Donnerstag, 7. Mai 2020

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                                                   "Another one with the golden tongue
                                               poisoning your fantasy."
                                                                                                               (Another Way To Die, Jack White & Alicia Keys)
 


Bond-Marathon #23: QUANTUM OF SOLACE (2008)



Quantum of Solace Wodka MartiniNachdem CASINO ROYALE James Bond triumphal wiederbelebt und Daniel Craig als 007 eines neuen Jahrtausends etabliert hatte, gestaltete sich dessen Fortsetzung als nicht unbedingt geringere Herausforderung. Martin Campbell wollte sie nicht annehmen, daher brachte Craig den Deutsch-Schweizer Marc Forster ins Spiel. Wesentlich erschwert wurden die Dreharbeiten noch durch einen Autorenstreik, durch den Forster und Craig improvisieren musste.

Auf QUANTUM OF SOLACE lastete ein enormer Erwartungsdruck, dem der Film durch die dramaturgischen Probleme und gewagte bis experimentelle kreative Entscheidungen aus Sicht vieler Fans nicht gerecht wurde. Bis heute polarisiert das Werk, wobei ihn viele auch als herausragend sehen. Auch in meiner Bewertung schwankt der Film stark.











QUANTUM OF SOLACE kulinarisch

QUANTUM OF SOLACE ist ein Bondfilm, der viele Konventionen der Filmreihe bewusst gegen den Strich bürstet, und so verwundert es nicht, dass Alkoholkonsum hier nicht durchweg als etwas positives dargestellt wird. War das Bestellen des Vesper-Martinis im Vorgängerfilm CASINO ROYALE noch ein erhabenener, identitätsstiftender Akt, kippt Bond sich hier sechs Martinis ein, um Vesper zu vergessen. Auch die Besprechung mit M mit dem üblichen Gläschen wirkt eher wie ein Treffen der anonymen Alkoholiker. Bonds Alkoholkonsum hat hier oft etwas getriebenes. Zum Thema des Trinkens im Film sowie weiterer visueller Themen, die in den Film auf faszinierende Weise verwoben sind, hatte ich an dieser Stelle mehr geschrieben.

Nur mit Agent Fields (Gemma Arterton) und auf Dominic Greenes Eco-Park-Benefiz-Party gibt es den typischen Bollinger Champagner.






Im Vorfeld: Auf welche Elemente freue ich mich? Auf welche nicht? 

Als Nachfolger des selbst von Feuilletonisten wohlwollend aufgenommenen CASINO ROYALE hatte es QUANTUM OF SOLACE nicht gerade leicht. Dazu kommen kontroverse stilistische Entscheidungen und dramaturgische Probleme aufgrund eines Autorenstreiks. Der Schnitt ist auch für mein Empfinden zu schnell und anstrengend, und auch zu deutlich an die beiden BOURNE-Fortsetzungen angelehnt.

Trotzdem ist der Film für mich weit entfernt davon, der schlechteste Bondfilm zu sein. Er ist sehr kurzweilig und bietet einige überdurchschnittlich gelungene Szenen, sowie faszinierende Interpretationsansätze.


Bewertungen:

Einführungssequenz / Vortitelsequenz14/15


Vor dem entprechenden Tunnel am Gardasee
Die Jagd zwischen Bonds Aston Martin und Mr. Whites Männern sowie der Polizei, die am Gardasee und den Marmorsteinbrüchen von Carrara realisiert wurde, ist atemberaubend und eine der besten Autojagden der Reihe.

Titelanimation12/15
Regisseur Marc Forster bestand darauf, seine favorisierte Titeldesign-Firma MK12 einzubringen, obwohl Daniel Kleinman bis dato hervorragende Arbeit abgeliefert hatte. Der Titel zum Film ist visuell durchaus bestechend, passt zum Thema und zum Tempo des Songs und zum Bondstyle an sich. Aber es fehlen auch etwas die Details und Einfälle, die Kleinmans Titel so attraktiv machen.



Allow me to intruduce myself...

Einführungsszene von Bond: 13/15
Die in die Verfolgungsjagd einleitende Montage finde ich jedes Mal wieder beeindruckend und sehr gelungen.

Einführungsszene des Haupt-Bondgirls7/15
Camille (Olga Kurylenko) fährt in einem wunderschönen Ford Ka vor und weist Bond an, einzusteigen. Sie hält ihn für jemanden, den Bond gerade umgebracht hat. Begeistert mich nicht so sehr.

Einführungsszene des Gegenspielers10/15
Dominic Greene ist einem Lagerhaus zu sehen, wo er mit einem Stempel ein Muster auf ein Stück Papier druckt. Es wirkt etwas irrational und passt damit gut zum Film.

Einführungsszene des Haupt-Henchman5/15
Elvis taucht im Umfeld von Greene auf, als Camille ihn besuchen will. Durch ein Telefonat mit seiner Mama wirkt er gleich umso bedrohlicher.


Besetzung und Schauspiel

Darstellung von James Bond13/15

Seebühne Bregenz mit dem Bühnenbild für Carmen 2018
Insgesamt finde ich Daniel Craig hier bondtypischer als in CASINO ROYALE. Er wirkt abgeklärter; effizient, aber gleichzeitig stilvoll. Und er zeigt den üblichen Sarkasmus, etwa wenn ihn die bolivianische Polizei auffordert, den Kofferraum zu öffnen.

Gibt es Szenen, in denen Bond weniger sympathisch erscheint?
Die Szene, als Bond den toten Mathis in einen Müllcontainer ablegt, wirkt etwas fragwürdig. Er will es so aussehen lassen, als sei Mathis Opfer eines Raubüberfalls geworden. Aber da offensichtlich die gesamte Polizei korrupt ist, ist dieses Manöver eigentlich auch sinnlos.

Auch Bonds Verführung von Agentin Fields wirkt auf mich immer etwas kalt und lieblos, und nach Schema F. Es musste halt wenigstens eine Liebesszene rein, damit man die Fans nicht ganz verschreckt.

Darstellung des Gegenspielers: 9/15

Mathieu Amalric legt den Schurken Dominic Greene vom Typ her als schmierigen und aalglatten Geschäftsmann mit philanthropischer Fassade an, ohne genretypische Beigaben wie bestimmte Anzüge oder körperliche Fehlbildungen. So richtig bedrohlich wirkt er allerdings nicht, vor allem im Finale. Amalric übertreibt es für mein Empfinden auch etwas mit dem irren Starren. Die deutsche Synchronisation finde ich mit dem Akzent eher nervig.

Henchmen: 2/15
Es ist fraglich, ob man Elvis (Anatole Taubmann) überhaupt als Henchman bezeichnen kann. Zumindest geht er in keiner Szene dieser typischen Tätigkeit nach. Vielleicht wurden entsprechende Szenen auch geschnitten. Aber allein dass man sich diese Frage stellen kann, zeigt schon, wie überflüssig und sinnlos diese Figur eigentlich ist. Selbst als Bodyguard von Greene wirkt er überfordert. Insgesamt wirkt er wie ein großes Kind, mit seinem Topfschnitt, seiner Unbedarftheit oder Fragen wie "Sind wir bald da?". Für eine Witzfigur ist er andererseits nicht witzig, und man fragt sich, wieso sich eine derart auf kompetentes Personal angewiesene Organisation wie Quantum solche Mitarbeiter leistet. Dass man durch den Autorenstreik dramaturgische Probleme hatte, ist klar, aber das entschuldigt letztlich nicht, dass man funktionslose Figuren mit durch die Handlung schleift.

Dann gibt es noch Luiz Medrano (Joaquin Cosio), ein ziemlich unsympathischer bolivianischer Exil-General. Zur Gegenseite zählt diesmal auch ein CIA-Funktionär, dargestellt von David Harbour, der später als Sheriff in der Serie Stranger Things überzeugte.

Bondgirl: 5/15
Olga Kurylenko ist die Ex-Agentin Camille Montes mit bolivianisch-russischen Wurzeln, die sich an General Meddrano für den Tod ihrer Familie rächen will. Weder Kurylenkos Darstellung noch die Chemie mit Craig finde ich sonderlich überzeugend oder prickelnd. Grundsätzlich wirken auch Charaktere, die ihr ganzes Leben auf Rache für ein Ereignis ausrichten, das Jahrzehnte zurückliegt, auf mich meistens nicht so reizvoll oder realistisch. Die Synchronisation mit dem übertriebenen Akzent macht den Charakter vollends unattraktiv.

In Bolivien trifft Bond auf die MI-6-Angestellte Strawberry Fields, die ihn zurückholen soll. Sie stirbt kurz darauf als Goldfinger-Zitat. Die Rolle ist nicht sonderlich gut geschrieben und gekleidet, und wirkt ein bisschen so, als musste man unbedingt irgendwie eine zweite Dame und die obligatorische Sexszene reinbringen, trotzdem finde ich Darstellerin Gemma Arterton wesentlich sympathischer und facettenreicher. Arterton ist für mich eine der attraktivsten und vielversprechendsten Darstellerinnen der Gegenwart und ich hätte sie gern in einer Hauptrolle gesehen.

Helfer: 13/15
René Mathis und Felix Leiter aus CASINO ROYALE sind hier auch wieder an Bonds Seite zu sehen. Giancarlo Giannini spielt ein weiteres Mal sehr überzeugend und hat einige der besten Dialogzeilen. Jeffery Wright hat nur eine kurze Begegnung mit Bond und wirkt den ganzen Film über ziemlich schlecht gelaunt, aber trotzdem lässig. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Wright in NO TIME TO DIE.


MI-6

Briefing-Szene: 13/15
Hier passiert es zum ersten und bisher einzigen Mal in der Bondreihe, dass es während des Gesprächs mit M zu einer völlig unerwarteten Wendung und einer Actionszene kommt. Nach dem Feuergefecht und der Verfolgung von Doppelagent Craig Mitchell (Glenn Foster) setzt sich das Briefing in der Wohnung von Mitchell und später im MI-6-Hauptquartier fort.

Insgesamt finde ich Judy Denchs M von all ihren Auftritten hier fast am unausgeglichensten, und ich möchte fast sagen, am unsympathischsten. In vielen Szenen wirkt sie etwas fahrig, etwa wenn sie sich beim sprechen das Gesicht abschminkt.

Moneypenny-Szene
Entfällt hier, daher keine Wertung.

Q-Szene
Findet im klassischen Sinne ebenfalls nicht statt. Allerdings gibt es auch hier wieder einen Auftritt eines Mitarbeiters der Abteilung, die normalerweise Q genannt wird. Diese Szene finde ich ganz reizvoll vom futuristischen Design her.



Dramaturgische Struktur

Ist das auslösende Ereignis stark und interessant genug? 13/15

frühe Fan-Art zum Film
Da der Film direkt an CASINO ROYALE anschließt und dessen Geschichte um den Tod von Vesper Lynd fortsetzt, etabliert er auch eher wenige eigene Impulse. Als handlungsauslösendes Ereignis kann man am ehesten den Angriff von M's Bodyguard Craig Mitchell sehen, der sich als Doppelagent entpuppt, und durch den Mr. White wieder entkommt. Dieses Ereignis mitten in die Besprechung mit M zu platzieren und recht clever und eine überraschende Wendung. Nie zuvor und danach gab es den Auslöser während des Briefings.

Hält der Film durchgehend eine gewisse Grundspannung aufrecht? 12/15

Finale allgemein: 7/15
Die Lokalität eines Hotels mitten in der Wüste ist schon reizvoll, zumal tatsächlich in einer Wüste gedreht wurde. Was ich allerdings sehr schlecht geschrieben finde, ist die Erklärung für die obligatorische Explosion des Gebäudes. In einem etwas ungeschickten Dialog zwischen Medrano und dem Polizeichef werden gefährliche Brennstoffzellen zur Stromversorgung etabliert, und die explodieren dann auch schon, sobald ein Auto dagegen fährt. Autorenstreik, okay, aber hier hätte man sich schon ein bisschen mehr Mühe geben können. 

Gibt es eine Steigerung des Sensationswertes bis hin zum Finale, das alles andere überschattet? 10/15



Showdown
Das Computerspiel zum Film


Endkampf Bond - Henchman: 12/15

Findet hier nicht statt, da Elvis Bond wohl auch nicht viel entgegenzusetzen hätte. Elvis wird von Greene in Stellung gebracht und stirbt dann einfach durch eine Explosion. Daher habe ich hier mal den Kampf zwischen Camille und Medrano gewertet, der ganz gut und spannend ist.

Endkampf Bond - Schurke: 10/15
Ganz okay. Leider wirkt Greene nie wie eine echte Herausforderung für Bond.

Wirkt die Auflösung nach dem Finale befriedigend? 15/15
Die Endszene in Kazan gefällt mir sehr gut. Sie spiegelt im Prinzip die Anfangsszene von CASINO ROYALE und zeigt den Reifungsprozess von Bond. Vor allem Bonds "Sit!" kommt sehr gut gespielt und gefährlich rüber.

Ist Bonds ermittlerische Vorgehensweise glaubwürdig und zielführend? 13/15
Durch die Analyse eines Geldscheines kommt Bond auf die Spur von Edmund Slate, und nimmt wie immer mit sehr gutem Improvisionstalent dessen Rolle ein. Dann bringt er M auf die Spur von Greene. Greenes unterirdisches Wasserreservoir und damit dessen Plan entdeckt Bond eher durch Zufall.



Allgemein


Bond-Feeling: 11/15

Fleming-Feeling: 12/15
Der Film benutzt bisher zum letzten Mal einen Titel von Fleming, speziell einer Kurzgeschichte, in der Bond selbst nur am Rande auftritt. In Ein Minimum an Trost (deutscher Titel der Scherz-Ausgabe, der weit weniger dümmlich ist als der deutsche Filmtitel) ist Bond bei einem Gouverneur zu Gast, der ihm eine Geschichte von einer schwierigen Beziehung erzählt. Der Film hat keinen Bezug zu der Geschichte, und auch der Titel passt mehr schlecht als recht.

Insgesamt trifft der Film das Gefühl der Bücher aber hin und wieder recht gut. 

Dialoge/Humor: 11/15
Größtenteils sehr gut. Nur die Begegnung zwischen Camille und Greene in Haiti finde ich ziemlich misslungen.

Logik/Schlüssigkeit der Story: 14/15
QUANTUM OF SOLACE zählt zu den eher realistischen Bondfilmen. Das Tierra-Projekt von Quantum beruht auf der realen Privatisierung der Wasserwirtschaft in Bolivien Anfang der 2000er Jahre, aufgrund der sich die Trinkwasserversorgung künstlich verknappte. Auch bei Konzernen wie Nestlé wurde immer wieder bekannt, dass sie Quellwasser abpumpen und in Flaschen verkaufen, während die einheimische Bevölkerung unter Wassermangel leidet. So etwa im französischen Dorf Vittel, in Äthiopien, wo der Konzern mit Wasser Millionen verdiente, während das Land unter einer der verheerendsten Dürreperioden litt, oder in Kanada. Insofern ist der Plot des Films wohl noch untertrieben. Der Hinweis auf Wasser als Resource der Zukunft ist angesichts des Klimawandels sehr vorausschauend, auch wenn er durch die Beschränkung auf ein einziges Land nicht so bondtypisch groß wirkt.

Auch Bonds Vorgehensweise oder die Verstrickungen der CIA mit der Schurkenorganisation sind vergleichsweise sehr realistisch dargestellt. Hier erinnert der Film oft an den wegweisenden LICENCE TO KILL (1989).



Handwerk

Produktions-Design: 12/15
Hier kam erstmals Dennis Gassner (WATERWORLD, TRUMAN SHOW, ROAD TO PERDITION) zum Einsatz, der Bond bis SPECTRE treu bleiben sollte. Das Produktionsdesign wirkt insgesamt sehr kühl, anonym und modernistisch. Der Sitz des britischen Auslandsgeheimdienstes befindet sich hier nicht im berühmten Gebäude an der Themse, sondern wurde im Barbican Center realisiert. Die Innenräume wirken futuristisch, aber trotzdem glaubwürdig. Das Design der Touch-Screens, das ein bisschen an Star Trek erinnert und auch für das Menü der DVD/Bluray übernommen wurde, gefällt mir ziemlich gut.

Spezialeffekte: 10/15
Die Fallschirmszene wird oft dafür kritisiert, zu sehr nach CGI auszusehen. Die Kombination der Höhlenkulisse in Pinewood mit Bildern eines riesigen unterirdischen Reservoir sind dagegen beispielsweise ganz gut.

Action/Stunts: 12/15
Der Aston Martin bei Bond in Motion in London
Herausstechend ist die Autojagd zu Beginn am See und im Steinbruch. Auch die Verfolgung und der Kampf mit Mitchell in Siena ist toll. Bootsjagd, der Kampf zwischen den Flugzeugen und Finale sind okay. Einige an sich herausragende Stunts wie etwa in der Kirche in Siena werden ein wenig durch den übertriebenen Schnitt beeinträchtigt. Eigentlich sollte man ruhig die Kamera draufhalten, wenn Stuntmen ihr Leben riskieren.

Bildgestaltung: 13/15
Der Schnitt ist oft einfach zu hektisch ist und zu untypisch für einen Bondfilm, vor allem in den meisten Actionsequenzen. Hin und wieder wirkt er aber auch ganz schön, wie wenn ein Zeichner mit wenigen Strichen eine Szene skizziert. Es gibt auch zahlreiche innovative Einstellungen und Bildideen.


Locations

Drehorte: 13/15

Bregenz 2008 und 2018
Was man dem Film unbedingt zu Gute halten muss, sind seine zahlreichen on-location-Aufnahmen - vor allem in einer Zeit, in der EON bei den Drehorten gern an allen Ecken und Enden spart und so viel wie möglich in Großbritannien dreht. Für QUANTUM hat man teilweise wieder den Mut und den Entdeckergeist aufgebracht, den man in den frühen Tagen hatte, wo man tatsächlich beispielsweise zu abgelegenen japanischen Vulkanen oder thailändischen Inseln gereist ist. 

Es gibt einige italienische Locations, wie den Gardasee, Siena und Talamone, wo Mathis wohnt. London gewinnt mit dem Barbicon-Center und dem Wohnkomplex The Water Gardens neue Aspekte. Herausstechend ist natürlich die Festspielbühne am Bodensee in Bregenz mit ihren faszinierenden, riesigen Bühnenbauten.

Die Szenen im bolivianischen La Paz wurden in Colon in Panama gedreht, ebenso wie alles, was in Port-au-Prince in Haiti spielen soll. Der Kampf zwischen den Flugzeugen wurde in Mexiko realisiert. Das Finale im Dünenhotel sowie einige Szenen in einem bolivianischen Dorf entstanden dagegen in der chilenischen Atacama-Wüste, dem trockensten Ort der Welt. Dort sind übrigens auch die berühmten Nazca-Linien zu finden. Das Hotel, eigentlich ein Komplex des Paranal-Observatoriums mitten in der Wüste, ist einer der außergewöhnlichsten Drehorte der Filmreihe.


Lokalkolorit: 15/15
Von allen neueren Bondfilmen seit GOLDENEYE hier vielleicht am eindrucksvollsten vorhanden. Die Szenen in Colon bieten hier viel für's Auge, ebenso das Palio in Siena, das allerdings zu einem anderen Zeitpunkt als die Verfolgungsjagd gefilmt wurde. Auch in Bregenz und in Chile gibt es das pralle, authentische Leben.

Kombination: 12/15
Italien zu Beginn ergibt sich logisch aus dem Ende von CASINO ROYALE. Südamerika ist in die Handlung eingebunden, nur Bregenz fällt ein bisschen aus der Reihe und wurde vor allem wegen der Bühne eingebaut.


Musik

Titelsong: 1/15

Der Worst Case. Der Song wirkt wie eine Demo-Version, die man der Produktionsfirma vorlegt, um sie dann noch richtig professionell einzuspielen. Das ganze Konzept eines Duetts wird völlig verschenkt dadurch, dass White viel zu androgyn klingt und die Stimmen sich dadurch zu ähnlich sind. Gegen Ende entgleitet der Gesang völlig ins Peinliche. Ein stupides yeah-yeah-yeah, von dem schon Walter Ulbricht fand, dass man damit Schluss machen sollte. Außerhalb des Films höre ich mir Another Way To Die daher gar nicht mehr an.

Allgemein: 14/15
David Arnolds bislang letzte Arbeit für das Franchise. Einige Tracks sind phantastisch, wie das hypnotische, sich langsam steigernde Thema, das er für die Organisation Quantum geschrieben hat. Etwa in Night at the Opera. Auch die Untermalung der Eröffnung, Time to get out, bei der leider auf einen Teil der Musik verzichtet wurde. Sehr schön auch wieder die ruhigeren Stücke, wie Forgive Yourself mit Anspielungen auf das Vesper-Thema, oder Camille's Story.

Wie bei seinem ersten Bondscore hatte Arnold auch hier einen Titelsong produziert, der von der Produktionsfirma verworfen wurde, aber sich trotzdem noch in der Musik wiederfindet: No Good About Goodbye, interpretiert von Bondlegende Shirley Bassey. Leider fehlen auf dem Album einige Stücke, wie die Musik von Greenes Fundraiser-Party oder die Musik im Abspann.



Fazit - Gewonnen oder verloren?


QUANTUM OF SOLACE bleibt ein Film, der einige herausragende Elemente hat, aber auch einige ziemlich mittelmäßige. Daher reicht es bei mir zwar für das obere Drittel der Liste, aber nicht für Spitzenplätze. Was mir weniger gefällt sind Charaktere wie Elvis, Camille oder Medrano, einige Dialoge, manchmal der Schnitt und vor allem das Lied zum Film, die rechnerisch zu Buche schlagen. Der gesamte Part in Port-au-Prince überzeugt mich nicht so richtig.

Dagegen stehen die Vortitelsequenz und vor allem die Szenen in Bregenz, die eine einzigartige Atmosphäre ausstrahlen. Sehr gut finde ich auch die Anleihen am Paranoiathriller der 1970er Jahre, auf die ich an dieser Stelle schon einmal näher eingegangen bin.

Zusammen mit LICENCE TO KILL stellt QUANTUM wohl einen der realitätsnahesten Bondfilme dar. Die Monopolisierung von Trinkwasser ist dabei ein bereits angesprochener Aspekt. Dominic Greene und die Organisation Quantum sind eine treffende Metapher für all die Milliardäre und deren Stiftungen, die vorgeben der Umwelt zu helfen oder die Weltgesundheit zu fördern, und dabei nur einer hemmungslosen Geld- und Machtgier nachgehen. All die vermeintlichen Philanthropen, die ihre großzügigen Spendengelder für die Weltgesundheit durch Fast-Food-Aktien verdienen, oder in der Dritten Welt Medikamente ohne jede ethische Beschränkung mit verheerenden Nebenwirkungen testen. Und denen sich leider keine Doppelnull-Agenten in den Weg stellen.

Diese relative Ernsthaftigkeit und Realitätsnähe machen es dem Film beim Durchschnittspublikum sicher auch etwas schwerer. Dazu kommt auch, dass ohne das Vorwissen der Story von CASINO ROYALE - das bei Gelegenheits-Zuschauern weniger vorhanden ist als bei Fans - die Handlung oft wenig Sinn ergibt.

QUANTUM OF SOLACE hat ein paar Schwächen, nicht zuletzt aufgrund des Autorenstreiks 2007, der auch viele andere Filme und Serien traf. Der Vorgängerfilm warf einen übergroßen Schatten, und die Produktionszeit war viel zu kurz. Trotz all dieser Schwierigkeiten schuf Marc Forster aus meiner Sicht aber auch einen faszinierenden und in sich stimmigen Film.



Gefühlt: 12/15
Errechnet: 10,23/15

Also  70  % und eine 2-: Die Leistungen entsprechen den Anforderungen voll.






James Bond will return in



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