Samstag, 6. Februar 2016

Der Titelsong als Teil der Erzählung

Sam Smith: Writing's On The Wall, Titel von Daniel KleinmanIn den Fünfziger und Sechziger Jahren waren speziell animierte Einleitungssequenzen mit entsprechenden Liedern noch ein selbstverständlicher Bestandteil von Filmen. Sie informierten nicht nur über Filmtitel und Darsteller, sondern bereiteten die Zuschauer auch auf Thema und Stimmung des Filmes vor. Sofern die Zuschauer schon im Lichtspieltheater ihrer Wahl Platz genommen hatten. Falls nicht lieferte die Titelsequenz immerhin das gute Gefühl, noch nicht viel vom eigentlich Film verpasst zu haben, und die genervt zum Platz machen gezwungenen Mit-Zuschauer ebenfalls nicht. Eine Aufgabe, die heute die 45-minütige Werbung inne hat.


Mittwoch, 3. Februar 2016

gunbarrel, die Zweite

Gunbarrel, Magazin des James Bond Club DeutschlandMit leichter Verspätung möchte ich auf die zweite Ausgabe der gunbarrel hinweisen, das offizielle Magazin des James Bond Club Deutschland. Im Umfang noch einmal deutlich zugenommen, bietet es eine enorme Fülle an Material zu Bond-Drehorten, Hintergrund-Informationen zu den Filmen oder Interviews mit prominenten Mitgliedern der Bondfamilie. Themenschwerpunkte sind das 50jährige Jubiläum von THUNDERBALL - zu dem ich einen Artikel beigesteuert habe - und natürlich die Produktion des neusten Bondfilms SPECTRE.

Insgesamt eine Pflichtlektüre für jeden Bondfan und eins von vielen Argumenten, Teil des James Bond Club Deutschland zu werden.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Bond & Beyond wünscht...

...einen angenehmen Jahresausklang und ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2016! Mit 2015 geht ein klassisches Bondjahr zu Ende, dass uns nicht nur Bond, Blofeld und Spectre zurückbrachte, sondern auch Pussy Galore und Smersh.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Der Sprung in die Neunziger

20 Jahre GOLDENEYE

20 years of James Bond 007 GOLDENEYE, Bungee JumpDezember 1995. James Bond ist zurück! Endlich! Zum ersten Mal in seiner Geschichte erschien ein Bond nicht mit der gemütlichen Regelmäßigkeit gewisser Feiertage, sondern drohte eine zeit lang überhaupt nicht mehr zu erscheinen. Und es gab auch nicht wenige Stimmen, die seine Tage tatsächlich für gezählt hielten. Nicht nur wegen des Endes des Kalten Krieges. In den Achtzigern war die Reihe mit einen stetigen Abwärtstrend der Einspielergebnisse konfrontiert, der mit LICENSE TO KILL in einem Negativ-Rekord mündete. Andere Kinohelden waren mühelos an der einstigen Ikone vorbeigezogen und schienen den Zeitgeist besser zu treffen. 007 spürte den Hauch des Todes, und auf GOLDENEYE lag nicht nur die enorme Vorfreude der Fans, sondern auch die große Skepsis der Kritiker.


Sonntag, 13. Dezember 2015

Deutschland 83

Deutschland 83, Jonas Nay und Sonja Gerhardt
© Ufa Fiction
Beim Stichwort Deutschland 83 denken Bondfans wohl zuerst an Roger Moore im Clownskostüm und den Plan, eine Atombombe in einer Basis der US-Army in der Bundesrepublik zu zünden. Der Bondfilm OCTOPUSSY war 1983 erstaunlich nahe an der Realität, in der Reagans 'Reich des Bösen'-Rhetorik und NATO-Übungen wie Able Archer die Welt an den Rand eines Atomkriegs führten.

Zur Zeit läuft mit Deutschland 83 eine Miniserie im Fernsehen, die diese Zeit auf sehr spannende Weise aus deutscher Sicht zeigt. Seit ihrer Erstausstrahlung auf der Berlinale wurde sie weltweit mit großem Interesse und Kritikerlob wahrgenommen.



So lief sie in den Staaten schon vor dem Deutschlandstart, und Stars wie Tom Hanks schwärmen davon in Interviews. Für Variety ist es eine der 20 besten Serien 2015. Vom Format her eine horizontal erzählte Drama-Serie, wie sie spätestens seit Breaking Bad zu einem Zeitgeist-Phänomen geworden sind, erzählt sie ihre Geschichte aber nie mit einer übertriebenen Düsternis oder der auf Authentizität und Ernsthaftigkeit getrimmten 'Think Small'-Mentalität, die man sonst aus deutschen Landen kennt.

Bisher liefen auf RTL sechs Folgen, die man hier online anschauen kann. Leider mit eher enttäuschenden und sinkenden Einschaltquoten, weshalb ich hier auch ein bisschen Werbung dafür machen möchte. Ich finde es sehr schade, wenn gut gemachte deutsche Filme und Serien nicht ihr Publikum finden und der immer wieder erhobene Vorwurf "Deutsche Sachen sind langweilig" zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird.

Die Handlung um einen in die Bundeswehr eingeschleusten Agenten basiert auf dem realen Spion Rainer Rupp, der von der Stasi angeworben und unter dem Decknamen Topas geführt wurde. Rupp nahm später für sich in Anspruch, tatsächlich einen Atomkrieg verhindert zu haben.

Das bisher gesehene hat mir sehr gut gefallen. Es gibt eine Prise Nostalgie, die mir als Eighties-Fan sehr zusagt. Trotzdem ist die Thematik nicht ohne eine gewisse Aktualität. Immerhin wurde erst im September bekannt, dass die hierzulande stationierten US-Atomwaffen mit deutschen Steuergeldern erneuert werden.

Wer sich für Geschichte und die Spionagetätigkeit während des Kalten Krieges interessiert, sollte hier auf jeden Fall reinschauen. Aber auch wer einfach nur gut unterhalten werden möchte. Also für Bondfans grundsätzlich zu empfehlen. Der Vorspann mit Projektionen auf einem Körper greift immerhin spielerisch ein klassisches Bondmotiv auf. Ich hoffe mal, dass die Miniserie auf DVD und Bluray mehr Zuschauer findet. Zumal die klassische Fernsehaustrahlung mit festem Sendetermin ja eh nicht mehr heutigen Sehgewohnheiten entspricht.

Donnerstag, 12. November 2015

Der Große Bruder ist überall

SPECTRE: Der erste Eindruck

Christoph Waltz als Oberhauser/Ernst Stavro Blofeld in SPECTREMit leichter Verspätung möchte ich hier mal meine Meinung zu SPECTRE kundtun. Da die Premieren und das Startwochenende bereits hinter uns liegen, enthält der Artikel einige Spoiler.

Der jeweils vierte Film eines Bonddarstellers ist ein besonderes Vergnügen, in dem sich die jeweiligen Stärken, aber auch Schwächen seiner Ära deutlich abzeichnen. Der Darsteller kann in seiner vierten Inkarnation den Charakter so mühelos überstreifen wie ein Dinner Jacket. Wie ein erfahrener Pianist schafft er es mit zwei, drei Noten das Bondtheme anklingen zu lassen. Hier eine Geste, dort ein Blick. 


Das "verflixte" vierte Mal

Ich denke da beispielsweise an Sean Connerys Geste am Spieltisch in THUNDERBALL, Roger Moores süffisanten "Etwas verfrüht, finden Sie nicht" in MOONRAKER oder das kurze Lächeln, mit dem Pierce Brosnan einem Diamantenhändler in DIE ANOTHER DAY die Sonnenbrille abnimmt. Schon die Bilder von Daniel Craig auf den Premieren von SPECTRE lassen ihn so bondig und lässig wie nie zuvor erscheinen. Daniel Craig IST James Bond. Weiterentwickeln kann er die Figur vor allem in den humorvollen Szenen. Wirkte er da bisher auf mich immer etwas bemüht, präsentiert er hier Oneliner und Situationskomik, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Das macht großen Spaß.

Aber gerade in dieser Vertrautheit liegt auch bereits der Schatten des Endes. Schauspieler suchen Herausforderungen. Eine Rolle, die schon zu einem guten Teil mit der eigenen Persönlichkeit verwachsen ist, wird schnell langweilig und sogar gefährlich.

Im ersten Film ist die Herausforderung noch riesig. Im zweiten gab man dem Darsteller dann mehr zu tun. TOMORROW NEVER DIES und QUANTUM OF SOLACE sind deshalb Actionfeuerwerke. Im dritten Film taucht der große ernsthafte Gegner auf; und im vierten dann kennt der Zuschauer seinen Reisebegleiter so gut, dass man mit ihm in wildere und gewagtere Gewässer navigieren kann. Zudem es gibt eine erste Rückschau und Reflektion des bisher gezeigten. Und hier zeigt sich dann oft bereits die Schattenseite der Ära. Connerys müheloses Machismo und der mechanische "Even Bigger"-Drang, die Tendenz zur Albernheit bei Moore, das richtungslose Mäandern zwischen den Welten bei Brosnan, es wirkte sich jeweils negativ auf die Dramaturgie des Films aus.

Bei Daniel Craig ist es die Beschäftigung mit dem Innenleben und der Vergangenheit des Helden sowie ein Bestreben, die bekannten Klischees zu kontrastieren, die hier erstmals aufgesetzt und unbefriedigend gelöst wirken. Timothy Dalton sagte einmal, dass Bond der klassische Fremde aus dem Western ist, der in die Stadt kommt, die Gangster erledigt und wieder in den Sonnenuntergang reitet.

Mit Craig ist Bond nicht mehr dieser Fremde. Man weiß, wann und wo er geboren wurde. Man weiß, wo, wie und mit wem er aufwuchs; welche Ereignisse seine Kindheit prägten, wer seine Eltern waren, wie sie hießen. Man weiß, wer ihn aufzog, mit wem er als Kind spielte. Wie er als Kind aussah. Man kennt seine große Liebe und wie er seinen Doppelnull-Status bekam. Die wichtigsten Ziele dieser Reisen in die Vergangenheit sind abgehakt. Natürlich könnte man jetzt noch seine Tante Charmain oder sadistische Lehrer in Eaton thematisieren, aber der Reiz ist mittlerweile überschaubar. Wird der nächste Darsteller nach Craig überhaupt noch dieser faszinierende Fremde sein können?

Am Ende von SPECTRE spürt man den Drang der Macher, kein beliebiges Ende mit Belohnungsbeischlaf und flottem Spruch abzuliefern. Es muss immer die große Geste sein. Aber es wirkt mittlerweile nicht mehr so faszinierend wie das "Bond. James Bond" in CASINO ROYALE, oder auch die Schlusszenen von QUANTUM OF SOLACE oder SKYFALL.

George Orwell lebt nur zweimal in Dr. Mabuses Kabinett in Casablanca

Bei der Berlinale 2014 saßen Barbara Broccoli und Christoph Waltz zusammen in der Jury. Ich könnte mir gut vorstellen, dass während dieser Zusammenarbeit die obligatorische Frage auftauchte, ob Waltz nicht mal einen Bondschurken spielen möchte. Waltz, der in Interviews oft betont, dass er jedes Rollenangebot erst einmal skeptisch betrachtet, sagte vielleicht nicht ganz im Ernst: "Aber nur, wenn ich Blofeld spielen darf, einen Mao-Anzug, eine weiße Katze und ein Versteck in einem Krater habe, und die Weltherrschaft anstrebe". Broccoli nahm vielleicht überraschend an, und beide merkten dann, dass sie sich mit diesem Deal nicht unbedingt einen Gefallen getan haben.

Tatsächlich hakt SPECTRE fast alle Blofeld-Klischees bis auf die Glatze ab, und die Modernisierung wirkt nicht immer geglückt. Nachdem EON 2013 die Rechte an der Figur erworben hatte, hatte ich hier mal einen Artikel zu einer möglicher Blofeld-Rückehr geschrieben. Mein Fazit damals:


Aber prinzipiell fehlt dem Charakter Blofeld etwas das Einmalige und Besondere. Vielleicht war das auch der Grund, warum man ihm so markante äußerliche Markenzeichen verpassen musste. Für das Phantomhafte, Ungreifbare ist er durch seine Organisation zu gebunden. Andererseits ist er auch nicht überdurchschnittlich wahnsinnig oder genial. Und damit stellt sich die Frage: Für was steht er, wofür ist er eine gute Metapher?

"Die 1000 Augen des Dr. Mabuse", Parallelen zu Blofeld und SpectreBei aller Kritik am Film muss ich zugeben, dass man in diesem Punkt einen interessanten Dreh gefunden hat. Blofeld ist die Fleischwerdung von George Orwells berühmt-berüchtigtem "Watching Big Brother". Er ist der buchstäbliche Große Bruder, der alles sieht und überall ist. Und der alte Spectre-Octopus lebt ein zweites mal als Datenkrake. Das ist eine zeitgemäße und relativ glaubhafte Modernisierung. Vor allem wird es den literarischen und filmischen Vorbildern von Blofeld wie Fantômas oder Dr. Mabuse gerecht. Der wie immer wunderschöne Titel von Daniel Kleinman zeigt sogar ein direktes Zitat eines Motivs aus Fritz Langs DIE TAUSEND AUGEN DES DR. MABUSE von 1960.

George Orwell wird im Film sogar direkt erwähnt, und die Ironie der Geschichte ist, dass Orwell selbst jahrelang vom britischen Geheimdienst beobachtet wurde. Das hätte man in den Dialog einbauen können. "George Orwells schlimmster Albtraum." - "Und es war übrigens der britische Geheimdienst, der ihn ihm bescherte."

Sehen und verschwinden lassen

Dieses Motiv der Überwachung im digitalen Zeitalter verbindet den Film thematisch mit dem Vorgänger und gibt vielen Szenen eine interessante Hintergründigkeit. Während es in QUANTUM OF SOLACE um das Motiv des Trinkens ging (siehe hier), ist hier das Sehen, Nichtsehen und Augen an sich in verschiedenen Formen präsent. Handlanger Hinx zerquetscht seinen Opfern die Augen. Krähen hacken dem toten Mr. White die Augen aus. Madeleine sitzt sozusagen im Glashaus und benutzt Jalousien, um nicht gesehen zu werden. Später sagt sie im Rausch, dass sie Bond zweimal sehe. (and twice is the only way to see... ;) "Sieh nicht hin", sagt Bond zu ihr später. Und Blofeld büßt am Ende ein Auge ein.

Die Szene mit der Maus spielt auf das umgangssprachliche "Bei denen möchte ich mal Mäuschen spielen" an, was dank sozialer Netzwerke und Hackern ja mittlerweile ohne weiteres möglich ist. (Interessanterweise bezeichnet sich Bond auch selbst als Micky Maus.) Big Brother möchte die natürlichen Sichtweise der Menschen sozusagen zerquetschen und sie durch seine manipulierten Informationen ersetzen. Was vor allem im Zusammenhang mit Terroranschlägen und den Nachrichten darüber sehr interessant, fast schon subversiv ist. (Wenn Blofeld im nächsten Film ein künstliches Auge hätte, wäre die Metapher wohl perfekt.) Letztlich möchte er sich buchstäblich direkt in die Hirne der Menschen hinein bohren und ihr Denken und ihre Identität für immer verändern.

Die Anfangsszene mit dem Tag der Toten könnte man in diesem Zusammenhang als eine makabre Metapher auf die Gegenwart oder das Internet sehen, in der wir alle schon als digitale Zombies mit Blick auf das Smartphone durch die Welt stolpern, und in dem alle trotz der sozialen Inszenierung doch Masken tragen. 

Allerdings muss ich sagen, dass sich Blofelds Sinn in dieser buchstäblichen Big-Brother-Verkörperung auch schnell erschöpfen könnte. Das Thema der digitalen Kontrolle gab es jetzt zweimal hintereinander. Das Problem ist auch, dass es als Bedrohungsszenario nur beschränkt funktioniert. Wen stört eine Weltherrschaft, bei der alle freiwillig mitmachen?

Und wenn die Symbolik erschöpft ist, bleiben wieder nur die Klischees und das alte Katz-und-(Micky)-Maus-Spiel. Dieses Spiel könnte Christoph Waltz genau so schnell ermüden wie Daniel Craig. Im schlimmsten Fall könnte sich die Erschaffung eines bösen Stiefbruders auch als der ultimative Haisprung der Reihe erweisen, denn im Gegensatz zu Tsunami-Ritts oder unsichtbaren Autos ist es nicht so leicht wieder rückgängig zu machen.

Die Überwachungs-Thematik hat auch gewisse ungewollte Ironien. Angefangen damit, dass Produktionsfirmen selbst alle sozialen Kanäle für die Promotion nutzen. Desweiteren spiegelt sich das Interesse für die Privatsphäre der Anderen, die die sozialen Netzwerken beherrscht, ja auch gerade in der Craig-Ära wider, wie schon erwähnt. Craigs Bond ist der, dessen private Seite am meisten erforscht wurde. Vom Zuschauer gleichermaßen wie von Blofeld. Insofern schließt sich hier ein Kreis. Und das Ende hat aus dieser Perspektive ebenfalls eine gewisse Ironie. Bond zieht sich ins Privatleben zurück, dessen Eroberung ja gerade das Ziel von Big Brother ist.

Einer flog übers Kuckucksnest

SPECTRE versucht neben der Neu-Interpretation von Blofeld auch etwas, was ich an sich sehr schätze: Die Verbindung der zum Teil noch losen, roten Fäden von CASINO ROYALE und QUANTUM OF SOLACE. Da man das aber nicht lückenlos leisten kann, rettet man sich auf eine etwas augenzwinkerndere Ebene. Leider bezieht man auch deutlich SKYFALL ein, der für sich sehr rund wirkte und gar keine losen Enden hatte, die es zu beantworten gilt. Was aber wohl vor allem der thematischen Verbindung geschuldet ist. 

Und es fügt sich letztendlich auch alles ganz gut ein. Sowohl in CASINO ROYALE, QUANTUM OF SOLACE als auch SKYFALL ging es um Macht durch Terror. Le Chiffre streut Terror, um daran zu verdienen, Greene (Der grüne König?) erzeugt Unruhen durch Rohstoffverknappung und Silva nutzt Terroranschläge, um den MI6 zu schwächen. Das alles würde einem Plan von umfassender Überwachung und Datenspeicherung in die Hände spielen. 

Trotzdem wirkt es am Ende von SPECTRE etwas gewollt und unrund. Das Problem ist meines Erachtens, dass man sich nicht sicher war, ob dieser Film die Craig-Ära abschließen oder Potential für weitere Filme liefern soll. Beides würde funktionieren, aber leider auch nicht so richtig. Im ersten Fall hätte Bond den großen Drahtzieher nicht ausgeschaltet, im zweiten müsste man in irgendeiner Form das Happy End zerstören.

Quo Vadis, 007?

Ich selbst bin da etwas zwiegespalten. Ich würde Craigs Bond nach all seinen körperlichen und psychischen Strapazen ein Ankommen wirklich von Herzen gönnen. Dann müsste der Nachfolger aber auch wirklich wieder bei Null starten. Andererseits würde ich weitere Filme mit Craig sehr gern sehen, jetzt wo er wirklich Bond ist.

Falls man mit Craig weitermacht, bieten sich mehrere Varianten an, die ich abschließend noch ansprechen möchte. Die naheliegendste wäre wohl die OHMSS-Lösung. Madeleine wird am Anfang von Bond 25 von Blofeld ermordet, wie Tracy in OHMSS oder vergleichsweise Marie in THE BOURNE SUPREMACY. Das würde mir nicht gefallen, aus den oben angesprochenen Gründen und weil CASINO ROYALE dieses Drama bereits perfekt geliefert hat. Denkbar wäre auch eine sanfte Variante davon, eine freiwillige oder unfreiwillige Trennung. Das könnte etwas von CASABLANCA haben, der in SPECTRE mit dem Hotel L'Americain ja eindeutig zitiert wird. Der heroische Verzicht auf die große Liebe zugunsten des Kampfes gegen das Böse. All das würde aber SPECTRE und seinen "Mut zum Happy End" nachträglich schwächen. Dann hätte man das lieber gleich in diesem Film zeigen sollen und Craig dann wirklich erst im letzten Film ein Happy End gönnen. Toll wäre hier ein Zweiteiler mit Cliffhanger gewesen, wie es ursprünglich wohl mal geplant war.

Letztendlich schwächeln sowohl die nachträglich übergestülpte Kontinuität als auch das Ende des Films ein wenig unter einer längerfristigen Perspektivlosigkeit der Produzenten. Auch in diesem Punkt steht das Franchise nach SPECTRE wohl an einem Scheideweg. Will man auf der einen Seite die große, mehrteilige 'epic journey', die mit ihren sorgfältig aufgebauten Fandoms und Showdowns Franchises wie HUNGER GAMES oder dem 'Marvel Cinematic Universe' regelmäßig Box-Office-Hits beschert, oder sollen Bondfilme für sich stehende, in sich abgeschlossene Events bleiben. Folgt man der aktuellen Hollywood-Strategie oder der Tradition. Beides zusammen harmoniert nicht so ganz, wie SPECTRE zeigt.

Dieser etwas zwiegespaltene und skeptische Eindruck ist aber wie eingangs erwähnt nur der erste. Daniel Craig sagte kürzlich in einem Interview: "Ich habe das Recht, meine Meinung zu ändern", und das beanspruche ich auch. Vielleicht wirkt SPECTRE beim dritten, vierten oder zwanzigsten Mal wesentlich runder und überzeugender. Denn letztlich ist alles eine Frage der PerSPECTive.

Montag, 2. November 2015

Bond schreibt Geschichte

SPECTRE pulverisiert Box Office Rekorde in fast jedem Land, in dem der Film schon gestartet ist - Erfolgreichster UK-Kinostart aller Zeiten


Albert R. Broccolis EON Productions, Metro-Goldwyn-Mayer Studios und Sony Pictures Entertainment gaben gestern bekannt, dass SPECTRE in fast jedem Land, in dem der Film bisher schon angelaufen ist, Box Office Rekorde gebrochen hat, angeführt von einem historischen Einspielergebnis in Großbritannien. 


In den sechs Märkten, in denen der Film bisher an den Start gegangen ist, hat er insgesamt 80,4 Mio. Dollar umgesetzt, darunter 67,7 Mio. Dollar in Ländern, in denen Sony Pictures Releasing International (SPRI) für den Vertrieb verantwortlich war, und 12,7 Mio. Dollar von Ländern, in denen MGM der Verleih war. 

In Großbritannien brachte es SPECTRE in seinen ersten sieben Tagen auf geschätzte 41,7 Mio. Pfund (63,8 Mio. Dollar) und stellte damit einen neuen Rekord auf für den erfolgreichsten britischen Kinostart aller Zeiten. 

SPECTRE brach den Startrekord von „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“, der ebenfalls an einem Montag mit 23,882 Mio. Pfund in die Kinos kam. SPECTRE stellte außerdem einen Rekord auf für das höchste Sieben-Tage-Einspielergebnis in der Geschichte der britischen Kinos und überholte damit den letzten James Bond Film SKYFALL

Das 24. James Bond Abenteuer SPECTRE setzt die am längsten laufende und erfolgreichste Filmreihe der Kinogeschichte fort. Der Film lief in Großbritannien und Irland in 647 Kinos auf 2.500 Leinwänden an, was dem größten Release aller Zeiten entspricht. 

Doch Großbritannien brach nicht allein Rekorde, denn in nahezu jedem Land, in dem SPECTRE schon an den Start ging, handelte es sich um den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten. 

In den Niederlanden spielte SPECTRE 3,3 Mio. Euro (3,7 Mio. Dollar) ein, brach damit den Rekord von SKYFALL und setzte inklusive Previews 3,9 Mio. Dollar um. 

In den skandinavischen Ländern, in denen MGM für den Vertrieb verantwortlich war, spielte SPECTRE insgesamt 12,7 Mio. Dollar ein und stellte damit in Finland und Norwegen neue Startrekorde auf. Beide Länder überholten damit das Ergebnis von SKYFALL. Finland spielte 2,35 Mio. Euro (2,63 Mio. Dollar) und Norwegen 24,4 Mio. Kronen (2,88 Mio. Dollar) ein. Der Film stellte auch einen neuen Rekord in Dänemark auf für das beste Drei-Tage-Startergebnis aller Zeiten, spielte 28,1 Mio. Kronen (4,21 Mio. Dollar) ein und überholte damit ebenfalls SKYFALL. In Schweden kam SPECTRE auf 24,95 Mio. Kronen (2,97 Mio. Dollar) – ein spektakuläres Ergebnis, das über 30% über dem Startergebnis von SKYFALL liegt. 

Außerdem stellte SPECTRE einen neuen IMAX-Rekord auf, indem der Film im Durchschnitt pro Leinwand das höchste Einspielergebnis der IMAX-Geschichte erzielte und es als erster Film auf ein Ergebnis von über 100.000 Dollar brachte, mit 105.000 Dollar in 47 IMAX-Locations. 

Die Produzenten Michael G. Wilson und Barbara Broccoli kommentierten den Nummer-eins-Start in Großbritannien wie folgt: “Wir sind all unseren James Bond Fans und den britischen Kinogängern ungeheuer dankbar, dass mit dem Start von SPECTRE in Großbritannien Box-Office-Geschichte geschrieben wurde.“ 

“Wir alle bei MGM sind unglaublich begeistert zu sehen, wie James Bond seinen Fans auch weiterhin so viel Vergnügen bereitet. Die rekordbrechende Unterstützung der britischen Kinogänger für unseren 24. Bond-Film ist nichts weniger als fantastisch. Wir können es kaum abwarten, bis auch der Rest der Welt SPECTRE sehen kann“, sagte Gary Barber, MGM Chairman und CEO. 

Peter Taylor, Managing Director Sony Pictures UK, fügte hinzu: “Wir freuen uns sehr, dass sich das Publikum in Großbritannien und Irland auch weiterhin so für die Geschichten einer unserer größten und besten kulturellen Ikonen begeistert. Dieses Startergebnis beweist einmal mehr, dass die Filmwelt von James Bond die Kinogänger anspricht wie keine andere.“

(Quelle: Sony Pictures Deutschland)

Donnerstag, 29. Oktober 2015

SPECTRE Deutschlandpremiere in Berlin

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer PlatzAuf dem Potsdamer Platz fand gestern abend die feierliche Premiere des neuen James-Bond-Films SPECTRE statt, in Anwesenheit der Produzentin Barbara Broccoli und der Hauptdarsteller Daniel Craig, Christoph Waltz und Naomie Harris. Deutsche Darsteller wie Detlef Bothe, Werner Dehn, Victor Schefé sowie Clemens Schick (CASINO ROYALE), Anatole Taubmann (QUANTUM OF SOLACE) und Bonds deutsche Stimme Dietmar Wunder waren ebenso vor Ort und in Interview-Laune.




Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Christoph Waltz stellt sich den Fans

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Barbara Broccoli beim Selfieschießen...

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
...und beim Autogramme geben

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Anatole Taubmann (QOS)

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Clemens Schick und Werner Dehn

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Craig, Naomie Harris, Christoph Waltz
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Naomie Harris in einem sehr schönem Kleid
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Eine der Attraktionen: Bonds neue Edelkarosse
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
'Lone Gunman' Detlef Bothe, er kam sehr offen und sympathisch rüber
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Bonds deutsche Stimme Dietmar Wunder

Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz
Jürgen Vogel
Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz


Blofelds alter Diamantenlaser-Satellit war passenderweise auf die Premiere gerichtet. Zum Glück hat er nicht den DB10 verdampft.



Spectre Deutschland-Premiere Berlin, Potsdamer Platz












Spectre premiere Berlin
'I saw a spectre at your shoulder'



Bildrechte bei Sony Pictures und Bond & Beyond. Verwendung nur nach Erlaubnis!

Mittwoch, 21. Oktober 2015

Erste Pressereaktionen: "Vielleicht sogar besser als SKYFALL"

SPECTRE Poster mit Daniel Craig und Lea SeydouxNach der ersten Pressevorführung von SPECTRE in London sind im Netz die Reaktionen zu lesen. Und sie sind fast durchweg positiv bis begeistert! Einige finden ihn besser als SKYFALL, sogar als besten Bondfilm überhaupt. Nachfolgend einige Artikel: James Bond is back, stylish, camp, and sexily pro-Snowden (The Guardian, leichte Spoiler enthalten), Perhaps even better than Skyfall (Evening Standard, keine Spoiler), A swaggering show of confidence (The Telegraph, ernsthafte Spoiler), Bond is back - and with a bang - in a movie that warrants ALL the hype with 007 returning to his murderous, glamorous best (Mail Online, leichte Spoiler), Exciting action and laugh out loud funny (ITV, geringe Spoiler), An exhilarating James Bond spectacle that really didn't need to add depth (The Independent, kleinere Spoiler), James Bond is back with a brutal blast as SPECTRE is rated best EVER (The Mirror, leichte Spoiler) und Varity (leichte Spoiler).

Hier einige Reaktionen einzelner Journalisten auf Twitter.

Samstag, 17. Oktober 2015

Drehbuchautor Christopher Wood verstorben

Eine traurige Nachricht für die Bondwelt: Der Autor Christopher Wood ist heute verstorben. Er war der Drehbuchautor der beiden Bondfilme THE SPY WHO LOVED ME (Der Spion, der mich liebte, 1977) und MOONRAKER (1979). Außerdem schrieb er zu beiden Filmen Romane, die noch vor John Gardner den literarischen Bond von Ian Fleming in die Siebziger transportierten. In Deutschland erschienen die Bücher unter den Titeln James Bond und sein größter Fall und Moonraker - streng geheim. Seine Erahrungen mit den Bondfilmen schilderte er zudem in seiner Autobiogaphie James Bond, The Spy I Loved. (Hier ein Interview mit Christopher Wood auf MI6-HQ.com)

Roger Moore schrieb zu der Nachricht auf Twitter: How sad to hear Bond screenwriter Christopher Wood has died. He wrote two of my best.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

TRIGGER MORTIS - Der Finger Gottes

Rezension des neuen James-Bond-Romans von Anthony Horowitz

TRIGGER MORTIS -  Der neue James-Bond-Roman von Anthony Horowitz2015 ist nicht nur das Jahr des großen SPECTRE-Revivals. Auch SMERSH kehrt zurück, Bonds ursprünglicher Erzfeind, der seine erste Liebe Vesper Lynd auf dem Gewissen hat und ihn zu dem machte, was er ist - In der Welt der Romane, Bonds Heimatmedium. Während man im neusten Bondfilm an ein Vermächtnis anknüpft, die 1961 mit dem Roman Feuerball begann, setzt der Roman TRIGGER MORTIS - Der Finger Gottes da an, wo Goldfinger 1959 aufhörte. Der britische Schriftsteller und Drehbuchautor Anthony Horowitz schreibt SMERSH das würdige, furiose Finale, das Ian Fleming ihnen vorenthielt.

Horowitz bewegt sich dabei mit einer beeindruckenden Mühelosigkeit in der Welt Ian Flemings und schafft es, sein Buch in der Vergangenheit anzusiedeln und trotzdem zeitgemäß und spannend zu sein. Wo Sebastian Faulks und William Boyd nur 005 und 006 waren, ist TRIGGER MORTIS ein wahrhaftiger 007.


Montag, 14. September 2015

Brücke mit Aussicht

A Vertigo View To A Voyage Home
Den 13. Bondfilm A VIEW TO A KILL, der in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, trifft oft der Vorwurf, die Bondformel nur unbefriedigend variiert und Versatzstücke aus früheren Bondfilmen und anderen Werken der Filmgeschichte benutzt zu haben. Die Idee eines Action-Finales auf der Golden-Gate-Bridge war dagegen - ähnlich wie das Rücken-an-Rücken-Plakatmotiv - eine Idee, die seither oft kopiert wurde. Mittlerweile ist die vielleicht berühmteste Brücke in jedem zweiten Sommer-Blockbuster zu sehen, wie in diesem Jahr TERMINATOR: GENISYS, SAN ANDREAS, PIXELS oder ANT-MAN.


Montag, 24. August 2015

SPECTRE-Special: Drehort Obertilliach

Mitte Januar 2015 zog die SPECTRE-Produktionscrew in das Dorf Obertilliach im Ost-Tiroler Lesachtal ein, in dem noch Österreichs einziger Nachtwächter regelmäßig seine Runden dreht. Zwei Wochen lang war es aus mit der Idylle: Flugzeuge stürzten brennend vom Himmel, Häuser explodierten und Männer in schwarz schossen und rannten durch die Gassen. Und schließlich erschien er höchstselbst: Bond, James Bond. Damit dürfte die 700-Seelen-Gemeinde zu einem der vielen Wallfahrtsorte für Bondfans werden.


Aber so sehr der Filmtross den Ort auch auf den Kopf stellte, so spurlos ist er auch wieder verschwunden - wie das titelgebende Gespenst. Selbst das "Bond-Haus", das die Obertilliacher gern als Sehenswürdigkeit erhalten wollten, wurde vertragsgemäß restlos entfernt.

Im Film SPECTRE liegt der Ort im Tal vor dem Gaislachkogel, auf dessen Spitze das Restaurant IceQ in eine Klinik verwandelt wurde. Obertilliach wurde damit sozusagen zu einem Vorort von Sölden - das eigentlich mehr als 200 Kilometer entfernt ist. Somit sieht man im Film auch eine Seilbahngondel, die mit Ben Wishaw und Detlef Bothe vom IceQ startet, in der Station in Obertilliach ankommen. (Siehe hier bei 1:30.)




Zwischen Q (Ben Wishaw) und dem Mann in der Gondel (Detef Bothe, bei dem die Verbindungen zu Spectre bisher noch offen sind), gibt es dann noch ein paar spannende Szenen im Ortskern von Obertilliach.




Ehemaliges Gasthaus gegenüber der Kirche

Blick auf die Pfarrkirche St. Ulrich
Kirche St. Ulrich mit dem angrenzenden Friedhof




Q-Darsteller Ben Wishaw vor der Kirche (Foto: Christian Willim)

Neben der Seilbahnstation und dem Ortskern wurde vor allem am oberen Ortsrand gedreht, wo auf einer Wiese mehrere Gebäude aufgebaut wurden. Darunter eine größere Scheune, das in den Medien als sogenanntes "Bondhaus" bekannt wurde.

Hinter dem Zaun stand bis zu seiner Explosion das "Bondhaus" (Bild rechts aus kleinezeitung.at)


Der im Trailer zu sehende Streit zwischen Bond und Madeleine Swann wurde auf dieser Wiese gedreht

Blick talwärts




Scheune gegenüber dem Standort des Bondhauses, dessen Rückseite ähnlich aussah

Bild von MI6-HQ.com
Rings um das Holzhaus wurden auch kleinere Schuppen und Gebäude errichtet, die im Trailer zu sehen sind. Die weiß geputzten Fassaden der Häuser gegenüber wurden extra mit Holz verkleidet, um sie traditioneller aussehen zu lassen.

Bond nutzt eine nahegelegene Schneise hinter den Häusern, um das Flugzeug runterzubringen, das durch Bäume bereits die Flügel und das Fahrwerk verloren hat. (Ein kleiner Verweis an THE LIVING DAYLIGHTS, wo Bonds Aston eine Kufe an einem Baum verliert?)

Foto © APA/EXPA/JOHANN GRODER
Dann crasht er durch die Scheune, bringt das Flugzeug zum stehen und bekämpft sofort Hinx und die anderen, die Dr. Swann aus der Klinik entführten. Auch diese Actionszenen entstanden auf der Wiese mit den aufgebauten Kulissen.

Da Daniel Craig und Léa Seudoux nur drei Tage im Ort waren, musste das Loch bereits vor dem Stunt im Haus sein. Für den anschließend gefilmten Crash des Flugzeuges musste die Fassade dann wieder geflickt werden.


Hier wurden neben den aufgebauten Häusern die Schießerei realisiert


Hier ein kurzes Video über die Dreharbeiten der Kleinen Zeitung:




Weitere Szenen entstanden weit oberhalb des Nachbarortes Kartitsch.



Copyright SPECTRE Logo: EON Productions LTD., Danjaq, MGM, Sony Pictures

Sonntag, 9. August 2015

Der letzte Gentleman-Agent

A View To A Kill 30th Anniversary LogoVor 30 Jahren startete A VIEW TO A KILL unter dem deutschen Titel Im Angesicht des Todes in den bundesdeutschen Kinos. Die Reaktionen der Presse, die den Roger-Moore-Filmen eh nicht besonders wohlgesonnen war, fielen eher verhalten aus. Zu routiniert wirkte die Inszenierung, zu offensichtlich die Stunt-Doubles, zu albern die Gags. Auch heute noch hat der Bond-Schwanengesang von Sir Roger Moore einen schweren Stand bei vielen Fans. Doch es gibt durchaus auch viel Positives an Im Angesicht des Todes.



Positive oder gar begeisterte Kritiken finden sich für Im Angesicht des Todes kaum. Hier nur mal eine kurze Übersicht der US-Pressestimmen (zitiert aus der Cinema von August 1985):

Variety: Nach einem vielversprechenden Auftakt mit einer atemberaubenden Verfolgungsjagd versinkt der Film zusehends in Langeweile.

The Hollywood Reporter: Bei der 14. Exhumierung des James Bond ist den Machern die kreative Puste ausgegangen. Der Plot scheint nur mit Spucke zusammengeklebt zu sein, und Roger Moore spielt unendlich blasiert.

Los Angeles Times: Die zur Schauspielerin mutierte Sängerin Grace Jones schlägt voll ein - besonders beim Sprung vom Eiffelturm.

Los Angeles Herold: Angesichts der inzwischen ohnehin auf ein Minimum reduzierten Erwartungen der Bond-Fangemeinde bietet Im Angesicht des Todes zumindest die Möglichkeit, halbwegs angenehm die Zeit totzuschlagen.

L.A. Weekly: Der schlechteste James-Bond-Film aller Zeiten, was an sich schon eine beachtliche Leistung ist.
Cinema: Im Angesicht des Todes, Cover 1985
Der August 1985 stand im Zeichen
von Otto, Madonna, Freddie Krüger und -
natürlich zum 7. und letzten mal Roger
Moore als James Bond 007

Hierzulande sah es wenig besser aus. Die Zeit meinte: Denn der einst so witzige James Bond verkommt zusehends zur tragikomischen Figur: Das Publikum wird immer jünger (und der Regisseur John Glen kupfert kräftig ab beim Kinderkino Hollywoods, von „Indiana Jones“ bis zu „Superman“), der Held aber nähert sich dem Rentenalter. Vier Storys von Ian Fleming, so droht der Produzent Albert Broccoli, sind noch nicht verfilmt worden. Die muß James Bond wohl noch durchstehen. Dann aber, so hoffen wir, darf er endlich die treue Miß Moneypenny, die mit ihm zusammen gealtert ist, heiraten und sich zurückziehen in den wohlverdienten Ruhestand.

Und Hellmuth Karasek schrieb im SpiegelWas einst mit Witz gegen den damaligen Muff anging, ist inzwischen selbst total vermufft. Und: Inzwischen wirbt Bond nur noch für sich selbst, parodiert Bond nur noch Bond. Und so bleibt, trotz der immer pyromanischer werdenden Destruktionsorgien, von Bond nur noch der Kinderkram übrig: vom Geheimagenten 007 Ihrer Majestät zum "Kasperle ist wieder da". Bond, der die Nostalgie auf Bond weckt. Bestenfalls. (Karasek, der Patrick Macnee als lebende Anti-Eisbein-Reklame beschreibt, schrieb zehn Jahre später im Spiegel zu GOLDENEYE, dass aus Bond nun ein Comic-Held geworden sei und er trotz aller Anstrengungen aus der Zeit gefallen sei. Manche Kritiker nehmen ihre Berufsbezeichnung eben offenbar wörtlich.)


Wie in der Zeit wurde auch in der Cinema kritisiert, dass zahlreiche Szenen entweder an frühere Bondfilme oder an andere erfolgreiche Kinofilme erinnern. Die Jagd im zerteilten Auto erinnerte beispielsweise sehr an LE CERVEAU (Das Superhirn). Action in einem Bergwerksstollen gab es ein Jahr zuvor im zweiten INDIANA-JONES-Abenteuer. Vieles erinnert zudem an die ersten beiden SUPERMAN-Filme. Der Plan eines künstlichen Erdbebens am San-Andreas-Graben beispielsweise ebenso wie Action am Eiffelturm aus der Fortsetzung. (Man könnte eine klaustrophobische Fahrstuhlkletterei auch in ABWÄRTS finden, oder die bedrohliche Präsenz eines Luftschiffs in BLACK SUNDAY mit Robert Shaw von 1977. Wobei sich derartige Parallelen sicher auch bei den meisten anderen Bondfilmen finden lassen. Schon FROM RUSSIA WITH LOVE bediente sich stark bei der berühmten Flugzeugattacke aus Hitchcocks NORTH BY NORTH-WEST.)

Die Anleihen an frühere Bondfilme kann man dagegen auch als Verbeugungen an eine zu Ende gehende Ära im großem Abschiedsfilm sehen. Es gibt noch einmal einen tollpatschigen Sheriff und crashende Polizeiautos wie in Moores Bonddebüt LIVE AND LET DIE, die Rücken-an-Rücken-Duell-Pose auf dem Plakat erinnert an den Showdown von THE MAN WITH THE GOLDEN GUN, von Willy Bogner genial kreierte Jagden im Schnee, der Union Jack oder ein Stelldichein mit einer KGB-Spionin feiern THE SPY WHO LOVED ME (im ursprünglichen Script war Pola Ivanova auch tatsächlich Major Amasova), ein mondänes französisches Schloss als Schurkenresidenz und im Finale überlaufende Kraftprotze erinnern an MOONRAKER.

Der Film beschränkt sich auch nicht darauf, den zugegebenermaßen in die Jahre gekommenen Roger Moore möglichst dynamisch in Szene zu setzen und damit einen Anachronismus zwanghaft am Leben zu erhalten. Der Zahn der Zeit wird im Film auch selbst thematisiert, wenn auch nicht so offensichtlich wie in späteren Bondfilmen. Mit Roger Moore und Patrick Macnee sieht man zwei Gentleman-Agenten der alten Schule in einer neuen, gieriger und amoralischer gewordenen Welt. Mit den jungen und überdurchschnittlichen fitten Gegenspielern Zorin und May Day wird ihnen der Körperkult der Achtziger Jahre gegenüber gestellt, deren Stars Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone wurden. (mit Dolph Lundgren gibt es sogar einen Vertreter dieses Muskelkinos im Film) Wenn die muskulöse May Day James Bond und John Steed in einem Rolls Royce in einem See entsorgt, ist das ein schönes Bild für den Clash dieser beiden Welten.

Letztendlich verbündet sich Bond mit May Day angesichts von Zorins Verrat an ihr, und zeigt damit, dass der Gentleman in ihm doch stärker ist als der Killer. Timothy Daltons Bond hätte May Day den Mord an Tibbett vielleicht nicht verzeihen können und sich dann allein an die Entschärfung der Bombe machen müssen. Roger Moore hatte während der Dreharbeiten sowohl mit dem Auftreten von Grace Jones als auch der gezeigten Brutalität im Finale seine Probleme, was meiner Meinung nach dem Subtext - gealterter Gentleman gegen junge und skrupellose Schurken - insgeheim zu Gute kommt.

Natürlich stellt sich in A VIEW TO A KILL auch eine gewisse handwerkliche Routine ein, und damit auch einige Ärgernisse - wie etwa die oft zu erkennenden Stuntmen. Hier hätte John Glen - seines Zeichens immerhin Cutter von ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE - mehr Sorgfalt an den Tag legen müssen. Andererseits hat der Film meiner Auffassung nach auch großartige Beispiele für eine gelungene und bondige Bildkomposition. Inspiriert von der Golden-Gate-Bridge spielt dabei oft die Farbe Rot eine Rolle und signalisisiert Gefahr. Beispielsweise ist der russische Helikopter zu Beginn leuchtend rot, oder auch May Days Kostüm bei ihrer Einführung während des Pferderennens oder der Wagen der Killergirls an der Tankstelle.

Mehr sehr interessante und mit Liebe zum Detail herausgearbeitete, positive Aspekte des Films findet man - wenn man will - in dem Buch James Bond in our Sights, das ich hier bereits ausführlicher besprochen hatte.