Sonntag, 7. Juli 2013

Bondfilme im Kino

In den kommenden Wochen und Monaten werden in verschiedenen Kinos in Deutschland ältere Bondfilme zu sehen sein. Hier eine Übersicht der Orte und Termine:



19. Juli - Hamburg, RIALTO Lichtspiele

21:30 Uhr Vortrag von Danny Morgenstern (Autor von James Bond XXL)
21:45 Uhr DR. NO
23:30 Uhr EVERYTHING OR NOTHING - THE UNTOLD STORY OF 007 (OV)

(Die Dokumentation EVERYTHING OR NOTHING ist erstmals in einem deutschen Kino zu sehen)

20. Juli - Hamburg, RIALTO Lichtspiele

18:00 Uhr Vortrag von Danny Morgenstern
18:30 Uhr CASINO ROYALE
21:00 Uhr QUANTUM OF SOLACE
23:00 Uhr SKYFALL

7. August - Cineplex Pforzheim (im Zuge der Ausstellung in den Schmuckwelten Pforzheim)

20:15 Uhr OCTOPUSSY

7. September - Cineplex Pforzheim

20:15 Uhr GOLDENEYE


Zudem zeigen einige Open-Air-Kinos den jüngsten Bondfilm SKYFALL, darunter das Kino im Park Dortmund, am 8. August beim Seh-Fest Hannover, am 12. August im Open Air Kino Aachen sowie am 9. August im Freiluftkino Berlin-Friedrichshain.

Freitag, 5. Juli 2013

Roger, übernehmen Sie!

Vor 40 Jahren feierte der achte James-Bond-Film LIVE AND LET DIE offiziell Premiere am Londoner Odeon am Leicester Square, nachdem er in den Staaten bereits eine Woche zuvor angelaufen war. Roger Moore hatte zuvor sehr erfolgreich in einigen Fernsehserien mitgewirkt, aber der Sprung vom Fernsehen ins Kino war zu jener Zeit nicht selbstverständlich und gelang weniger Schauspielern als umgekehrt. Zudem fehlten viele Elemente, die Bond berühmt gemacht hatten – vom Smoking und Wodka Martini über Q und weltbedrohende Superschurken bis zur Musik von John Barry. Dazu kam auch noch, dass praktisch alle Schurken des Films Schwarze waren. Wie um Himmels willen sollte das gut gehen?


Montag, 1. Juli 2013

Erster Teaser Trailer zu 'Fleming'

BBC und Sky Atlantic haben den ersten Teaser sowie einige Bilder zu ihrer Miniserie über den James-Bond-Erfinder 'Fleming' veröffentlicht. Neben Dominic Cooper (THE DEVIL'S DOUBLE, MY WEEK WITH MARILYN) als Ian Fleming spielen Lara Pulver (SHERLOCK) als Flemings Freundin Anne, Annabelle Wallis, Lesley Manville, Anna Chancellor, Samuel West and Rupert Evans. Die Miniserie spielt im Nachkriegs-London und startet noch dieses Jahr. Noch mehr Bilder gibt es auf Daily Mail online.

Samstag, 29. Juni 2013

Das Theater um Mendes

Sam oder nicht Sam - Das ist die Frage. Im Zuge der Premiere der von ihm inszenierten Mucical-Version von Charlie and the Chocolat Factory sagte Sam Mendes in verschiedenen Interviews, dass er die Entscheidung für oder gegen einen weiteren Bondfilm noch nicht getroffen habe. Vor fast genau einem Monat berichteten zahlreiche Seiten noch, dass Mendes wahrscheinlich sogar für zwei weitere Bondfilme zurückkehren wird, während Mendes im März sagte, dass ihn die Aussicht auf weitere Bondfilme 'physically ill' mache. (Siehe Bericht hier) Mendes befinde sich bezüglich des 'B-Worts' noch in Verhandlungen, wolle sich aber erst entscheiden, wenn er seine Theaterverpflichtungen abgeschlossen habe.



Charlie and the Chocolat Factory, basierend auf dem Kinderbuch von Roald Dahl, der auch das Drehbuch zu YOU ONLY LIVE TWICE schrieb, soll bis 31. Mai 2014 laufen, womit sich Mendes' Entscheidung noch etwas hinziehen könnte. In früheren Interviews bezog sich Mendes außerdem auf seine Regie für King Lear, der im Januar 2014 starten soll. Meiner Meinung nach tun sich beide Seiten mit dieser Informationspolitik keinen Gefallen. Von einem Erfolgsregisseur sollte man die Fähigkeit erwarten, innerhalb eines vertretbaren Zeitfensters eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen zu können. Am Set eines millionenschweren Films sind derartige Entscheidungen ja tagtäglich gefragt. Mendes dagegen hält die Produzenten über Monate hinweg öffentlich hin, mit Aussagen à la "Beim Gedanken an einen weiteren Bondfilm wird mir schlecht", dann "Vielleicht überleg ich mir's ja doch noch", dann "Mal schauen, aber ich mach erst mal mein Theater". Die Produzenten machen die Produktion eines von Millionen Fans erwarteten Multimillionen-Dollar-Spektakels damit von einer einzelnen Person abhängig. Immerhin könnte sich Mendes ja schließlich doch noch gegen einen weiteren 007-Film entscheiden, womit die Suche nach einem Regisseur erneut anfangen würde. Ob der große Erfolg von SKYFALL, der zu einem gewissen Prozentsatz sicher auch auf die Berichterstattung um das 50jährige Jubiläum zurückzuführen ist, das wirklich rechtfertigt?

Montag, 24. Juni 2013

7 Dinge, die Daniel Craig als Bond noch tun muss

Es gibt Dinge, die ein Bond tun muss. Einiges davon hat Craigs Bond schon erledigt, oder sogar auf kreative Weise neu definiert - sich mit "Bond, James Bond" vorstellen, gegen einen Schurken im Casino antreten, eine Autojagd mit dem Aston Martin oder der Flirt mit Moneypenny. Bei manchen stimmt nur die Reihenfolge noch nicht ganz, aber es gibt auch Dinge, die Craigs Bond noch tun muss, um sich in die Riege der klassischen Bonds einzureihen.







007  In seiner Wohnung oder Büro agieren

Nur zweimal sah man Bond bisher in seinem Londoner Domizil - Sean Connery und Roger Moore in ihrem jeweils ersten Bondfilm. Beide Male war es sehr hilfreich, um den jeweiligen Bondtyp zu definieren. Craigs Bond besuchte in SKYFALL immerhin sein Elternhaus, und man sah auch erstmalig seine Garage. Nachdem im letzten Film seine Wohnung samt Mobilar verkauft wurde, wäre jetzt eine gute Möglichkeit, seine neue Wohnung zu zeigen. Da er als Jetsetter sicher wenig Zeit für eine komplette Neueinrichtung hat, könnte man praktischerweise auch seine Haushälterin aus den Romanen einführen - die "schottische Perle" May. Ebenso interessant wie seine Wohnung ist auch sein Büro, das man nur in ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE sowie als digitale Version in DIE ANOTHER DAY sah.

006  Navy-Uniform anhaben

James Bond bekleidet den Rang eines Royal Naval Reserve Commander, CMG. In bisher nur drei Filmen sah man 007 in der entsprechenden Uniform: YOU ONLY LIVE TWICE, THE SPY WHO LOVED ME und TOMORROW NEVER DIES (Interessanterweise alles Filme, deren Erschungsjahr auf 7 endet). Es ist zwar kein klassisches Element, aber es erdet die Figur nach all ihren Eskapaden immer ein bisschen. Craig in Uniform hätte was. Außerdem hätte Bond dann endlich mal wieder die Möglichkeit, eine Kopfbedeckung an einen Garderobenhaken zu werfen. (mehr zur Uniform hier)

005  Ski fahren

Die ultimativen Skiszenen enthält zwar bereits ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, aber seitdem gab es in Bondfilmen immer wieder atemberaubende Schnee-Action. Nach George Lazenby durfte Roger Moore in drei Filmen skifahren und sogar snowboarden, Pierce Brosnan dann in THE WORLD IS NOT ENOUGH. Toll wäre natürlich noch einmal eine Mitwirkung von Willy Bogner.

004  Tauchen

Ähnlich wie bei den Skijagden wurden Unterwasserszenen bereits mit THUNDERBALL definiert. Aber zu Bonds Charakter gehört eine gewisse maritime Affinität. Fleming ließ Bond immer wieder ausgedehnte und gefährliche Tauchgänge unternehmen, wie beispielsweise in Leben und sterben lassen. Zudem wäre es auch wieder eine Möglichkeit, den Ladies Craigs muskulösen Körper zu zeigen.

003  Eine Gadget-Armbanduhr benutzten

Mittlerweile scheint das Handy die Armbanduhr als Universalgadget abgelöst zu haben. Trotzdem sind gut ausgestattete Uhren für mich ein Bestandteil der Gesamtfaszination von Bond, und letztlich ja irgendwo auch männlicher und stilvoller als Handys. Und es muss ja auch nicht gleich ein Laser oder eine Minibombe sein, vielleicht etwas dezentes.

002  Den Film mit der Leading Lady im Arm beenden

Die finale Szene mit dem Bondgirl nach der Explosion des Schurkenverstecks, die Abblende mit dem hingehauchten "Oh, James!", ist eines der Bondklischees überhaupt. Spätestens in THE WORLD IS NOT ENOUGH wirkte das irgendwie erzwungen, und man hat das in den Craig-Filmen bisher sicher absichtlich vermieden. Nachdem die Schlusszenen der letzten drei Filme jeweils feierlich betonten, dass Bond nun endlich der Alte ist, wäre es aber auch mal an der Zeit, das einfach zu zeigen. Wie sang schon Tom Jones: "It's not unusual to have fun with anyone".

001  Einen Countdown stoppen / Die Welt retten

Wie der Punkt davor ist das wohl eins dieser Klischees, die Mike Myers und andere dankbar auf's Korn nahmen. Die wahre Meisterschaft eines Autors zeigt sich meiner Meinung nach allerdings nicht darin, solche zum Klischee gewordenen Genre-Konventionen einfach wegzulassen, sondern sie auf kreative Weise zu variieren und mit neuer Bedeutung aufzuladen - Gib dem Publikum, was es will, aber nicht so, wie es will. In Bezug auf den Final Countdown und/oder ein globales Bedrohungsszenario wären die Autoren hier gefordert. Aber auch hier wäre es auf jeden Fall schön, Bond nach einer ausführlichen Neudefinitionsphase auch endlich in klassischen Gefilden ankommen zu sehen.

Freitag, 21. Juni 2013

Der "inoffizielle" Schurke

Der heute vor 70 Jahren im österreichischen Bad Aussee geborene Klaus Maria Brandauer reihte sich 1983 in die Reihe charismatischer deutschsprachiger Bondgegenspieler ein - neben Lotte Lenya, Gert Fröbe und Curd Jürgens. Irvin Kershner, Regisseur des Remakes NEVER SAY NEVER AGAIN, wollte die Rolle des Schurken Largo realistischer und moderner anlegen, ohne Augenklappen und Narben. Sean Connery persönlich überredete Brandauer am Telefon zu der Rolle mit der Aussicht auf "a lot of money and a lot of fun". Doch gerade dieser Spaß sollte während der problematischen Produktion des Konkurrenzbond größtenteils fehlen.


Der Schauspieler und Regisseur am Wiener Burgtheater debütierte 1972 mit dem Streifen THE SALZBURG CONNECTION, bereits ein - wenn auch bescheidener - Agententhriller. Nach einigen Fernsehrollen folgte 1981 schließlich der filmische Durchbruch mit der Klaus-Mann-Verfilmung MEPHISTO. Brandauers leidenschaftliche Spiel und Intensität begeisterten Kritiker, er wurde als einer der größten lebenden Schauspieler Europas gehandelt. Sean Connery wurde auf den Österreicher aufmerksam und überredete ihn zur Mitarbeit an dem von Produzent Kevin McClory von langer Hand vorbereiteten Remake des 1964er Bondfilms THUNDERBALL.

Der eindeutig von Mafiabossen inspirierte Emilio Largo ist im Roman einer der wenigen Gegenspieler, die körperlich normal und sogar attraktiv sind. Laut Flemings Beschreibung könnte er ein römischer Centurio sein. In der ersten Verfilmung, bei der sich McClory den Produzentenjob mit Broccoli und Saltzman teilte, gab man ihm dann doch einen Makel in Form einer Augenklappe. Der Sizilianer Adolfo Celi spielte Largo dann auch eher als den gesetzten älteren Herren, der als Gegenspielertyp in der Sechzigern vorherrschte.

Kershner und Connery wollten den Maximilian Largo in der Neuverfilmung bewusst anders anlegen. Kershner sah ihn eher als machthungrigen Geschäftsmann: "I wanted the antagonist to be contemporary, and a contemporary antagonist to me was a greedy businessman. The corporations have gotten away with murder and they're changing our world. [...] He should also be a believable, powerful antagonist who could be said to be insane, but is not. If he's insane then he can make no choices. I wanted someone who could make choices, and his choice was power."* (Dieser Ausspruch hätte genausogut von Mark Forster für den Charakter des Dominic Greene stammen können...)

Obwohl Kershner Brandauers Arbeit und seine Balance zwischen Wahnsinn und Cleverness lobte, gestaltete sich die Zusammenarbeit nicht einfach, vor allem aufgrund des unausgereiften Drehbuchs und der ständigen rechtlichen Interventionen durch Eon: "But I had problems directing [Brandauer] because he was always testing the director. He's a very bright man. And he was constantly putting me through the hoop, and I'd have to jump." Autor Dick Clement, der zeitweise an einer Überarbeitung des Drehbuches mitwirkte, erinnerte sich, dass sich beispielsweise Szenen zwischen Largo und der von Kim Basinger gespielten Domino ewig hinzogen: "They were really ponderous scenes. It was as if the actors didn't trust the script at that point, with some reason." Laut Clement wirkte sich das dürftige Drehbuch negativ auf die Schauspieler aus: "Brandauer, who can be a very fine actor, was doing the sort of things that actors do when they don't trust the text; in other words falling back on every trick that they've ever done."*

Nichtsdestotrotz erwies sich Brandauers Largo als einer der wenigen Aspekte des Films, die von Kritikern einhellig gelobt wurden. Das People Magazin schrieb beispielsweise: "It's the kind of performance that should be shown in acting classes - understated, tense and full of intelligence. He becomes one of the screens most convincing psychotics." Seine Art der Darstellung sollte sich auf die "offizielle" Bondreihe auswirken. (Zu den Auswirkungen von NEVER SAY NEVER AGAIN auf die Eon-Reihe, speziell des Gegenspielers, möchte ich noch in einem gesonderten Beitrag eingehen) Der Film bedeutete auch den endgültigen Durchbruch für Klaus Maria Brandauer, der 1990 in THE RUSSIA HOUSE auch noch einmal mit Connery zusammenarbeitete. Er erhielt mehr amerikanische Kritikerpreise als jeder andere deutschsprachige Filmschauspieler.


Bond & Beyond gratuliert mit einem abgewandelten Largo-Zitat: Sie waren ein fabelhafter Gegenspieler! Hier noch ein Überblick über Fernsehsendungen anlässlich des Geburtstages von Klaus Maria Brandauer in den nächsten Tagen:

Sonntag, 23. Juni
3sat, 11:55: "Ich bin's am Ende immer selbst"

BR-aplha, 23:35: "Heut abend: Klaus Maria Brandauer"
Zu Gast bei Joachim Fuchsberger

Montag, 24. Juni
MDR, 22:50: "Mephisto"

Dienstag, 25. Juni
3sat, 20:15: "Die Auslöschung"
Nikolaus Leytners Alzheimer-Drama "Die Auslöschung" ist die Geschichte einer großen Liebe, die auf den Prüfstand kommt, als beim Mann eine schwere Demenzkrankheit diagnostiziert wird. In den Hauptrollen Klaus Maria Brandauer und Martina Gedeck.

Sonnabend, 29. Juni
BR-alpha, 19:30: Klaus Maria Brandauer - Der Spieler

Hier auch noch ein Überblick über Sendungen im österreichischen Fernsehen.


* alle Zitate aus The Battle for Bond, Robert Sellers, 2008, Tomahawk Press

Montag, 17. Juni 2013

Biographisches Ranking der Bondfilme

Hier mal eine Aufstellung der Bondfilme nach dem Alter des jeweiligen Hauptdarstellers, zusammen mit den Originalromanen. Auffällig ist, dass die meisten Filme im Alterszeitraum 40 bis 50 entstanden sind, während der Buchbond in seinen Dreißigern am aktivsten war.






Die Altersangaben für die Bücher habe ich der Chronologie von John Griswold entnommen, mit dem Geburtsjahr 1920 aus John Pearsons Biographie. Im Roman Moonraker ist zu lesen, dass Bond noch acht Jahre hat, bis er 45 ist. Das würde heißen, dass er 1953 37 war (und immerhin schon der Dienstälteste der Doppelnull-Abteilung). Allerdings schrieb Fleming im Nachruf auf Bond im Roman You Only Live Twice, dass Bond schon einmal sein eigenes Alter nach oben korrigiert hatte.

Interessanterweise erwähnt Fleming in Moonraker auch, dass einem Agenten mit 45 automatisch der Doppelnull-Status entzogen und ihm ein Schreibtischjob zugewiesen wird. Dem Filmbond wird mit 45 auch die Lizenz entzogen, allerdings wegen einer privaten Vendetta. Rein alterstechnisch realistisch ist wohl auch das Szenario um einen beruflich nicht mehr ganz geeigneten Bond in SKYFALL. Für Roger Moore ging die Agentenkarriere mit 46 aber gerade erst los.

Für den originalen Romanbond war mit 44 tatsächlich Schluß. In Colonel Sun war er noch 45, in Christopher Woods Romanen zu THE SPY WHO LOVED ME und MOONRAKER 57 und 59. Die Romane John Gardners waren dann jenseits von Gut und Böse, mit einem Bond in den Sechzigern. Roger Moore dürfte mit A VIEW TO A KILL wohl die rote Laterne auf absehbare Zeit behalten. Selbst David Niven war als Sir Bond im Ruhestand in CASINO ROYALE von 1967 ein Jahr jünger.

Falls Bond 24 2015 erscheinen sollte, wäre Craig immer noch im selben Alter wie Moore in seinem zweiten Film. Rein statistisch läge er also noch locker im Mittelfeld.

Donnerstag, 13. Juni 2013

Der Fluch der bösen Tat

The Place Beyond The Pines
USA 2012
Regie: Derek Cianfrence
Darsteller: Ryan Gosling, Bradley Cooper, Eva Mendes

Wer hat sich nicht irgendwann mal gefragt, wie stark man nach seinen Eltern, speziell seinem Vater, kommt? Ob man letztendlich dazu verdammt ist, dessen Fehler, wie offensichtlich sie einem auch erscheinen mögen und wie sehr man sie vermeiden wollte, im eigenen Leben zu wiederholen? Derek Cianfrence' Film THE PLACE BEYOND THE PINES geht diesen zutiefst menschlichen Fragen anhand zweier eher unterschiedlicher Männer nach, dargestellt von Ryan Gosling und Bradley Cooper.


Gosling spielt den zwischen Sehnsucht und Aggression schwankenden Motorradstuntfahrer Luke, der seinen Lebensunterhalt auf einem herumziehenden Jahrmarkt verdient. Nachdem er erfahren hat, dass der Sohn seiner früheren Geliebten Romina (Eva Mendes) von ihm ist, will er das rastlose Leben aufgeben und für seine Familie da sein. Vor allem auch, weil er in seiner eigenen Kindheit erfuhr, wie es ist ohne den Vater aufzuwachsen. Doch die Gelegenheitsjobs werfen natürlich nicht genug ab, um eine ernsthafte Konkurrenz für Rominas neuen Partner zu sein. Und so entschließt er sich eines Tages, sein Talent als Stuntfahrer für Banküberfälle zu nutzen. Eine Entscheidung, die gravierende Folgen für sein Leben und das anderer haben wird.

Dem gegenüber steht der junge Streifenpolizist Avery Cross (Bradley Cooper), der ebenfalls sozusagen vom Bösen in Versuchung geführt wird, auf den ersten Blick aber bessere Entscheidungen trifft als Luke. Bradley Cooper wirkt hier ungewohnt seriös und ernst. Neben Gosling und Cooper beeindrucken auch Eva Mendes, Rose Byrne (die übrigens für die Rolle der Vesper in CASINO ROYALE in der engeren Wahl war, um mal den obligatorischen Bogen zu Bond zu spannen) und der bedrohlich-charismatische Ray Liotta, einer meiner Lieblingsschauspieler.

Auf den ersten Blick erinnert die Geschichte an DRIVE, in dem Gosling ebenfalls einen auf Abwege geratenen wortkargen Stuntman verkörpert. Auch die Melancholie der Bilder weckt diese Assoziation. Doch sein Charakter ist hier ambivalenter. Überhaupt geht der Film eher experimentell mit seinen Hauptfiguren um, und folgt ihren Handlungen und deren Konsequenzen, ohne sie zu werten. Keine der Figuren ist klar in sympathisch und unsympathisch getrennt, man kann mit jeder mitfühlen. Auch der neue Liebhaber und Konkurrent des Protagonisten - ein Charakter, der in den meisten Filmen quasi zum Abschuss freigegeben ist - hat hier seine Szenen.

Und der Film nimmt einige überraschende Wendungen, die ich hier nicht verraten möchte. Wer einen stylishen Cop-jagt-Bankräuber-Thriller erwartet, wird das eine oder andere Mal verwundert sein. Oder auch enttäuscht? THE PLACE BEYOND THE PINES ist einer dieser Filme, bei denen ich nicht mit einer klaren Gut-Schlecht-Wertung aus dem Kino kam. Einiges muss man erst "sacken lassen", doch der Film wirkt für mich positiv nach. Ich bin kein Fan von Noten und Sternchen, doch ich würde dem Film ein klares Prädikat 'Sehr sehenswert' geben.

Donnerstag, 6. Juni 2013

Bomben, Clowns und Zarenschätze

OCTOPUSSY wird 30

Am 6. Juni 1983 feierte der 13. James-Bond-Film OCTOPUSSY in London Premiere. Dominiert wurden die Schlagzeilen um den Film vor allem durch den sogenannten "Konkurenzbond" NEVER SAY NEVER AGAIN, (Sag niemals nie) der jedoch erst Monate später startete. Obwohl sich beide Film um entwendete Nuklearwaffen drehen, sind sie im Ansatz doch sehr unterschiedlich. Das Produktionsdesign von NEVER SAY NEVER AGAIN ist modern und mit dem Videospielduell sogar futuristisch, während viele Handlungselemente von OCTOPUSSY bewusst an Abenteuer aus vergangenen Zeiten erinnern. Bond & Beyond wirft einen Blick auf die Inspirationen und Zutaten des 007-Thrillers.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Übernimmt Sam Mendes doch die Regie für Bond 24?

Nachdem Sam Mendes noch vor wenigen Wochen verlauten ließ, dass ihn der Gedanke, sich wieder mit den Figuren und Themen von Bond zu beschäftigen, "physisch krank" mache, scheint eine Rückkehr auf den Regiestuhl nun doch wahrscheinlich. Wie die Seite Deadline berichtet, seien die Produzenten offenbar bereit, zu warten, bis Mendes seine Arbeit an den beiden Theaterproduktionen "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "König Lear" beendet hat. Damit würde sich der Starttermin des neuen Bondabenteuers auf 2015 bis 2016 verschieben. Auch Daily-Mail-Journalist Baz Bamigboye berichtet über Mendes' "dramatische Rückkehr". Nach Christopher Nolan wurden in den letzten Tagen noch weitere potentielle Regisseure genannt, mit denen sich die Bondproduzenten offenbar trafen.


Darunter der Norweger Morten Tyldum, dessen Film HEADHUNTERS von 2011 die Produzenten beeindruckte. Laut comicbookmovie.com sagte Tyldum, dass er sich mit Barbara Broccoli und Michael Wilson traf und über eine Verfügbarkeit für Bond 24 sprach. Variety berichtete zudem über Shane Black (IRON MAN 3, KISS KISS BANG BANG), Ang Lee (LIFE OF PI, BROKEBACK MOUNTAIN), Tom Hooper (THE KING'S SPEECH, LES MISÉRABLES), David Yates (HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS) und Nicolas Winding Refn (DRIVE, BRONSON). Drehbuchautor John Logan soll die Bücher für die nächsten beiden Bondfilme schreiben. Broccoli und Wilson produzieren zur Zeit einen Film außerhalb des Franchise, THE SILENT STORM von Corinna Villari-McFarlane.


Es bleibt also spannend. Ich persönlich würde eine möglichst zügige Vorbereitung von Bond 24 begrüßen und wäre einem neuen Regisseur gegenüber nicht abgeneigt. Ein Regisseur aus Skandinavien wäre sicher interessant und würde vielleicht auch entsprechende Locations ins Spiel bringen.

SKYFALL Concept Art

Auf der Seite des Künstlers Chris Rosewarne sind einige Entwürfe für SKYFALL zu finden, darunter das MI6-Hauptquartier, das Hochhaus in Shanghai, Szenen der eröffnenden Motorradjagd sowie Strandhaus und -Bar in der Türkei. Unter Props sind einige Requisiten, wie Patrice' Gewehr.

Auf der Seite von Ivan Girard findet man Entwürfe für Silvas Gesicht ohne die Kieferprothese. Tim Browning hat ebenfalls Concept Art veröffentlicht, darunter eine Variation der Strandbar, die Skyfall Lodge oder Silvas Geisterinsel, sowie auch Entwürfe für Bonds Gadgets wie die Signaturwaffe. Interessant ist hier ein Entwurf für die Statue auf Silvas Insel im unzerstörten Zustand.

(siehe auch comicbookmovie.com)

Dienstag, 28. Mai 2013

Ian Fleming

Vor 105 Jahren, am 28. Mai 1908, kam Ian Lancaster Fleming in London zur Welt, als zweiter von vier Söhnen des konservativen Abgeordneten Valentine Fleming und seiner Frau Eve. Durch Flemings Großvater, dem Bankier Robert Fleming, war die Familie wohlhabend geworden. 1917 fiel sein Vater an der Westfront, woraufhin Winston Churchill persönlich einen Nachruf in der Times schrieb. Ians Kindheit und Jugend standen im Schatten dieser beiden überlebensgroßen Männer, sowie auch seines großen Bruders Peter, der ein anerkannter Reiseschriftsteller war. Fleming konnte erst relativ spät aus diesem Schatten hervortreten, dafür aber umso nachhaltiger.


Wie seine spätere Schöpfung James Bond verbrachte er seine Kindheit teilweise in Schottland, auf Glenborrodale Castle (siehe hier) und wurde wegen eines "Vorfalls" mit einem Mädchen vom Eton College verwiesen. 1927 zog er nach Kitzbühel, wo er unter anderem Skifahren lernte und seine erste Liebe kennenlernte. Viele Erlebnisse aus dieser Zeit flossen in den Roman On Her Majesty's Secret Service ein. Später arbeitete er als Journalist bei Reuters und berichtete aus Moskau über einen Schauprozess. Nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs trat Fleming in den Marine-Geheimdienst ein und wurde zum persönlichen Assistenten des Direktors John Godfrey, dem Fleming mit der Figur des M. ein Denkmal setzte. Nach dem Krieg erwarb er ein Haus auf Jamaika und arbeitete vorerst wieder als Journalist. 1952 schreibt er auf Jamaika schließlich seinen ersten Roman Casino Royale. (Mehr dazu hier)

Ian Fleming gab dem verbrecherischen Ernst Stavro Blofeld, der der Chef des Syndikats SPECTRE ist und Bonds Frau ermordet, dasselbe Geburtsdatum. Laut dem Roman Thunderball erblickte Blofeld am 28. Mai 1908 in Gdingen das Licht der Welt, womit er heute ebenfalls 105 werden würde.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Schloss Mittersill - Inspiration für Blofelds Alpendomizil

Innenhof des Schlosses
Im Roman On Her Majesty's Secret Service von 1963 residiert Bonds Erzfeind Ernst Stavro Blofeld in einem Gebäudekomplex auf dem Alpengipfel Piz Gloria, der zugleich Allergieklinik und Club für skifahrende Aristokraten ist. Beides ist allerdings nur Tarnung für Blofelds eigentlichen Plan, die biologische Kriegsführung gegen Großbritannien. Inspiriert wurde Ian Fleming dafür durch Schloss Mittersill, das vor und nach dem zweiten Weltkrieg ein exklusiver Sport- und Skiclub für die High-Society war. Nach 1938 wurde es jedoch von den Nazis für obskure pseudowissenschaftliche Zwecke benutzt.


Freitag, 17. Mai 2013

Christopher Nolan für Bond 24?

Wie die Daily Mail heute vermeldete, haben die Bond-Produzenten mit Christopher Nolan Kontakt aufgenommen, vermutlich für die Regie des nächsten Bondfilms nach SKYFALL, vielleicht aber auch für spätere Filme. Zur Zeit befindet sich Nolan in der Vorproduktion für den Science-Fiction-Film INTERSTELLAR mit Matthew McConnaughey und Michael Caine, der sich um Zeitreisen durch Wurmlöcher dreht und im November 2014 starten soll. Obwohl die Daily Mail eine verlässlichere Quelle ist als die Sun beispielsweise, ist eine Regie Nolans für den vierten Craig-Bond aus diesen terminlichen Gründen eher fraglich. Trotzdem ein paar Gedanken über Nolan und Bond:

Christopher Nolans Batman-Trilogie hat bereits deutliche Spuren im modernen Blockbusterkino hinterlassen, auch bei Bond. Er verbindet eine spektakulär überlebensgroße Inszenierung mit dem Fokus auf Charaktere und philosophische Fragestellungen, vergleichbar vielleicht mit den Epen von David Lean. Bei Batman konnte Nolan nur gewinnen, nachdem Joel Schumacher seinen letzten Franchise-Beitrag als unerträglich alberne Travestie inszenierte. Aber bei Bond? Nachdem SKYFALL im weltweiten Box-Office sogar Nolans erfolgreichsten Film THE DARK KNIGHT RISES knapp überholt hat, würde es für Nolan ziemlich schwer werden, hier seinem Ruf als Franchise-Erneuerer gerecht zu werden. Zumal sich Sam Mendes stilistisch bereits stark an Nolan orientierte, inklusive der Dialogzeile "A storm is coming".* Würde man Bérénice Marlohe mit Marion Cottillard ersetzen, und Albert Finney mit Michael Caine, würde SKYFALL wohl gänzlich wie ein Nolan-Film wirken.

Andererseits ist Nolan aber auch ein sehr intelligenter Regisseur, der sich sicher auch bewusst ist, dass er dieses philosophisch angehauchte "Bämm-Bämm-Kino" à la INCEPTION oder THE DARK KNIGHT nicht bis in alle Ewigkeit so weiterführen kann, mit ähnlicher Besetzung und Inszenierung. Insofern wäre Bond eine Chance zur Weiterentwicklung. Nolan könnte zeigen, dass er nicht nur 'düster' kann. Was Nolan so oder so bei Bond einbringen könnte, wäre ein intelligenter und trotzdem glaubwürdiger Plot mit dem oder anderem Twist am Ende. Dafür besteht meines Erachtens noch ein großes Potential bei Bond. Und auch ein starker und charismatischer Gegenspieler, der Bond bis an die Grenzen fordert und über die Franchise-Grenzen hinaus popkulturelle Relevanz hat, wäre wohl im Nolan-Paket mit enthalten. Zudem hat Nolan immer wieder betont, ein großer Bondfan zu sein, was sich auch an den zahlreichen Anspielungen in seinen Filmen zeigt. Ich denke, er hätte ein gutes Gespür dafür, was in Bonds Welt möglich und für Fans wünschenswert wäre.

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* Man könnte den Satz von Bond auch als Anspielung auf Camerons THE TERMININATOR verstehen, in dem die Protagonisten am Ende ebenfalls aus Alltagsgegenstände Waffen basteln.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Happy Birthday, Pierce!

Getty Images
Vor 60 Jahren erblickte Pierce Brendan Brosnan das Licht der Welt - womit er genauso alt ist wie der Geheimagent, den er als fünfter Schauspieler verkörperte. Brosnan verbrachte seine Kindheit in einer Kleinstadt in Irland. Nach der Scheidung seiner Eltern in seinem vierten Lebensjahr lebte er bei Verwandten. Im Alter von elf Jahren sah er mit seinem Stiefvater in einem Londoner Kino schließlich GOLDFINGER, der einen enormen Eindruck hinterließ. Gut dreißig Jahre später sollte Brosnan selbst die Rolle der Kino-Ikone James Bond übernehmen und erfolgreich in ein neues Jahrtausend führen. Doch der Charakter brachte ihm nicht nur Glück.



Nach der Schule besuchte Brosnan eine Schule für Kunst und Design und arbeitete als Straßen- und Zirkuskünstler. Nach einem Studium der Theaterwissenschaften wurde Tennessee Williams auf ihn aufmerksam und besetzte ihn in einem Stück. Der Durchbruch als Schauspieler kam schließlich 1982 mit der Fernsehserie Remington Steele. Doch die Erfolgsserie sollte sich vier Jahre später als Karrierehindernis erweisen. Pierce Brosnan sollte Roger Moore als Bond ersetzen und wurde bereits offiziell der Presse vorgestellt, aber eine Vertragsverlängerung in letzter Sekunde band ihn weiterhin an die Fernsehserie. Timothy Dalton übernahm die Rolle. Kurz darauf ereilte Brosnan ein weit schwererer Schicksalschlag - seine Frau Cassandra Harris, die im Bondfilm FOR YOUR EYES ONLY mitgespielt hatte, verstarb an Krebs.

Doch es gab eine zweite Chance für Pierce Brosnan, nachdem ein Rechtstreit den dritten Dalton-Bond verzögerte und dieser ausstieg. Nach erfolgreichen Rollen in AROUND THE WORLD IN 80 DAYS (1989) und MRS. DOUBTFIRE (1993) neben Weltstars wie Christopher Lee, Peter Ustinov oder Robin Williams übernimmt er 1994 die Rolle des James Bond. GOLDENEYE wird zum Mega-Erfolg und zerstreut alle Kritikerstimmen über die Filmfigur. Bond eröffnet Brosnan endgültig die Tür nach Hollywood. Er dreht mit Tim Burton (MARS ATTACKS!, 1996), Barbra Streisand (THE MIRROR HAS TWO FACES, 1996), Richard Attenborough (GREY OWL, 1999), John Boorman (THE TAILOR OF PANAMA, 2001) und Roman Polanski (THE GHOST WRITER, 2010). 2001 wird er vom People Magazine zum Sexiest Man Alive gekürt, was ihn mit Ur-Bond Sean Connery verbindet.

Nach vier Bondfilmen, die sehr erfolgreich an der Kinokasse waren und eine neue Generation von Fans begeisterten, ereilt Brosnan ein ähnliches Schicksal wie zuvor Tim Dalton - ein Rechtsstreit zwingt das Franchise zu einer mehrjährigen Pause und die Produzenten zum Umdenken. Ein Anruf enthebt ihn vom Amt des Weltretters. Zu der Figur hat er heute ein zwiespältiges Verhältnis - zum einen ist er dankbar, zum anderen bedauert er aber auch, dass sich sein Bond nie von vorgegeben Zwängen befreien durfte: "It never felt real to me. I never felt I had complete ownership over Bond." - "For me, the Bond that I played was caught in a time warp between what had gone before and what Daniel does now. I always felt the restraints of the storytelling and it just didn’t have enough bite to it. It was in the writing."

Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit malt Brosnan und engagiert sich im Umweltschutz, wo er hauptsächlich für den Schutz der Meeresfauna kämpft. In LOVE IS ALL YOU NEED von der dänischen Regisseurin Susanne Bier spielte er 2012 einen Witwer. In seinem neuesten Filmprojekt HOW TO MAKE LOVE LIKE AN ENGLISHMAN übernimmt er neben Kristin Scott Thamos und Jessica Alba die Rolle eines sexsüchtigen Literaturprofessors, der seinen Lebenswandel überdenken muss.

BOND & BEYOND wünscht alles Gute und noch viele gute und erfolgreiche Rollen!

Donnerstag, 9. Mai 2013

Starfall

Star Trek Into Darkness
USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch

STAR TREK ist eigentlich ein Franchise, das buchstäblich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Man kann sich im Gegensatz zu Bond beispielsweise effektetechnisch völlig austoben; man hat zahllose phantastische Welten, Wesen und Technologien zur Verfügung und schließlich auch die Möglichkeit, aktuelle und klassische Menschheitsthemen spielerisch in utopisch-übersteigerten Metaphern zu behandeln. Da wirkt es fast schon wie eine besondere Kunst, solch ein Universum uninteressant werden zu lassen, wie das unter Rick Bermans Ägide zunehmend der Fall war. Vor vier Jahren gelang es J.J. Abrams, wieder breite Zuschauerschichten für diese unendlichen Weiten zu begeistern. Nach dem zweiten Film hatte ich nun trotz guter Unterhaltung wieder das Gefühl vieler ungenutzter Möglichkeiten.



Dabei beginnt der Film ungemein vielversprechend und unterhaltsam. Man sieht die Crew bei der Rettung einer sehr exotischen Welt, bei der sie in Konflikt mit der obersten Direktive der Sternenflotte gerät. Der Vulkanier Spock befindet sich in einem buchstäblichen Vulkan, während Kirk und Pille von erzürnten Aliens verfolgt werden. Die oberste Direktive, die das Nicht-Einmischen in die Angelegenheiten sogenannter Pre-Warp-Zivilisationen vorschreibt, ist eine dieser Möglichkeiten, die Stoff für tiefergehende Stories bieten würde. Wenn man sich vor Augen führt, dass solch ein Einmischen in der Menschheitsgeschichte fast immer verbunden war mit einem Auslöschen, macht so eine Direktive durchaus Sinn. Andererseits könnte man es auch moralisch verwerflich finden, Schwächere einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Aber der Film nutzt dieses eingeführte moralische Dilemma im weiteren Verlauf nicht.

Die Einführung des von Benedict Cumberbatch verkörperten Gegenspielers John Harrison ist ebenfalls sehr gelungen. Allerdings wird auch hier ein Konflikt etabliert, der sich später in galaktischen Nebeln verflüchtigt. Der charismatische Cumberbatch, dessen Stern auch nach INTO DARKNESS steigen dürfte, ist schauspielerisch ein echtes Highlight. Harrison greift das Sternenflottenhauptquartier an und flüchtet daraufhin zur klingonischen Heimatwelt Qo'noS. Die Enterprise bekommt den Auftrag, ihn aufzuspüren.

Die Auflösung der wahren Identität des Antagonisten, um die abrams-typisch ein großes Geheimnis gemacht wurde, war dann für mich der erste Tiefpunkt des Films, denn die Macher gehen hier den einfallslosesten und mutlosesten aller Wege. Dazu kommt, dass der Background von Harrison in der veränderten Zeitlinie des Abrams-Universums keinen echten Sinn ergibt und auch kein starkes Motiv liefert. Von da an ist INTO DARKNESS zunehmend nur noch eine mäßig kreative Kopie gewisser älterer Filme - das allerdings, ohne den Impact der Originalszenen zu erreichen.

Dafür, dass Abrams nach eigenen Angaben von den meisten bisherigen Star-Trek-Filmen nicht allzu viel hält, bedient er sich doch reichlich an deren Erfolgsmustern. In diesem Aspekt wirkt INTO DARKNESS ein bisschen wie die STAR-WARS-Prequel, bei denen Lucas ebenfalls versuchte, einen narrativen "Reim" auf die alten Filme herzustellen. Vermutlich spekuliert Abrams darauf, dass die "Nicht-Trekker" sich an diese Filme eh nicht so gut erinnern werden, während er für die Fans ein paar Brocken hinwirft, wie eine Anspielung auf Tribbles oder einen dramaturgisch völlig unnötigen Kurzauftritt von Leonard Nimoy. Vom Sternenflotten-Geheimdienst Sektion 31 hätte man gern noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren. Und auch logisch bleibt vieles offen.

Wie Sophie Albers in ihrer Kritik auf stern.de bemerkt, erinnert die Handlung oft etwas an SKYFALL (Der ja selbst wiederum an diverse Nolan-Filme erinnert). Vor allem die Gefangenschaft des Gegners und das Ende. Wahrscheinlich zählen Schurken in langen Mänteln, die sich gern gefangennehmen lassen, um ein bisschen zu posen, ebenso zum Zeitgeist wie fliegende Funken auf den Filmplakaten. Und natürlich müssen männliche Helden am Ende so richtig weinen, weil das ja so anziehend auf weibliche Zuschauer wirkt und die Kassen vielleicht noch ein bisschen mehr klingeln lässt.

In der zweiten Hälfte tritt STAR TREK INTO DARKNESS kreativ auf der Stelle. Und das trotz sehr guter Tricktechnik und durchweg sehenswerter Darsteller. Neben Cumberbatch glänzen auch Peter ROBOCOP Weller und Karl Urban. Auch die restliche Crew macht ihre Sache sehr gut und ist den Originalen wirklich würdig. Vielleicht ist es für Star Trek das Beste, wenn J.J. Abrams jetzt nach der gelungenen Einführung der Charaktere zur "Konkurrenz" wechselt. Für den nächsten Film wäre ein Regisseur zu wünschen, der mehr aus den Charakteren herausholt und aus dem Kosmos Neues hervorbringt, statt Altes aufzutauen.

Donnerstag, 25. April 2013

Generation Moore

Ein persönlicher Rückblick auf 20 Jahre Bondfan-Dasein

Meinen ersten Bondfilm sah ich mit neun Jahren in einem Schwarz-Weiß-Fernseher. Das war "Man lebt nur zweimal", 1986 im ersten deutschen Fernsehen. Obwohl mich der Film natürlich völlig fasziniert hat, wurde ich erst sieben Jahre und ein paar Bondfilme später zu einem waschechten James-Bond-Fan - im April 1993. Warum erst dann, und was war letztendlich der Auslöser dafür? Und warum heißt dieser Beitrag trotzdem 'Generation Moore'?



In seinem Buch Generation Golf von 2000 beschreibt Florian Illies das Gefühl, am Samstag Abend als frisch gebadeter Zwölfjähriger Wetten, daß ..? zu gucken, wobei schon die Eurovisionshymne zu Beginn zu den Höhepunkten des Wochenendes zählte: "Es war damals selbstverständlich, daß man Wetten, dass ..? mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun." Obwohl ich die Achtziger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs verbrachte und das Piratenschiff in der Badewanne eher selbstgebaut als von Playmobil war, kenne ich dieses feierlich-kribbelige Samstag-Abend-Gefühl nur zu gut, und verbinde das vor allem mit den Bondfilmen (die Komödien mit Bud Spencer und Terence Hill oder Louis De Funés zählen vielleicht noch dazu). Man kam tatsächlich immer frisch aus der Badewanne, es gab Salzstangen oder idealerweise Chipsletten, und mein Vater bemerkte bei jeder zweiten Szene, wie wenig das Gezeigte in der Realität funktionieren würde.

Obwohl ich mit dem bereits erwähnten "Man lebt nur zweimal" sowie "Goldfinger" und "Diamantenfieber" auch Conneryfilme sah, konnte ich mit Roger Moore doch wesentlich mehr anfangen. "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker" waren einfach die Bondfilme schlechthin, und in "Octopussy" jagte Bond auch mal durch Karl-Marx-Stadt. Zudem hatte Moore diese wahnsinnig coolen Digitaluhren. In einer Zeit, in der man von Uhren mit Taschenrechner träumte, stellte das jede Rolex in den Schatten. Auch der tauchende Lotus machte auf mich wesentlich mehr Eindruck als der schnöde Aston Martin.

Im Kino lief Bond als Klassenfeind natürlich leider nicht, dafür gab es die Olsenbande, Ray-Harryhausen-Klassiker wie "Sindbads gefährliche Abenteuer" oder Winnetou-Filme. Nach 1989 eröffnete sich dann die große glitzernde Filmwelt außerhalb der DDR-Grenzen, und Videotheken schossen wie Pilze aus dem Boden. Mein Lieblings-Franchise war BACK TO THE FUTURE, zumal man sich als Zwölfjähriger zum ersten Mal in West-Berlin ein bisschen fühlte wie Marty McFly im Hill Valley des Jahres 2015. Dann kam "Star Trek - Das nächste Jahrhundert". Bond hatte 1989 nicht viel zu bieten; sogar GHOSTBUSTERS II erregte eher mein Interesse als LICENCE TO KILL.

Die Kassette des Anstoßes
Die Initialzündung kam schließlich 1993. In Kaufhäusern konnte man CDs anhören, und als Filmfan fiel mir irgendwann die Doppel-CD The Best of James Bond - 30th Anniversary Collection in die Hände. Beim Anhören entfaltete sich plötzlich das Bonduniversum in seiner ganzen Faszination vor meinem geistigen Auge. Mir kamen Szenen in den Sinn wie der finale Fort-Knox-Kampf in GOLDFINGER, die Krematoriumsszene aus DIAMONDS ARE FOREVER, der Titel mit den brennenden Totenköpfen aus LIVE AND LET DIE oder Beißer und Stromberg in THE SPY WHO LOVED ME. Da ich noch relativ weit vom ersten eigenen CD-Player entfernt war, kaufte ich mir die Kompilation zunächst als Kassette. Von da an gab es kein Zurück mehr, und es begann eine Zeit des Sammelns und des regelmäßigen Kopfschüttelns seitens der Verwandschaft.

selbst gebastelte VHS-Cover anno 1993
Ich begann, die Bondfilme im TV aufzunehmen oder als VHS-Kassetten zusammen zu kaufen, und entdeckte auch bald den Buch-Bond. In den lokalen Bibliotheken gab es einige Fleming-Ausgaben, neben den recht reißerisch aufgemachten Romanen von John Gardner. Der erste Fleming war Moonraker (zu deutsch "Mondblitz"), der bis heute mein Lieblingsbondroman ist. Mit den VHS-Kassetten, vor allem mit THE LIVING DAYLIGHTS, der mich nachhaltig beeindruckte, verbrachte ich so manchen Nachmittag nach der Schule. Aus heutiger Sicht hatte diese Zeit die größte Magie - mit dem Entdecken eines dreißigjährigen Franchises und noch nicht gesehen Perlen wie ON HER MAJESTYS SECRET SERVICE und den Romanen, sowie der immensen Vorfreude auf einen neuen Film, der alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen versprach.


Artikel der Zeitschrift Kinohit 1993, in dem ich erwähnt werde :)
Obwohl Brosnan offiziell noch nicht im Rennen war, hatte er bereits 20 % der Stimmen
Und dann kam er schließlich - GOLDENEYE! Ich kann mich noch sehr gut an den ersten Teaser-Trailer erinnern, den man - heute unvorstellbar - völlig unvorbereitet im Kino sah, und der mich förmlich weggeblasen hat. Seitdem hat nie wieder ein Trailer eine derartige Begeisterung und eine so ungeheure Vorfreude auf einen Film ausgelöst. Ich halte den Teaser heute noch für den besten des gesamten Franchise - die Musik, Brosnan und vor allem die bis dato völlig neuartig stroboskop-artig ineinander geschnittenen Szenen...

Den Film als solchen sah ich dann im Dezember 1995 - trotz Erkältung mit Husten und Heiserkeit. Bei so viel Vorfreude war das Filmerlebnis an sich natürlich ein bisschen ernüchternd. Erst die Panzerjagd brach das Eis und löste allgemein herzhaftes Lachen und die bondtypische Begeisterung im Kinosaal aus.


Zwei Jahre später ging die Vorfreude wieder los, und ich fuhr spontan 50 km ins nächstgelegene Kino, um den Teaser zu sehen. TOMORROW NEVER DIES empfand ich schließlich als Verbesserung gegenüber GOLDENEYE. Pierce Brosnan wirkte lockerer, die Musik von David Arnold war endlich bondwürdig, und die Actionszenen konnten mit TRUE LIES und Co. mithalten. Zum Filmstart 1997 war Pierce Brosnan dann auch im eingangs erwähnten Wetten, daß ..? zu Gast und küsste als Saalwette 27 Chefsekretärinnen. Von den über 50 % Marktanteil der Show träumt man heute sicher.

Bei THE WORLD IS NOT ENOUGH machte ich zum ersten und letzten Mal den Fehler, den Roman zum Film noch vor dem Filmstart zu lesen, was zu einem eindeutigen Überraschungs-Defizit im Kino führte. Trotzdem mochte ich auch diesen Film sehr. Den Song von Garbage und vor allem David Arnolds Untermalung der eröffnenden Themse-Bootsjagd hörte ich im Auto sehr gern, was nicht immer zu einem StVO-gemäßen Fahren animierte.

Zeitungsausschnitte und Kinokarten aus den Neunzigern,
sowie eine Eintrittskarte der Bond-Ausstellung 1998 in Hildesheim

DIE ANOTHER DAY war schließlich der erste Bondfilm, dessen Entstehung ich online mitverfolgte, vor allem im deutschen Bondforum. Die Zeiten, in denen man den ersten Trailer zufällig im Kino sah, Titel und Bösewicht zufällig in der Zeitung las und den Song zum ersten Mal zufällig im Radio hörte, waren damit vorbei. Nach den üblichen Gerüchten - "Beyond the Ice" als Titel, Robbie Williams als Bondnachfolger, Mel C als Song-Interpretin, Bonds Sohn als Bösewicht sowie dem obligatorisch und bedrohlich alle zwei Jahre auftauchende Konkurrenzbond "Warhead 2000 A.D." - formierte sich langsam die Story des großen Jubiläumsbonds. Erste Fotos des vollbärtigen Brosnan lösten wilde Spekulationen aus, ebenso Gerüchte um Folter und ein unsichtbares Auto.

Die Premiere erlebte ich erstmals auf dem Potsdamer Platz in Berlin mit, mit torartig aufgebauten Laser-Robotern made in Germany. Der Film an sich war dann allerdings ein eher seltsames Erlebnis. Allerdings gefiel er mir beim zweiten Mal schon etwas besser. Insgesamt wurde DIE ANOTHER DAY 2002 auch von vielen Kritikern wesentlich positiver wahrgenommen als später.

Wieder verschwand Bond in einem filmlosen schwarzen Loch, nur um abermals wie ein Phönix aus der Asche zu entsteigen. Diesmal mit einem wahr gewordenen Fantraum: Einer dem Original würdigen Verfilmung des ersten Bondromans Casino Royale! Doch wenn die Brosnan-Ära eins gelehrt hatte, dann die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Aber CASINO ROYALE erwies sich als Triumph, der auch mich restlos überzeugte. Mit QUANTUM OF SOLACE folgte ein Film, für den ich bis heute eine Art Hassliebe empfinde, und schließlich SKYFALL, dessen Entstehung und Premiere ich mit diesem Blog begleiten durfte.

Das waren die ersten zwanzig Jahre. Stay tuned to 2033! ;-)

Montag, 15. April 2013

'Solo' für James

Der Titel des neuen James-Bond-Romans, der in Großbritannien am 29. September erscheinen wird, wurde heute bekannt gebenen: SOLO. Die Handlung spielt 1969. Bond, der hier 45 Jahre alt ist und als Veteran gilt, wird auf eine gewöhnliche Mission in Afrika geschickt, die auf schreckliche Weise schief läuft. Weite Teile des Romans spielen laut Boyd in Afrika. Bond geht nach dem Vorfall auf eine Mission in eigener Sache und ohne offizielle Autorisierung, die ihn in die USA führt.

Neben Mr. Solo, der in GOLDFINGER in einer Schrottpresse endet, hat das Wort noch einen anderen indirekten Bondbezug, nämlich den von Ian Fleming mit kreierten Serienagenten Napoleon Solo. Hier ein Interview mit William Boyd.

Samstag, 13. April 2013

Bond wird 60!

Heute vor 60 Jahren, am 13. April 1953, erschien Ian Flemings erster Roman Casino Royale bei Verleger Jonathan Cape in Großbritannien. Die Idee dafür hatte Fleming jedoch bereits fast zehn Jahre zuvor. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, während dem Fleming als Assistent des Marine-Geheimdienstchefs John Godfrey tätig war, unterhielt er sich mit einem Freund über Pläne für die Nachkriegszeit. Fleming erklärte, er wolle die ultimative Spionagegeschichte schreiben - 'I am going to write the spy story to end all spy stories'. Warum dauerte es so lange, bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzte?



Vielleicht war erst mit der beginnenden Aufrüstung der beiden Supermächte des Kalten Krieges und der Koreakrise der ideale Hintergrund für diese Spionagegeschichte da. Vielleicht hatte Fleming aber auch Selbstzweifel. Sein älterer Bruder Peter war bereits als Reiseschriftsteller weltbekannt und von Kritikern gelobt, zudem hatte Fleming selbst hohe Ansprüche und verehrte Thomas Mann und William Somerset Maugham. Die Melancholie und innere Anspannung vor seiner bevorstehenden Hochzeit gab schließlich jedoch den Anlass, und Fleming schrieb seine ultimative Spionagegeschichte innerhalb von nur zwei Monaten in seinem Winterhaus Goldeneye auf Jamaika. Obwohl Fleming damit eine der erfolgreichsten Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts schuf, war der Erfolg anfangs eher überschaubar. Die intellektuellen Kreise um seine Frau, Lady Rothermere, rümpften eher die Nase über das Buch, weshalb sie auch eine Widmung ablehnte. Das änderte sich auch nicht, als sich der große Erfolg einstellte, sogar Präsident Kennedy einen Bondroman als Lieblingsbuch angab und die Romane verfilmt wurden.


Nach dem riesigen Erfolg des Films GOLDFINGER, den Fleming nicht mehr miterlebte, überschattete der Filmbond schnell den literarischen. Das hat eine gewisse Ironie: Seine Schöpfung hat Fleming nicht nur gesundheitlich ruiniert, indem er ihr nacheiferte, sondern schließlich auch bei weitem überragt. Vor allem in Deutschland fristen die Originalromane eher ein Schattendasein, was sicher der armseligen Vermarktung der Bücher über Jahre hinweg geschuldet ist. Während das fünfzigjährige Jubiläum des Filmbonds im letzten Jahr zahlreiche Artikel und Buchneuerscheinungen hervorbrachte, findet das sechzigjährige Bestehen des Originals in deutschsprachigen Zeitungen oder Buchhandlungen überhaupt nicht statt, und das, obwohl optisch sehr ansprechende und originalgetreu übertragene Neuausgaben vorliegen.


Wie ging es mit dem Buchbond weiter? Nach Flemings letztem Roman The Man With The Golden Gun beauftragte Glidrose Productions den südafrikanischen Autoren Geoffrey Jenkins mit dem Roman Per Fine Ounce, der fertiggestellt, jedoch nie veröffentlicht wurde. 1968 veröffentlichte Kingsley Amis dann unter dem Pseudonym Robert Markham den James-Bond-Roman Colonel Sun. Dann wurde es für fast ein Jahrzehnt ruhig um ihn, bis Drehbuchautor Christopher Wood daran ging, aus seiner Vorlage für THE SPY WHO LOVED ME einen Roman zum Film zu schreiben. Wood beschrieb darin allerdings nicht den ironischen dunkelblonden Roger-Moore-Bond, sondern den flemingschen, mit Narbe im Gesicht und kommaförmiger Haarsträhne in der Stirn. Der literarische Urbond in der überlebensgroßen Welt der Endsiebziger-Filme war eine reizvolle Kombination, auch wenn Bond hier bereits fast 60 sein müsste. (Dementsprechend schreibt Wood auch: "Wenn er nicht lächelte, sah er alt und grausam aus, die Augen waren hart wie Stein.") Wood lieferte auch noch eine Novelisierung des Nachfolgers MOONRAKER ab, die im Gegensatz zum Film auch etwas härter und weniger cartoonhaft wirkt.
 
Nach den Wood-Büchern kam man auch bei Ian Fleming Publications auf die Idee, den literarischen Bond in die Gegenwart zu holen und beauftragte den Amerikaner John Gardner, der bereits eine eigene Serie um den Spion Boysie Oakes etabliert und Romane um den Sherlock-Holmes-Gegenspieler Moriarty verfasst hatte. Alterstechnisch wurde das dann allerdings langsam unglaubwürdig, und auch einige andere Neuerungen Gardners sind eher fragwürdig. Gardner verfasste 13 Bondromane inklusive Novelisierungen der Filme LICENCE TO KILL und GOLDENEYE (mit ebenfalls eher fragwürdiger Glaubwürdigkeit; in Licence To Kill wird Leiter beispielsweise zum zweiten Mal von einem Hai verstümmelt). Von 1996 bis 2002 versuchte sich der US-Autor Raymond Benson an Bond, mit acht Romanen und drei Kurzgeschichten. Neben einer eigenen Reihe um Bond als Teenager von Charlie Higgson erschien 2008 mit Devil May Care ein weiterer Roman mit dem Flemigschen Urbond von Sebastian Faulks, der Ende der 1960er Jahre angesiedelt ist.

Im Oktober dieses Jahres folgt schließlich ein neuer Roman, der Flemings Bond Ende der Sechziger Jahre weiterführt, geschrieben vom schottischen Schriftsteller und Drehbuchautoren William Boyd. Der Titel des Romans wird am kommenden Montag bekanntgegeben. (siehe The Book Bond) Auch in den Büchern hat sich Bond als unsterblich erwiesen...

Sixty years of James Bond's Casino Royale - in pictures

The birth of James Bond


Donnerstag, 11. April 2013

Bond-Fantreffen 2013

Im Zuge der Ausstellung „James Bond – 50 Jahre goldene Legenden“ findet am 29. Juni 2013 in Pforzheim ein Bond-Fantreffen statt, an dem Bondfans aus verschiedenen Foren und Internetgruppen teilnehmen werden. Treffpunkt ist 13 Uhr an den Schmuckwelten in Pforzheim mit anschließendem Besuch der Ausstellung. Eingeladen sind alle, die Freude am Bonduniversum haben.

Nach dem Besuch der Ausstellung gibt es einen älteren James-Bond-Film in einem Kino in Stuttgart zu sehen. Nähere Informationen dazu im größten, deutschsprachigen James-Bond-Forum.

Sonntag, 7. April 2013

Everything or Nothing:

The Untold Story of 007

Im Oktober 2012 erschien unter dem Titel EVERYTHING OR NOTHING: THE UNTOLD STORY OF 007 eine Dokumentation über die fast 60jährige Geschichte des britischen Spions, die seit Ende Januar auch als DVD erhältlich ist. Die DVD bietet die bisher umfangreichste Behandlung des Themas und reicht von Bonds literarischen Ursprüngen bis in die Gegenwart zu SKYFALL.





Regisseur Stevan Riley verknüpft auf gelungene Weise Musik und Szenen aus Bondfilmen mit den teils dramatischen Geschehnissen hinter den Kulissen der Kinoreihe, wodurch die 98 Minuten sehr kurzweilig und flüssig wirken. Damit erzählt die Dokumentation neben der Entstehung eines popkulturellen Mythos, der seinen Schöpfern nicht nur Erfolg und Glück gebracht hat, auch die persönlichen Hochs und Tiefs der Macher und Schauspieler. Angefangen bei Fleming, der zutiefst enttäuscht über die TV-Verfilmung von Casino Royale war und zunehmend unter körperlicher und geistiger Erschöpfung litt, über die Geschichte der Freundschaft und den Familien hinter den Produzenten Albert 'Cubby' Broccoli und Harry Saltzman bis hin zu den Darstellern und den rechtlichen Gefechten um das Franchise. Allein die Geschichte hinter George Lazenby, der falsch beraten war und den Bondjob aufgab, oder Pierce Brosnan, der erst die Bondzusage hatte, dann wieder im letzten Moment wieder an Dalton abgeben musste und schließlich den 'final call' erhielt, geben der Geschichte eine filmische Dramatik und Spannung.

Dabei geht der von EON autorisierte Film mit der eigenen Geschichte erstaunlich selbstreflexiv um und thematisiert auch Schattenseiten. Beispielsweise der jahrelange Rechtsstreit mit Kevin McClory oder die kreative Sackgasse Anfang des neuen Jahrtausends. (Pierce Brosnan bekommt selbst fast einen Lachanfall, als er über das unsichtbare Auto und die Surfszene in DIE ANOTHER DAY spricht, was ihn sympathisch macht.) Der Titel bezieht sich auf die bis dato offiziell dementierte Abkürzung hinter der Produktionsfirma EON und diente bereits 2003 für ein Bondspiel mit Brosnan.

Neben den Darstellern, Regisseuren und Drehbuchautoren sowie deren Nachfahren kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, darunter Flemings Stiefcousin Christopher Lee oder Bill Clinton. Für Fans und Filminteressierte ist die DVD auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Leider ist sie nur englischsprachiger Export ohne Untertitel erhältlich - eine deutsche Bearbeitung oder TV-Ausstrahlung ist bisher nicht in Sicht.

  • Darsteller: Daniel Craig, Pierce Brosnan, Roger Moore, Timothy Dalton, Judi Dench
  • Regie: Stevan Riley
  • Format: PAL
  • Sprache: Englisch
  • Untertitel: Keine
  • Synchronfassungen: Keine
  • Untertitel für Gehörlose: Keine
  • Laufzeit: 93 Minuten

Samstag, 6. April 2013

Bondausstellung in Pforzheim

Vom morgigen Sonntag bis zum 7. September ist in den Schmuckwelten in Pforzheim die Sonderausstellung "James Bond - 50 Jahre goldene Legenden" zu sehen. Ausgestellt sind über 100 Originalrequisiten, Produktionsartikel, Drehbücher und einige sehr wertvolle persönliche Dinge der Schauspieler aus der Sammlung von Chris Distin.

(Artikel zur Ausstellung)

Dienstag, 2. April 2013

Die Dramaturgie der Bondfilme: Der Auslöser

Jede Geschichte beginnt mit einem Ereignis, das die Welt des Protagonisten aus dem Gleichgewicht bringt und eine Frage aufwirft, die im Finale des Films beantwortet wird. Bei JAWS ist es beispielsweise der grausame Tod einer jungen Frau durch einen weißen Hai, der einen kleinen Badeort in Panik versetzt und die Frage aufwirft, ob dieser Hai zur Strecke gebracht werden kann. Dieser Auslöser, oder big hook, soll den Zuschauer dazu bringen, sozusagen anzubeißen und bis zum Ende dran zu bleiben. Bei den Bondfilmen kann man im Prinzip drei Arten von auslösendem Ereignis unterscheiden.

Sonntag, 31. März 2013

Kinofilm mit Q?

Über google bin ich auf eine interessante Meldung gestoßen: MGM launches James Bond spin-off. Der Artikel liest sich äußerst interessant und dreht sich um einen geplanten MGM-Film, ähnlich dem nach DIE ANOTHER DAY geplanten und wieder aufgegeben Jinx-Film. Die Filme sollen sich um die Erlebnisse des originalen Q während des 2. Weltkriegs sowie in den 1950er Jahren drehen.


Montag, 25. März 2013

Leben und sterben lassen

Die neu übersetzten Fleming-Romane aus dem Cross-Cult-Verlag sind vergleichbar mit Blurays oder Directors-Cut-Versionen der Filme. Man kennt die Geschichten im Prinzip, entdeckt aber plötzlich neue Details und Nuancen, oder auch ganze Sequenzen, die sie in einem anderen Licht erscheinen lassen. Bei Leben und sterben lassen tritt dieser Effekt besonders hervor, da sowohl im Umfang als auch bei einzelnen Beschreibungen vieles bei den entsprechenden Ausgaben des Scherz-Verlags gekürzt wurde.




Empire Awards, Sexismus und Todesfälle

Gute und schlechte Nachrichten aus der Bondwelt: Bei den diesjährigen Empire Awards gewann SKYFALL insgesamt drei Preise: Best Director (Sam Mendes), Best Film sowie den Empire Inspiration Award für Sam Mendes. Der britische Regisseur nutzte seine Dankesrede, um Regisseure zu nennen, die für ihn eine Inspiration waren, darunter Paul Thomas Anderson, Martin Scorsese, Ingmar Bergman oder François Truffaut.



Dame Helen Mirren, die als Empire Legend ausgezeichnet wurde, beklagte in ihrer Rede wiederum, dass unter den von Mendes genannten Regisseuren keine Frau war: “I just hope, I pray, I know, that in five or ten years’ time, when the next Sam gets up and makes his or hopefully her speech, there will be two or three or four women's names there.” (siehe telegraph.co.uk)


Die schlechten Neuigkeiten betreffen zwei Bondveteranen, die hinter der Kamera an der Reihe mitwirkten und letzte Woche verstarben: Der amerikanische Künstler Mitchell Hooks schuf die UK- und US-Plakate für DR. NO.



Der weltbekannte Trompeter Derek Watkins wirkte über 50 Jahre hinweg an den Musiken von allen Bondfilmen mit, von DR. NO bis SKYFALL!

(siehe auch hier und hier)

Samstag, 16. März 2013

Böse Wichte

Beim schreiben von Blogbeiträgen fällt mir oft auf, dass ich für die Bösen nach passenden Begriffen suche. Bösewicht klingt durch das Wort Wicht schon etwas verniedlichend, oder zumindest verkleinernd. Überhaupt 'Böse'... Assoziert man wohl eher mit unartigen Kindern. Es klingt zumindest nicht so schön evil wie 'Evil'. Die Synonyme sind allesamt nicht viel besser: Gauner, Halunke, Schuft, Schurke, Strolch, Übeltäter. Am ehesten käme vielleicht noch Schurke in Frage, wobei das auch eher alte Mantel-und-Degen-Filme in Erinnerung ruft. "Nimm das, Schurke!" Am passendsten finde ich noch Gegner oder Gegenspieler. Allerdings auch eine Spur zu harmlos. Ersteres könnte auch eine Fußballmannschaft sein, letzteres enthält das Wort spielen, was die Beschäftigungen von Blofeld und Co. auch nicht unbedingt trifft. Feind ist eine Spur zu persönlich, Verbrecher zu allgemein und wertend, Antagonist etwas zu fachlich, außerdem altgriechisch. Ist es Zufall, dass es im Deutschen fast nur verniedlichende Begriffe für schlechte Menschen gibt?


Im Englischen ist die Sache wesentlich einfacher. Das bereits erwähnte evil klingt nicht verniedlichend, wenn man nicht gerade an Austin Powers denkt. Und dann gibt es auch noch so schön schlichte Wörter wie bad guy, enemy, arch-enemy, foe oder sogar nemesis. Oder das einfache villain, bei dem jeder weiß, was gemeint ist, ohne die unterbewußte Assoziation von Wichtelmännern oder trotzigen oder spielenden Kindern hervorzurufen. Letzteres leitet sich interessanterweise vom spätlateinischen villanus her, was von Villa = Landhaus kommt und einen Leibeigenen oder Knecht bezeichnet, oder einen allgemein in wirtschaftlicher oder allgemeiner Unfreiheit lebenden Menschen. Das Böse als Unfreiheit... das ist aus philosophischer Sicht durchaus interessant. Zumal zu den beliebtesten Villains der Filmgeschichte vor allem diejenigen gehören, die es schafften, ihre Gegner in ihrer moralischen Gebundenheit als unfrei darzustellen, wie Hannibal Lecter oder der Joker in THE DARK KNIGHT.

Montag, 11. März 2013

Bondfilme als 'Kino der Attraktionen'

Der Filmwissenschaftler Tom Gunning veröffentlichte 1986 ein berühmt gewordenes Essay, The Cinema of Attractions. Early Films, Its Spectator and the Avant-Garde, in dem er sich mit dem frühen Kino bis ca. 1907 beschäftigte. Bis dahin betrachtete man die ersten Filme unter dem Aspekt des späteren narrativen Kinos (lateinisch von narrare - erzählen) eher als primitive Vorform. Gunning stellt dem gegenüber das Konzept eines Kinos der Attraktion, das auf eigenständige Weise funktionierte.



Mittwoch, 6. März 2013

Sam Mendes kehrt nicht für Bond 24 zurück

Mendes bei der SKYFALL-Premiere
in Berlin
Wie EMPIRE heute berichtet hat Sam Mendes das Angebot ausgeschlagen, auch den kommenden Bondfilm nach SKYFALL zu inszenieren. "Es war eine schwere Entscheidung, das großzügige Angebot von Barbara [Broccoli] und Michael [Wilson], den nächsten Bond zu inszenieren, abzulehnen", erklärte Mendes. "SKYFALL war eine der besten Erfahrungen in meinem Berufsleben, aber ich habe Theater- und andere Verpflichtungen, darunter 'Charlie und die Schokoladenfabrik' und 'König Lear', die für das nächste Jahr und darüber hinaus meine ganze Aufmerksamkeit benötigen."



Allerdings schließt Mendes eine zukünftige Zusammenarbeit nicht aus: "Ich fühle mich sehr geehrt, Teil der Bondfamilie gewesen zu sein, und hoffe sehr, irgendwann noch einmal mit ihnen zusammen arbeiten zu dürfen." Sam Mendes ist damit der sechste Regisseur in Folge, der das Regie-Angebot für den unmittelbar nächsten Bond ablehnt. Nur Martin Campbell kehrte elf Jahre nach GOLDENEYE noch einmal in den Regiestuhl zurück. Damit ist die Suche nach einem Regisseur für Bond 24, der offenbar sehr zeitnah realisiert werden soll, offen.

SKYFALL ist übrigens für sechs EMPIRE Awards nominiert.

Dienstag, 5. März 2013

"You Only Live Twice" Cover

Nach einer Illustration für die Kurzgeschichtensammlung Octopussy möchte ich hier eine weitere vorstellen, für Flemings elften Bondroman You Only Live Twice. Es ist ebenfalls ein Aquarell mit Verwendung der Verlauf- und Nass-in-Nass-Technik.














Rechts das unbearbeitete Original.