Montag, 18. Mai 2020

Auferstehung für Fortgeschrittene


                                                   "Skyfall is where we start,
                                              A thousand miles and poles apart."
                                                                                                               (Skyfall, Adele)
 


Bond-Marathon #24: SKYFALL (2012)

Ein Historiker bemerkte einmal sarkastisch, dass die US-amerikanische Nation von einem Zustand der jugendlichen Euphorie direkt in einen der Senilität übergegangen ist, ohne dazwischen den Zustand der Reife erreicht zu haben. In diesem Sinne könnte man Daniel Craig als den amerikanischen Bond bezeichnen. Nachdem er in CASINO ROYALE gerade erste Erfahrungen als Doppelnull-Agent gemacht hatte, ist er zwei Filme später schon wieder zu alt für dieses 'young men business' und muss sich unter allerlei Schmerzen und Schindereien den Weg zurück erkämpfen. Der Zustand dazwischen, in dem sowohl der Roman- als auch der klassische Filmbond seine größten und schönsten Abenteuer erlebte, interessiert in dieser Ära gar nicht mehr.

SKYFALL war der erste Bondfilm, den ich im Zuge dieses Blogs begleiteten und besprechen durfte (hier beispielsweise die Kritik nach dem Kinobesuch). Ich erinnere mich noch gut an den sehr bequemen Sessel bei der Pressevorführung im Sony Center, oder die Premiere dort mit den Mitwirkenden des Films. Im Kino 2012 habe ich den Film sehr genossen. Kann er diesem positiven Eindruck acht Jahre später noch standhalten?





SKYFALL kulinarisch

Viel Wirbel und Schlagzeilen machte im Vorfeld von SKYFALL die Meldung, dass Bond im Film Bier der Marke Heineken trinken werde. Die Marke war schein seit Der Morgen stirbt nie Werbepartner, aber nun griff 007 selbst zur Flasche. Viele Medien generierten daraus eine Fan-Empörung, obwohl Bond auch in den Romanen schon des öfteren Bier getrunken hat.

M und Gareth Mallory trinken Cognac der Marke Courvoisier. Später spielt Raoul Silva ein sadistisches Spiel mit Bond, bei dem er in Anlehnung an Wilhelm Tell ein Glas Whiskey auf dem Kopf von Severine treffen soll. Dabei handelt es sich um The Macallan. "Such a waste of good Scotch."

Der obligatorische Wodka Martini wird Bond im Floating Dragon in Macao zubereitet.



Im Vorfeld: Auf welche Elemente freue ich mich? Auf welche nicht? 

Grundsätzlich sehe ich SKYFALL überwiegend positiv. Die Logiklöcher oder die etwas schwermütige Stimmung haben mich nie so sehr gestört. Dementsprechend freue ich mich auch auf den gesamten Film. Elemente, die mich abschrecken, gibt es hier eigentlich nicht. Vermutlich auch, weil er zu den neusten Filmen zählt, die man noch nicht zu oft gesehen hat.


Bewertungen:

Einführungssequenz / Vortitelsequenz13/15

Ein Mini-Drama par excellence. Bond und Eve jagen per Auto, Motorrad und Zug einer Festplatte hinterher, die M um jeden Preis zurückhaben will. Auch um den Preis von Bonds Leben.

Titelanimation15/15
Eine meiner liebsten Titelsequenzen. Sie schattet die wichtigsten Elemente des Films und seine Themen vor, strotzt nur so vor visuellen Ideen und entwickelt zusammen mit dem Song eine Sogwirkung. Der animierte Rorschachtest ist beispielsweise einfach toll.



Allow me to intruduce myself...

Einführungsszene von Bond: 14/15
James Bond kommt langsam aus der Unschärfe auf die Kamera zu, bis seine Augen zu sehen sind. Eine sehr schöne Einstellung.

Einführungsszene des Haupt-Bondgirls10/15
Amedeo Modigliani: „Frau mit Fächer",
(1919) , das Bild wurde 2010 in Paris
gestohlen
Die Szene ähnelt sehr stark der Einführung von Camille im Film davor: Eve (Naomie Harris) fährt in einem Auto vor, als Bond aus einem Haus kommt. Innerhalb der Handlung am Anfang war da aber sicherlich nicht viel Spielraum für ausgeklügeltere Szenen.

Ungleich extravaganter und schöner ist da der Erstauftritt von Severine (Bérénice Marlohe) in einem Hochhaus im nächtlichen Shanghai.

Einführungsszene des Gegenspielers14/15
In einer langen Einstellung kommt Raoul Silva (Javier Bardem) aus einem Fahrstuhl auf Bond zu und erzählt eine Parabel aus seiner Vergangenheit. Handwerklich und vor allem schauspielerisch beeindruckend.

Einführungsszene des Haupt-Henchman11/15
Das ist hier wohl am ehesten Patrice (Ola Rapace). Er ist erstmalig während der Verfolgungsjagd am Anfang zu sehen, als er aussteigt und auf Bond und Polizisten schießt, mit Uranmantel-Munition aus einer Glock mit Spezialmagazin.


Besetzung und Schauspiel

Darstellung von James Bond12/15

Daniel Craig bei der Deutschland-
premiere am Potsdamer Platz
Eine überzeugende Leistung von Daniel Craig. Vor allem die leiseren, melancholischen Szenen kommen gut rüber. Manche Momente erscheinen mir dagegen eine Spur zu plakativ und gewollt, etwa wenn Bond auf den heranmarschierenden Waran zeigt. Auch auf die Gefahr hin, uncharmant zu wirken, muss ich sagen, dass ein gewisser Teil der faszinierenden Ausstrahlung, die Craig in CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE hatte, in den vier Jahren abhanden gekommen ist. Von daher wirkt es zumindest optisch nicht so unglaubwürdig, dass er hier im dritten Film schon am Ende seiner Karriere angelangt zu sein scheint.

Gibt es Szenen, in denen Bond weniger sympathisch erscheint?
Bond reagiert manchmal etwas zu gelassen auf Morde, etwa bei den Attentaten von Patrice, oder auch bei Severine. Die Sexszene mit einer ehemaligen Kindersklavin ist seltsam deplatziert, wenn man andererseits Frauen nicht auf Sexobjekte reduzieren will und sie eher Ladies als Girls nennt. Unpassend wirkt auch, dass Bond sich um den Deal mit Severine nicht mehr groß zu kümmern scheint, als sie erstmal auf der Insel sind, und ihren Tod achselzuckend hinnimmt.

Darstellung des Gegenspielers: 14/15

Man könnte Javier Bardem vorwerfen, mit seiner Schurkendarstellung etwas zu übertreiben. Aber ich finde, es passt gut zu Silvas Hintergrund mit der monatelangen Folter. Immerhin ist er ja ein Bondbösewicht, da darf man auch etwas auf die Tube drücken.

Henchmen: 11/15
In Erinnerung bleibt bei den Helfern eigentlich nur Patrice (Ola Rapace), dem Bond am Anfang eine Festplatte abjagen will, und den er dann bei einem Attentat stellt.

Bondgirl: 11/15
Das ist hier Naomie Harris als Eve Moneypenny, auch wenn man sich wegen ihres Nachnamens streiten kann, ob sie eben nicht eher Moneypenny ist. Da das aber bis kurz vor Ende nicht klar ist, gilt sie eindeutig als klassisches Bondgirl. Harris ist sympathisch und harmoniert gut mit Craig.

Helfer: 13/15
Neben Rory Kinnear als Tanner gibt es gegen Ende den Wildhüter Kincade, verkörpert von Schauspiellegende Albert Finney (MURDER ON THE ORIENT EXPRESS, TOM JONES) in seiner letzten Kinorolle. Eine ebenso urige wie einzigartige Figur.


MI-6

Briefing-Szene: 12/15
Das eigentliche Erteilen des Auftrags erfolgt, nachdem Bond umfangreich physisch und psychisch getestet wurde, in den Hallen des neuen MI-6. Insgesamt eine doch recht klassische Szene.

Moneypenny-Szene: 11/15
Bérénice Marlohe, Sam Mendes, Barbara Broccoli
und Daniel Craig 2012 in Berlin
Die gibt es hier nun endlich, nur weiß der Zuschauer noch nicht, dass der Flirt mit Eve (Naomie Harris) eigentlich schon der Flirt mit Moneypenny ist. Am Ende gibt es dann auch die ganz klassische Variante im Vorzimmer von M. Das ist als Idee ganz gut, auch wenn es durch Gerüchte im Internet vorher keine echte Überraschung mehr war. Harris macht ihre Sache gut, auch wenn sich das typische Moneypenny-Gefühl bei mir nicht einstellen will.

Q-Szene: 11/15
Als neuer Q wird Ben Wishaw vorgestellt. Der Typ Computernerd ist für mich jetzt nicht unbedingt der innovative Glücksgriff. Von allen möglichen Varianten war das wohl eine der naheliegendsten. Zumal man Q dann auf seinem Spezialgebiet auch noch einen krassen Anfängerfehler machen lässt.


Dramaturgische Struktur

Ist das auslösende Ereignis stark und interessant genug? 14/15

Das auftrags-auslösende Ereignis ist hier die Explosion von Ms Büro durch einen Hacker-Angriff, und als Set-up der Diebstahl einer Festplatte mit geheimen Daten zuvor. Der Anschlag auf das MI-6-Hauptquartier ist visuell stark, zumal er Assoziationen zum 11. September weckt. (Wobei man sagen muss, dass Die Welt ist nicht genug eine sehr ähnliche Szene hatte.)

Da die persönliche Ebene in den Bondfilmen aber mittlerweile wichtiger ist als der schnöde Auftrag, hat der von M angeordnete Schuss auf Bond und sein Sturz von der Brücke wesentlich mehr Impact, und ist der eigentliche Auslöser. Dramaturgisch ist das stark und ungewöhnlich, wobei das fehlende Vertrauen und die Kaltblütigkeit von M schwerer wiegen als die Verletzungen.

Hält der Film durchgehend eine gewisse Grundspannung aufrecht? 13/15

Finale allgemein: 14/15
Silvas Helikopter im Eingangsbereich von
'Bond in Motion' in London
Ein sehr untypisches Finale. Während das klassische Element des Finales das Entern des Unterschlupfes des Gegenspielers ist, der sich wie Stromberg mit Fallen zur Wehr setzt, haben wir hier eine Umkehrung: Bond erwartet den Gegenspieler in seinem Unterschlupf und stellt ihm Fallen. Sozusagen eine reverse home invasion. Die Skyfall Lodge erinnert dabei natürlich etwas an Wayne Manor aus den DARK-KNIGHT-Filme von Christopher Nolan, wo Bruce Wayne nach dem Tod seiner Eltern lebte, mit Butler Alfred als Mentor und Vaterersatz (eine Rolle, die hier Kincade einnimt). 

Gibt es eine Steigerung des Sensationswertes bis hin zum Finale, das alles andere überschattet? 13/15


Showdown

Endkampf Bond - Henchman: 13/15

Dieser Endkampf mit Patrice findet vergleichsweise zeitig statt, in einem Hochhaus in Shanghai. Der Kampf ist ein Gegenentwurf zu entsprechenden Szenen im Vorgänger QUANTUM OF SOLACE, mit langen, fast hypnotischen Einstellungen. 

Endkampf Bond - Schurke: 14/15
Bond gegen Silva hat schon epischere Ausmaße als der Kampf gegen Greene im Film davor, und ist dazu auch phantastisch fotografiert. Getrübt wird das nur durch den Umstand, dass es hier eigentlich zwei Verlierer gibt, und keinen klaren Gewinner.

Wirkt die Auflösung nach dem Finale befriedigend? 12/15
Bond auf dem Dach des neuen MI-6-Hauptquartiers, und danach beim Briefing mit dem neuen M. 

Ist Bonds ermittlerische Vorgehensweise glaubwürdig und zielführend? 9/15
Auf die Spur von Patrice kommt Bond durch die Munition in seiner Schulter. Über Severine erreicht er dann Silva, denn er verhaften lässt. Bei der Entschlüsselung des "Datenwurms" erscheint Bond clever, allerdings wirkt das auf mich etwas zu unglaubwürdig und konstruiert. Auch die anschließende Entscheidung, mit M nach Schottland zu fliehen, wirkt nicht so ganz schlüssig und zielführend.


Allgemein


Bond-Feeling: 13/15

Fleming-Feeling: 11/15
Die Handlung spielt sehr oft an bestimmte Elemente der Romane an, vor allem die der späten Phase. Man lebt nur zweimal beschrieb einen Bond, der nach einem traumatischen Erlebnis und seinem vermeintlichen Tod eine Auszeit vom Agentenleben nimmt, Der Mann mit dem goldenen Colt erzählt von seiner Rückkehr nach London und in den aktiven Dienst nach einer Prüfungsphase. Der Kampf mit Silva am Ende erinnert auch an letzteren Roman. Die Anspielungen an Bonds Kindheit und den Tod seiner Eltern stammt aus dem Nachruf, den M in Man lebt nur zweimal schreibt. Allerdings sind das tatsächlich alles nur Anspielungen, keine wirklich konsequent ausgeführten Erzählstränge.

Dialoge/Humor: 14/15

Logik/Schlüssigkeit der Story: 8/15
Unter diesem Aspekt ist SKYFALL der vielleicht umstrittenste Bondfilm. Der "Das war alles so geplant!"-Moment nach Silvas Festnahme hinterlässt den Zuschauer eher zweifelnd als beeindruckt. Ich glaube aber, dass die Wahrscheinlichkeit dafür unter dem Strich nicht so gering ist wie es auf den ersten Blick erscheint. Es muss nicht alles exakt aufeinander folgen, sondern könnte mit verschiedenen 'Plan B's realisiert werden. Darüber hinaus neige ich auch zu der Fantheorie, dass Silvas Kieferprothese einen eingebauten Sender hat. 

Auch Bonds Plan, Silva und seine Armee allein in einem alten Haus mit zwei Senioren zu empfangen, ist etwas fragwürdig. Allerdings muss man bedenken, dass das Haus ursprünglich über ein großes Waffenarsenal verfügte. In den Romanen arbeitete Bonds Vater Andrew für den Rüstungskonzern Vickers. Mit den entsprechenden Waffen hätte Bond bereits den Helikopter im Anflug unter Feuer nehmen können, ebenso wie jeden anderen Angreifer im flachen, offenen Land.

Ich sehe es auch so, dass Silvas Ziel nicht nur war, M zu töten, sondern auch den MI-6 massiv zu schädigen. Dadurch, dass Bond und M ihn von London wegführen, wenden sie Schaden ab, und Silva hat dadurch seine Pläne nur zu einem Teil verwirklicht. Außerdem starb er in dem Glauben, versagt zu haben. Also ganz so, dass der Bösewicht hier gewonnen hat, sehe ich es nicht.

Etwas übertrieben hat man es auch beim Schuss auf Bond und dem Sturz von der Brücke. Hier hätte man zumindest andeuten können, wie und von wem Bond gerettet wurde. 


Handwerk

Produktions-Design: 14/15
Fan-Art zum Film, mehr hier
SKYFALL hat zahlreiche überdurchschnittlich gut gelungene Sets, wie das Floating Dragon Casino, das Hotelzimmer in Macao, das Hochhaus in Shanghai, Silvas Insel, die MI-6-Räumlichkeiten oder auch die Skyfall Lodge. (Mehr zum Design hier oder hier)

Spezialeffekte: 13/15
Keine der Effektszenen sticht negativ als solche heraus. Für das geübte Auge sind der Kommodo-Waran oder bei Stuntmen veränderte Gesichter erkennbar, aber das bleibt im üblichen Rahmen. Die Effekte sind größtenteils gut gelungen, etwa die Modellaufnahmen für das Finale.

Action/Stunts: 12/15
Die Eröffnungssequenz ist stunttechnisch gewohnt hochwertig. Der Kampf mit Patrice beeindruckt eher durch die Fotografie als durch die Stuntarbeit - was diese nicht abwerten soll. Die Kämpfe in der Drachengrube, auf der Insel und im Gerichtssaal sind ebenfalls gut. Ebenso die finale Skyfall-Schlacht. Was im Endeffekt ein wenig fehlt, sind - abgesehen von der Pretitle-Sequenz - die atemberaubenden Stunts. (Hier ein Interview mit dem deutschen Stuntman Vi-Dan Tran, der am Finale mitarbeitete.)

Bildgestaltung: 15/15
Roger Deakins ist einer der renommiertesten und erfahrendsten Kameramänner, die für das Franchise tätig waren. Er ist seit den 80ern im Geschäft, zu seinen Arbeiten gehören THE SHAWSHANK REDEMPTION (Die Verurteilten, laut imdb.com der beste Film aller Zeiten), THE BIG LEBOWSKI, THE VILLAGE und NO COUNTRY FOR OLD MEN. Für BLADE RUNNER 2049 und dem letztjährigen 1917 erhielt er schließlich absolut verdiente Academy Awards, nachdem er 13 mal nominiert war. Auch für SKYFALL war er 2013 nominiert, verlor aber gegen LIFE OF PI.

Die Bildsprache von SKYFALL ist tatsächlich überdurchschnittlich gut. Viele Filmexperten wählten ihn zu einen der bestfotografiertesten Filme aller Zeiten.


Locations

Drehorte: 11/15

Die ikonischsten Drehorte von SKYFALL sind erstaunlicherweise einheimische Orte in London und Großbritannien. Diese Rückbesinnung auf britische Schauwerte und Werte allgemein ist ein Verdienst des Films. Sehr schön beispielsweise die Landschaftsaufnahmen von Schottland, die zusammen mit dem Aston Martin DB5 Erinnerungen an GOLDFINGER weckt. 

Asien ist dagegen hauptsächlich eine Kombination aus Londonszenen und Pinewood-Kulissen, was etwas an die Brosnanfilme erinnert. Eine gelungene Kulisse ist auch die Silvas Geister-Insel, die vom japanischen Hashima nahe Nagasaki inspiriert ist.

Lokalkolorit: 11/15
Am Anfang in Istanbul gut vorhanden, ebenso in allen Londonszenen. Vor allem in der Londoner U-Bahn in für die Serie sehr ungewohnter Weise. Etwas mangelhaft sind dagegen Shanghai und Macao.

Kombination: 11/15
Istanbul am Anfang ist die typisch austauschbare Prettitle-Location. Tatsächlich waren ursprünglich Indien und Südafrika dafür im Gespräch. Leider ist es dann wieder ein Drehort geworden, der schon zweimal sehr präsent war in der Reihe. Asien ist mit dem Casino und Silvas Insel okay, ebenso Schottland.



Musik

Titelsong: 15/15

Adeles Skyfall war eine zeitlang meine Nummer eins. Es ist einer großartigsten Bondtitelsongs der neueren Zeit und erhielt völlig zu Recht einen Oscar.

Allgemein: 11/15
Der Score von Thomas Newman hat sehr stimmungsvolle Momente. Etwa bei der Fahrt von Bond und M in Richtung Skyfall Manor. Auch die türkischen oder ostasiatischen Einschläge sind gut. Oft ist die Musik aber etwas zu sehr Klangteppich, mit teils redundanten Elementen.

Von Empire bis Stern: Durch das 50jährige Jubliäum erhielt SKYFALL viel Extra-Publicity


Fazit - Gewonnen oder verloren?


Mit Regisseur Sam Mendes, der vom Theater kommt und zwischen seinen Filmen immer noch leidenschaftlich gern dafür inszeniert, gewann James Bond etwas bühnenhaft - ja teils sogar opernhaft überhöhtes. Das sehe ich aber nicht als negativ an. Durch dieses im positiven Sinne Theatralische und Roger Deakins' kunstvolles Spiel mit Licht gewinnen die zahlreichen Innenaufnahmen eine eigene Faszination. Auch Javier Bardem kann man sicher eine gewisse Theatralik vorwerfen, was für mich aber doch gut funktioniert.

In mehrerer Hinsicht wirkt der Film wie ein Gegenentwurf zu QUANTUM OF SOLACE. Hatte der durch seinen Stakkato-Schnitt Actionszenen teilweise bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet, schwelgt SKYFALL in langen Einstellungen und Totalen, so dass man sich teilweise wieder mehr Geschwindigkeit wünscht. Der perfekte Craig-Bondfilm läge wohl genau zwischen QUANTUM und SKYFALL

Ein berechtigter Kritikpunkt ist natürlich, dass Silvas Vorgehen doch etwas konstruiert wirkt, und das von Bond dagegen etwas kontraproduktiv. Hier folgt der Film einem gängigen, dramaturgischen Schema, das einen 'falschen Sieg' in der Mitte der Geschichte vorsieht. Zahlreiche neuere Blockbuster wie etwa THE DARK KNIGHT folgen diesem Muster. Der ganz große Treffer ist für mich auch nicht die Neubesetzung von Q und Moneypenny.

Dass man Bond nach seinem erfolgreich überwundenen Vesper-Trauma nun erneut in eine zweistündige Therapiesitzung schickt, statt ihn einfach mal wieder bei seinem Job zu zeigen, hat mich nach dem Kinobesuch etwas gestört. (Am Ende deutet man ja an, dass Bond nun endlich austherapiert ist, nur um im nächsten Film ein noch konstruierteres Trauma aus dem Hut zu zaubern.) An sich sind die Inspirationen aus Ian Flemings Spätwerk sehr gut und innerhalb der Reihe etwas erfrischend anderes. Allerdings sind manche Ansätze für mein Empfinden nicht konsequent genug zu Ende erzählt. Bonds Hadern mit seiner Loyalität zu M und seine Hassliebe zu seinem Beruf werden eigentlich nur gestreift.

Trotzdem sehe ich SKYFALL aber auch als sehr vielschichtigen und mutigen Film. Während nach Ende des Kalten Krieges, und noch mehr im Fahrwasser der BOURNE-Filme, Geheimdienste als überflüssig und grundsätzlich verbrecherisch dargestellt wurden, ist SKYFALL wieder ein eher konservatives Plädoyer dafür, dass die althergebrachte Spionage "im Schatten" nach wie vor notwendig ist. Dabei bedient sich Mendes einer Bildsprache, die auf die klassisch-abendländische Mythologie zurückgreift. (Zu dieser Thematik hatte ich hier schon einmal mehr geschrieben: Artus, Odysseus und Bond.) So bietet der Film über die eigentliche Handlung hinaus einige Interpretationsansätze.

Dadurch und auch durch die sehr schöne Kamera-Arbeit ist SKYFALL für mich ein in der Summe gelungener und würdiger Beitrag zum 50jähriges Bondjubiläum.



Gefühlt: 13,5/15
Errechnet: 13,12/15

Also  85  % und eine 1-: Die Leistungen entsprechen den Anforderungen in besonderem Maße.





James Bond will return in


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