Dienstag, 26. Oktober 2021

Heldendämmerung

Mittlerweile habe ich Keine Zeit zu sterben dreimal gesehen, auch in deutscher Synchronisation und in 3D, und möchte nach dem ersten Eindruck ein paar tiefergehende Gedanken zu diesem Film schreiben. Kein Bondfilm hat mich in meinem fast 30jährigen Fan-Dasein gedanklich mehr beschäftigt und mein Empfinden gegenüber dem Franchise mehr herausgefordert.

Nachfolgend also eine ausführlichere Besprechung, diesmal mit deutlichen Spoilern. Also bitte nur lesen, wenn man den Film bereits gesehen hat.


Nun ist er also tot. "Sein Name war Bond. James Bond." Eines langen Präsens' Reise ins Präteritum. Nach der ersten Sichtung des Films habe ich mich ein bisschen wie Charlton Heston am Ende von PLANET OF THE APES gefühlt. Diese Wahnsinnigen haben es also wirklich getan. Sie haben die verdammte Franchise-Atombombe gezündet... 

Bei der zweiten Sichtung war ich davon dann natürlich nicht mehr ganz so geschockt. Und ich ertappte mich sogar dabei, am Ende etwas gerührt zu sein. Ist der Film deshalb wirklich dieses Meisterwerk, das zahlreiche Fans offenbar darin sehen? 

Der Fluch der ewigen Wiederkehr

Was genau spricht denn eigentlich dagegen, dass Bond zur Abwechslung nicht auch mal sterben sollte? Macht es zukünftige Filme nicht spannender, wenn der Schurke zu 007 raunt "In 48 Stunden bin ich reicher als Gott, und für dich gibt es nur eine kleine Gedenkfeier mit Moneypenny und ein paar betroffenen Trauergästen", und man denkt sich 'Hoffentlich stirbt er nicht wirklich wieder und bekommt wieder genau diese Gedenkfeier'? Verdient er nicht sogar diese finale Ruhe in Frieden, nachdem er fast sechzig Jahre lang immer und immer wieder zurückkehren musste, um die Welt zu retten und die nimmermüden Fans zu beglücken?

Meine Meinung zu diesem Thema hatte ich im August 2018 auf diesem Blog hier beschrieben, unter dem Titel Sterben Sie wohl, Mr. Bond. Anlass waren Gerüchte um den Ausstieg von Danny Boyle als Regisseur. Einige Zeitungen vermuteten, dass Boyle Bond sterben lassen wollte. Andere Journalisten berichteten aber auch damals schon wahrheitsgemäß, dass es eher umgekehrt war, und ein, Zitat: "egomanischer" Daniel Craig auf dem Ableben von James Bond bestanden habe, was Boyle gegen den Strich ging. 

Damals schrieb ich: "Meine persönliche Meinung ist jedoch, dass es die Figur James Bond nachhaltig beschädigen würde, auch wenn man danach so tun würde, als ob nichts gewesen sei. Auch wenn Bond innerhalb der einzelnen Filme als sterblich erscheint - immerhin ist er in DIE ANOTHER DAY und CASINO ROYALE bereits an Herzversagen gestorben und war für einen Moment tot - liegt die Faszination doch darin, dass er anders als wir alle immer wieder kommt und dem Zeitlichen ein Schnippchen schlagen kann." Warum sollte ich das nun anders sehen? Seine Meinung zu einer Sache zu ändern, nur weil sie von einer reinen Möglichkeit zu einer Realität wird, wäre für mich nicht Offenheit, sondern Opportunismus.

Die Fürsprecher des Films betonen nun gern, dass in den Büchern von Ian Fleming so etwas ähnliches ja passiert. Fleming wollte Bond bereits am Ende von Liebesgrüße aus Moskau 1957 sterben lassen, entschied sich dann aber im nächsten Roman dafür, ihn in letzter Sekunde zu retten. Falls Bond wirklich einmal ableben sollte, dann als Gewinner und aus eigener Entscheidung, so Fleming. Nach seinem finalen Rachefeldzug gegen Blofeld in Man lebt nur zweimal, scheint er dann tatsächlich zu sterben. M schreibt einen Nachruf, in dem er die Worte von Jack London zitiert, die auch Ralph Fiennes im Film nennt. Und Bond hinterlässt tatsächlich auch einen Nachkommen in diesem Buch, einen Sohn, den Kissy Suzuki zur Welt bringt.

Die ganze Wahrheit ist allerdings, dass Bond selbst diese finale Begegnung mit seinem Erzfeind überlebt. Und selbst unter komplettem Gedächtnisverlust veranlasst ihn seine Persönlichkeit dazu, seine Partnerin und ein potentiell idyllisches Familienleben aufzugeben, um hinauszugehen und das gefährliche Leben eines Agenten zu suchen. Die letzten Worte des letzten Romans von Ian Fleming besagen, dass Bond eine dauerhafte Partnerschaft letztlich so wenig aufregend findet wie ein Zimmer mit der immer gleichen Aussicht. 

Der Fleming'sche Ur-Bond war also auch in fortgeschrittenem Alter weit davon entfernt, vom Gedanken an ein alternatives Leben in trauter, familiärer Idylle so angerührt und betroffen zu sein wie etwa Nicolas Cage in FAMILY MAN, oder die Charaktere in zahlreichen ähnlichen US-Filmen. Die Vorstellung ist absurd, vor allem wenn man bedenkt, dass Bond als ultimative Junggesellphantasie überhaupt erst aus der Furcht Flemings vor familiären Bindungen entstand. Das, was man in Keine Zeit zu sterben sieht, ist weder Flemings Bond noch der Bond, den Sean Connery und Roger Moore dargestellt haben. Es ist nicht mehr und nicht weniger als Daniel Craigs Wunsch, wie James Bond sein sollte.

Der Bond aus den Romanen, dem auch vor Craig alle Darsteller in gewissen Momenten und Filmen nahe kamen, war ein Mann klarer Entscheidungen. Es machte sogar überhaupt erst diese durchschlagend attraktive Männlichkeit aus, Entscheidungen treffen zu können, dazu zu stehen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Ich kann mir weder den Buch-, noch den klassischen Film-Bond vorstellen, wie er aus dem Bauch heraus und aufgrund sehr fragwürdiger Informationen eine weitreichende Entscheidung trifft, später dann erkennen muss, dass er damit fatal falsch lag, und dann stammelnd und sich rechtfertigend in der Küche seiner Ex steht. Das mag schön gespielt sein und anrühren, aber das ist nicht James Bond.

"Ich werde mein Leben nicht damit verschwenden, es zu verlängern." - Das wirkt als Fazit für eine Filmfigur, die seit fast 60 Jahren immer wieder mit viel Mühe auf die Leinwand zurückgebracht wurde, schon etwas seltsam.

Und es erscheint in doppelter Hinsicht wie ein Stinkefinger in Richtung Fans. Nicht nur, dass Bond stirbt, er stirbt auch als jemand, der erkennen muss, dass er eigentlich ein besseres Leben hätte haben können. Dieser Bond hadert nicht nur mit dem, was er ist und tut - ein Leben als Geheimagent ohne feste Bindungen - er erkennt sozusagen, dass es das falsche Leben war. Nun ist diese Geheimagententätigkeit ohne Bindungen aber genau das, was die Faszination der gesamten Reihe einmal ausmachte (und ja, wir wissen trotzdem alle, dass das nur eine unrealistische Filmphantasie ist). Allen, die Bond mögen, weil der Zwölfjährige in ihnen gern so wäre wie Bond, sagt dieser Film eigentlich: Get a life, ihr Nerds! 

A Hades Touch

Und ein weiterer Aspekt der Craigfilme ist weit entfernt von Fleming - mal ganz abgesehen davon, dass Bond in den Romanen seinen Vorgesetzten M nie wie einen inkompetenten Baumarktmitarbeiter behandeln würde. Flemings Bond hatte - ebenso wie seine Inkarnationen bis 2002 - Spaß an dem, was er tat. Sein Beruf war ihm Berufung! Schicksalsschläge wie in den Romanen Casino Royale und Im Dienst Ihrer Majestät waren Ausnahmen, die Bond zwar aus der Bahn warfen; sie änderten aber grundsätzlich nichts an seiner Lust an Abenteuern und Gefahr, und den angenehmen Seiten des Lebens.

"Wie schaffst du es, am Leben zu bleiben?", wurde James Bond einst von der ebenso schönen wie durchtriebenen Elektra King gefragt. Seine Antwort nach kurzem Überlegen: "Ich labe mich an Anmut und Schönheit." Das beschreibt die Philosophie des von Ian Fleming entworfenen Agenten perfekt. (Und bei aller berechtigten Kritik an den Bondfilmen mit Pierce Brosnan - diesen Aspekt haben sowohl er selbst als auch seine Regisseure sehr gut verstanden.)

Nun hat man in der Ära Daniel Craig eben diese Anmut und Schönheit Schritt für Schritt reduziert. Das bis dahin obligatorische Ende in den Armen einer Dame blieb ihm fast komplett verwehrt. Wirklich coole Gadgets stellt die Abteilung Q nicht mehr her, und die Bettgeschichten nahmen rapide ab. Und über allem schwebten stets Schmerz und Trauma. Kein Zwölfjähriger würde wohl heutzutage in die Rolle des einstigen Superhelden schlüpfen wollen. Insofern ist es wohl dann wohl auch nachvollziehbar, dass James die Lust am Leben zunehmend abhanden kam. All work and no play made James a dull boy.

Der fundamentale Unterschied zwischen dem klassischen Bond und dem von Daniel Craig zeigt sich an der Werbezeile für GOLDFINGER und deren Zitat in QUANTUM OF SOLACE. Hieß es 1964 Everything he touches turns to excitement!, sagt Schurke Greene über Craigs Bond: "Everything he touches seems to wither and die." Vom 'Midas' Touch' zum 'Hades Touch'. In Keine Zeit zu sterben wird dieser Fluch schließlich physische Realität: Der Bösewicht verdammt Bond dazu, den Tod seiner Geliebten und seinem Kind in sich zu tragen, so dass er nur noch die Lizenz zum Selbsttöten als letzten Ausweg sieht.

Day Another Groundhog Day

Bond wird also vom Bestimmer seiner Welt ultimativ zu deren Opfer. Waren die Filme mit Sean Connery einmal ein erfrischender Gegenentwurf zum Film Noir mit seinem fatalistischen Weltbild und seinen gebrochenen Männern, sind die Craigfilme nun in einem dunkelschwarzen Fatalismus angekommen, in dem es noch nicht einmal die Femme Fatale gibt, sondern Bond sich als Homme Fatale einer Frau entpuppt.

Am Ende gibt es dann als Trostpflaster das obligatorische James Bond will return. Eine der sehr wenigen Traditionen, die die Produzenten nicht ihrem Star zuliebe zum Teufel gejagt haben. Doch selbst diese vier Worte, die seit fast sechzig Jahren so schlicht wie hoffnungsvoll daherkommen, bedeuten nie mehr dasselbe wie vorher.

Bis zu DIE ANOTHER DAY gab es eine zwar lose, aber doch von allen Zuschauern verstandene Verbindung zwischen dem innerhalb der jeweiligen Filmhandlung agierenden Bond und dem James Bond als Filmfigur an sich, sozusagen dem Meta-Charakter. Selbst beim sehr ernsten und verletzlichen Timothy Dalton gab es den Verweis auf die Hochzeit mit Tracy. Im Geheimdienst Ihrer Majestät mit dem Einmal-Bond George Lazenby war der perfekte Meta-Referenzpunkt für alle folgenden Darsteller. 

Mit der Literatur-Neuverfilmung CASINO ROYALE wurde diese Verbindung 2006 dann erstmalig aufgekündigt. Daniel Craigs Bond war nicht mehr eindeutig identisch mit dem Meta-Bond, der früher einmal mit Tracy verheiratet war und schon zahlreiche Abenteuer erlebt hatte. Wobei selbst hier viele Zuschauer den Reboot als eine Art retroaktiv in die Gegenwart verschobenes Prequel verstanden.

Spätestens seit SPECTRE ist nun aber klar, dass Craigs Filme eine Art Paralleluniversum darstellen sollen, in dem Blofeld Bonds Stiefbruder ist und die Dinge sich auch sonst völlig anders entwickeln. Und damit machen die Filme leider auch klar, was für ein hanebüchener Schwachsinn diese ganze moderne Franchise-"Wissenschaft" ist. Craig soll ein komplett neuer Bond sein, gleichzeitig suggerieren die Filme dann aber doch, dass er auch die Meta-Figur Bond mit der ganzen, entsprechenden Vergangenheit sein soll. In Keine Zeit zu sterben hängt beispielsweise ein Porträt des von 1983 bis 1989 von Robert Brown dargestellten M an der Wand. Ein Verweis, dem im Gegensatz zu Lazenbys Das wär dem Anderen nie passiert jegliches Augenzwinkern fehlt. Die einzige Erklärung dafür wäre eigentlich die sogenannte Codename-Theorie, nach der nicht nur die Nummer 007, sondern auch der Name James Bond weitergereicht werden. (Mehr dazu hier.) Wenn das alles so egal ist, weil es ja nur Filme sind, bei denen wir gern auch die Hühneraugen zudrücken, wo war dann eigentlich das Problem mit Tsunami-Paragliding und unsichtbaren Autos?

In dieser schönen neuen Franchise-Welt verkommt selbst der Tod nur noch zu einem Gimmick, zu einem Effekt. Angefangen hat das vielleicht 1982 mit dem zweiten Star-Trek-Kinofilm THE WRATH OF KHAN (Der Zorn des Khan). Ähnlich wie Craig ließ sich Spock-Darsteller Leonard Nimoy nur dadurch zu einer Rückkehr bewegen, dass sein Charakter sterben sollte. Da in einer Science-Fiction-Welt aber niemand für immer tot sein muss, kehrte Spock dann wieder zurück - und zwar innerhalb dieser Welt glaubwürdig.

Anfang der 90er starben Ellen Ripley in ALIEN³ oder der von Arnold Schwarzenegger verkörperte T800 in TERMINATOR 2 - JUDGMENT DAY. Da beide ebenfalls in Science-Fiction-Welten leben, war auch hier eine Rückkehr kein Problem. Im Star-Trek-Universum hat nun mittlerweile fast jeder Charakter mindestens einmal die Khan-Nummer durch, also sterben mit Rückkehr durch die Hintertür. Was in den 80ern ein Novum war und Fans berührte, verkam irgendwann zu einer ermüdenden Shownummer. 

Christopher Nolan nahm dieses "Deathploitiaton" in seiner Kino-Allegorie THE PRESTIGE meisterhaft auf die Schippe. Hier lässt ein Magier Klone von sich selbst für den Zuschauerapplaus immer und immer wieder ertränken. Wenn sich allerdings selbst der Tod als Attraktion abgenutzt hat, ist das Ende der Sackgasse erreicht.

Ende Legende

Als letzte Woche William Shatner ins All flog, kam mir ein Satz seines Captain Kirk aus Der Zorn des Khan in den Sinn: "I don't believe in the no-win-scenario." Ein Credo, das auch perfekt für James Bond passen würde. Shatner hat das selbst ebenso augenzwinkernd verkörpert wie sein Alter Ego. Und man sieht, wohin solche Menschen das bringt: Sie fliegen mit 90 Jahren in den Weltraum.

Wenn die Bond-Bücher und -Filme - ja selbst die Comics und Computerspiele - ein großes, übergreifendes Thema hatten, dann das Überleben an sich. Schon Fleming beschreibt in Goldfinger 1959, dass James Bond während seiner Nachtschichten im MI-6-Hauptquartier selbst zum Autor wird und an einem Handbuch für Agenten schreibt - Titel: Stay Alive! Eine Sammlung all seiner Kampf- und Überlebenstechniken. Schon dem literarischen Bond wurde das große Meta-Thema bewusst.

Für das Filmpublikum wurde das Immer-Wiederkehren von James Bond zum geliebten Markenzeichen. Als Bond nach der ersten größeren Franchise-Pause 1977 triumphierend den Union-Jack-Fallschirm öffnete, nachdem er über eine Klippe getrieben wurde, tobte das Publikum in Applaus. Ähnlich groß die Begeisterung 1995, als er nach all den Unkenrufen, ihn doch endlich sterben zu lassen, wieder auferstand und all die Konkurrenten in die Schranken wies. Das Überleben an sich war immer wieder Thema in den Filmen - vor allen Jubiläumsbeiträge wie DIE ANOTHER DAY oder SKYFALL waren eine Feier der Fähigkeit, immer wieder aufzustehen - und spiegelte sich in Dialogen und Titeln.

Nun könnte man sagen: Er ist im Endeffekt ja doch nur ein Mensch und kein Superman, und er ist immer wieder bereit, im Kampf gegen das Böse auch sein Leben zu opfern. Aber gerade deshalb verdient er es, am Leben zu bleiben!

Und was hat Bond nicht alles überlebt! Den Ausstieg von Superstar Sean Connery, erbitterte Streitigkeiten vor Gericht, das Ausgehen des originalen literarischen Materials, Aufstieg und Fall kompletter Konkurrenz-Franchises, das Ende des Kalten Krieges, den Tod fast aller ursprünglich Mitwirkenden, die Digitalisierung der Welt und nun sogar Corona. Woran ist er denn nun eigentlich gestorben? Was hat ihn nach fast 60, ja eigentlich 70 Jahren umgebracht - wenn man nach Ursachen außerhalb der Filmhandlung fragt?

Ian Fleming hat sicherlich mehr als ein Quantum Trost in der Vorstellung gefunden, dass sein Werk weiterleben und in den Olymp der Popkultur aufsteigen wird. Ebenso Albert R. Broccoli, Roger Moore oder Pierce Brosnan. Sie alle äußerten sich dahingehend, dass Bond sie lange überdauern wird. Nur Daniel Craig scheint wenig positives in der Vorstellung eines ihn überdauernden und überstrahlenden James Bond gefunden zu haben.

Auch für zahlreiche Fans und Zuschauer war James Bond zu einer Konstante im Leben geworden, deren verlässliche Fähigkeit, alle noch so großen inner- und außerfilmischen Schwierigkeiten zu überwinden, sich die Krawatte zu richten und wieder aufzustehen, ihnen Trost und Kraft gab. James Bond war in gewisser Weise zu einem Schutzpatron der Krisengebeutelten geworden. Ist man nun ein bemitleidenswerter "Fanboy", nur weil man in einer imaginären Figur etwas mehr sieht als eine Gelddruckmaschine? Muss man dafür wirklich belächelt oder belehrt werden, doch bitte leise zu heulen, weil man mit seinem "Bashing" und seinem "Lamentieren" nervt? Es hat schon eine sehr seltsame Ironie, wenn einem vorgeworfen wird, zu negativ zu sein, wenn man die suizidale Negativität dieses Films kritisiert.

Ist es nicht eher so, dass, wenn man etwas gefunden hat, das Menschen etwas Hoffnung und Freude gibt in dieser unsteten Welt, man dann auch die Verantwortung hat, dieses nicht zu enttäuschen? Die Moral aller bisherigen Bondfilme war, dass das Gute letztlich über das Böse siegt, egal wie übermächtig und monströs letzteres daher kommt. Alle Versuche des Bösen, das Gute auszumerzen, müssen letztlich scheitern. Und es gibt immer einen Weg, nichts ist ultimativ aussichtslos. Keine Zeit zu sterben sagt nun aus, dass es doch Situationen ohne Ausweg gibt, dass Selbsttötung manchmal eine Lösung sein kann, dass auch ein James Bond verzweifeln kann und stirbt. So etwas einem krisengebeutelten Publikum vorzusetzen, dass sich auf einen Sieg des Guten wenigstens auf der Leinwand freut, empfinde ich fast schon als pervers. 

Am Ende des Films bleibt die Erkenntnis, dass wir in einer Welt leben, in der Bond schon seit eineinhalb Jahren tot ist. Das erklärt vieles, ähnlich wie die Erkenntnis aus DIE ANOTHER DAY, dass Bond während 9/11 in einem nordkoreanischen Folterknast festsaß. Aber es ist nicht der Bond, den die Welt gebraucht hätte.

Aber euch wird doch nichts weggenommen!, heißt es dann oft. Oder: Ihr habt doch noch über 20 frühere Filme. Aber wenn man ehrlich ist, ist das nur eine fromme Selbsttäuschung. Denn wie sagt Möbius in Die Physiker: "Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden". Die Aussage, dass selbst ein James Bond mal am Ende seines Lateins angekommen ist, dass es dem Bösen nach fast 60 Jahren tatsächlich endlich gelingt, ihn zu beseitigen, ist einmal in der Welt und kann nie wieder zurückgenommen werden. Einmal gebrochene Tabus lassen sich nicht wieder zusammenkleben wie eine Vase. 

Und ja klar, natürlich können Fortsetzungen etwas wegnehmen und zerstören. Fast jede Fortsetzung muss beispielsweise das Happy End des Vorgängers zerstören. Sie ändern die originalen Filme nicht physisch - noch nicht, möchte man sagen - aber sie können die Perspektive darauf nachhaltig verändern. Als Illustration dazu nur ein kleines Beispiel, mein Lieblingsfilm BACK TO THE FUTURE. Die allerwenigsten Zuschauer können das Ende des Films heute als etwas anderes sehen als einen Cliffhanger für eine Fortsetzung. Dabei war das gar nicht zwingend von den Machern beabsichtigt. "Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!" ist einfach die augenzwinkernde Visualisierung des zentralen Themas des Films: Man kann alles erreichen, sogar sein eigenes Schicksal ändern, wenn man sein Leben in die Hand nimmt. Das hat die Menschen damals im Kino eigentlich begeistert. Jetzt ist es nur noch eine Aufforderung, die DVD von Teil 2 einzulegen - und eine Zukunft mit Straßen und Staus in der Luft zu sehen.

Aber das Franchise muss doch auch mit der Zeit gehen!, heißt es dann wieder. Die Zeit, oder der Zeitgeist, wirken in diesen Einwürfen interessanterweise immer wie Naturgewalten, denen man sich nur beugen kann, wenn man nicht von ihnen fortgespült werden will. Aber ist das tatsächlich so? In Anlehnung an einen Wahlslogan könnte man auch sagen: Zeitgeist passiert nicht. Wir machen ihn. In seinen Ursprüngen war James Bond jemand, der seiner Zeit tatsächlich seinen Stempel aufdrückte; während Craigs Bond ihr ausgeliefert ist wie ein Flugdrachen in einem Hurrican. Ich stelle mir da die ketzerische Frage: Wenn der Zeitgeist die Welten der Helden zersetzt und diese schlussendlich tötet, könnte es nicht vielleicht sein, dass nicht die Helden toxisch sind, sondern der Zeitgeist?

Bewahrer der Asche

Das Versprechen der ewigen Wiederkehr gilt maximal nur noch für das Franchise, nicht mehr für den Charakter an sich. Man scheint sich dessen so sicher, dass man selbst Bonds Tod als Attraktion in Kauf nimmt. Ob diese Trennung aber auch wirklich so funktionieren wird, da würde ich mir nicht so sicher sein.

Interessanterweise betonen jene, die dem Film großen "Mut" attestieren, im nächsten Satz gleich, dass Bond ja im nächsten Film wieder ganz normal weiter machen wird. Nur, wie mutig ist eine Aktion, deren Konsequenzen vollständig ignoriert werden? Auf mich wirkt das eher wie die Parodie von Mut. Mal ganz abgesehen davon, dass man nichts getan hat, was andere Franchises nicht vorher getan haben.

Bonds Tod am Ende von Keine Zeit zu sterben (selbst die Filmtitel sind zu einer leeren, nichtssagenden Hülle geworden) ist für mich aus den genannten Gründen nicht einfach nur ein negativer Aspekt des Films, der anderen, positiven Aspekten entgegensteht - wie etwa ein nerviger Charakter oder ein übertriebenes Gadget. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr empfinde ich es als die Pervertierung der Essenz von James Bond, als eine Vergewaltigung der Seele des Franchise. Welche Musik dazu gespielt wird, wie es gefilmt ist, all das könnte mir egaler nicht sein. 

Keine Zeit zu sterben hat geschafft, was keiner der 25 Kinofilme davor geschafft hat: Eine seit mehr als dreißig Jahren anhaltende Faszination in Gleichgültigkeit zu verwandeln. Bei keinem anderen Bondfilm hatte ich weniger das Bedürfnis, ihn noch mal anzuschauen, die Bluray, den Soundtrack oder sonstige Dinge dazu zu kaufen. Oder auch nur Artikel dazu aus einer Zeitung auszuschneiden. Nicht weil ich ein beleidigter, ewig-gestriger Fan bin. Ich habe sowohl QUANTUM OF SOLACE als auch SKYFALL immer wieder gern gegen Kritiker verteidigt und bin für vieles offen; aber ich habe eben auch rote Linien, die ich nicht wie einen Regenschirm mit mir herumtrage.

Danny Boyle hat meinen allerhöchsten Respekt, wenn das der Grund für sein Ausscheiden war und er lieber seinen zuverlässigen Ruf auf's Spiel gesetzt hat. So gern ich auch in irgendeiner Form mal an einem Bondfilm mitwirken würde, bei diesem Film hätte ich es auch abgelehnt. Interessanterweise hatte Boyle mit seinem Clip für die Olympischen Sommerspiele 2012 James Bond als eine britische Instanz inszeniert, als ein mediales Gegenstück zur Monarchie, und damit die gesellschaftliche Bedeutung der Figur herausgestellt.

Wie andere Fans die Selbst-Einäscherung eines Helden feiern können, der sie ihr gesamtes Leben begleitet hat und meist sogar viel älter ist als sie selbst, ist mir nicht mehr wirklich verständlich. Konnte man über unsichtbare Autos, Reboots oder schnelle Schnitte noch herrlich streiten, ist Bonds Überleben für mich nicht verhandelbar. Bond zu töten ist einfach die dümmste Idee der Filmgeschichte. Und das heißt heutzutage schon was.

Wie geht es weiter mit dem Franchise? Der Drama-Bond hat mit dem Tod eigentlich seine 'final frontier' gefunden, ähnlich wie der eskapistische Bond im Weltraum. Mehr Shakespeare geht nicht. Ein Ende dieses Weges sehe ich trotzdem nicht, dafür suhlt man sich viel zu gern in Kritikerlob. Auch der nächste Darsteller wird ein Schauspieler sein, der nicht einfach nur eine Formel abspulen will. Und die Produzenten haben ein für alle mal gezeigt, dass ihre alleinige Loyalität jedem gehört, der ihnen die Last einer kreativen Vision von den Schultern nimmt. 

Bisher hatte ich Vertrauen in Broccoli und Wilson bezüglich der Zukunft des Franchise, aber das hat sich spätestens mit diesem Film leider geändert. (Was nicht ohne einer gewissen Ironie ist, drehten sich die Craigfilme doch fast manisch um das Thema Vertrauen.) Sie haben sich nun buchstäblich als Bewahrer der Asche erwiesen, nicht als Schürer der Flamme. Das, was man am Ende des Films auf der Leinwand sieht - das Weitererzählen des Mythos an eine neue Generation - ist ironischerweise das, was der Film an sich nicht leisten wird. Kein Zwölfjähriger wird von diesem Bond so begeistert sein wie frühere Generation von Goldfinger, Der Spion, der mich liebte und auch GoldenEye. Ich würde es daher begrüßen, wenn die beiden wenigstens konsequent wären und die Verantwortung für das Franchise abgeben. Viel Porzellan zu zerschlagen gibt es nicht mehr. Was da auch kommen mag, ich betrachte es eher gleichgültig. Und das empfinde ich nicht als Verlust.

16 Kommentare:

  1. Manchmal fällt es schwer, seine Empfindungen in Worte zu fassen ... besonders dann, wenn das "Bauchgefühl" fast nur noch aus Übelkeit besteht!
    Wenn man dann Hilfe bekommt, z. B. in Form eines Textes wie Deinem hier, dann weiß man:
    "Wir lesen um zu wissen, dass wir nicht allein sind." (C. S. Lewis)

    Danke, Martin!
    LG,
    Michael

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    1. Danke dir auch, Michael! Ich finde es auch sehr schön, mit dieser Meinung nicht allein zu sein. Ich hätte auch gar nicht mit so viel Zuspruch gerechnet, weil auf den entsprechenden Kanälen ja fast nur Lobeshymnen und Liebeserklärungen zu lesen sind.

      LG Martin

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  2. Toller Essay, Martin!

    Das Drama der gebrochenen Tradition habe ich schon im zweimaligen Weglassen des Gunbarrels erlebt. Dieses Ritual, das so unterschiedliche Filme wie MR und LTK als zur gleichen Familie gehörend markiert, wurde den künstlerischen Launen der Regisseure geopfert (das Gunbarrel "danach" zählt für mich nicht). Seitdem kickt es nicht mehr, es ist mir tatsächlich egal geworden - "Da hast du dein scheiß Gunbarrel doch wieder!" "Jetzt braucht Ihr es mir auch nicht mehr als Almosen hinterherwerfen!" Eine ohne Not gebrochene Tradition ist eben keine mehr.

    Generell sind es zwei Entwicklungen, die gegen Bond laufen - das allgemeine Sperrfeuer gegen die Maskulinität und der Totaltriumph des Franchisekinos und der seriellen Erzählweise der Streamingdienste. Zu ersterem muss nicht mehr viel gesagt werden, zu zweitem:

    Früher wussten die Leute zwischen ernstem und Unterhaltungskino zu unterscheiden. Die eine Woche sah man einen Bergman- oder Truffaut-Film, nächste Woche konnte man sich mit Bond amüsieren; man wusste, wo was hingehört. Heute wollen die Mannkinder keine erwachsenen Dramen mehr sehen - dafür aber Blockbuster-Filme und -serien mit Blockbuster-Mechanismen und gleichzeitigem Drama-Anspruch. Im "Denver-Clan" der 10er-Jahre kommen Drachen und Schwertkämpfer vor.

    Ironischerweise sind es oft die Frauen, die dieses Spiel durchschauen und (romanzengeschult) erkennen, dass da am Ende eben doch nur eine Nicholas-Sparks-Schnulze bei herauskommt (wie eine Kritikerin zu NTTD bemerkt hat.) Wir doofen Männer kennen uns da halt noch nicht so aus, Phoebe Waller-Bridge ganz bestimmt.

    Gruß Heiner


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    1. Danke! Ja, das mit der Gunbarrel sehe ich ähnlich. In Casino Royale war es wirklich noch eine erfrischende Variation. Die Gunbarrel am Ende fand ich dann aber auch einfach nur affig. Man wollte den tollen Eröffnungsshot des tollen Kameramannes nicht zerstören. Irgendwie war immer alles andere wichtiger als die Dinge, die 40 Jahre lang funktioniert haben. Vielleicht begann das auch schon mit dem Casting von Daniel Craig, wo man gesagt hat "Ach komm, wir pfeifen auf die Tradition und die Regeln vom Alten!" Wie sagt man: Wenn die Eltern schon alles aufgebaut haben, bleibt den Kindern nur noch das Einreißen.

      Das mit der Trennung zwischen Arthouse und Blockbuster sehe ich ähnlich. Kaum vorzustellen, dass das ganz normale Publikum sich früher Filme wie "Amadeus" oder "Einer flog übers Kuckucksnest" im Kino angesehen hat, und gleichzeitig Spaß mit einem anspruchslosen Bond oder Spencer/Hill haben konnte.

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  3. Toll geschrieben lieber Martin und der Text spricht mir aus der Seele. Momentan hat man es als Fan tatsächlich nicht leicht und selbst jede noch so differenzierte Betrachtung des Films macht das Endergebnis nicht besser.

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    1. Ja, ich hatte nach der ersten Sichtung auch Tendenzen, mir das Ganze irgendwie schön reden (oder trinken :) zu wollen, aber ich habe gemerkt, dass ich das nicht kann ohne das Gefühl zu haben, mir selbst in die Tasche zu lügen. Aber schön, damit nicht allein zu sein. :)

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  4. Tolles Review, Martin, dem ich mich vollumfänglich anschließe.Obwohl ich bei der 2. Sichtung ein paar Tränen verdrückt habe, war es trotzdem kein Ende für einen Bondfilm mehr. Die berühmte "rote Linie" wurde nicht nur überschritten, sondern völlig pulverisiert.
    Nach QOS dachte ich, man würde sich mehr auf die Wurzeln der Franchise zurückbesinnen: gritty ja, aber keine überbordende Psychologisierung mehr. Bond hatte seine Lektion doch eigentlich gelernt! Ab Skyfall waren daher die Filme ab dann für mich schon eher enttäuschend.
    Hatte ich nach der Urgewalt von CR lange Probleme, zu den easy-going Bonds von früher zurückzukehren, so drängt mich NTTD nun vielmehr dazu, mich den Bondfilmen vor Craig verstärkt zu widmen. Dies ist wohl mein Quantum Trost aus dem Desaster.
    Empathische Grüße!
    Kilian aka Spree

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    1. Auch hier Danke! Mir geht es da recht ähnlich. Vielleicht hat der Film insofern wirklich noch was Gutes, und vielleicht setzt bei den Machern die Erkenntnis ein, es mit dem Drama ähnlich stark übertrieben zu haben wie mit den Sci-Fi-Einlagen in MR oder DAD. Wobei ich mir das bei BB auch nicht wirklich vorstellen kann.

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  5. So und nicht anders muss dieser filmische Mittelfinger verstanden werden.
    Man liest die grenzenlose Enttäuschung in jeder Zeile.
    Und trotzdem hätte dieser Film noch viel mehr Worte verdient, denn er ist eine Aneinanderreihung von noch mehr Grenzüberschreitungen.
    Über den Tod konnte ich dann nur noch lachen.

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    1. Ja, ich hab selbst bei diesem sehr langen Text auch schon sehr viel rausgekürzt. Man könnte da tatsächlich noch viel mehr ins Detail gehen. Was bringt Madeleine beispielsweise dazu, mit ihrer Tochter allein in dem Haus zu leben, in dem ihre Mutter ermordet wurde? Der Versuch einer Therapie bei sich selbst? Und lässt sie die Kleine dann allein dort, wenn sie sich in London mit dem Mann, der ihren Vater ermordet hat, über das Schweigen der Lämmer unterhält? Das ist alles so seltsam unstimmig, dass ich mich frage, warum man die zwei jahre Zwangspause nicht genutzt hat, um daran noch etwas zu feilen.

      Auch den Titel von Daniel Kleinman, auf den ich mich seit 1995 immer ganz besonders freue, fand ich diesmal merkwürdig lahm und uninspiriert. Noch uninspirierter als die Tentakelgeschichte in Spectre. Als wäre der Mann in kreativer Hinsicht ähnlich ermüdet wie Maurice Binder in den 80ern. Auch wenn Kleinman für mich immer der Einzige auf Augenhöhe mit seinen Vorgängern war, wäre ich mittlerweile für einen kompletten Cut bei ausnahmslos allen Mitwirkenden.

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  6. Brillanter Beitrag, Martin, vielen Dank! Man muss sich wirklich fragen, ob die Craig-Ära am Ende nicht viel opportunistischer und epigonaler war als die viel für ihre Beliebigkeit gescholtene Brosnan-Ära. Bei allem, was man den Brosnan-Filmen mit Fug und Recht vorwerfen kann - sie haben Bond nach langem Verschwinden wiederbelebt und in einer neuen Welt am Leben erhalten. Die Craig-Ära trägt ihn nun - ohne Not, letztlich aus Eitelkeit - zu Grabe.

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    1. Danke dir! Wir lagen ja sehr oft auf einer Wellenlänge mit unseren Eindrücken. Das Merkwürdige ist, dass ich mir nach NTTD tatsächlich noch einmal GoldenEye angesehen habe und mir der Film plötzlich wesentlich besser gefallen hat als je zuvor. Als hätte ich erst nach Bonds Ableben verstanden, was Martin Campbell mit diesem Film sagen wollte. Vielleicht ändert sich das Image der Brosnanfilme noch einmal, wenn die Hymnen auf Craig wieder etwas abebben. Man hat in den 90ern sicher einiges falsch gemacht, aber ich hatte in den letzten Jahren auch zunehmend das Gefühl, dass Brosnan immer über die Maßen gebasht wird, und Craig immer als der Erlöser gepriesen wurde, der uns vom brosnischen Elend befreit hat. Hätte Brosnan das Franchise aber nicht 1995 gerettet, hätte Craig seine Chance wohl nie bekommen. Ich hab auch manchmal das Gefühl, dass Brosnan zusammen mit Tarantino erst den Boden für Casino bereitet hat.

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  7. Wäre Bonds Tod auf Dauer,käme ich eher damit klar. Dann würde ich sagen, die Serie ist zu Ende und ich habe 27 Filme und einen Haufen Bücher und Schluss. Selbst wenn am Schluss NIX gestanden hätte, der AMAZON - Deal lässt sich ja nicht verleugnen. Mir war immer egal WER Bond spielte, Hauptsache es ging weiter. Jetzt hat sich das geändert, ich kann gut auf einen Darsteller verzichten, der einfach """lebt""" ohne zu begründen wieso! Das würde ich als Bond .......... Fan sammeln, aber NIE mehr ernst nehmen. Der Bond den ich kannte ist tot. Und sollte es auch bleiben.

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    1. Sehe ich ähnlich. Mir wäre lieber, wenn man ihn denn nun wirklich tot lässt, als wenn man ihn weiter dem Zeitgeist zuliebe verbiegt. Ich hab ja irgendwie das dumme Gefühl, dass der nächste Film 'Phoenix Rising' oder so heißt, und es dann haufenweise doofe Sprüche à la Alien 3 gibt, so in Richtung "Ich dachte, Sie wären tot." - "Das höre ich öfter."

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  8. Ich brauchte tatsächlich mehrere Screenings, um mir eine Meinung zu diesem Film zu bilden. Nach vier Sichtungen muss ich jedoch eingestehen, dass ich mit deiner Analyse einverstanden bin. Wie gerne hätte ich diesen Film geliebt, schliesslich war das Verfolgen der Dreharbeiten ein Genuss! Doch das Ende resp. der Grund für das Ende lassen dies leider nicht zu.

    Interessanterweise hat NTTD gezeigt, was ich an den Bond-Filmen mag. Bisher konnte ich dies nie so richtig beziffern, das Gesamtpaket stimmte halt. Erst jetzt realisierte ich, dass ich diese Filme gerne schaue, weil Bond nach hartem Kampf am Ende triumphiert. Er tut dies mit Stil und Souvernität und man verlässt mit erhobenen Hauptes den Kinosaal. Nach NTTD war ich lust-, rat- und sprachlos. Diese Lustlosigkeit hat nun die Gefahr, weitere Filme gar nicht weiter zu verfolgen. James Bond wurde egal.

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    1. So ging es mir auch. Zumal ich auch gar nicht mehr wirklich damit gerechnet hatte, den Film tatsächlich im Kino zu sehen, und mich dann riesig gefreut hatte. Im Nachhinein wäre ich Corona dankbar gewesen, wenn es den Film verhindert hätte.

      Wenn ich mit Kumpels Fußball-WM- oder EM-Spiele sehe, habe ich hinterher oft als Scherz gesagt: "Deshalb liebe ich Bondfilme. Da weiß ich wenigstens, dass Bond gewinnt." NTTD ist nun wie ein WM-Finale, bei dem Deutschland am Ende der Verlängerung noch ein Tor reingewürgt bekommt und alle enttäuscht nachhause fahren.

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