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Freitag, 22. Juli 2022

Die Welt hat nicht genug

Verschmutzte, überfüllte Städte, Menschen mit Atemschutzmasken, brutale Räumkommandos der Polizei, ... Die Bilder des Films SOYLENT GREEN (Jahr 2022... die überleben wollen...) von 1973, die das Jahr 2022 zeigen sollen, erinnern tatsächlich auf eine fast schon gespenstische Weise an unsere Gegenwart. Und auch einige andere herausragende Science-Fiction-Filme vor allem aus der ersten Hälfte der 1970er Jahre verweisen mit ihren dystopischen Vorausschauen mehr oder weniger direkt in unsere Zeit. 

Einer der Gründe für diesen Trend war die Studie Die Grenzen des Wachstums, die der Club of Rome, finanziert von der Volkswagenstiftung, Anfang 1972 veröffentlichte. Die Simulation eines Computers unter Leitung des MIT-Ökononem Dennis Meadows regte ernsthafte Diskussionen darüber an, ob die Straße des stetigen Wachstums - statt zu immer größerem Wohlstand und Fortschritt, wie noch in den goldenen Sechzigern angenommen - auch in den Untergang führen könnte. So sagte etwa der Nobelpreisträger Linus Pauling 1976 auf einer Tagung, dass in etwa 50 Jahren "die größte Katastrophe in der Menschheitsgeschichte eintreten werde". 

Selbst in den ungebremst eskapistischen Abenteuern der James-Bond-Reihe der 1970er findet sich etwas von dieser Besorgnis wieder, und sie inspirierte in Der Spion, der mich liebte einen neuen Typus von Bondgegenspieler.

Dienstag, 1. Dezember 2020

Bond Noir

Was wäre, wenn man die Bondromane von Ian Fleming zeitnah nach ihrer Veröffentlichung im Stil des Film Noir, auch Schwarze Serie genannt, vorlagengetreu umgesetzt hätte? Auf dieses Gedankenspiel möchte ich hier mal eingehen, vor allem in Bezug auf mögliche Besetzungen. Wirklich ungewöhnlich wäre das gar nicht gewesen, denn Fleming orientierte sich bei seinen Büchern teilweise stark an den Hardboiled-Krimis von Dashiell Hammett, Raymond Chandler oder Mickey Spillane. 


Wie das ungefähr ausgesehen hätte, kann man schon etwas an der TV-Verfilmung von Casino Royale aus dem Jahr 1954 sehen. Mit dem US-Amerikaner Barry Nelson und dem deutschen Emigranten Peter Lorre spielten hier bereits zwei typische Vertreter des Film Noir mit. 


Donnerstag, 25. April 2019

Rami Malek und weiterer Cast bestätigt

Rami Malek, the new Bond villain
Rami Malek 2015 (Quelle)
In einem live gestreamten Event im jamaikanischen Goldeneye-Ressort - dem Geburtsort des literarischen James Bond - wurden Besetzung, Stab und Synopsis des 25. EON-Bondfilms bekanntgegeben. Der Titel wurde dagegen noch nicht verraten. Die Gerüchte um Rami Said Malek haben sich bestätigt, er wird mit großer Wahrscheinlichkeit den Gegenspieler verkörpern.

Zur etablierten MI6-Crew um Naomie Harris, Ralph Fiennes, Rory Kinnear und Ben Wishaw kommen neben Malek auch wieder 'Felix Leiter' Jeffrey Wright, die Kubanerin Ana de Arnas (BLADE RUNNER 2049, WAR DOGS), Lashana Lynch, Dali Benssalah, der Schwede David Dencik (McMafia) sowie Billy Magnussen (Maniac, Black Mirror), der Gerüchten zufolge einen CIA-Agenten spielen soll.

Zur Handlung wurde folgendes veröffentlicht (Spoiler):





Bond has left active service and is enjoying a tranquil life in Jamaica. His peace is short-lived when his old friend Felix Leiter from the CIA turns up asking for help. The mission to rescue a kidnapped scientist turns out to be far more treacherous than expected, leading Bond onto the trail of a mysterious villain armed with dangerous new technology.


Bond ist am Anfang des Films in einem Haus auf Jamaika zu sehen. Felix Leiter taucht auf und bittet ihn um einen Gefallen. Eine Situation, die an das Treffen zwischen Bond und René Mathis in QUANTUM OF SOLACE erinnert. Hier ist es Mathis, der sich mit seiner Freundin am Meer zur Ruhe gesetzt hat und von Bond um Hilfe gebeten wird. Für Mathis war es das letzte Gefecht, für Bond hoffentlich nicht.

Hier das Video des Events:


Montag, 4. Juni 2018

Ladehemmung

Bond-Marathon #000: CLIMAX! - CASINO ROYALE (1954)

In einigen Franchises gibt es Versuche einer Erstverfilmung, die heute eher als Kuriosität gelten. Bei STAR TREK wäre das der erste Pilotfilm Der Käfig (1965), bei LORD OF THE RINGS die Zeichentrick-Verfilmung von 1978. Bei James Bond ist es die TV-Adaption von Casino Royale aus dem Jahr 1954. Während bei Der Käfig aber beispielsweise die Effekte und das Drehbuch hochwertiger sind als die der meisten späteren Serienfolgen, lässt sich bei Casino Royale das Potential der späteren Filmen nur erahnen.

Man könnte sich sogar darüber streiten, ob die Adaption überhaupt als James-Bond-Film bezeichnet werden kann, da es sich nur eine Fernseh-Aufzeichnung handelt, und James hier nur Jimmy genannt wird. Aber trotz aller offensichtlicher Mängel würde man Casino Royale damit Unrecht tun, denn er hat auch einige überraschende Pluspunkte.


Montag, 18. September 2017

Schurken mit Superwaffen

Nordkoreanisches Propaganda-PlakatDieses Jahr feiern einige Bondfilme Jubiläen. Auch der wohl umstrittenste Bondfilm aller Zeiten, DIE ANOTHER DAY (Stirb an einem anderen Tag), wird 15. Neben den bizarren Übertreibungen und Fehlern, die man dem Film zu Recht anlasten kann, gibt es aber auch einige gute Ideen, Schauwerte und phänomenale Stunts, die man nicht übersehen sollte.

Und obwohl das Drehbuch letztendlich nur noch ein Schatten des ursprünglichen Konzeptes ist, wie hier erörtert, zeigt auch der fertige Film eine weltpolitische Situation, die zwar metaphorisch überhöht, aber trotzdem erstaunlich vorausschauend ist. Vor allem angesichts der Meldungen Anfang September dieses Jahres, dass Nordkorea im Besitz einer Wasserstoffbombe ist.



Donnerstag, 27. April 2017

Beautiful Beast

Die 1990er Jahre waren das vielleicht erfolgreichste Jahrzehnt für das Star-Trek-Franchise. Die Neu-Interpretation der Originalserie, Star Trek: The Next Generation, konnte ihre Einschaltquoten bis zum furiosen Finale mit jeder Staffel steigern und hatte international Erfolg. Aus ihr sprossen mit Deep Space Nine und Voyager zwei Spin-offs hervor, und mit Enterprise folgte noch eine dritte Serie ihrem Fahrwasser. Auch Bond kam in den 90ern nicht an Star Trek vorbei.

Vor 25 Jahren, am 27. Mai 1992, wurde im US-amerikanischen Fernsehen die Folge The Perfect Mate (im deutschen Fernsehen: Eine hoffnungslose Romanze) ausgestrahlt. Damit wurde die niederländische Schauspielerin Famke Janssen, die zuvor als Model unter anderem für Chanel gearbeitet hatte, einem großen Publikum bekannt. Der Serienauftritt führte zu einer Hauptrolle im Bondfilm GOLDENEYE und zu einer internationalen Karriere.




Wie zahlreiche andere Next-Generation-Folgen greift diese Folge aus der fünften Staffel das Thema einer Folge des originalen Star Trek auf, in diesem Fall Elaan of Troyius (im deutschen Fernsehen Brautschiff Enterprise) aus der dritten Staffel der Classic-Serie, und entwickelt es weiter. Hier geht es um eine Science-Fiction-Variation des Trojanischen Krieges und der klassischen Femme Fatale Helena von Troja. Janssen verkörpert in der Folge eine buchstäbliche Traumfrau, die dazu in der Lage, die Bedürfnisse ihres Partners zu erkennen. (Ironischerweise lautet eine ihrer Dialogzeilen in GOLDENEYE "Once again, Mr. Bond, the pleasure was all yours".) 

Durch das intensive und glaubwürdige Schauspiel von Patrick Stewart und Famke Janssen entsteht eine sehr sehenswerte tragische Liebesgeschichte, die das hohe Niveau wiederspiegelt, das The Next Generation gegen Ende erreichte.*

Interessanterweise beginnt die Folge mit zwei Ferengi, die mit einem geheimen Auftrag auf die Enterprise kommen. Einer von ihnen sagt. "This is too easy!" Genau das sagt auch Bond in GOLDENEYE, als er und 006 eine sowjetische Gasfabrik entern. Mit der nach dem Gott Janus benannten Organisation hat Janssens Rolle auch im Bondfilm einen indirekten Bezug zur klassischen Mythologie.

Famke Janssen, die Wirtschaft und Literatur studiert hat, sollte ein Jahr darauf in der Spin-off-Serie Deep Space Nine als Jadzia Dax eine der Hauptrollen übernehmen. Sie lehnte jedoch ab, um sich weitere Filmrollenangebote offen zu halten. Letztlich eine gute Entscheidung, denn dadurch erhielt sie ihre berühmteste Rolle als ebenso tödliche wie schöne Ex-KGB-Agentin Xenia Onatopp in GOLDENEYE.

Da Regisseur Bryan Singer ein großer Next-Generation-Fan ist, besetzte er sowohl Patrick Stewart als auch Famke Janssen in seiner Verfilmung der X-MEN, wo sie an der Seite des letzten Brosnan-Bondgirls Halle Berry spielt. (Singer legte später auch ein sehr interessantes Konzept für eine Star-Trek-Neuinterpretation vor, das leider zugunsten von J.J. Abrams simpler Star-Wars-ierung abgelehnt wurde.) Die Rolle der Jean Grey wiederholte sie noch für drei weitere Filme. In drei TAKEN-Filmen spielte sie die Frau von Liam Neeson, der wiederum einer der Anwärter für die Bondrolle in GOLDENEYE war.

In diesem Jahr ist Famke Janssen gleich dreimal im Kino zu bewundern: In der Komödie A LITTLE SOMETHING FOR YOUR BIRTHDAY mit Sharon Stone, dem Mystery-Thriller AMERICAN UNDERCOVER sowie an der Seite von Bruce Willis in der Actionkomödie ONCE UPON A TIME IN VENICE.


* Die Folge hat sogar eine höhere imdb-Bewertung als der Film GOLDENEYE.

Freitag, 22. Juli 2016

Bourne to be Bond

Der neue Jason-Bourne-Streifen mit dem Titel JASON BOURNE steht ins Haus, und so verwundert es nicht, dass sich sowohl Regisseur Paul Greengrass als auch Bourne-Darsteller Matt Damon in Interviews auch zum Bond-Franchise geäußert haben. Beide nicht besonders positiv, was sicher zum Teil auch daran liegt, dass die Frage nach Bond wohl in fast jedem Interview auftaucht und irgendwann nervt, wenn man eigentlich ein Konkurrenz-Produkt vermarkten will.

Die Aussagen von Greengrass und Damon werfen, obwohl sie etwas fragwürdig sind, interessante Fragen zum Franchise auf.




Matt Damon sagte zum Thema Bond: "Ich mag Bourne lieber als Bond. [Was sicher logisch ist, wenn man ihn spielt.] Bourne verkörpert moderne Werte - Bond die aus den 1960er Jahren. Daniels Bond hat ihn ein bisschen aufgewertet und ihn mehr in die Gegenwart katapultiert, aber klassischerweise ist der Charakter ein Frauenfeind, der gerne Martinis schlürft und Leute umbringt - was ihm total egal ist. Bourne dagegen ist ein Serien-Monogamist - und er quält sich für die Dinge, die er getan hat. Zudem empfindet er Empathie und Mitleid für andere Leute. Und natürlich würde er einen Kampf gegen Bond gewinnen."

Worum es in JASON BOURNE geht und welche Zielgruppe anvisiert wird, zeigt der Trailer recht deutlich: Bourne schlägt und schießt mit nacktem, muskulären Oberkörper Gegner nieder. Action eben, wie sie ein junges, männliches Publikum mag. Die meisten werden in den Film gehen, um Bourne als 'perfect weapon' siegen zu sehen, nicht um ihn nach einem Mord nachdenklich am Fenster stehen zu sehen. Gewalt wird einerseits kommerzialisiert und ästhetisiert, gleichzeitig aber aus Publicity-Zwecken kritisiert. Diese Doppelmoral erkennt man schon am letzten Satz, Bourne würde gegen Bond gewinnen. Er ist also ein besserer Kämpfer und Killer, aber gleichzeitig ein besseres Vorbild für heutige Männer, weil er nach jedem Kampf ein paar Krokodils-Tränen über seine Opfer vergießt und "sich quält". Ein beeindruckendes Beispiel für die typische Hollywood-Moral - eine riesige Party geben, auf der man sich über Alkoholmissbrauch echauffiert.

Da frage ich mich, was ehrlicher ist: Wenn Sean Connery oder Roger Moore einen Schurken mit einem ironischen Oneliner und gehobener Augenbraue in die Ewigkeit schicken, oder wenn ein Auftragskiller, dessen Ausbildung trotz allem als Coolness inszeniert wird (und der in dem Punkt offensichtlich auch mit dem Bond-Franchise konkurrieren will), nach jedem Gewaltakt plakativ erschrocken ist.

Abgesehen davon haben (vermeintlich) kaltschnäuzige Helden eine ebenso lange Tradition wie empathische, von Philip Marlowe und Dirty Harry und Dr. House bis hin zu Deadpool. Sie haben ihre eigene Faszination und auch ihre eigene Berechtigung. Winnetou ist aufgrund seiner Aufrichtigkeit sicher kein faszinierenderer und vielschichtigerer Charakter als Harry Callahan. Dass Bond nicht ganz aus Stein ist, zeigt sich in vielen Romanen und Filmen sehr deutlich. Und dass Craigs Bondfilme die Figur aus den 1960ern "ein bisschen aufgewertet" haben ist angesichts ihres Erfolges auch eine etwas seltsame Untertreibung. Jason Bourne ist immerhin selbst eine Figur von 1980, ebenfalls aus der Phase des Kalten Krieges und über 35 Jahre alt.

Ähnlich äußerte sich auch Regisseur Paul Greengrass, dem eigenen Angaben zufolge auch schon die Regie eines Bondfilms angeboten wurde: "Ich persönlich sehe in den Bondfilmen Werte über Grossbritannien, über die Welt, Männlichkeit und die Macht vermittelt, die ich nicht teile. Ganz im Gegenteil. Bourne ist dagegen in Skepsis verankert. Es gibt die und es gibt uns. Und Bourne ist einer von uns, während Bond für die arbeitet. Und als Junge, der früher in der Klasse immer gern mit Brötchen geworfen hat, gehöre ich sicherlich zu denen, die auf der Seite von Bourne stehen."

Eine ähnliche Kritik habe ich mal zu Star Trek im Gegensatz zu Star Wars gelesen. In Star Trek sind im Prinzip die "Staatsdiener" die Helden, die Beamten, die Offiziere und die militärischen Befehlsempfänger. Vertreter des offiziellen Systems, während es in Star Wars die Rebellen sind, die gegen das "offizielle System" aufbegehren. "Die" und wir. Sicher ist es auch kein Zufall, dass Bond und Star Trek aus den Sechzigern stammen, während Bourne und Star Wars deutlich von den weltgeschichtlichen Umbrüchen nach Vietnam gekennzeichnet sind.

Die Frage ist in diesen Filmen nur: Ist das 'offizielle System' aus Prinzip schlecht? Was ist, wenn in Star Wars die Rebellen gewinnen und ihr eigenes 'offizielles System' aufrichten? Oder wenn alle Bournes dieser Welt alle bösen Politiker und Geheimdienstleute beseitigt haben? Würde Bourne dann nicht losgehen, um jemanden wie Goldfinger unschädlich zu machen? Unter der glitzernden Oberfläche von Girls und Martinis ging es auch bei Bond immer gegen antisoziale Persönlichkeiten, die ihre Macht aus ihrem Reichtum herleiteten. "In Skepsis verankert" zu sein bedeutet hier letztlich, in pubertärem Rebellentum zu stagnieren. Brötchenwerfen forever.

Diese Aussagen belegen aber auch, dass Bond von manchen Leuten immer als "Frauenfeind" oder "Staatsterrorist" wahrgenommen werden wird, wie es der Filmkritiker Georg Seeßlen ausdrückt. Egal, ob er eine Frau als Boss respektiert, um eine geliebte Frau trauert, seinen besten Freund rächt oder von den eigenen Leuten fast erschossen wird und mit seinem Beruf hadert. Man kann nie genug Weihrauch auf dem Altar der 'Political Correctness' darbringen, und es stellt sich die Frage, ob Bond als Filmfigur solchen Vorstellungen von 'Modernität' wirklich immer hinterher laufen muss. Eine große Portion Eskapismus und Selbstironie halte ich da eher für existentiell wichtig.

In Deutschland startet JASON BOURNE übrigens am 11. August.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Sir Christopher Lee verstorben

Sir Christopher Frank Carandini Lee ist im Alter von 93 Jahren in London an Herzversagen verstorben. Lee verkörperte 1974 in THE MAN WITH THE GOLDEN GUN einen der ikonischsten Bondwidersacher, den berühmten Auftragskiller Francisco Scaramanga. Berühmt wurde der Brite vor allem durch seine zehnmalige Dracula-Darstellung. Zudem veredelte er zahlreiche andere Franchises, wie STAR WARS, LORD OF THE RINGS und THE HOBBIT. Der fast zwei Meter große, charismatische Brite spielte seit Mitte der 1940er Jahre in mehr als 280 Filmen und TV-Episoden mit. Er verkörperte neben Dracula auch Frankensteins Kreatur und die Mumie, Sherlock Holmes, dessen Bruder Mycraft sowie insgesamt fünfmal Dr. Fu Manchu (Fu Manchu war das Vorbild für Dr. No, und Lees Cousin Ian Fleming schlug ihn auch für die Rolle des No vor).

Der ausgebildete Opernsänger lieh seine markante Stimme auch zahlreichen Filmen und Computerspielen, darunter GoldenEye: Rogue Agent. In Around the World in 80 Days spielte er neben Pierce Brosnan, in THE GOLDEN COMPASS neben Daniel Craig.

Sonntag, 7. Juni 2015

Keine Sternstunde für das Empire

"Verrat an den Kosaken bei Lienz" (Sergej Korolkoff)
Vor sechzig Jahren ereignete sich die Lienzer Kosakentragödie, bei der die Briten über 20.000 Kosaken samt Familien nahe des österreichischen Lienz durch Verrat an die stalinistische Sowjetunion auslieferten und damit den grausamen Tod von Männern, Frauen und Kindern ermöglichten. Ein wenig bekanntes Kapitel des zweiten Weltkriegs, das ausgerechnet durch einen James-Bond-Blockbuster erstmalig filmisch thematisiert wurde und damit Eingang in die Populärkultur fand: Im 17. von Eon produzierten Bond-Abenteuer GOLDENEYE entpuppt sich der Gegenspieler als Sohn eines Lienzer Kosaken, der nach dem Verrat kollektiven Selbstmord beging. Ein Schicksal, das es so tatsächlich mehrfach gab.


Sonntag, 15. Februar 2015

Louis Jourdan verstorben

(Monsieur.LouisJourdan.net)
Wie Variety meldet, ist der französische Schauspieler Louis Jourdan gestern im Alter von 93 Jahren in Beverly Hills verstorben. Jourdan verkörperte in OCTOPUSSY (1983) den afghanischen Prinzen Kamal Khan, einen klassischen Bondgegenspieler. Er wurde 1921 als Louis Robert Gendre geboren. Seine erste Hollywood-Rolle war in Alfred Hitchcocks THE PARADIN CASE (Der Fall Paradin, 1947). Der attraktive Franzose, der in jungen Jahren selbst einen guten James Bond abgegeben hätte, wurde häufig in romantischen Rollen besetzt. Eine seiner bekanntesten Rollen ist der Held im oscargekrönten GIGI von 1958.

Zu seinen Schurkenrollen zählen neben Kamal Khan der Millionär Arcane in Wes Cravens SWAMP THING (1982), eine sehr interessante Dracula-Interpretation in der vorlagengetreuen Fernsehverfilmung Count Dracula von 1977 (hier ein Filmausschnitt) sowie der Restaurantkritiker Paul Gerard in der von Jonathan Demme inszenierten Columbo-Folge Mord à la Carte (1978).

Montag, 29. Dezember 2014

Das finale Feuerwerk

SKYFALL - Explodierende Skyfall Lodge
Nachhaltige Vergangenheitsbewältigung in SKYFALL
Eines der ungeschriebenen Gesetze im Bonduniversum sieht vor, dass gegen Ende des Films massiv Pyrotechnik zum Einsatz kommt. Irgendwie setzt immer irgendwer irdendetwas in Brand. Fast immer. In 24 Filmen ist diese Genre-Regel wie alle anderen zu einem Klischee geworden, und das Spielen mit diesem Klischee zeigt die Kreativität der Drehbuchautoren. Und manchmal leider auch deren Mangel.




Eine gewisse Ironie birgt dabei der Umstand, dass durch das große Feuerwerk am Ende oft ein noch viel größeres, meist atomares Feuerwerk verhindert wird. Im ersten Bondfilm DR. NO schaffte man diese klare Trennung noch nicht ganz, denn bei bei genauerer Betrachtung verursacht Bond durch den GAU von Dr. Nos Atomreaktor die Verseuchung eines Großteils der Karibik.

Meist schließt der Plan des Schurken die Verwendung von leicht brennbaren und explosiven Stoffen mit ein. So hat Max Zorin in A VIEW TO A KILL ein paar Stangen des für seinen Plan erforderlichen Dynamits auch an Bord seines Luftschiffs, so dass es auch ohne dem seit dem Hindenburg-Unglück verbotenen Wasserstoff als Traggas explodieren kann. Blofeld hat praktischerweise ein Faible für grundsätzlich explosible Orte, wie Vulkane und Ölbohrstationen. Und Franz Sanchez benutzt ausgerechnet Benzin zum Drogenschmuggel.

In einer Vielzahl der Filme ergibt sich die finale Destruktionsorgie einfach aus einer militärischen Großinitiative zur Vereitlung des antagonistischen Plans oder zur Zerstörung des Schurken-Verstecks. Dazu zählen GOLDFINGER, THUNDERBALL, ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, DIAMONDS ARE FOREVER, THE SPY WHO LOVED ME, MOONRAKER, NEVER SAY NEVER AGAIN, THE LIVING DAYLIGHTS und TOMORROW NEVER DIES.

Eine Variation des Feuerwerks ist die Verwendung von Wasser als zerstörendem Element, vorzugsweise in leckgeschlagenen und untergehenden Räumlichkeiten, wie etwa THE SPY WHO LOVED ME, THE WORLD IS NOT ENOUGH oder CASINO ROYALE.

Blofeld bringt seinen Vulkan in YOU ONLY LIVE TWICE durch gezielte Sprengungen gleich selbst zum ausbrechen. Kanangas Versteck wird in LIVE AND LET DIE überhaupt nicht zerstört, was als Ausnahme von der Regel auch sehr gut funktioniert.

Ice Bucket Challenge für Fortgeschrittene:
THE MAN WITH THE GOLDEN GUN
In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN gibt es weder angreifende noch verteidigende Armeen, nur einen einzigen Techniker. Dass das Ausschalten dieses Gegners auch gleich das obligatorische Feuerwerk auslöst ist eine geniale Idee in diesem recht unterschätzten Bondfilm. Das für die Solex-Anlage irgendwie notwendige flüssige Helium dehnt sich explosionsartig aus, sobald es mit warmen Körpern konfrontiert wird. (Scaramanga macht dafür Fehler Nr. 87 auf der Evil-Overlord-Liste, indem er die entsprechenden Bottiche nicht idiotensicher abdeckt: My vats of hazardous chemicals will be covered when not in use. Also, I will not construct walkways above them.)

Im bereits erwähnten LICENCE TO KILL ist der entscheidende Zündfunke ebenfalls sehr schön umgesetzt. Ein Techniker demonstriert die Brennbarkeit des Benzins und damit die mögliche Beseitigung der Beweise für den Drogenschmuggel, was Bond wiederum nutzt, um sich der Aufmerksamkeit des Handlangers Dario zu entziehen.

In GOLDENEYE stellt sich die grundsätzliche Frage, wie die Steueranlage einer Radarschüssel, die zudem durch dutzende Hektoliter Wasser versteckt wird, explodieren kann. Für den Betrieb sind scheinbar Tonnen von Treibstoff notwendig, die Bond mit Zündern versieht. Die Zündung an sich spielt dann sehr schön mit den Erwartungen. Trevelyan deaktiviert den Zünder, indem er Bond alle Gadgets abnimmt. Der fahrlässige Umgang mit einem dieser Gadgets löst sie dann unbeabsichtigt doch wieder aus.

In DIE ANOTHER DAY nutzt man für die Zerstörung des Eispalastes sowie der Antonov die Weltraumwaffe des Schurken. Innerhalb der Reihe durchaus innovativ und ökonomisch.

Der Untergang eines Hauses in Venedig in CASINO ROYALE ist eine sehr kreative und wirkungsvolle Variation der finalen Zerstörung. Das genaue Gegenteil findet sich im Nachfolger QUANTUM OF SOLACE. Wie könnte hier ein Hotel mitten in einer Wüste zerstört werden? Ein Untergehen in einem Sandsturm wäre vielleicht eine neue Idee gewesen. Stattdessen wird dem Zuschauer auf wenig elegante Art vermittelt, dass das Hotel über Brennstoffzellen mit Energie versorgt wird. Man hört die Anlage anspringen, der Polizeichef erklärt die Tatsache, und Medrano fügt noch hinzu: "Klingt sehr instabil." Unauffälliges 'information dropping' sieht anders aus. (Im Theater gab es früher ähnliche Dialoge zwischen Butler und Dienstmädchen, deren alleiniger Zweck war, dem Zuschauer handlungswichtige Details mitzuteilen.)

Die Brennstoffzellen erweisen sich dann auch als dermaßen instabil, dass es bereits genügt, mit einem Auto aus Versehen dran zu fahren - und schon ist das gesamte Hotel in Flammen. Für mich der bisher am unbefriedigendsten umgesetzte Auslöser für das finale Feuerwerk. Die Kreativität eines Films zeigt sich eben auch (oder vor allem?) in solch kleinen Details. (Dafür berücksichtigt Greene allerdings clevererweise Nr. 10 der Liste: "I will not interrogate my enemies in the inner sanctum -- a small hotel well outside my borders will work just as well.")

Der dritte Craig-Bond SKYFALL erweist sich in dem Punkt als solide. Wenn man in einem Bondfilm einen Hubschrauber sieht, kann man relativ sicher sein, dass er kurz darauf in einem Feuerball enden wird. So setzt auch hier ein Helikopter die Skyfall Lodge wirkungsvoll in Brand. Und selten sah das Feuerwerk auch so schön aus wie hier.

Sonntag, 23. November 2014

Gerüchte um Christoph Waltz' Rolle

Die nachfolgende Meldung beinhaltet einen möglichen, sehr großen Spoiler in Bezug auf die Handlung und den Gegenspieler von Bond 24. Wer also das Unmögliche wagen und sich bis zum Filmstart eine gewisse Unkenntnis der Details des Films bewahren will, sollte den Link nicht anklicken und den markierten Spoiler nicht lesen.

Spoiler (entfernt nach entsprechender Presse-Veröffentlichung): Laut einer Meldung der Daily Mail soll in einer Pressekonferenz Anfang Dezember bekanntgegeben werden, dass Waltz Franz Oberhauer verkörpern wird, den Sohn von Hans Oberhauer, Bonds Skilehrer in seiner Jugend und eine Vaterfigur. Das soll jedoch nur ein Bluff sein, und Waltz spielt in Wirklichkeit Bonds alten Erzfeind Ernst Stavro Blofeld in einer der heutigen Zeit angepassten Form.

Hans Oberhauser ist ein Fleming-Charakter und wird in der Kurzgeschichte Octopussy erwähnt. Bond besucht den Mörder von Oberhauser. Dessen Leiche taucht auf, als ein kleiner Gletscher schmilzt. Das alles würde also theoretisch sehr gut zu den Dreharbeiten in Österreich, speziell an einem Gletscher, passen. (Das Ötztal ist ja zumindest für eine aufgetaute Gletscherleiche berühmt.) Es würde auch gewisse Motive aus SKYFALL weiterführen. Dort wurde Bonds Kindheit und der Tod seiner Eltern thematisiert, durch Oberhauser würden seine Teenagerjahre zur Sprache kommen.

Zu einer Rückkehr von Blofeld hatte ich mir vor einem Jahr mal Gedanken gemacht, als Eon die Rechte an der Figur zurück erhalten hatte: Neue Welt, alte Feinde?

Quelle: Daily Mail

Freitag, 14. November 2014

Christoph Waltz als Bonds 'Nemesis'?

Christoph Waltz: Schurke in Bond 24?
Christoph Waltz und Barbara Broccoli auf der Berlinale 2014 (Foto: dpa)
Zahlt sich die Zusammenarbeit von Barbara Broccoli und Christoph Waltz in der Jury der letzten Berlinale in Form einer Hauptrolle für den Österreicher und zweifachen Oscarpreisträger aus? Laut einem Tweet des stets gut informierten Daily-Mail-Autoren Baz Bamigboye wird Waltz eine signifikante Rolle im 24. Bondfilm übernehmen (siehe auch Daily Mail online). Gemäß Bamigboyes Insider ist Waltz' Rolle sehr komplex und extrem gerissen; es wird nicht gleich offensichtlich sein, ob er Freund, Feind oder beides ist.

Christoph Waltz wäre auf jeden Fall der erste deutschsprachige Hauptschurke seit Klaus Maria Brandauer im 1983er NEVER SAY NEVER AGAIN. Wie die Seite MI-6 anmerkt, spielte Waltz 1989 in dem Fleming-TV-Biopic GOLDENEYE einen deutschen Spion. (Nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bondfilm.)

Montag, 13. Oktober 2014

Henchman gecastet

Bautista als Drax the Destroyer (© Marvel Studios)
Auf sexy Kurven folgen stahlharte Muskeln: Kurz nachdem die Französin Lea Seydoux als Bondgirl zur Besetzung von Bond 24 gestoßen ist, ist nun offenbar auch die im August ausgeschriebene Rolle eines großen, physisch sehr bedrohlichen Handlangers in der Tradition von Oddjob und Beißer besetzt: Dave Bautista (Drax in GUARDIANS OF THE GALAXY) ist als "Hinx" zu sehen, der mit Bond aneinander geraten und auch einige Fahrszenen haben wird. (Hitfix)

Donnerstag, 11. September 2014

Bond-Legende Richard Kiel verstorben

Richard Kiel mit Filmpartnerin Blanche Ravalec
(DailyMail.co.uk)
Der Beißer war eine der Kutfiguren des Bond-Franchise, die wohl jedem sofort einfallen, wenn es um James Bond geht. Im Film war er unkaputtbar und überlebte Stürze aus Flugzeugen und Zügen. Im wahren Leben ist Darsteller Richard Kiel leider am gestrigen 10. September von uns gegangen, wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag.

Ursprünglich Mathematiklehrer von Beruf, erhielt Kiel aufgrund seiner außergewöhnlichen Körpergröße kleinere Rollen in TV-Produktionen. 1977 bekam er die Rolle des "Jaws" im Bondfilm THE SPY WHO LOVED ME, für die er den Part des Chewbacca in STAR WARS absagte. Jaws, der Beißer, kam bei den Zuschauern so gut an, dass man seine Todesszene herausschnitt, ihn auch im folgenden Film MOONRAKER auftreten und ihn auf die Seite der Guten überlaufen ließ. Zudem trat der Beißer in zwei Computerspielen auf: Everything or Nothing von 2003 und 007 Legends von 2012. Zu Kiels bekannteren Filmen neben Bond gehört PALE RIDER mit Clint Eastwood.

Richard Kiel war nicht nur ein großer, sondern auch ein großartiger Mensch, dem man den Spaß an den Dreharbeiten stets anmerkte. Danke für die schönen Stunden vor der großen Leinwand und dem Fernsehbildschirm, Richard!

Freitag, 22. August 2014

Drehorte und Gegenspieler von Bond 24 enthüllt

Kurz nachdem mit den beiden österreichischen Orten Obertilliach und Sölden zwei mögliche Drehorte für den kommenden 24. Bondfilm bekannt wurden, berichten MI6-HQ und James Bond Radio heute gleich den nächsten Knüller: Die für den Bondstreifen beauftragte Casting-Agentur sucht nach einem physisch bedrohlichen und sehr sportlichen, über 1,90 Meter großen Darsteller eines 'Henchman', wie die Helfer des Schurken genannt werden. Die Agentur betont im Casting-Aufruf ausdrücklich, dass die Rolle in der Tradition von Oddjob und Beißer stehen soll. Er sollte ein ausgefallenes Äußeres haben, vielleicht aus dem Sport kommen, da er einige Kämpfe mit Bond und Stunttraining absolvieren wird. Zudem wird er in einer Sequenz am Steuer eines Fahrzeugs zu sehen sein. Der Arbeitsname des Charakters ist 'Hinx'. (Was sich angesichts der Ähnlichkeit zu DIE ANOTHER DAY's Jinx sicher noch ändern wird.)

Beide Meldungen deuten stark darauf hin, dass das am Ende von SKYFALL gegebene Versprechen auf einen klassischen Bondfilm diesmal eingelöst wird. Oberhalb des Osttiroler Obertilliachs soll im Januar 2015 ein Bergdorf aufgebaut sowie eine Verfolgungsjagd mit Schneemobilen gefilmt werden. Wahrscheinlich ist, dass Österreich im Film Norwegen doubelt. Schnee-Action gab es zuletzt vor 15 Jahren in THE WORLD IS NOT ENOUGH.

Sonntag, 20. Juli 2014

Die wundersame Welt des Howard Hughes

Howard Hughes, Diamonds Are Forever, The Gemstone Files
Howard Hughes, 1940
(Library of Congress)
Albert R. Broccoli kam die Grundidee für den Plot des siebten Bondfilms DIAMONDS ARE FOREVER (1971) nach eigenen Angaben buchstäblich im Traum. Dort begegnete er einem Hochstapler im Penthouse von Howard Hughes. Doch so skurril war der Gedanke offenbar nicht, denn wenige Jahre später wurde ein Buch veröffentlicht, das als The Gemstone File bekannt wurde. Darin wird behauptet, dass Hughes tatsächlich entführt wurde, um sein Imperium zu übernehmen. Interessanterweise geht es in dem Papier auch um Edelsteine. Aber auch im 2002er DIE ANOTHER DAY spiegeln sich einige Facetten des legendären Piloten und Filmemachers.




Freitag, 16. August 2013

Der weltbekannte Geheimagent

Oft wird festgestellt, dass James Bond insofern ein Paradoxon sei, dass er auf der einen Seite ein Geheimagent ist, für den eine gewisse Anonymität lebenswichtig ist, er aber auf der anderen Seite offenbar von jedermann und überall erkannt wird. So sagt Roger Moore des öfteren in Interviews: "Well, I mean, this is a man who is supposed to be a spy. And yet he turns up in bars and hotels around the world, and everyone says, 'Ah, Mr Bond, we've been expecting you.'" [...] "Everybody knows who he is and what he wants to drink."* Auch im "Honest Trailer" von SKYFALL wird der Punkt angesprochen. Aber ist dem wirklich so? Ist Bond als Geheimagent tatsächlich bekannt wie ein bunter Hund?



Im ersten James-Bond-Film DOCTOR NO ist Bond bei der Gegenseite noch unbekannt, insofern ist der Film in diesem Punkt realistisch. Er wird auch von niemandem erkannt, mit Ausnahme vielleicht von Felix Leiter, seinem CIA-Kollegen. Im Nachfolger FROM RUSSIA WITH LOVE ist Bond dagegen aufgrund seiner Aktivitäten gegen Dr. No bei S.P.E.C.T.R.E. schon bestens bekannt, und man setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu beseitigen, was innerhalb der Filmwelt realistisch ist.

Im Kampf gegen GOLDFINGER startet Bond dann wieder bei null, und muss Goldfinger mit Namen vorgestellt werden. Hier erkennt ihn außer seinem Freund Felix niemand auf Anhieb. In THUNDERBALL hat Bond dann wieder mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun, denen er natürlich mittlerweile ein Begriff ist. So ist es auch nicht unrealistisch, dass Badgirl Fiona Volpe sich über Bonds umwerfende Wirkung auf Frauen auslässt. Nachdem er drei von S.P.E.C.T.R.E.s groß angelegten Verbrechen vereitelte, wird am Anfang von YOU ONLY LIVE TWICE Bonds Tod vorgetäuscht, um wieder unerkannt operieren zu können. Trotzdem hätten ihn Helga Brandt un Mr Osato erkennen können. Hier haben wir sogar den umgekehrten Fall, dass der Gegner Bond eigentlich kennen sollte, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Dasselbe in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Nachdem sich Bond und Blofeld im vorigen Film Auge in Auge gegenüberstanden, müsste Blofeld ihn hier eigentlich erkennen, tut es jedoch nicht. Auch hier haben wir eher den entgegengesetzten Fall des eingangs genannten Klischees.

In DIAMONDS ARE FOREVER gibt es dann eine von sehr wenigen Szenen, die das Klischee vermutlich begründet haben. Ein wieder wie Sean Connery aussehender Bond tauscht mit dem Diamantenschmuggler Peter Franks die Identität. Nachdem Franks jedoch aus dem Gewahrsam entkommen konnte, kommt es zum Kampf zwischen beiden vor der Wohnung des Schmugglergirls Tiffany Case. Bond steckt unauffällig seine Playboy-Mitgliedskarte in die Tasche des toten Franks. Tiffany findet sie und ruft: "Sie haben James Bond umgebracht!" Mal ganz abgesehen davon, dass das ein ironischer Gag in einem sehr ironischen Film ist, ist auch Tiffany Teil einer S.P.E.C.T.R.E.-Operation, und es könnte gut sein, dass Bond bereits in diversen Unterweltkreisen bekannt ist.

Von LIVE AND LET DIE an hat James Bond nun wieder mit Gangstern zu tun, mit denen er zuvor noch nie aneinandergeraten war, und die seinen Namen meistens zum ersten Mal hören. Mit Ausnahme von Beißer, der Bond allerdings eh nie formal begrüßt, Alec Trevelyan und General Ourumov in GOLDENEYE sowie Colonel Moon aka Gustav Graves in DIE ANOTHER DAY. In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN kennen ebenfalls die meisten handelnden Personen Bond bereits, wobei Scaramanga und der Waffenhersteller Lazar sich berufsbedingt sehr gut im Bereich der Profi-Scharfschützen und Killer auskennen. Christopher Lee hat die Rolle zudem als ehemaligen Abwehr-Offizier angelegt.

Dass Bond beim KGB bestens bekannt ist, inklusive Details wie Trinkgewohnheiten, dürfte auch nicht verwundern. So kennt Major Anya Amasova Bonds Lieblingsdrink in THE SPY WHO LOVED ME (er allerdings auch ihren). Auch Georgi Koskov kennt Bond als besten Scharfschützen des MI6 in THE LIVING DAYLIGHTS, ebenso Valentin Zukovski in GOLDENEYE. Der letzte Gegenspieler, der bereits das meiste über Bond zu wissen scheint, ist Raoul Silva in SKYFALL, was aber durch dessen Identität als ehemaliger Agent und Hacker plausibel ist.

Und dann gibt es natürlich noch diverse Rezeptionisten oder Kellner in Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt. Beispielsweise in Wien in THE LIVING DAYLIGHTS oder in Hongkong in DIE ANOTHER DAY. In letzterem wird Bond sogar mit Vollbart und im Pyjama erkannt. Aber die wenigsten von ihnen wissen wohl, dass Bond ein Geheimagent ist. James Bond ist auch nicht gerade ein seltener Name. Wer es wirklich auf Bond abgesehen hat, wird wohl eher nicht auf die Hilfe eines Concierge angewiesen sein.

Unter dem Strich bleibt nur die Szene mit Tiffany Case in DIAMONDS ARE FOREVER, in der Bond bekannter zu sein scheint, als es sein Beruf eigentlich zulassen sollte. Zum größten Teil stimmt das Klischee also nicht.

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* Siehe beispielsweise hier

Freitag, 21. Juni 2013

Der "inoffizielle" Schurke

Der heute vor 70 Jahren im österreichischen Bad Aussee geborene Klaus Maria Brandauer reihte sich 1983 in die Reihe charismatischer deutschsprachiger Bondgegenspieler ein - neben Lotte Lenya, Gert Fröbe und Curd Jürgens. Irvin Kershner, Regisseur des Remakes NEVER SAY NEVER AGAIN, wollte die Rolle des Schurken Largo realistischer und moderner anlegen, ohne Augenklappen und Narben. Sean Connery persönlich überredete Brandauer am Telefon zu der Rolle mit der Aussicht auf "a lot of money and a lot of fun". Doch gerade dieser Spaß sollte während der problematischen Produktion des Konkurrenzbond größtenteils fehlen.


Der Schauspieler und Regisseur am Wiener Burgtheater debütierte 1972 mit dem Streifen THE SALZBURG CONNECTION, bereits ein - wenn auch bescheidener - Agententhriller. Nach einigen Fernsehrollen folgte 1981 schließlich der filmische Durchbruch mit der Klaus-Mann-Verfilmung MEPHISTO. Brandauers leidenschaftliche Spiel und Intensität begeisterten Kritiker, er wurde als einer der größten lebenden Schauspieler Europas gehandelt. Sean Connery wurde auf den Österreicher aufmerksam und überredete ihn zur Mitarbeit an dem von Produzent Kevin McClory von langer Hand vorbereiteten Remake des 1964er Bondfilms THUNDERBALL.

Der eindeutig von Mafiabossen inspirierte Emilio Largo ist im Roman einer der wenigen Gegenspieler, die körperlich normal und sogar attraktiv sind. Laut Flemings Beschreibung könnte er ein römischer Centurio sein. In der ersten Verfilmung, bei der sich McClory den Produzentenjob mit Broccoli und Saltzman teilte, gab man ihm dann doch einen Makel in Form einer Augenklappe. Der Sizilianer Adolfo Celi spielte Largo dann auch eher als den gesetzten älteren Herren, der als Gegenspielertyp in der Sechzigern vorherrschte.

Kershner und Connery wollten den Maximilian Largo in der Neuverfilmung bewusst anders anlegen. Kershner sah ihn eher als machthungrigen Geschäftsmann: "I wanted the antagonist to be contemporary, and a contemporary antagonist to me was a greedy businessman. The corporations have gotten away with murder and they're changing our world. [...] He should also be a believable, powerful antagonist who could be said to be insane, but is not. If he's insane then he can make no choices. I wanted someone who could make choices, and his choice was power."* (Dieser Ausspruch hätte genausogut von Mark Forster für den Charakter des Dominic Greene stammen können...)

Obwohl Kershner Brandauers Arbeit und seine Balance zwischen Wahnsinn und Cleverness lobte, gestaltete sich die Zusammenarbeit nicht einfach, vor allem aufgrund des unausgereiften Drehbuchs und der ständigen rechtlichen Interventionen durch Eon: "But I had problems directing [Brandauer] because he was always testing the director. He's a very bright man. And he was constantly putting me through the hoop, and I'd have to jump." Autor Dick Clement, der zeitweise an einer Überarbeitung des Drehbuches mitwirkte, erinnerte sich, dass sich beispielsweise Szenen zwischen Largo und der von Kim Basinger gespielten Domino ewig hinzogen: "They were really ponderous scenes. It was as if the actors didn't trust the script at that point, with some reason." Laut Clement wirkte sich das dürftige Drehbuch negativ auf die Schauspieler aus: "Brandauer, who can be a very fine actor, was doing the sort of things that actors do when they don't trust the text; in other words falling back on every trick that they've ever done."*

Nichtsdestotrotz erwies sich Brandauers Largo als einer der wenigen Aspekte des Films, die von Kritikern einhellig gelobt wurden. Das People Magazin schrieb beispielsweise: "It's the kind of performance that should be shown in acting classes - understated, tense and full of intelligence. He becomes one of the screens most convincing psychotics." Seine Art der Darstellung sollte sich auf die "offizielle" Bondreihe auswirken. (Zu den Auswirkungen von NEVER SAY NEVER AGAIN auf die Eon-Reihe, speziell des Gegenspielers, möchte ich noch in einem gesonderten Beitrag eingehen) Der Film bedeutete auch den endgültigen Durchbruch für Klaus Maria Brandauer, der 1990 in THE RUSSIA HOUSE auch noch einmal mit Connery zusammenarbeitete. Er erhielt mehr amerikanische Kritikerpreise als jeder andere deutschsprachige Filmschauspieler.


Bond & Beyond gratuliert mit einem abgewandelten Largo-Zitat: Sie waren ein fabelhafter Gegenspieler! Hier noch ein Überblick über Fernsehsendungen anlässlich des Geburtstages von Klaus Maria Brandauer in den nächsten Tagen:

Sonntag, 23. Juni
3sat, 11:55: "Ich bin's am Ende immer selbst"

BR-aplha, 23:35: "Heut abend: Klaus Maria Brandauer"
Zu Gast bei Joachim Fuchsberger

Montag, 24. Juni
MDR, 22:50: "Mephisto"

Dienstag, 25. Juni
3sat, 20:15: "Die Auslöschung"
Nikolaus Leytners Alzheimer-Drama "Die Auslöschung" ist die Geschichte einer großen Liebe, die auf den Prüfstand kommt, als beim Mann eine schwere Demenzkrankheit diagnostiziert wird. In den Hauptrollen Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck.

Sonnabend, 29. Juni
BR-alpha, 19:30: Klaus Maria Brandauer - Der Spieler

Hier auch noch ein Überblick über Sendungen im österreichischen Fernsehen.


* alle Zitate aus The Battle for Bond, Robert Sellers, 2008, Tomahawk Press

Donnerstag, 23. Mai 2013

Schloss Mittersill - Inspiration für Blofelds Alpendomizil

Innenhof des Schlosses
Im Roman On Her Majesty's Secret Service von 1963 residiert Bonds Erzfeind Ernst Stavro Blofeld in einem Gebäudekomplex auf dem Alpengipfel Piz Gloria, der zugleich Allergieklinik und Club für skifahrende Aristokraten ist. Beides ist allerdings nur Tarnung für Blofelds eigentlichen Plan, die biologische Kriegsführung gegen Großbritannien. Inspiriert wurde Ian Fleming dafür durch Schloss Mittersill, das vor und nach dem zweiten Weltkrieg ein exklusiver Sport- und Skiclub für die High-Society war. Nach 1938 wurde es jedoch von den Nazis für obskure pseudowissenschaftliche Zwecke benutzt.