Freitag, 11. März 2022

007 and counting

Plattenspieler mit Liebesgrüße-aus-Moskau-Platte
Das von Monty Norman komponierte und von John Barry erweiterte und eingespielte James-Bond-Theme ist eine der berühmtesten Melodien der Filmgeschichte. Es fängt die spannungsgeladene Agenten-Atmosphäre perfekt ein und ist bereits nach wenigen Takten erkennbar. Und doch muss ich sagen, dass mir manchmal - vor allem wenn ich andere Kompositionen für Leinwandhelden höre - etwas an dem Stück fehlt. Etwas heroisches, romantisches, abenteuerliches und vielleicht auch pathetisches, das dazu führt, dass man die Melodie auch um ihrer selbst willen gern hört. Ich habe das beispielsweise wesentlich mehr bei dem Hauptthema, das Jerry Goldsmith 1982 für FIRST BLOOD und die weiteren Rambo-Filme schrieb, aber auch bei Bill Contis Musik für ROCKY oder John Williams berühmten Marsch für Indiana Jones.

Den meisten Nicht-Fans ist gar nicht bewusst, dass es ein alternatives Thema für die Figur James Bond 007 gab - genauso wie es verschiedene Logos gab - welches genau diese augenzwinkernd-schwelgerische Note hat, die dem Bond Theme fehlt.


Es handelt sich dabei um das 007 Theme, das John Barry usprünglich für FROM RUSSIA WITH LOVE komponierte, und das in vier späteren Filmen zu hören war: THUNDERBALL, DIAMONDS ARE FOREVER und MOONRAKER

Barry hatte mit seinen John Barry Seven das von Elmer Bernstein komponierte Theme von THE MAGNIFICENT SEVEN (Die glorreichen Sieben) gecovert und damit einen Chart-Erfolg gelandet, bei dem sieben Beats während des gesamten Stückes wiederholt werden. Im 007 Theme verwendete Barry ebenfalls sieben sich stetig wiederholende Beats. (Interessanterweise kommt sowohl das Elmer-Bernstein-Stück als auch das 007-Thema in Moonraker vor.) Ein Musikkritiker beschrieb den Grundrhythmus des Stücks als "telegraph-style", insofern passend zu einer Dechiffiermaschine als McGuffin in FROM RUSSIA WITH LOVE

Wobei man natürlich auch sagen muss, dass es in jedem Bondfilm idealerweise auch noch ein eigenes ein individuelles Hauptthema gibt - oft auf dem Titelsong basierend - das dann eben diese eher mitreißenden oder romantischen Funktionen erfüllt. Vielleicht war das ein Grund, warum Barry selbst es in seinen drei Bondarbeiten nach 1979 nicht mehr einarbeitete. Vor allem die Instrumentalversionen von A View To A Kill und The Living Daylights klingen wunderbar heroisch und einprägsam. Später gelang das auch David Arnold mit den Versionen von Surrender in TOMORROW NEVER DIES und You Know My Name in CASINO ROYALE

Das Thema eignet sich vor allem für größere Actionszenen, besonders Verfolgungsjagden. In Liebesgrüße aus Moskau hört man es zweimal, während des Kampfes im Zigeunerlager und während des Diebstahls der Lector in Istanbul. In Feuerball kurz während der Unterwasser-Schlacht, in Man lebt nur zweimal während der Luftaktion mit Little Nelly, In Diamantenfieber bei der Zerstörung von Blofelds Bohrinsel und schließlich in Moonraker bei der Bootsjagd im Amazonas-Dschungel. (Wäre es in letzterem Film nicht aufgetaucht, hätte man es als ein eigenes Thema für Sean Connerys Bond ansehen können. Auch eine interessante Idee: Ein eigenes Theme für jeden Bond-Darsteller.)

Gepasst hätte es theoretisch in vielen der nachfolgenden Filme. Während der Auto- und Cellojagd in Der Hauch des Todes zum Beispiel, der Panzerjagd in GoldenEye oder auch der Jagd zwischen Bond un Zao in Stirb an einem anderen Tag. Hier hätte es bei den vielen Zitaten und Hommagen auch Sinn ergeben. Es wäre schön gewesen, dieses Thema von verschiedenen Komponisten immer wieder neu interpretiert zu hören.  

In den Craig-Filmen kann ich mir das Thema dagegen nur schwer vorstellen, da es - wie eingangs erwähnt - eher eine leichte, abenteuerliche und positive Note hat. Am ehesten vielleicht während der Verfolgungsjagd in Rom in Spectre.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen