Dienstag, 27. August 2013

Erste Details zu SOLO

Cover: James Bond SOLO, von William Boyd, ein 007 Roman
Deutsches Cover (amazon)
US-Verleger HarperCollins und die Seite The Book Bond haben eine erste detailiertere Handlungsangabe zum neuen James-Bond-Roman SOLO von William Boyd veröffentlicht, der in Deutschland am 1. Oktober im Berlin Verlag erscheint:











Es ist 1969 und James Bond 007 hat gerade seinen 45. Geburtstag gefeiert, als er ins Hauptquartier gerufen wird und einen ungewöhnlichen Auftrag erhält. In Zanzarim, einer westafrikanischen Nation, wütet ein erbitterter Bürgerkrieg, und M erteilt Bond den Auftrag, gegen die Rebellen vorzugehen, die das bestehende Regime bedrohen.

Kaum in Afrika angekommen begibt sich Bond auf die fieberhafte Suche nach den Drahtziehern hinter diesem brutalen Krieg - wobei er schnell feststellt, dass die Situation alles andere als überschaubar ist. Schritt für Schritt kommt Bond hinter die wahre Ursache für die Gewalt in Zanzarim und stößt auf eine Verschwörung, die jede Vorstellung übertrifft.

Mit einem Handlungsbogen von den Rebellen-Schlachtfeldern in Westafrika zu den geschlossenen Türen der Geheimdienstzentralen in London und Washington ist SOLO ein fesselnder Thriller mit packender Handlung, denkwürdigen Charakteren und atemberaubenden Wendungen genauso wie eine meisterhafte Studie über Macht und ihren Gebrauch - eine brillante Bereicherung des James-Bond-Kanons.

Das Original gibt es hier. Offenbar ist die Handlung diesmal etwas politischer und gesellschaftskritischer als man von Bondromanen gewohnt ist. Ich bin gespannt!

Montag, 26. August 2013

Zwischen Formelhaftigkeit und Reizüberflutung

Hollywood, Los AngelesNachdem in diesem Jahr einige Blockbuster floppten, die als relativ sichere Bank galten - darunter WHITE HOUSE DOWN, PACIFIC RIM und THE LONE RANGER - gibt es zunehmend Diskussionen darüber, was im aktuellen Sommer-Popcorn-Kino falsch läuft. (Siehe unter anderem SZ oder Zeit) Wenn selbst Steven Spielberg und George Lucas, die den Blockbuster in den Siebzigern aus der Taufe hoben, derzeitige Big-Budget-Produktionen kritisieren, muss wohl tatsächlich einiges schieflaufen. Stehen die Filmdinosaurier kurz davor, aufgrund ihrer übersteigerten Größe zu sterben?



Spielberg prophezeit, dass es nach dem Flop mehrerer sogenannter Tentpole-Movies zu einer Implosion des ganzen Hollywoodsystems kommen werde, nach der man sich neu orientieren müsse. Auch andere Regisseure kritisieren die momentane Situation, wie Quentin Tarantino, Ron Howard oder Steven Soderbergh. Soderbergh ist ganz pessimistisch und glaubt nicht an eine Erneuerung Hollywood, selbst nach einer Implosion. Er sieht mehr kreativen Spielraum bei Fernsehproduktionen wie Breaking Bad oder Mad Men.

Neben den überzüchteten Budgets steht auch eine gewisse Formelhaftigkeit in der Kritik. Da in Hollywood immer mehr Manager das Sagen haben, haben Drehbuchgurus dementsprechend Hochkonjunktur, da sie umfassende Analysen der Klassiker und erfolgversprechende Story-Modelle anbieten. So sollte es beispielsweise nicht verwundern, dass in SKYFALL und STAR TREK INTO DARKNESS ähnlich wie in THE DARK KNIGHT der Antagonist so ziemlich genau in der Mitte des Films gefangengenommen wird, nur um kurz darauf zu enthüllen, dass dieser Sieg nur Teil seines Plans war, und der vermeintliche Höhepunkt ein sogenannter 'false victory'. Auch die Themen der Blockbuster ähneln einander immer mehr. Superhelden, Riesenroboter, Zombies etc. duellieren sich und zerstören nebenbei einen Großteil des Planeten. Drehbuchautor Damon Lindelof findet dafür die treffende Bezeichnung 'destruction porn'. (siehe hier)

Auch die nicht-computergenerierte Action tendiert oft zu Masse statt Klasse. In einem sehr lesenswerten Beitrag schreibt Nick Schager, dass bei Actionszenen mehr auf Reizüberflutung durch ein schnell geschnittenes Überangebot aus Perspektiven gesetzt wird als auf eine durchgeplante Choreographie. In der Folge wird die Inszenierung auf Second Units ausgelagert, während die Filme an sich action-unerfahrenen Regisseuren übertragen werden. Bestes Beispiel ist QUANTUM OF SOLACE:

While no studio exec would dare hand over an Oscar-hopeful drama to Michael Bay, the opposite model—Hey, Marc Forster directed "Finding Neverland," so he's obviously the ideal candidate for a Bond film!—now reigns supreme.

Als Gegenbeispiel nennt Schager CASINO ROYALE:

Similarly, Martin Campbell's 2006 "Casino Royale" is a testament to old-school genre craftsmanship, full of immaculately executed set pieces whose momentum rises and falls with musical grace. "Royale" is more aesthetically aligned with "Die Hard" than Marc Foster's follow-up, "Quantum of Solace", whose shaky, fast-cut action scenes were largely subcontracted out to the second unit from the "Bourne" sequels.

Hier ein interessantes Video-Essay zu diesem Thema, sowie ein deutscher Artikel zum Thema auf dem sehr lesenswerten Drama-Blog.

Abzuwarten bleibt, wie die weitere Blockbuster-Entwicklung Bond betrifft. SKYFALL war neben IRON MAN 3 einer der wenigen Blockbuster der letzten Zeit, die die Erwartungen nicht nur erfüllten, sondern übertrafen. Trotzdem könnten MGM und Sony den Druck auf das Bondfranchise erhöhen bei gleichzeitig niedrigeren Budgets, zumal Sony mit AFTER EARTH und WHITE HOUSE DOWN die "2013er Versionen von WATERWORLD und ISHTAR" ablieferte.

Bild von morguefile.com

Montag, 19. August 2013

Operation 'Bentley' beginnt!

Bentley Blower, James Bond 007 carHeute kam ein bei Amazon bestelltes Modell des Bentley 4½ Litre Supercharged „Blower“. Das ist das erste Auto, das James Bond in den Romanen fährt. Bond kaufte den schlachtschiffgrauen Wagen 1932 und lagerte ihn während des zweiten Weltkriegs ein. In Casino Royale wird er während einer Verfolgungsjagd schwer beschädigt, und in Moonraker dann vollends zerstört. In den Filmen sieht man den Wagen während Bonds Picknick mit Silvia Trench in FROM RUSSIA WITH LOVE sowie kurz in NEVER SAY NEVER AGAIN. In den kommenden Wochen werde ich über die Bauarbeiten berichten.

Freitag, 16. August 2013

Der weltbekannte Geheimagent

Oft wird festgestellt, dass James Bond insofern ein Paradoxon sei, dass er auf der einen Seite ein Geheimagent ist, für den eine gewisse Anonymität lebenswichtig ist, er aber auf der anderen Seite offenbar von jedermann und überall erkannt wird. So sagt Roger Moore des öfteren in Interviews: "Well, I mean, this is a man who is supposed to be a spy. And yet he turns up in bars and hotels around the world, and everyone says, 'Ah, Mr Bond, we've been expecting you.'" [...] "Everybody knows who he is and what he wants to drink."* Auch im "Honest Trailer" von SKYFALL wird der Punkt angesprochen. Aber ist dem wirklich so? Ist Bond als Geheimagent tatsächlich bekannt wie ein bunter Hund?



Im ersten James-Bond-Film DOCTOR NO ist Bond bei der Gegenseite noch unbekannt, insofern ist der Film in diesem Punkt realistisch. Er wird auch von niemandem erkannt, mit Ausnahme vielleicht von Felix Leiter, seinem CIA-Kollegen. Im Nachfolger FROM RUSSIA WITH LOVE ist Bond dagegen aufgrund seiner Aktivitäten gegen Dr. No bei S.P.E.C.T.R.E. schon bestens bekannt, und man setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu beseitigen, was innerhalb der Filmwelt realistisch ist.

Im Kampf gegen GOLDFINGER startet Bond dann wieder bei null, und muss Goldfinger mit Namen vorgestellt werden. Hier erkennt ihn außer seinem Freund Felix niemand auf Anhieb. In THUNDERBALL hat Bond dann wieder mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun, denen er natürlich mittlerweile ein Begriff ist. So ist es auch nicht unrealistisch, dass Badgirl Fiona Volpe sich über Bonds umwerfende Wirkung auf Frauen auslässt. Nachdem er drei von S.P.E.C.T.R.E.s groß angelegten Verbrechen vereitelte, wird am Anfang von YOU ONLY LIVE TWICE Bonds Tod vorgetäuscht, um wieder unerkannt operieren zu können. Trotzdem hätten ihn Helga Brandt un Mr Osato erkennen können. Hier haben wir sogar den umgekehrten Fall, dass der Gegner Bond eigentlich kennen sollte, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Dasselbe in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Nachdem sich Bond und Blofeld im vorigen Film Auge in Auge gegenüberstanden, müsste Blofeld ihn hier eigentlich erkennen, tut es jedoch nicht. Auch hier haben wir eher den entgegengesetzten Fall des eingangs genannten Klischees.

In DIAMONDS ARE FOREVER gibt es dann eine von sehr wenigen Szenen, die das Klischee vermutlich begründet haben. Ein wieder wie Sean Connery aussehender Bond tauscht mit dem Diamantenschmuggler Peter Franks die Identität. Nachdem Franks jedoch aus dem Gewahrsam entkommen konnte, kommt es zum Kampf zwischen beiden vor der Wohnung des Schmugglergirls Tiffany Case. Bond steckt unauffällig seine Playboy-Mitgliedskarte in die Tasche des toten Franks. Tiffany findet sie und ruft: "Sie haben James Bond umgebracht!" Mal ganz abgesehen davon, dass das ein ironischer Gag in einem sehr ironischen Film ist, ist auch Tiffany Teil einer S.P.E.C.T.R.E.-Operation, und es könnte gut sein, dass Bond bereits in diversen Unterweltkreisen bekannt ist.

Von LIVE AND LET DIE an hat James Bond nun wieder mit Gangstern zu tun, mit denen er zuvor noch nie aneinandergeraten war, und die seinen Namen meistens zum ersten Mal hören. Mit Ausnahme von Beißer, der Bond allerdings eh nie formal begrüßt, Alec Trevelyan und General Ourumov in GOLDENEYE sowie Colonel Moon aka Gustav Graves in DIE ANOTHER DAY. In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN kennen ebenfalls die meisten handelnden Personen Bond bereits, wobei Scaramanga und der Waffenhersteller Lazar sich berufsbedingt sehr gut im Bereich der Profi-Scharfschützen und Killer auskennen. Christopher Lee hat die Rolle zudem als ehemaligen Abwehr-Offizier angelegt.

Dass Bond beim KGB bestens bekannt ist, inklusive Details wie Trinkgewohnheiten, dürfte auch nicht verwundern. So kennt Major Anya Amasova Bonds Lieblingsdrink in THE SPY WHO LOVED ME (er allerdings auch ihren). Auch Georgi Koskov kennt Bond als besten Scharfschützen des MI6 in THE LIVING DAYLIGHTS, ebenso Valentin Zukovski in GOLDENEYE. Der letzte Gegenspieler, der bereits das meiste über Bond zu wissen scheint, ist Raoul Silva in SKYFALL, was aber durch dessen Identität als ehemaliger Agent und Hacker plausibel ist.

Und dann gibt es natürlich noch diverse Rezeptionisten oder Kellner in Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt. Beispielsweise in Wien in THE LIVING DAYLIGHTS oder in Hongkong in DIE ANOTHER DAY. In letzterem wird Bond sogar mit Vollbart und im Pyjama erkannt. Aber die wenigsten von ihnen wissen wohl, dass Bond ein Geheimagent ist. James Bond ist auch nicht gerade ein seltener Name. Wer es wirklich auf Bond abgesehen hat, wird wohl eher nicht auf die Hilfe eines Concierge angewiesen sein.

Unter dem Strich bleibt nur die Szene mit Tiffany Case in DIAMONDS ARE FOREVER, in der Bond bekannter zu sein scheint, als es sein Beruf eigentlich zulassen sollte. Zum größten Teil stimmt das Klischee also nicht.

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* Siehe beispielsweise hier

Montag, 12. August 2013

Morgengrauen des Atomzeitalters

James Bond - Moonraker, Ian Fleming

James Bond 007 Moonraker, Ian Fleming, CoverMontage sind die Hölle für James Bond. Wenigstens in diesem Punkt ergeht es dem Doppelnull-Agenten wie den meisten von uns. Morgens durch das graue nebelige London ins Büro, nach einem Wochenende mit zuviel Alkohol und Zigaretten. Schießübungen mit dem Waffenmeister. Mittags Lunch in der MI6-Kantine. Dann die übliche Memos, Fluchtwege aus Ost-Berlin, die neuesten KGB-Waffen, etc. pp. Am Nachmittag ein bisschen herumtippen am eigenen Agentenratgeber. Und dann endlich das Klingeln des roten Telefons, der Ruf der weiten und gefährlichen Welt außerhalb des tristen London!




Doch es geht nicht um einen Anschlag auf einen Agenten Ihrer Majestät oder sonstige KGB-Machenschaften. Bond soll nur für M im exklusiven Blades Club dem Multimillionär Sir Hugo Drax auf die Finger schauen, und den Nationalhelden vor einer eventuellen Blamage durch Falschspielen bewahren. Das Duell am Spieltisch ist jedoch nur der Schatten eines viel größeren und brutaleren Kräftemessens, bei dem es um nichts weniger als die nationale Sicherheit Großbritanniens in einer Zeit stetig aufrüstender Supermächte geht!

Moonraker ist der dritte Bondroman nach Casino Royale und Leben und sterben lassen, und war mein erster, nachdem ich 1993 zum Fan wurde (In der Ausgabe des Scherz-Verlages hieß er Mondblitz). Dass Bond in dem Roman von 1955 am Ende nicht in den Weltraum fliegt, ahnte ich bereits irgendwie. Trotzdem war die Prä-Film-Bondwelt etwas völlig neues, so ganz ohne ironische Oneliner, halsbrecherische Actionszenen zu Beginn oder Autos und Uhren voller Gadgets. Man muss schon irgendwo bereit sein, sich darauf einzulassen, um dem Buch-Bond eine echte Chance zu geben. Aber es lohnt sich, wenn man es kann!

Moonraker ist von allen Bondromanen dem klassischen Krimi am nächsten. Bond wird nach einem mysteriösen Mordfall mit den Ermittlungen betraut und arbeitet mit einer Polizistin zusammen. Seine Werkzeuge sind sein Instinkt und seine Intelligenz; er muss Spuren suchen und Fingerabdrücke sichern. Der Roman hat teilweise fast Kammerspielcharakter. Der Ort der Handlung beschränkt sich auf London und die Küstenlandschaft nahe Dover, die Zeit auf eine Woche. Aber dadurch wirkt die Handlung auch ausgesprochen rund und in sich geschlossen, anders als noch im Vorgänger Leben und sterben lassen. Der größte Kritikpunkt ist sicher eine gewisse Vorhersehbareit ab einem bestimmten Zeitpunkt, die der Atmosphäre des Buches jedoch nicht schadet. Außerdem machen Bond und sein Gegenspieler auch hier schon die üblichen Fehler, die sie bis heute auch in den Filmen wiederholen. Bond nimmt einen offensichtlichen Anschlag auf sein Leben hin, ohne im großen Stil die Polizei zu alarmieren (das ist beispielsweise auch im Film MOONRAKER der Fall). Der Gegner nutzt dafür gegen Ende nicht die Gelegenheit, Bond einfach auszuschalten und damit seinen Plan nicht weiter zu gefährden.

Sehr vorausschauend ist dagegen Flemings Idee, dass ein Terrorist durch diverse Manipulationen am Aktienmarkt Gewinne durch seinen Anschlag plant, was erst 2006 im Film CASINO ROYALE aufgegriffen wurde.

Die Atmosphäre des Londoner Clubland erinnert ein bisschen an Jules Vernes' In 80 Tagen um die Welt. (Nicht umsonst haben wohl Flemings Favorit David Niven und Pierce Brosnan erfolgreich den weltreisenden Phileas Fogg verkörpert) Der fiktive Blade's Club ist eine Mischung der realen White's Club, Boodle's und des Portland Club, in dem seit 1826 Bridge gespielt wird. (In diesen Clubs ist die englische Küche sicher tatsächlich die beste der Welt, wie Fleming seinen Helden bemerken lässt)


Nachdem Fleming mit Le Chiffre und Mr. Big bereits zwei markante Schurken kreiert hatte, stattete er seinen Antagonisten hier auch endlich mit einem Plan aus, der eine echte Bedrohung darstellt. Dabei haben Nuklearwaffen eine erstaunlich weit zurückreichende Tradition in der britischen Literatur. Bereits der Science-Fiction-Urvater Herbert George Wells veröffentlichte am Vorabend des ersten Weltkriegs 1914 (!) die Schreckens-Vision eines globalen Atomkrieges, in The World Set Free. Robert Nichols and Maurice Browne schrieben 1929 ein erfolgreiches Broadway-Stück namens Wings over Europe, in dem ein Wissenschaftler eine Weltherrschaft unter britischer Führung durch neuartige Atomwaffen vorschlägt. Im Roman Public Faces von Harold Nicolson aus dem Jahr 1932 strebt Großbritannien eine weltweite Abrüstung durch ein Monopol von Atomwaffen an, die bereits durch Raketen zu ihren Zielen geschickt werden können. (Mehr dazu hier)

Fleming steht in dieser britischen Tradition, war aber einer der ersten Autoren, die die Bedrohung durch atomare Terroranschläge als Suspense-Mittel im klassischen Thriller benutzten. Flemings Szenario orientiert sich dabei an den Fakten und war wie die Filme später nur 'drei Minuten in der Zukunft'. Ähnlich wie das Space Shuttle, das zwei Jahre nach dem Film MOONRAKER in Betrieb genommen wurde, starteten die ersten Interkontinentalraketen von Baikonur und Cape Canaveral zwei Jahre nach dem Roman, im Jahre 1957. Um die wissenschaftlichen Fakten zu verifizieren, korrespondierte Fleming unter anderem mit Arthur C. Clarke, dem Autoren von 2001 - A SPACE ODDYSSEY.

Durch die deutschen Bombardierungen Londons, bei der Flemings Freundin durch einen Splitter im Schlaf getötet wurde, war das Thema für ihn auch ein persönlicher Albtraum. Die Raketenexperten der Nazis wurden unmittelbar nach Ende des Krieges von Amerikanern und Russen angestellt, darunter auch der spätere NASA-Experte Wernher von Braun. Diese Praxis löste nicht nur bei Fleming Kritik und Misstrauen aus, wie auch noch der Film DR. STRANGELOVE 1964 dokumentiert.


Seltene Farbaufnahmen der deutschen V2, die die Inspiration für den Moonraker waren


Der Ullstein-Verlag, der Casino Royale und Leben und sterben lassen in Deutschland veröffentlicht hatte, lehnte Moonraker wegen 'antideutscher Tendenzen' ab. Für die deutsche Erstausgabe durch den Scherz-Verlag wurde der Roman dann an zahlreichen Stellen gekürzt, meist gegen Ende verschiedener Kapitel, deren Titel man ebenfalls weg rationalisierte. So entfallen beispielsweise Bemerkungen über Drax' preußische Herkunft, aber auch detailierte Beschreibungen im Blade's Club sowie Hintergrundinformationen über Bonds Vergangenheit. Diese gestrichenen Passagen wirken zwar nicht sinnentstellend, tragen aber an vielen Stellen zur speziellen Atmosphäre der Fleming'schen Welt bei, die die Bücher von anderen Thrillern unterscheiden.

Insofern ist auch dieser Roman in der neuen Übersetzung des Cross-Cult-Verlages ein Muss für wahre Bondfans!