Samstag, 26. Oktober 2013

"Ah... Venedig!"

„Einige deuteten den Namen Venedigs als VENI ETIAM, das heißt komm wieder und wieder, denn bei jedem deiner Besuche wirst du stets neue Dinge und neue Schönheiten entdecken", schrieb im 17. Jahrhundert der Dichter Francesco Sansovino. Bond hat diese recht freie Herleitung des Städtenamens auf jeden Fall verinnerlicht. Er besuchte Venedig bisher dreimal und drang dabei jedesmal tiefer in seine Geheimnisse ein. Zum ersten mal vor 50 Jahren, im Film FROM RUSSIA WITH LOVE (Liebesgrüße aus Moskau). Aber auch andere Filmhelden verschlug es gern hierher. Unter anderem auch Harrison Ford in INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE (1989), wo der Held ironisch die als Überschrift dienende Bemerkung macht.



Fast immer wird Venedig mit einer Einstellung als Handlungsort etabliert, die die Skyline des Markusplatzes mit Dogenpalast und Markusturm zeigt. So auch bei Bond und Indiana Jones. Und natürlich dient die fragile Schönheit der Stadt meist nur als Kulisse für Chaos, Tod und Zerstörung. Allerdings ist das nur auf den ersten Blick Kulturbanausentum, denn auch die legendäre und einmalige Schönheit von Venedig ist letztlich das Produkt von Tod und Krieg. Die Entstehung der Stadt wurde überhaupt erst begünstigt durch die verheerenden Eroberungszüge der Hunnen, die die Veneter dazu zwangen, immer wieder auf die vielen kleinen Inseln in der Lagune zu flüchten. Später wuchs Venedig selbst zur mächtigen und erobernden Seemacht heran, und die Pracht der venezianischen Paläste ist nicht zuletzt das Produkt von Geltungssucht und Konkurrenzkampf der steinreichen Händlerfamilien.

Da Venedig ständig im Wettstreit mit dem als Handelsschwerpunkt ebenfalls bedeutenden Byzanz oder Konstantinopel lag, und es schließlich auch überfiel und plünderte, könnte man sogar soetwas wie einen kulturhistorischen Subtext in FROM RUSSIA WITH LOVE sehen, mit dem von Venedig aus operierenden SPECTRE. 



Venedig, Station Salute, Location in "From Russia With Love" & "Indiana Jones and the Last Crusade"
Station Salute am Canal Grande
Nachdem Bond und Tanya dem Orientexpress und den Häschern von SPECTRE entkommen sind, gelangen sie nach Venedig und beziehen ein Hotel nahe dem Markusplatz, wo es zur finalen Konfrontation mit Rosa Klebb kommt. Da man durch das Fenster die gegenüber dem Markusplatz liegende Basilica di San Giorgio Maggiore sehen kann, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier bereits um das renommierte Hotel Danieli handelt, in dem Bond 16 Jahre später Holly Goodhead auf ihrem Zimmer besucht. Interessanterweise steigt auch Indiana Jones im Hotel Danieli ab.

Kirche in Venedig, Drehort von "James Bond - Liebesgrüße aus Moskau"Nach dem Kampf mit Klebb sieht man in FROM RUSSIA WITH LOVE einen kurzen Kameraschwenk, der wegfliegenden Tauben vom Ufer des Canal Grande folgt. Diese kurze Einstellung wurde vor der Basilica di Santa Maria della Salute aufgenommen, an der Vaporetto-Station Salute. Genau das ist auch die Stelle, an der Indiana Jones - als folgsamer Sohn von Bond sozusagen - in INDIANA JONES AND THE LAST CRUSADE mit Marcus Brody in Venedig zuerst an Land geht und von Dr. Elsa Schneider (Alison Doody, die auch in A VIEW TO A KILL mitwirkte) begrüßt wird. 

Von dort begeben sich Indy, Marcus Brody und Elsa zu einer Bibliothek, die in Wirklichkeit die Kirche San Barnaba im südlichen Stadtteil Dorsoduro ist. (In dem Stadtteil entstanden auch Teile von MOONRAKER und CASINO ROYALE). Die Innenaufnahmen in der Bibliothek sowie die unterirdischen Kanäle wurden dagegen in den Londoner Elstree Studios inszeniert. Nach der Begegnung mit Ratten, die auch an FROM RUSSIA WITH LOVE erinnert, tauchen Indy und Elsa auf dem Campo San Barnaba auf. Auch heute noch befindet sich an dieser Stelle ein Straßencafé. Dieser Ort ist ausnahmsweise keine Referenz an Bond, sondern an den von Spielberg sehr verehrten David Lean. Der britische Regisseur drehte hier 1955 SUMMERTIME (Traum meines Lebens) mit Katharine Hepburn. Hepburn stürzte für den Film in den Kanal und zog sich dabei eine Bindehautentzündung zu, die sie für den Rest ihres Lebens begleitete. (Mehr zu dem Film und seinen Drehorten hier und hier)


Filmende Touristen am Dogenpalast einst und heute
(die Frau in Rot ist die Gattin von Regisseur Terence Young)
Die anschließende Bootsjagd entstand zum Teil am Canal Grande und am Dogenpalast, hauptsächlich aber an den Tilbury Docks im englischen Essex. Auch James ist am Ende von FROM RUSSIA WITH LOVE noch einmal am Dogenpalast unterwegs, passiert im Boot mit Tanya die berühmte Seufzerbrücke und die Molo Riva degli Schiavoni, von wo aus er auf Super 8 gebannt wird. Leider ist die gesamte Venedigsequenz für das heutige Auge ziemlich erkennbar getrickst. Weder Sean Connery noch Daniela Bianchi reisten nach Venedig, sondern agierten vor einer Rückprojektion. Beide unterhalten sich darüber, dass sie gerade gefilmt werden, während Bond sich den Schmalfilm mit ihrem Liebesspiel ansieht, und beide vor einer Leinwand so tun, als wären sie in Venedig - sozusagen ein Verweis auf die Künstlichkeit des Films auf mehreren Ebenen.


In seinem letzten Film THE LEAGUE OF EXTRAORDINARY GENLTEMEN (2003) kehrte Sean Connery noch einmal nach Venedig zurück - leider aber auch hier nur mit Hilfe mäßig überzeugender Tricktechnik. Auch andere Bonddarsteller drehten in der Lagunenstadt - George Lazenby 1972 in WHO SAW HER DIE, Roger Moore 1977 in MOONRAKER, Timothy Dalton 2010 in THE TOURIST und Daniel Craig schließlich 2006 in CASINO ROYALE.



Weitere Locations in Venedig:

Besuch bei Venini
Wenn die Gondeln Killer tragen
Play it again, Sam

Samstag, 19. Oktober 2013

007 XXS - 50 Jahre James Bond "Liebesgrüße aus Moskau"

Buch-Cover von Danny Morgenstern: 007 XXS - 50 Jahre James Bond "Liebesgrüße aus Moskau"Vor fast genau einem Jahr erschien das Taschenbuch 007 XXS - 50 Jahre "James Bond 007 jagt Dr. No". Nun ist der Nachfolgeband da, zum zweiten Film Liebesgrüße aus Moskau (FROM RUSSIA WITH LOVE), der in diesem Jahr sein goldenes Jubiläum feiert. Wieder hat Autor Danny Morgenstern viele amüsante und faszinierende Fakten rund um den Agententhriler von 1963 zusammengetragen, der nicht nur innerhalb des Franchise, sondern auch in der Welt des Thrillers allgemein als Klassiker gilt.



Insofern verwundert es auch nicht, dass der Film immer wieder als Referenz in der langen Geschichte der Filmreihe diente - wie man im Buch nachlesen kann - und sich zig Bewerber für die Bondrolle in bestimmten Szenen aus diesem Film probierten. Geschichte und Hintergründe dieses, dem realen Kalten-Kriegs-Geschehen wohl am nächsten kommenden Spionage-Abenteuers lesen sich sehr kurzweilig. Wie bereits beim Vorgängerband werden auch hier wieder selbst eingefleischte Bondprofis auf interessante Neuigkeiten stoßen. Da Autor Danny Morgenstern auch als Business-Knigge-Coach tätig ist, wird die Stil-Ikone Bond natürlich auch aus dieser Richtung beleuchtet. So wird der Agent im Buch beispielsweise nicht durch die Weinwahl des Schurken Grant misstrauisch, sondern durch seine Krawattenbindung. Aber selbst ein 007 ist in Stilfragen nicht perfekt.

Auf die Romanvorlage von Ian Fleming wird in einem gesonderten Kapitel eingegangen, so auch die erstmalig originalgetreuen Übersetzungen ins Deutsche. Ebenso der Bereich Synchronisation. Vielen Fans ist beispielsweise gar nicht bewusst, dass selbst im englischsprachigen Original zahlreiche Schauspieler nachsynchronisiert wurden. Hier kam sehr oft Schauspielerin und Sprachtrainierin Nikki van der Zyl zum Einsatz, die auch bei der Wiederaufführung von Liebesgrüße aus Moskau am vergangenen Wochenende in Braunschweig anwesend war. Im kommenden Monat wird zudem eine Ausstellung über van der Zyl und ihre Familie in Berlin eröffnet.

Ein Buch zu jedem Bondfilm ist eine sehr schöne Idee. Im nächsten Jahr wird Goldfinger dazustoßen, ab Feuerball muss man dann leider zwei Jahre auf einen neuen Band warten. Dafür arbeitet Morgenstern aber auch an einem umfangreicheren Werk, James Bond für Besserwisser (siehe Interview).


007 XXS 50 Jahre James Bond 
„Liebesgrüße aus Moskau“

Von Danny Morgenstern
144 Seiten, etwa 32 Abbildungen
Taschenbuch
LIMITIERTE 1. AUFLAGE: 1007 Exemplare
8,50 EUR (D), ISBN 978-3-00-042681-0
Erscheinungstermin: 10. Oktober 2013
DAMOKLES, Braunschweig



Über den Autor: Kein deutscher Autor hat mehr zum Thema James Bond veröffentlicht. Danny Morgenstern war Mitarbeiter für das Stadtmagazin „Cockta!l“, zuletzt als Kolumnist, schrieb für die Boulevard- Zeitung „Extra“ und für die Braunschweiger Zeitung.


2001 war er Co-Autor beim „Lexikon der Idole“ (Schwarzkopf und Schwarzkopf) von Michael Völkel und Karsten Weyershausen. Im selben Verlag erschien Morgensterns Buch „James Bond XXL“ (2006), das als Standardwerk auf dem Gebiet „James Bond“ gilt.

Zuletzt erschienen die experimentellen Bücher „Stöhnen – aber richtig! Der etwas andere Oralverkehr“ (2010) und „Der LiebesLebenRetter“ (2011). Danny Morgenstern ist Business-Knigge-Trainer, schult Dienstleister in psychologisch fundierten Seminaren mit den Themen-schwerpunken „Moderne Umgangsformen“, Körpersprache, Kommunikation, Motivation und Umgang mit Kunden. Als Moderator führte Morgenstern durch mehrere große Veranstaltungen, die auch live im Fernsehen übertragen wurden (u.a. 2008 die „German Masters“, zusammen mit Isabel Edvardsson). Als Initiator des „World Freeze Day“ hat der Braunschweiger in den letzten Jahren deutschlandweit für Schlagzeilen gesorgt.

Samstag, 12. Oktober 2013

Das 007-ABC

In einem sehr lesenswerten, für die Welt übersetzten Artikel schreibt der neue James-Bond-Autor William Boyd etwas zu seinen persönlichen Notizen zum Buchbond, anhand eines ABCs. Teils sehr interessant und gut auf den Punkt gebracht. Viele Ansichten Boyds teile ich, wie etwa: "Unter dem Aspekt der Präsenz im öffentlichen Bewusstsein schlägt der Kino-Bond den literarischen um Längen. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die Romanfigur bei Weitem faszinierender, vielschichtiger und nuancierter ist als irgendein James Bond, der je auf die Leinwand projiziert wurde."

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Das Feuer des gegnerischen Stammes

Zum Goldenen Jubiläum von FROM RUSSIA WITH LOVE

Venice in James Bond 007 - From Russia With Love
Handlungsort Venedig
Die meisten guten Geschichten sind im Prinzip eine Reise. Der Mythenforscher Joseph Campbell hat dieses reiseähnliche Grundgerüst anhand zahlreicher klassischer Geschichten untersucht und in seinem berühmten Buch Der Heros in tausend Gestalten von 1949 beschrieben. Viele antike Erzählungen beginnen mit einem Notstand in einer Gemeinschaft, sei es ein Stamm, ein Dorf oder ein ganzes Land. Eine Gruppe von jungen und starken Personen, oder auch ein Einzelner, wird auf eine Reise geschickt, um etwas zu holen, das die Gemeinschaft retten kann.


Samstag, 5. Oktober 2013

Sag niemals nie, oder: Der Kalte Krieg hinter den Kulissen

Das "inoffizielle" schwarze Schaf der Familie wird 30

Das phantastische deutsche Poster
Als Albert Broccoli und Harry Saltzman sich mit Kevin McClory zusammentaten, der die Rechte für den Fleming-Roman Feuerball inne hatte, entstand daraus der bis heute größte finanzielle Erfolg des gesamten Franchise. Doch der Erfolg hatte einen unschönen Preis: McClory sollte nach zehn Jahren das Recht haben, den Roman erneut zu verfilmen. Wahrscheinlich hatte Cubby Broccoli nie damit gerechnet, dass zehn Jahre später noch irgendjemand ein ernsthaftes Interesse an James Bond haben würde, doch als es dann soweit war, tauchte McClory mit der Unnachgiebigkeit einer Märchenfigur auf und verlangte seinen Tribut.




Mittwoch, 2. Oktober 2013

Gladiatoren der Rennbahn

Rush
Deutschland/UK 2013
Regie: Ron Howard
Darsteller: Chris Hemsworth, Daniel Brühl, Alexandra Maria Lara

Obwohl Autorennen ein beliebtes Filmthema sind, gibt es bisher sehr wenige gute Filme über die Formel 1. Abgesehen von GRAND PRIX aus dem Jahr 1966 und der Dokumentation SENNA von 2010 beschränkt sich die Darstellung des Rennsports in Filmen wie DRIVEN eher auf Hollywoodklischees. Mit RUSH kommt nun eine britisch-deutsche Co-Produktion in die Kinos, die die legendäre Rivalität zwischen dem Briten James Hunt und dem Österreicher Niki Lauda in der Rennsaison 1976 zum Thema hat.



Das Drehbuch schrieb Oscargewinner Peter Morgan, der sich mit Filmen wie THE QUEEN oder THE LAST KING OF SCOTLAND zu einem Experten für biographische Stoffe und Duelle entwickelt hat. Bondfans dürfte der Name Morgan bekannt vorkommen, da er im Frühjahr 2010 als Co-Autor von SKYFALL verpflichtet wurde, mit der Regieübernahme von Sam Mendes jedoch absprang. Morgan, der zur Zeit an einem Film über Freddie Mercury schreibt, gestaltete die Dramaturgie der Geschichte dabei selbst wie ein Rennen. (siehe hier und hier)

Im Schatten der mittelalterlichen Nürburg: Die Rennstrecke,
auf der sich Laudas tragischer Unfall ereignete
Und so ist RUSH nicht nur ein Film über zwei Rennfahrer, sondern auch über zwei völlig verschiedene Einstellungen und Lebensentwürfe, die sich fast naturgemäß bekämpfen. Auf der einen Seite der Playboy James Hunt, der nicht nur vom Namen her an Bond erinnert. Morgan über ihn: “Every single person wanted to be James Hunt. He was funny, handsome, like James Bond but not uptight.” Bei Chris Hemsworth muss man tatsächlich öfter an den jungen und draufgängerischen Bond der frühen Flemingromane denken, der auch in CASINO ROYALE zu sehen ist. Am anderen Ende des menschlichen Spektrums ist Niki Lauda, der kühl, überlegt und sachlich-nüchtern handelt. Umso tragischer wirkt dann die Ironie, dass ausgerechnet Lauda einen beinahe tödlichen Unfall erleidet. (Der allerdings durch ein gebrochenes Teil am Fahrzeug verursacht wurde, wie im Film richtig dargestellt)

In Morgans geschickter Dramaturgie sind es die Charaktere, die sich nicht nur auf der Rennstrecke, sondern auch in ihren Privatleben ständig gegenseitig überholen und übertrumfen. Bei aller Gegensätzlichkeit verbindet die beiden jedoch die kompromisslose Leidenschaft für ihren Sport. Hunt setzt dafür seine Ehe auf's Spiel, Lauda bricht mit der konservativen Familie. Im wahren Leben waren beide schon viel eher Freunde, die Gegnerschaft ist im Film überspitzt. Das Leben schreibt zwar immer noch die besten Geschichten, doch es bedarf hin und wieder der Würze der Übertreibung an den richtigen Stellen. Im Gesamten bleibt der Film für eine Kinoproduktion jedoch der Realität erstaunlich nahe. Während der Pressekonferenz nach Laudas Unfall fragte ihn beispielsweise ein Reporter tatsächlich, ob sich seine Frau jetzt wohl scheiden lassen werde, so wie er aussehe. Die Reaktionen von Lauda und Hunt im Film hätte man sich auch im wahren Leben gewünscht. Auch der Wunsch eines Fans nach dem Datum unter einem Autogramm, weil es ja das letzte sein könne, entspricht der Realität.

In diesen Szenen setzt sich der Film auch kritisch mit der von allen Seiten billigend in Kauf genommenen Morbidität dieses Sports auseinander, von der er dramaturgisch natürlich auch profititiert. Wenn sich Hunt und Lauda vor einem Rennen kurz zunicken, bevor sie das Visier herunterklappen, wirken sie wie moderne Gladiatoren. Das zwanzig-prozentige Risiko zu sterben, dem die Fahrer damals vor jedem Rennen ins Auge blickten, wurde heute durch stetig verbesserte Technik und Rennstrecken erfreulicherweise fast gegen null reduziert. Die medial hochgepushten Siege eines Schwiegermutterlieblings wie Vettel wird sich allerdings in 30 Jahren wohl auch niemand im Kino ansehen.

Am Ende sind die beiden Kontrahenten aneinander gereift. Sowohl Chris Hemsworth als auch Daniel Brühl brillieren in ihren Rollen, und meistern gekonnt die Balance zwischen realer Figur und wirksamer Überspitzung. Vor allem Brühl, dessen Rolle wegen des noch lebenden und sehr kritischen Vorbilds wohl die schwierigere war, hat Aussprache und Gestus von Lauda teilweise genial verinnerlicht. Auch die Nebenrollen wie Alexandra Maria Lara und Olivia Wilde überzeugen. Ron Howards Regie ist dynamisch und mitreißend. (Obwohl man sich gerade auf der großen Leinwand manchmal etwas mehr Fahrerperspektiven gewünscht hätte) Die Musik von Hans Zimmer betrachte ich ebenfalls als sehr gelungen, da er seinen vielgescholtenen Pathos hier sehr dosiert einsetzt. Gerade wenn man die Musik mit frühen Arbeiten wie DAYS OF THUNDER vergleicht. (Wobei ich die massive Zimmerkritik mancher Leute ja eh nicht nachvollziehen kann)

Zusammenfassend ist RUSH für mich eine der überzeugendsten Filmproduktionen in diesem Jahr und damit eine klare Kinoempfehlung!

Dienstag, 1. Oktober 2013

SOLO-Auftritt

Ab heute ist der neue James-Bond-Roman SOLO in deutschen Buchhandlungen erhältlich. Im Gegensatz zu anderen Ländern leider eher unspektakulär und unglamourös, wie hier am Potsdamer Platz in Berlin.

James Bond 007 SOLO von William Boyd

Mittwoch, 18. September 2013

Produkttest: 007 QUANTUM

Im September letzen Jahres, zum 50. Jubiläum der britischen Kino-Ikone, erschien erstmalig der Duft James Bond 007. Im April 2013 folgte Ocean Royale, und jetzt Quantum. Zu dem Duft heißt es auf Douglas.de:



Quantum ist ein Duft für Adrenalin-Situationen, der Sie auch dann cool bleiben lässt, wenn es mal brenzlig wird. Die Komposition entfaltet ihre Wirkung in zwei Phasen. Der erste Akkord verströmt raue Männlichkeit. Klassisch maskuline und elegante Noten vermitteln beeindruckende Selbstsicherheit. Kräftige Wacholderbeeren, anregender Vesper-Martini, erfrischende Klänge von Bergamotte und energetisierende Zitrusnoten – eine Kombination, die Abenteuerlust weckt. Die tiefgründigen Hölzer des Akkords stehen für Geduld und Scharfsinn – Tugenden, für die James Bond berühmt ist. Der zweite Hauptakkord fesselt dank edler Leder- und Veilchenakkorde mit purer Gelassenheit.

Der Duft gefällt mir von den drei bisherigen bisher am besten. Er ist männlich und elegant, und eine Spur orientalisch. Zudem hält er lange an. Er erinnert mich an ein Parfüm, das ich vor Jahren sehr gern verwendet habe, und das es leider nicht mehr gibt. Daher werde ich ihn oft und gern benutzen. Da der Duft sehr angenehm und edel wirkt, ist er auch für feierliche Anlässe geeignet. Durch die leichte Hölzer- und Bergamotte-Note finde ich ihn vor allem für die kommenden dunkleren und kühleren Jahreszeiten passend. Auch in meiner Umgebung kommt der Duft sehr gut an.

Der Flakon ist wie auch der der Vorgänger sehr schön designt. Die Riffeloptik wirkt elegant, das in 50 Jahren gereifte 007-Logo sowieso, und der Drehverschluß ist ein nettes und passendes Gadget. Das dunkle Grau und Rot wirken edel und gesetzt, und passen zum Duft. Wie die Flakons des ersten 007-Duftes, der goldenen Limitied Edition und von Ocean Royale dürfte auch dieser seinen Platz in den Regalen von Bondfans finden. Hier ein Link zum Quantum Fragrance Launch im britischen Goodwood mit Stuntman Ben 'The Stig' Collins.

James Bond 007 Quantum ist als Eau de Toilette in den Mengen 30 ml, 50 ml und 75 ml erhältlich sowie als Deodorant Stift, After Shave Lotion, Duschgel und Deodorant Spray (75 ml und 150 ml).

The Official James Bond 007 Fragrance Website

Donnerstag, 5. September 2013

Burning down the House

White House Down
USA 2013
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal

WHITE HOUSE DOWN zählt in diesem Sommer zu den Blockbustern, die zumindest an den US-Kinokassen hinter den Erwartungen zurückblieben und einige Zeitungen veranlassten, von einem 'Summer of Doom' zu sprechen. (Siehe Beitrag etwas weiter unten: Zwischen Formelhaftigkeit und Reizüberflutung) Dabei bietet der Film geballte Action für die Jungs und für die Mädels Tänzer, Model und 'sexiest man alive' Channing Tatum im John-Mc-Clane-Gedächtnisfeinripp. Liegt es an einer allgemeinen Zerstörungsmüdigkeit, oder in diesem Fall doch eher am Film selbst?



Was dem Actionthriller einiges an Zuschauerzahlen abgegraben haben könnte, ist auch das Zwillingsfilm-Phänomen. Immer wieder kommen Autoren und Produzenten relativ zeitgleich auf sehr ähnliche Konzepte. Letztes Jahr duellierten sich die Schneewittchen (siehe hier), dieses Jahr ist das Weiße Haus Ziel von Terroreinheiten. Vor einigen Wochen startete auch OLYMPUS HAS FALLEN mit Gerard Butler und Rick Yune. Dort waren es Nordkoreaner (was Kim Jong-un in seinem Heimkino sicher geschmeichelt hat), hier sind es ein frustrierter Amerikaner und ein böser Deutscher. Ob das tatsächlich klug von den Machern ist, wie einige Kritiken dem Film attestierten, oder einfach nur pragmatisch, darüber kann man sicher streiten. So bleibt man korrekt und tut auf dem internationalen Markt niemandem weh, zumal die Terroristen hier noch klischeehaftere Pappenheimer sind als beispielsweise die in TRUE LIES.

Aber mit einer gewissen Portion Naivität und Patriotismus sollte man in einem derartigen Film wohl rechnen, und immerhin wird das Ganze auch mit einem Schuß Ironie und Humor präsentiert. Emmerichs US-Präsident ist hier ähnlich wie schon in INDEPENDENCE DAY eher eine Art Wunschbild, einer der tatkräftig anpackt - wenn es sein muss auch mal in Turnschuhen, dem 'Industriellen Komplex' die Stirn bieten kann und auch am Ende seiner Amtszeit noch einen Friedensnobelpreis wert ist. Die Anleihen an DIE HARD und diverse Buddiemovies werden dabei ironisch kommentiert. Amüsant sind auch die Seitenhiebe auf die Entwicklung der modernen Technik. So kommunizieren die Verschwörer beispielsweise mit Pagern von gaaanz früher. (Dass der Begriff Blog schon wieder veraltet sein soll wusste ich dagegen auch noch nicht. Wie nenn ich denn das Ding hier jetzt?)

Mit Channing Tatum hat Emmerich ähnlich wie 1996 mit Will Smith einen aufstrebenden Star gefunden. Wie fast alle Emmerich-Helden ist er ein Vater, der um die Anerkennung seiner Kinder kämpft. In der Rolle der Tochter glänzt die 14jährige Joey King, die ihre Sache wirklich gut macht. Durch ihren Charakter, der manchmal an eine reale Lisa Simpson erinnert, vermittelt Emmerich dem Zuschauer nebenbei ein paar Fakten zum Weißen Haus. Jamie Foxx, den zuletzt Quentin Tarantino als Django von der Kette ließ, gibt einen menschlich glaubwürdigen Präsidenten. Maggie Gyllenhaal und James Woods runden das Ensemble ab.

Und so ist WHITE HOUSE DOWN unter dem Strich handwerklich überzeugendes und durchaus Spaß machendes Actionkino, dem man einen gewissen Erfolg schon gönnt. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Nach ANONYMOUS, der mir persönlich ausgesprochen gut gefallen hat, entwickelt sich Emmerich hier in keine Richtung wirklich weiter.

Offizielle Webseite zum Film

Dienstag, 3. September 2013

Vater von 'Little Nellie' verstorben

Der Erfinder und Pilot des berühmten Gyrokopters aus YOU ONLY LIVE TWICE, Commander Ken Wallis ist im Alter von 97 Jahren verstorben. Wallis, ein ehemaliger Pilot der Royal Air Force, konstruierte und flog mehrere sogenannte Tragschrauber. Einen davon, den Wallis WA-116 Agile, flog er für Aufnahmen im fünften james-Bond-Film selbst. Hier ein Bericht über ihn sowie ein Interview über seine Mitarbeit bei Bond.

007 XXS kehrt zurück

007 XXS 50 Jahre Liebesgrüße aus Moskau von Danny Morgenstern (From Russia With Love) Nach dem Band 007 XXS - 50 Jahre James Bond jagt Dr. No erscheint dieses Jahr zum 50. Jubiläum von FROM RUSSIA WITH LOVE der zweite Band 007 XXS: 50 Jahre James Bond "Liebesgrüße aus Moskau". Erscheinungstermin ist der 10. Oktober. Am Samstag, dem 12. Oktober, findet im C1 Cinema in Braunschweig zudem eine Wiederaufführung des Films Liebesgrüße aus Moskau statt, mit Party und einer Einführung von Autor Danny Morgenstern. Stargast des Abends ist Nikki van der Zyl, die einige Bondgirls synchronisierte und Sprachtrainerin unter anderem für Gert Fröbe war.

Karten können unter der Homepage des C1 Cinemas oder in der Tanzschule Hoffmann in Braunschweig erworben werden.

Dienstag, 27. August 2013

Erste Details zu SOLO

Cover: James Bond SOLO, von William Boyd, ein 007 Roman
Deutsches Cover (amazon)
US-Verleger HarperCollins und die Seite The Book Bond haben eine erste detailiertere Handlungsangabe zum neuen James-Bond-Roman SOLO von William Boyd veröffentlicht, der in Deutschland am 1. Oktober im Berlin Verlag erscheint:











Es ist 1969 und James Bond 007 hat gerade seinen 45. Geburtstag gefeiert, als er ins Hauptquartier gerufen wird und einen ungewöhnlichen Auftrag erhält. In Zanzarim, einer westafrikanischen Nation, wütet ein erbitterter Bürgerkrieg, und M erteilt Bond den Auftrag, gegen die Rebellen vorzugehen, die das bestehende Regime bedrohen.

Kaum in Afrika angekommen begibt sich Bond auf die fieberhafte Suche nach den Drahtziehern hinter diesem brutalen Krieg - wobei er schnell feststellt, dass die Situation alles andere als überschaubar ist. Schritt für Schritt kommt Bond hinter die wahre Ursache für die Gewalt in Zanzarim und stößt auf eine Verschwörung, die jede Vorstellung übertrifft.

Mit einem Handlungsbogen von den Rebellen-Schlachtfeldern in Westafrika zu den geschlossenen Türen der Geheimdienstzentralen in London und Washington ist SOLO ein fesselnder Thriller mit packender Handlung, denkwürdigen Charakteren und atemberaubenden Wendungen genauso wie eine meisterhafte Studie über Macht und ihren Gebrauch - eine brillante Bereicherung des James-Bond-Kanons.

Das Original gibt es hier. Offenbar ist die Handlung diesmal etwas politischer und gesellschaftskritischer als man von Bondromanen gewohnt ist. Ich bin gespannt!

Montag, 26. August 2013

Zwischen Formelhaftigkeit und Reizüberflutung

Hollywood, Los AngelesNachdem in diesem Jahr einige Blockbuster floppten, die als relativ sichere Bank galten - darunter WHITE HOUSE DOWN, PACIFIC RIM und THE LONE RANGER - gibt es zunehmend Diskussionen darüber, was im aktuellen Sommer-Popcorn-Kino falsch läuft. (Siehe unter anderem SZ oder Zeit) Wenn selbst Steven Spielberg und George Lucas, die den Blockbuster in den Siebzigern aus der Taufe hoben, derzeitige Big-Budget-Produktionen kritisieren, muss wohl tatsächlich einiges schieflaufen. Stehen die Filmdinosaurier kurz davor, aufgrund ihrer übersteigerten Größe zu sterben?


Montag, 19. August 2013

Operation 'Bentley' beginnt!

Bentley Blower, James Bond 007 carHeute kam ein bei Amazon bestelltes Modell des Bentley 4½ Litre Supercharged „Blower“. Das ist das erste Auto, das James Bond in den Romanen fährt. Bond kaufte den schlachtschiffgrauen Wagen 1932 und lagerte ihn während des zweiten Weltkriegs ein. In Casino Royale wird er während einer Verfolgungsjagd schwer beschädigt, und in Moonraker dann vollends zerstört. In den Filmen sieht man den Wagen während Bonds Picknick mit Silvia Trench in FROM RUSSIA WITH LOVE sowie kurz in NEVER SAY NEVER AGAIN. In den kommenden Wochen werde ich über die Bauarbeiten berichten.

Freitag, 16. August 2013

Der weltbekannte Geheimagent

Oft wird festgestellt, dass James Bond insofern ein Paradoxon sei, dass er auf der einen Seite ein Geheimagent ist, für den eine gewisse Anonymität lebenswichtig ist, er aber auf der anderen Seite offenbar von jedermann und überall erkannt wird. So sagt Roger Moore des öfteren in Interviews: "Well, I mean, this is a man who is supposed to be a spy. And yet he turns up in bars and hotels around the world, and everyone says, 'Ah, Mr Bond, we've been expecting you.'" [...] "Everybody knows who he is and what he wants to drink."* Auch im "Honest Trailer" von SKYFALL wird der Punkt angesprochen. Aber ist dem wirklich so? Ist Bond als Geheimagent tatsächlich bekannt wie ein bunter Hund?



Im ersten James-Bond-Film DOCTOR NO ist Bond bei der Gegenseite noch unbekannt, insofern ist der Film in diesem Punkt realistisch. Er wird auch von niemandem erkannt, mit Ausnahme vielleicht von Felix Leiter, seinem CIA-Kollegen. Im Nachfolger FROM RUSSIA WITH LOVE ist Bond dagegen aufgrund seiner Aktivitäten gegen Dr. No bei S.P.E.C.T.R.E. schon bestens bekannt, und man setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn zu beseitigen, was innerhalb der Filmwelt realistisch ist.

Im Kampf gegen GOLDFINGER startet Bond dann wieder bei null, und muss Goldfinger mit Namen vorgestellt werden. Hier erkennt ihn außer seinem Freund Felix niemand auf Anhieb. In THUNDERBALL hat Bond dann wieder mit S.P.E.C.T.R.E. zu tun, denen er natürlich mittlerweile ein Begriff ist. So ist es auch nicht unrealistisch, dass Badgirl Fiona Volpe sich über Bonds umwerfende Wirkung auf Frauen auslässt. Nachdem er drei von S.P.E.C.T.R.E.s groß angelegten Verbrechen vereitelte, wird am Anfang von YOU ONLY LIVE TWICE Bonds Tod vorgetäuscht, um wieder unerkannt operieren zu können. Trotzdem hätten ihn Helga Brandt un Mr Osato erkennen können. Hier haben wir sogar den umgekehrten Fall, dass der Gegner Bond eigentlich kennen sollte, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

Dasselbe in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE. Nachdem sich Bond und Blofeld im vorigen Film Auge in Auge gegenüberstanden, müsste Blofeld ihn hier eigentlich erkennen, tut es jedoch nicht. Auch hier haben wir eher den entgegengesetzten Fall des eingangs genannten Klischees.

In DIAMONDS ARE FOREVER gibt es dann eine von sehr wenigen Szenen, die das Klischee vermutlich begründet haben. Ein wieder wie Sean Connery aussehender Bond tauscht mit dem Diamantenschmuggler Peter Franks die Identität. Nachdem Franks jedoch aus dem Gewahrsam entkommen konnte, kommt es zum Kampf zwischen beiden vor der Wohnung des Schmugglergirls Tiffany Case. Bond steckt unauffällig seine Playboy-Mitgliedskarte in die Tasche des toten Franks. Tiffany findet sie und ruft: "Sie haben James Bond umgebracht!" Mal ganz abgesehen davon, dass das ein ironischer Gag in einem sehr ironischen Film ist, ist auch Tiffany Teil einer S.P.E.C.T.R.E.-Operation, und es könnte gut sein, dass Bond bereits in diversen Unterweltkreisen bekannt ist.

Von LIVE AND LET DIE an hat James Bond nun wieder mit Gangstern zu tun, mit denen er zuvor noch nie aneinandergeraten war, und die seinen Namen meistens zum ersten Mal hören. Mit Ausnahme von Beißer, der Bond allerdings eh nie formal begrüßt, Alec Trevelyan und General Ourumov in GOLDENEYE sowie Colonel Moon aka Gustav Graves in DIE ANOTHER DAY. In THE MAN WITH THE GOLDEN GUN kennen ebenfalls die meisten handelnden Personen Bond bereits, wobei Scaramanga und der Waffenhersteller Lazar sich berufsbedingt sehr gut im Bereich der Profi-Scharfschützen und Killer auskennen. Christopher Lee hat die Rolle zudem als ehemaligen Abwehr-Offizier angelegt.

Dass Bond beim KGB bestens bekannt ist, inklusive Details wie Trinkgewohnheiten, dürfte auch nicht verwundern. So kennt Major Anya Amasova Bonds Lieblingsdrink in THE SPY WHO LOVED ME (er allerdings auch ihren). Auch Georgi Koskov kennt Bond als besten Scharfschützen des MI6 in THE LIVING DAYLIGHTS, ebenso Valentin Zukovski in GOLDENEYE. Der letzte Gegenspieler, der bereits das meiste über Bond zu wissen scheint, ist Raoul Silva in SKYFALL, was aber durch dessen Identität als ehemaliger Agent und Hacker plausibel ist.

Und dann gibt es natürlich noch diverse Rezeptionisten oder Kellner in Restaurants und Hotels auf der ganzen Welt. Beispielsweise in Wien in THE LIVING DAYLIGHTS oder in Hongkong in DIE ANOTHER DAY. In letzterem wird Bond sogar mit Vollbart und im Pyjama erkannt. Aber die wenigsten von ihnen wissen wohl, dass Bond ein Geheimagent ist. James Bond ist auch nicht gerade ein seltener Name. Wer es wirklich auf Bond abgesehen hat, wird wohl eher nicht auf die Hilfe eines Concierge angewiesen sein.

Unter dem Strich bleibt nur die Szene mit Tiffany Case in DIAMONDS ARE FOREVER, in der Bond bekannter zu sein scheint, als es sein Beruf eigentlich zulassen sollte. Zum größten Teil stimmt das Klischee also nicht.

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* Siehe beispielsweise hier

Montag, 12. August 2013

Morgengrauen des Atomzeitalters

James Bond - Moonraker, Ian Fleming

James Bond 007 Moonraker, Ian Fleming, CoverMontage sind die Hölle für James Bond. Wenigstens in diesem Punkt ergeht es dem Doppelnull-Agenten wie den meisten von uns. Morgens durch das graue nebelige London ins Büro, nach einem Wochenende mit zuviel Alkohol und Zigaretten. Schießübungen mit dem Waffenmeister. Mittags Lunch in der MI6-Kantine. Dann die übliche Memos, Fluchtwege aus Ost-Berlin, die neuesten KGB-Waffen, etc. pp. Am Nachmittag ein bisschen herumtippen am eigenen Agentenratgeber. Und dann endlich das Klingeln des roten Telefons, der Ruf der weiten und gefährlichen Welt außerhalb des tristen London!



Dienstag, 30. Juli 2013

Skyfall & The Living Daylights

Zur Zeit lese ich The Making of The Living Daylights von Charles Helfenstein, ein phantastisches Buch über einen phantastischen Bondfilm. Hochinteressant ist vor allem die frühe Planungsphase des Jubiläumsfilms, die im Herbst 1985 begann. Der langjährige Bonddrehbuchautor Richard Maibaum schrieb zusammen mit Michael G. Wilson eine Origin-Story, die schildert wie Bond zum Doppelnull-Agenten wurde. (Und das mehr als ein Jahrzehnt vor der Prequelmanie in Hollywood, und sogar noch vor einem jugendlichen Indiana Jones!) Doch Cubby Broccoli war dagegen und meinte, das Publikum wollte Bond als Profi sehen, nicht als Amateur. Maibaum und Wilson waren ihrer Zeit über 20 Jahre voraus. Erst lange nach Cubbys Tod wagten die Produzenten, Bonds Anfänge als Agenten zu zeigen. Aber auch SKYFALL hat einige erstaunliche Parallelen zu dem ersten Treatment von THE LIVING DAYLIGHTS.


Samstag, 27. Juli 2013

SOLO Cover Fan-Art

Am 26. September erscheint der neue James-Bond-Roman SOLO von William Boyd in Großbritannien (zum offiziellen Event siehe hier). Ein offizielles Cover gibt es noch nicht, man kann als Fan also seiner Phantasie noch freien Lauf lassen. :) Hier also mein Entwurf:


Fan art book cover for William Boyd's 'James Bond 007 - SOLO'


 
Fan Cover Art concept for William Boyd's 'James Bond 007 - SOLO'Hier noch ein früherer Entwurf. Nach dem, was man bereits über die Handlung weiß, löst ein Vorfall in Afrika Bonds unautorisierte Solo-Mission aus. Das soll hier durch die afrika-förmige Blutlache zum Ausdruck kommen. Ursprünglich sollten sich die Os und das L als 007 im Blut spiegeln, was sich jedoch grafisch nicht befriedigend lösen ließ.


Sonntag, 14. Juli 2013

Unter portugiesischer Sonne

Casino Estoril, Ian FlemingGroße Teile des 1969er Bondfilms ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE wurden in Portugal gedreht - darunter die Vortitelsequenz, das Zusammentreffen mit dem Verbündeten Draco sowie Bonds Hochzeit am Ende. Als erstes sieht man Bond in einem kleinen Küstenort mit seinem Aston Martin losfahren. Diese Szene entstand in Cascais, etwa 25 km westlich von Lissabon.Von hier steuert Bond seinen Wagen die Rua do Cabo entlang in Richtung Guincho Beach, während ihn Tracy's Mercury Cougar überholt.


Donnerstag, 11. Juli 2013

Regisseur und Starttermin offiziell bestätigt

Laut einer Pressemitteilung auf der offiziellen Seite 007.com wird Bond 24 am 23. Oktober 2015 in die britischen Kinos kommen, und am 6. November in US-Kinos. Sam Mendes übernimmt noch einmal die Regie und wird das von John Logan verfasste Drehbuch umsetzten. Die Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson sagen dazu: "Nach dem außergewöhnlichen Erfolg von SKYFALL sind wir begeistert, wieder mit Daniel Craig, Sam Mendes und John Logan zu arbeiten." Mendes: "Ich bin sehr froh, dass mir die Produzenten Zeit für all meine Theaterverpflichtungen gaben, und es mir so ermöglichten, Bond 24 zu inszenieren. Ich freue mich sehr darauf, die Zügel wieder in die Hand zu nehmen und noch einmal mit Daniel Craig, Michael G. Wilson und Barbara Broccoli zu arbeiten." Amy Pascal und Gary Barber von Sony: "EON, John Logan und Sam Mendes erschienen mit einem außergewöhnlichen Nachfolger für SKYFALL, und wir können es zusammen mit unseren Partnern bei MGM kaum erwarten, dieses neue Kapitel mit dem Publikum auf der ganzen Welt zu teilen."


(Kleines Nerd-Detail am Rande: Der Starttermin am 23. Oktober 2015 ist genau zwei Tage nach Martys Erscheinen in der Zukunft in BACK TO THE FUTURE II. Wir sollten also holografische Werbeanzeigen erwarten. :)

Montag, 8. Juli 2013

Deutsche Stimme von M verstorben

Die Schauspielerin und Synchronsprecherin Gisela Fritsch, die in insgesamt sieben James-Bond-Filmen Dame Judi Dench als Bonds Chefin M ihre Stimme lieh, ist bereits am vergangenen Mittwoch verstorben. Neben Dench sprach sie auch Ellen Burstyn, Susan Sarandon, Vanessa Redgrave oder Catherine Deneuve. 2006 erhielt sie den Deutschen Preis für Synchron für ihre Synchronarbeit im Film SPANGLISH.

Sonntag, 7. Juli 2013

Bondfilme im Kino

In den kommenden Wochen und Monaten werden in verschiedenen Kinos in Deutschland ältere Bondfilme zu sehen sein. Hier eine Übersicht der Orte und Termine:



19. Juli - Hamburg, RIALTO Lichtspiele

21:30 Uhr Vortrag von Danny Morgenstern (Autor von James Bond XXL)
21:45 Uhr DR. NO
23:30 Uhr EVERYTHING OR NOTHING - THE UNTOLD STORY OF 007 (OV)

(Die Dokumentation EVERYTHING OR NOTHING ist erstmals in einem deutschen Kino zu sehen)

20. Juli - Hamburg, RIALTO Lichtspiele

18:00 Uhr Vortrag von Danny Morgenstern
18:30 Uhr CASINO ROYALE
21:00 Uhr QUANTUM OF SOLACE
23:00 Uhr SKYFALL

7. August - Cineplex Pforzheim (im Zuge der Ausstellung in den Schmuckwelten Pforzheim)

20:15 Uhr OCTOPUSSY

7. September - Cineplex Pforzheim

20:15 Uhr GOLDENEYE


Zudem zeigen einige Open-Air-Kinos den jüngsten Bondfilm SKYFALL, darunter das Kino im Park Dortmund, am 8. August beim Seh-Fest Hannover, am 12. August im Open Air Kino Aachen sowie am 9. August im Freiluftkino Berlin-Friedrichshain.

Freitag, 5. Juli 2013

Roger, übernehmen Sie!

Vor 40 Jahren feierte der achte James-Bond-Film LIVE AND LET DIE offiziell Premiere am Londoner Odeon am Leicester Square, nachdem er in den Staaten bereits eine Woche zuvor angelaufen war. Roger Moore hatte zuvor sehr erfolgreich in einigen Fernsehserien mitgewirkt, aber der Sprung vom Fernsehen ins Kino war zu jener Zeit nicht selbstverständlich und gelang weniger Schauspielern als umgekehrt. Zudem fehlten viele Elemente, die Bond berühmt gemacht hatten – vom Smoking und Wodka Martini über Q und weltbedrohende Superschurken bis zur Musik von John Barry. Dazu kam auch noch, dass praktisch alle Schurken des Films Schwarze waren. Wie um Himmels willen sollte das gut gehen?


Montag, 1. Juli 2013

Erster Teaser Trailer zu 'Fleming'

BBC und Sky Atlantic haben den ersten Teaser sowie einige Bilder zu ihrer Miniserie über den James-Bond-Erfinder 'Fleming' veröffentlicht. Neben Dominic Cooper (THE DEVIL'S DOUBLE, MY WEEK WITH MARILYN) als Ian Fleming spielen Lara Pulver (SHERLOCK) als Flemings Freundin Anne, Annabelle Wallis, Lesley Manville, Anna Chancellor, Samuel West and Rupert Evans. Die Miniserie spielt im Nachkriegs-London und startet noch dieses Jahr. Noch mehr Bilder gibt es auf Daily Mail online.

Samstag, 29. Juni 2013

Das Theater um Mendes

Sam oder nicht Sam - Das ist die Frage. Im Zuge der Premiere der von ihm inszenierten Mucical-Version von Charlie and the Chocolat Factory sagte Sam Mendes in verschiedenen Interviews, dass er die Entscheidung für oder gegen einen weiteren Bondfilm noch nicht getroffen habe. Vor fast genau einem Monat berichteten zahlreiche Seiten noch, dass Mendes wahrscheinlich sogar für zwei weitere Bondfilme zurückkehren wird, während Mendes im März sagte, dass ihn die Aussicht auf weitere Bondfilme 'physically ill' mache. (Siehe Bericht hier) Mendes befinde sich bezüglich des 'B-Worts' noch in Verhandlungen, wolle sich aber erst entscheiden, wenn er seine Theaterverpflichtungen abgeschlossen habe.



Charlie and the Chocolat Factory, basierend auf dem Kinderbuch von Roald Dahl, der auch das Drehbuch zu YOU ONLY LIVE TWICE schrieb, soll bis 31. Mai 2014 laufen, womit sich Mendes' Entscheidung noch etwas hinziehen könnte. In früheren Interviews bezog sich Mendes außerdem auf seine Regie für King Lear, der im Januar 2014 starten soll. Meiner Meinung nach tun sich beide Seiten mit dieser Informationspolitik keinen Gefallen. Von einem Erfolgsregisseur sollte man die Fähigkeit erwarten, innerhalb eines vertretbaren Zeitfensters eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen zu können. Am Set eines millionenschweren Films sind derartige Entscheidungen ja tagtäglich gefragt. Mendes dagegen hält die Produzenten über Monate hinweg öffentlich hin, mit Aussagen à la "Beim Gedanken an einen weiteren Bondfilm wird mir schlecht", dann "Vielleicht überleg ich mir's ja doch noch", dann "Mal schauen, aber ich mach erst mal mein Theater". Die Produzenten machen die Produktion eines von Millionen Fans erwarteten Multimillionen-Dollar-Spektakels damit von einer einzelnen Person abhängig. Immerhin könnte sich Mendes ja schließlich doch noch gegen einen weiteren 007-Film entscheiden, womit die Suche nach einem Regisseur erneut anfangen würde. Ob der große Erfolg von SKYFALL, der zu einem gewissen Prozentsatz sicher auch auf die Berichterstattung um das 50jährige Jubiläum zurückzuführen ist, das wirklich rechtfertigt?

Montag, 24. Juni 2013

7 Dinge, die Daniel Craig als Bond noch tun muss

Es gibt Dinge, die ein Bond tun muss. Einiges davon hat Craigs Bond schon erledigt, oder sogar auf kreative Weise neu definiert - sich mit "Bond, James Bond" vorstellen, gegen einen Schurken im Casino antreten, eine Autojagd mit dem Aston Martin oder der Flirt mit Moneypenny. Bei manchen stimmt nur die Reihenfolge noch nicht ganz, aber es gibt auch Dinge, die Craigs Bond noch tun muss, um sich in die Riege der klassischen Bonds einzureihen.







007  In seiner Wohnung oder Büro agieren

Nur zweimal sah man Bond bisher in seinem Londoner Domizil - Sean Connery und Roger Moore in ihrem jeweils ersten Bondfilm. Beide Male war es sehr hilfreich, um den jeweiligen Bondtyp zu definieren. Craigs Bond besuchte in SKYFALL immerhin sein Elternhaus, und man sah auch erstmalig seine Garage. Nachdem im letzten Film seine Wohnung samt Mobilar verkauft wurde, wäre jetzt eine gute Möglichkeit, seine neue Wohnung zu zeigen. Da er als Jetsetter sicher wenig Zeit für eine komplette Neueinrichtung hat, könnte man praktischerweise auch seine Haushälterin aus den Romanen einführen - die "schottische Perle" May. Ebenso interessant wie seine Wohnung ist auch sein Büro, das man nur in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE sowie als digitale Version in DIE ANOTHER DAY sah.

006  Navy-Uniform anhaben

James Bond bekleidet den Rang eines Royal Naval Reserve Commander, CMG. In bisher nur drei Filmen sah man 007 in der entsprechenden Uniform: YOU ONLY LIVE TWICE, THE SPY WHO LOVED ME und TOMORROW NEVER DIES (Interessanterweise alles Filme, deren Erschungsjahr auf 7 endet). Es ist zwar kein klassisches Element, aber es erdet die Figur nach all ihren Eskapaden immer ein bisschen. Craig in Uniform hätte was. Außerdem hätte Bond dann endlich mal wieder die Möglichkeit, eine Kopfbedeckung an einen Garderobenhaken zu werfen. (mehr zur Uniform hier)

005  Ski fahren

Die ultimativen Skiszenen enthält zwar bereits ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, aber seitdem gab es in Bondfilmen immer wieder atemberaubende Schnee-Action. Nach George Lazenby durfte Roger Moore in drei Filmen skifahren und sogar snowboarden, Pierce Brosnan dann in THE WORLD IS NOT ENOUGH. Toll wäre natürlich noch einmal eine Mitwirkung von Willy Bogner.

004  Tauchen

Ähnlich wie bei den Skijagden wurden Unterwasserszenen bereits mit THUNDERBALL definiert. Aber zu Bonds Charakter gehört eine gewisse maritime Affinität. Fleming ließ Bond immer wieder ausgedehnte und gefährliche Tauchgänge unternehmen, wie beispielsweise in Leben und sterben lassen. Zudem wäre es auch wieder eine Möglichkeit, den Ladies Craigs muskulösen Körper zu zeigen.

003  Eine Gadget-Armbanduhr benutzten

Mittlerweile scheint das Handy die Armbanduhr als Universalgadget abgelöst zu haben. Trotzdem sind gut ausgestattete Uhren für mich ein Bestandteil der Gesamtfaszination von Bond, und letztlich ja irgendwo auch männlicher und stilvoller als Handys. Und es muss ja auch nicht gleich ein Laser oder eine Minibombe sein, vielleicht etwas dezentes.

002  Den Film mit der Leading Lady im Arm beenden

Die finale Szene mit dem Bondgirl nach der Explosion des Schurkenverstecks, die Abblende mit dem hingehauchten "Oh, James!", ist eines der Bondklischees überhaupt. Spätestens in THE WORLD IS NOT ENOUGH wirkte das irgendwie erzwungen, und man hat das in den Craig-Filmen bisher sicher absichtlich vermieden. Nachdem die Schlusszenen der letzten drei Filme jeweils feierlich betonten, dass Bond nun endlich der Alte ist, wäre es aber auch mal an der Zeit, das einfach zu zeigen. Wie sang schon Tom Jones: "It's not unusual to have fun with anyone".

001  Einen Countdown stoppen / Die Welt retten

Wie der Punkt davor ist das wohl eins dieser Klischees, die Mike Myers und andere dankbar auf's Korn nahmen. Die wahre Meisterschaft eines Autors zeigt sich meiner Meinung nach allerdings nicht darin, solche zum Klischee gewordenen Genre-Konventionen einfach wegzulassen, sondern sie auf kreative Weise zu variieren und mit neuer Bedeutung aufzuladen - Gib dem Publikum, was es will, aber nicht so, wie es will. In Bezug auf den Final Countdown und/oder ein globales Bedrohungsszenario wären die Autoren hier gefordert. Aber auch hier wäre es auf jeden Fall schön, Bond nach einer ausführlichen Neudefinitionsphase auch endlich in klassischen Gefilden ankommen zu sehen.

Freitag, 21. Juni 2013

Der "inoffizielle" Schurke

Der heute vor 70 Jahren im österreichischen Bad Aussee geborene Klaus Maria Brandauer reihte sich 1983 in die Reihe charismatischer deutschsprachiger Bondgegenspieler ein - neben Lotte Lenya, Gert Fröbe und Curd Jürgens. Irvin Kershner, Regisseur des Remakes NEVER SAY NEVER AGAIN, wollte die Rolle des Schurken Largo realistischer und moderner anlegen, ohne Augenklappen und Narben. Sean Connery persönlich überredete Brandauer am Telefon zu der Rolle mit der Aussicht auf "a lot of money and a lot of fun". Doch gerade dieser Spaß sollte während der problematischen Produktion des Konkurrenzbond größtenteils fehlen.


Der Schauspieler und Regisseur am Wiener Burgtheater debütierte 1972 mit dem Streifen THE SALZBURG CONNECTION, bereits ein - wenn auch bescheidener - Agententhriller. Nach einigen Fernsehrollen folgte 1981 schließlich der filmische Durchbruch mit der Klaus-Mann-Verfilmung MEPHISTO. Brandauers leidenschaftliche Spiel und Intensität begeisterten Kritiker, er wurde als einer der größten lebenden Schauspieler Europas gehandelt. Sean Connery wurde auf den Österreicher aufmerksam und überredete ihn zur Mitarbeit an dem von Produzent Kevin McClory von langer Hand vorbereiteten Remake des 1964er Bondfilms THUNDERBALL.

Der eindeutig von Mafiabossen inspirierte Emilio Largo ist im Roman einer der wenigen Gegenspieler, die körperlich normal und sogar attraktiv sind. Laut Flemings Beschreibung könnte er ein römischer Centurio sein. In der ersten Verfilmung, bei der sich McClory den Produzentenjob mit Broccoli und Saltzman teilte, gab man ihm dann doch einen Makel in Form einer Augenklappe. Der Sizilianer Adolfo Celi spielte Largo dann auch eher als den gesetzten älteren Herren, der als Gegenspielertyp in der Sechzigern vorherrschte.

Kershner und Connery wollten den Maximilian Largo in der Neuverfilmung bewusst anders anlegen. Kershner sah ihn eher als machthungrigen Geschäftsmann: "I wanted the antagonist to be contemporary, and a contemporary antagonist to me was a greedy businessman. The corporations have gotten away with murder and they're changing our world. [...] He should also be a believable, powerful antagonist who could be said to be insane, but is not. If he's insane then he can make no choices. I wanted someone who could make choices, and his choice was power."* (Dieser Ausspruch hätte genausogut von Mark Forster für den Charakter des Dominic Greene stammen können...)

Obwohl Kershner Brandauers Arbeit und seine Balance zwischen Wahnsinn und Cleverness lobte, gestaltete sich die Zusammenarbeit nicht einfach, vor allem aufgrund des unausgereiften Drehbuchs und der ständigen rechtlichen Interventionen durch Eon: "But I had problems directing [Brandauer] because he was always testing the director. He's a very bright man. And he was constantly putting me through the hoop, and I'd have to jump." Autor Dick Clement, der zeitweise an einer Überarbeitung des Drehbuches mitwirkte, erinnerte sich, dass sich beispielsweise Szenen zwischen Largo und der von Kim Basinger gespielten Domino ewig hinzogen: "They were really ponderous scenes. It was as if the actors didn't trust the script at that point, with some reason." Laut Clement wirkte sich das dürftige Drehbuch negativ auf die Schauspieler aus: "Brandauer, who can be a very fine actor, was doing the sort of things that actors do when they don't trust the text; in other words falling back on every trick that they've ever done."*

Nichtsdestotrotz erwies sich Brandauers Largo als einer der wenigen Aspekte des Films, die von Kritikern einhellig gelobt wurden. Das People Magazin schrieb beispielsweise: "It's the kind of performance that should be shown in acting classes - understated, tense and full of intelligence. He becomes one of the screens most convincing psychotics." Seine Art der Darstellung sollte sich auf die "offizielle" Bondreihe auswirken. (Zu den Auswirkungen von NEVER SAY NEVER AGAIN auf die Eon-Reihe, speziell des Gegenspielers, möchte ich noch in einem gesonderten Beitrag eingehen) Der Film bedeutete auch den endgültigen Durchbruch für Klaus Maria Brandauer, der 1990 in THE RUSSIA HOUSE auch noch einmal mit Connery zusammenarbeitete. Er erhielt mehr amerikanische Kritikerpreise als jeder andere deutschsprachige Filmschauspieler.


Bond & Beyond gratuliert mit einem abgewandelten Largo-Zitat: Sie waren ein fabelhafter Gegenspieler! Hier noch ein Überblick über Fernsehsendungen anlässlich des Geburtstages von Klaus Maria Brandauer in den nächsten Tagen:

Sonntag, 23. Juni
3sat, 11:55: "Ich bin's am Ende immer selbst"

BR-aplha, 23:35: "Heut abend: Klaus Maria Brandauer"
Zu Gast bei Joachim Fuchsberger

Montag, 24. Juni
MDR, 22:50: "Mephisto"

Dienstag, 25. Juni
3sat, 20:15: "Die Auslöschung"
Nikolaus Leytners Alzheimer-Drama "Die Auslöschung" ist die Geschichte einer großen Liebe, die auf den Prüfstand kommt, als beim Mann eine schwere Demenzkrankheit diagnostiziert wird. In den Hauptrollen Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck.

Sonnabend, 29. Juni
BR-alpha, 19:30: Klaus Maria Brandauer - Der Spieler

Hier auch noch ein Überblick über Sendungen im österreichischen Fernsehen.


* alle Zitate aus The Battle for Bond, Robert Sellers, 2008, Tomahawk Press

Montag, 17. Juni 2013

Biographisches Ranking der Bondfilme

Hier mal eine Aufstellung der Bondfilme nach dem Alter des jeweiligen Hauptdarstellers, zusammen mit den Originalromanen. Auffällig ist, dass die meisten Filme im Alterszeitraum 40 bis 50 entstanden sind, während der Buchbond in seinen Dreißigern am aktivsten war.






Die Altersangaben für die Bücher habe ich der Chronologie von John Griswold entnommen, mit dem Geburtsjahr 1920 aus John Pearsons Biographie. Im Roman Moonraker ist zu lesen, dass Bond noch acht Jahre hat, bis er 45 ist. Das würde heißen, dass er 1953 37 war (und immerhin schon der Dienstälteste der Doppelnull-Abteilung). Allerdings schrieb Fleming im Nachruf auf Bond im Roman You Only Live Twice, dass Bond schon einmal sein eigenes Alter nach oben korrigiert hatte.

Interessanterweise erwähnt Fleming in Moonraker auch, dass einem Agenten mit 45 automatisch der Doppelnull-Status entzogen und ihm ein Schreibtischjob zugewiesen wird. Dem Filmbond wird mit 45 auch die Lizenz entzogen, allerdings wegen einer privaten Vendetta. Rein alterstechnisch realistisch ist wohl auch das Szenario um einen beruflich nicht mehr ganz geeigneten Bond in SKYFALL. Für Roger Moore ging die Agentenkarriere mit 46 aber gerade erst los.

Für den originalen Romanbond war mit 44 tatsächlich Schluß. In Colonel Sun war er noch 45, in Christopher Woods Romanen zu THE SPY WHO LOVED ME und MOONRAKER 57 und 59. Die Romane John Gardners waren dann jenseits von Gut und Böse, mit einem Bond in den Sechzigern. Roger Moore dürfte mit A VIEW TO A KILL wohl die rote Laterne auf absehbare Zeit behalten. Selbst David Niven war als Sir Bond im Ruhestand in CASINO ROYALE von 1967 ein Jahr jünger.

Falls Bond 24 2015 erscheinen sollte, wäre Craig immer noch im selben Alter wie Moore in seinem zweiten Film. Rein statistisch läge er also noch locker im Mittelfeld.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Der Fluch der bösen Tat

The Place Beyond The Pines
USA 2012
Regie: Derek Cianfrence
Darsteller: Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes

Wer hat sich nicht irgendwann mal gefragt, wie stark man nach seinen Eltern, speziell seinem Vater, kommt? Ob man letztendlich dazu verdammt ist, dessen Fehler, wie offensichtlich sie einem auch erscheinen mögen und wie sehr man sie vermeiden wollte, im eigenen Leben zu wiederholen? Derek Cianfrence' Film THE PLACE BEYOND THE PINES geht diesen zutiefst menschlichen Fragen anhand zweier eher unterschiedlicher Männer nach, dargestellt von Ryan Gosling und Bradley Cooper.


Gosling spielt den zwischen Sehnsucht und Aggression schwankenden Motorradstuntfahrer Luke, der seinen Lebensunterhalt auf einem herumziehenden Jahrmarkt verdient. Nachdem er erfahren hat, dass der Sohn seiner früheren Geliebten Romina (Eva Mendes) von ihm ist, will er das rastlose Leben aufgeben und für seine Familie da sein. Vor allem auch, weil er in seiner eigenen Kindheit erfuhr, wie es ist ohne den Vater aufzuwachsen. Doch die Gelegenheitsjobs werfen natürlich nicht genug ab, um eine ernsthafte Konkurrenz für Rominas neuen Partner zu sein. Und so entschließt er sich eines Tages, sein Talent als Stuntfahrer für Banküberfälle zu nutzen. Eine Entscheidung, die gravierende Folgen für sein Leben und das anderer haben wird.

Dem gegenüber steht der junge Streifenpolizist Avery Cross (Bradley Cooper), der ebenfalls sozusagen vom Bösen in Versuchung geführt wird, auf den ersten Blick aber bessere Entscheidungen trifft als Luke. Bradley Cooper wirkt hier ungewohnt seriös und ernst. Neben Gosling und Cooper beeindrucken auch Eva Mendes, Rose Byrne (die übrigens für die Rolle der Vesper in CASINO ROYALE in der engeren Wahl war, um mal den obligatorischen Bogen zu Bond zu spannen) und der bedrohlich-charismatische Ray Liotta, einer meiner Lieblingsschauspieler.

Auf den ersten Blick erinnert die Geschichte an DRIVE, in dem Gosling ebenfalls einen auf Abwege geratenen wortkargen Stuntman verkörpert. Auch die Melancholie der Bilder weckt diese Assoziation. Doch sein Charakter ist hier ambivalenter. Überhaupt geht der Film eher experimentell mit seinen Hauptfiguren um, und folgt ihren Handlungen und deren Konsequenzen, ohne sie zu werten. Keine der Figuren ist klar in sympathisch und unsympathisch getrennt, man kann mit jeder mitfühlen. Auch der neue Liebhaber und Konkurrent des Protagonisten - ein Charakter, der in den meisten Filmen quasi zum Abschuss freigegeben ist - hat hier seine Szenen.

Und der Film nimmt einige überraschende Wendungen, die ich hier nicht verraten möchte. Wer einen stylishen Cop-jagt-Bankräuber-Thriller erwartet, wird das eine oder andere Mal verwundert sein. Oder auch enttäuscht? THE PLACE BEYOND THE PINES ist einer dieser Filme, bei denen ich nicht mit einer klaren Gut-Schlecht-Wertung aus dem Kino kam. Einiges muss man erst "sacken lassen", doch der Film wirkt für mich positiv nach. Ich bin kein Fan von Noten und Sternchen, doch ich würde dem Film ein klares Prädikat 'Sehr sehenswert' geben.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Bomben, Clowns und Zarenschätze

OCTOPUSSY wird 30

Am 6. Juni 1983 feierte der 13. James-Bond-Film OCTOPUSSY in London Premiere. Dominiert wurden die Schlagzeilen um den Film vor allem durch den sogenannten "Konkurenzbond" NEVER SAY NEVER AGAIN, (Sag niemals nie) der jedoch erst Monate später startete. Obwohl sich beide Film um entwendete Nuklearwaffen drehen, sind sie im Ansatz doch sehr unterschiedlich. Das Produktionsdesign von NEVER SAY NEVER AGAIN ist modern und mit dem Videospielduell sogar futuristisch, während viele Handlungselemente von OCTOPUSSY bewusst an Abenteuer aus vergangenen Zeiten erinnern. Bond & Beyond wirft einen Blick auf die Inspirationen und Zutaten des 007-Thrillers.