Freitag, 21. September 2012

Bond in Cortina (2)

1) Hotel Miramonti

Piazza Venezia

Das Zentrum von Cortina d'Ampezzo wurde in FOR YOUR EYES ONLY zum Schauplatz eines Angriffs von Motorradfahrern auf Melina (Carole Bouquet), den James Bond alias Roger Moore vereiteln kann. Obwohl Cortina als Wintersportzentrum bekannt ist, lag ausgerechnet während der Dreharbeiten im Winter 1981 kein Schnee, so dass selbiger mit Lkw's von den umliegenden Berggegenden in die Stadt geschafft werden musste. Für die Spikes der Stuntmotorräder war die künstliche dünne Schneedecke dann allerdings ideal.


Bond betritt die Piazza Venezia zusammen mit Kontaktmann Luigi (John Moreno) und geht, nachdem er Melina in einem Sportgeschäft beim Kauf einer Armbrust gesichtet hat, in ein benachbartes Blumengeschäft. Während ersteres noch heute existiert, ist das Blumengeschäft - in dem schließlich einer der Angreifer landet - mittlerweile eine Bank.

"Immer diese Motorradfahrer..."
Die Motorräder starten an der Kirche Parrocchiale Filippo e GiacomoDie im 18. Jahrhundert aus Dolomitblöcken erbaute Kirche läutet zur vollen Stunde mit der berühmten Melodie des Big Ben, die man im Film auch zur Begrüßung von Bond kurz hört. Das gegenüberliegende Fotogeschäft Foto Zardini Ottica, in dessen Richtung der überlebende Angreifer entkommt, ist mittlerweile ein Modegeschäft.

Nach dem Angriff verlassen Bond und Melina vom benachbarten Piazza Roma per Kutsche Cortina. Die in der Stadt zu bestaunenden, sehr kunstvollen Scheeskulpturen entstanden für einen jährlich stattfindenden Wettbewerb. (Die Platzierung der Kutsche vor der Skulptur eines Mannes mit Schlitten ist auf jeden Fall ein Beispiel für hervorragendes Szenendesign)

In den Bergen um Cortina wurden übrigens auch der Klaus-Kinski-Italowestern "Leichen pflastern seinen Weg" und "Cliffhanger" mit Sylvester Stallone gedreht.

"Amore, Amore ..."

Sonntag, 16. September 2012

Überlegene Verbrechergehirne

Die Woche bin ich endlich mal dazu gekommen, die vier Bond-Hörbücher anzuhören, die Random House mit dem Sprecher Hannes Jaenicke herausgab. Leider sind die entsprechenden Romane - Casino Royale, Leben und sterben lassen, Dr. No und Goldfinger - drastisch gekürzt. Davon abgesehen ist es ein positives Hörerlebnis, da Jaenickes Stimme sehr gut zu Bond passt und er die Nuancierungen der verschiedenen wörtlichen Reden gekonnt interpretiert. Mal schauen, ob Jaenicke auch die neuen ungekürzten Hörbücher lesen wird, die Anfang 2013 bei Audio Lübbe erscheinen sollen. Ich würde es begrüßen - wobei unterschiedliche Sprecher wie bei den englischen BBC-Hörbüchern auch interessant wären. Bei "Der Spion, der mich liebte" würde sich beispielsweise eine weibliche Sprecherin anbieten.

Beim Anhören von "Dr. No" fiel mir auf, wie wenig intelligent und überlegen sich der gute Doktor eigentlich anstellt. Er löscht erstmal die jamaikanische MI6-Außenstelle komplett aus, was beim MI6 alle Alarmglocken schrillen lässt. Strangways lässt er sogar auf offener Straße ermorden, obwohl man ihn wie seine Sekretärin viel unauffälliger in seinem Haus hätte beseitigen können. Wäre es nicht viel klüger gewesen, ihn, oder noch besser seine Sekretärin, zu kaufen oder zu erpressen? Oder wenigstens nach dem Mord falsche Spuren für eine Flucht der beiden zu legen? Alle zu töten, die Dr. No in die Quere kommen und seine Insel betreten, mag Einheimische abschrecken, ist als langfristige Strategie aber doch sehr fragwürdig. Was nützt eine Tarnung als Naturfreund, wenn man Besucher von Naturschutzverbänden tötet. Eine zunehmend intensivere Untersuchung seiner Insel ist so praktisch nicht zu vermeiden. Da No nicht mobil ist und Technik im Wert von mehreren Millionen dort verbaut hat, nicht wirklich klug. Auch die Attacken auf Bonds Leben sind so ungenügend, dass sie seinen Forschungseifer eher beflügeln. Ein wirklich überlegenes Verbrecherhirn hätte Bond wohl einfach auf der Insel empfangen und ihm große Haufen Vogelmist gezeigt.

Aber immerhin waren die Nachfolger des guten Dr. No größtenteils nicht wirklich schlauer. Selbst ein Genie des Bösen wie Max Zorin wollte sich vom Tatort seines Superverbrechens mit einem Luftschiff entfernen, auf dem in großen Lettern sein Name stand.

Sonntag, 9. September 2012

Spionage in Oberhausen

Kamera im Schuh - Rosa Klebb
would be amused
Das Ruhrgebiet ist für Bondfans eigentlich weniger interessant - wenn man mal davon absieht, dass Bond laut der Biographie von John Pearson in Wattenscheid geboren wurde (der rebootete Craig-Bond ist nun allerdings gebürtiger Berliner). Doch seit April dieses Jahres gibt es dort etwas sehr sehenswertes: Das weltgrößte Spionagemuseum Top Secret in Oberhausen.

Eine schießende Bohrmaschine

Die Ausstellung besteht zum größten Teil aus Utensilien von Stasi und KGB aus der Sammlung von Heinrich Peyers. Aber auch Exponate von anderen Geheimdiensten und Epochen sind zu sehen, darunter die berühmte Rotor-Schlüsselmaschine "Enigma". Die meisten Ausstellungsstücke wirken einerseits skurril und verspielt, erzeugen durch ihre reale und teils leidvolle Vergangenheit jedoch auch etwas Gänsehaut. Wie beispielsweise Kameras im BH, mit denen Stasi-Agentinnen Erpressungsmaterial beschafften, oder Richtmikrofone in Gießkannen, um westdeutsche Beerdigungssbesucher zu bespitzeln. Es ist schon erstaunlich, welche High-Tech die DDR zur Bespitzelung ihrer Bürger auffuhr, während dieselbe Technik für die Bürger selbst meist unerreichbar und unerschwinglich war.

Wanzenfinder, ähnlich wie
im Film A VIEW TO A KILL
Eine KGB-Waffe
Interessant ist auf jeden Fall, wie sich Bond- und andere Agentenfilme von der Realität beeinflussen ließen, andererseits die Bondfilme aber auch reale Geheimdienstaktivitäten inspirierten. So baute der KGB in den 1980ern beispielsweise eine Art Unterwasserschlitten, der in einem Koffer verstaut werden konnte, und mit dem man lautlos Bomben an Schiffen befestigen konnte - THUNDERBALL auf russisch. Oder auch eine Schusswaffe, die man aus für sich unauffälligen Einzelteilen, wie etwa einem Feuerzeug, zusammensetzen kann, wie im Film THE MAN WITH THE GOLDEN GUN. Bondfeeling verbreiten auch Exponate wie ein Mikrofon in der Olive eines Martiniglases, oder auch die Uhren und Stifte mit eingebauten Waffen und anderen Spezialgeräten. Und natürlich die Waffenkammer, in denen neben der berühmten Walther PPK auch Miniaturwaffen und andere Spezialanfertigungen zu sehen sind. Angesichts dieser ebenso einfallsreichen wie tödlichen Gerätschaften aus der realen Geheimdienstwelt fragt man sich schon, wieso die Bondfilme oft gerade wegen ihres Einsatzes von Gadgets kritisiert wurden.


Neben diesen realen Relikten aus kalten und heißen Kriegen gibt es auch den ikonischen Aston Martin oder den BMW aus TOMORROW NEVER DIES zu sehen. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18:30 Uhr geöffnet.

Samstag, 8. September 2012

Neues Skyfall-Fan-Art

Letztens kam mir der Gedanke, dass Blitze als grafisches Element eigentlich ganz gut zu SKYFALL ("Himmelssturz") passen würden. Auch die Aspekte Rache und elektronische Manipulation könnte man damit assoziieren. Das ist das Ergebnis:


(mit Rechtsklick -> "Link in neuem Tab öffnen" kann man das Bild in Originalgröße sehen)

Dienstag, 4. September 2012

Bond in Cortina (1)

Hotel Miramonti


Nach der berühmten, wilden Verfolgungsjagd mit einem Citroën 2CV durch die Wälder um Madrid springt die Handlung in FOR YOUR EYES ONLY (In Tödlicher Mission, 1981) in den italienischen Ferienort Cortina d'Ampezzo, wo Bond seinen Kontaktmann Luigi und kurz darauf den Schmuggler Aris Kristatos trifft. Sein Hotel in Cortina ist das Miramonti Majestic Grand Hotel, ein wunderschönes ehemaliges Schloß, das im Laufe der Zeit zum Feriendomizil von Königen, Fürsten, Schauspielern und vielen anderen Persönlichkeiten des internationalen Jet-Sets wurde. Das 1902 eröfnnete Fünf-Sterne-Hotel bietet seinen Besuchern jede Menge Annehmlichkeiten: ein beheiztes Panoramahallenbad, Sauna, Whirlpool, Golf- und Tennisplätze, Bocciabahnen und nicht zuletzt einen atemberaubenden Blick auf die Dolomiten.


Bonds Balkon (Mitte rechts)


Bonds Hotelzimmer mit der Nummer 300 existiert nicht wirklich, doch den Balkon, den er betritt, findet man an der linken Seite des Gebäudes. In dem Hotelzimmer muss sich Bond später auch der amourösen Attacken von Bibi Dahl erwehren. 






Bekannt wurde Cortina d'Ampezzo vor allem durch die olympischen Winterspiele 1956, deren Anlagen auch im weiteren Verlauf von FOR YOUR EYES ONLY eine große Rolle spielen, darunter die Skisprungschanze, die sich in direkter Nähe des Hotels befindet, die Bobbahn und das Eislaufstadion.





Dienstag, 28. August 2012

Interview mit Stuntman Vi-Dan Tran (Skyfall)

Vi-Dan Tran (28) aus Aachen hat als Stuntman am neuen James-Bond-Film SKYFALL mitgewirkt. Vi-Dan, der auch eigene Filme dreht, trainiert bereits seit seinem elften Lebensjahr Wushu und hat darin Gold- und Silbermedaillen gewonnen. Ich konnte mit ihm ein Interview über die Dreharbeiten führen:

Wie kommt man an einen Job im neuen James-Bond-Film, und worum genau handelte es sich?

Ich kam eigentlich nur mit Glück an den Job. Ich bin schon seit einigen Jahren Stuntman und produziere sehr viele eigene Filme. Einige Stuntkollegen aus Berlin hatten die Information, dass die einige Asiaten für den Film gesucht haben. Ich habe mich darauf hin angeboten. Am Ende hat sich der Regisseur Sam Mendes zwei Jungs aus Berlin und mich ausgewählt.
Im Skyfall-Outfit

Wie waren die Dreharbeiten? Hast du mit einem der Hauptdarsteller des Films zusammengearbeitet, bzw. Sam Mendes oder die Produzenten kennengelernt?
Die Dreharbeiten waren sehr kurz. Ich glaube nur drei Drehtage hatten wir, aber dafür einen ganzen Monat Vorbereitung auf die Szene! Wir haben täglich außer Samstag und Sonntag Stunt- und Schießtraining gemacht. 

Ja, ich habe Daniel Craig und Sam Mendes kennengelernt. Daniel Craig strahlt eine wirklich sehr krasse Aura aus. Sam Mendes ist ein sehr interessanter Regisseur! Er arbeitet sehr guerilla und entscheidet einige Shots erst vor Ort. Er dreht sehr viel mit available light. Das fand ich richtig gut!

Unterscheiden sich Bonddreharbeiten von denen zu anderen Filmen?

Hm, eigentlich nicht. Es ist nur etwas größer als die deutschen Produktionen. 

Wie fügen sich die Szenen mit dir in den fertigen Film ein? Hast du genaueres über die Handlung erfahren?

Wir haben leider nichts von der Hanldung erfahren dürfen. Wir bekamen nur Informationen, was wir machen sollten und was in der Szene passierte. Wir spielten eigentlich nur im Finale eine Rolle. Wir sollten das Skyfall stürmen und Bond hält uns auf.

War es schon immer ein Traum, an einem Bondfilm mitzuwirken? Bist du Bondfan, und wenn ja, hast du einen Lieblingsfilm und -Darsteller?

Also ich habe einige Bond Filme gesehen, aber ich würde mich nicht als Bondfan bezeichnen. Aber es war eine sehr große Ehre, bei Skyfall mitgemacht zu haben! Ich bin bis heute sehr dankbar und kann es kaum fassen.

Wie geht es weiter nach James Bond? Was sind deine weiteren Pläne und Projekte? 

Ich möchte gerne dieses Jahr noch bei weiteren Holllywood-Produktionen mitwirken und bewerbe mich fleißig weiter. Desweiteren arbeite ich zurzeit an meinen eigenen Filmen und möchte in der Youtube-Szene mehr Fuss fassen. Schaut einfach mal vorbei und abonniert uns: www.youtube.com/user/T7pro

Ich bedanke mich herzlich bei Vi-Dan Tran für die Zeit, meine Fragen zu beantworten!

Donnerstag, 23. August 2012

Cronenbergs "Total Recall"

Zum Kinostart des Remakes des Science-Fiction-Klassikers TOTAL RECALL hier mal der Link zu Konzept-Entwürfen von David Cronenbergs Version des Originals, die der Künstler Ron Miller vor einiger Zeit online stellte. David Cronenberg plante ursprünglich eine Verfilmung von Philip K. Dicks Kurzgeschichte Erinnerungen en gros (We Can Remember It For You Wholesale), die sich näher an der Vorlage orientiert hätte als der letztendliche Film von Paul Verhoeven. Das Projekt wurde dann jedoch vorerst eingefroren, und Cronenberg realisierte stattdessen DIE FLIEGE, welche auch auf einer Science-Fiction-Kurzgeschichte beruht. Die Entwürfe deuten auf jeden Fall auf einen ernsteren und düstereren Film hin.












Dienstag, 21. August 2012

"Dr. No" kehrt ins Kino zurück

Pünktlich zum 50. Jubiläum von JAMES BOND 007 JAGT DR. NO zeigt das Kino C1 in Braunschweig den Klassiker auf der großen Leinwand, am Samstag, den 6. Oktober 2012 um 20:00 Uhr. Mit der gefährlichen Coolness von Sean Connery, Ursula Andress im atemberaubenden Bikini und den monströs-eleganten Bauten von Ken Adam wurde 1962 eine der erfolgreichsten und langlebigsten Filmreihen aller Zeiten aus der Taufe gehoben.

Präsentiert wird der Abend von Danny Morgenstern (James Bond XXL), der auch sein neustes Buch zum Thema Bond vorstellt. Roter Teppich, Wodka-Martini und eine Party nach dem Film im C1 sind geplant. Um der Veranstaltung den gebührenden Glamour zu verleihen, ist jeder Gast in Abendgarderobe gern gesehen. Karten gibt es im C1 oder in der Tanzschule Hoffmann in Braunschweig.

Sonntag, 19. August 2012

Wikileaks trifft Spectre

Die meisten der jüngeren Bondfilme sind im Kern von brisanten aktuellen Themen inspiriert, wie etwa Skrupellosigkeit von Massenmedien in TOMORROW NEVER DIES oder der Kampf um Ressourcen wie Öl und Trinkwasser in THE WORLD IS NOT ENOUGH und QUANTUM OF SOLACE. In SKYFALL geht es offenbar um die Macht von Informationen im Zeitalter ihren scheinbar völligen Verfügbar- und Kopierbarkeit, und ihrer zunehmenden Infragestellung als schützenswürdige und eigenständige Werte.

Staatsfeind Nr. 1 ?
Im derzeit wieder aktuellen diplomatischen Gerangel um den australischen Programmierer und Wikileaks-Gründer Julian Assange springt einem die Brisanz des Themas förmlich ins Gesicht. Ob der ebenfalls blonde Bondgegenspieler Raoul Silva im Film rein private Ziele verfolgt, sich auch als Idealist sieht, der Geheimnisse zum Wohle des Volkes veröffentlicht oder das nur vorgibt, ist noch unklar. Letzteres hätte zumindest einen gewissen Reiz, da es Silva eine unheimliche Macht verleihen würde. Er könnte beispielsweise die öffentliche Meinung gegen den MI6 mobilisieren - etwas das Medienmogul Elliott Carver leider versäumt hat - oder Hacker weltweit für Flashmobs, Shitstorms oder ähnliches aktivieren.

Auf jeden Fall nutzt Silva offenbar eine japanische Geisterinsel als Server-Standort. Interessanterweise wurde der ehemalige Standort der Wikileaks-Server in einem futuristischen schwedischen Bunker in Berichten oft als reinrassige James-Bond-Location bezeichnet. Und es gab Überlegungen, die Server offshore auf eine ehemalige Flugabwehrplattform vor der britischen Küste oder auf ein Schiff in internationalen Gewässern zu verlegen. Die Enthüllungsseite, die sich selbst als Counter-Intelligence oder Geheimdienst des Volkes versteht, umweht also auf jeden Fall ein gewisser bondiger Hauch.

Doch so brandaktuell die gesamte Thematik auch ist, sie hat auch Wurzeln in den Romanen. Bonds literarische Nemesis, Ernst Stavro Blofeld, erkannte bereits im Telegrafenzeitalter die Macht von Information und Vernetzung. Im Roman Thunderball (dt. Sag niemals nie, oder Aktion Feuerball) heißt es über ihn:
"Er hatte in Warschau Maschinenbau und Elektrophysik studiert und mit 25 einen kleinen Posten bei der Zentrale der Post- und Telegrafengesellschaft angenommen - eine merkwürdige Wahl für einen begabten jungen Mann; aber Blofeld war zu dem Schluß gekommen, daß ein rasches, genaues Nachrichtensystem in dieser kleiner werdenden Welt Macht bedeutet. Im Krieg wie im Frieden die Wahrheit früher als die anderen gekannt zu haben: dieser Vorteil steckte seiner Meinung nach hinter jeder richtigen Entscheidung in der Geschichte." 
Heutzutage würde Blofeld wohl ein Netz von IT-Spezialisten und Whistleblowern aufbauen und seine Server auf einer geheimen Insel stationieren...

Montag, 13. August 2012

Willkommen in Österreich, 007!

Die Schauplätze der Eis- und Schneejagd in DER HAUCH DES TODES (1987)

Heute vor 25 Jahren war die Deutschlandpremiere des 15. James-Bond-Films DER HAUCH DES TODES (THE LIVING DAYLIGHTS). Drehort war neben Gibraltar, Marokko und Wien die Gegend um den österreichischen Weissensee, wo die Flucht von James Bond (Timothy Dalton) und Kara Milovy (Maryam d'Abo) über die tschechoslowakisch-österreichische Grenze inszeniert wurde. Letzte Woche habe ich die Drehorte besucht, mit Hilfe vom Norbert Jank, der Eismeister der größten präparierten Eisfläche Europas ist und bei den Dreharbeiten 1987 mitwirkte. Er überwachte die Arbeit auf dem Eis und koordinierte die Zusammenarbeit mit Einheimischen.

Die Crew um Regisseur John Glen suchte den Weissensee ursprünglich aus, um eine Actionsequenz mit Eisseglern zu realisieren, was dann jedoch aufgrund der Witterungsverhältnisse aufgegeben wurde. Anstelle dessen wurde der Aston Martin Vantage Volante auf das Eis geschickt. Der Weissensee war der ideale Drehort dafür, da er zuverlässig jedes Jahr zufriert, mit bis zu 60 cm Eisdicke.

Die Flucht vor der geballten tschechoslowakischen Staatsmacht beginnt im Film auf der Drautal-Straße kurz vor dem Festungsbergtunnel, einige Kilometer nördlich des Weissensees. Bond setzt hier mittels Laser und Raketen einen Polizeiwagen und eine Straßensperre außer Kraft. 


Interessanterweise fährt Bond in nördlicher Richtung durch den Tunnel, das heißt eigentlich vom See weg.






Die genaue Stelle, wo Bond mit dem Aston Martin auf den See fährt, gehört heute zu einer Pension, dessen Besitzer ebenfalls seinerzeit an den Dreharbeiten beteiligt war.




Für die Szene, als ein Auto-Rad mit blanker Felge das Eis aufsägt, wurde der Aston Martin mit einer Kreissäge ausgestattet. Die untergehenden Polizisten samt Auto wurden dann jedoch im Studio aufgenommen.


Als tschechoslowakische Grenze wurde eine Staudammauer mit Treppe aus Holz errichtet, die Bond als Sprungschanze dient. Ein Aston-Martin-Dummy landet dann in der nächsten Szene im Schnee auf der Naggler-Alm nahe des Sees, wo dann die anschließende Jagd und Rutschfahrt im Cellokasten realisiert wurde. Die Idee, den Koffer als Schlitten zu benutzen, stammt direkt von Regisseur John Glen, der, um die Produzenten davon zu überzeugen, selbst hineinstieg.

Wie Norbert Jank erzählt, wurde für die kurze Szene, in der der Aston Martin seine Ski-Ausleger an einem Baumstamm verliert, extra ein Baum per Hubschrauber an die entsprechende Stelle verpflanzt. Wie üblich bei Bond-Dreharbeiten, spielte Geld praktisch keine Rolle.

Das zeigt sich auch darin, dass der österreichische Grenzposten, den Bond und Kara rutschend passieren, zweimal identisch aufgebaut wurde. Einmal für die Szenen in Richtung Naggler-Alm mit den heranrasenden Verfolgern, und einmal mit Blick ins Drautal, an einer Nebenstraße westlich des Weissensees. Im Film wirkt der Anschluss nahtlos, wenn man jedoch an der entsprechenden Stelle steht und zurück blickt, fällt auf, dass das Hinterland anders aussieht als im Film. Eine kleine Meisterleistung von Schnitt, Kulissenaufbau und Script Continuity.

Mit Norbert Jank oberhalb des Drehortes
am See
Auch nach DER HAUCH DES TODES wurde auf  und in der sehr schönen, teilweise naturbelassenen Umgebung des Weissensee gedreht, beispielsweise 1988 für Jean-Jaques Annauds DER BÄR. Nach den Dreharbeiten zu dem James-Bond-Film wurde man auch in den Niederlanden auf den See aufmerksam. Man suchte nach einer Alternative für die "Elf-Städte-Tour", einem Schlittschuhwettlauf, der alljährlich auf den eisbedeckten Grachten ausgetragen wurde. Da diese nicht mehr zufroren, war der Weissensee eine perfekte Ausweichmöglichkeit, und die Tour findet nun seit 1989 jeden Winter dort statt.

An dieser Stelle nochmals ein großes und herzliches Danke an Norbert Jank, der die eine oder andere Anekdote erzählte und ohne den ich verschiedene Drehorte vermutlich nie gefunden hätte. Norbert Jank betreibt übrigens eine Pension am Weissensee, für Bondfans sicher die perfekte Adresse.

Samstag, 11. August 2012

Die 007 besten Flemingszenen im Film

Zum heutigen 48jährigen Todestag von Bonderfinder Ian Fleming hier mal meine Top 7 der besten filmisch umgesetzten Roman-Momente:

007 FOR YOUR EYES ONLY - Das Kielholen

Die Szenerie stammt eigentlich aus dem Roman Leben und sterben lassen, wurde jedoch in der Verfilmung von 1973 nicht verwendet. Da Carole Bouquet nicht tauchen konnte, musste man die Unterwasserszenen mit ihr mit Windmaschine und Zeitraffer im Studio nachstellen - eine der gelungensten Trickaufnahmen der Reihe.
Gut im Film eingearbeitet sind auch Bonds Begegnung mit Melina aus der Kurzgeschichte For Your Eyes Only (dt. Für Sie persönlich) - dort hieß das Mädchen allerdings Judy - sowie das Verwirrspiel um Kristatos und Columbo aus der Geschichte Risico (dt. Riskante Geschäfte). Ebenfalls aus der titelgebenden Kurzgeschichte stammt die Konfuzius-Weisheit: "Wer auf Rache aus ist, der grabe zwei Gräber."


Freitag, 27. Juli 2012

Realität versus Kino

Knapp eine Woche nach dem Amoklauf in einem Kino im US-amerikanischen Aurora und vor dem ersten Wochenende von THE DARK KNIGHT RISES in Deutschland wird zur Zeit wieder die Frage nach der Mitverantwortlichkeit der Medien an Gewaltakten gestellt. Die Frage an sich ist wahrscheinlich so alt wie Unterhaltungsmedien selbst. Bereits Goethe wurde beispielsweise Ende des 18. Jahrhunderts vorgeworfen, mit seinem Roman Die Leiden des jungen Werther eine Selbstmordwelle unter Jugendlichen ausgelöst zu haben.


Sonntag, 22. Juli 2012

Skyfall Fan-Art

Hin und wieder möchte ich hier auch eigene Plakat- und Buch-Cover-Entwürfe veröffentlichen. Obwohl ich sehr gern mit Photoshop arbeite, bin ich noch lange kein Meister unter den "Photoshöpfern". Nichtsdestotrotz freue ich mich über Kritik und Anregungen. Hier zwei schon etwas ältere Entwürfe zum neuen James-Bond-Streifen SKYFALL:



Mittwoch, 18. Juli 2012

Letzte Ausfahrt Feldstadt

Auf den Spuren von Octopussy in Berlin, Teil 1

Vor fast genau dreißig Jahren, am 10. August 1982, begannen in Berlin die Dreharbeiten für das 13. James-Bond-Abenteuer Octopussy. Drehorte hier waren der Kurfürstendamm, Checkpoint Charlie sowie der AVUS samt der Ausfahrt Hüttenweg. Auf letzterer wurde ein Teil der Verfolgungsjagd mit der deutschen Polizei gedreht, die sich James Bond auf dem Weg zum US-Stützpunkt im fiktiven Feldstadt liefert. Bis vor kurzem gehörte die Abfahrt zu den Bondlocations, die sich fast überhaupt nicht verändert haben. Allerdings wird sie samt Brücke zur Zeit erneuert, wie ich nach einer Wanderung durch den Grunewald zur besagten Stelle erfuhr. Der Vorteil der Bautätigkeit war zumindest, dass der entsprechende Autobahnabschnitt problemlos begehbar war.


Die Abfahrt Hüttenweg.












Die typischen T-förmigen Lichtmasten sind erstmal verschwunden.






Ein alter Bekannter am Hüttenweg :)








Interessanterweise wäre Bond hier in der Realität zwar nicht zum US-Army-Stütztpunkt Feldstadt, aber immerhin zur Alliierten-Kommandatur im amerikanischen Sektor in Dahlem gekommen. Dort befindet sich heute das Alliierten-Museum mit Oupost-Kino, einem Stück Mauer und einem Grenzwachturm, sowie der originalen Kontrollbaracke vom Checkpoint Charlie. Dort befindet sich heute nur noch eine originalgetreue Replik der ersten Baracke aus den Sechziger Jahren.

Zu bestaunen gibt es ebenfalls einen "Rosinenbomber" aus der Zeit der Berliner Luftbrücke, der allerdings nur sonntags begehbar ist, sowie den Speisewagen eines französischen Militärzuges. Der Besuch des Museums ist übrigens kostenlos. Derzeit gibt es Pläne, das Alliierten-Museum aus Platzgründen in das Flughafengebäude Tempelhof zu verlegen.


Alles Roger!
Das originale Wachhäuschen vom Checkpoint Charlie. Mitte der Achtziger wurde es mit einem Überdach für die wachhabenden Soldaten versehen. (rechts der Abtransport 1989, Quelle: wikipedia)



Sonntag, 15. Juli 2012

Dial Q for Queries

Nachdem sich Barbara Broccoli in diversen Zeitungsinterviews bis vor kurzem noch zierte, Ben Wishaw als Neubesetzung des Waffenmeisters Q zu bestätigen, wirkte die entsprechende offizielle EON-Meldung am Donnerstag dann ein bisschen wie eine Pseudo-Sensation - die feierliche Bekanntgabe dessen, was jeder irgendwie schon wusste. Wenigstens wurde die Meldung mit dem ersten offiziellen Foto von Wishaw als Q garniert.

Die Neu-Interpretation des legendären Gadget-Tüftlers könnte zum Prüfstein für den mit Casino Royale eingeläuteten Reboot der Franchise werden. Vor allem bei den Kritiken zu Quantum of Solace war die Abwesenheit der Ikonen Q und Miss Moneypenny ein wesentlicher Stein des Anstoßes. Aber gerade jene Kritiker, die das Wegrationalisieren dieser traditionellen Zutaten bemängeln, sind oft auch diejenigen, die im nächsten Atemzug betonen, wie unersetzbar Desmond Llewelyn und Lois Maxwell in jenen Rollen seien. Klingt ein bisschen nach der Quadratur des Kreises, und ist es wohl letztendlich auch. "Gebt uns Q und Moneypenny zurück, aber bitte weder als Kopie der 'Originale' noch als zu radikale Neuinterpretation"...


Samstag, 7. Juli 2012

Saul Bass

Eine sehr schöne Hommage an den genialen und legendären Titel- und Plakatdesigner Saul Bass (1920 - 1996):


Es wäre interessant gewesen, was Bass mit seinem minimalistischen Stil für einen Bondtitel kreiert hätte...

(Quelle)