Sonntag, 19. Januar 2020

Agent im Ausnahmezustand


                                               "Think you need a friend to stay here by your side?
                                                         Yes, you do!"
                                                                                                               (Licence To Kill, Gladys Knight)
 


Bond-Marathon #17: LICENCE TO KILL (1989)

Lizenz zum Töten, Q-GadgetsWas ist James Bond ohne 007? Ohne seine Lizenz zum Töten? Ist es nur eine Nummer oder ein Teil seiner Identität, die ihn von anderen Actionelden abhebt? Bonds Erlaubnis, das Unerlaubte zu tun, war von Anfang an eine der Attraktionen der Reihe. Schon der erste Bondfilm DR. NO warb damit auf dem Plakat: The double "O" means he has a license to kill when he chooses...where he chooses...whom he chooses! In Italien hieß DR. NO sogar übersetzt Lizenz zum Töten, weshalb LICENCE TO KILL dort den (passenderen) Titel Vendetta Privata erhielt.

Die Frage stellt sich auch angesichts des kommenden Bondfilms NO TIME TO DIE, der Bond im Ruhestand und eine Nachfolgerin in der Doppelnull-Abteilung zeigt. Vor etwas mehr als 30 Jahren hatte mit LICENCE TO KILL (Lizenz zum Töten) erstmals ein Bondfilm den Mut, die etablierte Bondformel kräftig zu schütteln, Bond einfach mal seine Lizenz zu entziehen und einen gewagten Genre-Mix zu präsentieren - irgendwo zwischen Buddy-Movie, Neo-Western und 'Rape and Revenge'-Thriller. War Lizenz zum Töten ein zu später und missglückter Modernisierungsversuch oder seiner Zeit zu weit voraus?





LICENCE TO KILL kulinarisch

Budweiser, Licence to killIn der Barrelhead-Bar in Key West wird Bond und Pam ein Budweiser mit Limette serviert, aber wie so oft kommt Bond nicht dazu, es zu trinken.

Franz Sanchez ist des öfteren dabei zu sehen, Scotch auf Eis zu trinken. Beim Gespräch mit Bond bietet er aber ganz profan einen Kaffee an. Pam Bouvier bestellt für Bond einen Wodka Martini mit einer international verständlichen Geste. In einer Szene, die leider der Schere zum Opfer fiel, sieht Bond in seinem Hotelzimmer Sanchez im TV, während er sich einen Drink aus einem Flachmann eingießt, der gleichzeitig seine Waffe beherbergt.

Kulinarisch interessanter ist es bei Fleming. In der Kurzgeschichte The Hildebrand Rarity, aus der der Charakter Milton Krest und seine Yacht Wavekrest entnommen sind, trinkt Krest mehrere Bullshots - eine in den 50ern sehr populäre Variante der Bloody Mary, bei der der Tomatensaft durch Rinderkraftbrühe ersetzt wird.



Im Vorfeld: Auf welche Elemente freue ich mich? Auf welche nicht? 

Lizenz zum Töten ist ein Bondfilm, der in der Wahrnehmung je nach Stimmung und Sichtung ziemlich stark schwanken kann. Er hat zahlreiche Elemente, die ich nicht nur sehr gelungen, sondern mutig und sogar visionär finde. Es ist einer dieser Beiträge, die in wildere Gestade aufbrechen und das Bewährt-Gewinnbringende hinter sich lassen, und das Franchise dadurch auf längere Sicht von anderen Reihen abheben. Die schauspielerischen Leistungen in den Hauptrollen sind allesamt stark. Das Drehbuch ist ambitioniert und clever, und die Actionszenen stellen so manchen späteren Bondfilm locker in den Schatten. (Mehr zum Film auch hier.)

Aber es gibt leider auch einige Wermutstropfen im Wodka. Das Setting in Florida und Mexiko versprüht weniger Bond-Atmosphäre als andere Werke, überhaupt fehlt etwas das leicht übertriebene, surreale Moment, das den Bondkosmos kennzeichnet. Am Anfang ist Bond außer Dienst in privaten Angelegenheiten unterwegs. Es wirkt auf mich, als mache Bond einen Abstecher in die Realität, aus der er den gesamten Film lang nicht wieder in seinen eigenen Kosmos zurückfindet. Ein bisschen wie Jack Slater in LAST ACTION HERO, der die goldene Kinokarte verloren hat.


Bewertungen:

Einführungssequenz / Vortitelsequenz11/15

Waren die Eröffnungsszenen früherer Bondfilme oft kleine Filme für sich, ist sie hier untrennbar Teil der Handlung. Bond ist mit seinem Kollegen und Freund Felix Leiter (David Hedison) auf dem Weg zu dessen Hochzeit, als sie von einer Chance erfahren, einen berüchtigten Drogendealer festzunehmen. Obwohl nicht im Dienst, ermöglicht Bond dann durch seinen Einsatz diese Festnahme. 

Die Vortitelsequenz steigt mitten ins Geschehen ein, sozusagen in medias res. Es gibt aber einige Dinge, die für mich nicht so richtig funktionieren. Zum einen die Gags um Bräutigam und Trauzeuge, die zu spät zur Hochzeit kommen. Man ist irgendwie zu wenig mit den Beteiligten vertraut für diese Buddy-Atmosphäre. Auch die Präsentation von DEA-Agenten als Inbegriff der Coolness wirkt etwas seltsam. Das Coolste in einer Vortitelsequenz sollte Bond sein, sonst nichts. Dazu kommt auch, dass die Locations abgesehen von der Seven Mile Bridge nicht so richtig beeindrucken.

Titelanimation11/15
Letzter Titel von Maurice Binder, der 1991 leider verstarb. Damit endete auch hier eine langjährige Kontinuität.



Allow me to intruduce myself...

Einführungsszene von Bond: 10/15
James Bond ist zuerst im Rolls Royce als Trauzeuge von Felix Leiter zu sehen.

Einführungsszene des Haupt-Bondgirls12/15
Bond und der Zuschauer begegnet Pam Bouvier (Carey Lowell) zuerst im Büro von Felix Leiter. Man erfährt nicht, wer sie ist oder welche Verbindung sie zu Leiter hat, was die Szene interessant macht. Erst später hat sie eine Art Blind Date mit Bond in einer Hafenbar.

Einführungsszene des Gegenspielers12/15
Franz Sanchez (Robert Davi) wird bereits von der ersten Einstellung an als very important person eingeführt, im Original sogar mit der Stimme von Michael G. Wilson persönlich. Zu sehen ist er dann, als er den Vorhang vom Bett herunterreißt, in dem seine Freundin mit einem Liebhaber liegt. Die ganze Szenerie hat es bedrohliches, und man ahnt schon, dass man diesem Mann nicht in die Quere kommen möchte.

Einführungsszene des Haupt-Henchman12/15
Dario (Benicio Del Toro) ist an der Seite von Sanchez zu sehen, ebenso wie Perez (Alejandro Bracho).



Darstellung von James Bond14/15

Making of Licence to Kill
"The Making of Licence To Kill" -
erworben auf einer der ersten Bondausstellungen
in Deutschland, in Hildesheim 1998
Grundsätzlich finde ich Daltons Performance hier auch beeindruckend. Allerdings wirkt er in manchen Szene etwas zu emotional auf mich für einen professionellen Agenten. So zum Beispiel beim Gespräch mit M, wo man ihm seinen Ärger ansieht. Ich denke, Bond sollte in solchen Situationen mehr Pokerface zeigen. In den Romanen ist sogar oft beschrieben, dass sein Gesicht zu einer emotionslosen, ironischen Maske wird.

Gibt es Szenen, in denen Bond weniger sympathisch erscheint?
Keine bestimmten Szenen. Insgesamt streiten kann man sich natürlich über Bonds Methode, Sanchez' Untergebene in Misskredit zu bringen und dadurch ihre teils sehr grausamen Tode in Kauf zu nehmen. Diese Methode benutzt er sonst nicht, und man kann es als etwas charakter-untypisch ansehen. Bei Krest ist es allerdings noch so, dass Bond ihn vor allem als Augenzeugen unglaubwürdig machen will und über seinen Tod dann selbst erschrocken etwas ist. Sanchez' Vertrauen gewinnt er dann eher durch Zufall.

Darstellung des Gegenspielers: 14/15

Die Darstellung von Robert Davi an sich ist eine der besten der gesamten Reihe. Franz Sanchez wirkt trotz seiner enormen Bedrohlichkeit glaubwürdig und in seinen Handlungen nachvollziehbar. Oft hat er sogar eine gewisse Coolness, etwa wenn er sich über Krests Beschreibung von Bonds Flucht lustig macht und kurz einen Vogel imitiert.

So überzeugend Davis Performance aber auch ist, fehlt Sanchez insgesamt für mich etwas das Außergewöhnliche, das das Bonduniversum nun mal ausmacht.

Henchmen: 14/15
Auch hier eine beeindruckende Vorstellung von Benicio Del Toro, einer der sehr wenigen Schauspieler, die auf der Rolle des Handlangers eines Bondschurken eine beachtliche internationale Karriere aufbauen konnten. Nach einigen TV-Rollen, etwa in Miami Vice, und seinem Auftritt in LICENCE TO KILL schaffte er mit THE USUAL SUSPECTS (Die üblichen Verdächtigen, 1995) den Durchbruch und erhielt für TRAFFIC einen Oscar. Ähnlich wie bei Robert Davi eine sehr überzeugende und teils bedrohliche Vorstellung, der aber auch ein wenig das gewisse bondige Etwas fehlt.

Neben Dario hält sich Sanchez eine ganze Armada von Untergebenen. Neben Perez noch Milton Krest (Anthony Zerbe) und dessen eigenes Team, den Militärchef von Isthmus, Colonel Heller (Don Stroud), den Finanzexperten Truman-Lodge sowie den vom deutschen Schauspieler Guy De Saint Cyr verkörperten Braun.

Bondgirl: 13/15
Carey Lowell als Pamela "Pam" Bouvier ist mir diesmal sehr positiv aufgefallen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es vor den 90er Jahren gelang, starke und selbstständige Kampfgefährtinnen zu kreieren, die trotzdem natürlich, sympathisch und liebenswert wirken. Carey Lowell zeigt sich ebenso tough und sexy wie humorvoll. Zudem stimmt die Chemie mit Timothy Dalton.

Pam ist eins der sehr wenigen Bondgirls, die innerhalb des Films ihren Look wechseln dürfen. Bond selbst muss zweimal hinsehen. Nicht zuletzt durch diese filmische Freiheit wirkt sie erstaunlich dreidimensional.

Helfer: 13/15
Am Anfang des Films Felix Leiter (David Hedison, Leben und sterben lassen) und Sharkey (Frank McRae). Vor allem Hedisons Darstellung ist eine der überzeugendsten und einprägsamsten für Bonds CIA-Kollegen, und das, obwohl er aufgrund einer Panne seinen Text nicht rechtzeitig erhielt.

Später im Film wird Q (Desmond Llewellyn) zu Bonds Verbündeten im Feldeinsatz. Obwohl das in OCTOPUSSY schon einmal kurz angedeutet wurde, ist es sehr schön und amüsant, Q mal als aktiven Agenten zu sehen.


MI-6

Briefing-Szene: 14/15
"Wir sind kein Country-Club, 007!" Eine klassische Briefing-Szene gibt es hier nicht, eher im Gegenteil. Bond wird genötigt, mit M zu sprechen, der dessen eigenmächtiges Vorgehen stoppen will. Als Bond seine Waffe abgeben soll, kommt es sogar zu einem Handgemenge. Der eigene Geheimdienst als Gegenspieler ist ein absolutes Novum, und - wenn man an die BOURNE-Reihe und andere modernere Agententhriller denkt - seiner Zeit weit voraus. Zumal das Ende des Kalten Krieges und die Infragestellung von Geheimdiensten in der Folge während der Produktion noch gar nicht absehbar war. 

Interessant wäre diese Szene mit Ur-M Bernard Lee gewesen.

Moneypenny-Szene: 8/15
Bond begegnet Moneypenny nicht persönlich. Man sieht sie nur kurz in ihrem Büro, als M sie dabei erwischt, wie sie heimlich Berichte über Bond einholt. Dann telefoniert sie mit Q. Moneypenny erweist sich hier ebenfalls als heimliche Verbündete - ein Aspekt, der in der Craig-Ära maßgeblich ausgebaut wurde.

Q-Szene: 15/15
Im Prinzip dasselbe wie auch sonst: Q besucht Bond im Einsatz und stattet ihn mit Gadgets aus. Aber es hat diesmal etwas herzlicheres. Eine schöne Entwicklung, wenn man an die Anfänge der Filmreihe denkt, wo Q Bond nicht mochte. Hier riskiert er sogar sein Leben für Bond. Toll auch, dass Desmond Llewellyn hier noch einmal etwas mehr Spaß bei den Dreharbeiten haben durfte.


Dramaturgische Struktur

Ist das auslösende Ereignis stark und interessant genug? 14/15

Das handlungsauslösende Ereignis geschieht hier relativ spät, nach ca. 20 Minuten. Dafür ist es aber sehr kraftvoll und dramatisch.

Kenworth W900 (wikipedia)
Hält der Film durchgehend eine gewisse Grundspannung aufrecht? 14/15

Finale allgemein: 15/15
Die Action mit den Tanklastern ist innerhalb der Filmreihe mal etwas völlig anderes und sehr gut umgesetzt und choreografiert. Die Dreharbeiten nahe Mexicali, dessen Kenworth-Fabrik die umgebauten Trucks zur Verfügung stellte, erwiesen sich als sehr anstrengend. Unter der Crew gab es Gerüchte, dass die Gegend wegen eines früheren Unglücks verflucht sei.

Gibt es eine Steigerung des Sensationswertes bis hin zum Finale, das alles andere überschattet? 13/15



Endkampf Bond - Henchman: 12/15

Kurzer finaler Kampf zwischen Bond und Dario an einer Pulverisierungsanlage, in die Dario dann stürzt.

Endkampf Bond - Schurke: 15/15
Ein erbitterter, schmutziger Kampf bis auf's Letzte. Einer der besten des gesamten Franchise.

Wirkt die Auflösung nach dem Finale befriedigend? 8/15
Ähnlich wie im Vorgängerfilm eine große Party mit allen Beteiligten. Was etwas seltsam wirkt ist Bonds Telefonat mit Felix Leiter, der schon wieder erstaunlich gut drauf ist. Ich hätte es passend gefunden, wenn sie sich noch einmal persönlich begegnen im Krankenhaus. 

Ist Bonds ermittlerische Vorgehensweise glaubwürdig und zielführend? 15/15
Das ist einer der größten Pluspunkte des Films. Bonds Vorgehensweise ist hier ausgesprochen effektiv und clever. Er improvisiert, etwa wenn er sich als Zoo-Mitarbeiter aus London ausgibt und Krests Eitelkeit nutzt, oder durch seine Spielerfähigkeiten Sanchez' Aufmerksamkeit erregt und sich einfach bei ihm bewirbt, um die Sicherheitsvorkehrungen in dessen Wohnung auszukundschaften. Da Bond hier größtenteils auf sich allein gestellt ist und sich nicht auf die Unterstützung des MI-6 verlassen kann, nutzt er seine Fähigkeiten intensiver als sonst. Nur hin und wieder ist der Zufall auf seiner Seite, etwa wenn er durch Hellers Armee gerettet wird und in Sanchez' Gefilden erwacht.



Allgemein


Bond-Feeling: 8/15
Leidet etwas durch die US-Schauplätze und die vergleichsweise sehr realitätsnahe Atmosphäre.

Fleming-Feeling: 11/15
John Gardner: Lizenz zum Töten, Roman zum Film
Zum ersten Mal gab es einen Roman zum Film, geschrieben
vom damaligen offiziellen Bondautor John Gardner. Da er den
Fleming-Bond fortsetzte, wurde der arme Felix Leiter zum
zweiten Mal von einem Hai verstümmelt.
Der Film wird oft als sehr nah am literarischen Bond gesehen. Tatsächlich übernimmt er den Handlungsteil mit Leiters Verstümmelung aus Flemings zweiten Buch Leben und sterben lassen, für dessen 1973er Verfilmung das zu brutal und düster war. Im Buch ist Mr. Big dafür verantwortlich, dessen Organisation ähnlich mächtig und weitverzweigt ist wie die von Sanchez. Da die Rache für diese Tat im Buch nicht mit Bonds Auftrag kollidiert, kann man nur darüber spekulieren, inwieweit Flemings Bond genau so handeln würde wie im Film. In den Romanen wird immer wieder betont, wie sehr Bond M loyal ergeben ist, und damit auch dem Geheimdienst. Nur einmal ist er auf privater Mission unterwegs, in der Kurzgeschichte For Your Eyes Only (Für Sie persönlich), und das aber auch nur, um M einen Gefallen zu tun.

Bonds private Racheaktion und seine Methode des Gegeneinander-Ausspielens sehe ich daher nicht unbedingt eins zu eins dem Roman-Bond entsprechend. Außerdem waren Flemings Bücher nie so nüchtern und realitätsnah, sondern hatten immer etwas verspieltes und abenteuerlich konstruiertes.

Dialoge/Humor: 13/15
Der Humor wirkt auf mich in der ersten Hälfte manchmal zu bemüht, funktioniert dafür aber recht gut in der zweiten. Teilweise ist er eher trocken und subtil, etwa wenn Bond Hemingway zitiert, oder Pam als seine Sekretärin Miss Kennedy nennt - eine Anspielung auf Jackie Kennedy.

Logik/Schlüssigkeit der Story: 15/15
In dem Punkt stellt der Film fast alle anderen Beiträge in den Schatten. Mir fallen hier keine größeren Logiklöcher auf. Man könnte sich natürlich fragen, wie Q mit Sprengstoff-Gadgets durch die Flughafenkontrollen von Isthmus City gekommen ist, oder ob Sanchez aus seinem Flugzeug nicht gesehen hat, dass der Mann, der ihn gefangen hat, der Trauzeuge von Leiter ist. Aber gemessen an anderen Bondfilmen sind das Peanuts. Sowohl Sanchez und seine Pläne als auch Bonds Vorgehen sind hier erstaunlich realitätsnah und nachvollziehbar.

Produktions-Design: 8/15
In puncto Design setzt der Film innerhalb der Reihe keine wirklichen Maßstäbe. Die Örtlichkeiten, die beeindrucken - wie das Hotel in Isthmus City, Sanchez' Anwesen oder das Meditationszentrum - sind reale Locations.

Spezialeffekte: 11/15
Zum Teil kommen wieder sehr geschickt Vorsatzmodelle zum Einsatz, etwa bei der Helikopter-Luke in Sanchez' geheimen Drogenlabor. Die Qualitäten liegen hier teilweise auch eher im Splatterbereich, mit dem platzenden Kopf von Krest beispielsweise.

Action/Stunts: 15/15
Deutsches Aushangfoto
Die Actionszenen sind allesamt gelungen und glaubwürdig. Bonds Flucht von der Yacht Wavekrest mit anschließendem Entern des Flugzeugs ist grandios, ebenso die Stunts und Pyroeffekte im Finale. Als Actionfilm ist LICENCE TO KILL phantastisch und muss sich in keinster Weise vor späteren Bondfilmen verstecken, im Gegenteil.

Bildgestaltung: 10/15
Überzeugt mich hier im Vergleich zum Vorgänger weniger.



Locations

Drehorte: 9/15

Der letzte Bondfilm, der im Sinne Flemings komplett in mehr oder weniger derselben Gegend spielt. Im Vergleich zu Daltons Debüt wirken die Drehorte in Florida und Mexiko jedoch größtenteils nicht so aufregend, da man sie aus verschiedenen US-Filmen und -Serien kennt, und sie, anders als etwa in Leben und sterben lassen, auch nicht so außergewöhnlich genutzt werden. Wobei Mexiko Stadt noch ihre Momente hat. Ursprünglich plante man, einen Großteil des Films in China zu realisieren, was man jedoch wegen der oppulenten Szenen in THE LAST EMPEROR (Der letzte Kaiser) leider aufgab.

Interessant sind das Centro Ceremonial Otomí in Temoaya, das als Meditations-Center von Professor Joe und als geheimes Drogenlabor von Sanchez dient, und die Villa Arabesque in Acapulco, die Sanchez' Wohnsitz darstellt.

Lokalkolorit: 12/15
Lokalkolorit kommt an allen Drehorten gut rüber, auch wenn es größtenteils nicht so richtig exotisch und außergewöhnlich wirkt.

Kombination: 12/15



Musik

Titelsong: 14/15

Gordon's Gin kreierte eigens für den
Film einen speziellen Cocktail
Nach den beiden Ausflügen in poppigere Gefilde ging man hier wieder auf Nummer Sicher und präsentiert einen sehr klassischen Song im typischen Bassey-Stil, gesungen von Soul-Stimme Gladys Knight. Sehr schön finde ich, dass der Song nicht einfach die ernstere und härtere Atmosphäre des Films verdoppelt, sondern einen augenzwinkernden und angenehmen Gegenpol setzt. Das vermisse ich mittlerweile oft.

Das Musikvideo kreierte Daniel Kleinman, der bei den Bondproduzenten damit eine eindrucksvolle Visitenkarte hinterließ und ab dem nächsten Film GOLDENEYE in die Fußstapfen von Maurice Binder trat.

Allgemein: 11/15
Michael Kamen, der die Musik für die DIE-HARD- und die LETHAL-WEAPON-Reihe sowie für HIGHLANDER schrieb, übernahm den Taktstock von John Barry. Ursprünglich sollte Barry noch einmal den Soundtrack komponieren, er musste aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Kamen hatte daher nicht genügend Zeit für seine Musik - ein Problem, das bei Bondfilmen öfter auftaucht. Seine Musik ist eher ernsthaft und düster, und passt damit gut zum Film. Schon die Klänge zur Gunbarrel sind sehr ungewöhnlich und dramatisch, und machen klar, dass es sich hier um keinen typischen Bondfilm handelt.

Der Song für die End-Credits, If You Ask Me To von Patti LaBelle, dessen Lyrics auch im Film zwischen Bond und Pam zitiert werden, gefällt mir sehr gut. Celine Dion coverte das Lied einige Jahre später und hatte damit großen Erfolg.




Fazit - Gewonnen oder verloren?


LICENCE TO KILL hat diesmal erstaunlich viel Spaß gemacht. Die Hauptattraktion des Filmes ist tatsächlich Bond selbst, seine Cleverness und Effektivität. Mehr als in jedem anderen Bondfilm hat man hier den Eindruck, dass Bond es mit einem übermächtigen und hochgefährlichen Gegner zu tun hat. Gerade dadurch, dass Sanchez durch Korruption und Einschüchterung seinen Machtbereich bis in Regierungs- und Geheimdienstkreise ausgedehnt hat, ist der Kampf gegen ihn hier nicht das übliche amüsante Spiel. Lizenz zum Töten gelingt eine für einen Bondfilm erstaunliche Reflektion über die Verstrickungen von organisiertem Verbrechen, Politik und auch Religion.

Insofern ist Lizenz zum Töten, obwohl er sich weiter von der üblichen Märchenwelt entfernt als jeder andere Bond, das vielleicht schönste Märchen überhaupt: Er träumt davon, dass es jemanden mit den Fähigkeiten und der Integrität eines James Bond, der diesen ganzen Sumpf im Alleingang trockenlegen könnte, auch in der Realität geben könnte. Trotz aller Düsternis und Brutalität eine sehr hoffnungsvolle Vision...

Sowohl Dalton als auch Davi, Del Torro und auch Lowell beeindrucken. Unter der Mitarbeit von Produzent Michael G. Wilson gelang hier ein erstaunlich stringentes Drehbuch mit sehr guten Actionsequenzen.

Leider wird das Filmerlebnis aber immer auch etwas getrübt durch gewisse Dinge. Die gesamte Atmosphäre des Film wirkt etwas schmucklos und profan, und lässt etwas von der glitzernden, überlebensgroßen Faszination des Bond-Universums missen. Vor allem in der ersten Filmhälfte. Insofern passt auch der wenig poetische und phantasievolle Filmtitel. Ich kann Vorwürfe, dass der Film teilweise wie Miami Vice aussieht, schon etwas nachvollziehen. Lizenz zum Töten ist streckenweise etwas unvorteilhaft im Zeitgeist der End-Achtziger verhaftet. Das merkt man etwa bei der Hochzeit, wenn ein älterer Herr zu schrecklicher Musik zu tanzen versucht, (eine Szene, die mich immer ein bisschen an das Musikvideo zu Imitation of Life von R.E.M. erinnert) oder bei der Kneipenschlägerei.

Auch wenn er in dem Bemühen, es härter und realitästsnaher anzugehen, oft etwas über das Ziel hinaus schießt und die magischen Grenzen der Bondwelt überschreitet, ist Lizenz zum Töten einer der mutigsten und konsequentesten Bondfilme. Qualitäten, die ich in den darauffolgenden Filme etwas vermisse. LICENCE TO KILL wurde in der Folge paradoxerweise gleichzeitig zum Vorbild und zum abschreckenden Beispiel. Man versuchte, dessen Intensität und Härte zu erreichen - etwa beim Endkampf zwischen Bond und Trevelyan im nachfolgenden Film - wollte zugleich aber auch typische, klassische Elemente zelebrieren, um vor allem das US-Publikum nicht zu vergraulen. Ein Spagat, der vor allem die nachfolgenden Brosnan-Filme kennzeichnet.

In der Summe seiner Bestandteile ergibt Lizenz zum Töten eine Zwei plus.



Gefühlt: 12/15
Errechnet: 12,21/15

Also  80  % und eine 2+: Die Leistungen entsprechen den Anforderungen voll.





James Bond will return in


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