Nachdem Sam Mendes noch vor wenigen Wochen verlauten ließ, dass ihn der Gedanke, sich wieder mit den Figuren und Themen von Bond zu beschäftigen, "physisch krank" mache, scheint eine Rückkehr auf den Regiestuhl nun doch wahrscheinlich. Wie die Seite Deadline berichtet, seien die Produzenten offenbar bereit, zu warten, bis Mendes seine Arbeit an den beiden Theaterproduktionen "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "König Lear" beendet hat. Damit würde sich der Starttermin des neuen Bondabenteuers auf 2015 bis 2016 verschieben. Auch Daily-Mail-Journalist Baz Bamigboye berichtet über Mendes' "dramatische Rückkehr". Nach Christopher Nolan wurden in den letzten Tagen noch weitere potentielle Regisseure genannt, mit denen sich die Bondproduzenten offenbar trafen.
Darunter der Norweger Morten Tyldum, dessen Film HEADHUNTERS von 2011 die Produzenten beeindruckte. Laut comicbookmovie.com sagte Tyldum, dass er sich mit Barbara Broccoli und Michael Wilson traf und über eine Verfügbarkeit für Bond 24 sprach. Variety berichtete zudem über Shane Black (IRON MAN 3, KISS KISS BANG BANG), Ang Lee (LIFE OF PI, BROKEBACK MOUNTAIN), Tom Hooper (THE KING'S SPEECH, LES MISÉRABLES), David Yates (HARRY POTTER AND THE DEATHLY HALLOWS) und Nicolas Winding Refn (DRIVE, BRONSON). Drehbuchautor John Logan soll die Bücher für die nächsten beiden Bondfilme schreiben. Broccoli und Wilson produzieren zur Zeit einen Film außerhalb des Franchise, THE SILENT STORM von Corinna Villari-McFarlane.
Es bleibt also spannend. Ich persönlich würde eine möglichst zügige Vorbereitung von Bond 24 begrüßen und wäre einem neuen Regisseur gegenüber nicht abgeneigt. Ein Regisseur aus Skandinavien wäre sicher interessant und würde vielleicht auch entsprechende Locations ins Spiel bringen.
Donnerstag, 30. Mai 2013
SKYFALL Concept Art
Auf der Seite des Künstlers Chris Rosewarne sind einige Entwürfe für SKYFALL zu finden, darunter das MI6-Hauptquartier, das Hochhaus in Shanghai, Szenen der eröffnenden Motorradjagd sowie Strandhaus und -Bar in der Türkei. Unter Props sind einige Requisiten, wie Patrice' Gewehr.
Auf der Seite von Ivan Girard findet man Entwürfe für Silvas Gesicht ohne die Kieferprothese. Tim Browning hat ebenfalls Concept Art veröffentlicht, darunter eine Variation der Strandbar, die Skyfall Lodge oder Silvas Geisterinsel, sowie auch Entwürfe für Bonds Gadgets wie die Signaturwaffe. Interessant ist hier ein Entwurf für die Statue auf Silvas Insel im unzerstörten Zustand.
(siehe auch comicbookmovie.com)
Auf der Seite von Ivan Girard findet man Entwürfe für Silvas Gesicht ohne die Kieferprothese. Tim Browning hat ebenfalls Concept Art veröffentlicht, darunter eine Variation der Strandbar, die Skyfall Lodge oder Silvas Geisterinsel, sowie auch Entwürfe für Bonds Gadgets wie die Signaturwaffe. Interessant ist hier ein Entwurf für die Statue auf Silvas Insel im unzerstörten Zustand.
(siehe auch comicbookmovie.com)
Dienstag, 28. Mai 2013
Ian Fleming
Vor 105 Jahren, am 28. Mai 1908, kam Ian Lancaster Fleming in London zur Welt, als zweiter von vier Söhnen des konservativen Abgeordneten Valentine Fleming und seiner Frau Eve. Durch Flemings Großvater, dem Bankier Robert Fleming, war die Familie wohlhabend geworden. 1917 fiel sein Vater an der Westfront, woraufhin Winston Churchill persönlich einen Nachruf in der Times schrieb. Ians Kindheit und Jugend standen im Schatten dieser beiden überlebensgroßen Männer, sowie auch seines großen Bruders Peter, der ein anerkannter Reiseschriftsteller war. Fleming konnte erst relativ spät aus diesem Schatten hervortreten, dafür aber umso nachhaltiger.
Wie seine spätere Schöpfung James Bond verbrachte er seine Kindheit teilweise in Schottland, auf Glenborrodale Castle (siehe hier) und wurde wegen eines "Vorfalls" mit einem Mädchen vom Eton College verwiesen. 1927 zog er nach Kitzbühel, wo er unter anderem Skifahren lernte und seine erste Liebe kennenlernte. Viele Erlebnisse aus dieser Zeit flossen in den Roman On Her Majesty's Secret Service ein. Später arbeitete er als Journalist bei Reuters und berichtete aus Moskau über einen Schauprozess. Nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs trat Fleming in den Marine-Geheimdienst ein und wurde zum persönlichen Assistenten des Direktors John Godfrey, dem Fleming mit der Figur des M. ein Denkmal setzte. Nach dem Krieg erwarb er ein Haus auf Jamaika und arbeitete vorerst wieder als Journalist. 1952 schreibt er auf Jamaika schließlich seinen ersten Roman Casino Royale. (Mehr dazu hier)
Ian Fleming gab dem verbrecherischen Ernst Stavro Blofeld, der der Chef des Syndikats SPECTRE ist und Bonds Frau ermordet, dasselbe Geburtsdatum. Laut dem Roman Thunderball erblickte Blofeld am 28. Mai 1908 in Gdingen das Licht der Welt, womit er heute ebenfalls 105 werden würde.
Wie seine spätere Schöpfung James Bond verbrachte er seine Kindheit teilweise in Schottland, auf Glenborrodale Castle (siehe hier) und wurde wegen eines "Vorfalls" mit einem Mädchen vom Eton College verwiesen. 1927 zog er nach Kitzbühel, wo er unter anderem Skifahren lernte und seine erste Liebe kennenlernte. Viele Erlebnisse aus dieser Zeit flossen in den Roman On Her Majesty's Secret Service ein. Später arbeitete er als Journalist bei Reuters und berichtete aus Moskau über einen Schauprozess. Nach Ausbruch des zweiten Weltkriegs trat Fleming in den Marine-Geheimdienst ein und wurde zum persönlichen Assistenten des Direktors John Godfrey, dem Fleming mit der Figur des M. ein Denkmal setzte. Nach dem Krieg erwarb er ein Haus auf Jamaika und arbeitete vorerst wieder als Journalist. 1952 schreibt er auf Jamaika schließlich seinen ersten Roman Casino Royale. (Mehr dazu hier)
Ian Fleming gab dem verbrecherischen Ernst Stavro Blofeld, der der Chef des Syndikats SPECTRE ist und Bonds Frau ermordet, dasselbe Geburtsdatum. Laut dem Roman Thunderball erblickte Blofeld am 28. Mai 1908 in Gdingen das Licht der Welt, womit er heute ebenfalls 105 werden würde.
Donnerstag, 23. Mai 2013
Schloss Mittersill - Inspiration für Blofelds Alpendomizil
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| Innenhof des Schlosses |
Freitag, 17. Mai 2013
Christopher Nolan für Bond 24?
Wie die Daily Mail heute vermeldete, haben die Bond-Produzenten mit Christopher Nolan Kontakt aufgenommen, vermutlich für die Regie des nächsten Bondfilms nach SKYFALL, vielleicht aber auch für spätere Filme. Zur Zeit befindet sich Nolan in der Vorproduktion für den Science-Fiction-Film INTERSTELLAR mit Matthew McConnaughey und Michael Caine, der sich um Zeitreisen durch Wurmlöcher dreht und im November 2014 starten soll. Obwohl die Daily Mail eine verlässlichere Quelle ist als die Sun beispielsweise, ist eine Regie Nolans für den vierten Craig-Bond aus diesen terminlichen Gründen eher fraglich. Trotzdem ein paar Gedanken über Nolan und Bond:
Christopher Nolans Batman-Trilogie hat bereits deutliche Spuren im modernen Blockbusterkino hinterlassen, auch bei Bond. Er verbindet eine spektakulär überlebensgroße Inszenierung mit dem Fokus auf Charaktere und philosophische Fragestellungen, vergleichbar vielleicht mit den Epen von David Lean. Bei Batman konnte Nolan nur gewinnen, nachdem Joel Schumacher seinen letzten Franchise-Beitrag als unerträglich alberne Travestie inszenierte. Aber bei Bond? Nachdem SKYFALL im weltweiten Box-Office sogar Nolans erfolgreichsten Film THE DARK KNIGHT RISES knapp überholt hat, würde es für Nolan ziemlich schwer werden, hier seinem Ruf als Franchise-Erneuerer gerecht zu werden. Zumal sich Sam Mendes stilistisch bereits stark an Nolan orientierte, inklusive der Dialogzeile "A storm is coming".* Würde man Bérénice Marlohe mit Marion Cottillard ersetzen, und Albert Finney mit Michael Caine, würde SKYFALL wohl gänzlich wie ein Nolan-Film wirken.
Andererseits ist Nolan aber auch ein sehr intelligenter Regisseur, der sich sicher auch bewusst ist, dass er dieses philosophisch angehauchte "Bämm-Bämm-Kino" à la INCEPTION oder THE DARK KNIGHT nicht bis in alle Ewigkeit so weiterführen kann, mit ähnlicher Besetzung und Inszenierung. Insofern wäre Bond eine Chance zur Weiterentwicklung. Nolan könnte zeigen, dass er nicht nur 'düster' kann. Was Nolan so oder so bei Bond einbringen könnte, wäre ein intelligenter und trotzdem glaubwürdiger Plot mit dem oder anderem Twist am Ende. Dafür besteht meines Erachtens noch ein großes Potential bei Bond. Und auch ein starker und charismatischer Gegenspieler, der Bond bis an die Grenzen fordert und über die Franchise-Grenzen hinaus popkulturelle Relevanz hat, wäre wohl im Nolan-Paket mit enthalten. Zudem hat Nolan immer wieder betont, ein großer Bondfan zu sein, was sich auch an den zahlreichen Anspielungen in seinen Filmen zeigt. Ich denke, er hätte ein gutes Gespür dafür, was in Bonds Welt möglich und für Fans wünschenswert wäre.
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* Man könnte den Satz von Bond auch als Anspielung auf Camerons THE TERMININATOR verstehen, in dem die Protagonisten am Ende ebenfalls aus Alltagsgegenstände Waffen basteln.
Christopher Nolans Batman-Trilogie hat bereits deutliche Spuren im modernen Blockbusterkino hinterlassen, auch bei Bond. Er verbindet eine spektakulär überlebensgroße Inszenierung mit dem Fokus auf Charaktere und philosophische Fragestellungen, vergleichbar vielleicht mit den Epen von David Lean. Bei Batman konnte Nolan nur gewinnen, nachdem Joel Schumacher seinen letzten Franchise-Beitrag als unerträglich alberne Travestie inszenierte. Aber bei Bond? Nachdem SKYFALL im weltweiten Box-Office sogar Nolans erfolgreichsten Film THE DARK KNIGHT RISES knapp überholt hat, würde es für Nolan ziemlich schwer werden, hier seinem Ruf als Franchise-Erneuerer gerecht zu werden. Zumal sich Sam Mendes stilistisch bereits stark an Nolan orientierte, inklusive der Dialogzeile "A storm is coming".* Würde man Bérénice Marlohe mit Marion Cottillard ersetzen, und Albert Finney mit Michael Caine, würde SKYFALL wohl gänzlich wie ein Nolan-Film wirken.
Andererseits ist Nolan aber auch ein sehr intelligenter Regisseur, der sich sicher auch bewusst ist, dass er dieses philosophisch angehauchte "Bämm-Bämm-Kino" à la INCEPTION oder THE DARK KNIGHT nicht bis in alle Ewigkeit so weiterführen kann, mit ähnlicher Besetzung und Inszenierung. Insofern wäre Bond eine Chance zur Weiterentwicklung. Nolan könnte zeigen, dass er nicht nur 'düster' kann. Was Nolan so oder so bei Bond einbringen könnte, wäre ein intelligenter und trotzdem glaubwürdiger Plot mit dem oder anderem Twist am Ende. Dafür besteht meines Erachtens noch ein großes Potential bei Bond. Und auch ein starker und charismatischer Gegenspieler, der Bond bis an die Grenzen fordert und über die Franchise-Grenzen hinaus popkulturelle Relevanz hat, wäre wohl im Nolan-Paket mit enthalten. Zudem hat Nolan immer wieder betont, ein großer Bondfan zu sein, was sich auch an den zahlreichen Anspielungen in seinen Filmen zeigt. Ich denke, er hätte ein gutes Gespür dafür, was in Bonds Welt möglich und für Fans wünschenswert wäre.
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* Man könnte den Satz von Bond auch als Anspielung auf Camerons THE TERMININATOR verstehen, in dem die Protagonisten am Ende ebenfalls aus Alltagsgegenstände Waffen basteln.
Mittwoch, 15. Mai 2013
Happy Birthday, Pierce!
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| Getty Images |
Nach der Schule besuchte Brosnan eine Schule für Kunst und Design und arbeitete als Straßen- und Zirkuskünstler. Nach einem Studium der Theaterwissenschaften wurde Tennessee Williams auf ihn aufmerksam und besetzte ihn in einem Stück. Der Durchbruch als Schauspieler kam schließlich 1982 mit der Fernsehserie Remington Steele. Doch die Erfolgsserie sollte sich vier Jahre später als Karrierehindernis erweisen. Pierce Brosnan sollte Roger Moore als Bond ersetzen und wurde bereits offiziell der Presse vorgestellt, aber eine Vertragsverlängerung in letzter Sekunde band ihn weiterhin an die Fernsehserie. Timothy Dalton übernahm die Rolle. Kurz darauf ereilte Brosnan ein weit schwererer Schicksalschlag - seine Frau Cassandra Harris, die im Bondfilm FOR YOUR EYES ONLY mitgespielt hatte, verstarb an Krebs.
Doch es gab eine zweite Chance für Pierce Brosnan, nachdem ein Rechtstreit den dritten Dalton-Bond verzögerte und dieser ausstieg. Nach erfolgreichen Rollen in AROUND THE WORLD IN 80 DAYS (1989) und MRS. DOUBTFIRE (1993) neben Weltstars wie Christopher Lee, Peter Ustinov oder Robin Williams übernimmt er 1994 die Rolle des James Bond. GOLDENEYE wird zum Mega-Erfolg und zerstreut alle Kritikerstimmen über die Filmfigur. Bond eröffnet Brosnan endgültig die Tür nach Hollywood. Er dreht mit Tim Burton (MARS ATTACKS!, 1996), Barbra Streisand (THE MIRROR HAS TWO FACES, 1996), Richard Attenborough (GREY OWL, 1999), John Boorman (THE TAILOR OF PANAMA, 2001) und Roman Polanski (THE GHOST WRITER, 2010). 2001 wird er vom People Magazine zum Sexiest Man Alive gekürt, was ihn mit Ur-Bond Sean Connery verbindet.
Nach vier Bondfilmen, die sehr erfolgreich an der Kinokasse waren und eine neue Generation von Fans begeisterten, ereilt Brosnan ein ähnliches Schicksal wie zuvor Tim Dalton - ein Rechtsstreit zwingt das Franchise zu einer mehrjährigen Pause und die Produzenten zum Umdenken. Ein Anruf enthebt ihn vom Amt des Weltretters. Zu der Figur hat er heute ein zwiespältiges Verhältnis - zum einen ist er dankbar, zum anderen bedauert er aber auch, dass sich sein Bond nie von vorgegeben Zwängen befreien durfte: "It never felt real to me. I never felt I had complete ownership over Bond." - "For me, the Bond that I played was caught in a time warp between what had gone before and what Daniel does now. I always felt the restraints of the storytelling and it just didn’t have enough bite to it. It was in the writing."
Neben seiner schauspielerischen Tätigkeit malt Brosnan und engagiert sich im Umweltschutz, wo er hauptsächlich für den Schutz der Meeresfauna kämpft. In LOVE IS ALL YOU NEED von der dänischen Regisseurin Susanne Bier spielte er 2012 einen Witwer. In seinem neuesten Filmprojekt HOW TO MAKE LOVE LIKE AN ENGLISHMAN übernimmt er neben Kristin Scott Thamos und Jessica Alba die Rolle eines sexsüchtigen Literaturprofessors, der seinen Lebenswandel überdenken muss.
BOND & BEYOND wünscht alles Gute und noch viele gute und erfolgreiche Rollen!
Donnerstag, 9. Mai 2013
Starfall
Star Trek Into Darkness
USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch
STAR TREK ist eigentlich ein Franchise, das buchstäblich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Man kann sich im Gegensatz zu Bond beispielsweise effektetechnisch völlig austoben; man hat zahllose phantastische Welten, Wesen und Technologien zur Verfügung und schließlich auch die Möglichkeit, aktuelle und klassische Menschheitsthemen spielerisch in utopisch-übersteigerten Metaphern zu behandeln. Da wirkt es fast schon wie eine besondere Kunst, solch ein Universum uninteressant werden zu lassen, wie das unter Rick Bermans Ägide zunehmend der Fall war. Vor vier Jahren gelang es J.J. Abrams, wieder breite Zuschauerschichten für diese unendlichen Weiten zu begeistern. Nach dem zweiten Film hatte ich nun trotz guter Unterhaltung wieder das Gefühl vieler ungenutzter Möglichkeiten.
Dabei beginnt der Film ungemein vielversprechend und unterhaltsam. Man sieht die Crew bei der Rettung einer sehr exotischen Welt, bei der sie in Konflikt mit der obersten Direktive der Sternenflotte gerät. Der Vulkanier Spock befindet sich in einem buchstäblichen Vulkan, während Kirk und Pille von erzürnten Aliens verfolgt werden. Die oberste Direktive, die das Nicht-Einmischen in die Angelegenheiten sogenannter Pre-Warp-Zivilisationen vorschreibt, ist eine dieser Möglichkeiten, die Stoff für tiefergehende Stories bieten würde. Wenn man sich vor Augen führt, dass solch ein Einmischen in der Menschheitsgeschichte fast immer verbunden war mit einem Auslöschen, macht so eine Direktive durchaus Sinn. Andererseits könnte man es auch moralisch verwerflich finden, Schwächere einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Aber der Film nutzt dieses eingeführte moralische Dilemma im weiteren Verlauf nicht.
Die Einführung des von Benedict Cumberbatch verkörperten Gegenspielers John Harrison ist ebenfalls sehr gelungen. Allerdings wird auch hier ein Konflikt etabliert, der sich später in galaktischen Nebeln verflüchtigt. Der charismatische Cumberbatch, dessen Stern auch nach INTO DARKNESS steigen dürfte, ist schauspielerisch ein echtes Highlight. Harrison greift das Sternenflottenhauptquartier an und flüchtet daraufhin zur klingonischen Heimatwelt Qo'noS. Die Enterprise bekommt den Auftrag, ihn aufzuspüren.
Die Auflösung der wahren Identität des Antagonisten, um die abrams-typisch ein großes Geheimnis gemacht wurde, war dann für mich der erste Tiefpunkt des Films, denn die Macher gehen hier den einfallslosesten und mutlosesten aller Wege. Dazu kommt, dass der Background von Harrison in der veränderten Zeitlinie des Abrams-Universums keinen echten Sinn ergibt und auch kein starkes Motiv liefert. Von da an ist INTO DARKNESS zunehmend nur noch eine mäßig kreative Kopie gewisser älterer Filme - das allerdings, ohne den Impact der Originalszenen zu erreichen.
Dafür, dass Abrams nach eigenen Angaben von den meisten bisherigen Star-Trek-Filmen nicht allzu viel hält, bedient er sich doch reichlich an deren Erfolgsmustern. In diesem Aspekt wirkt INTO DARKNESS ein bisschen wie die STAR-WARS-Prequel, bei denen Lucas ebenfalls versuchte, einen narrativen "Reim" auf die alten Filme herzustellen. Vermutlich spekuliert Abrams darauf, dass die "Nicht-Trekker" sich an diese Filme eh nicht so gut erinnern werden, während er für die Fans ein paar Brocken hinwirft, wie eine Anspielung auf Tribbles oder einen dramaturgisch völlig unnötigen Kurzauftritt von Leonard Nimoy. Vom Sternenflotten-Geheimdienst Sektion 31 hätte man gern noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren. Und auch logisch bleibt vieles offen.
Wie Sophie Albers in ihrer Kritik auf stern.de bemerkt, erinnert die Handlung oft etwas an SKYFALL (Der ja selbst wiederum an diverse Nolan-Filme erinnert). Vor allem die Gefangenschaft des Gegners und das Ende. Wahrscheinlich zählen Schurken in langen Mänteln, die sich gern gefangennehmen lassen, um ein bisschen zu posen, ebenso zum Zeitgeist wie fliegende Funken auf den Filmplakaten. Und natürlich müssen männliche Helden am Ende so richtig weinen, weil das ja so anziehend auf weibliche Zuschauer wirkt und die Kassen vielleicht noch ein bisschen mehr klingeln lässt.
In der zweiten Hälfte tritt STAR TREK INTO DARKNESS kreativ auf der Stelle. Und das trotz sehr guter Tricktechnik und durchweg sehenswerter Darsteller. Neben Cumberbatch glänzen auch Peter ROBOCOP Weller und Karl Urban. Auch die restliche Crew macht ihre Sache sehr gut und ist den Originalen wirklich würdig. Vielleicht ist es für Star Trek das Beste, wenn J.J. Abrams jetzt nach der gelungenen Einführung der Charaktere zur "Konkurrenz" wechselt. Für den nächsten Film wäre ein Regisseur zu wünschen, der mehr aus den Charakteren herausholt und aus dem Kosmos Neues hervorbringt, statt Altes aufzutauen.
USA 2013
Regie: J.J. Abrams
Darsteller: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch
STAR TREK ist eigentlich ein Franchise, das buchstäblich unendlich viele Möglichkeiten bietet. Man kann sich im Gegensatz zu Bond beispielsweise effektetechnisch völlig austoben; man hat zahllose phantastische Welten, Wesen und Technologien zur Verfügung und schließlich auch die Möglichkeit, aktuelle und klassische Menschheitsthemen spielerisch in utopisch-übersteigerten Metaphern zu behandeln. Da wirkt es fast schon wie eine besondere Kunst, solch ein Universum uninteressant werden zu lassen, wie das unter Rick Bermans Ägide zunehmend der Fall war. Vor vier Jahren gelang es J.J. Abrams, wieder breite Zuschauerschichten für diese unendlichen Weiten zu begeistern. Nach dem zweiten Film hatte ich nun trotz guter Unterhaltung wieder das Gefühl vieler ungenutzter Möglichkeiten.
Dabei beginnt der Film ungemein vielversprechend und unterhaltsam. Man sieht die Crew bei der Rettung einer sehr exotischen Welt, bei der sie in Konflikt mit der obersten Direktive der Sternenflotte gerät. Der Vulkanier Spock befindet sich in einem buchstäblichen Vulkan, während Kirk und Pille von erzürnten Aliens verfolgt werden. Die oberste Direktive, die das Nicht-Einmischen in die Angelegenheiten sogenannter Pre-Warp-Zivilisationen vorschreibt, ist eine dieser Möglichkeiten, die Stoff für tiefergehende Stories bieten würde. Wenn man sich vor Augen führt, dass solch ein Einmischen in der Menschheitsgeschichte fast immer verbunden war mit einem Auslöschen, macht so eine Direktive durchaus Sinn. Andererseits könnte man es auch moralisch verwerflich finden, Schwächere einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Aber der Film nutzt dieses eingeführte moralische Dilemma im weiteren Verlauf nicht.
Die Einführung des von Benedict Cumberbatch verkörperten Gegenspielers John Harrison ist ebenfalls sehr gelungen. Allerdings wird auch hier ein Konflikt etabliert, der sich später in galaktischen Nebeln verflüchtigt. Der charismatische Cumberbatch, dessen Stern auch nach INTO DARKNESS steigen dürfte, ist schauspielerisch ein echtes Highlight. Harrison greift das Sternenflottenhauptquartier an und flüchtet daraufhin zur klingonischen Heimatwelt Qo'noS. Die Enterprise bekommt den Auftrag, ihn aufzuspüren.
Die Auflösung der wahren Identität des Antagonisten, um die abrams-typisch ein großes Geheimnis gemacht wurde, war dann für mich der erste Tiefpunkt des Films, denn die Macher gehen hier den einfallslosesten und mutlosesten aller Wege. Dazu kommt, dass der Background von Harrison in der veränderten Zeitlinie des Abrams-Universums keinen echten Sinn ergibt und auch kein starkes Motiv liefert. Von da an ist INTO DARKNESS zunehmend nur noch eine mäßig kreative Kopie gewisser älterer Filme - das allerdings, ohne den Impact der Originalszenen zu erreichen.
Dafür, dass Abrams nach eigenen Angaben von den meisten bisherigen Star-Trek-Filmen nicht allzu viel hält, bedient er sich doch reichlich an deren Erfolgsmustern. In diesem Aspekt wirkt INTO DARKNESS ein bisschen wie die STAR-WARS-Prequel, bei denen Lucas ebenfalls versuchte, einen narrativen "Reim" auf die alten Filme herzustellen. Vermutlich spekuliert Abrams darauf, dass die "Nicht-Trekker" sich an diese Filme eh nicht so gut erinnern werden, während er für die Fans ein paar Brocken hinwirft, wie eine Anspielung auf Tribbles oder einen dramaturgisch völlig unnötigen Kurzauftritt von Leonard Nimoy. Vom Sternenflotten-Geheimdienst Sektion 31 hätte man gern noch ein bisschen mehr gesehen und erfahren. Und auch logisch bleibt vieles offen.
Wie Sophie Albers in ihrer Kritik auf stern.de bemerkt, erinnert die Handlung oft etwas an SKYFALL (Der ja selbst wiederum an diverse Nolan-Filme erinnert). Vor allem die Gefangenschaft des Gegners und das Ende. Wahrscheinlich zählen Schurken in langen Mänteln, die sich gern gefangennehmen lassen, um ein bisschen zu posen, ebenso zum Zeitgeist wie fliegende Funken auf den Filmplakaten. Und natürlich müssen männliche Helden am Ende so richtig weinen, weil das ja so anziehend auf weibliche Zuschauer wirkt und die Kassen vielleicht noch ein bisschen mehr klingeln lässt.
In der zweiten Hälfte tritt STAR TREK INTO DARKNESS kreativ auf der Stelle. Und das trotz sehr guter Tricktechnik und durchweg sehenswerter Darsteller. Neben Cumberbatch glänzen auch Peter ROBOCOP Weller und Karl Urban. Auch die restliche Crew macht ihre Sache sehr gut und ist den Originalen wirklich würdig. Vielleicht ist es für Star Trek das Beste, wenn J.J. Abrams jetzt nach der gelungenen Einführung der Charaktere zur "Konkurrenz" wechselt. Für den nächsten Film wäre ein Regisseur zu wünschen, der mehr aus den Charakteren herausholt und aus dem Kosmos Neues hervorbringt, statt Altes aufzutauen.
Donnerstag, 25. April 2013
Generation Moore
Ein persönlicher Rückblick auf 20 Jahre Bondfan-Dasein
Meinen ersten Bondfilm sah ich mit neun Jahren in einem Schwarz-Weiß-Fernseher. Das war "Man lebt nur zweimal", 1986 im ersten deutschen Fernsehen. Obwohl mich der Film natürlich völlig fasziniert hat, wurde ich erst sieben Jahre und ein paar Bondfilme später zu einem waschechten James-Bond-Fan - im April 1993. Warum erst dann, und was war letztendlich der Auslöser dafür? Und warum heißt dieser Beitrag trotzdem 'Generation Moore'?
In seinem Buch Generation Golf von 2000 beschreibt Florian Illies das Gefühl, am Samstag Abend als frisch gebadeter Zwölfjähriger Wetten, daß ..? zu gucken, wobei schon die Eurovisionshymne zu Beginn zu den Höhepunkten des Wochenendes zählte: "Es war damals selbstverständlich, daß man Wetten, dass ..? mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun." Obwohl ich die Achtziger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs verbrachte und das Piratenschiff in der Badewanne eher selbstgebaut als von Playmobil war, kenne ich dieses feierlich-kribbelige Samstag-Abend-Gefühl nur zu gut, und verbinde das vor allem mit den Bondfilmen (die Komödien mit Bud Spencer und Terence Hill oder Louis De Funés zählen vielleicht noch dazu). Man kam tatsächlich immer frisch aus der Badewanne, es gab Salzstangen oder idealerweise Chipsletten, und mein Vater bemerkte bei jeder zweiten Szene, wie wenig das Gezeigte in der Realität funktionieren würde.
Obwohl ich mit dem bereits erwähnten "Man lebt nur zweimal" sowie "Goldfinger" und "Diamantenfieber" auch Conneryfilme sah, konnte ich mit Roger Moore doch wesentlich mehr anfangen. "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker" waren einfach die Bondfilme schlechthin, und in "Octopussy" jagte Bond auch mal durch Karl-Marx-Stadt. Zudem hatte Moore diese wahnsinnig coolen Digitaluhren. In einer Zeit, in der man von Uhren mit Taschenrechner träumte, stellte das jede Rolex in den Schatten. Auch der tauchende Lotus machte auf mich wesentlich mehr Eindruck als der schnöde Aston Martin.
Im Kino lief Bond als Klassenfeind natürlich leider nicht, dafür gab es die Olsenbande, Ray-Harryhausen-Klassiker wie "Sindbads gefährliche Abenteuer" oder Winnetou-Filme. Nach 1989 eröffnete sich dann die große glitzernde Filmwelt außerhalb der DDR-Grenzen, und Videotheken schossen wie Pilze aus dem Boden. Mein Lieblings-Franchise war BACK TO THE FUTURE, zumal man sich als Zwölfjähriger zum ersten Mal in West-Berlin ein bisschen fühlte wie Marty McFly im Hill Valley des Jahres 2015. Dann kam "Star Trek - Das nächste Jahrhundert". Bond hatte 1989 nicht viel zu bieten; sogar GHOSTBUSTERS II erregte eher mein Interesse als LICENCE TO KILL.
Die Initialzündung kam schließlich 1993. In Kaufhäusern konnte man CDs anhören, und als Filmfan fiel mir irgendwann die Doppel-CD The Best of James Bond - 30th Anniversary Collection in die Hände. Beim Anhören entfaltete sich plötzlich das Bonduniversum in seiner ganzen Faszination vor meinem geistigen Auge. Mir kamen Szenen in den Sinn wie der finale Fort-Knox-Kampf in GOLDFINGER, die Krematoriumsszene aus DIAMONDS ARE FOREVER, der Titel mit den brennenden Totenköpfen aus LIVE AND LET DIE oder Beißer und Stromberg in THE SPY WHO LOVED ME. Da ich noch relativ weit vom ersten eigenen CD-Player entfernt war, kaufte ich mir die Kompilation zunächst als Kassette. Von da an gab es kein Zurück mehr, und es begann eine Zeit des Sammelns und des regelmäßigen Kopfschüttelns seitens der Verwandschaft.
Ich begann, die Bondfilme im TV aufzunehmen oder als VHS-Kassetten zusammen zu kaufen, und entdeckte auch bald den Buch-Bond. In den lokalen Bibliotheken gab es einige Fleming-Ausgaben, neben den recht reißerisch aufgemachten Romanen von John Gardner. Der erste Fleming war Moonraker (zu deutsch "Mondblitz"), der bis heute mein Lieblingsbondroman ist. Mit den VHS-Kassetten, vor allem mit THE LIVING DAYLIGHTS, der mich nachhaltig beeindruckte, verbrachte ich so manchen Nachmittag nach der Schule. Aus heutiger Sicht hatte diese Zeit die größte Magie - mit dem Entdecken eines dreißigjährigen Franchises und noch nicht gesehen Perlen wie ON HER MAJESTYS SECRET SERVICE und den Romanen, sowie der immensen Vorfreude auf einen neuen Film, der alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen versprach.
Den Film als solchen sah ich dann im Dezember 1995 - trotz Erkältung mit Husten und Heiserkeit. Bei so viel Vorfreude war das Filmerlebnis an sich natürlich ein bisschen ernüchternd. Erst die Panzerjagd brach das Eis und löste allgemein herzhaftes Lachen und die bondtypische Begeisterung im Kinosaal aus.
Zwei Jahre später ging die Vorfreude wieder los, und ich fuhr spontan 50 km ins nächstgelegene Kino, um den Teaser zu sehen. TOMORROW NEVER DIES empfand ich schließlich als Verbesserung gegenüber GOLDENEYE. Pierce Brosnan wirkte lockerer, die Musik von David Arnold war endlich bondwürdig, und die Actionszenen konnten mit TRUE LIES und Co. mithalten. Zum Filmstart 1997 war Pierce Brosnan dann auch im eingangs erwähnten Wetten, daß ..? zu Gast und küsste als Saalwette 27 Chefsekretärinnen. Von den über 50 % Marktanteil der Show träumt man heute sicher.
Bei THE WORLD IS NOT ENOUGH machte ich zum ersten und letzten Mal den Fehler, den Roman zum Film noch vor dem Filmstart zu lesen, was zu einem eindeutigen Überraschungs-Defizit im Kino führte. Trotzdem mochte ich auch diesen Film sehr. Den Song von Garbage und vor allem David Arnolds Untermalung der eröffnenden Themse-Bootsjagd hörte ich im Auto sehr gern, was nicht immer zu einem StVO-gemäßen Fahren animierte.
DIE ANOTHER DAY war schließlich der erste Bondfilm, dessen Entstehung ich online mitverfolgte, vor allem im deutschen Bondforum. Die Zeiten, in denen man den ersten Trailer zufällig im Kino sah, Titel und Bösewicht zufällig in der Zeitung las und den Song zum ersten Mal zufällig im Radio hörte, waren damit vorbei. Nach den üblichen Gerüchten - "Beyond the Ice" als Titel, Robbie Williams als Bondnachfolger, Mel C als Song-Interpretin, Bonds Sohn als Bösewicht sowie dem obligatorisch und bedrohlich alle zwei Jahre auftauchende Konkurrenzbond "Warhead 2000 A.D." - formierte sich langsam die Story des großen Jubiläumsbonds. Erste Fotos des vollbärtigen Brosnan lösten wilde Spekulationen aus, ebenso Gerüchte um Folter und ein unsichtbares Auto.
Die Premiere erlebte ich erstmals auf dem Potsdamer Platz in Berlin mit, mit torartig aufgebauten Laser-Robotern made in Germany. Der Film an sich war dann allerdings ein eher seltsames Erlebnis. Allerdings gefiel er mir beim zweiten Mal schon etwas besser. Insgesamt wurde DIE ANOTHER DAY 2002 auch von vielen Kritikern wesentlich positiver wahrgenommen als später.
Wieder verschwand Bond in einem filmlosen schwarzen Loch, nur um abermals wie ein Phönix aus der Asche zu entsteigen. Diesmal mit einem wahr gewordenen Fantraum: Einer dem Original würdigen Verfilmung des ersten Bondromans Casino Royale! Doch wenn die Brosnan-Ära eins gelehrt hatte, dann die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Aber CASINO ROYALE erwies sich als Triumph, der auch mich restlos überzeugte. Mit QUANTUM OF SOLACE folgte ein Film, für den ich bis heute eine Art Hassliebe empfinde, und schließlich SKYFALL, dessen Entstehung und Premiere ich mit diesem Blog begleiten durfte.
Das waren die ersten zwanzig Jahre. Stay tuned to 2033! ;-)
Meinen ersten Bondfilm sah ich mit neun Jahren in einem Schwarz-Weiß-Fernseher. Das war "Man lebt nur zweimal", 1986 im ersten deutschen Fernsehen. Obwohl mich der Film natürlich völlig fasziniert hat, wurde ich erst sieben Jahre und ein paar Bondfilme später zu einem waschechten James-Bond-Fan - im April 1993. Warum erst dann, und was war letztendlich der Auslöser dafür? Und warum heißt dieser Beitrag trotzdem 'Generation Moore'?
In seinem Buch Generation Golf von 2000 beschreibt Florian Illies das Gefühl, am Samstag Abend als frisch gebadeter Zwölfjähriger Wetten, daß ..? zu gucken, wobei schon die Eurovisionshymne zu Beginn zu den Höhepunkten des Wochenendes zählte: "Es war damals selbstverständlich, daß man Wetten, dass ..? mit Frank Elstner guckte, niemals wieder hatte man in späteren Jahren solch ein sicheres Gefühl, zu einem bestimmten Zeitpunkt genau das Richtige zu tun." Obwohl ich die Achtziger auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs verbrachte und das Piratenschiff in der Badewanne eher selbstgebaut als von Playmobil war, kenne ich dieses feierlich-kribbelige Samstag-Abend-Gefühl nur zu gut, und verbinde das vor allem mit den Bondfilmen (die Komödien mit Bud Spencer und Terence Hill oder Louis De Funés zählen vielleicht noch dazu). Man kam tatsächlich immer frisch aus der Badewanne, es gab Salzstangen oder idealerweise Chipsletten, und mein Vater bemerkte bei jeder zweiten Szene, wie wenig das Gezeigte in der Realität funktionieren würde.
Obwohl ich mit dem bereits erwähnten "Man lebt nur zweimal" sowie "Goldfinger" und "Diamantenfieber" auch Conneryfilme sah, konnte ich mit Roger Moore doch wesentlich mehr anfangen. "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker" waren einfach die Bondfilme schlechthin, und in "Octopussy" jagte Bond auch mal durch Karl-Marx-Stadt. Zudem hatte Moore diese wahnsinnig coolen Digitaluhren. In einer Zeit, in der man von Uhren mit Taschenrechner träumte, stellte das jede Rolex in den Schatten. Auch der tauchende Lotus machte auf mich wesentlich mehr Eindruck als der schnöde Aston Martin.
Im Kino lief Bond als Klassenfeind natürlich leider nicht, dafür gab es die Olsenbande, Ray-Harryhausen-Klassiker wie "Sindbads gefährliche Abenteuer" oder Winnetou-Filme. Nach 1989 eröffnete sich dann die große glitzernde Filmwelt außerhalb der DDR-Grenzen, und Videotheken schossen wie Pilze aus dem Boden. Mein Lieblings-Franchise war BACK TO THE FUTURE, zumal man sich als Zwölfjähriger zum ersten Mal in West-Berlin ein bisschen fühlte wie Marty McFly im Hill Valley des Jahres 2015. Dann kam "Star Trek - Das nächste Jahrhundert". Bond hatte 1989 nicht viel zu bieten; sogar GHOSTBUSTERS II erregte eher mein Interesse als LICENCE TO KILL.
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| Die Kassette des Anstoßes |
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| selbst gebastelte VHS-Cover anno 1993 |
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| Artikel der Zeitschrift Kinohit 1993, in dem ich erwähnt werde :) Obwohl Brosnan offiziell noch nicht im Rennen war, hatte er bereits 20 % der Stimmen |
Und dann kam er schließlich - GOLDENEYE! Ich kann mich noch sehr gut an den ersten Teaser-Trailer erinnern, den man - heute unvorstellbar - völlig unvorbereitet im Kino sah, und der mich förmlich weggeblasen hat. Seitdem hat nie wieder ein Trailer eine derartige Begeisterung und eine so ungeheure Vorfreude auf einen Film ausgelöst. Ich halte den Teaser heute noch für den besten des gesamten Franchise - die Musik, Brosnan und vor allem die bis dato völlig neuartig stroboskop-artig ineinander geschnittenen Szenen...
Den Film als solchen sah ich dann im Dezember 1995 - trotz Erkältung mit Husten und Heiserkeit. Bei so viel Vorfreude war das Filmerlebnis an sich natürlich ein bisschen ernüchternd. Erst die Panzerjagd brach das Eis und löste allgemein herzhaftes Lachen und die bondtypische Begeisterung im Kinosaal aus.
Zwei Jahre später ging die Vorfreude wieder los, und ich fuhr spontan 50 km ins nächstgelegene Kino, um den Teaser zu sehen. TOMORROW NEVER DIES empfand ich schließlich als Verbesserung gegenüber GOLDENEYE. Pierce Brosnan wirkte lockerer, die Musik von David Arnold war endlich bondwürdig, und die Actionszenen konnten mit TRUE LIES und Co. mithalten. Zum Filmstart 1997 war Pierce Brosnan dann auch im eingangs erwähnten Wetten, daß ..? zu Gast und küsste als Saalwette 27 Chefsekretärinnen. Von den über 50 % Marktanteil der Show träumt man heute sicher.
Bei THE WORLD IS NOT ENOUGH machte ich zum ersten und letzten Mal den Fehler, den Roman zum Film noch vor dem Filmstart zu lesen, was zu einem eindeutigen Überraschungs-Defizit im Kino führte. Trotzdem mochte ich auch diesen Film sehr. Den Song von Garbage und vor allem David Arnolds Untermalung der eröffnenden Themse-Bootsjagd hörte ich im Auto sehr gern, was nicht immer zu einem StVO-gemäßen Fahren animierte.
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| Zeitungsausschnitte und Kinokarten aus den Neunzigern, sowie eine Eintrittskarte der Bond-Ausstellung 1998 in Hildesheim |
DIE ANOTHER DAY war schließlich der erste Bondfilm, dessen Entstehung ich online mitverfolgte, vor allem im deutschen Bondforum. Die Zeiten, in denen man den ersten Trailer zufällig im Kino sah, Titel und Bösewicht zufällig in der Zeitung las und den Song zum ersten Mal zufällig im Radio hörte, waren damit vorbei. Nach den üblichen Gerüchten - "Beyond the Ice" als Titel, Robbie Williams als Bondnachfolger, Mel C als Song-Interpretin, Bonds Sohn als Bösewicht sowie dem obligatorisch und bedrohlich alle zwei Jahre auftauchende Konkurrenzbond "Warhead 2000 A.D." - formierte sich langsam die Story des großen Jubiläumsbonds. Erste Fotos des vollbärtigen Brosnan lösten wilde Spekulationen aus, ebenso Gerüchte um Folter und ein unsichtbares Auto.
Die Premiere erlebte ich erstmals auf dem Potsdamer Platz in Berlin mit, mit torartig aufgebauten Laser-Robotern made in Germany. Der Film an sich war dann allerdings ein eher seltsames Erlebnis. Allerdings gefiel er mir beim zweiten Mal schon etwas besser. Insgesamt wurde DIE ANOTHER DAY 2002 auch von vielen Kritikern wesentlich positiver wahrgenommen als später.
Wieder verschwand Bond in einem filmlosen schwarzen Loch, nur um abermals wie ein Phönix aus der Asche zu entsteigen. Diesmal mit einem wahr gewordenen Fantraum: Einer dem Original würdigen Verfilmung des ersten Bondromans Casino Royale! Doch wenn die Brosnan-Ära eins gelehrt hatte, dann die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Aber CASINO ROYALE erwies sich als Triumph, der auch mich restlos überzeugte. Mit QUANTUM OF SOLACE folgte ein Film, für den ich bis heute eine Art Hassliebe empfinde, und schließlich SKYFALL, dessen Entstehung und Premiere ich mit diesem Blog begleiten durfte.
Das waren die ersten zwanzig Jahre. Stay tuned to 2033! ;-)
Montag, 15. April 2013
'Solo' für James
Der Titel des neuen James-Bond-Romans, der in Großbritannien am 29. September erscheinen wird, wurde heute bekannt gebenen: SOLO. Die Handlung spielt 1969. Bond, der hier 45 Jahre alt ist und als Veteran gilt, wird auf eine gewöhnliche Mission in Afrika geschickt, die auf schreckliche Weise schief läuft. Weite Teile des Romans spielen laut Boyd in Afrika. Bond geht nach dem Vorfall auf eine Mission in eigener Sache und ohne offizielle Autorisierung, die ihn in die USA führt.
Neben Mr. Solo, der in GOLDFINGER in einer Schrottpresse endet, hat das Wort noch einen anderen indirekten Bondbezug, nämlich den von Ian Fleming mit kreierten Serienagenten Napoleon Solo. Hier ein Interview mit William Boyd.
Neben Mr. Solo, der in GOLDFINGER in einer Schrottpresse endet, hat das Wort noch einen anderen indirekten Bondbezug, nämlich den von Ian Fleming mit kreierten Serienagenten Napoleon Solo. Hier ein Interview mit William Boyd.
Samstag, 13. April 2013
Bond wird 60!
Heute vor 60 Jahren, am 13. April 1953, erschien Ian Flemings erster Roman Casino Royale bei Verleger Jonathan Cape in Großbritannien. Die Idee dafür hatte Fleming jedoch bereits fast zehn Jahre zuvor. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, während dem Fleming als Assistent des Marine-Geheimdienstchefs John Godfrey tätig war, unterhielt er sich mit einem Freund über Pläne für die Nachkriegszeit. Fleming erklärte, er wolle die ultimative Spionagegeschichte schreiben - 'I am going to write the spy story to end all spy stories'. Warum dauerte es so lange, bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzte?
Vielleicht war erst mit der beginnenden Aufrüstung der beiden Supermächte des Kalten Krieges und der Koreakrise der ideale Hintergrund für diese Spionagegeschichte da. Vielleicht hatte Fleming aber auch Selbstzweifel. Sein älterer Bruder Peter war bereits als Reiseschriftsteller weltbekannt und von Kritikern gelobt, zudem hatte Fleming selbst hohe Ansprüche und verehrte Thomas Mann und William Somerset Maugham. Die Melancholie und innere Anspannung vor seiner bevorstehenden Hochzeit gab schließlich jedoch den Anlass, und Fleming schrieb seine ultimative Spionagegeschichte innerhalb von nur zwei Monaten in seinem Winterhaus Goldeneye auf Jamaika. Obwohl Fleming damit eine der erfolgreichsten Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts schuf, war der Erfolg anfangs eher überschaubar. Die intellektuellen Kreise um seine Frau, Lady Rothermere, rümpften eher die Nase über das Buch, weshalb sie auch eine Widmung ablehnte. Das änderte sich auch nicht, als sich der große Erfolg einstellte, sogar Präsident Kennedy einen Bondroman als Lieblingsbuch angab und die Romane verfilmt wurden.
Nach dem riesigen Erfolg des Films GOLDFINGER, den Fleming nicht mehr miterlebte, überschattete der Filmbond schnell den literarischen. Das hat eine gewisse Ironie: Seine Schöpfung hat Fleming nicht nur gesundheitlich ruiniert, indem er ihr nacheiferte, sondern schließlich auch bei weitem überragt. Vor allem in Deutschland fristen die Originalromane eher ein Schattendasein, was sicher der armseligen Vermarktung der Bücher über Jahre hinweg geschuldet ist. Während das fünfzigjährige Jubiläum des Filmbonds im letzten Jahr zahlreiche Artikel und Buchneuerscheinungen hervorbrachte, findet das sechzigjährige Bestehen des Originals in deutschsprachigen Zeitungen oder Buchhandlungen überhaupt nicht statt, und das, obwohl optisch sehr ansprechende und originalgetreu übertragene Neuausgaben vorliegen.
Wie ging es mit dem Buchbond weiter? Nach Flemings letztem Roman The Man With The Golden Gun beauftragte Glidrose Productions den südafrikanischen Autoren Geoffrey Jenkins mit dem Roman Per Fine Ounce, der fertiggestellt, jedoch nie veröffentlicht wurde. 1968 veröffentlichte Kingsley Amis dann unter dem Pseudonym Robert Markham den James-Bond-Roman Colonel Sun. Dann wurde es für fast ein Jahrzehnt ruhig um ihn, bis Drehbuchautor Christopher Wood daran ging, aus seiner Vorlage für THE SPY WHO LOVED ME einen Roman zum Film zu schreiben. Wood beschrieb darin allerdings nicht den ironischen dunkelblonden Roger-Moore-Bond, sondern den flemingschen, mit Narbe im Gesicht und kommaförmiger Haarsträhne in der Stirn. Der literarische Urbond in der überlebensgroßen Welt der Endsiebziger-Filme war eine reizvolle Kombination, auch wenn Bond hier bereits fast 60 sein müsste. (Dementsprechend schreibt Wood auch: "Wenn er nicht lächelte, sah er alt und grausam aus, die Augen waren hart wie Stein.") Wood lieferte auch noch eine Novelisierung des Nachfolgers MOONRAKER ab, die im Gegensatz zum Film auch etwas härter und weniger cartoonhaft wirkt.
Nach den Wood-Büchern kam man auch bei Ian Fleming Publications auf die Idee, den literarischen Bond in die Gegenwart zu holen und beauftragte den Amerikaner John Gardner, der bereits eine eigene Serie um den Spion Boysie Oakes etabliert und Romane um den Sherlock-Holmes-Gegenspieler Moriarty verfasst hatte. Alterstechnisch wurde das dann allerdings langsam unglaubwürdig, und auch einige andere Neuerungen Gardners sind eher fragwürdig. Gardner verfasste 13 Bondromane inklusive Novelisierungen der Filme LICENCE TO KILL und GOLDENEYE (mit ebenfalls eher fragwürdiger Glaubwürdigkeit; in Licence To Kill wird Leiter beispielsweise zum zweiten Mal von einem Hai verstümmelt). Von 1996 bis 2002 versuchte sich der US-Autor Raymond Benson an Bond, mit acht Romanen und drei Kurzgeschichten. Neben einer eigenen Reihe um Bond als Teenager von Charlie Higgson erschien 2008 mit Devil May Care ein weiterer Roman mit dem Flemigschen Urbond von Sebastian Faulks, der Ende der 1960er Jahre angesiedelt ist.
Im Oktober dieses Jahres folgt schließlich ein neuer Roman, der Flemings Bond Ende der Sechziger Jahre weiterführt, geschrieben vom schottischen Schriftsteller und Drehbuchautoren William Boyd. Der Titel des Romans wird am kommenden Montag bekanntgegeben. (siehe The Book Bond) Auch in den Büchern hat sich Bond als unsterblich erwiesen...
Sixty years of James Bond's Casino Royale - in pictures
The birth of James Bond
Vielleicht war erst mit der beginnenden Aufrüstung der beiden Supermächte des Kalten Krieges und der Koreakrise der ideale Hintergrund für diese Spionagegeschichte da. Vielleicht hatte Fleming aber auch Selbstzweifel. Sein älterer Bruder Peter war bereits als Reiseschriftsteller weltbekannt und von Kritikern gelobt, zudem hatte Fleming selbst hohe Ansprüche und verehrte Thomas Mann und William Somerset Maugham. Die Melancholie und innere Anspannung vor seiner bevorstehenden Hochzeit gab schließlich jedoch den Anlass, und Fleming schrieb seine ultimative Spionagegeschichte innerhalb von nur zwei Monaten in seinem Winterhaus Goldeneye auf Jamaika. Obwohl Fleming damit eine der erfolgreichsten Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts schuf, war der Erfolg anfangs eher überschaubar. Die intellektuellen Kreise um seine Frau, Lady Rothermere, rümpften eher die Nase über das Buch, weshalb sie auch eine Widmung ablehnte. Das änderte sich auch nicht, als sich der große Erfolg einstellte, sogar Präsident Kennedy einen Bondroman als Lieblingsbuch angab und die Romane verfilmt wurden.
Nach dem riesigen Erfolg des Films GOLDFINGER, den Fleming nicht mehr miterlebte, überschattete der Filmbond schnell den literarischen. Das hat eine gewisse Ironie: Seine Schöpfung hat Fleming nicht nur gesundheitlich ruiniert, indem er ihr nacheiferte, sondern schließlich auch bei weitem überragt. Vor allem in Deutschland fristen die Originalromane eher ein Schattendasein, was sicher der armseligen Vermarktung der Bücher über Jahre hinweg geschuldet ist. Während das fünfzigjährige Jubiläum des Filmbonds im letzten Jahr zahlreiche Artikel und Buchneuerscheinungen hervorbrachte, findet das sechzigjährige Bestehen des Originals in deutschsprachigen Zeitungen oder Buchhandlungen überhaupt nicht statt, und das, obwohl optisch sehr ansprechende und originalgetreu übertragene Neuausgaben vorliegen.
Wie ging es mit dem Buchbond weiter? Nach Flemings letztem Roman The Man With The Golden Gun beauftragte Glidrose Productions den südafrikanischen Autoren Geoffrey Jenkins mit dem Roman Per Fine Ounce, der fertiggestellt, jedoch nie veröffentlicht wurde. 1968 veröffentlichte Kingsley Amis dann unter dem Pseudonym Robert Markham den James-Bond-Roman Colonel Sun. Dann wurde es für fast ein Jahrzehnt ruhig um ihn, bis Drehbuchautor Christopher Wood daran ging, aus seiner Vorlage für THE SPY WHO LOVED ME einen Roman zum Film zu schreiben. Wood beschrieb darin allerdings nicht den ironischen dunkelblonden Roger-Moore-Bond, sondern den flemingschen, mit Narbe im Gesicht und kommaförmiger Haarsträhne in der Stirn. Der literarische Urbond in der überlebensgroßen Welt der Endsiebziger-Filme war eine reizvolle Kombination, auch wenn Bond hier bereits fast 60 sein müsste. (Dementsprechend schreibt Wood auch: "Wenn er nicht lächelte, sah er alt und grausam aus, die Augen waren hart wie Stein.") Wood lieferte auch noch eine Novelisierung des Nachfolgers MOONRAKER ab, die im Gegensatz zum Film auch etwas härter und weniger cartoonhaft wirkt.
Nach den Wood-Büchern kam man auch bei Ian Fleming Publications auf die Idee, den literarischen Bond in die Gegenwart zu holen und beauftragte den Amerikaner John Gardner, der bereits eine eigene Serie um den Spion Boysie Oakes etabliert und Romane um den Sherlock-Holmes-Gegenspieler Moriarty verfasst hatte. Alterstechnisch wurde das dann allerdings langsam unglaubwürdig, und auch einige andere Neuerungen Gardners sind eher fragwürdig. Gardner verfasste 13 Bondromane inklusive Novelisierungen der Filme LICENCE TO KILL und GOLDENEYE (mit ebenfalls eher fragwürdiger Glaubwürdigkeit; in Licence To Kill wird Leiter beispielsweise zum zweiten Mal von einem Hai verstümmelt). Von 1996 bis 2002 versuchte sich der US-Autor Raymond Benson an Bond, mit acht Romanen und drei Kurzgeschichten. Neben einer eigenen Reihe um Bond als Teenager von Charlie Higgson erschien 2008 mit Devil May Care ein weiterer Roman mit dem Flemigschen Urbond von Sebastian Faulks, der Ende der 1960er Jahre angesiedelt ist.
Im Oktober dieses Jahres folgt schließlich ein neuer Roman, der Flemings Bond Ende der Sechziger Jahre weiterführt, geschrieben vom schottischen Schriftsteller und Drehbuchautoren William Boyd. Der Titel des Romans wird am kommenden Montag bekanntgegeben. (siehe The Book Bond) Auch in den Büchern hat sich Bond als unsterblich erwiesen...
Sixty years of James Bond's Casino Royale - in pictures
The birth of James Bond
Donnerstag, 11. April 2013
Bond-Fantreffen 2013
Im Zuge der Ausstellung „James Bond – 50 Jahre goldene Legenden“ findet am 29. Juni 2013 in Pforzheim ein Bond-Fantreffen statt, an dem Bondfans aus verschiedenen Foren und Internetgruppen teilnehmen werden. Treffpunkt ist 13 Uhr an den Schmuckwelten in Pforzheim mit anschließendem Besuch der Ausstellung. Eingeladen sind alle, die Freude am Bonduniversum haben.
Nach dem Besuch der Ausstellung gibt es einen älteren James-Bond-Film in einem Kino in Stuttgart zu sehen. Nähere Informationen dazu im größten, deutschsprachigen James-Bond-Forum.
Nach dem Besuch der Ausstellung gibt es einen älteren James-Bond-Film in einem Kino in Stuttgart zu sehen. Nähere Informationen dazu im größten, deutschsprachigen James-Bond-Forum.
Sonntag, 7. April 2013
Everything or Nothing:
The Untold Story of 007
Im Oktober 2012 erschien unter dem Titel EVERYTHING OR NOTHING: THE UNTOLD STORY OF 007 eine Dokumentation über die fast 60jährige Geschichte des britischen Spions, die seit Ende Januar auch als DVD erhältlich ist. Die DVD bietet die bisher umfangreichste Behandlung des Themas und reicht von Bonds literarischen Ursprüngen bis in die Gegenwart zu SKYFALL.
Regisseur Stevan Riley verknüpft auf gelungene Weise Musik und Szenen aus Bondfilmen mit den teils dramatischen Geschehnissen hinter den Kulissen der Kinoreihe, wodurch die 98 Minuten sehr kurzweilig und flüssig wirken. Damit erzählt die Dokumentation neben der Entstehung eines popkulturellen Mythos, der seinen Schöpfern nicht nur Erfolg und Glück gebracht hat, auch die persönlichen Hochs und Tiefs der Macher und Schauspieler. Angefangen bei Fleming, der zutiefst enttäuscht über die TV-Verfilmung von Casino Royale war und zunehmend unter körperlicher und geistiger Erschöpfung litt, über die Geschichte der Freundschaft und den Familien hinter den Produzenten Albert 'Cubby' Broccoli und Harry Saltzman bis hin zu den Darstellern und den rechtlichen Gefechten um das Franchise. Allein die Geschichte hinter George Lazenby, der falsch beraten war und den Bondjob aufgab, oder Pierce Brosnan, der erst die Bondzusage hatte, dann wieder im letzten Moment wieder an Dalton abgeben musste und schließlich den 'final call' erhielt, geben der Geschichte eine filmische Dramatik und Spannung.
Dabei geht der von EON autorisierte Film mit der eigenen Geschichte erstaunlich selbstreflexiv um und thematisiert auch Schattenseiten. Beispielsweise der jahrelange Rechtsstreit mit Kevin McClory oder die kreative Sackgasse Anfang des neuen Jahrtausends. (Pierce Brosnan bekommt selbst fast einen Lachanfall, als er über das unsichtbare Auto und die Surfszene in DIE ANOTHER DAY spricht, was ihn sympathisch macht.) Der Titel bezieht sich auf die bis dato offiziell dementierte Abkürzung hinter der Produktionsfirma EON und diente bereits 2003 für ein Bondspiel mit Brosnan.
Neben den Darstellern, Regisseuren und Drehbuchautoren sowie deren Nachfahren kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, darunter Flemings Stiefcousin Christopher Lee oder Bill Clinton. Für Fans und Filminteressierte ist die DVD auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Leider ist sie nur englischsprachiger Export ohne Untertitel erhältlich - eine deutsche Bearbeitung oder TV-Ausstrahlung ist bisher nicht in Sicht.
Im Oktober 2012 erschien unter dem Titel EVERYTHING OR NOTHING: THE UNTOLD STORY OF 007 eine Dokumentation über die fast 60jährige Geschichte des britischen Spions, die seit Ende Januar auch als DVD erhältlich ist. Die DVD bietet die bisher umfangreichste Behandlung des Themas und reicht von Bonds literarischen Ursprüngen bis in die Gegenwart zu SKYFALL.Regisseur Stevan Riley verknüpft auf gelungene Weise Musik und Szenen aus Bondfilmen mit den teils dramatischen Geschehnissen hinter den Kulissen der Kinoreihe, wodurch die 98 Minuten sehr kurzweilig und flüssig wirken. Damit erzählt die Dokumentation neben der Entstehung eines popkulturellen Mythos, der seinen Schöpfern nicht nur Erfolg und Glück gebracht hat, auch die persönlichen Hochs und Tiefs der Macher und Schauspieler. Angefangen bei Fleming, der zutiefst enttäuscht über die TV-Verfilmung von Casino Royale war und zunehmend unter körperlicher und geistiger Erschöpfung litt, über die Geschichte der Freundschaft und den Familien hinter den Produzenten Albert 'Cubby' Broccoli und Harry Saltzman bis hin zu den Darstellern und den rechtlichen Gefechten um das Franchise. Allein die Geschichte hinter George Lazenby, der falsch beraten war und den Bondjob aufgab, oder Pierce Brosnan, der erst die Bondzusage hatte, dann wieder im letzten Moment wieder an Dalton abgeben musste und schließlich den 'final call' erhielt, geben der Geschichte eine filmische Dramatik und Spannung.
Dabei geht der von EON autorisierte Film mit der eigenen Geschichte erstaunlich selbstreflexiv um und thematisiert auch Schattenseiten. Beispielsweise der jahrelange Rechtsstreit mit Kevin McClory oder die kreative Sackgasse Anfang des neuen Jahrtausends. (Pierce Brosnan bekommt selbst fast einen Lachanfall, als er über das unsichtbare Auto und die Surfszene in DIE ANOTHER DAY spricht, was ihn sympathisch macht.) Der Titel bezieht sich auf die bis dato offiziell dementierte Abkürzung hinter der Produktionsfirma EON und diente bereits 2003 für ein Bondspiel mit Brosnan.
Neben den Darstellern, Regisseuren und Drehbuchautoren sowie deren Nachfahren kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort, darunter Flemings Stiefcousin Christopher Lee oder Bill Clinton. Für Fans und Filminteressierte ist die DVD auf jeden Fall sehr empfehlenswert! Leider ist sie nur englischsprachiger Export ohne Untertitel erhältlich - eine deutsche Bearbeitung oder TV-Ausstrahlung ist bisher nicht in Sicht.
- Darsteller: Daniel Craig, Pierce Brosnan, Roger Moore, Timothy Dalton, Judi Dench
- Regie: Stevan Riley
- Format: PAL
- Sprache: Englisch
- Untertitel: Keine
- Synchronfassungen: Keine
- Untertitel für Gehörlose: Keine
- Laufzeit: 93 Minuten
Samstag, 6. April 2013
Bondausstellung in Pforzheim
Vom morgigen Sonntag bis zum 7. September ist in den Schmuckwelten in Pforzheim die Sonderausstellung "James Bond - 50 Jahre goldene Legenden" zu sehen. Ausgestellt sind über 100 Originalrequisiten, Produktionsartikel, Drehbücher und einige sehr wertvolle persönliche Dinge der Schauspieler aus der Sammlung von Chris Distin.
(Artikel zur Ausstellung)
(Artikel zur Ausstellung)
Dienstag, 2. April 2013
Die Dramaturgie der Bondfilme: Der Auslöser
Jede Geschichte beginnt mit einem Ereignis, das die Welt des Protagonisten aus dem Gleichgewicht bringt und eine Frage aufwirft, die im Finale des Films beantwortet wird. Bei JAWS ist es beispielsweise der grausame Tod einer jungen Frau durch einen weißen Hai, der einen kleinen Badeort in Panik versetzt und die Frage aufwirft, ob dieser Hai zur Strecke gebracht werden kann. Dieser Auslöser, oder big hook, soll den Zuschauer dazu bringen, sozusagen anzubeißen und bis zum Ende dran zu bleiben. Bei den Bondfilmen kann man im Prinzip drei Arten von auslösendem Ereignis unterscheiden.Sonntag, 31. März 2013
Kinofilm mit Q?
Über google bin ich auf eine interessante Meldung gestoßen: MGM launches James Bond spin-off. Der Artikel liest sich äußerst interessant und dreht sich um einen geplanten MGM-Film, ähnlich dem nach DIE ANOTHER DAY geplanten und wieder aufgegeben Jinx-Film. Die Filme sollen sich um die Erlebnisse des originalen Q während des 2. Weltkriegs sowie in den 1950er Jahren drehen.Montag, 25. März 2013
Leben und sterben lassen
Die neu übersetzten Fleming-Romane aus dem Cross-Cult-Verlag sind vergleichbar mit Blurays oder Directors-Cut-Versionen der Filme. Man kennt die Geschichten im Prinzip, entdeckt aber plötzlich neue Details und Nuancen, oder auch ganze Sequenzen, die sie in einem anderen Licht erscheinen lassen. Bei Leben und sterben lassen tritt dieser Effekt besonders hervor, da sowohl im Umfang als auch bei einzelnen Beschreibungen vieles bei den entsprechenden Ausgaben des Scherz-Verlags gekürzt wurde.Empire Awards, Sexismus und Todesfälle
Gute und schlechte Nachrichten aus der Bondwelt: Bei den diesjährigen Empire Awards gewann SKYFALL insgesamt drei Preise: Best Director (Sam Mendes), Best Film sowie den Empire Inspiration Award für Sam Mendes. Der britische Regisseur nutzte seine Dankesrede, um Regisseure zu nennen, die für ihn eine Inspiration waren, darunter Paul Thomas Anderson, Martin Scorsese, Ingmar Bergman oder François Truffaut.
Dame Helen Mirren, die als Empire Legend ausgezeichnet wurde, beklagte in ihrer Rede wiederum, dass unter den von Mendes genannten Regisseuren keine Frau war: “I just hope, I pray, I know, that in five or ten years’ time, when the next Sam gets up and makes his or hopefully her speech, there will be two or three or four women's names there.” (siehe telegraph.co.uk)
Die schlechten Neuigkeiten betreffen zwei Bondveteranen, die hinter der Kamera an der Reihe mitwirkten und letzte Woche verstarben: Der amerikanische Künstler Mitchell Hooks schuf die UK- und US-Plakate für DR. NO.
Der weltbekannte Trompeter Derek Watkins wirkte über 50 Jahre hinweg an den Musiken von allen Bondfilmen mit, von DR. NO bis SKYFALL!
(siehe auch hier und hier)
Dame Helen Mirren, die als Empire Legend ausgezeichnet wurde, beklagte in ihrer Rede wiederum, dass unter den von Mendes genannten Regisseuren keine Frau war: “I just hope, I pray, I know, that in five or ten years’ time, when the next Sam gets up and makes his or hopefully her speech, there will be two or three or four women's names there.” (siehe telegraph.co.uk)
Die schlechten Neuigkeiten betreffen zwei Bondveteranen, die hinter der Kamera an der Reihe mitwirkten und letzte Woche verstarben: Der amerikanische Künstler Mitchell Hooks schuf die UK- und US-Plakate für DR. NO.
Der weltbekannte Trompeter Derek Watkins wirkte über 50 Jahre hinweg an den Musiken von allen Bondfilmen mit, von DR. NO bis SKYFALL!
(siehe auch hier und hier)
Samstag, 16. März 2013
Böse Wichte
Beim schreiben von Blogbeiträgen fällt mir oft auf, dass ich für die Bösen nach passenden Begriffen suche. Bösewicht klingt durch das Wort Wicht schon etwas verniedlichend, oder zumindest verkleinernd. Überhaupt 'Böse'... Assoziert man wohl eher mit unartigen Kindern. Es klingt zumindest nicht so schön evil wie 'Evil'. Die Synonyme sind allesamt nicht viel besser: Gauner, Halunke, Schuft, Schurke, Strolch, Übeltäter. Am ehesten käme vielleicht noch Schurke in Frage, wobei das auch eher alte Mantel-und-Degen-Filme in Erinnerung ruft. "Nimm das, Schurke!" Am passendsten finde ich noch Gegner oder Gegenspieler. Allerdings auch eine Spur zu harmlos. Ersteres könnte auch eine Fußballmannschaft sein, letzteres enthält das Wort spielen, was die Beschäftigungen von Blofeld und Co. auch nicht unbedingt trifft. Feind ist eine Spur zu persönlich, Verbrecher zu allgemein und wertend, Antagonist etwas zu fachlich, außerdem altgriechisch. Ist es Zufall, dass es im Deutschen fast nur verniedlichende Begriffe für schlechte Menschen gibt?
Im Englischen ist die Sache wesentlich einfacher. Das bereits erwähnte evil klingt nicht verniedlichend, wenn man nicht gerade an Austin Powers denkt. Und dann gibt es auch noch so schön schlichte Wörter wie bad guy, enemy, arch-enemy, foe oder sogar nemesis. Oder das einfache villain, bei dem jeder weiß, was gemeint ist, ohne die unterbewußte Assoziation von Wichtelmännern oder trotzigen oder spielenden Kindern hervorzurufen. Letzteres leitet sich interessanterweise vom spätlateinischen villanus her, was von Villa = Landhaus kommt und einen Leibeigenen oder Knecht bezeichnet, oder einen allgemein in wirtschaftlicher oder allgemeiner Unfreiheit lebenden Menschen. Das Böse als Unfreiheit... das ist aus philosophischer Sicht durchaus interessant. Zumal zu den beliebtesten Villains der Filmgeschichte vor allem diejenigen gehören, die es schafften, ihre Gegner in ihrer moralischen Gebundenheit als unfrei darzustellen, wie Hannibal Lecter oder der Joker in THE DARK KNIGHT.
Im Englischen ist die Sache wesentlich einfacher. Das bereits erwähnte evil klingt nicht verniedlichend, wenn man nicht gerade an Austin Powers denkt. Und dann gibt es auch noch so schön schlichte Wörter wie bad guy, enemy, arch-enemy, foe oder sogar nemesis. Oder das einfache villain, bei dem jeder weiß, was gemeint ist, ohne die unterbewußte Assoziation von Wichtelmännern oder trotzigen oder spielenden Kindern hervorzurufen. Letzteres leitet sich interessanterweise vom spätlateinischen villanus her, was von Villa = Landhaus kommt und einen Leibeigenen oder Knecht bezeichnet, oder einen allgemein in wirtschaftlicher oder allgemeiner Unfreiheit lebenden Menschen. Das Böse als Unfreiheit... das ist aus philosophischer Sicht durchaus interessant. Zumal zu den beliebtesten Villains der Filmgeschichte vor allem diejenigen gehören, die es schafften, ihre Gegner in ihrer moralischen Gebundenheit als unfrei darzustellen, wie Hannibal Lecter oder der Joker in THE DARK KNIGHT.
Montag, 11. März 2013
Bondfilme als 'Kino der Attraktionen'
Der Filmwissenschaftler Tom Gunning veröffentlichte 1986 ein berühmt gewordenes Essay, The Cinema of Attractions. Early Films, Its Spectator and the Avant-Garde, in dem er sich mit dem frühen Kino bis ca. 1907 beschäftigte. Bis dahin betrachtete man die ersten Filme unter dem Aspekt des späteren narrativen Kinos (lateinisch von narrare - erzählen) eher als primitive Vorform. Gunning stellt dem gegenüber das Konzept eines Kinos der Attraktion, das auf eigenständige Weise funktionierte.
Mittwoch, 6. März 2013
Sam Mendes kehrt nicht für Bond 24 zurück
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| Mendes bei der SKYFALL-Premiere in Berlin |
Allerdings schließt Mendes eine zukünftige Zusammenarbeit nicht aus: "Ich fühle mich sehr geehrt, Teil der Bondfamilie gewesen zu sein, und hoffe sehr, irgendwann noch einmal mit ihnen zusammen arbeiten zu dürfen." Sam Mendes ist damit der sechste Regisseur in Folge, der das Regie-Angebot für den unmittelbar nächsten Bond ablehnt. Nur Martin Campbell kehrte elf Jahre nach GOLDENEYE noch einmal in den Regiestuhl zurück. Damit ist die Suche nach einem Regisseur für Bond 24, der offenbar sehr zeitnah realisiert werden soll, offen.
SKYFALL ist übrigens für sechs EMPIRE Awards nominiert.
Dienstag, 5. März 2013
"You Only Live Twice" Cover
Nach einer Illustration für die Kurzgeschichtensammlung Octopussy möchte ich hier eine weitere vorstellen, für Flemings elften Bondroman You Only Live Twice. Es ist ebenfalls ein Aquarell mit Verwendung der Verlauf- und Nass-in-Nass-Technik.


Rechts das unbearbeitete Original.
Montag, 25. Februar 2013
Ein Jahrhundertschauspieler
Vor hundert Jahren kam Karl Gerhart "Gert" Fröbe in der Nähe von Zwickau zur Welt. Mit seiner Darstellung des Millionärs und Goldschmugglers Auric Goldfinger im gleichnamigen Film von 1964 erlangte der schwergewichtige Sachse internationale Berühmtheit. Goldfinger gilt bis heute als der Bondschurke schlechthin. Dabei lehnte Fröbe die Rolle des überdimensionalen Gangsters ursprünglich ab, wie er in seiner Autobiographie schrieb.Zuerst war Orson Welles für den Titelpart vorgesehen, der jedoch eine zu hohe Gage forderte. (Allerdings spielte Welles später Le Chiffre in der Bondpersiflage CASINO ROYALE von 1967) Albert "Cubby" Broccoli erinnerte sich daraufhin an Fröbe, den er Jahre zuvor in ES GESCHAH AM HELLICHTEN TAG als Kindermörder Schrott sah. Doch auf Fröbe wirkte das Rollenangebot wenig attraktiv. Die Produzenten führten ihm daraufhin in London die ersten beiden Bondfilme vor, die Fröbe wegen ihrer Mord- und Folterszenen entsetzten.
Überzeugt wurde er schließlich durch seine Frau Beate: "Begreifst du denn nicht, dass kein Mensch diese Stories ernst nimmt? Das sind Märchen für Erwachsene." Als man sich nicht über die Gage einigen kann, meint Fröbe, dass man ihm doch einfach mit 5 Prozent am Film beteiligen solle, was bei Broccoli und Saltzman Gelächter auslöste. Zu den Dreharbeiten schrieb er in seiner Biographie "Auf ein Neues, sagte er..." (ein Zitat aus dem Film BERLINER BALLADE, in dem Fröbe den berühmt gewordenen Otto Normalverbraucher verkörpert): "Nicht nur der Regisseur Guy Hamilton, alle - von den Kollegen über das Kamerateam bis zu den Arbeitern - gaben einander das Gefühl gegenseitiger Hilfsbereitschaft."
Gert Fröbe sollte seine Meinungsänderung nicht bereuen. Der Daily Express bezeichnete ihn als "Jedermanns Lieblingsschurke", der Daily Mirror schrieb: "Er ist der einzige Deutsche, der in der Lage ist, England zu erobern." Er selbst schreibt dazu: "Ich habe versucht, in einer unglaubwürdigen Handlung, die in einer nicht realen Welt spielt, einen Menschen zu zeichnen, der sehr viele negative Eigenschaften hat, von denen aber jeder jede einzelne bei irgend jemandem, vielleicht sogar bei sich selbst, schon einmal entdeckt hat."
Später spielte der sympathische Charakterdarsteller auch in der Verfilmung von Ian Flemings Kinderbuch CHITTY CHITTY BANG BANG mit. Darüber hinaus war er ein begnadeter Rezitator und interpretierte auf Tourneen unter anderem Morgenstern, Ringelnatz und Kästner in seiner einmaligen Art. Mit "Jedermanns Lieblingsschurke" und "Gert Fröbe - Vom Stehgeiger zum Goldfinger" gibt es zwei neue Bücher über Gert Fröbe. Mitte dieses Jahres erscheint außerdem eine umfangreiche Biographie mit dem Titel "Fröbe" von Markus Grieb und Stefan Lüsse.
Sonntag, 24. Februar 2013
Zwei Oscars für SKYFALL
Bei der diesjährigen Oscarverleihung gewann SKYFALL in zwei von fünf Kategorien, für die er nominiert war: Bester Titelsong (Adele Adkins und Paul Epworth) sowie Bester Tonschnitt (Per Hallgerg und Karen Baker Landers). Letztere Kategorie teilt sich SKYFALL mit ZERO DARK THIRTY. Es ist damit der erste James-Bond-Film mit zwei Oscars (GOLDFINGER und THUNDERBALL erhielten jeweils einen) sowie der erste Oscar für einen Bond-Titelsong.
Zudem gab es wie erwartet einen Zusammenschnitt von Szenen aus fünfzig Jahren James Bond, angekündigt von Halle Berry. Dame Shirley Bassey performte live "Goldfinger", Adele "Skyfall". In der Kategorie "In Memoriam" wurden zudem Lyric-Autor Hal David und Komponist Marvin Hamlisch (THE SPY WHO LOVED ME) gewürdigt.
Den zweiten Oscar gab es für Christoph Waltz. Quentin Tarantino erhielt den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Ansonsten bewegte sich die Verleihung größtenteils im erwarteten Rahmen. Gewinner des Abends war LIFE OF PI mit vier Statuen, der große Verlierer BEASTS OF THE SOUTHERN WILD, aber auch LINCOLN der nur zwei Oscars bei insgesamt 12 Nominierungen erhielt.
Zudem gab es wie erwartet einen Zusammenschnitt von Szenen aus fünfzig Jahren James Bond, angekündigt von Halle Berry. Dame Shirley Bassey performte live "Goldfinger", Adele "Skyfall". In der Kategorie "In Memoriam" wurden zudem Lyric-Autor Hal David und Komponist Marvin Hamlisch (THE SPY WHO LOVED ME) gewürdigt.
Den zweiten Oscar gab es für Christoph Waltz. Quentin Tarantino erhielt den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Ansonsten bewegte sich die Verleihung größtenteils im erwarteten Rahmen. Gewinner des Abends war LIFE OF PI mit vier Statuen, der große Verlierer BEASTS OF THE SOUTHERN WILD, aber auch LINCOLN der nur zwei Oscars bei insgesamt 12 Nominierungen erhielt.
Donnerstag, 21. Februar 2013
"Macht(t)räume"
Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme
Mit der Neuausrichtung seit CASINO ROYALE gewann das Bond-Franchise nicht nur finanziellen Erfolg, sondern auch eine gewisse künstlerische Anerkennung, die früher verwehrt blieb. So erhielt SKYFALL mehr Oscar-Nominierungen als jeder andere Bondfilm bis dato. (Wie viele Oscars der Film davon wirklich erhält, wird sich am Sonntag zeigen) Bond wird quasi ernstgenommen, seit er sich selbst ernstnimmt. Die Wahrnehmung der früheren Bondfilme unter künstlerischen Aspekten findet dagegen immer noch eher marginal statt, obwohl sie es nicht minder verdienen. Das Buch Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch liefert mit einer detailierten Analyse und architektonischen Einordnung des Produktionsdesigns in Bondfilmen von Sir Ken Adam einen wichtigen Beitrag in dieser ernsthaften wissenschaftlich-künstlerischen Wahrnehmung der früheren Bondfilme.
Interessant dabei ist, dass Ken Adam selbst bei der wissenschaftlichen Betrachtung seiner Leistungen für die James-Bond-Filme eher skeptisch wirkt, wie die Interviews am Ende des Buches zeigen. "Aber sie reden immer von den Bonds", sagt er, "zur selben Zeit habe ich DR. STRANGELOVE gemacht". In einem anderen zitierten Interview über die Arbeit an Kubricks BARRY LYNDON, für den Adam einen Academy Award erhielt, sagt er: "I never received an Academy Award for the James Bond films where my contribution was far more important. James Bond is not regarded as art!" (Für THE SPY WHO LOVED ME war er immerhin nominiert)
Dabei waren Adams Ausstattungen für die Bondfilme ausnahmslos oscarwürdig, was nicht zuletzt ihr Einfluss auf Filmgeschichte und auch Architektur beweist. So ließ sich beispielsweise Star-Architekt Norman Forster für das Design der Londoner U-Bahnstation Canary Wharf von Adams Supertanker Liparus aus THE SPY WHO LOVED ME inspirieren. (Eine schöne Referenz wäre es gewesen, diese Station in SKYFALL einzubauen, wenn Bond schon mal in der Tube ist...)
Die verspielt-geniale Filmarchitektur von Ken Adam ist auch für mich persönlich ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesamtfaszination Bond, und trug dazu bei, dass ich überhaupt Fan wurde. Immerhin war YOU ONLY LIVE TWICE mein erster Bond im Fernsehen. Ein Buch, das sich ausschließlich und detailiert den Bond-Kulissen von Ken Adam widmet ist daher ein echter Fan-Traum!
Das Buch Macht(t)räume gliedert sich in acht Teile. Der erste behandelt die Entstehung und Entwicklung der Bondfilme und die Filmarchitektur Ken Adams. Im zweiten geht es um die literarischen Quellen, die Bondromane von Ian Fleming. Interessant fand ich hier, dass die Fleming-Romane zwar vieles nicht vorgaben, jedoch auch viele entscheidende Anregungen gaben, was das Design der Filme angeht. Immerhin liest man ja nicht selten, dass die Figur Bond erst durch filmische Zutaten zum Erfolg geworden sein soll.
Die nächsten Kapitel widmen sich der Filmarchitektur und ihren Einflüssen. Zum einen werden die fiktiven Macht- und Kontrollräume realen Architekturen aus der jüngeren Geschichte gegenübergestellt. Daraus ergeben sich bemerkenswerte Parallelen, die - da Adam im Interview eine bewusste Inspiration verneint - auf grundsätzliche architektonische und psychologische Prinzipien zurückzuführen sind. Im Vordergrund stehen dabei nationalsozialistische Architekturbeispiele, aber zum Teil auch Räume aus der bundesdeutschen oder britischen Geschichte.
Äußerst interessant ist schließlich der Teil, der Adams Bauten mit zeitgenössischer Innenarchitektur, vor allem des american style, vergleicht. Hier sind die auch mit zahlreiche Fotografien belegten Parallelen wirklich beeindruckend, und es zeigt sich, dass sich Adam durch gegenwärtige und zukunftsweisende Trends stärker beeinflussen ließ als durch vergangene, wie etwa dem Bauhaus.
Die Inneneinrichtungen der Bösewichte waren trotz ihrer Übertreibung Ausdruck des Zeitgeistes und jeweils aktueller Trends und Sehnsüchte. Ich denke, das ist eins der Erfolgsgeheimnisse des Bondfranchises - den Antagonisten eine gewisse Coolness und echte Überlegenheit zuzugestehen, was sich sehr stark in ihrem architektonischen Geschmack und Leistungen widerspiegelt. Insofern ist es nur konsequent, wenn Petra Kissling-Koch schreibt: "Die Untersuchung der Machträume lässt erkennen, dass die Extravaganz der Architektur das eigentliche Hindernis für James Bond ist, weniger die Erbauer selbst. Nicht Dr. No, Blofeld, Drax oder Stromberg sind die Gegner, die besiegt werden müssen. Es sind ihre erbauten Wunderwelten mit ihren technisch perfekten Systemen, von denen eine besondere Faszination ausgeht." Verständlich wird daran auch, dass Ken Adam selbst an den neueren Bondfilmen vor allem die Schurken kritisiert. (Nach seinem letzten Bondfilm MOONRAKER arbeitete er nur noch an dem Computerspiel GOLDENEYE: ROGUE AGENT mit)
Dem gegenüber steht Bond, der als dynamische Figur und Jetsetter über keine bemerkenswerten eigenen Räume verfügt, und sich meist in Hotelzimmern, Casinos oder den Räumen des MI6 aufhält. Erstmals mit SKYFALL hat man dieses Prinzip durchbrochen und auch Bond selbst eine eigene eindrucksvolle Architektur zugestanden, auch wenn diese letztendlich effektvoll zerstört wird.
Weitere Kapitel thematisieren schließlich den Stellenwert der Bondkulissen Adams in der Geschichte der Filmarchitektur, Adams Entwurf- und Zeichentechnik sowie das kulturelle Phänomen James Bond an sich. Obwohl es bereits einige Bücher über Sir Ken Adam gibt, ist Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch in seiner Detailfülle und Genauigkeit einmalig, und liefert Erkenntnisse, die über rein biographische und beschreibende Literatur hinausgehen. Lesenswert ist es nicht nur für Bondfans, sondern auch für Film- und Kunsthistoriker, angehende Szenenbildner und für allgemein Filminteressierte.
Über die Autorin: Petra Kissling-Koch, Dipl. Ing. M.A., geb. 1972, studierte Innenarchitektur, Kunstgeschichte, Italienische Philologie und Volkskunde in Wiesbaden, Mainz, Perugia und Bonn, promovierte 2010 mit einer Dissertation über Ken Adam und die James-Bond-Filme an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn; sie lebt und arbeitet in München. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich vor allem mit Kunst- und Kulturströmungen der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, insbesondere aus den Bereichen Film, Architektur, Design und Wohnen.
Petra Kissling-Koch
Macht(t)räume
Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme
Medien/Kultur 4
232 Seiten / 16 Seiten in Farbe
123 Fotos
Paperback, 14,8 x 21 cm
Artikelnummer 978-3-86505-396-1
Erschienen im Juli 2012
Mit der Neuausrichtung seit CASINO ROYALE gewann das Bond-Franchise nicht nur finanziellen Erfolg, sondern auch eine gewisse künstlerische Anerkennung, die früher verwehrt blieb. So erhielt SKYFALL mehr Oscar-Nominierungen als jeder andere Bondfilm bis dato. (Wie viele Oscars der Film davon wirklich erhält, wird sich am Sonntag zeigen) Bond wird quasi ernstgenommen, seit er sich selbst ernstnimmt. Die Wahrnehmung der früheren Bondfilme unter künstlerischen Aspekten findet dagegen immer noch eher marginal statt, obwohl sie es nicht minder verdienen. Das Buch Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch liefert mit einer detailierten Analyse und architektonischen Einordnung des Produktionsdesigns in Bondfilmen von Sir Ken Adam einen wichtigen Beitrag in dieser ernsthaften wissenschaftlich-künstlerischen Wahrnehmung der früheren Bondfilme.Interessant dabei ist, dass Ken Adam selbst bei der wissenschaftlichen Betrachtung seiner Leistungen für die James-Bond-Filme eher skeptisch wirkt, wie die Interviews am Ende des Buches zeigen. "Aber sie reden immer von den Bonds", sagt er, "zur selben Zeit habe ich DR. STRANGELOVE gemacht". In einem anderen zitierten Interview über die Arbeit an Kubricks BARRY LYNDON, für den Adam einen Academy Award erhielt, sagt er: "I never received an Academy Award for the James Bond films where my contribution was far more important. James Bond is not regarded as art!" (Für THE SPY WHO LOVED ME war er immerhin nominiert)
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| Station Canary Wharf (wikipedia) |
Dabei waren Adams Ausstattungen für die Bondfilme ausnahmslos oscarwürdig, was nicht zuletzt ihr Einfluss auf Filmgeschichte und auch Architektur beweist. So ließ sich beispielsweise Star-Architekt Norman Forster für das Design der Londoner U-Bahnstation Canary Wharf von Adams Supertanker Liparus aus THE SPY WHO LOVED ME inspirieren. (Eine schöne Referenz wäre es gewesen, diese Station in SKYFALL einzubauen, wenn Bond schon mal in der Tube ist...)
Die verspielt-geniale Filmarchitektur von Ken Adam ist auch für mich persönlich ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesamtfaszination Bond, und trug dazu bei, dass ich überhaupt Fan wurde. Immerhin war YOU ONLY LIVE TWICE mein erster Bond im Fernsehen. Ein Buch, das sich ausschließlich und detailiert den Bond-Kulissen von Ken Adam widmet ist daher ein echter Fan-Traum!
Das Buch Macht(t)räume gliedert sich in acht Teile. Der erste behandelt die Entstehung und Entwicklung der Bondfilme und die Filmarchitektur Ken Adams. Im zweiten geht es um die literarischen Quellen, die Bondromane von Ian Fleming. Interessant fand ich hier, dass die Fleming-Romane zwar vieles nicht vorgaben, jedoch auch viele entscheidende Anregungen gaben, was das Design der Filme angeht. Immerhin liest man ja nicht selten, dass die Figur Bond erst durch filmische Zutaten zum Erfolg geworden sein soll.
Die nächsten Kapitel widmen sich der Filmarchitektur und ihren Einflüssen. Zum einen werden die fiktiven Macht- und Kontrollräume realen Architekturen aus der jüngeren Geschichte gegenübergestellt. Daraus ergeben sich bemerkenswerte Parallelen, die - da Adam im Interview eine bewusste Inspiration verneint - auf grundsätzliche architektonische und psychologische Prinzipien zurückzuführen sind. Im Vordergrund stehen dabei nationalsozialistische Architekturbeispiele, aber zum Teil auch Räume aus der bundesdeutschen oder britischen Geschichte.
Äußerst interessant ist schließlich der Teil, der Adams Bauten mit zeitgenössischer Innenarchitektur, vor allem des american style, vergleicht. Hier sind die auch mit zahlreiche Fotografien belegten Parallelen wirklich beeindruckend, und es zeigt sich, dass sich Adam durch gegenwärtige und zukunftsweisende Trends stärker beeinflussen ließ als durch vergangene, wie etwa dem Bauhaus.
Die Inneneinrichtungen der Bösewichte waren trotz ihrer Übertreibung Ausdruck des Zeitgeistes und jeweils aktueller Trends und Sehnsüchte. Ich denke, das ist eins der Erfolgsgeheimnisse des Bondfranchises - den Antagonisten eine gewisse Coolness und echte Überlegenheit zuzugestehen, was sich sehr stark in ihrem architektonischen Geschmack und Leistungen widerspiegelt. Insofern ist es nur konsequent, wenn Petra Kissling-Koch schreibt: "Die Untersuchung der Machträume lässt erkennen, dass die Extravaganz der Architektur das eigentliche Hindernis für James Bond ist, weniger die Erbauer selbst. Nicht Dr. No, Blofeld, Drax oder Stromberg sind die Gegner, die besiegt werden müssen. Es sind ihre erbauten Wunderwelten mit ihren technisch perfekten Systemen, von denen eine besondere Faszination ausgeht." Verständlich wird daran auch, dass Ken Adam selbst an den neueren Bondfilmen vor allem die Schurken kritisiert. (Nach seinem letzten Bondfilm MOONRAKER arbeitete er nur noch an dem Computerspiel GOLDENEYE: ROGUE AGENT mit)Dem gegenüber steht Bond, der als dynamische Figur und Jetsetter über keine bemerkenswerten eigenen Räume verfügt, und sich meist in Hotelzimmern, Casinos oder den Räumen des MI6 aufhält. Erstmals mit SKYFALL hat man dieses Prinzip durchbrochen und auch Bond selbst eine eigene eindrucksvolle Architektur zugestanden, auch wenn diese letztendlich effektvoll zerstört wird.
Weitere Kapitel thematisieren schließlich den Stellenwert der Bondkulissen Adams in der Geschichte der Filmarchitektur, Adams Entwurf- und Zeichentechnik sowie das kulturelle Phänomen James Bond an sich. Obwohl es bereits einige Bücher über Sir Ken Adam gibt, ist Macht(t)räume von Petra Kissling-Koch in seiner Detailfülle und Genauigkeit einmalig, und liefert Erkenntnisse, die über rein biographische und beschreibende Literatur hinausgehen. Lesenswert ist es nicht nur für Bondfans, sondern auch für Film- und Kunsthistoriker, angehende Szenenbildner und für allgemein Filminteressierte.
Über die Autorin: Petra Kissling-Koch, Dipl. Ing. M.A., geb. 1972, studierte Innenarchitektur, Kunstgeschichte, Italienische Philologie und Volkskunde in Wiesbaden, Mainz, Perugia und Bonn, promovierte 2010 mit einer Dissertation über Ken Adam und die James-Bond-Filme an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn; sie lebt und arbeitet in München. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich vor allem mit Kunst- und Kulturströmungen der 50er, 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts, insbesondere aus den Bereichen Film, Architektur, Design und Wohnen.
Petra Kissling-Koch
Macht(t)räume
Der Production Designer Ken Adam und die James-Bond-Filme
Medien/Kultur 4
232 Seiten / 16 Seiten in Farbe
123 Fotos
Paperback, 14,8 x 21 cm
Artikelnummer 978-3-86505-396-1
Erschienen im Juli 2012
Montag, 18. Februar 2013
Glühwein in Cortina
Neben dem Hotel Miramonti, in dem Bond im Film FOR YOUR EYES ONLY absteigt, der Piazza Venezia, wo er Melina vor einer Motorradattacke bewahrt, und dem Trampolino Olimpico war ein weiterer Drehort in Cortina d'Ampezzo das Olympische Eisstadion. Hier wird im Film der Gegenspieler Aristotle Kristatos eingeführt. Der Mann mit dem philosophischen Namen erscheint zuerst als freundlicher Sponsor einer jungen Eiskunstläuferin.Einige Elemente des Films von 1981 stammen aus der Fleming-Kurzgeschichte Risico, vor allem die Figuren Kristatos und Columbo. Das erste Zusammentreffen zwischen Bond und Aristotle Kristatos - der durch eine Begegnung von Ian Fleming mit Aristoteles Onassis inspiriert ist - findet in der Kurzgeschichte in Rom statt, im Restaurant "Colomba d'Oro" nahe der Piazza di Spagna. Im Film ist das Treffen immerhin ebenfalls in Italien. Venedig, das in der Kurzgeschichte neben Rom ein Hauptschauplatz ist, wurde bereits für den Vorgängerfilm MOONRAKER benutzt, und konnte hier nicht verwendet werden. In der italienischen Hauptstadt war 007 allerdings bis heute noch nie in den Filmen. Kristatos unterscheidet sich als Figur ebenfalls stark von Flemings literarischer Intention, wo er ein massiger Mann mit buschigem Schnurrbart ist.
Das Eisstadion wurde wie die Skisprungschanze für die Winterolympiade 1956 erbaut. Erstmal war damals die Sowjetunion an olympischen Winterspielen beteiligt und übertrumpfte alle anderen Nationen im Medaillenspiegel. Im Film FOR YOUR EYES ONLY findet sich daran eine kleine Referenz in Form des stahlharten Biathleten und KGB-Agenten Erich Kriegler.
Das Stadion ist im Film noch unüberdacht, und man sieht im Hintergrund das imposante Dolomitenpanorama. Nach den Dreharbeiten Anfang der 1980er Jahre wurde das Stadion mit einem Überbau versehen, um es ganzjährlich nutzen zu können. Dort wo im Film Kristatos und einige andere Zuschauer an Tischen sitzen, befindet sich heute die gläserne Front des Stadions. Das Stadion bietet damit im Sommer eine willkommende Abkühlung, und man kann es Bibi Dahl gleichtun und dort ein paar Runden auf dem Eis drehen.
Der Abschied Bonds von Bibi und die anschließende Attacke einiger Eishockey-Spieler wurde ebenfalls in dem Stadion gedreht, auch wenn es durch die Dunkelheit wie eine Innenaufnahme wirkt. Bond parkt seinen Lotus Esprit an der rechten Seite des Stadions, und findet dort auch seinen Kontaktmann Luigi ermordet vor.
Unverändert ist dagegen noch der Eingangsbereich zum Stadion, den Bond und Luigi betreten.
In der Kurzgeschichte Risico trinkt Kristatos einen Alexandra und Bond einen Negroni. Im Film dagegen lädt Kristatos Bond auf einen Glühwein ein. Da uns Schnee und Eis laut Wetterbericht ja noch etwas erhalten bleiben, hier das Rezept für James-Bond-Glühwein, aus dem Buch 007 on the Rocks:
Zutaten:
- eine 750 ml Flasche trockenen Rotwein (und bitte nicht irgendeinen! :-).
- zwei Drittel einer Tasse rohen Rohrzucker oder weißen Zucker
- eine kleinen Zitrone
- zwei Kardamom-Samen (oder Ingwer nach Geschmack)
- vier Gewürznelken
- zwei Lorbeerblätter
- zwei Zimtstangen
Zubereitung:
- Den Rotwein in einem Topf erhitzen (nicht kochen lassen).
- Zitrone in Stücke schneiden und zum Wein dazugeben.
- Zimt, Gewürznelken, Zucker und Kardamom bei gleichzeitigem Umrühren und abschmecken hinzugeben.
- Die Mischung bei geringer Hitze ungefähr fünf Minuten erwärmen und dann für eine Stunde ziehen lassen. Sie sollte dabei nie kochen.
- Vor dem servieren nochmals erhitzen, sowie Schalen und Gewürzreste entfernen.
- In kleinen, am besten vorher erwärmten Bechern servieren, optional mit Brandy, Amaretto oder ähnlichem.
- Beim Trinken auf Bond anstoßen! ;-)
Donnerstag, 14. Februar 2013
Bonds Home-Page
Zum US-DVD- und Bluray-Start von SKYFALL ist eine sehr schöne Internetseite online, mit zahlreichen Informationen zu Bonds Familiensitz, dem Aston Martin sowie Audiokommentaren, Artworks, Filmausschnitten und Hinter-den-Kulissen-Filmclips: www.skyfalllogde.com.
In Deutschland erscheint SKYFALL am 1. März auf DVD und Bluray.
In Deutschland erscheint SKYFALL am 1. März auf DVD und Bluray.
Sonntag, 10. Februar 2013
SKYFALL als bester britischer Film ausgezeichnet
Bei der Verleihung der BAFTAs (British Academy Film Awards) gestern Nacht gewann SKYFALL in der Kategorie "Outstanding British Film in 2013" und setzte sich damit gegen Konkurrenten wie LES MISÉRABLES und ANNA KARENINA durch. Ein zweiter Preis ging an Thomas Newman für die "Original Film Music". Es ist der erste BAFTA für einen James-Bond-Film seit 50 Jahren. 1963 erhielt Ted Moore den Preis für die beste Kamera in FROM RUSSIA WITH LOVE.
SKYFALL war noch in sechs anderen Kategorien nominiert: Bester Nebendarsteller (Javier Bardem), hier gewann Christoph Waltz; Beste Nebendarstellerin (Judi Dench), hier gewann Anne Hathaway; Sound; Production Design (jeweils LES MISÉRABLES); Cinematography (LIFE OF PI) und Editing (ARGO).
Die nächste Station für den Jubiläumsbond, der mittlerweile Platz 7 bei den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten einnimmt, ist die Oscarverleihung am 24. Februar. Hier ist der Film in fünf Kategorien nominiert, darunter ebenfalls Musik sowie bester "Original Song", für den Adele bereits den Golden Globe gewann. Adele wird bei der Verleihung der Academy Awards auftreten, ebenso wie Dame Shirley Bassey.
SKYFALL war noch in sechs anderen Kategorien nominiert: Bester Nebendarsteller (Javier Bardem), hier gewann Christoph Waltz; Beste Nebendarstellerin (Judi Dench), hier gewann Anne Hathaway; Sound; Production Design (jeweils LES MISÉRABLES); Cinematography (LIFE OF PI) und Editing (ARGO).
Die nächste Station für den Jubiläumsbond, der mittlerweile Platz 7 bei den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten einnimmt, ist die Oscarverleihung am 24. Februar. Hier ist der Film in fünf Kategorien nominiert, darunter ebenfalls Musik sowie bester "Original Song", für den Adele bereits den Golden Globe gewann. Adele wird bei der Verleihung der Academy Awards auftreten, ebenso wie Dame Shirley Bassey.
Mittwoch, 6. Februar 2013
Die sieben besten Todesfallen
Guy Hamilton und Drehbuchautor Tom Mankiewicz nannten sie "Snake-pit-situations": Bond findet sich - meistens nach einer Betäubung - in einer lebensbedrohlichen Falle wieder, aus der er im Idealfall nur unter Einsatz seiner Intelligenz, oft aber auch durch ein Gadget, entkommen kann. Und beide waren Meister im Erschaffen solcher "Schlangengruben". In SKYFALL gibt es eine kleine Referenz daran mit einer buchstäblichen Drachengrube, aus der Bond in hamilton'scher Weise entkommt. Hier meine Top 7 der snake pits:007 Im sogenannten "inoffiziellen" Bondfilm NEVER SAY NEVER AGAIN stellt Killer-Amazone Fatima Blush Bond nach einer Verfolgungsjagd. Im Prinzip keine klassische Falle, aber wie Bond durch angewandte Psychologie und Gadgets aus der Situation entkommt, ist trotzdem sehr witzig und bond-like umgesetzt. Vorher im Film gibt es eine klassische Falle, als Fatima Bond unter Wasser einen Sender ansteckt, der Haie anzieht.
006 Schurke Aristotle Kristatos zieht Bond und Melina Havelock in FOR YOUR EYES ONLY mit einem Schiff über Korallenriffe. James befreit sich und Melina durch Physik. Wobei die Haie schon verdächtig wählerisch in Bezug auf ihre Beute erscheinen...
005 Das Killerpärchen Mr. Wint (dargestellt vom Vater von Marty McFlys Vater, Bruce Glover) und Mr. Kidd (Jazz-Musiker Putter Smith) verfrachtet Bond in DIAMONDS ARE FOREVER in einen Sarg, der daraufhin in die Verbrennungskammer eines Krematoriums gefahren wird. So schön ausweglos die Idee an sich ist, so enttäuschend ist die Auflösung der Autoren. Sehr kreativ auch eine frühere Szene, in der Wint und Kidd Bond in eine Ölpipeline einbauen lassen.
004 „Auch was den Tod angeht, bin ich über alle Maßen großzügig", sagt Hugo Drax in MOONRAKER. "Wenn diese Rakete abhebt, werde ich Sie in Ihrem eigenen privaten Krematorium zurücklassen." In diesem Film werden keine kleinen Brötchen gebacken, und so schuf Ken Adam extra für diese Szene ein phantastisches Set mit einklappbaren Tisch und Stühlen. Wegen Szenen wie dieser liebe ich Bond.
003 Gleicher Film, ähnlich geniale Kulisse, und leider entkommt Bond auch hier nur dank der hellseherischen Fähigkeiten von Q. Aber die Zentrifugenszene gewinnt für mich sehr dadurch, dass Bond in Kontrast zu anderen Szenen, in denen er fast wie ein Superheld wirkt, hier wirklich glaubhaft fast draufgeht. Und auch danach kaputt und sprachlos ist. Eine von Roger Moores Sternstunden.
002 Das klassischste Klassiker schlechthin. "Do you expect me to talk?" Eine genial geschriebene Szene, die die entsprechende Situation im Roman effektvoll 'pimpt', und durch die fast surreale Banalität im Hintergrund noch bedrohlicher wirkt. Da wuseln Techniker vor sich hin, Goldfinger plaudert mit einem Chinesen, während Bond gleich entzwei geschnitten und sich wahrscheinlich die Seele aus dem Leib schreien wird. Letztlich rettet sich Bond auch hier mit Hirn, obwohl - wenn man ganz ehrlich ist - ist es auch hier bloß 'because it's in the script'. Aber zumindest ist die Entscheidung, Bond am Leben zu lassen, nicht so unklug wie in anderen Filmen, wie man später bei der Observation von Goldfingers Gestüt in Kentucky durch Felix Leiter sieht.
001 So simpel wie effektvoll: Bond auf einer winzigen Betoninsel inmitten eines Sees voller hungriger Krokodile. Diese Szene ist auf Platz 1, weil sie wirklich wirklich gut geschrieben ist. Bond macht hier als erstes, was Moore-Bond in Zukunft immer tun wird: Zur Armbanduhr greifen. Das scheint zuerst auch zu funktionieren, doch das per Magnet anvisierte Boot ist angebunden. Willkommen im alltäglichen Leben, Bond! Aber nur fast. Die Lösung ist dann genial, weil sie ebenso überraschend wie mühelos ist: Der Weg über den Rücken der Krokodile. Und als Stunt auch nicht zu sehr over-the-top, da es in der Realität fast genauso funktioniert hat.
Seit nach MOONRAKER 'down to earth' als Tugend für Bondfilme gilt, und man mit DIE ANOTHER DAY darin scheiterte, einen ähnlich überlebensgroßen und oppulenten Bondfilm in der Neuzeit zu inszenieren, haben leider auch die klassischen snake pits rapide abgenommen. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal wieder etwas mehr als nur nett gemeinte Hommagen an die gute alte Zeit, die angeblich heute so nicht mehr funktionieren würde...
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