Donnerstag, 25. April 2013

Generation Moore

Ein persönlicher Rückblick auf 20 Jahre Bondfan-Dasein

Meinen ersten Bondfilm sah ich mit neun Jahren in einem Schwarz-Weiß-Fernseher. Das war "Man lebt nur zweimal", 1986 im ersten deutschen Fernsehen. Obwohl mich der Film natürlich völlig fasziniert hat, wurde ich erst sieben Jahre und ein paar Bondfilme später zu einem waschechten James-Bond-Fan - im April 1993. Warum erst dann, und was war letztendlich der Auslöser dafür? Und warum heißt dieser Beitrag trotzdem 'Generation Moore'?



In seinem Buch Generation Golf von 2000 beschreibt Florian Illies das Gefühl, am Samstag Abend als frisch gebadeter Zwölfjähriger Wetten, daß ..? zu gucken, wobei schon die Eurovisionshymne zu Beginn zu den Höhepunkten des Wochenendes zählte: "Es war damals selbstverständlich, daß man Wetten, dass ..? mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun." Obwohl ich die Achtziger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs verbrachte und das Piratenschiff in der Badewanne eher selbstgebaut als von Playmobil war, kenne ich dieses feierlich-kribbelige Samstag-Abend-Gefühl nur zu gut, und verbinde das vor allem mit den Bondfilmen (die Komödien mit Bud Spencer und Terence Hill oder Louis De Funés zählen vielleicht noch dazu). Man kam tatsächlich immer frisch aus der Badewanne, es gab Salzstangen oder idealerweise Chipsletten, und mein Vater bemerkte bei jeder zweiten Szene, wie wenig das Gezeigte in der Realität funktionieren würde.

Obwohl ich mit dem bereits erwähnten "Man lebt nur zweimal" sowie "Goldfinger" und "Diamantenfieber" auch Conneryfilme sah, konnte ich mit Roger Moore doch wesentlich mehr anfangen. "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker" waren einfach die Bondfilme schlechthin, und in "Octopussy" jagte Bond auch mal durch Karl-Marx-Stadt. Zudem hatte Moore diese wahnsinnig coolen Digitaluhren. In einer Zeit, in der man von Uhren mit Taschenrechner träumte, stellte das jede Rolex in den Schatten. Auch der tauchende Lotus machte auf mich wesentlich mehr Eindruck als der schnöde Aston Martin.

Im Kino lief Bond als Klassenfeind natürlich leider nicht, dafür gab es die Olsenbande, Ray-Harryhausen-Klassiker wie "Sindbads gefährliche Abenteuer" oder Winnetou-Filme. Nach 1989 eröffnete sich dann die große glitzernde Filmwelt außerhalb der DDR-Grenzen, und Videotheken schossen wie Pilze aus dem Boden. Mein Lieblings-Franchise war BACK TO THE FUTURE, zumal man sich als Zwölfjähriger zum ersten Mal in West-Berlin ein bisschen fühlte wie Marty McFly im Hill Valley des Jahres 2015. Dann kam "Star Trek - Das nächste Jahrhundert". Bond hatte 1989 nicht viel zu bieten; sogar GHOSTBUSTERS II erregte eher mein Interesse als LICENCE TO KILL.

Die Kassette des Anstoßes
Die Initialzündung kam schließlich 1993. In Kaufhäusern konnte man CDs anhören, und als Filmfan fiel mir irgendwann die Doppel-CD The Best of James Bond - 30th Anniversary Collection in die Hände. Beim Anhören entfaltete sich plötzlich das Bonduniversum in seiner ganzen Faszination vor meinem geistigen Auge. Mir kamen Szenen in den Sinn wie der finale Fort-Knox-Kampf in GOLDFINGER, die Krematoriumsszene aus DIAMONDS ARE FOREVER, der Titel mit den brennenden Totenköpfen aus LIVE AND LET DIE oder Beißer und Stromberg in THE SPY WHO LOVED ME. Da ich noch relativ weit vom ersten eigenen CD-Player entfernt war, kaufte ich mir die Kompilation zunächst als Kassette. Von da an gab es kein Zurück mehr, und es begann eine Zeit des Sammelns und des regelmäßigen Kopfschüttelns seitens der Verwandschaft.

selbst gebastelte VHS-Cover anno 1993
Ich begann, die Bondfilme im TV aufzunehmen oder als VHS-Kassetten zusammen zu kaufen, und entdeckte auch bald den Buch-Bond. In den lokalen Bibliotheken gab es einige Fleming-Ausgaben, neben den recht reißerisch aufgemachten Romanen von John Gardner. Der erste Fleming war Moonraker (zu deutsch "Mondblitz"), der bis heute mein Lieblingsbondroman ist. Mit den VHS-Kassetten, vor allem mit THE LIVING DAYLIGHTS, der mich nachhaltig beeindruckte, verbrachte ich so manchen Nachmittag nach der Schule. Aus heutiger Sicht hatte diese Zeit die größte Magie - mit dem Entdecken eines dreißigjährigen Franchises und noch nicht gesehen Perlen wie ON HER MAJESTYS SECRET SERVICE und den Romanen, sowie der immensen Vorfreude auf einen neuen Film, der alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen versprach.


Artikel der Zeitschrift Kinohit 1993, in dem ich erwähnt werde :)
Obwohl Brosnan offiziell noch nicht im Rennen war, hatte er bereits 20 % der Stimmen
Und dann kam er schließlich - GOLDENEYE! Ich kann mich noch sehr gut an den ersten Teaser-Trailer erinnern, den man - heute unvorstellbar - völlig unvorbereitet im Kino sah, und der mich förmlich weggeblasen hat. Seitdem hat nie wieder ein Trailer eine derartige Begeisterung und eine so ungeheure Vorfreude auf einen Film ausgelöst. Ich halte den Teaser heute noch für den besten des gesamten Franchise - die Musik, Brosnan und vor allem die bis dato völlig neuartig stroboskop-artig ineinander geschnittenen Szenen...

Den Film als solchen sah ich dann im Dezember 1995 - trotz Erkältung mit Husten und Heiserkeit. Bei so viel Vorfreude war das Filmerlebnis an sich natürlich ein bisschen ernüchternd. Erst die Panzerjagd brach das Eis und löste allgemein herzhaftes Lachen und die bondtypische Begeisterung im Kinosaal aus.


Zwei Jahre später ging die Vorfreude wieder los, und ich fuhr spontan 50 km ins nächstgelegene Kino, um den Teaser zu sehen. TOMORROW NEVER DIES empfand ich schließlich als Verbesserung gegenüber GOLDENEYE. Pierce Brosnan wirkte lockerer, die Musik von David Arnold war endlich bondwürdig, und die Actionszenen konnten mit TRUE LIES und Co. mithalten. Zum Filmstart 1997 war Pierce Brosnan dann auch im eingangs erwähnten Wetten, daß ..? zu Gast und küsste als Saalwette 27 Chefsekretärinnen. Von den über 50 % Marktanteil der Show träumt man heute sicher.

Bei THE WORLD IS NOT ENOUGH machte ich zum ersten und letzten Mal den Fehler, den Roman zum Film noch vor dem Filmstart zu lesen, was zu einem eindeutigen Überraschungs-Defizit im Kino führte. Trotzdem mochte ich auch diesen Film sehr. Den Song von Garbage und vor allem David Arnolds Untermalung der eröffnenden Themse-Bootsjagd hörte ich im Auto sehr gern, was nicht immer zu einem StVO-gemäßen Fahren animierte.

Zeitungsausschnitte und Kinokarten aus den Neunzigern,
sowie eine Eintrittskarte der Bond-Ausstellung 1998 in Hildesheim

DIE ANOTHER DAY war schließlich der erste Bondfilm, dessen Entstehung ich online mitverfolgte, vor allem im deutschen Bondforum. Die Zeiten, in denen man den ersten Trailer zufällig im Kino sah, Titel und Bösewicht zufällig in der Zeitung las und den Song zum ersten Mal zufällig im Radio hörte, waren damit vorbei. Nach den üblichen Gerüchten - "Beyond the Ice" als Titel, Robbie Williams als Bondnachfolger, Mel C als Song-Interpretin, Bonds Sohn als Bösewicht sowie dem obligatorisch und bedrohlich alle zwei Jahre auftauchende Konkurrenzbond "Warhead 2000 A.D." - formierte sich langsam die Story des großen Jubiläumsbonds. Erste Fotos des vollbärtigen Brosnan lösten wilde Spekulationen aus, ebenso Gerüchte um Folter und ein unsichtbares Auto.

Die Premiere erlebte ich erstmals auf dem Potsdamer Platz in Berlin mit, mit torartig aufgebauten Laser-Robotern made in Germany. Der Film an sich war dann allerdings ein eher seltsames Erlebnis. Allerdings gefiel er mir beim zweiten Mal schon etwas besser. Insgesamt wurde DIE ANOTHER DAY 2002 auch von vielen Kritikern wesentlich positiver wahrgenommen als später.

Wieder verschwand Bond in einem filmlosen schwarzen Loch, nur um abermals wie ein Phönix aus der Asche zu entsteigen. Diesmal mit einem wahr gewordenen Fantraum: Einer dem Original würdigen Verfilmung des ersten Bondromans Casino Royale! Doch wenn die Brosnan-Ära eins gelehrt hatte, dann die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Aber CASINO ROYALE erwies sich als Triumph, der auch mich restlos überzeugte. Mit QUANTUM OF SOLACE folgte ein Film, für den ich bis heute eine Art Hassliebe empfinde, und schließlich SKYFALL, dessen Entstehung und Premiere ich mit diesem Blog begleiten durfte.

Das waren die ersten zwanzig Jahre. Stay tuned to 2033! ;-)

Montag, 15. April 2013

'Solo' für James

Der Titel des neuen James-Bond-Romans, der in Großbritannien am 29. September erscheinen wird, wurde heute bekannt gebenen: SOLO. Die Handlung spielt 1969. Bond, der hier 45 Jahre alt ist und als Veteran gilt, wird auf eine gewöhnliche Mission in Afrika geschickt, die auf schreckliche Weise schief läuft. Weite Teile des Romans spielen laut Boyd in Afrika. Bond geht nach dem Vorfall auf eine Mission in eigener Sache und ohne offizielle Autorisierung, die ihn in die USA führt.

Neben Mr. Solo, der in GOLDFINGER in einer Schrottpresse endet, hat das Wort noch einen anderen indirekten Bondbezug, nämlich den von Ian Fleming mit kreierten Serienagenten Napoleon Solo. Hier ein Interview mit William Boyd.

Samstag, 13. April 2013

Bond wird 60!

Heute vor 60 Jahren, am 13. April 1953, erschien Ian Flemings erster Roman Casino Royale bei Verleger Jonathan Cape in Großbritannien. Die Idee dafür hatte Fleming jedoch bereits fast zehn Jahre zuvor. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, während dem Fleming als Assistent des Marine-Geheimdienstchefs John Godfrey tätig war, unterhielt er sich mit einem Freund über Pläne für die Nachkriegszeit. Fleming erklärte, er wolle die ultimative Spionagegeschichte schreiben - 'I am going to write the spy story to end all spy stories'. Warum dauerte es so lange, bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzte?



Vielleicht war erst mit der beginnenden Aufrüstung der beiden Supermächte des Kalten Krieges und der Koreakrise der ideale Hintergrund für diese Spionagegeschichte da. Vielleicht hatte Fleming aber auch Selbstzweifel. Sein älterer Bruder Peter war bereits als Reiseschriftsteller weltbekannt und von Kritikern gelobt, zudem hatte Fleming selbst hohe Ansprüche und verehrte Thomas Mann und William Somerset Maugham. Die Melancholie und innere Anspannung vor seiner bevorstehenden Hochzeit gab schließlich jedoch den Anlass, und Fleming schrieb seine ultimative Spionagegeschichte innerhalb von nur zwei Monaten in seinem Winterhaus Goldeneye auf Jamaika. Obwohl Fleming damit eine der erfolgreichsten Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts schuf, war der Erfolg anfangs eher überschaubar. Die intellektuellen Kreise um seine Frau, Lady Rothermere, rümpften eher die Nase über das Buch, weshalb sie auch eine Widmung ablehnte. Das änderte sich auch nicht, als sich der große Erfolg einstellte, sogar Präsident Kennedy einen Bondroman als Lieblingsbuch angab und die Romane verfilmt wurden.


Nach dem riesigen Erfolg des Films GOLDFINGER, den Fleming nicht mehr miterlebte, überschattete der Filmbond schnell den literarischen. Das hat eine gewisse Ironie: Seine Schöpfung hat Fleming nicht nur gesundheitlich ruiniert, indem er ihr nacheiferte, sondern schließlich auch bei weitem überragt. Vor allem in Deutschland fristen die Originalromane eher ein Schattendasein, was sicher der armseligen Vermarktung der Bücher über Jahre hinweg geschuldet ist. Während das fünfzigjährige Jubiläum des Filmbonds im letzten Jahr zahlreiche Artikel und Buchneuerscheinungen hervorbrachte, findet das sechzigjährige Bestehen des Originals in deutschsprachigen Zeitungen oder Buchhandlungen überhaupt nicht statt, und das, obwohl optisch sehr ansprechende und originalgetreu übertragene Neuausgaben vorliegen.


Wie ging es mit dem Buchbond weiter? Nach Flemings letztem Roman The Man With The Golden Gun beauftragte Glidrose Productions den südafrikanischen Autoren Geoffrey Jenkins mit dem Roman Per Fine Ounce, der fertiggestellt, jedoch nie veröffentlicht wurde. 1968 veröffentlichte Kingsley Amis dann unter dem Pseudonym Robert Markham den James-Bond-Roman Colonel Sun. Dann wurde es für fast ein Jahrzehnt ruhig um ihn, bis Drehbuchautor Christopher Wood daran ging, aus seiner Vorlage für THE SPY WHO LOVED ME einen Roman zum Film zu schreiben. Wood beschrieb darin allerdings nicht den ironischen dunkelblonden Roger-Moore-Bond, sondern den flemingschen, mit Narbe im Gesicht und kommaförmiger Haarsträhne in der Stirn. Der literarische Urbond in der überlebensgroßen Welt der Endsiebziger-Filme war eine reizvolle Kombination, auch wenn Bond hier bereits fast 60 sein müsste. (Dementsprechend schreibt Wood auch: "Wenn er nicht lächelte, sah er alt und grausam aus, die Augen waren hart wie Stein.") Wood lieferte auch noch eine Novelisierung des Nachfolgers MOONRAKER ab, die im Gegensatz zum Film auch etwas härter und weniger cartoonhaft wirkt.
 
Nach den Wood-Büchern kam man auch bei Ian Fleming Publications auf die Idee, den literarischen Bond in die Gegenwart zu holen und beauftragte den Amerikaner John Gardner, der bereits eine eigene Serie um den Spion Boysie Oakes etabliert und Romane um den Sherlock-Holmes-Gegenspieler Moriarty verfasst hatte. Alterstechnisch wurde das dann allerdings langsam unglaubwürdig, und auch einige andere Neuerungen Gardners sind eher fragwürdig. Gardner verfasste 13 Bondromane inklusive Novelisierungen der Filme LICENCE TO KILL und GOLDENEYE (mit ebenfalls eher fragwürdiger Glaubwürdigkeit; in Licence To Kill wird Leiter beispielsweise zum zweiten Mal von einem Hai verstümmelt). Von 1996 bis 2002 versuchte sich der US-Autor Raymond Benson an Bond, mit acht Romanen und drei Kurzgeschichten. Neben einer eigenen Reihe um Bond als Teenager von Charlie Higgson erschien 2008 mit Devil May Care ein weiterer Roman mit dem Flemigschen Urbond von Sebastian Faulks, der Ende der 1960er Jahre angesiedelt ist.

Im Oktober dieses Jahres folgt schließlich ein neuer Roman, der Flemings Bond Ende der Sechziger Jahre weiterführt, geschrieben vom schottischen Schriftsteller und Drehbuchautoren William Boyd. Der Titel des Romans wird am kommenden Montag bekanntgegeben. (siehe The Book Bond) Auch in den Büchern hat sich Bond als unsterblich erwiesen...

Sixty years of James Bond's Casino Royale - in pictures

The birth of James Bond


Donnerstag, 11. April 2013

Bond-Fantreffen 2013

Im Zuge der Ausstellung „James Bond – 50 Jahre goldene Legenden“ findet am 29. Juni 2013 in Pforzheim ein Bond-Fantreffen statt, an dem Bondfans aus verschiedenen Foren und Internetgruppen teilnehmen werden. Treffpunkt ist 13 Uhr an den Schmuckwelten in Pforzheim mit anschließendem Besuch der Ausstellung. Eingeladen sind alle, die Freude am Bonduniversum haben.

Nach dem Besuch der Ausstellung gibt es einen älteren James-Bond-Film in einem Kino in Stuttgart zu sehen. Nähere Informationen dazu im größten, deutschsprachigen James-Bond-Forum.

Sonntag, 7. April 2013

Everything or Nothing:

The Untold Story of 007

Im Oktober 2012 erschien unter dem Titel EVERYTHING OR NOTHING: THE UNTOLD STORY OF 007 eine Dokumentation über die fast 60jährige Geschichte des britischen Spions, die seit Ende Januar auch als DVD erhältlich ist. Die DVD bietet die bisher umfangreichste Behandlung des Themas und reicht von Bonds literarischen Ursprüngen bis in die Gegenwart zu SKYFALL.





Regisseur Stevan Riley verknüpft auf gelungene Weise Musik und Szenen aus Bondfilmen mit den teils dramatischen Geschehnissen hinter den Kulissen der Kinoreihe, wodurch die 98 Minuten sehr kurzweilig und flüssig wirken. Damit erzählt die Dokumentation neben der Entstehung eines popkulturellen Mythos, der seinen Schöpfern nicht nur Erfolg und Glück gebracht hat, auch die persönlichen Hochs und Tiefs der Macher und Schauspieler. Angefangen bei Fleming, der zutiefst enttäuscht über die TV-Verfilmung von Casino Royale war und zunehmend unter körperlicher und geistiger Erschöpfung litt, über die Geschichte der Freundschaft und den Familien hinter den Produzenten Albert 'Cubby' Broccoli und Harry Saltzman bis hin zu den Darstellern und den rechtlichen Gefechten um das Franchise. Allein die Geschichte hinter George Lazenby, der falsch beraten war und den Bondjob aufgab, oder Pierce Brosnan, der erst die Bondzusage hatte, dann wieder im letzten Moment wieder an Dalton abgeben musste und schließlich den 'final call' erhielt, geben der Geschichte eine filmische Dramatik und Spannung.

Dabei geht der von EON autorisierte Film mit der eigenen Geschichte erstaunlich selbstreflexiv um und thematisiert auch Schattenseiten. Beispielsweise der jahrelange Rechtsstreit mit Kevin McClory oder die kreative Sackgasse Anfang des neuen Jahrtausends. (Pierce Brosnan bekommt selbst fast einen Lachanfall, als er über das unsichtbare Auto und die Surfszene in DIE ANOTHER DAY spricht, was ihn sympathisch macht.) Der Titel bezieht sich auf die bis dato offiziell dementierte Abkürzung hinter der Produktionsfirma EON und diente bereits 2003 für ein Bondspiel mit Brosnan.

Neben den Darstellern, Regisseuren und Drehbuchautoren sowie deren Nachfahren kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, darunter Flemings Stiefcousin Christopher Lee oder Bill Clinton. Für Fans und Filminteressierte ist die DVD auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Leider ist sie nur englischsprachiger Export ohne Untertitel erhältlich - eine deutsche Bearbeitung oder TV-Ausstrahlung ist bisher nicht in Sicht.

  • Darsteller: Daniel Craig, Pierce Brosnan, Roger Moore, Timothy Dalton, Judi Dench
  • Regie: Stevan Riley
  • Format: PAL
  • Sprache: Englisch
  • Untertitel: Keine
  • Synchronfassungen: Keine
  • Untertitel für Gehörlose: Keine
  • Laufzeit: 93 Minuten

Samstag, 6. April 2013

Bondausstellung in Pforzheim

Vom morgigen Sonntag bis zum 7. September ist in den Schmuckwelten in Pforzheim die Sonderausstellung "James Bond - 50 Jahre goldene Legenden" zu sehen. Ausgestellt sind über 100 Originalrequisiten, Produktionsartikel, Drehbücher und einige sehr wertvolle persönliche Dinge der Schauspieler aus der Sammlung von Chris Distin.

(Artikel zur Ausstellung)

Dienstag, 2. April 2013

Die Dramaturgie der Bondfilme: Der Auslöser

Jede Geschichte beginnt mit einem Ereignis, das die Welt des Protagonisten aus dem Gleichgewicht bringt und eine Frage aufwirft, die im Finale des Films beantwortet wird. Bei JAWS ist es beispielsweise der grausame Tod einer jungen Frau durch einen weißen Hai, der einen kleinen Badeort in Panik versetzt und die Frage aufwirft, ob dieser Hai zur Strecke gebracht werden kann. Dieser Auslöser, oder big hook, soll den Zuschauer dazu bringen, sozusagen anzubeißen und bis zum Ende dran zu bleiben. Bei den Bondfilmen kann man im Prinzip drei Arten von auslösendem Ereignis unterscheiden.

Sonntag, 31. März 2013

Kinofilm mit Q?

Über google bin ich auf eine interessante Meldung gestoßen: MGM launches James Bond spin-off. Der Artikel liest sich äußerst interessant und dreht sich um einen geplanten MGM-Film, ähnlich dem nach DIE ANOTHER DAY geplanten und wieder aufgegeben Jinx-Film. Die Filme sollen sich um die Erlebnisse des originalen Q während des 2. Weltkriegs sowie in den 1950er Jahren drehen.


Montag, 25. März 2013

Leben und sterben lassen

Die neu übersetzten Fleming-Romane aus dem Cross-Cult-Verlag sind vergleichbar mit Blurays oder Directors-Cut-Versionen der Filme. Man kennt die Geschichten im Prinzip, entdeckt aber plötzlich neue Details und Nuancen, oder auch ganze Sequenzen, die sie in einem anderen Licht erscheinen lassen. Bei Leben und sterben lassen tritt dieser Effekt besonders hervor, da sowohl im Umfang als auch bei einzelnen Beschreibungen vieles bei den entsprechenden Ausgaben des Scherz-Verlags gekürzt wurde.




Empire Awards, Sexismus und Todesfälle

Gute und schlechte Nachrichten aus der Bondwelt: Bei den diesjährigen Empire Awards gewann SKYFALL insgesamt drei Preise: Best Director (Sam Mendes), Best Film sowie den Empire Inspiration Award für Sam Mendes. Der britische Regisseur nutzte seine Dankesrede, um Regisseure zu nennen, die für ihn eine Inspiration waren, darunter Paul Thomas Anderson, Martin Scorsese, Ingmar Bergman oder François Truffaut.



Dame Helen Mirren, die als Empire Legend ausgezeichnet wurde, beklagte in ihrer Rede wiederum, dass unter den von Mendes genannten Regisseuren keine Frau war: “I just hope, I pray, I know, that in five or ten years’ time, when the next Sam gets up and makes his or hopefully her speech, there will be two or three or four women's names there.” (siehe telegraph.co.uk)


Die schlechten Neuigkeiten betreffen zwei Bondveteranen, die hinter der Kamera an der Reihe mitwirkten und letzte Woche verstarben: Der amerikanische Künstler Mitchell Hooks schuf die UK- und US-Plakate für DR. NO.



Der weltbekannte Trompeter Derek Watkins wirkte über 50 Jahre hinweg an den Musiken von allen Bondfilmen mit, von DR. NO bis SKYFALL!

(siehe auch hier und hier)

Samstag, 16. März 2013

Böse Wichte

Beim schreiben von Blogbeiträgen fällt mir oft auf, dass ich für die Bösen nach passenden Begriffen suche. Bösewicht klingt durch das Wort Wicht schon etwas verniedlichend, oder zumindest verkleinernd. Überhaupt 'Böse'... Assoziert man wohl eher mit unartigen Kindern. Es klingt zumindest nicht so schön evil wie 'Evil'. Die Synonyme sind allesamt nicht viel besser: Gauner, Halunke, Schuft, Schurke, Strolch, Übeltäter. Am ehesten käme vielleicht noch Schurke in Frage, wobei das auch eher alte Mantel-und-Degen-Filme in Erinnerung ruft. "Nimm das, Schurke!" Am passendsten finde ich noch Gegner oder Gegenspieler. Allerdings auch eine Spur zu harmlos. Ersteres könnte auch eine Fußballmannschaft sein, letzteres enthält das Wort spielen, was die Beschäftigungen von Blofeld und Co. auch nicht unbedingt trifft. Feind ist eine Spur zu persönlich, Verbrecher zu allgemein und wertend, Antagonist etwas zu fachlich, außerdem altgriechisch. Ist es Zufall, dass es im Deutschen fast nur verniedlichende Begriffe für schlechte Menschen gibt?


Im Englischen ist die Sache wesentlich einfacher. Das bereits erwähnte evil klingt nicht verniedlichend, wenn man nicht gerade an Austin Powers denkt. Und dann gibt es auch noch so schön schlichte Wörter wie bad guy, enemy, arch-enemy, foe oder sogar nemesis. Oder das einfache villain, bei dem jeder weiß, was gemeint ist, ohne die unterbewußte Assoziation von Wichtelmännern oder trotzigen oder spielenden Kindern hervorzurufen. Letzteres leitet sich interessanterweise vom spätlateinischen villanus her, was von Villa = Landhaus kommt und einen Leibeigenen oder Knecht bezeichnet, oder einen allgemein in wirtschaftlicher oder allgemeiner Unfreiheit lebenden Menschen. Das Böse als Unfreiheit... das ist aus philosophischer Sicht durchaus interessant. Zumal zu den beliebtesten Villains der Filmgeschichte vor allem diejenigen gehören, die es schafften, ihre Gegner in ihrer moralischen Gebundenheit als unfrei darzustellen, wie Hannibal Lecter oder der Joker in THE DARK KNIGHT.

Montag, 11. März 2013

Bondfilme als 'Kino der Attraktionen'

Der Filmwissenschaftler Tom Gunning veröffentlichte 1986 ein berühmt gewordenes Essay, The Cinema of Attractions. Early Films, Its Spectator and the Avant-Garde, in dem er sich mit dem frühen Kino bis ca. 1907 beschäftigte. Bis dahin betrachtete man die ersten Filme unter dem Aspekt des späteren narrativen Kinos (lateinisch von narrare - erzählen) eher als primitive Vorform. Gunning stellt dem gegenüber das Konzept eines Kinos der Attraktion, das auf eigenständige Weise funktionierte.



Mittwoch, 6. März 2013

Sam Mendes kehrt nicht für Bond 24 zurück

Mendes bei der SKYFALL-Premiere
in Berlin
Wie EMPIRE heute berichtet hat Sam Mendes das Angebot ausgeschlagen, auch den kommenden Bondfilm nach SKYFALL zu inszenieren. "Es war eine schwere Entscheidung, das großzügige Angebot von Barbara [Broccoli] und Michael [Wilson], den nächsten Bond zu inszenieren, abzulehnen", erklärte Mendes. "SKYFALL war eine der besten Erfahrungen in meinem Berufsleben, aber ich habe Theater- und andere Verpflichtungen, darunter 'Charlie und die Schokoladenfabrik' und 'König Lear', die für das nächste Jahr und darüber hinaus meine ganze Aufmerksamkeit benötigen."



Allerdings schließt Mendes eine zukünftige Zusammenarbeit nicht aus: "Ich fühle mich sehr geehrt, Teil der Bondfamilie gewesen zu sein, und hoffe sehr, irgendwann noch einmal mit ihnen zusammen arbeiten zu dürfen." Sam Mendes ist damit der sechste Regisseur in Folge, der das Regie-Angebot für den unmittelbar nächsten Bond ablehnt. Nur Martin Campbell kehrte elf Jahre nach GOLDENEYE noch einmal in den Regiestuhl zurück. Damit ist die Suche nach einem Regisseur für Bond 24, der offenbar sehr zeitnah realisiert werden soll, offen.

SKYFALL ist übrigens für sechs EMPIRE Awards nominiert.

Dienstag, 5. März 2013

"You Only Live Twice" Cover

Nach einer Illustration für die Kurzgeschichtensammlung Octopussy möchte ich hier eine weitere vorstellen, für Flemings elften Bondroman You Only Live Twice. Es ist ebenfalls ein Aquarell mit Verwendung der Verlauf- und Nass-in-Nass-Technik.














Rechts das unbearbeitete Original.









Montag, 25. Februar 2013

Ein Jahrhundertschauspieler

Vor hundert Jahren kam Karl Gerhart "Gert" Fröbe in der Nähe von Zwickau zur Welt. Mit seiner Darstellung des Millionärs und Goldschmugglers Auric Goldfinger im gleichnamigen Film von 1964 erlangte der schwergewichtige Sachse internationale Berühmtheit. Goldfinger gilt bis heute als der Bondschurke schlechthin. Dabei lehnte Fröbe die Rolle des überdimensionalen Gangsters ursprünglich ab, wie er in seiner Autobiographie schrieb.



Zuerst war Orson Welles für den Titelpart vorgesehen, der jedoch eine zu hohe Gage forderte. (Allerdings spielte Welles später Le Chiffre in der Bondpersiflage CASINO ROYALE von 1967) Albert "Cubby" Broccoli erinnerte sich daraufhin an Fröbe, den er Jahre zuvor in ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG als Kindermörder Schrott sah. Doch auf Fröbe wirkte das Rollenangebot wenig attraktiv. Die Produzenten führten ihm daraufhin in London die ersten beiden Bondfilme vor, die Fröbe wegen ihrer Mord- und Folterszenen entsetzten.

Überzeugt wurde er schließlich durch seine Frau Beate: "Begreifst du denn nicht, dass kein Mensch diese Stories ernst nimmt? Das sind Märchen für Erwachsene." Als man sich nicht über die Gage einigen kann, meint Fröbe, dass man ihm doch einfach mit 5 Prozent am Film beteiligen solle, was bei Broccoli und Saltzman Gelächter auslöste. Zu den Dreharbeiten schrieb er in seiner Biographie "Auf ein Neues, sagte er..." (ein Zitat aus dem Film BERLINER BALLADE, in dem Fröbe den berühmt gewordenen Otto Normalverbraucher verkörpert): "Nicht nur der Regisseur Guy Hamilton, alle - von den Kollegen über das Kamerateam bis zu den Arbeitern - gaben einander das Gefühl gegenseitiger Hilfsbereitschaft."
 
Gert Fröbe sollte seine Meinungsänderung nicht bereuen. Der Daily Express bezeichnete ihn als "Jedermanns Lieblingsschurke", der Daily Mirror schrieb: "Er ist der einzige Deutsche, der in der Lage ist, England zu erobern." Er selbst schreibt dazu: "Ich habe versucht, in einer unglaubwürdigen Handlung, die in einer nicht realen Welt spielt, einen Menschen zu zeichnen, der sehr viele negative Eigenschaften hat, von denen aber jeder jede einzelne bei irgend jemandem, vielleicht sogar bei sich selbst, schon einmal entdeckt hat."

Später spielte der sympathische Charakterdarsteller auch in der Verfilmung von Ian Flemings Kinderbuch CHITTY CHITTY BANG BANG mit. Darüber hinaus war er ein begnadeter Rezitator und interpretierte auf Tourneen unter anderem Morgenstern, Ringelnatz und Kästner in seiner einmaligen Art. Mit "Jedermanns Lieblingsschurke" und "Gert Fröbe - Vom Stehgeiger zum Goldfinger" gibt es zwei neue Bücher über Gert Fröbe. Mitte dieses Jahres erscheint außerdem eine umfangreiche Biographie mit dem Titel "Fröbe" von Markus Grieb und Stefan Lüsse.

Sonntag, 24. Februar 2013

Zwei Oscars für SKYFALL

Bei der diesjährigen Oscarverleihung gewann SKYFALL in zwei von fünf Kategorien, für die er nominiert war: Bester Titelsong (Adele Adkins und Paul Epworth) sowie Bester Tonschnitt (Per Hallgerg und Karen Baker Landers). Letztere Kategorie teilt sich SKYFALL mit ZERO DARK THIRTY. Es ist damit der erste James-Bond-Film mit zwei Oscars (GOLDFINGER und THUNDERBALL erhielten jeweils einen) sowie der erste Oscar für einen Bond-Titelsong.


Zudem gab es wie erwartet einen Zusammenschnitt von Szenen aus fünfzig Jahren James Bond, angekündigt von Halle Berry. Dame Shirley Bassey performte live "Goldfinger", Adele "Skyfall". In der Kategorie "In Memoriam" wurden zudem Lyric-Autor Hal David und Komponist Marvin Hamlisch (THE SPY WHO LOVED ME) gewürdigt.

Den zweiten Oscar gab es für Christoph Waltz. Quentin Tarantino erhielt den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Ansonsten bewegte sich die Verleihung größtenteils im erwarteten Rahmen. Gewinner des Abends war LIFE OF PI mit vier Statuen, der große Verlierer BEASTS OF THE SOUTHERN WILD, aber auch LINCOLN der nur zwei Oscars bei insgesamt 12 Nominierungen erhielt.

Donnerstag, 21. Februar 2013

"Macht(t)räume"

Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme

Mit der Neuausrichtung seit CASINO ROYALE gewann das Bond-Franchise nicht nur finanziellen Erfolg, sondern auch eine gewisse künstlerische Anerkennung, die früher verwehrt blieb. So erhielt SKYFALL mehr Oscar-Nominierungen als jeder andere Bondfilm bis dato. (Wie viele Oscars der Film davon wirklich erhält, wird sich am Sonntag zeigen) Bond wird quasi ernstgenommen, seit er sich selbst ernstnimmt. Die Wahrnehmung der früheren Bondfilme unter künstlerischen Aspekten findet dagegen immer noch eher marginal statt, obwohl sie es nicht minder verdienen. Das Buch Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch liefert mit einer detailierten Analyse und architektonischen Einordnung des Produktionsdesigns in Bondfilmen von Sir Ken Adam einen wichtigen Beitrag in dieser ernsthaften wissenschaftlich-künstlerischen Wahrnehmung der früheren Bondfilme.



Interessant dabei ist, dass Ken Adam selbst bei der wissenschaftlichen Betrachtung seiner Leistungen für die James-Bond-Filme eher skeptisch wirkt, wie die Interviews am Ende des Buches zeigen. "Aber sie reden immer von den Bonds", sagt er, "zur selben Zeit habe ich DR. STRANGELOVE gemacht". In einem anderen zitierten Interview über die Arbeit an Kubricks BARRY LYNDON, für den Adam einen Academy Award erhielt, sagt er: "I never received an Academy Award for the James Bond films where my contribution was far more important. James Bond is not regarded as art!" (Für THE SPY WHO LOVED ME war er immerhin nominiert)
Station Canary Wharf (wikipedia)

Dabei waren Adams Ausstattungen für die Bondfilme ausnahmslos oscarwürdig, was nicht zuletzt ihr Einfluss auf Filmgeschichte und auch Architektur beweist. So ließ sich beispielsweise Star-Architekt Norman Forster für das Design der Londoner U-Bahnstation Canary Wharf von Adams Supertanker Liparus aus THE SPY WHO LOVED ME inspirieren. (Eine schöne Referenz wäre es gewesen, diese Station in SKYFALL einzubauen, wenn Bond schon mal in der Tube ist...)

Die verspielt-geniale Filmarchitektur von Ken Adam ist auch für mich persönlich ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesamtfaszination Bond, und trug dazu bei, dass ich überhaupt Fan wurde. Immerhin war YOU ONLY LIVE TWICE mein erster Bond im Fernsehen. Ein Buch, das sich ausschließlich und detailiert den Bond-Kulissen von Ken Adam widmet ist daher ein echter Fan-Traum!

Das Buch Macht(t)räume gliedert sich in acht Teile. Der erste behandelt die Entstehung und Entwicklung der Bondfilme und die Filmarchitektur Ken Adams. Im zweiten geht es um die literarischen Quellen, die Bondromane von Ian Fleming. Interessant fand ich hier, dass die Fleming-Romane zwar vieles nicht vorgaben, jedoch auch viele entscheidende Anregungen gaben, was das Design der Filme angeht. Immerhin liest man ja nicht selten, dass die Figur Bond erst durch filmische Zutaten zum Erfolg geworden sein soll.

Die nächsten Kapitel widmen sich der Filmarchitektur und ihren Einflüssen. Zum einen werden die fiktiven Macht- und Kontrollräume realen Architekturen aus der jüngeren Geschichte gegenübergestellt. Daraus ergeben sich bemerkenswerte Parallelen, die - da Adam im Interview eine bewusste Inspiration verneint - auf grundsätzliche architektonische und psychologische Prinzipien zurückzuführen sind. Im Vordergrund stehen dabei nationalsozialistische Architekturbeispiele, aber zum Teil auch Räume aus der bundesdeutschen oder britischen Geschichte.

Äußerst interessant ist schließlich der Teil, der Adams Bauten mit zeitgenössischer Innenarchitektur, vor allem des american style, vergleicht. Hier sind die auch mit zahlreiche Fotografien belegten Parallelen wirklich beeindruckend, und es zeigt sich, dass sich Adam durch gegenwärtige und zukunftsweisende Trends stärker beeinflussen ließ als durch vergangene, wie etwa dem Bauhaus.

Die Inneneinrichtungen der Bösewichte waren trotz ihrer Übertreibung Ausdruck des Zeitgeistes und jeweils aktueller Trends und Sehnsüchte. Ich denke, das ist eins der Erfolgsgeheimnisse des Bondfranchises - den Antagonisten eine gewisse Coolness und echte Überlegenheit zuzugestehen, was sich sehr stark in ihrem architektonischen Geschmack und Leistungen widerspiegelt. Insofern ist es nur konsequent, wenn Petra Kissling-Koch schreibt: "Die Untersuchung der Machträume lässt erkennen, dass die Extravaganz der Architektur das eigentliche Hindernis für James Bond ist, weniger die Erbauer selbst. Nicht Dr. No, Blofeld, Drax oder Stromberg sind die Gegner, die besiegt werden müssen. Es sind ihre erbauten Wunderwelten mit ihren technisch perfekten Systemen, von denen eine besondere Faszination ausgeht." Verständlich wird daran auch, dass Ken Adam selbst an den neueren Bondfilmen vor allem die Schurken kritisiert. (Nach seinem letzten Bondfilm MOONRAKER arbeitete er nur noch an dem Computerspiel GOLDENEYE: ROGUE AGENT mit)

Dem gegenüber steht Bond, der als dynamische Figur und Jetsetter über keine bemerkenswerten eigenen Räume verfügt, und sich meist in Hotelzimmern, Casinos oder den Räumen des MI6 aufhält. Erstmals mit SKYFALL hat man dieses Prinzip durchbrochen und auch Bond selbst eine eigene eindrucksvolle Architektur zugestanden, auch wenn diese letztendlich effektvoll zerstört wird.

Weitere Kapitel thematisieren schließlich den Stellenwert der Bondkulissen Adams in der Geschichte der Filmarchitektur, Adams Entwurf- und Zeichentechnik sowie das kulturelle Phänomen James Bond an sich. Obwohl es bereits einige Bücher über Sir Ken Adam gibt, ist Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch in seiner Detailfülle und Genauigkeit einmalig, und liefert Erkenntnisse, die über rein biographische und beschreibende Literatur hinausgehen. Lesenswert ist es nicht nur für Bondfans, sondern auch für Film- und Kunsthistoriker, angehende Szenenbildner und für allgemein Filminteressierte.

Über die Autorin: Petra Kissling-Koch, Dipl. Ing. M.A., geb. 1972, studierte Innenarchitektur, Kunstgeschichte, Italienische Philologie und Volkskunde in Wiesbaden, Mainz, Perugia und Bonn, promovierte 2010 mit einer Dissertation über Ken Adam und die James-Bond-Filme an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn; sie lebt und arbeitet in München. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich vor allem mit Kunst- und Kulturströmungen der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, insbesondere aus den Bereichen Film, Architektur, Design und Wohnen.


Petra Kissling-Koch
Macht(t)räume
Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme
Medien/Kultur 4

232 Seiten / 16 Seiten in Farbe
123 Fotos
Paperback, 14,8 x 21 cm
Artikelnummer 978-3-86505-396-1
Erschienen im Juli 2012

Montag, 18. Februar 2013

Glühwein in Cortina

Neben dem Hotel Miramonti, in dem Bond im Film FOR YOUR EYES ONLY absteigt, der Piazza Venezia, wo er Melina vor einer Motorradattacke bewahrt, und dem Trampolino Olimpico war ein weiterer Drehort in Cortina d'Ampezzo das Olympische Eisstadion. Hier wird im Film der Gegenspieler Aristotle Kristatos eingeführt. Der Mann mit dem philosophischen Namen erscheint zuerst als freundlicher Sponsor einer jungen Eiskunstläuferin.


Einige Elemente des Films von 1981 stammen aus der Fleming-Kurzgeschichte Risico, vor allem die Figuren Kristatos und Columbo. Das erste Zusammentreffen zwischen Bond und Aristotle Kristatos - der durch eine Begegnung von Ian Fleming mit Aristoteles Onassis inspiriert ist - findet in der Kurzgeschichte in Rom statt, im Restaurant "Colomba d'Oro" nahe der Piazza di Spagna. Im Film ist das Treffen immerhin ebenfalls in Italien. Venedig, das in der Kurzgeschichte neben Rom ein Hauptschauplatz ist, wurde bereits für den Vorgängerfilm MOONRAKER benutzt, und konnte hier nicht verwendet werden. In der italienischen Hauptstadt war 007 allerdings bis heute noch nie in den Filmen. Kristatos unterscheidet sich als Figur ebenfalls stark von Flemings literarischer Intention, wo er ein massiger Mann mit buschigem Schnurrbart ist.

Das Eisstadion wurde wie die Skisprungschanze für die Winterolympiade 1956 erbaut. Erstmal war damals die Sowjetunion an olympischen Winterspielen beteiligt und übertrumpfte alle anderen Nationen im Medaillenspiegel. Im Film FOR YOUR EYES ONLY findet sich daran eine kleine Referenz in Form des stahlharten Biathleten und KGB-Agenten Erich Kriegler.

Das Stadion ist im Film noch unüberdacht, und man sieht im Hintergrund das imposante Dolomitenpanorama. Nach den Dreharbeiten Anfang der 1980er Jahre wurde das Stadion mit einem Überbau versehen, um es ganzjährlich nutzen zu können. Dort wo im Film Kristatos und einige andere Zuschauer an Tischen sitzen, befindet sich heute die gläserne Front des Stadions. Das Stadion bietet damit im Sommer eine willkommende Abkühlung, und man kann es Bibi Dahl gleichtun und dort ein paar Runden auf dem Eis drehen.


Der Abschied Bonds von Bibi und die anschließende Attacke einiger Eishockey-Spieler wurde ebenfalls in dem Stadion gedreht, auch wenn es durch die Dunkelheit wie eine Innenaufnahme wirkt. Bond parkt seinen Lotus Esprit an der rechten Seite des Stadions, und findet dort auch seinen Kontaktmann Luigi ermordet vor.





Unverändert ist dagegen noch der Eingangsbereich zum Stadion, den Bond und Luigi betreten.











  
In der Kurzgeschichte Risico trinkt Kristatos einen Alexandra und Bond einen Negroni. Im Film dagegen lädt Kristatos Bond auf einen Glühwein ein. Da uns Schnee und Eis laut Wetterbericht ja noch etwas erhalten bleiben, hier das Rezept für James-Bond-Glühwein, aus dem Buch 007 on the Rocks:

Zutaten:
  • eine 750 ml Flasche trockenen Rotwein (und bitte nicht irgendeinen! :-).
  • zwei Drittel einer Tasse rohen Rohrzucker oder weißen Zucker
  • eine kleinen Zitrone
  • zwei Kardamom-Samen (oder Ingwer nach Geschmack)
  • vier Gewürznelken
  • zwei Lorbeerblätter
  • zwei Zimtstangen

Zubereitung:
  1. Den Rotwein in einem Topf erhitzen (nicht kochen lassen).
  2. Zitrone in Stücke schneiden und zum Wein dazugeben.
  3. Zimt, Gewürznelken, Zucker und Kardamom bei gleichzeitigem Umrühren und abschmecken hinzugeben.
  4. Die Mischung bei geringer Hitze ungefähr fünf Minuten erwärmen und dann für eine Stunde ziehen lassen. Sie sollte dabei nie kochen.
  5. Vor dem servieren nochmals erhitzen, sowie Schalen und Gewürzreste entfernen.
  6. In kleinen, am besten vorher erwärmten Bechern servieren, optional mit Brandy, Amaretto oder ähnlichem.
  7. Beim Trinken auf Bond anstoßen! ;-)

    Donnerstag, 14. Februar 2013

    Bonds Home-Page

    Zum US-DVD- und Bluray-Start von SKYFALL ist eine sehr schöne Internetseite online, mit zahlreichen Informationen zu Bonds Familiensitz, dem Aston Martin sowie Audiokommentaren, Artworks, Filmausschnitten und Hinter-den-Kulissen-Filmclips: www.skyfalllogde.com.

    In Deutschland erscheint SKYFALL am 1. März auf DVD und Bluray.

    Sonntag, 10. Februar 2013

    SKYFALL als bester britischer Film ausgezeichnet

    Bei der Verleihung der BAFTAs (British Academy Film Awards) gestern Nacht gewann SKYFALL in der Kategorie "Outstanding British Film in 2013" und setzte sich damit gegen Konkurrenten wie LES MISÉRABLES und ANNA KARENINA durch. Ein zweiter Preis ging an Thomas Newman für die "Original Film Music". Es ist der erste BAFTA für einen James-Bond-Film seit 50 Jahren. 1963 erhielt Ted Moore den Preis für die beste Kamera in FROM RUSSIA WITH LOVE.



    SKYFALL war noch in sechs anderen Kategorien nominiert: Bester Nebendarsteller (Javier Bardem), hier gewann Christoph Waltz; Beste Nebendarstellerin (Judi Dench), hier gewann Anne Hathaway; Sound; Production Design (jeweils LES MISÉRABLES); Cinematography (LIFE OF PI) und Editing (ARGO).

    Die nächste Station für den Jubiläumsbond, der mittlerweile Platz 7 bei den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten einnimmt, ist die Oscarverleihung am 24. Februar. Hier ist der Film in fünf Kategorien nominiert, darunter ebenfalls Musik sowie bester "Original Song", für den Adele bereits den Golden Globe gewann. Adele wird bei der Verleihung der Academy Awards auftreten, ebenso wie Dame Shirley Bassey.

    Mittwoch, 6. Februar 2013

    Die sieben besten Todesfallen

    Guy Hamilton und Drehbuchautor Tom Mankiewicz nannten sie "Snake-pit-situations": Bond findet sich - meistens nach einer Betäubung - in einer lebensbedrohlichen Falle wieder, aus der er im Idealfall nur unter Einsatz seiner Intelligenz, oft aber auch durch ein Gadget, entkommen kann. Und beide waren Meister im Erschaffen solcher "Schlangengruben". In SKYFALL gibt es eine kleine Referenz daran mit einer buchstäblichen Drachengrube, aus der Bond in hamilton'scher Weise entkommt. Hier meine Top 7 der snake pits:


    007  Im sogenannten "inoffiziellen" Bondfilm NEVER SAY NEVER AGAIN stellt Killer-Amazone Fatima Blush Bond nach einer Verfolgungsjagd. Im Prinzip keine klassische Falle, aber wie Bond durch angewandte Psychologie und Gadgets aus der Situation entkommt, ist trotzdem sehr witzig und bond-like umgesetzt. Vorher im Film gibt es eine klassische Falle, als Fatima Bond unter Wasser einen Sender ansteckt, der Haie anzieht.


    006  Schurke Aristotle Kristatos zieht Bond und Melina Havelock in FOR YOUR EYES ONLY mit einem Schiff über Korallenriffe. James befreit sich und Melina durch Physik. Wobei die Haie schon verdächtig wählerisch in Bezug auf ihre Beute erscheinen...


    005  Das Killerpärchen Mr. Wint (dargestellt vom Vater von Marty McFlys Vater, Bruce Glover) und Mr. Kidd (Jazz-Musiker Putter Smith) verfrachtet Bond in DIAMONDS ARE FOREVER in einen Sarg, der daraufhin in die Verbrennungskammer eines Krematoriums gefahren wird. So schön ausweglos die Idee an sich ist, so enttäuschend ist die Auflösung der Autoren. Sehr kreativ auch eine frühere Szene, in der Wint und Kidd Bond in eine Ölpipeline einbauen lassen.


    004  „Auch was den Tod angeht, bin ich über alle Maßen großzügig", sagt Hugo Drax in MOONRAKER. "Wenn diese Rakete abhebt, werde ich Sie in Ihrem eigenen privaten Krematorium zurücklassen." In diesem Film werden keine kleinen Brötchen gebacken, und so schuf Ken Adam extra für diese Szene ein phantastisches Set mit einklappbaren Tisch und Stühlen. Wegen Szenen wie dieser liebe ich Bond.


    003  Gleicher Film, ähnlich geniale Kulisse, und leider entkommt Bond auch hier nur dank der hellseherischen Fähigkeiten von Q. Aber die Zentrifugenszene gewinnt für mich sehr dadurch, dass Bond in Kontrast zu anderen Szenen, in denen er fast wie ein Superheld wirkt, hier wirklich glaubhaft fast draufgeht. Und auch danach kaputt und sprachlos ist. Eine von Roger Moores Sternstunden.


    002  Das klassischste Klassiker schlechthin. "Do you expect me to talk?" Eine genial geschriebene Szene, die die entsprechende Situation im Roman effektvoll 'pimpt', und durch die fast surreale Banalität im Hintergrund noch bedrohlicher wirkt. Da wuseln Techniker vor sich hin, Goldfinger plaudert mit einem Chinesen, während Bond gleich entzwei geschnitten und sich wahrscheinlich die Seele aus dem Leib schreien wird. Letztlich rettet sich Bond auch hier mit Hirn, obwohl - wenn man ganz ehrlich ist - ist es auch hier bloß 'because it's in the script'. Aber zumindest ist die Entscheidung, Bond am Leben zu lassen, nicht so unklug wie in anderen Filmen, wie man später bei der Observation von Goldfingers Gestüt in Kentucky durch Felix Leiter sieht.


    001  So simpel wie effektvoll: Bond auf einer winzigen Betoninsel inmitten eines Sees voller hungriger Krokodile. Diese Szene ist auf Platz 1, weil sie wirklich wirklich gut geschrieben ist. Bond macht hier als erstes, was Moore-Bond in Zukunft immer tun wird: Zur Armbanduhr greifen. Das scheint zuerst auch zu funktionieren, doch das per Magnet anvisierte Boot ist angebunden. Willkommen im alltäglichen Leben, Bond! Aber nur fast. Die Lösung ist dann genial, weil sie ebenso überraschend wie mühelos ist: Der Weg über den Rücken der Krokodile. Und als Stunt auch nicht zu sehr over-the-top, da es in der Realität fast genauso funktioniert hat.


    Seit nach MOONRAKER 'down to earth' als Tugend für Bondfilme gilt, und man mit DIE ANOTHER DAY darin scheiterte, einen ähnlich überlebensgroßen und oppulenten Bondfilm in der Neuzeit zu inszenieren, haben leider auch die klassischen snake pits rapide abgenommen. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal wieder etwas mehr als nur nett gemeinte Hommagen an die gute alte Zeit, die angeblich heute so nicht mehr funktionieren würde...

    Donnerstag, 31. Januar 2013

    James Bond und Jules Verne

    Heute vor 150 Jahren erschien Fünf Wochen im Ballon (Cinq semaines en ballon), das erste Buch in der Romanreihe der Voyages extraordinaires, die Jules Verne als Vater der Science Fiction und der phantastischen Literatur weltberühmt werden ließ. Grund genug, auf die Verne´schen Einflüsse im Bondfranchise einzugehen.





    Montag, 28. Januar 2013

    Die Scaramanga-Silva-Connection

    Letztens fand THE MAN WITH THE GOLDEN GUN wieder einmal den Weg in meinen Player - einer der weniger beliebten Bondfilme, der in puncto Locations und Gegenspieler allerdings so manchen der "Bondbuster" überflügelt. Dabei sind mir einige interessante Parallelen zu SKYFALL aufgefallen. (Der nachfolgende Text enthält Spoiler in Bezug auf die Handlung von SKYFALL)


    Freitag, 25. Januar 2013

    Space Age Hero

                    "Als der Mensch ins Atomzeitalter trat, eroberte er eine neue Welt. Welchen Gefahren 
                     wir ins Gesicht sehen müssen, kann kein Mensch voraussehen!"
                                     (THEM!, 1954)


    Vor einem halben Jahrhundert kam der erste Bondfilm in die deutschen Kinos, unter dem Titel: James Bond 007 jagt Dr. No. Der Film spiegelt perfekt den Zeitgeist der 50er und 60er Jahre wider, als die Menschheit hin und hergerissen war zwischen apokalyptischen Ängsten und unbegrenzten Möglichkeiten - ausgehend sowohl vom Mikro- wie vom Makrokosmos. Die kleinsten Teilchen erwiesen sich doch nicht als unteilbar und stellten gigantische Energien zur Verfügung, während sich der Kosmos durch die Raumfahrt als potentieller Lebensraum anzubieten schien. Angesichts der gerade mühsam überwundenen Schrecken des zweiten Weltkrieges stellte sich zum ersten Mal im globalen und existentiellen Maßstab die Frage des moralischen Fortschritts. Zeit für übermenschliche Helden, die das Gleichgewicht des Schreckens auf ihren Schultern balancieren konnten.


    Dienstag, 22. Januar 2013

    Mauersprünge

    Einer der spektakulärsten Stunts der Bondfilme ist der Bungeesprung von der Contra-Talsperre im Schweizer Kanton Tessin, für GOLDENEYE (1995). Bei einer Umfrage der Seite Skymovies wurde er sogar zum besten Filmstunt aller Zeiten gewählt. Doch James Bond, beziehungsweise Stuntman Wayne Michaels war nicht der erste, der mit einem Bungeeseil von dieser Staumauer sprang. Tatsächlich war dieser Stunt bereits fünf Jahre zuvor in einem Kinofilm zu sehen.





    Ende der 1980er drehte Skirennfahrer, Kameramann und Designer Willy Bogner nach FIRE & ICE einen weiteren Spielfilm mit dem Titel FIRE, ICE & DYNAMITE. Roger Moore spielt darin einen Millionär, der seinen Tod vortäuscht (mit einem Freefall-Stunt à la MOONRAKER) und ein wahnwitziges Wettrennen initiiert, das an RAT RACE oder JACKASS erinnert, um seine Kinder untereinander und mit sich zu versöhnen. Neben Roger Moore wirkten auch die Bond-Stuntmen B.J. Worth und Rémy Jullienne mit.

    Bogner kreierte für den Film zahlreiche halsbrecherische Sportarten, wie etwa das Skifahren durch einen Looping oder auf einer Geröllpiste. Ein Teil des Wettbewerbs ist eine Kletterei am Verzasca-Staudamm. Uwe Ochsenknecht (DAS BOOT), der in dieser leider etwas klamaukig geratenen Komödie den Bösewicht verkörpert, will die Konkurrenten sabotieren und wirft, mit einem Seil gesichert, einen Sprengsatz hinunter. Doch er stürzt selbst hinterher. Natürlich wirkt der Bungeesprung in GOLDENEYE ungleich spektakulärer, und deckte im Gegensatz zum Erstsprung fast die gesamte Höhe des Damms von 220 Metern ab. (Clevererweise hat man den Sprung im Film auf 1986 zurückdatiert, so dass Bond wenigstens im Film der Erste ist.)

    Realisiert wurde der Sprung in FIRE, ICE & DYNAMITE von Stuntman Jochen Schweizer, der für den Film auch einen weiteren spektakulären Bungeesprung durchführte, von einer nahegelegenen Brücke über die Verzasca. Hierbei tauchte er kurz mit dem Oberkörper ins Wasser ein, um einen Staffelstab weiterzugeben.

    Im weiteren Filmverlauf sieht man die atemberaubenden Stromschnellen der Verzasca (von Verde aqua - grünes Wasser), die auch heute noch bei Paddlern und Tauchern beliebt sind.

    Wie Bogner im Audiokommentar der DVD erwähnt, erhielt er für die Nutzung seiner Stunt-Idee in GOLDENEYE kein Geld oder namentliche Erwähnungen. Allerdings hat Stuntman Jochen Schweizer mittlerweile ein Erlebnis-Unternehmen, dass auch Bungeesprünge vom Verzasca-Damm anbietet. So schließt sich der Kreis dann wohl wieder.

    Bungeesprungmöglichkeit am Damm 2011 (und nein, ich war nicht so verrückt ;)

    Donnerstag, 17. Januar 2013

    Blutige Baumwolle

    Django Unchained
    USA 2012
    Regie und Drehbuch: Quentin Tarantino
    Darsteller: Christoph Waltz, Jamie Foxx, Leonardo DiCaprio

    Kino eignet sich nicht nur dafür, vergangene Epochen wieder lebendig werden zu lassen, sondern auch, die Geschichte nach eigenen Vorstellungen umzuschreiben. Während bei vielen historischen Filmen letzteres eher auf schlampige Recherche zurückzuführen ist, nutzt Quentin Tarantino die Freiheiten der Zeitmaschine Kino bewusst und konsequent. In INGLORIOUS BASTERDS (2009) glückt ein Attentat auf Hitler, wo sie in der Realität allesamt scheiterten; in seiner achten Spielfilm-Regie lässt er nun einen schwarzen Sklaven seine Ketten sprengen und mit den weißen Besitzern abrechnen. Dabei wird auch die Filmgeschichte berichtigt. "Once you loved her, now you've lost her forever", singt Rocky Roberts in Luis Bacalovs Hymne zum originalen DJANGO (1966).


    Tarantinos Django (Jamie Foxx) hat seine Liebe noch nicht für immer verloren, und so dreht sich die Geschichte um Djangos Versuch, mit Hilfe des Kopfgekljägers Dr. King Schultz (Christoph Waltz) seine Frau (Kerry Washington) zu befreien und sich an ihren und seinen Peinigern zu rächen. Doch auch auf eine weniger positive Weise unterscheidet sich der "Southern" von Sergio Corbuccis Italowestern. Während Franco Neros eisblaue Augen Damen wie Bösewichte verstummen ließen, ist DJANGO UNCHAINED eindeutig die Show von Christoph Waltz. Die Leinwandpräsenz des Wieners ist schon erstaunlich, wenn man an frühere Rollen in "Die Roy Black Story" oder "Kommissar Rex" denkt. In Deutschland wäre jemand wie er vermutlich heute noch dazu verdammt, zwischen Tatort und Traumschiff zu tingeln. Seine Figur des auf Kopfgeldjäger umgeschulten Zahnarztes erinnert an die historische Figur des Doc Holliday, und Waltz spielt sie mit einer genialen Mischung aus Eloquenz und Tödlichkeit. Der zweite Oscar wäre auf jeden Fall verdient.

    Jamie Foxx hat erst gegen Ende des mit 165 Minuten etwas zu lang geratenen Films die Gelegenheit, aus dem Schatten seines Mentors zu treten. Dafür aber dann umso bleischwerer und blutiger. Die Gewalt in DJANGO UNCHAINED wirkt verglichen mit Tarantinos bisherigen Filmen realistischer und weniger cartoonhaft. Der Regisseur schafft es, das absurde Selbstverständnis der weißen Sklavenhalter in vielen Szenen auf den Punkt zu bringen. "Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so tragisch wäre" - dieser Spruch trifft wohl auf einen Großteil der Menschheitsgeschichte zu. Hier darf man tatsächlich auch mal darüber lachen, beispielsweise wenn sich Ku-Klux-Klan-Mitglieder über ihre Kapuzen streiten. Manchmal wird es allerdings auch etwas zu plakativ, etwa wenn ein fetter Weißer eine Sklavin mit der Bibel in der Hand auspeitscht.

    Auch Leonardo DiCaprio, der mit THE QUICK AND THE DEAD schon einmal in einer Italowestern-Hommage spielte und hier den Planatagenbesitzer Calvin Candie verkörpert, ist sehenswert, reicht als Bösewicht aber nicht ganz an Waltz´ Hans Landa heran. Wie gewohnt bei Tarantino ist der Film bis in die kleinste Nebenrolle genial besetzt. Bondfans können sich beispielsweise auf ein Wiedersehen mit Colonell Heller aus LICENCE TO KILL freuen, hier als Sheriff. Auch der Meister himself beweist in einer kleinen Rolle wieder Sinn für Selbstironie. Obligatorisch ebenfalls die zahlreichen Zitate nicht nur der Italowesterngeschichte, sowie die kongeniale Musikauswahl.

    Im Gesamteindruck hält der Film eine sehr gekonnte Balance zwischen Popcorn-Unterhaltung, Hommage an ein Genre bzw. den Film an sich sowie ernsteren Zwischentönen. In dieser Kategorie erreicht er meiner Meinung nach allerdings nicht ganz die Klasse von INGLORIOUS BASTERDS. Zumindest auf den ersten Blick. Auf jeden Fall mag ich den "erwachsenen" Tarantino mit Jackie Brown, Basterds und Django wesentlich lieber.

    Montag, 14. Januar 2013

    Standing Ovations für Götz Otto

    "The King's Speech - Die Rede des Königs" 
    Gesehen im Theater Wolfsburg am 11. Januar 2013

    Manchmal schreibt das Leben tatsächlich die besten Geschichten. Albert (Götz Otto, TOMORROW NEVER DIES, DER UNTERGANG), Herzog von York und Zweitgeborener des britischen Königs, leidet unter seinem Stottern. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der das Radio einerseits Reden zu Millionen von Hörern übertragen kann, andererseits aber noch nicht so ausgereift ist, dass diese Reden vorher aufgezeichnet oder geschnitten werden können. Nachdem sein Bruder, der Thronanwärter David verhindert ist, muss Albert eine Rede im Wembley Stadion halten, wobei er kläglich versagt. Und das Schicksal kennt auch weiterhin keine Gnade mit ihm.

    Nach dem Tod des Vaters besteigt sein Bruder zwar den Thron, dankt aber kurz darauf ab, um eine Amerikanerin zu heiraten (was als eine der großen Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts bezeichnet wurde). Und so muss Albert König werden, während das britische Volk in Kriegszeiten nach einem starken Mann verlangt, und der deutsche Feind einen teuflisch guten Redner aufbietet. Ein König, der hinter dem Mikrofon zum einsamsten und hilflosesten Menschen wird.

    Hier kommt Lionel Logue (Steffen Wink, BARFUSS) ins Spiel, ein unkonventioneller australischer Sprachtherapeut.

    Man könnte meinen, dass hier ein Theaterstück nach einem erfolgreichen Film geschrieben wurde. Doch tatsächlich war es umgekehrt. Der Autor David Seidler, der selbst unter Stottern litt, machte aus diesem Stoff ein Stück, unter Verwendung der Originalnotizen von Logue. Queen Mum bat ihn jedoch, mit der Veröffentlichung bis zu ihrem Ableben zu warten, und so lag das Stück jahrzehntelang in der Schublade. Schließlich wurde Tom Hooper (LE MISÉRABLES) darauf aufmerksam und machte aus dem Stück ohne den Umweg über die Bühne einen oscarprämierten Film.

    Wenn man den Film gesehen hat, kennt man natürlich die Story, und hat auch Colin Firth und Geoffrey Rush in den entsprechenden Rollen vor Augen. Der 1,98-Meter große Götz Otto hat es noch zusätzlich schwer, hilflos und verzweifelt zu wirken. Doch Otto und Wink schaffen es, die Rollen völlig für sich zu vereinnahmen und das Publikum für zwei Stunden in den Bann zu ziehen. Sowohl den Sprachfehler als auch die blaublütige Steifheit verkörpert Otto mitreißend glaubhaft. Interessanterweise spielt Götz Otto, der mit der Rolle des Stamper in TOMORROW NEVER DIES international bekannt wurde, damit bereits zum fünften Mal einen König. Aber auch das restliche Ensemble überzeugt.

    Für mich als Technikfan, den auch Bühnentechnik begeistert, stellt lediglich die schlichte und nur in Details variable Kulisse einen leichten Kritikpunkt dar. Andererseits wurde durch die fehlenden Bühnenumbauzeiten die Geschichte effektvoll auf das Wesentliche komprimiert, und man kann sich völlig auf das Spiel der Figuren konzentrieren.

    Am Ende gab es verdientermaßen minutenlangen Jubel und Standing Ovations. Noch bis 15. März tourt das Theaterstück durch verschiedene durch verschiedene deutsche Städte

    Adele gewinnt Golden Globe

    Der Golden Globe für den besten Song ging an Adele und Paul Epworth für SKYFALL. Es ist der erste Golden Globe für einen Bondsong überhaupt, nach mehreren Nominierungen, zuletzt für Madonnas DIE ANOTHER DAY. Damit stehen die Chancen für einen entsprechenden Oscar wohl sehr gut.

    Der Golden Globe für die beste Drama-Regie ging an Ben Affleck, was insofern überraschend ist, dass sein Spionagethriller ARGO keine Oscarnominierung in der Kategorie Regie erhielt. Judi Dench, die für THE BEST EXOTIC MARIGOLD HOTEL nominiert war, ging diesmal leer aus. Den zweiten Globe gab es dagegen für Christoph Waltz.