The Saint machte aus Simon Templar - ursprünglich eine Mischung aus Privatdetektiv und modernem Robin Hood - einen Meister der Maskierungen, und wilderte damit etwas in der Domäne von Mission: Impossible. Tatsächlich plante Hauptdarsteller Val Kilmer, ähnlich wie Tom Cruise mit Mission: Impossible, aus The Saint eine Filmreihe zu machen und als Produzent zu agieren. Was nicht ohne eine gewisse Ironie ist - waren Cruise und Kilmer im Blockbuster Top Gun erbitterte Rivalen. Doch aus einer Filmreihe à la Mission: Impossible oder James Bond wurde letztlich nichts, obwohl der Film ein Erfolg war und vieles richtig machte.
Laut der Internetseite imdb.com erwägte Roger Moore bereits in den 80ern, eine Simon-Templar-Neuverfilmung zu produzieren. Im Auge hatte er dafür Pierce Brosnan, der sich mit der Serie Remington Steele empfahl. Der junge Pierce Brosnan hätte in der Tat den Charakter sehr im Sinne von Moores Interpretation weiterführen können.
Nach einigen Umwegen - zwischendurch war Sidney Pollack als Regisseur im Gespräch, sowie Ralph Fiennes, George Clooney, Johnnie Depp und sogar Arnold Schwarzenegger für die Hauptrolle - landete das Projekt bei dem action-erprobten Australier Philip Noyce (Todesstille, Die Stunde der Patrioten, Das Kartell).
Mit Val Kilmer fand man einen aufstrebenden Star der 1990er. Er hatte zuvor den Dunklen Ritter in Batman Forever verkörpert, und damit auch überzeugt, diese Rolle aber für The Saint aufgegeben. Philip Noyce war mit seiner Besetzung später unzufrieden, obwohl Kilmer viel Leidenschaft und schauspielerisches Engagement in die Rolle investierte. Man hat ein bißchen das Gefühl, daß Kilmer für seine Identitäten verschiedene frühere Rollen channelte, wie Jim Morrison oder Doc Holiday. Tatsächlich benutzte er einen südafrikanischen Dialekt, den er für Der Geist und die Dunkelheit (1996) gelernt hatte.
Grundsätzlich ist es lobenswert, daß man für die Maskierungen echte Maskenbildnerei und praktische Effekte benutzte - im Gegensatz zu Mission: Impossible, wo die Masken ein reiner Schnitt-Trick sind. Trotzdem arbeitete hier das Star-Prinzip etwas gegen den Film. Man besetzt Stars, die die Menschen sehen wollen, eben weil sie so charismatisch und einmalig sind, schafft es dann aber nicht, daß der Star hinter der Maskierung wirklich zurücktritt und unsichtbar wird. Ein Paradoxon, das auch Filme wie In the Line of Fire (1993) oder Der Schakal (1997) auszeichnet, wo man die unverwechselbaren Charakterköpfe John Malkovich und Bruce Willis als Chamäleons verkaufen will. Die perfekte Besetzung für so eine Rolle wären wohl eher unscheinbare Schauspieler, wie etwa ein David Morse.
Die Geschichte des Films folgt gängigen Motiven von Actionthrillern der 1990er Jahre. Ein beliebtes Trope waren die Gefahren, die durch den Zusammenbruch der Atmommacht Sowjetunion entstanden. Ähnlich wie in GoldenEye geht es auch hier um einen Schurken, der gern der neue "starke Mann Rußlands" wäre (Tretiak/Ourumov) und dafür in den Besitz einer Supertechnologie (EMP-Waffe/Kalte Fusion) gelangen will. Positiv bewerten muß man bei The Saint, daß die Schauplätze in Rußland wesentlich authentischer wirken als in GoldenEye. Man hat etwa mehrere Szenen wirklich direkt auf dem Roten Platz in Moskau gedreht. (Wenn Templar im Kreml als ausländischer Agent und vermeintlicher Attentäter verhaftet wird, wirkt das schon etwas wie eine kleine Vorwegnahme des vierten Mission-Impossible-Teils Phantom Protocol.)
Andererseits war GoldenEye insofern cleverer, daß man Politik aus dem Drehbuch eher raushielt und allenfalls andeutete. The Saint thematisiert dagegen eine russische Energiekrise, einen unbeliebten Präsidenten und schließlich eine Art Volksaufstand samt Schauprozess. Der öffentlich bekannte Sohn eines Oligarchen läuft hier mit seiner Killertruppe am helllichten Tag durch Moskau und tötet wahllos Zivilisten. Insgesamt wirkt die Darstellung der Russen ähnlich simplifiziert und klischeehaft wie in entsprechenden Filme aus dem Kalten Krieg. Und man fragt sich ein bißchen, ob die Darstellung skrupelloser und manipulativer Oligarchen vorausschauend war, oder ob Hollywoods ungebrochene Darstellung der Russen als potentielle Schurken, die ja auch die westliche Politik widerspiegelt, selbst auch etwas zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Letztlich wirkt der Schauprozeß auf dem Roten Platz samt wundersamer, von Templar geplanter Inbetriebnahme des Cold-Fusion-Reaktors etwas konstruiert und unglaubwürdig.
Der Kroate Rade Šerbedžija, den man in den 90ern und frühen 2000ern häufig sah, gibt einen charismatischen Gegenspieler, auch wenn man früh ahnt, daß er aufgrund seiner relativen Ähnlichkeit zu Kilmer gecastet wurde. Schauspielerisch heraus ragt Elizabeth Shue, die die etwas klischeehafte Rolle der verschrobenen, aber gutmütigen Wissenschaftlerin glaubhaft und mit Nuancen spielt.
Obwohl die Kritiken eher durchwachsen waren, war der Film doch ein deutlicher Erfolg. Bei einem Budget von 70 Millionen Dollar spielte er 170 Millionen ein. Trotzdem kam es nicht zu einer Fortsetzung. Über die genauen Gründe kann man nur spekulieren. Zum einen war das Alleinstellungsmerkmal von Templar hier wie erwähnt sehr nahe an der Grundfaszination von Mission Impossible, und mit M:I-2 landete dieses Franchise im Jahr 2000 einen Megahit. Zum anderen hatte Val Kilmer in der Branche zunehmend den Ruf, schwierig zu sein, und mit Auf den ersten Blick und Red Planet floppten zwei Filme mit ihm in Hauptrollen so massiv, daß sie seine Karriere beeinträchtigten.
Laut der Biographie von Sir Roger Moore traf er Val Kilmer bei der Premiere von The Saint, und Kilmer eröffnete ihm, daß er nach den Dreharbeiten die Saint-Bücher von Leslie Charteries gelesen hatte und sie als sehr hochwertig empfand, und den Kinofilm entsprechend verschenkt. Vielleicht verfolgte er deshalb weitere Projekte eines potentiellen Franchise nicht weiter.
Nach The Saint hörten Verfilmungen von Sixties-Serien auch erstmal auf, Erfolgsgaranten zu sein. Die Batman-Reihe näherte sich nach Kilmers Ausstieg noch mehr der Fernsehserie aus den Sechzigern an, und lieferte mit Batman & Robin den absoluten Tiefpunkt des Franchise. Lost in Space aus dem Jahr 1998 enttäuschte ebenfalls eher, während sich Mit Schirm, Charme und Melone aus dem selben Jahr trotz hochkarätiger Besetzung auch als totaler Rohrkrepierer erwies.
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