Samstag, 30. August 2014

Wenn die Gondeln Killer tragen

Auf den Spuren von MOONRAKER in Venedig, Teil 1

Venice, Ponte Foscatini, MoonrakerAm 31. August jährt sich der bundesdeutsche Kino-Start von MOONRAKER zum 35. Mal. Obwohl ich diese Premiere aufgrund des Eisernen Vorhangs leider nicht wahrnehmen konnte und den Film erst Jahre später im Fernsehen sah, möchte ich aus diesem Anlass näher auf die Drehorte und die dramaturgische Hintergründe der Gondel-Jagd im 11. Bondfilm eingehen, die insgesamt drei venezianische Stadtteile umspannt.

Voller Spieltrieb voraus!

Die ersten Drehbuchentwürfe für MOONRAKER strotzten derart vor Ideen, dass auch noch die drei darauffolgenden Abenteuer mit Stunts und Einfällen daraus versorgt wurden. Ein früher Entwurf sah bereits eine Sequenz vor, in der Bond und Girl mit einem Boot über Korallenriffe gezogen werden. Bond sollte außerdem mit einem Mini-Jet von Draxens Anwesen fliehen, was die Vortitelsequenz für OCTOPUSSY lieferte. Und schließlich gab es hier auch schon die Eiffelturmszene samt Fallschirmsprung, die in A VIEW TO A KILL einfloss. Im fertigen Film wird der Eiffelturm nur erwähnt.

Fondamenta Misericordia, Bond meets here Holly Goodhead
Fondamenta Misericordia
In seiner Autobiographie James Bond, The Spy I Loved schreibt Drehbuchautor Christopher Wood, dass er ursprünglich auch ganz andere Pläne für die Action in Venedig hatte. Seiner Meinung nach würde hier jeder eine Jagd auf dem Wasser erwarten. Aus diesem Grund wollte er etwas völlig anderes machen, und kam bei einem Spaziergang entlang der zahlreichen engen Gassen und Brücken der Stadt auf die Idee einer Motorradjagd, inklusive Sprünge durch Schaufensterscheiben und über Kanäle. In einer engen Gasse sollte Bond beispielsweise ein Motorrad entgegenkommen. Doch Bond erkennt, dass es ein großer Spiegel ist, der von Arbeitern getragen wird, und fährt hindurch. Aber für Cubby Broccoli war eine Motorradjagd "to down market". (Dass so etwas durchaus spektakulär wirken kann, zeigten später TOMORROW NEVER DIES und SKYFALL.)

Venedig, Moonraker
Palazzo da Lezze
Aber auch für die Gondeljagd hatte Wood ein ganz anderes Ende im Sinn. Die Jagd startet unmittelbar, nachdem Bond bei Venini-Glas Holly Goodhead wiedergetroffen hat und ihr bis zu einer Kirche gefolgt ist. Diese befindet sich am Fondamento della Misericordia (Kai der Barmherzigkeit, im nördlichen Stadtteil Cannaregio. Seit diesem Jahr gibt es Google Street View auch für Venedig; hier die entsprechende Stelle.) Nachdem ihm Holly einen Korb gegeben hat, steigt Bond in eine scheinbar ganz zufällig dort wartende Gondel.





Moonraker, Venedig
Blick in den Rio di Noale

Venice, Moonraker

Tod in Venedig

Kurz darauf sieht man Bond den Rio dei Tolentini entlangfahren, in Richtung der Kirche Chiesa Dei Carmini. Diese befindet sich im südwestlichen Stadtteil Dorsoduro. (Siehe Street View.) Hier kommt ihm das Beerdigungsboot entgegen. Die Brücke, an der der Sarg verlustig geht, ist dieselbe, auf der der ältere rauchende Signore dann den Sarg schwimmen sieht - die Ponte Foscatini. Sie ist später im Verlauf der Jagd noch mehrmals zu sehen, ebenso wie die Ponte del Forno (Ofenbrücke), unter der das Sargboot erscheint.


Die Szene mit dem Sarg, der Bond entgegen kommt, und aus dem sich vampir-artig ein blasser Messerwerfer erhebt, ist eine kleine Veräppelung des morbiden filmischen Erbes von Venedig, das in den Siebzigern einige Klassiker hervorbrachte. 1971 verfilmte Luchino Visconti die berühmte Novelle Der Tod in Venedig von Thomas Mann mit Dirk Bogarde in der Hauptrolle. Fleming war ein großer Bewunderer von Mann, und siedelte seine Kurzgeschichte Risico am selben Strand am Lido an.

Ponte del Forno
Und 1973 dann schließlich der Venedig-Film schlechthin: DON'T LOOK NOW (Wenn die Gondeln Trauer tragen). In dem Film sieht Donald Sutherland ein Boot mit einem Sarg, der sich am Ende als sein eigener herausstellt. Insofern ist die entsprechende Szene in MOONRAKER wohl eine kleine Parodie des vier Jahre zuvor erschienenen Erfolgsfilms.

Ponte Foscatini
Gleich um die Ecke, auf dem Weg zur Kirche San Barbara, die in INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE als Bibliothek diente (siehe hier), entstand auch eine kurze Szene für CASINO ROYALE, die ebenfalls DON'T LOOK NOW zitiert. Bond geht über eine Brücke und sieht Vesper im roten Kleid.

Bonds Gondoliere versinkt in Front von Haus Nummer 3454.


Nachdem Bond den Angreifer mit seinem eigenen Messer zurück in seinen Sarg geschickt hat, taucht ein Motorboot auf, und Bond wird mit einem effektiveren Maschinengewehr gejagt. Hier wartet die Verfolgung mit der ersten "Überraschung" auf, denn Bond hat die Gondel offenbar gar nicht zufällig ausgewählt, sondern sie ist eine Bondola, ausgestattet mit allerlei Q-nststücken.

Die anschließende Jagd führt noch mehrmals an den drei bereits gesehen Brücken nahe der Chiesa Dei Carmini vorbei. Schade eigentlich, eine Verfolgung entlang des Canal Grande und unter der Rialtobrücke hindurch hätte ihren Reiz gehabt. (Wie sie Jahre später in Herr der Diebe realisiert wurde.)

Venedig insgesamt erwies sich als ein Albtraum für die Bondmacher. Als man zuerst nach entsprechenden Locations Ausschau hielt, regnete es und der Markusplatz stand unter Wasser. Für die Dreharbeiten besserte sich das Wetter, doch mit der Sonne kamen auch die üblichen Massen von Touristen.

Die Szene mit dem Sarg musste unterbrochen werden, da an dem Tag zufällig ein echter Trauerzug durch die Stadt gondelte. Und nicht zuletzt versank ein komplettes Boot mit Filmrequisiten auf Nimmerwiedersehen im Kanal. Insgesamt kosteten die eineinhalb-wöchigen Dreharbeiten in der Lagunenstadt über eine Million Dollar - So viel wie der erste Bondstreifen DOCTOR NO!

Der Bau der Bondola gestaltete sich als ähnlich schwierig wie ihre Steuerung. Ausgestattet war die mit einem 120 PS-Motor und konnte fast 100 km/h schnell fahren. In der Praxis fuhr sie allerdings maximal 25 km/h und tauchte dabei oft eine "futtersuchende Ente" (Christopher Wood) in Richtung Kanalgrund ab.

Gebaut wurde die Bondola von einer der ältesten Gondelwerften in Venedig, der Squero di San Trovaso in Dorsodura, an der die Jagd dann auch vorbei führt.



Die Werft im Film

Und schließlich endet der ganze Spaß mit einer der berüchtigsten und albernsten Szenen der Bondgeschichte: Die Bondola verwandelt sich - surprise! - in ein Luftkissenfahrzeug. War der Transformation von Bonds Lotus in ein U-Boot im Vorgängerfilm noch faszinierend und bondig im besten Sinne, ist hier der umgekehrte Weg vom Wasser an Land eigentlich so lächerlich, dass er sich gleich selbst veralbert. Ein Geheimagent fährt in einer Luftkissen-Gondel über den meist-fotografierten Platz der ganzen Welt...  Dagegen wirkt Bonds Zusammenschießen einer Botschaft in CASINO ROYALE geradezu diskret.

Ken Adams Bondola-Design an sich ist - wie die Raumstation am Ende - wissenschaftlich gesehen so nicht funktionsfähig, denn Luftkissenfahrzeuge benötigen einen Rückstoß-Antrieb, meistens in Form eines Propellers. Von dem Aufstieg der Gondel die Stufen hinauf zum Platz mal ganz zu schweigen. (Aber als Zwölfjähriger habe ich es trotzdem geliebt!)

Auch Drehbuchautor Christopher Wood war mit dieser Szene alles andere als zufrieden. Im Drehbuch ließ er Bond mit der Gondel in ein Bootshaus fahren. Dort wartet bereits ein Jet-Pack auf ihn, mit dem er sich - THUNDERBALL lässt grüßen - in die Luft erhebt. Die Jagd geht dann in der Luft zwischen Raketenrucksack und einem Hubschrauber weiter. Der Hubschrauber knallt schließlich in eine Brücke und explodiert. Bond landet in einem Restaurant und entschuldigt sich, dass er nicht reserviert hat.

Diese Sequenz war allerdings selbst für das Budget von MOONRAKER, das eh schon doppelt so hoch wie das des Vorgängers war, zu viel des Guten. Umgesetzt wurde eine ähnliche Idee im 2005er Computerspiel From Russia With Love.


In seinem Roman zum Film ließ Wood die Verfolgungsjagd ebenfalls anders enden: Bond gerät in eine Sackgasse und hält die Gondel kurz vor einer Hauswand. Er zielt beidhändig mit seiner Walther PPK auf das Verfolgerboot und trifft den Fahrer. Dann hechtet er an einer Metalleiter aus dem Kanal, kurz bevor die Verfolger gegen die Wand knallen und das Boot in einem Feuerball explodiert.

Eine ähnliche Szene - Bond zielt auf ein Verfolgerfahrzeug und tötet den Fahrer - gibt es im nachfolgenden Film FOR YOUR EYES ONLY, hier mit Autos. In MOONRAKER benutzt Bond kein einziges Mal eine klassische Handfeuerwaffe, obwohl es ein Publicity-Foto gibt, das an das Roman-Ende der Bootsjagd erinnert.

Für Roger Moore waren die Hovercraft-Szenen alles andere als amüsant. Beim Landgang der Bondola wurde er zum Vergnügen der Touristen zig-mal ins Wasser geworfen, bis die Szene mit seinem letzten noch trockenen Anzug endlich funktionierte. Auch die Fahrt über den Markusplatz war weniger cool, als sie im Film wirkt. Roger Moore hatte keine Kontrolle über das Gefährt. Man hatte ihm lediglich eine Hupe gegeben, mit der er im Weg stehende Touristen verscheuchen sollte.

Wie Sean Connery einmal sagte, sollte ein guter Bonddarsteller schwierige Dinge leicht aussehen lassen können. Angesichts der teils zermürbenden und auch gefährlichen Dreharbeiten der Gondeljagd sollte man Roger Moores Darstellung hier einmal mehr nicht unterschätzen.

Auch an dieser Stelle möchte ich das Buch On the Tracks of 007 empfehlen, ohne das Beiträge wie dieser wesentlich schwieriger wären.

Mittwoch, 27. August 2014

GOLDFINGER Events in Braunschweig und Stuttgart

Zum 50jährigen Jubiläum des Films GOLDFINGER gibt es - neben dem Goldfinger reloaded Event des Schweizer Bondklubs am Furkapass - auch zwei Events in Deutschland. Wie schon anlässlich der Jubiläen der ersten beiden Bondfilme gibt am Samstag, dem 20. September im Braunschweiger Kino C1 eine Kinovorführung samt Vortrag von Bondexperte Danny Morgenstern, rotem Teppich, Stargästen und vielem mehr. (Siehe hier.)

Am darauffolgenden 27. September findet auch im Stuttgarter UFA-Palast eine Kinovorführung von GOLDFINGER statt, ebenfalls mit einem Vortrag von Danny Morgenstern und Rahmenprogramm, siehe hier oder auf der entsprechenden Facebookseite. Es ist das erste Event des Bondclubs Deutschland. Für Mitglieder ist der Eintritt frei.


Freitag, 22. August 2014

Drehorte und Gegenspieler von Bond 24 enthüllt

Kurz nachdem mit den beiden österreichischen Orten Obertilliach und Sölden zwei mögliche Drehorte für den kommenden 24. Bondfilm bekannt wurden, berichten MI6-HQ und James Bond Radio heute gleich den nächsten Knüller: Die für den Bondstreifen beauftragte Casting-Agentur sucht nach einem physisch bedrohlichen und sehr sportlichen, über 1,90 Meter großen Darsteller eines 'Henchman', wie die Helfer des Schurken genannt werden. Die Agentur betont im Casting-Aufruf ausdrücklich, dass die Rolle in der Tradition von Oddjob und Beißer stehen soll. Er sollte ein ausgefallenes Äußeres haben, vielleicht aus dem Sport kommen, da er einige Kämpfe mit Bond und Stunttraining absolvieren wird. Zudem wird er in einer Sequenz am Steuer eines Fahrzeugs zu sehen sein. Der Arbeitsname des Charakters ist 'Hinx'. (Was sich angesichts der Ähnlichkeit zu DIE ANOTHER DAY's Jinx sicher noch ändern wird.)

Beide Meldungen deuten stark darauf hin, dass das am Ende von SKYFALL gegebene Versprechen auf einen klassischen Bondfilm diesmal eingelöst wird. Oberhalb des Osttiroler Obertilliachs soll im Januar 2015 ein Bergdorf aufgebaut sowie eine Verfolgungsjagd mit Schneemobilen gefilmt werden. Wahrscheinlich ist, dass Österreich im Film Norwegen doubelt. Schnee-Action gab es zuletzt vor 15 Jahren in THE WORLD IS NOT ENOUGH.

Dienstag, 19. August 2014

Tom Pevsner †

Wie MI6-HQ.com heute berichtet, ist Tom Pevsner verstorben, der von FOR YOUR EYES ONLY bis LICENCE TO KILL als Associate Producer fungierte, und für GOLDENEYE als ausführender Produzent. Pevsner wurde 1926 als Sohn des bedeutenden Architekturhistorikers Sir Nikolaus Pevsner in Dresden geboren. Seine Karriere in der Filmwelt begann 1951 in den Ealing Studios und führte zu einer Zusammenarbeit mit Regisseuren wie John Huston, John Ford oder Billy Wilder. 1981 wurde Tom Pevsner Mit-Produzent der Bondfilme. Barbara Broccoli bezeichnete ihn als das Gehirn der Produktion: "He is a highly educated, creative, talented man who thinks everything out logically and then acts on it, pushing himself and the people around him to get things done."

In der Bondwelt verewigt wurde er in GOLDENEYE: Auf einem Computerdisplay gegen Ende des Films erscheint als eine der Banken, die Trevelyan ausrauben will, die 'Pevsner Commerzbank GmbH'. Eine kleine Insider-Anspielung auf Pevsners langjährige Erfahrung im Bereich Budget-Controling. (Zudem ist Schurke Max Zorin in A VIEW TO A KILL wie Pevsner in Dresden geboren.)

Freitag, 15. August 2014

GoldenEye 007 unter 10 besten Videospielen aller Zeiten

© EMPIRE Magazin
In einer großen Online-Umfrage hat die britische Filmzeitschrift EMPIRE seine Leser die 100 großartigsten Videospiele aller Zeiten wählen lassen. Darunter Klassiker wie Grand Theft Auto, Legend of Zelda oder Uncharted. Einen mehr als sportlichen sechsten Platz erreichte dabei GoldenEye: 007 von 1997! Ein Leser schrieb: "For the atmosphere. For the music. For the gameplay. For making feel like YOU were James Bond. For tailoring controls so brilliantly to the N64's wonderful control pad. And most of all, for the endless, endless four-player deathmatch marathons with my mates, when I should have been doing some work at uni." Auf der Seite kann man auch die eigenen Erinnerungen und Eindrücke schildern.

Montag, 11. August 2014

Ian Fleming, der Vater

© ianfleming.com
Über den britischen Schriftsteller und Bond-Erfinder Ian Lancaster Fleming ist viel geschrieben und auch verfilmt worden. Flemings Dandy-Dasein im Schatten seiner dominanten Mutter und seines erfolgreichen Bruders, die Jahre als Journalist, die Zeit im Zweiten Weltkrieg, als er mit seinen 'Red Indians' Spezialoperationen plante und durchführte, und schließlich der internationale Durchbruch mit den Bond-Büchern. Erstaunlich wenig weiß man dagegen über das Verhältnis von Fleming zu seinem einzigen Sohn Caspar. Einerseits schrieb er für ihn den Kinderbuch-Klassiker Chitty Chitty Bang Bang, andererseits stand Caspar Robert Fleming, dessen Geburtstag mit Flemings Todestag zusammenfällt, im Schatten von Flemings geistigen Kind James Bond.



Dabei war die Schwangerschaft von Flemings zukünftiger Frau Anne O'Neill in doppelter Hinsicht der Auslöser dafür, dass sich Fleming endlich hinsetzte und 'the spy novel to end all spy novels' schrieb, was er seit Ende des Krieges plante. Zum einen trieb sie ihn in den Ehehafen, den Fleming bis dato mied (zu Recht, wie einige seiner Freunde und Freundinnen meinten). Wie Fleming oft in Interviews angab, war die Aussicht auf das Ende seines Junggesellenleben die Motivation, in Bond quasi die Freiheit und die Abenteuer weiter auszuleben.

Zum anderen war Fleming bereits 43 und hatte keine großen finanziellen Recourcen im Rücken. Wie wohl jeder Mann wollte er seinem Kind und seiner Frau etwas bieten können. Zumal Anne für ihn den wohlhabenden Pressebaron Lord Rothermere verlassen hatte. Die Ironie in Flemings späteren Leben ist, dass er es zwar mit Casino Royale zu Weltruhm und Wohlstand brachte, sein literarisches Schaffen ihm aber alles andere als Respekt von Anne und den intellektuellen Kreisen, in denen sie verkehrte, brachte. (Sie nannte seine Bücher oft Pornografie.)

Am 12. August 1952 erblickte Caspar Robert Fleming schließlich das Licht der Welt. Die Betreuung und Erziehung des Kindes überließen Ian und Anne größtenteils einer Nanny, die sich später daran erinnerte, dass Fleming als Vater überhaupt nicht zurecht kam. Während die Flemings auf Jamaika weilten, bleib Caspar daheim in London. Die Nanny nahm es Fleming auch übel, den Jungen mit einem Luftgewehr üben zu lassen, ihm an seinem Geburtstag die Mandeln entfernen zu lassen oder ihm vor dem Schlafengehen Schauer- und Gespenstergeschichten zu erzählen. (Ganz so herzlos war Fleming aber sicher nicht, denn einige der Gute-Nacht-Geschichten drehten sich um die Familie des Erfinders Caractacus Potts, die Abenteuer mit einem fliegenden Auto erlebt.)

Fleming richtete auch einen Trust für seinen Sohn ein, der ihn finanziell absichern sollte und die Filmrechte an Bond beinhaltete. Der Heranwachsende fiel zunehmend durch eigensinniges und aggressives Verhalten auf. Oft gab man ihm Barbiturate, damit er einschlief. Der Weltruhm von 007 beeinflusste sein Leben schon in der Grundschule: Caspar verkaufte Autogramme seines Vaters und Bond-Gimmicks und war fasziniert von der düsteren und kalten Erwachsenenwelt in den Romanen.

Ian Flemings Tod, ausgerechnet an Caspars 12. Geburtstag 1964, riss eine Wunde in das Leben des Sohnes, die nie heilte. Auf der einen Seite wurde er zu einem begabten Studenten mit Interessen für Literatur und Ägyptologie, auf der anderen entwickelte er eine Leidenschaft für Waffen. Mit 16 wurde er mit einem geladenen Revolver in Eton erwischt und rausgeworfen. Nicht untypisch für die späten Sechziger Jahre, kamen auch bald Drogen ins Spiel. Mit 21 hatte er schließlich Zugriff auf den von Ian eingerichteten Trust, der jedoch fast ausschließlich seine zunehmende Sucht finanzierte.

Caspar erbte außerdem Goldeneye, das er 1974 zum ersten Mal seit Ians Tod besuchte. Dort erfuhr von Seiten seines Vaters, die seine Mutter verheimlicht hatte, was zu einem Selbstmordversuch führte. Mit einer Überdosis schwamm er aufs Meer hinaus, wurde jedoch gerettet. Caspar kam in psychiatrische Behandlung, die zu dieser Zeit Elektroschocks noch als probates Heilungsmittel einschloss. Doch Caspars Entschlossenheit, seinem Leben ein Ende zu setzen, führte 1975 zu einem weiteren, diesmal erfolgreichen Suizidversuch mit einer Überdosis. Er hinterließ die makabre Nachricht "Wenn nicht diesmal, dann eben nächstes Mal".

Während Ian Flemings geistiges Kind James Bond zu einer Erfolgsgeschichte ohne Gleichen wurde, ist das Leben seines leiblichen Sohnes eher eine tragische und wenig bekannte Fußnote. Eine Ironie der Geschichte ist dabei, dass Ian Fleming selbst 9 war, als sein Vater Valentine an der Westfront starb und ihm nichts blieb als dem "Ruhm" eines Kriegshelden.

Auch Flemings ewige Junggesellenphantasie 007 zeugte im vorletzten Roman einen Sohn. Bezeichnenderweise ließ er Bond jedoch einen Gedächtnisverlust erleiden und in neue Abenteuer aufbrechen, noch bevor er überhaupt von seinem Nachwuchs erfahren konnte.


Andrew Lycett: Ian Fleming (Buch)Buchtipp:

Andrew Lycett: Ian Fleming (Phoenix 1995, 2008)

Das Buch, das die Grundlage für die BBC-Mini-Serie FLEMING bildete. Obwohl in englisch und ziemlich eng bedruckt, ist es doch sehr spannend und flüssig zu lesen. Es bietet einen tiefgründigen Einblick in Flemings Leben.


Samstag, 9. August 2014

Bond in Motion

Bond in Motion, London Film MuseumNoch bis 31. Dezember 2014 ist die Ausstellung Bond in Motion im London Film Museum zu Gast. Wer sich für Bond und Technik interessiert und die Gelegenheit hat, sollte sie nicht verpassen. Ausgestellt sind Fortbewegungsmittel für Land, Wasser und Luft aus über 50 Jahren Bondgeschichte, darunter Klassiker wie der Aston Martin DB5 oder der tauchfähige Lotus Esprit. Nachfolgend ein paar Impressionen der Ausstellung.



Bond in Motion, London Film Museum

Nicht nur Fahrzeuge sind zu sehen, auch Requisiten. Wie hier die Ausweise von Mr. Beach und Mrs. Broadchest.





Der Ford Mustang Mach 1 von Tiffany Case, den Bond in DIAMONDS ARE FOREVER kurz in ein Zweirad umwandelte.




Bond in Motion, London Film Museum

Der Aston Martin aus QUANTUM OF SOLACE, stilecht mit Einschußlöchern und Schrammen.






Blofelds 'Bath-o-Sub' aus DIAMONDS ARE FOREVER. Das Spectre-Logo ist eines der wenigen Hinweise auf Blofelds Organisation, die wie schon im Vorgängerfilm selten namentlich erwähnt wird.






Dieses im Vergleich recht unscheinbare gelbe Unterwasser-Gadget im Vordergrund ist eigentlich eine heimliche Sensation der Ausstellung, denn es stammt vom Konkurrenzfilm NEVER SAY NEVER AGAIN. Eon Productions, die die Ausstellung unterstützen, scheinen etwas großzügiger gegenüber dem Film von 1983 zu werden.

Lotus Esprit, Bond in Motion, London Film Museum

Mein Lieblings-Bondauto - der tauchfähige Lotus Esprit aus THE SPY WHO LOVED ME.









Toys for Boys - Nach der Ausstellung eine Runde flippern.











Ich war für die Ausstellung und das David-Arnold-Konzert nach acht Jahren mal wieder in London und war überrascht, wie sehr sich die Stadt verändert hat. Vor allem The Shard, das höchste Gebäude in West-Europa, dominiert die Skyline. Auch sonst gibt es zahlreiche neue moderne Gebäude. Leider drängen sie teilweise die außergewöhnliche 'Gherkin' von Norman Foster etwas in den Hintergrund. Auch das Planet Hollywood ist umgezogen. Jetzt zwar immer noch nahe des Picadilly, aber die Little Nellie, die in der oberen Etage hing, hab ich vermisst. Aber dafür kann man sie ja jetzt bei Bond in Motion sehen...

The Shard, London
A View (To A Kill) from The Shard
Die Tür zur Unterwelt aus DIE ANOTHER DAY 
(Alle Rechte an den Bildern bei bondandbeyond.de)

Mittwoch, 6. August 2014

FLEMING ab 26. September auf DVD und Bluray

Die BBC-Miniserie FLEMING mit Dominic Cooper und Lara Pulver erscheint in Deutschland am 26. September auf DVD und Bluray. (Siehe auch hier für die Besprechung der UK-Import-DVD) 

Technische Daten zur DVD/Bluray:

Originaltitel: Fleming
Sprachen: Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 (1,78:1)
Tonformat: Dolby Digital 2.0 / dts-HD 2.0
Disc-Type: DVD 9 / BD-50
Ländercode: 2 PAL / A, B, C
Verpackung: Softbox in O-Card
Laufzeit: ca. 180 Minuten (4 x 45 Min.)

FSK: 12 (beantragt)

Montag, 4. August 2014

James Bond Club Deutschland geht offiziell an den Start

James Bond Club DeutschlandNachdem das Gründungskonvent bereits am 12.04. in Frankfurt stattfand, ist nun der Startschuss für den James Bond Club Deutschland gefallen. Fans und Freunde des britischen Superagenten sind herzlich eingeladen, dem Club beizutreten. Die offizielle Seite ist www.James-Bond-Club.de, auf Facebook ist er hier und hier präsent, sowie hier auf Twitter. Zudem gibt es eine Club-Lounge im deutschen Bondforum. Neu-Mitglieder erhalten als Begrüßungsgeschenk ein limitiertes Exemplar des Buches 007 XXS 50 Jahre James - Goldfinger von Danny Morgenstern! (Rezension in Kürze)

Bereits am 31. Oktober bis zum 2. November findet das erste Event Bond over Nederland 2014 statt: Die Besichtigung der Ausstellung Designing 007 in der Kunsthal Rotterdam mit anschließendem Treffen mit niederländischen Fans sowie Besichtigung der Drehorte von DIAMONDS ARE FOREVER in Amsterdam, mit Martijn Mulder, Autor von On the Tracks of 007, und Remmert van Braam, Herausgeber von Bond Lifestyle. Weitere Events sind in Planung.

Samstag, 2. August 2014

Autoren, Girls und Locations

Isabel Edvardsson bei der Skyfall-Premiere 2012
(bondandbeyond.de)
Hoffentlich wird der fertige Film ähnlich dramatisch wie die derzeitigen Meldungen um das Drehbuch von Bond 24. Daily-Mail-Autor Baz Bamigboye beschreibt einen "Thriller" hinter den Kulissen, laut dem das Drehbuch von John Logan bei den Produzenten und vor allem Regisseur Sam Mendes alles andere als Begeisterung auslöste. Mendes und Daniel Craig (der in derartigen Meldungen immer mehr wie ein ausführender Produzent wirkt) sollen daraufhin die beiden Bondveteranen Neil Purvis und Robert Wade angerufen und förmlich bekniet haben, Logans Drehbuch zu "retten", sprich substantiell umzuschreiben. Gestern nun soll das überarbeitete Buch den Produzenten vorgelegt worden sein und grünes Licht erhalten haben. (Das klingt, als wollte Logan Bond am Ende des Films sterben lassen, aber man sollte auch bedenken, dass im Sommerloch teilweise auch eher normale Vorgänge als Thriller beschrieben werden. Mendes sprach in einem Interview kürzlich noch davon, Logiklöcher im Drehbuch zu stopfen.)

Neben Rom spielt offenbar Skandinavien eine Rolle. Im Mai wurden bereits einige skandinavische Schauspielerinnen zu Castings eingeladen, darunter die Schwedinnen Disa Östrand und Ida Engvoll sowie die Norwegerin Synnove Macody Lund. Dazu passen jüngste Meldungen, dass auch die schwedische Tänzerin und Schauspielerin Isabel Edvardsson in die engere Auswahl kommt.
Zudem ist gemäß The James Bond Dossier das norwegische Spitzbergen als Drehort in Erwägung gezogen worden. Die österreichischen Alpen, die Stunt-Koordinator Gary Powell laut einem Instagram-Beitrag kürzlich besichtigte, betreffen offenbar dieselbe Drehbuchsequenz. Scheinbar gibt es Schnee-Action mitsamt einem romantischen Stelldichein. Als weiteren potentiellen Drehort erwähnte Powell Marokko, wobei eine dieser Locations wahrscheinlich nur für die Vortitelsequenz gebraucht wird. Es bleibt also spannend.