Samstag, 19. Oktober 2019

Tod eines Clowns

                                                   "So hold on tight,
                                                 Let the flight begin."
                                                                                                    (All Time High, Rita Coolidge)
 


Bond-Marathon #13: OCTOPUSSY (1983)


Nachdem John Glen mit seinen Einstand FOR YOUR EYES ONLY in gewisser Weise die Anti-These zu MOONRAKER geliefert hatte, folgte mit seiner zweiten Bond-Regie OCTOPUSSY nun der Versuch der Synthese. Die Verschmelzung zweier sehr unterschiedlicher Welten: Die des Klamauks und der unbeschwerten Unterhaltung mit der des gnadenlosen Agenten-Alltags im Krieg der Systeme. Der Agent sozusagen als Clown in der internationalen Manege.

Ein Ansatz, ebenso gewagt wie der Titel des Films an sich. John Glen schuf damit den erfolgreichsten Film seiner gesamten Karriere, und einen der beliebtesten Roger-Moore-Bondfiilme. Aber funktioniert die explosive Mischung auch heute noch?












OCTOPUSSY kulinarisch

Zusammen mit Magda (Kristina Wayborn) trinkt Bond den obligatorischen Champagner, hier wieder die neue Stamm-Marke Bollinger. Octopussy (Maud Adams) serviert Bond einen Wodka Martini auf ihrer Insel.

Zum Dinner mit Kamal Khan gibt es gefüllten Schafskopf. Sehr schön finde ich hier Bonds Reaktion auf diese eher fragwürdige Delikatesse, die in gewisser Weise schon zu Roger Moores späterem Engagement gegen Tierquälerei passt. Im Konkurrenzfilm bewarb Sean Connery interessanterweise dagegen als "Foie Gras" bekannte Stopfleber, gegen die sich Moore später einsetzte.

Als 007 per Anhalter in West-Deutschland unterwegs ist, wird ihm von dem nur als "Bubi" und "Schatzi" bezeichneten deutschen Paar in ihrem VW Käfer Würstchen und ein Bier angeboten. Dabei handelt es sich um ein Altenmünster, eine Traditionsmarke aus dem Augsburger Landkreis. Bond lehnt es aus Zeitgründen ab, hätte es unter anderen Umständen aber sicher genossen. Immerhin trinkt er im Roman Im Geheimdienst Ihrer Majestät anlässlich seines Junggesellenabschieds Löwenbräu, ebenfalls ein bayrisches Traditionsbier.


Im Vorfeld: Auf welche Elemente freue ich mich? Auf welche nicht? 

Die große Stärke des Films ist sein Mut und seine Phantasie. Verglichen mit dem Konkurrenzfilm NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie, 1983) hat die Story von OCTOPUSSY buchstäblich mehr Eier. Obwohl man damit rechnen musste, dass die Presse auf der Seite des Connery-Films sein und Roger Moore mit der üblichen Häme überschütten würde, hatte man den Schneid, Moore hier sogar noch in ein Clowns-Kostüm zu stecken.

Der Film hat zahlreiche ikonographische Elemente, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn man den Titel hört. Der Mini-Jet, das Fabergé-Ei, Clowns und Zirkus, Bond an der Berliner Mauer, das Säge-Jo-Jo oder ganz allgemein die Eisenbahnromantik, die mir sehr gut gefällt. Ich finde es auch sehr schön, dass man Bond hier erstmals in größerem Ausmaß hinter dem Eisernen Vorhang agieren lässt und die deutsch-deutsche Teilung thematisiert. Neben ihren ikonischen Elementen und der nostalgischen Romantik gelingt es der Story, die damalige politische Lage sehr geschickt einzubinden und zu einem realistischen Bedrohungsszenario zu verarbeiten. Der Film schlägt insofern fast schon artistisch eine Brücke zwischen klassischer Abenteurer-Atmosphäre und tagespolitischer Brisanz, zwischen verklärter, knallbunter Exotik und grauem Cold-War-Alltag, und nicht zuletzt zwischen wildem Stummfilm-Klamauk und Thriller. (mehr dazu auch in diesem Text zum 30. Jubiläum des Films: Bomben, Clowns und Zarenschätze)

Trotzdem ist OCTOPUSSY einer der Bondfilme, die für mich nicht so funktionieren wie sie sollten, oder wollen. Was gerade mit Blick auf die intelligente Story schade ist. In film-handwerklicher Hinsicht fehlt etwas die Raffinesse, die frühere Bondwerke auszeichnete. Die kleinen Sahnehäubchen in Bezug auf Bildgestaltung oder Produktionsdesign. Viele Gags funktionieren nicht so richtig für mich, und stehen auch zu sehr in Kontrast zu den eher ernsteren Szenen. Auch das Indien-Setting ganz allgemein hat mich nie so richtig begeistert, obwohl es in der Reihe eines der letzten Erlebnisse echter Exotik darstellt.


In den 1980er Jahren griff die DDR tatsächlich wieder auf Dampfmaschinen mit einheimischer Kohle zurück,
aufgrund gestiegener Erdölpreise (Foto von Rainer Heinrich, veröffentlicht im Buch Chemnitz und seine Verkehrswege von André Marks, erschienen 2018 bei der VGB Verlagsgruppe Bahn in Fürstenfeldbruck: mit freundlicher Genehmigung von Rainer Heinrich und André Marks) 


Bewertungen:

Einführungssequenz / Vortitelsequenz13/15

Die letzte Sequenz, die überhaupt nichts mit der Haupthandlung zu tun hat. Insofern endet hier eine Bond-Tradition. Danach waren die Vortitelsequenzen immer durch ein Handlungselement mit der späteren Geschichte verbunden.

Der Mini-Jet ist ein sehr bondtypisches Element, das man ursprünglich schon für MOONRAKER einsetzen wollte. Auch die Art und Weise, wie Bond die Mission noch rettet, ist sehr gelungen und innovativ.

Titelmusik8/15
Die von John Barry komponierte Ballade All Time High wurde von der US-Amerikanerin Rita Coolidge interpretiert, die indianischer Abstammung ist und mit dem Schauspieler und Sänger Kris Kristoffersen verheiratet war. Obwohl sehr eingängig und nett anzuhören, ist es für mich eher einer der schwächeren Songs. Die Balladen von Marvin Hamlish und Bill Conti halte ich für einprägsamer. Aber ich mag ihn, und er ist im Film auch sehr schön thematisch eingewoben.

Eine sehr gelungene Coverversion entstand 1997 für David Arnolds Album Shaken Not Stirred durch die britische Band Pulp. Ihre Interpretation verleiht dem Lied eine dunklere, fast schmutzige Note.

Titelanimation8/15
Maurice Binder verwendet hier Laserprojektion als neues Stilmittel, sowie Laserlicht in Rauch, welches imposante Effekte erzeugt und auch gern in Science-Fiction-Filmen verwendet wurde, wie etwa in ALIEN (1979). Insgesamt recht solide.

Symbiose aus Musik und Animation9/15
Zu den ruhigeren Liedern passen die Titel von Binder meiner Meinung nach grundsätzlich besser, wobei manche Bildideen hier schon etwas statisch wirken.



Allow me to intruduce myself...

Einführungsszene von Bond: 11/15
Bond fährt gleich nach der Aufblende mit dem Auto vor, steigt aus und wechselt die Kleidung. Die Idee mit der drehbaren Kleidung ist sehr schön.

Einführungsszene des Haupt-Bondgirls14/15
Maus Adams' Octopussy wird sehr sorgfältig im Film etabliert, und ist auch sonst einer der interessantesten weiblichen Charaktere der Reihe. Die Art und Weise erinnert an Blofeld. Man hört andere über sie reden, man erfährt, dass sie eine eigene Insel hat und sehr mächtig ist - und ähnlich wie Blofeld benutzt sie einen Oktopoden als Logo und lässt ihre Untergebenen rötliche Uniformen tragen.

Bond beobachtet sie auf der Insel, wie sie nackt aus dem Wasser steigt - was an den Auftritt von Honey Rider erinnert. Vor allem im Roman, wo Honey ebenfalls unbekleidet ist. Schließlich trifft sie auf Bond, dreht sich wirksam zur Kamera um und enthüllt ihr wahres Aussehen. Aber auch danach herrscht Unklarheit darüber, ob sie für Bond Bedrohung oder Verbündete darstellt. Ähnlich wie im Vorgängerfilm könnte man erst denken, dass sie ihren toten Vater rächen will. Insgesamt ein starker Auftritt für eine starke Frau.

Einführungsszene des Gegenspielers11/15
Kamal Khan (Louis Jourdan) sieht man erstmals in der Versteigerung des Fabergé-Eis bei Sotherby's. Eine solide Szene, die aber auch nicht sonderlich herausragt.

General Orlov hat da den stärkeren Auftritt im Tagungsraum der Sowjets. Eine von Peter Lamonts besten Kulissen. Auch seinen Abtritt finde ich besser. Ein General der Roten Armee, der von DDR-Grenzern erschossen wird... das hat schon eine schöne Ironie. Und Steven Berkoff nimmt auch das irre Lächeln kurz vor dem Tod vorweg, dass Christopher Walken im Nachfolgerfilm perfektioniert.

Einführungsszene des Haupt-Henchman11/15
Gobinda ist zum ersten Mal während des Backgammon-Spiels zu sehen. Sein Zerdrücken der Würfel ist eins der zahlreichen GOLDFINGER-Zitate und -Parallelen des Films.

Der erste Auftritt von Mischka und Grischka ist spannender und eindrucksvoller. Vor allem die enorme Ähnlichkeit der beiden wird effektvoll genutzt.



Darstellung von James Bond13/15

Gute Leistung von Roger Moore. Besonders gefällt mir sein Treffen auf Orlov im Zug.

Gibt es Szenen, in denen Bond weniger sympathisch erscheint?
Eine kleinere Szene im Q-Labor. Bond schwenkt eine Kamera auf das Dekolleté einer Mitarbeiterin und zoomt darauf. Tatsächlich ein ziemlich dummer und kindlicher Gag, bei dem ich Qs Kopfschütteln nachvollziehen kann. Mir tut die Frau in der Szene immer ein bisschen leid.

Darstellung des Gegenspielers: 11/15

Louis Jourdan ist ein guter, klassischer Bondgegenspieler. Der französische Schauspieler, der seine erste internationale Rolle unter Regie von Alfred Hitchcock spielte, gewinnt meiner Meinung nach im Original noch, durch seine Stimme und den gelungenen Dialekt.

Bei General Orlov, der Khans 'partner in crime' darstellt, gibt es den eher gegenteiligen Effekt. Hier finde ich Steven Berkoff im Original etwas zu überzogen, und den Dialekt zu dick aufgetragen. Berkoffs Performance erinnert etwas Kubricks DR. STRANGELOVE. Ich mochte Orlov immer sehr gern, bis ich die Originalfassung des Films sah und die Vorwürfe des Over-actings nachvollziehen konnte. Der Synchronsprecher Horst Sachtleben, der Stammsprecher von Inspector Columbo, nimmt den Dialekt heraus und erdet die Performance etwas. (Ich habe eh nie verstanden, wieso Russen unter sich mit russischen Dialekt sprechen sollten)

Henchmen: 12/15
Gobinda ist ein guter Henchman, der dem Wortsinn "Gefolgsmann" oder "Handlanger" entspricht. Er ist ein Sikh, eine Religion, die in Indien aufgrund ihres ritterlichen Ehrbegriffs die Elite der Armee und die Leibwache des Präsidenten stellten. Ähnlich wie Oddjob folgt Gobinda seinem Herren bis in den Tod.

Sehr einprägsam sind auch die messerwerfenden Zwillinge Mischka und Grischka (David und Tony Meyer), die immerhin in der Lage sind, einen Doppelnull-Agenten auszuschalten, und der Mann mit dem Säge-Jo-Jo (William Derrick).

Bondgirl: 14/15
Mit Maud Adams 2018
Eine starke und interessante Frau, die im Gegensatz zu anderen Bondgirls der 80er nicht ständig von Bond beschützt und gerettet werden muss. Maud Adams verleiht der Figur auch Glaubwürdigkeit und Tiefe.

Und auch die Chemie mit Roger Moore stimmt einfach. Vielleicht am besten von all seinen Partnerinnen. Würde sich sein Bond zur Ruhe setzen, könnte ich mir das am ehesten mit Octopussy vorstellen. Insofern ist das "We're two of a kind" im Film keine bloße Behauptung.

Helfer: 9/15
Cubby Broccoli engagierte den Tennisstar Vijay Amritraj für die Rolle des indischen Geheimdienst-Kontaktmannes, da er ein Tennisfan war. Er wirkt sympathisch und hat eine gute Chemie mit Roger Moore. Allerdings habe ich das Gefühl, dass ein erfahrener Schauspieler mehr aus der Rolle hätte machen können.

Amritraj hatte später noch einige Auftritte in Filmen und Serien. So ist er etwa in STAR TREK IV: THE VOYAGE HOME (Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart, 1986) kurz als Captain Randolph von der USS Yorktown zu sehen.



Briefing-Szene: 8/15
Bewegt sich innerhalb der üblichen Standards der Moore-Ära.

Moneypenny-Szene: 8/15
Ähnlich wie später bei Q in THE WORLD IS NOT ENOUGH führt man hier eine Nachfolgerin für Moneypenny ein. Michaela Clavell spielt Miss Penelope Smallbone, deren Name wiederum von einem Modell übernommen wurde, das in einer früheren Vortitelsequenz zu sehen war. Leider sah man sie später nie wieder.

Dieses aufgesetzt schmachtende "Ah" von ihr am Ende gehört jedoch zu diesen Dingen, die mittlerweile für mich nicht mehr so richtig funktionieren.

Q-Szene: 13/15
Eine amüsante Szene mit dem indischen Seiltrick. Auch die späteren Einsätze von Q in Indien sind gelungen.


Dramaturgische Struktur

Ist das auslösende Ereignis stark und interessant genug? 14/15

Die Jagd auf 009 an der Berliner Mauer ist sehr spannend und reizvoll. Etwas unglaubwürdig ist nur, dass das Geschehen nicht den Grenzsoldaten auffällt.

Ein Aérospatiale SA 316 Alouette III. Mit so einem Helikopter
trifft Bond in Udaipur ein (siehe dazu auch hier)
Hält der Film durchgehend eine gewisse Grundspannung aufrecht? 13/15
Durch die bis gegen Ende unaufgeklärte und mysteriöse Verschwörung ist der Film recht spannend. Teilweise werden Informationen effektvoll zurückgehalten, etwa wenn die Übertragung der Wanze aus dem Fabergé-Ei gestört wird. Ab dem Moment, wo der Plan klar ist, setzt klassische Suspense ein.

Finale allgemein: 11/15
Die Verfolgungsjagd zum Zirkus ist gut inszeniert. Den Angriff der Artistinnen auf den Palast mag ich etwas weniger, und Bonds Ankunft per Ballon mit britischer Flagge ist dann wieder einer der Gags, die ich eher seltsam finde. Die Kletterei am Flugzeug ist spektakulär, auch wenn ich diese Idee in THE LIVING DAYLIGHTS noch besser umgesetzt finde.

Gibt es eine Steigerung des Sensationswertes bis hin zum Finale, das alles andere überschattet? 12/15



Endkampf Bond - Henchman: 12/15

Eine beachtliche Leistung der Stuntmen.

Endkampf Bond - Schurke: 12/15
Ist im Prinzip fast gleichbedeutend mit dem Endkampf mit Gobinda.

Wirkt die Auflösung nach dem Finale befriedigend? 11/15
Die Szene auf Octopussys Galeere ist gut. Etwas seltsam finde ich die vertraute Atmosphäre zwischen M und Gogol, die man hier und in nachfolgenden Filmen sieht. Dafür, dass Gogol noch im Film zuvor beinahe die Kontrolle über britische Atom-U-Boote bekommen hätte und es Anfang der 80er eine Verschärfung des Kalten Krieges gab, wirken diese Kaffee-Pläusche nicht so glaubwürdig.

Ist Bonds ermittlerische Vorgehensweise glaubwürdig und zielführend? 14/15
Sehr gut ist Bonds Manöver, während der Auktion das Ei zu vertauschen, und die spätere Provokation Khans damit. Bonds übliche Methode, den Gegner zu unüberlegten Handlungen zu provozieren, die seine Absichten entlarven, wird hier sehr schön umgesetzt. Weitere Informationen ermittelt er durch Beobachtung und Kombination.


Allgemein


Bond-Feeling: 13/15

Fleming-Feeling: 8/15
Ehemaliges Ausstellungsstück in der Back-Factory
am Checkpoint Charlie
In manchen Szenen ist Roger Moore dem Roman-Bond recht nahe, etwa wenn er General Orlov stellt und kurz darauf einen russischen Soldaten erschießt. In anderen wiederum ist er eher entfernt, vor allem in den Klamaukszenen. Ich weiß auch nicht recht, ob sich der Roman-Bond als Clown verkleidet hätte, oder ob er nicht eher die Frau in der Telefonzelle gepackt und beiseite geschoben hätte, und einfach M angerufen.

Dialoge/Humor: 13/15
Lieblingszeile: "Well, I heard the price of eggs was going up, but, isn't that a little high?"

Spannung: 12/15

Logik/Schlüssigkeit der Story: 13/15

Der Plan von Orlov und Khan an sich ist für Bond-Verhältnisse sehr plausibel und nah am Zeitgeschehen. Immerhin entwickelte der britische Bestseller-Autor Frederick Forsyth für seinen Roman Das vierte Protokoll - der mit Pierce Brosnan verfilmt wurde - ein sehr ähnliches Szenario.

Etwas verworren ist dagegen der gesamte Teil mit dem Fabergé-Ei. Und natürlich kann man auch Details bemängeln, etwa den Fakt, dass ein Zirkus-Zug aus der DDR, der in einen US-Stützpunkt einfährt, nicht peinlichst durchsucht wird. Aber innerhalb des Films wirkt das alles recht stimmig.



Produktions-Design: 9/15
Der Tagungsraum der sowjetischen Führung ist eine gute Hommage an Stanley Kubricks DR. STRANGELOVE und Altmeister Ken Adam. Die Designs auf Octopussys Insel überzeugen mich dagegen etwas weniger.

Spezialeffekte: 8/15
Negativ fallen hier vor allem die Rückprojektionen bei der Kletterei am Zug auf, die offensichtlicher wirken als vergleichbare Trickaufnahmen aus der Zeit. Auch beim Mini-Jet am Anfang kann man klar die Halterung darunter erkennen.

Action/Stunts: 12/15
Die Dschungeljagd und die Verfolgung mit den Autorikschas, auch Tuk Tuk genannt, gefallen mir weniger. Vor allem durch den überbordenden Klamauk, der die Spannung mindert. Sehr gut dagegen die Klettereien und Kämpfe an und auf den fahrenden Zügen, sowie die Luftstunts.

Bildgestaltung: 9/15
Wie eingangs bereits erwähnt vermisse ich hier manchmal die Rafinesse und den Glamour früherer Filme. Die Lichtsetzung ist beispielsweise immer solide, aber John Glen scheint nie Ambitionen zu haben, mit dem Licht zu spielen und es mal experimentell und gewagt einzusetzen. Was eigentlich verwundert, da er THE THIRD MAN schnitt, einen der lichttechnisch genialsten Noir-Filme.




Locations

Drehorte: 12/15

Die Szenen in Indien sind in guter Franchise-Tradition aufwändig vor Ort entstanden und strahlen daher echtes Flair und Exotik aus. Dass sich John Glen aber dazu entschied, wirklich sämtliche Klischees zu Indien oder Dschungeljagden einzubauen, inklusive Tarzan (!), arbeitet dann wieder gegen diese Authentizität. Warum man die Strapazen auf sich nimmt, hunderte Kilometer zu fliegen und vor Ort zu drehen, wenn man dort dann doch nur eine Nummernrevue von Landesklischees umsetzt, statt echte Impressionen einzufangen, erschließt sich mir nicht ganz. Zumal Glen in seinem Debüt schon gezeigt hatte, dass er es besser kann und von den Schenkelklopfern der Siebziger weg wollte.

Am Checkpoint Charlie
In Deutschland gibt es zwar auch übliche Stereotypen wie Würstchen und Bier, die aber durch die etwas ernsthaftere Stimmung abgefedert werden. Insgesamt mag ich die Deutschlandszenen wesentlich mehr, obwohl hier durch die umfangreichen Dreharbeiten im heimischen England ein bisschen das deutsche Flair verloren geht. (Mehr zu den Drehorten in Berlin Wannsee hier)

Der fiktive US-Amy-Stützpunkt Feldstadt könnte angelehnt sein an den Fliegerhorst Lechfeld oder den Standort Lehmgrube bei Kettershausen, wo ab 1983 tatsächlich Pershing II stationiert waren.

Lokalkolorit: 11/15
In Udaipur gibt es Lokalkolorit in bunter und exotischer Fülle, auch wenn wie bereits erwähnt ziemlich durch die Gags getrübt. In Deutschland ist es vor allem in den Szenen in West-Berlin spürbar.

Kombination: 12/15
Die Kombination Indien und DDR ist gewagt, aber gerade deshalb nicht ohne Reiz. Das eine bunt und exotisch, das andere eher grau und miefig. Aber es passt im Film ganz gut, da der Gauklermarkt in Indien zum einen schon die spätere Zirkus-Atmosphäre vorwegnimmt, und die altmodischen Dampfloks in der DDR wiederum zur kolonialistisch-nostalgischen Indienkulisse passen.


Musik

Titelsong: 8/15

Das Lied gehört nicht zu den besten Titelsongs, aber auch nicht zu den schlechtesten.

Allgemein: 9/15
Eine der Barry-Musiken, die mir weniger zusagen. Ähnlich wie im Film gefällt mir die Untermalung der Deutschlandszenen wesentlich besser als die des Indien-Parts. Sehr schön ist aber die Einarbeitung des Titelsongs.



Fazit - Gewonnen oder verloren?


OCTOPUSSY bleibt ein etwas zwiespältiges Filmerlebnis. Die Elemente, die mir gut gefallen, funktionieren auch immer wieder. Praktisch der gesamte Deutschland-Part. Große Teile der Indien-Sequenz überzeugen mich dagegen jedes Mal eher weniger. Manches wirkt viel zu übertrieben albern, manches sogar ein bisschen billig.

Insgesamt ein Bondfilm, den ich wegen seiner extravaganten Einfälle und seiner Thematisierung der deutsch-deutschen Teilung sehr schätze, der aber auch immer etwas verschenkt wirkt. Insofern sehe ich den Drahtseilakt zwischen Albernheiten à la MOONRAKER und Thriller-Atmosphäre im Sinne von FROM RUSSIA WITH LOVE als nicht so ganz geglückt. Rechnerisch eine Zwei mit leichter Tendenz zur Zwei plus.


Gefühlt: 11/15
Errechnet: 11,11/15

Also mehr als 75  % und eine 2: Die Leistungen entsprechen den Anforderungen voll.





James Bond will return in



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