Sonntag, 10. November 2019

R wie Rache

                                                    "Forget about long-range plans
                                                 'Cause this man's got his own."
                                                                                                               (Never Say Never Again, Lani Hall)
 


Bond-Marathon #14: NEVER SAY NEVER AGAIN (1983)


NEVER SAY NEVER AGAIN (Sag niemals nie, 1983) ist ein Unikum in der Filmgeschichte: Ein James-Bond-Film, der unabhängig von der Produktionsfirma EON Productions entstand. (CASINO ROYALE von 1967 zählt nicht wirklich als ernsthafter Bondfilm.) Womöglich wird er das aber nicht bleiben, wenn in ein paar Jahrzehnten die Buchrechte öffentlich verfügbar werden, wie jetzt schon in Kanada.

Durch intensive und langjährige Rechtsstreitigkeiten musste der Film einerseits auf viele Elemente verzichten, die mittlerweile bondtypisch waren, weshalb er es bei vielen Fans auch recht schwer hat. Andererseits musste er sich eng an die Handlung des Romans Feuerball halten, der 1965 mit THUNDERBALL schon kongenial verfilmt worden war. Somit ist es auch schwierig, ihn in seinem Außenseiterstatus möglichst unvoreingenommen zu bewerten. Was ich hiermit aber trotzdem versuchen möchte.






NEVER SAY NEVER AGAIN kulinarisch

"Möchten Sie einen starken oder einen soften Drink?" - "Einen soften. Eine doppelte Bloody Mary mit viel Worcestershire Sauce bitte!" - "Dann möchte ich bei Ihnen mal einen harten Drink erleben."

Der Dialog aus dem Roman wurde fast eins zu eins in den Film übernommen, und passt hier gut zu Sean Connerys abgeklärt-schlagfertiger Art. Eins von vielen Details, die Sag niemals nie eher als eine Buch-Neuverfilmung erscheinen lassen, denn als Film-Remake.

Dominos präferierter Cocktail, der eher zu den Katerdrinks oder corpse revivers gehört, spiegelt Flemings Vorliebe für Frauen wider, die es im Trinken und Fahren mit Männern aufnehmen können.

Bond bestellt dagegen Wodka on the Rocks. In Shrublands hat er seine eigene Verpflegung dabei, bestehend aus Wachtel-Eiern, Beluga-Kaviar, "Foie gras" und Absolut Vodka. Auf Largos Schiff trinkt er einen Vodka Martini und ganz am Ende seinen Fünf-Uhr-Martini.




Im Vorfeld: Auf welche Elemente freue ich mich? Auf welche nicht? 

NEVER SAY NEVER AGAIN's Schwächen sind oft auch seine Stärken. Da er nicht in die EON'sche Routine eingebunden war, konnte man hier manche Dinge erfrischend anders machen. 'Cubby' Broccoli besetzte viele Rollen beispielsweise gern mit Schauspielern aus der zweiten oder dritten Reihe. Sean Connery wollte für seinen Bondfilm dagegen renommierte und prominente Namen, wie Klaus Maria Brandauer, Max von Sydow oder Edward Fox. Spätestens seit Die Welt ist nicht genug oder Skyfall gehört das auch in der EON-Reihe zum guten Ton. Dementsprechend sind auch Schauspiel und Dialoge sehr gut gelungen. Auch die Gedankenspiele um einen gealterten Bond, der mit dem aktiven Dienst hadert, waren ihrer Zeit weit voraus.

Andererseits verlässt sich der Film oft zu sehr auf sein größtes Gadget - Sean Connery - und es fehlen die vielen liebevollen Details und die handwerkliche Rafinesse der regulären Bondfilme. Was mir den Film auch immer etwas unsympathisch macht, ist die oft durchscheinende Grundhaltung "Hier kommt endlich wieder der richtige Bond", und dazu die feindselige Haltung der Macher gegenüber den von Albert R. Broccoli produzierten Filmen. In einem Interview bezeichnete Sean Connery Broccoli gar als Bösewicht, und das, obwohl er durch dessen Filme zum Superstar wurde. Diese Opfer-Attitüde von Connery habe ich nie so ganz nachvollziehen können. Sicherlich hatte Broccoli versucht, die Produktion von McKlorys zweiter Feuerball-Verfilmung zu verhindern. Andererseits muss man jedoch auch sehen, dass McKlorys ursprüngliche Pläne weit über seine gerichtlich bestätigten Rechte hinausgingen, und er seinerzeit auch versuchte, Broccolis Produktionen rechtlich zu behindern. Etwas ironisch wirkt dann auch, dass Connery dafür kämpfte, in die Rolle zurückzukehren, die er gehasst hatte, und das in einem Film, der sich nicht sonderlich von denen unterscheidet, die er kritisierte. (Siehe zu dem Thema auch Der Kalte Krieg hinter den Kulissen)


Bewertungen:

Einführungssequenz / Vortitelsequenz8/15


Titel6/15

Die Macher wollten erst gar nicht in Konkurrenz zu den Vortitel- und Titelsequenzen der EON-Filme treten, sondern waren der Meinung, dass Publikum wolle sehen, ob Connery es als Bond noch drauf hat. Diese eine Funktion erfüllt die Eröffnungsszene ganz gut, auch wenn sich die Atmosphäre des tropischen Schurkenverstecks nicht sonderlich bondig anfühlt.



Allow me to intruduce myself...

Einführungsszene von Bond: 9/15
Die Idee, Bond während eines Einsatzes einzuführen, der sich als Test entpuppt, ist ganz gut.

Einführungsszene des Haupt-Bondgirls12/15
Die Szene ist technisch gut gelöst. Largo beobachtet Domino (Kim Basinger) erst auf dem Bildschirm und dann hinter einer Glasscheibe, bevor er in den Übungsraum platzt und sie überrascht. Ihre Attraktivität und Largos Eifersucht werden hier gut etabliert.

Einführungsszene des Gegenspielers9/15
Maximilian Largo (Klaus Maria Brandauer) ist wie Domino zuerst auf einem Monitor zu sehen, und zwar während des SPECTRE-Treffens. Danach landet er einen Helikopter. Okay, nicht herausragend.

Einführungsszene des Haupt-Henchman10/15
Fatima Blush geht durch eine Bank, deren Tresor sich als Eingang zur SPECTRE-Konferenz entpuppt. Ein recht solider Auftritt für diesen wunderbar schillernden Charakter.



Darstellung von James Bond12/15

Viele Kritiker und Zeitschriften feierten NSNA
schon vom Start weg als den besseren Film und
zeigten damit eine Voreingenommenheit, die man
sonst eher von Fans kennt
Solide Darstellung von Sean Connery, der selbstironisch mit seinem Alter umgeht. Gefällt mir wesentlich besser als in Diamantenfieber und auch Man lebt nur zweimal.

Man muss aber auch sagen, dass er nicht gerade das Rad neu erfindet. Wenn man bedenkt, dass er die Reihe auch wegen der schwindenden schauspielerischen Herausforderung verlassen hatte - und auch die späteren Filme für mangelnde Ernsthaftigkeit kritisierte - dann verwundert es etwas, dass er hier wenig anders macht.

Gibt es Szenen, in denen Bond weniger sympathisch erscheint?
Nein.

Darstellung des Gegenspielers: 15/15

Klaus Maria Brandauer stellt Largo weniger als Mafioso dar, denn als modernen, technik-affinen Geschäftsmann, der sogar seine Geliebte gewinnbringend loswerden will. Er spielt sich völlig frei von den üblichen Bondschurken-Klischees und agiert mit einer wunderbaren Mischung aus Charme und Wahnsinn. Ich mag ihn sehr und denke auch, dass er mit seinem Ansatz die "offizielle" Reihe stark beeinflusst hat. (mehr zu Klaus Maria Brandauer hier).

Henchmen: 15/15
Ebenso wie bei Brandauers Largo denke ich, dass Barbara Carreras Fatima Blush die späteren Bondfilme gesprägt hat. Wohl nicht zufällig tauchte gleich im nächsten EON-Bond eine Killer-Amazone auf, sowie in Pierce Brosnans Debüt GOLDENEYE eine sehr ähnliche Figur.

Fatima Blush tauchte bereits in dem Drehbuch-Entwurf auf, den McKlory zusammen mit Ian Fleming erarbeitete. Die extravagante Killerlady mit dem Faible für schrille Outfits ist eins der überdurchschnittlich gelungenen Elemente des Films. 1981 spielte Barbara Carrera in der sehr gelungenen Bondparodie CONDORMAN.

Bondgirl: 12/15
Kim Basinger hatte hier ihre erste große Filmrolle, aber sie gehört zu den Schauspielerinnen, die auch nach ihrem Bond-Auftritt noch eine lange und erfolgreiche Karriere hatte. Für den Film L.A. CONFIDENTIAL erhielt sie 1997 einen Academy Award, was bis dato keinem Bondgirl gelang. Insofern erwies sich das Casting auch hier als sehr geschickt.

Kim Basinger kommt der ursprünglich konzipierten Figur Domino Vitali nicht nur durch ihre eingangs erwähnten Trinkvorlieben näher, sondern auch durch ihre Haarfarbe. Auf verschiedenen Roman-Artworks wird Domino blond dargestellt und hat mehr Ähnlichkeit mit Basinger (siehe beispielsweise hier). Allerdings kommt bei ihr die italienische Herkunft der Romanfigur nicht zum tragen.

Helfer: 11/15
Auch der mit Bernie Casey durch einen schwarzen Schauspieler besetzte Felix Leiter war seiner Zeit weit voraus. Ein sympathischer und handfester Leiter, der wesentlich glaubwürdiger und besser wirkt als die Versionen von Goldfinger und Diamantenfieber.



Briefing-Szene: 10/15
Mal etwas anderes als die Briefingszenen, die man bisher aus den Bondfilmen kannte. Ein neuer M entpuppt sich als visionsloser Bürokrat, der mit Bond nichts anfangen kann. Eine ähnliche Situation gab es dann in GOLDENEYE, wo die neue M ebenfalls als "Zahlenhexe" bekannt ist, ihre Probleme mit den Doppelnullen hat und Bond erstmal testen lässt.

Moneypenny-Szene: 7/15
Die Moneypennyszene überzeugt mich nicht so ganz. Der Gag ist sehr gut: "Have you got a mission, James?" - "Yes, I am to eliminate all free radicals." In der deutschen Übersetzung wird das natürlich wieder versaubeutelt, obwohl man es eigentlich hätte übersetzen können. Die Chemie der frühen Filme kommt hier allerdings überhaupt nicht rüber.

Q-Szene: 12/15
Q ist noch am sympathischsten vom MI-6-Team. Ebenso wie bei Moneypenny leiden die Szenen natürlich sehr darunter, dass es nicht die echten Darsteller sind, obwohl man so tut. Trotzdem sind die Gags auch hier sehr schön.


Dramaturgische Struktur

Ist das auslösende Ereignis stark und interessant genug? 11/15

In vielen Berichten zum Film wurden die Macher
inklusive Sean Connery quasi als Guerilla-Filmer
dargestellt, die gegen Albert R. Broccoli als über-
mächtigen Filmmogul ankämpften. Eine eher
 einseitige Sichtweise 
Der Auslöser mit den entwendeten Atomwaffen ist natürlich sehr ähnlich wie bei Feuerball, aber durch die Idee mit dem manipulierten Auge und den ferngesteuerten Cruise Missiles gut modernisiert.

Finale allgemein: 9/15
Das Finale ist mehr an den Roman angelegt als der Kampf auf dem verrückt gewordenen Tragflächenboot in Feuerball. Die Unterwasseraufnahmen sind allerdings wesentlich weniger spektakulär als in der 1965er Verfilmung. Hier fehlt dem Film dann etwas ein attraktives Äquivalent zum Witz und Charme der ersten Hälfte.

Gibt es eine Steigerung des Sensationswertes bis hin zum Finale, das alles andere überschattet? 7/15



Endkampf Bond - Henchman: 14/15

Gefällt mir sehr gut. Die Motorradjagd, Fatimas Versuch, Bond einzufangen, und schließlich der recht witzige, verbale Schlagabtausch im Lagerhaus.

Endkampf Bond - Schurke: 6/15
Ist zwar wie bereits erwähnt näher am Buch, wirkt aber leider etwas verschenkt. Da sie unter Wasser nicht sprechen können und auch die Gesichter von Taucherbrillen verdeckt sind, sieht man leider nicht mehr viel vom Schauspiel von Connery und Brandauer. Schade eigentlich, weil es bis hierhin ein sehr gelungenes und amüsantes Duell war.

Wirkt die Auflösung nach dem Finale befriedigend? 11/15
Geht so. Bond am Pool mit Domino ist okay, nur der Auftritt von Mr. Bean nervt dann leider wieder genauso wie seine vorigen Szenen. Nichts gegen Rowan Atkinson, aber hier finde ich ihn völlig fehl am Platz.

Ist Bonds ermittlerische Vorgehensweise glaubwürdig und zielführend? 9/15
Ähnlich wie im Buch und im 1965er Film hilft Bond hier der Zufall enorm, wenn er zufällig im selben Sanatorium weilt wie die Spectre-Agenten. Er hat den richtigen Riecher mit der Kopie des Prädidenten-Auges, wenn auch M nicht darauf eingeht. Auch seine Kontaktaufnahme mit Domino ist recht charmant.


Allgemein


Bond-Feeling: 9/15

Fleming-Feeling: 9/15
Ist szenenweise vorhanden. Bonds Schießtraining im Keller von Q-Brunch könnte aus dem Roman Moonraker stammen. Auch sieht man Bond mal mit seinem Ur-Wagen vorfahren, einem Bentley Blower, den er in den Büchern "Lokomotive" nennt. Interessanterweise sah man den Wagen das letzte Mal in der anderen Konkurrenz-Produktion CASINO ROYALE von 1967. Da der Film aber auch direkt auf die Arbeit von Ian Fleming zurückgeht, hatte man es in dem Punkt leichter.

Dialoge/Humor: 14/15
Der Film hat sehr gelungene und pointierte Dialoge und Gags, und ist in dem Punkt so manchem späteren EON-Bond weit überlegen. Etwa wenn Bond von einer Anglerin an Land gezogen wird oder meint, dass sein Martini trocken geblieben sei. Im Vergleich zu manch antiquierten Scherzen in OCTOPUSSY sehe ich NEVER SAY NEVER AGAIN hier ganz klar überlegen.

Weniger schön ist dagegen wie schon erwähnt das Gezappel und Geblödel mit Rowan Atkinson.

Spannung: 8/15
Ist durch die Atomgeschichte recht okay.

Logik/Schlüssigkeit der Story: 11/15

Der Diebstahl der Sprengköpfe wurde glaubwürdig in die Achtziger übertragen. Ob man tatsächlich das Auge eines Menschen kopieren kann, ist natürlich recht fragwürdig. Vor allem fragt man sich, wie Spectre an detailierte Aufnahmen und Befunde vom Auge des US-Präsidenten gekommen ist. Interessant wird hier als Gedankenspiel, was Spectre unternommen hätte, wenn der Präsident beispielsweise durch ein Amtsentgebungsverfahren ausgewechselt werden würde.

Die Science-Fiction-Spielereien wie das Domination-Spiel fühlen sich ebenfalls recht stimmig an.



Produktions-Design: 7/15
In dem Punkt überzeugt der Film leider eher weniger. Die meisten Schauplätze - wie das Schurkenversteck am Anfang, das Casino mit seinen Spielautomaten oder der Versammlungsraum von Spectre - wirken doch recht profan und schmucklos. Vor allem im direkten Vergleich mit dem Klassiker von 1965. Schade ist das vor allem, wenn man bedenkt, was man ursprünglich für den Film geplant hatte. Beispielsweise war das nordafrikanische Palmyra in den Entwürfen wesentlich beeindruckender. Ganz annehmbar sind die antiken Höhlenanlagen am Ende.

Ein echtes Highlight sind dagegen die Kleider von Fatima Blush.

Spezialeffekte: 9/15
Die Effekte finde ich hier insgesamt recht glaubhaft und gut gealtert. Die Flugaufnahmen der Cruise Missiles sind als Rückprojektionen überzeugender als entsprechende Effekte in OCTOPUSSY. Auch die holografischen Projektionen des Computerspiels sind ganz gut. Etwas mau sind dagegen die Gadget-Effekte des Motorrads, und richtig peinlich ist der Absprung von Bond und Domino mit dem Pferd von der Mauer.


Action/Stunts: 5/15
Die wirklich großen Stunts und Actionszenen, die man aus der EON-Reihe kennt, sieht man hier nicht. Vor allem verglichen mit den Minijet-Szenen oder den Zugkämpfen in OCTOPUSSY gibt es hier nichts wirklich entsprechendes. In dem Punkt hatte EON die Nase eindeutig vorn.

Die Fights in der Hazienda und im Sanatorium sind für Bondverhältnisse eher unter Durchschnitt. Die Motorradjagd ist nett. Gut gelungen ist dagegen Bonds Begegnung mit den Haien, die echtes Bondniveau hat und besser wirkt als beispielsweise die Unterwasserszene in TOMORROW NEVER DIES.

Bildgestaltung: 6/15
Ragt leider ebenfalls nicht wirklich heraus. Es fehlt oft das Überlebensgroße und Glamouröse, das Bondfilme auszeichnet. Viele Einstellungen haben einen unangenehmen 80er-Jahre-Weichzeichner-Touch. Oft sieht man auch verbogene Linien durch Weitwinkelaufnahmen.




Locations

Drehorte: 11/15

Die Bahamas wirken gut, wenn auch nicht so oppulent wie in Feuerball. Die Côte d’Azur hat ebenfalls Flair, vor allem die Villa, in der Bond und Felix Leiter wohnen. Beeindruckend ist auch Largos Jacht, die vom Waffenhändler Kashoggi zur Verfügung gestellt wurde. Etwas weniger überzeugend sind die orientalischen Schauplätze gegen Ende.

Lokalkolorit: 10/15

Kombination: 11/15




Musik

Titelsong: 6/15

Der von Lani Hall interpretierte Song zählt für mich zu den eher belanglosen Bond-Titelliedern. Interessanterweise wollte die Produktion ursprünglich ein von der R'n'B-Sängerin Phyllis Hyman vorgetragenes Lied benutzen, aber Filmkomponist Michel Legrand bestand auf sein vertragliches Recht, den Song zum Film selbst zu schreiben. Die Hyman-Version gefällt mir insgesamt besser, da sie stimmlich und melodisch wärmer und eingängiger ist, und mehr Bondfeeling hat.

Allgemein: 4/15
Wie der Titelsong ist auch die Filmmusik eher verschenkt. Dass man das Bondtheme nicht benutzen durfte ist klar, aber man hätte trotzdem einen bondigeren Sound finden können.

Schade angesichts eines oscarprämierten Altmeisters wie Michel Legrand, der so klassische Filmmusiken komponierte wie ICE STATION ZEBRA oder THE THOMAS CROWN AFFAIR (für letzteren schuf er mit The Windmills of your Mind sogar einen Song mit mehr Bondfeeling). Vor allem die Untermalung von Suspenseszenen wie dem Diebstahl der Missiles ist furchtbar.




Fazit - Gewonnen oder verloren?


Rein rechnerisch liegt NEVER SAY NEVER AGAIN interessanterweise zwischen einer Drei plus und einer Zwei minus, mit ganz leichter Tendenz noch oben. Auch in meiner Wahrnehmung schwankt er zwischen gut und befriedigend. Er hat einige sehr gute Elemente und Ideen, bei denen ich überzeugt bin, dass sie auch die "offizielle" Reihe beeinflusst haben. Vor allem in der ersten Hälfte macht der Film Spaß. Von der Atmosphäre her wirkt er allerdings immer etwas seltsam, und eher wie ein US-Actionfilm.

Interessanterweise wird der Film vom allgemeinen Publikum oft besser wahrgenommen als von den Fans, vor allem wegen Connery und den gelungenen Gags. Hatte er bei Erscheinen praktisch die gesamte Presse auf seiner Seite, die ihn schon aus Prinzip über Gebühr feierte, leidet sein Image heute eher unter dem Eindruck eines "inoffiziellen" Films. (Wobei die Bezeichnung "inoffiziell", die leider auch in Büchern und Zeitschriften verwendet wird, letztlich falsch und blödsinnig ist. Wer Fake-News und "Alternative Fakten" beklagt, sollte konsequenterweise auch solche falschen Begriffe vermeiden.)

Fairerweise sollte man ihm nicht die ikonischen Elemente vorwerfen, die er aus rein rechtlichen Gründen nicht verwenden durfte. (Zumal auch die EON-Bonds in jüngerer Zeit sehr experimentell damit umgingen). Allerdings macht der Film aus den Alleinstellungsmerkmalen, die er im Gegensatz zur regulären Reihe verwenden durfte - wie Blofeld und Spectre - auch enttäuschend wenig. Max von Sydows Blofeld wirkt wie ein netter Opa und seine große Schurkenkonferenz wie das monatliche Vereinstreffen der Beethoven-Liebhaber.

Dem Anspruch von Produzent Kevin McKlory und Sean Connery, einen Gegenpol zu den sich angeblich in Klamauk und Technik-Bombast verlierenden Bondfilmen von Albert R. Broccoli zu schaffen, wird der Film letztlich kaum gerecht. Auch die Einstellung, dass die Bondreihe nur mit einem bestimmten Darsteller funktioniert, hat der Film eher widerlegt als bestätigt.



Gefühlt: 9,5/15
Errechnet: 9,57/15

Also mehr als 65 und 70  % und eine 3+: Die Leistungen entsprechen den Anforderungen im Allgemeinen bis voll.





James Bond will return in



A VIEW TO A KILL



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