Mittwoch, 31. Oktober 2012

Die Sünden der Mütter

Skyfall
GB 2012
Regie: Sam Mendes
Darsteller: Daniel Craig, Javier Bardem, Bérénice Marlohe, Judi Dench

James Bond ist zurück - zum 23. Mal in 50 Jahren! (Eigentlich schon zum 24. Mal, zählt man das Remake "Sag niemals nie" dazu) Was heute so selbstverständlich wirkt, war es nicht immer. Wenn Bond im Film zu seinem Gegenspieler Raoul Silva sagt, dass sein Hobby Auferstehung sei, dann ist das auch eine treffende Beschreibung der Franchise-Geschichte. Während in der Realität wohl niemand einen Agenten wie Bond nachhause schicken würde, wurde die Relevanz Bonds vor allem nach Ende des Kalten Krieges regelmäßig in Zweifel gezogen. Zuletzt gab die Krise des Studios MGM der Doppelnull ein großes Fragezeichen. Doch Bond ist auferstanden, pünktlich zum goldenen Jubiläum des ersten Bondabenteuers DOCTOR NO.


Die Frage nach der Legitimation des alten Haudegens Ihrer Majestät, beziehungsweise von klassischer Geheimdienstarbeit im allgemeinen, ist ein zentrales Thema des Films. Dabei ist das Thema alles andere als neu. Schon Ian Fleming gab in den fünfziger Jahren zu, dass die damals neuartigen U-2-Spionageflugzeuge und Satelliten mehr sehen können als 1000 Agenten im Feldeinsatz. Auch das Pierce-Brosnan-Debüt GOLDENEYE von 1995 nahm sich dieser Thematik an. Doch während die entsprechenden Dialoge dort aus heutiger Sicht etwas gekünstelt wirken, geht SKYFALL wirklich in die Tiefe. Bonds Chefin M, zum siebten Mal von Judi Dench verkörpert, und 007 selbst stehen hier für das traditionelle "Spiel im Schatten", während die Moderne herausfordernd vom Geheimdienstbeamten Mallory (Ralph Fiennes) und dem jugendlichen Q (Ben Wishaw) verkörpert wird. (Der neue Q hat übrigens eine Vorliebe, die er mit Captain Picard teilt: Earl Grey)

Und schließlich ist da Raoul Silva, bedrohlich schrill gespielt von Oscarpreisträger Javier Bardem. Bardem gelingt es hier, auf eine völlig andere Art und Weise angsteinflößend zu wirken als in "No Country For Old Man". Silva beherrscht die Klaviatur der modernen Computertechnik so perfekt, dass der MI6 gezwungen ist, in ein unterirdisches Quartier aus der Zeit Churchills auszuweichen. Trotzdem steht er in der Tradition der großen Bondschurken, auch mit dem obligatorischen physischen Makel, der hier allerdings tragisch wirkt und die Figur wunderbar unterstreicht. Ähnlich wie bei Auric Goldfinger oder dem skrupellosen Franz Sanchez wirkt Silva und sein Vorhaben durchaus glaubhaft und nachvollziehbar.

Wie schon im Vorgängerfilm QUANTUM OF SOLACE, in dem der CIA mit dem Bösewicht gemeinsame Sache macht, werden dabei auch die Schattenseiten der Geheimdienste thematisiert. Man hat fast den Eindruck, dass die Bondmacher den gesellschaftskritischen Geist des New-Hollywood-Kinos der Siebziger einfangen wollen, dem sie sich damals mit der ironischen Gigantomanie der Roger-Moore-Filme erfolgreich entzogen haben. M ist hier so widersprüchlich und damit dreidimensional wie nie zuvor. Die Figur hat sich im Laufe der Reihe interessanterweise immer mehr Flemings ursprünglichen Inspirationen angenähert. Ian Fleming und seine drei Brüder nannten ihre dominante Mutter M., was Fleming augenzwinkernd auf den fiktiven Geheimdienstchef anwandte. In SKYFALL steht M. nun mehr denn je für Mutter, und für eine sehr schwierige. Bonds Loyalität zu seinem Land und seinem Arbeitgeber - eine der Eigenschaften der Filmfigur, die sich nie verändert haben - wird stärker herausgefordert als je zuvor. Dabei hätte man jedoch gern mehr gesehen von Bond, wie er den "Tod" genießt, schließlich hadert und nach London zurückkehrt. Überhaupt wirkt der Film trotz seiner überdurchschnittlich langen Laufzeit von über zwei Stunden und zwanzig Minuten erstaunlich kurzweilig.

Im letzten Drittel ergreift Bond die Initiative und begibt sich zusammen mit M an einen Ort, an dem Hackergenie Silva nicht auf seine gewohnten Tricks zurückgreifen kann - den unwirtlichen Bergen Schottlands, wo sich der Landsitz der Familie Bond befindet. Es wird also diesmal nicht nur der Wodka Martini, sondern auch die klassische Bondformel kräftig geschüttelt, denn sonst war es immer Bond, der seine Gegenspieler in ihren Domizilen aufspürte. Hier warten die alten Geheimdienst-Schlachtschiffe Bond und M sowie der von Schauspiellegende Albert Finney verkörperte Kincade auf den Angriff von Silva und seinen Schergen, ein bisschen wie eine bedrohte Familie. Tradition trifft auf Moderne, Alt auf Neu, und das sehr explosiv. Und am Ende ist alles neu, und doch wie gewohnt.

Auch der Film an sich kombiniert gekonnt altes und neues. Es gibt wunderbar geschliffene Dialoge ebenso wie Humor und liebevolle Referenzen an die eigene Geschichte. Und Titeldesigner Daniel Kleinman feiert nach der eher durchschnittlichen Arbeit von MK12 am letzten Bondfilm ein furioses Comeback. Seine Bilder stellen den Subtext der Geschichte dar und sind gleichzeitig ein geheimnisvolles Foreshadowing der Handlung - Eye-Candy mit Diabetes-Gefahr.

Ähnlich wie Connery mit GOLDFINGER und Moore mit THE SPY WHO LOVED ME ist Daniel Craig mit diesem Film endgültig in der Rolle angekommen, und hat sich das "ist" zwischen eigenem und Rollennamen verdient. James Bond will return - unbedingt mit Daniel Craig!

SKYFALL feiert Deutschlandpremiere

Gestern abend war die Deutschlandpremiere des 23. 007-Abenteuers SKYFALL in Berlin, diesmal nicht im Cinestar am Potsdamer Platz wie die Vorgängerfilme, sondern zum ersten Mal im Berlinale-Theater. Kurz nach 17 Uhr trafen die ersten Prominenten ein, darunter zahlreiche deutsche Schauspieler aus Bondfilmen, wie Clemens Schick, Ludger Pistor, Jürgen Tarrach und Model Veruschka von Lehndorff (CASINO ROYALE) sowie Daniel Craigs deutsche Synchronstimme Dietmar Wunder. Gegen 19:30 Uhr trafen schließlich Daniel Craig, Bérénice Marlohe, Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Sam Mendes ein.




Ludger Pistor (Mendel in "Casino Royale") mit Christina Perera
Jürgen Tarrach (Schultz in "Casino Royale") mit Tochter Sophi Böhme-Tarrach
Produzentin Barbara Broccoli im Pro7-Interview
Bérénice Marlohe, Sam Mendes, Barbara Broccoli, Daniel Craig
Daniel Craig im Interview
Bérénice Marlohe (Severine): Eine Augenweide


James Bond 007
Mehr Bilder von der Deutschlandpremiere gibt es auf der Facebook-Seite von Bond & Beyond!

Copyright: Bondandbeyond.de

Samstag, 27. Oktober 2012

Bond in Cortina (3)

Logo der Olympischen Winterspiele 1956
(Quelle: Wikipedia)
1) Hotel Miramonti

2) Piazza Venezia

Trampolino Olimpico

Nicht erst seit den diesjährigen Olympischen Spielen in London, zu deren Eröffnung 007 mit der Queen per Fallschirm eintraf, gibt es Verbindungen zwischen Bondfilmen und den Spielen. Die Bob- und Skijagden in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE (Im Geheimdienst Ihrer Majestät, 1969) wurden mit Hilfe von Schweizer Olympia-Athleten realisiert. FOR YOUR EYES ONLY (In tödlicher Mission, 1981) beinhaltete zahlreiche Referenzen an den 007-Klassiker mit George Lazenby, darunter auch eine längere Skijagd, in die diverse olympische Wintersportarten wie Biathlon, Bobsport und Schanzenspringen integriert wurden. Für letzteres benutzte man die Sprungschanze in Cortina d'Ampezzo, die für die Olympischen Winterspiele 1956 erbaut wurde.





Seit den Dreharbeiten in den Achtziger Jahren wurde die Schanze leider immer mehr dem Verfall preisgegeben. Bei meinem Besuch im Sommer dieses Jahres sah es allerdings so aus, als ob sie restauriert wird.




Blick auf Cortina unterhalb der Sprungschanze

















007-Mosaik

Habe mich gerade auf dem 007-Mosaik entdeckt. :)

Samstag, 20. Oktober 2012

50 Years of Bond Mix

Ein interessant gemachter Clip mit Momenten aus allen Bondfilmen, man sieht auch kurz Bonds Sturz ins Wasser aus der SKYFALL-Teasersequenz, der in den Trailern noch nicht zu sehen war:


Hier auch einige Interessante Fakten aus dem neuen Bondfilm, bei denen man unter anderem erfährt, in welcher Form Cola im Film eingesetzt wurde, und, zum Thema Cola passend, eine geniale Werbeidee von Coke Zero.

Skyfall IMAX Poster


Sonntag, 14. Oktober 2012

007 XXS

50 Jahre "James Bond 007 jagt Dr. No"

Danny Morgenstern kennt James Bond wie seine Westentasche. Und vom Format her gut in selbige passt auch sein neuestes Buch 007 XXS - 50 Jahre "James Bond 007 jagt Dr. No". 2006 hatte Morgenstern mit dem zweibändigen Mammutwerk James Bond XXL das weltweit umfangreichste Nachschlagewerk zum Thema James Bond vorgelegt.


Der "kleine Bruder" 007 XXS bietet nun auf handliche 104 Seiten verdichtete Fakten und Wissenswertes rund um den Film und den Roman "James Bond 007 jagt Dr. No". Selbst langjährige Bondfans dürften hier auf die eine oder andere Neuigkeit stoßen. Mir war beispielsweise bisher nicht geläufig, dass "Wedding Party" vom LICENCE TO KILL-Soundtrack eine musikalische Referenz an DOCTOR NO ist. Auch sonst gibt es im an Eigenzitaten reichen Bonduniversum zahlreiche Verweise an den Filmklassiker, der vor 50 Jahren in die britischen Kinos kam. Und auch im neusten James-Bond-Streifen SKYFALL gibt es eine kleine Referenz an DOCTOR NO.

Ein Kapitel zu den Einspielergebnissen und Zuschauerzahlen der Bondfilme sowie die ausführlichen Film-Credits machen das Buch zu einem nützlichen und handlichen Nachschlagewerk. Bondfans dürfen sich auf weitere XXS-Bücher zu den jeweiligen Jubiläen der Filme und Romane freuen.

Über den Autor: Danny Morgenstern war Mitarbeiter für das Stadtmagazin „Cockta!l“ (zuletzt als Kolumnist), schrieb für die Boulevard-Zeitung „Extra“ und für die Braunschweiger Zeitung.
2001 war er Co-Autor beim „Lexikon der Idole“ (Schwarzkopf und Schwarzkopf) von Michael Völkel und Karsten Weyershausen. Im selben Verlag erschien Morgensterns Buch „James Bond XXL“ (2006), das als Standardwerk auf dem Gebiet „James Bond“ gilt. Zuletzt erschienen Danny Morgensterns experimentelle Bücher „Stöhnen – aber richtig! Der etwas andere Oralverkehr“ (2010) und „Der LiebesLebenRetter“ (2011). Danny Morgenstern ist Business-Knigge-Trainer, schult Dienstleister in Seminaren mit den Themenschwerpunken „Moderne Umgangsformen“, Körpersprache, Kommunikation, Motivation und Umgang mit Kunden. Als Moderator führte Morgenstern durch mehrere große Veranstaltungen, die auch live im Fernsehen übertragen wurden (u.a. 2008 die „German Masters“, zusammen mit Isabel Edvardsson). Als Initiator des „World Freeze Day“ hat der Braunschweiger in den letzten Jahren deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Sir Roger Moore: "Bond über Bond"

Alles über die erfolgreichste Kinoserie der Welt

Nach seiner Autobiographie "Mein Name ist Bond... James Bond" widmet sich Sir Roger Moore in diesem Buch ausschließlich dem Bonduniversum. Nach den zahllosen Büchern, die über den britischen Superagenten geschrieben wurden, ist ein Buch über die Filmreihe aus der Perspektive eines seiner erfolgreichsten Hauptdarstellers ein sehr interessantes Novum. Neben Informationen und zahlreichen - zum Teil noch nicht gesehenen - Bildern zu allen Bondfilmen plaudert Moore aus dem Nähkästchen und verrät so manches für Fans neue Detail.


Anlass ist nicht nur das fünfzigjährige Jubiläum der Filme, sondern auch das vierzigjährige Bondjubiläum von Sir Roger, der im Oktober 1972 die Walther von Sean Connery übernahm.

Das Buch widmet sich dabei verschiedenen Aspekten der Reihe, wie Girls, Bösewichte, Autos, Lifestyle oder Schauplätze, mit dem Schwerpunkt auf Moores sieben Bondfilmen. Amüsant ist dabei wie schon in seiner Autobiographie der charmante und selbstironische Schreibstil. Bei Moores Humor kann man sich gut vorstellen, wie locker und freundschaftlich es seinerzeit bei den Bonddreharbeiten zugegangen sein muss. Die Fotos vom Set verstärken diesen Eindruck. 'Die gute alte Zeit...', denkt man da unwillkürlich.

Doch die Dreharbeiten waren offenbar auch oft nicht ungefährlich, beispielsweise Moores Ritt auf einem Jet Bike für THE SPY WHO LOVED ME oder die Jagden über stark verschmutzte Gewässer in Indien und Thailand. Sir Roger Moore beschreibt auch, wie er seine eigene Bondinterpretation in den Beschreibungen von Ian Fleming fand. Ich bin mit Moores Bond aufgewachsen - "Der Spion, der mich liebte" aus meinem Geburtsjahr 1977 war mein erster Bond im Fernsehen - und er ist bis heute mein Lieblingsbonddarsteller. So weit entfernt von Flemings Bond war er für mich auch nie. Wie Bond war Sir Roger Moore beispielsweise immer ein Freund gehobener Gaumenfreuden und ein "Frauenheld".

"Bond über Bond" ist sehr empfehlenswert und sollte in keinem Bondfan-Bücherschrank fehlen.


Gebunden, 224 Seiten
mit 400 farbigen und
schwarz-weißen Abbildungen
Preis € [D]29,95 [A] 30,80 / sFr 40,90
ISBN 978-3-86873-501-7

In eigener Sache

Zur Zeit kann ich hier etwas weniger schreiben und veröffentlichen, da ich mich im Krankenhaus befinde.
Stay tuned....

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Skyfall-Song online!

Passend zum Goldenen Jubiläum der Londoner Uraufführung von DR. NO hat SONY den langerwarteten Titelsong zu SKYFALL von Adele veröffentlicht! Es ist der erste Bondsong der Craig-Ära, der auch den Titel des Films trägt.

Am morgigen Sonnabend ist DR. NO noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen, im Braunschweiger Kino C1.


Dienstag, 2. Oktober 2012

Alter-Ego-Shooter

Looper
USA 2012
Regie und Drehbuch: Rian Johnson
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Piper Perabo

Die gute Nachricht zuerst: In sechzig Jahren sind Zeitreisen möglich. Allerdings keine spannenden Trips in den Wilden Westen oder die Kreidezeit. Die Zeittouristen können ihre Ausflüge kaum genießen, denn unmittelbar nach Ankunft werden sie auch gleich in die ewigen Jagdgründe weiterbefördert. Da Zeitreisen offiziell verboten sind, werden sie von Verbrecherorganisationen zur perfekten Eliminierung von unliebsamen Zeitgenossen genutzt. Sogenannte Looper töten und entsorgen die Opfer in der Vergangenheit, damit sie in der Zukunft keine DNA-Spuren mehr hinterlassen.


So weit, so düster. Aus dieser ebenso originellen wie pessimistischen Idee entspinnt Autor und Regisseur Rian Johnson (Brick) eine Zukunft, die in ihrer perfiden Brutalität bedrückend realistisch wirkt. Um die Looper als unliebsame Mitwisser loszuwerden, schickt man deren zukünftige Alter-Egos ebenfalls als Opfer in die Vergangenheit. Da Joe (Joseph Gordon-Levitt) in 30 Jahren jedoch die Coolness von Bruce Willis entwickelt, erweist sich die Tötung des Zukunfts-Ichs viel schwieriger als erwartet.

Charakterkopf Bruce Willis ist hier in einer Rolle zu sehen, die an 12 MONKEYS (1995) von Terry Gilliam erinnert - auch dort reiste er aus einer düsteren Zukunft durch die Zeit zurück und begegnete sich selbst. Trotz dieser Gemeinsamkeiten stellt LOOPER vom Konzept her aber einen Gegenentwurf zu diesem Film dar. Zeitreisegeschichten sind ja immer auch ein philosophischer Kommentar zur alten Frage des freien Willens. In
12 MONKEYS können die Protagonisten den Zeitablauf nicht verändern, weil alle ihre Handlungen Teil desselben und durch physikalische Gesetze vorherbestimmt sind. Freier Wille ist dort eine Illusion. In LOOPER und auch den meisten anderen Zeitreisefilmen dagegen, wie ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT I bis III, THE BUTTERFLY EFFECT und den STAR-TREK-Zeitreisen, stellt der freie Wille der Protagonisten eine reelle Kraft dar, die unabhängig von physikalischen Gesetzen und Ursache-Wirkungs-Prinzipien ist und den Ablauf der Dinge verändern kann.

So düster Filme wie LOOPER oder THE BUTTERFLY EFFECT also auch sind, im Grunde sind sie ein sehr optimistisches Plädoyer für die Freiheit des Willens. Die Stärke von LOOPER ist, dass Rian Johnson als Autor diese philosophischen Implikationen bewusst einsetzt. Und so ist der Film nicht nur ein Science-Fiction-Actioner mit einer originellen Grundidee, sondern auch ein Film über die kleinen und großen Entscheidungen, die das ganze Leben zum Guten oder zum Schlechten verändern können, und über den Generationenkonlikt mit dem eigenen Ich durch sich verändernde Prioritäten. Die sich durch die Zeit-Paradoxa ergebenden Effekte nutzt der Film clever für sich, zum Beispiel mit einer albtraumhaften Stirb-langsam-Sequenz im buchstäblichen Sinn.

Obwohl LOOPER durch solide Effekte und futuristische Sets überzeugt, ist die wahre Sensation sein Hauptdarsteller. Joseph Gordon-Levitt, der schon in INCEPTION und THE DARK KNIGHT RISES beeindruckte, wirkt hier wie ein lebender Spezialeffekt - so verblüffend beherrscht er Mimik und Gestus von Bruce Willis. Die oscarreife Maske verstärkt diesen Effekt noch. Man meint in vielen Szenen den jungen Willis aus der Serie "Das Modell und der Schnüffler" vor sich zu haben, und das obwohl Gordon-Levitt im richtigen Leben eigentlich überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem Armageddon-Star hat. Ebenfalls aus dem eh schon guten Schauspielensemble herausragend ist der fünfjährige Pierce Gagnon.

LOOPER ist eine der positivsten Filmüberraschungen dieses Jahres. Einige kleinere Mängel trüben diesen Eindruck nur leicht. Zum einen macht der Film unnötigerweise eine zweite Science-Fiction-Baustelle auf, und verkauft dem Zuschauer zwei Konzepte, wo eins - die Zeitreise - eigentlich ausgereicht hätte. Zum anderen hatte ich nach dem hypnotisierenden Ideen-Feuerwerk in den beiden ersten Dritteln gegen Ende das Gefühl, dass das Konzept nicht völlig ausgereizt wurde. Und auch Bruce Willis´ Figur wirkt im Finale leider nicht mehr völlig glaubwürdig. Zum ganz großen Wurf à la INCEPTION reicht es deshalb für mich nicht, aber LOOPER ist trotzdem beeindruckend und sehr sehenswert. Und er regt zum Nachdenken an, und das ist viel mehr, als man von den meisten Blockbustern sagen kann.