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Donnerstag, 9. Juni 2022

Agenten und Agenden

In seiner 1959 veröffentlichten Kurzgeschichte Quantum of Solace, die zum Titelgeber des 22. Eon-Bondfilms wurde, verließ Ian Fleming die typische Bondwelt und entwarf anhand der Liebesgeschichte zwischen einem Beamten und einer Stewardess eine Theorie über das Funktionieren von Beziehungen. Gemäß Fleming funktionieren sie so lange, wie sie beiden ein gewisses Minimum an Trost geben kann. Ist dieser Mindest-Schwellwert unterschritten, können sich Liebe und Zuneigung in Eiseskälte und sogar Hass verwandeln. 

Nun ist die Beziehung zwischen den Machern eines Franchises und dessen Fans der zwischen Mann und Frau gar nicht so unähnlich. Immerhin setzt schon der Begriff Fan eine über das Normale hinausgehende Leidenschaft voraus. Wie der schüchterne Beamte Philip Masters in Flemings Kurzgeschichte ist auch der durchschnittliche Fan durchaus bereit, viele Kapriolen des Objektes seiner Leidenschaft hinzunehmen und ihm trotzdem die Treue zu halten. Erst wenn gewisse ungeschriebene Verträge von einer Seite aufgekündigt werden und das 'Quantum an Trost' unterschritten wird, findet die Fantreue ihr Ende. Keine Zeit zu sterben hat das bei zahlreichen Fans nach fast 60 Jahren und 24 Filmen geschafft. Aber auch andere langjährige Franchises wie Star Trek oder Star Wars scheinen in jüngerer Zeit das finale Quantum Trost verletzt zu haben. 

Doch worin liegt das genau? Macher und Fans - Versuch einer Paartherapie in drei Teilen.


Montag, 18. September 2017

Schurken mit Superwaffen

Nordkoreanisches Propaganda-PlakatDieses Jahr feiern einige Bondfilme Jubiläen. Auch der wohl umstrittenste Bondfilm aller Zeiten, DIE ANOTHER DAY (Stirb an einem anderen Tag), wird 15. Neben den bizarren Übertreibungen und Fehlern, die man dem Film zu Recht anlasten kann, gibt es aber auch einige gute Ideen, Schauwerte und phänomenale Stunts, die man nicht übersehen sollte.

Und obwohl das Drehbuch letztendlich nur noch ein Schatten des ursprünglichen Konzeptes ist, wie hier erörtert, zeigt auch der fertige Film eine weltpolitische Situation, die zwar metaphorisch überhöht, aber trotzdem erstaunlich vorausschauend ist. Vor allem angesichts der Meldungen Anfang September dieses Jahres, dass Nordkorea im Besitz einer Wasserstoffbombe ist.



Samstag, 6. Februar 2016

Der Titelsong als Teil der Erzählung

Sam Smith: Writing's On The Wall, Titel von Daniel KleinmanIn den Fünfziger und Sechziger Jahren waren speziell animierte Einleitungssequenzen mit entsprechenden Liedern noch ein selbstverständlicher Bestandteil von Filmen. Sie informierten nicht nur über Filmtitel und Darsteller, sondern bereiteten die Zuschauer auch auf Thema und Stimmung des Filmes vor. Sofern die Zuschauer schon im Lichtspieltheater ihrer Wahl Platz genommen hatten. Falls nicht lieferte die Titelsequenz immerhin das gute Gefühl, noch nicht viel vom eigentlich Film verpasst zu haben, und die genervt zum Platz machen gezwungenen Mit-Zuschauer ebenfalls nicht. Eine Aufgabe, die heute die 45-minütige Werbung inne hat.


Donnerstag, 9. Januar 2014

Artus, Odysseus und Bond

Bond standing on a coast with a sailing shipWann immer ein Film in den Olymp der erfolgreichsten aller Zeiten aufsteigt, stellt sich die Frage, welche universal menschlichen Themen er im kollektiven Unterbewusstsein angesprochen hat. Bei SKYFALL lohnt sich der Blick auf mythologische und klassische Erzähl-Elemente besonders, da man bei dem Film auch nach mehrmaligen Sehen immer wieder neue Interpretationsmöglichkeiten und versteckte Querverweise entdeckt. Manches erinnert an klassische Epen - vor allem Homers Odyssee und die Artus-Sage - anderes an Western oder den Film Noir.


Donnerstag, 5. Dezember 2013

Die Dramaturgie der Bondfilme: Midpoint und Goldener Schnitt

Filme unterliegen in gewisser Weise auch der Schwerkraft. Sie haben einen interessanten Aufhänger und ein spektakuläres Finale, aber oft neigen sie dazu, in der Mitte etwas durchzuhängen und sich in die Länge zu ziehen. Um diesem langen zweiten Akt eine Stütze zu geben und die Handlung aufzulockern, gibt es im sogenannten Midpoint oft einen entscheidenden Höhe- oder Tiefpunkt, oder einen bedeutenden Richtungswechsel in der Handlung oder der Tonalität. Solch ein Wendepunkt teilt den zweiten Akt dann noch einmal in zwei Unter-Akte. Eine Untersuchung der Mittelszenen der Bondfilme birgt einige sehr interessante Erkenntnisse!


Montag, 11. März 2013

Bondfilme als 'Kino der Attraktionen'

Der Filmwissenschaftler Tom Gunning veröffentlichte 1986 ein berühmt gewordenes Essay, The Cinema of Attractions. Early Films, Its Spectator and the Avant-Garde, in dem er sich mit dem frühen Kino bis ca. 1907 beschäftigte. Bis dahin betrachtete man die ersten Filme unter dem Aspekt des späteren narrativen Kinos (lateinisch von narrare - erzählen) eher als primitive Vorform. Gunning stellt dem gegenüber das Konzept eines Kinos der Attraktion, das auf eigenständige Weise funktionierte.



Freitag, 25. Januar 2013

Space Age Hero

                "Als der Mensch ins Atomzeitalter trat, eroberte er eine neue Welt. Welchen Gefahren 
                 wir ins Gesicht sehen müssen, kann kein Mensch voraussehen!"
                                 (THEM!, 1954)


Vor einem halben Jahrhundert kam der erste Bondfilm in die deutschen Kinos, unter dem Titel: James Bond 007 jagt Dr. No. Der Film spiegelt perfekt den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre wider, als die Menschheit hin und hergerissen war zwischen apokalyptischen Ängsten und unbegrenzten Möglichkeiten - ausgehend sowohl vom Mikro- wie vom Makrokosmos. Die kleinsten Teilchen erwiesen sich doch nicht als unteilbar und stellten gigantische Energien zur Verfügung, während sich der Kosmos durch die Raumfahrt als potentieller Lebensraum anzubieten schien. Angesichts der gerade mühsam überwundenen Schrecken des zweiten Weltkrieges stellte sich zum ersten Mal im globalen und existentiellen Maßstab die Frage des moralischen Fortschritts. Zeit für übermenschliche Helden, die das Gleichgewicht des Schreckens auf ihren Schultern balancieren konnten.


Sonntag, 2. Dezember 2012

Bildsysteme in Bondfilmen: "Ein Quantum Trost"

In dieser Artikelserie geht es um wiederkehrende visuelle Motive in Bondfilmen, die eine Metapher für bestimmte Aspekte des Hauptthemas des jeweiligen Films darstellen. Solche Bildsysteme (image systems, nach Robert McKee) finden sich sehr häufig in Filmen. Beispiele sind etwa Variationen von Getreide, Korn, Brot, etc. in Peter Weirs Der einzige Zeuge (Witness, 1985) mit Harrison Ford, oder die sich von hochmodern zu archaisch entwickelnde Architektur in Tom Tykwers The International (2009). Verständlicherweise findet man Bildsysteme häufiger in den ambitionierteren Bondfilmen.


Freitag, 27. Juli 2012

Realität versus Kino

Knapp eine Woche nach dem Amoklauf in einem Kino im US-amerikanischen Aurora und vor dem ersten Wochenende von THE DARK KNIGHT RISES in Deutschland wird zur Zeit wieder die Frage nach der Mitverantwortlichkeit der Medien an Gewaltakten gestellt. Die Frage an sich ist wahrscheinlich so alt wie Unterhaltungsmedien selbst. Bereits Goethe wurde beispielsweise Ende des 18. Jahrhunderts vorgeworfen, mit seinem Roman Die Leiden des jungen Werther eine Selbstmordwelle unter Jugendlichen ausgelöst zu haben.