statt, in Anwesenheit der Produzentin Barbara Broccoli und der Hauptdarsteller Daniel Craig, Christoph Waltz und Naomie Harris. Deutsche Darsteller wie Detlef Bothe, Werner Dehn, Victor Schefé sowie Clemens Schick (CASINO ROYALE), Anatole Taubmann (QUANTUM OF SOLACE) und Bonds deutsche Stimme Dietmar Wunder waren ebenso vor Ort und in Interview-Laune.




Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Christoph Waltz stellt sich den Fans

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Barbara Broccoli beim Selfieschießen...

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
...und beim Autogramme geben

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Anatole Taubmann (QOS)

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Clemens Schick und Werner Dehn

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Craig, Naomie Harris, Christoph Waltz
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Naomie Harris in einem sehr schönem Kleid
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Eine der Attraktionen: Bonds neue Edelkarosse
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
'Lone Gunman' Detlef Bothe, er kam sehr offen und sympathisch rüber
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Bonds deutsche Stimme Dietmar Wunder

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Jürgen Vogel
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz


Blofelds alter Diamantenlaser-Satellit war passenderweise auf die Premiere gerichtet. Zum Glück hat er nicht den DB10 verdampft.



Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz












Spectre premiere Berlin
'I saw a spectre at your shoulder'



Bildrechte bei Sony Pictures und Bond & Beyond. Verwendung nur nach Erlaubnis!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Erste Pressereaktionen: "Vielleicht sogar besser als SKYFALL"

SPECTRE Poster mit Daniel Craig und Lea SeydouxNach der ersten Pressevorführung von SPECTRE in London sind im Netz die Reaktionen zu lesen. Und sie sind fast durchweg positiv bis begeistert! Einige finden ihn besser als SKYFALL, sogar als besten Bondfilm überhaupt. Nachfolgend einige Artikel: James Bond is back, stylish, camp, and sexily pro-Snowden (The Guardian, leichte Spoiler enthalten), Perhaps even better than Skyfall (Evening Standard, keine Spoiler), A swaggering show of confidence (The Telegraph, ernsthafte Spoiler), Bond is back - and with a bang - in a movie that warrants ALL the hype with 007 returning to his murderous, glamorous best (Mail Online, leichte Spoiler), Exciting action and laugh out loud funny (ITV, geringe Spoiler), An exhilarating James Bond spectacle that really didn't need to add depth (The Independent, kleinere Spoiler), James Bond is back with a brutal blast as SPECTRE is rated best EVER (The Mirror, leichte Spoiler) und Varity (leichte Spoiler).

Hier einige Reaktionen einzelner Journalisten auf Twitter.